Kleindenkmäler und Gedenktafeln in Kirchberg/Wagram
 
 
Hl. Barbara
 
Die Statue, die um 1850 entstanden sein dürfte, steht auf einem gemauerten Pfeiler nahe der Kreuzung Kremser Straße – Dörflerweg.
 
Nach handschriftlichem Brief von Amtsrat Werner Kern wurde die Statue von Wagnermeister Mathias Irral (1789 bis 1853) errichtet. Die Vermutung, die hl. Barbara wäre Patronin der Wagner, beruht aber offenkundig auf einer Verwechslung. Die Heilige ist eine der 14 Nothelferinnen, die als Christin in Nikomedien von ihrem Vater der Legende nach zunächst in einem Turm eingesperrt wurde, und, da sie nicht von ihrem Glauben ablassen wollte, letztlich den Märtyrertod durch Enthauptung erlitt.
(Dr. Johannes Ramharter, Kleindenkmäler in Kirchberg am Wagram, 2005)
 
Die Statue im Jahr 2022
Beethoven-Gedenktafel
 
Anlässlich des Gedenkjahres „250 Jahre Ludwig van Beethoven“ ließ die Marktgemeinde im Jahr 2020 an der Stelle, an der Beethoven auf seiner letzten Reise zu seinem Bruder Johann in Gneixendorf Rast in Kirchberg am Wagram einlegte, eine Gedenktafel anbringen.
 
Die Inschrift lautet:
Ludwig von Beethoven
Ziel der letzten Reise Ludwig van Beethovens war der Besuch seines Bruders Johann auf dessen Landgut in Gneixendorf bei Krems. Am 29. September 1826 wurde in Kirchberg am Wagram Rast eingelegt und in einem Wirtshaus an der Kremser Straße das Frühstück eingenommen. Seine Rückreise nach Wien Ende November/Anfang Dezember 1826 dürfte den Komponisten wieder hierhergeführt haben. Da die Reise nicht an einem Tag zu bewältigen war, musste Beethoven in einem Dorfwirtshaus übernachten. Dass es sich dabei um Kirchberg am Wagram gehandelt haben könnte, ist denkbar und auch sehr wahrscheinlich, aber nicht belegbar. Die durch diese Wohnhausanlage führende und 1977 benannte „Beethovenstiege“ erinnert  an diese historische Begebenheit.
Zum Gedenken – 250 Jahre Ludwig van Beethoven – wurde diese Tafel im Rahmen des Beethovenjahres 2020 angebracht.
Marktgemeinde Kirchberg am Wagram, September 2020
 
Näheres dazu siehe hier

Brückenmarterl
 
Dieser aus Ziegeln gemauerte Pfeilerbildstock ist 1797 errichtet worden. Der Tabernakelaufsatz trägt ein geschweiftes Pyramidendach mit einem Kreuz. Ursprünglich dürfte in der vergitterten Nische eine Hl. Dreifaltigkeit gestanden sein. Heute steht eine Porzellan-Madonna dort.
 
Das Denkmal befindet sich neben der Brücke, die von der Schanz (Schulareal) zum neuen Friedhof führt.
 
       
Foto rechts: Dr. Rudolf Delapina, Kirchberg/Wien
Fotos unten: Das Marterl im Jahr 2022
 

     
 
 
 
Cordula
 
Das Denkmal war ursprünglich für die Gemeinde Mönichkirchen zur Erinnerung an den Dichter Anton Wildgans (1881-1932) gedacht, dessen Versepos „Kirbisch“ eine Satire auf die Ereignisse an der Heimatfront während des Ersten Weltkrieges darstellt. Da die Geschehnisse,  an die die Skulptur der Hauptheldin des Epos erinnern soll, in den 1950er Jahren noch zu aktuell waren, verweigerte die Gemeinde Böheimkirchen die Aufstellung und die Skulptur konnte günstig für die neuerrichtete Schule von Kirchberg erworben werden.
Rudolf Schmidt (1894-1980) war ein vielbeschäftigter Bildhauer der Nachkriegszeit, der auch in Wien eine Reihe öffentlicher Aufträge, etwa für den Bauschmuck von Bauten der Gemeinde Wien durchführte.
(Dr. Johannes Ramharter, Kleindenkmäler in Kirchberg am Wagram, 2005)
 
