Sepp Rittler

 

Letzte Änderung: 12.9.2015

 

Sepp Rittler ist der bekannteste Dialektdichter der Umgebung, der in unermüdlicher Arbeit viele Theaterstücke, Liedtexte und Gedichte verfasste.

Er wurde am 4. August 1892 in Fels am Wagram geboren und besuchte die Handelsschule in Wien-Strebersdorf.  Danach bereiste er – größtenteils zu Fuß - das damalige Österreich und Ungarn, weiters Nord- und Süddeutschland, Holland, Belgien, Frankreich, Italien und den Balkan und kam bis Konstantinopel. Später arbeitete er als Redaktionsbeamter bei der „Stuttgarter Zeitung“.

Vom Ersten Weltkrieg kam er als Invalide zurück. Er fand eine Stelle als Schreibkraft im  Landesverteidigungsministerium. 1918 heiratete er die Kirchbergerin Maria Leithner. Er war äußerst umtriebig und in verschiedenen Berufen tätig. So arbeitete er am Kirchberger Steueramt, bei der Bezirkshauptmannschaft Tulln, als Wirt im Kirchberger Bahnhofsbuffet, als Kirtags- und Marktstandler, Bahnbeamter und Rechtsanwaltsgehilfe. In Kirchberg war er der Nachbar von Otto Fandl mit dem gemeinsam er etliche Lieder herausbrachte. 1928 gründete er die „Niederösterreichische Presse“, eine Wochenzeitung, die in kurzer Zeit in Kirchberg und den umliegenden Bezirken sehr beliebt wurde. Dazu aus der Schulchronik Kirchberg: "Mit Beginn des Jahres 1929 begründete der hiesige Schriftsteller Sepp Rittler in Kirchberg a. Wagr. ein Wochenblatt unter dem Titel „Niederösterrische Presse“, deren 1. Nummer zu Erinnerung hier beiliegt. Das Blatt bestand selbständig bis 25. April und wurde dann mit dem Kremser Volksblatt vereinigt."

Neben seiner dichterischen Tätigkeit und Vorlesungen nahm er eine Stelle als Versicherer bei der Anglo-Elementar-Versicherung an und wurde bald Gebietsvertreter  für ganz Niederösterreich. Er starb im Alter von 52 Jahren, am 12. Dezember 1942, im Krankenhaus Stockerau an Typhus. Sein Grab befindet sich am Kirchberger Friedhof. Im Ortsteil „Tobel“ ist eine Straße nach ihm benannt. 

 

Seine Werke: 

Theaterstücke:

„‘s Ghoamnis“ – ein Volksstück mit Gesang und Tanz in drei Akten mit Musik von Rudolf Kronegger, das in Krems uraufgeführt wurde.

„Räuberhauptmann Grasl“ – ein Lustspiel, das oft gespielt wurde.

„Der Schatz im Keller“ – eine Posse mit Musik von Bernhard Kaempfner

„Das Jungfernstüberl“ – Ein Stück, das laut Pfarrchronik Kirchberg (1931) beim katholischen Publikum Empörung hervorrief und Sepp Rittler und die Pfarrherren entzweite.

Mehr als 100 Einakter 

Liedertexte

„ I kenn zwa blinde Musikanten“

„Mei Schatzerl is a Schaffnerin“, diese beiden Lieder wurden von Robert Stolz vertont,

„Kampflied der Wiener“ von C.M. Ziehrer. 

Mundartgedichte

Seine Gedichte fanden Aufnahme in die Anthologie „Dichtung aus Niederösterreich“ – herausgegeben vom NÖ. Bildungs- und Heimatwerk, Wien 1971.

Einige seiner Gedichte finden Sie hier: http://www.hf-kirchberg.at/index.php/kuenstlerisches/gedichte/sepp-rittler 

 

Die Meinungen über diesen berühmten  Sohn unserer Heimat gehen allerdings auseinander. Auf der Homepage der Gemeinde Kirchberg liest man: „ In seinen dichterischen und schriftstellerischen Wirken kannte Sepp Rittler keine Pausen. So hinterließ er vielerlei Theater- und Gedichtsammlungen, die zusammen einen schönen Beitrag zu unserem heimatlichen Schrifttum bilden.“ 
einrich Hartauer kann in seiner Dissertation zum Thema „Die Niederösterreichischen Mundartdichter des 20. Jahrhunderts“ den Werken Rittlers nicht so viel abgewinnen: „Rittlers Gedichte sind inhaltlich und gehaltlich belanglos, in bezug auf die Mundart jedoch wertvoll, da der Dichter die Weinviertler ui-Mundart echt und altertümlich überliefert.“ 
Ein Zeitzeuge, Pfarrer Karl Rasberger, berichtet in der Pfarrchronik Kirchberg 1931von einem Skandaltheaterstück – „das Jungfernstüberl“: „….Das katholische Publikum war empört. Schade, daß die Katholiken so mutlos waren, schon im 1. Akte das Theater unter Pfuirufen zu verlassen….“   

Ein Nachruf auf Sepp Rittler aus der Schulchronik Engelmannsbrunn, Schulleiterin Berta Wetscherek: "Sepp Rittler, der weit über seine engere Heimat bekannte Mundartdichter, ist am 12. Dezember nach mehrmonatlicher Krankheit im Krankenhause, erst 51 Jahre alt, gestorben. Rittler war ein alter Kämpfer. Ein guter und treuer Kamerad scheidet von uns, der immer an das Edle und Schöne glaubte und viele Menschen durch seine Dialektgedichte, seine Erzählungen und Märchen erfreute.
Donnerstag, den 17. Dezember wurde Rittler zu Grabe getragen. Kreisleiter Pg. Svoboda und Männer seines Stabes, die Ortsgruppe Kirchberg mit Ortsgruppenleiter Schiehl und eine große Menge von Freunden aus nah und fern gaben dem toten Kameraden das letzte Geleite. Am hochgelegenen Friedhofe Kirchberg, wo der Blick weit hinausführt über das Donautal bis zu fernen, nebelverhangenen Bergen der Heimat, die Sepp Rittler so sehr geliebt hat, hielt der Kreisleiter seinem Hauptstellenleiter einen ergreifenden Nachruf und bot ihm den letzten Gruß." 

 

Quellen:
Dissertation von Heinrich Hartauer, 1971, NÖ Landesarchiv
http://www.kirchberg-wagram.at/sites/geschichte/mainframe_main_geschichte_whoiswho.html
Pfarrchronik Kirchberg am Wagram

Broschüre von Otto Fandl über Sepp Rittler

Foto:
Broschüre von Otto Fandl über Sepp Rittler

 

November 2012
Maria Knapp