 
Die „Cordula“ mit Volksschule und Wagramhalle im Hintergrund, 2022
Datiert und beschriftet mit R. Schmidt, 1954
 
 
 
Dreifaltigkeitssäule
 
Bei dem frühklassizistischen Bauwerk handelt es sich um einen Obelisken mit Volutenkapitell auf einem hohen, dreiseitigen Sockel, umgeben von Figuren der  Hll. Sebastian, Rosalia, Florian und Donatus, gekrönt von der Dreifaltigkeitsgruppe und einer achtseitigen Steinbalustrade mit aufgesetzten Vasen im Zopfstil. 
 
Die lateinische Inschrift an der Südwestseite lautet übersetzt:
Vor Feuers Schaden,
vor der Blitze Ungemach,
vor der Seuche giftigem Hauch,
oh schützt uns ruhmreiche Patrone,
Florian, Donatus, Sebastian.
 
 
Die Inschrift auf der Ostseite soll lauten:
Leopold Kalchhauser
1780
Renoviert 1870
Dies ist aber kaum mehr lesbar. 
 
Südwestweite - Südostseite - Nordostseite
 
 
Wie Dr. Eiselt in seiner Dissertation schreibt, dürfte es sich um keine Pestsäule handeln: Die Durchsicht der Sterbeprotokolle läßt erkennen, daß die Bürger des Marktes nur einmal (ab 1632, Beginn der Pfarrmatriken) von der Pest heimgesucht wurden, und zwar im Jahre 1654. Damals starben in den Monaten Mai und Juni 27 Bewohner des Marktes an der Pest (aufgeschlüsselt waren dies 5 Bürgersleut, 9 Bedienstete und 13 Kinder).
 
Die Dreifaltigkeitssäule war seit ihrer Errichtung auch Teil der Fronleichnamsprozession. Diesem Fronleichnamsaltar diente möglicherweise auch das leere Postament unter der Rosalia-Statue im Vordergrund, das die Größe des Sockels einer Monstranz hat.
 
Die Säule ist in folgenden alten Karten eingezeichnet:
 
Begonnen hat das Aufstellen von Danksäulen zu Beginn des 17. Jahrhunderts. Nach dem Westfälischen Frieden im Jahr 1648, der den 30jährigen Krieg beendete, hatte Kaiser Ferdinand III. zur Errichtung von Danksäulen aufgerufen, und ist mit der Mariensäule am Hof in Wien mit gutem Beispiel vorangegangen.
 
Die Säule ist eine Spende des Bürgers und Eisenhändlers Leopold Kalchhauser, Kirchberg 25 (heute 31, Moosbauer/Frasl). Er ersuchte 1779 den Rat und die Bürgerschaft, eine Dreifaltigkeitssäule auf eigene Kosten errichten zu dürfen. Aus den Ratsprotokollen von 1762-1790: Herr Leopold Kalchhauser gewester burgerlicher Eysenhändler ersucht einen löbl. Rath und Burgerschafft eine heil. Fältigkeit Säulle an alhiesigen Marckt Kirchberg am Wagram setzen lassen zu dürfen, zwar auf seine eigenen Kosten.
Der Rat bewilligte sein Ansuchen:  Weillen also Supplikant solche Säulle vollkommen auf seyne eigenen Kösten herzustellen sich verbindet, so wird ihme Herrn Kalchhauser von Seithen alhiesigen Markts Rath sowohl als auch Burgerschaft in seine Bitte gewilligt, und die Versicherung dahin gegeben, daß solche Säulle zu ewigen zeiten durch besagt löbl. Rath und Burgerschaft erhalten werden solle. Mai 1779.
Leopold Kalchhauser war zu erheblichem Wohlstand gekommen, zudem war er lange Jahre Mitglied des Inneren Rates. Er ist im Oktober 1779 mit 63 Jahren verstorben. Seine Witwe Elisabeth heiratete daraufhin Philipp Schober, mit dem sie die Eisenwarenhandlung fortführte. Elisabeth starb1782.
 
Franz Xaver Schweickhardt schreibt 1835 in seiner Topografie über die Säule: Auf dem Platze seht eine schöne Dreifaltigkeitssäule und in geringer Entfernung davon, wo der Hohlweg beginnt, die Marktsäule mit der eines geharnischten Ritters….
 
1870 konnte die Säule durch die Unterstützung des neu gewählten Bürgermeisters und Sparkassedirektors Franz Roßkopf renoviert werden: Die Gemeinde Kirchberg a. Wag. besitzt am oberen Marktplatze eine Statue der Allerheiligsten Dreifaltigkeit. Diese Statue war dem Zerfalle nahe. Die Ungunst der Zeit, der Unverstand anderseits wirkte dem Zerfalle in die Hände. Durch Anregung des Gefertigten und tüchtige Unterstützung des Herrn Bürgermeisters dahir, Franz Roßkopf, Hausbesitzer dahir ist diese Statue restauriert worden. Herr Norbert Schlossarek hat diese Restauration ganz trefflich durchgeführt, die abgebrochenen Steinmassen neu angefertigt und das ganze mit Öhlfarbe adjustiert. Den 26. Juni 1870 habe ich diese restaurierte Statue, ein Denkmal früherer Pietät, feierlich benedicirt. Kirchberg a. Wag. den 26. Juni 1870.   Vinc. Willim, Pfarrer
 
   
Die Dreifaltigkeitssäule während einer neuerlichen Renovierung, die 1963 abgeschlossen war.
 
 
Über die Weihe der restaurierten Säule ist in der Pfarrchronik zu lesen: Am 27. Mai 1963 brachten unsere Jungscharbuben im Staffellauf von Königsbrunn kommend über Unterstockstall das Osterlicht nach Kirchberg…. Mit über 350 brennenden Fackeln zogen wir zum Hauptplatz. – Die Ortsbeleuchtung war ausgeschaltet. Die Festrede sprach der Ortspfarrer. Er sprach über Sinn der Lichtstafette und forderte auf zum Gebet um Einheit im Glauben und leitete über zur Weihe der restaurierten Dreifaltigkeitssäule.
 
Am 14. August 2005 fand ein Marktfest anlässlich der Segnung der neuerlich restaurierten Dreifaltigkeitssäule statt.
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Die Säule, an prominenter Stelle am Hauptplatz errichtet, stand immer wieder im Mittelpunkt wichtiger Ereignisse in der Marktgemeinde, von denen hier einige erwähnt werden sollen:
 
1866 beschreibt Pfarrer Vinzenz Willim den Weg der Fronleichnamsprozession: …. Nach vollendeter Andacht geht die Procession um die Dreifaltigkeitssäule herum, und zieht an der rechten Häuser-Reihe hinab durch die beiden Stege in den sogenannten Katzensprung, bis zu dem Badehaus, dort biegt die Procession ein auf die Straße, und zieht zu dem Park des Herrn Köck, wo der dritte Altar aufgestellt ist. Ist bei dem dritten Altar die Andacht vollzogen, geht die Procession auf der Straße bis zu dem Hause des Herrn Prosel, von da aus wird eingebogen zu der Auffahrt, welche in den Markt führt, bis zum Hafnerhause.
 
 
Ansichtskarte von 1898
Karte: Anton Schwanzer, Utzenlaa
 
 
Kolorierte Ansichtskarte, um 1900
 
 
Gezeichnete Karte um 1900
Karten: Herbert Eder, Kollersdorf
 
 
Friedrich Gustav Kardinal Piffl wurde bei der Säule empfangen: Der 27. und 28. Juni 1914 waren große Ehrentage für die Pfarrgemeinde. Der hochwürdigste Oberhirte kam, um Generalvisitation zu halten. Am 27. nach 3h war der feierliche Einzug, nachdem Se  Eminenz bei der Dreifaltigkeits-Säule auf’s Schönste begrüßt worden war, in die herrlich geschmückte Kirche….
 
1920 fand ein überaus gut besuchter Katholikentag statt, wie die Pfarrchronik berichtet: 3h nachmittags begann der Aufmarsch, der Körperschaften und Vereine zum Festplatz. Bei der Dreifaltigkeitssäule war die Rednertribüne, geziert mit dem Kardinalswappen. Der ganze Marktplatz war von der Menschenmenge besetzt. Von den Fenstern der dekorierten Häuser sah man die feinen Gäste, fremde aus besten Ständen.
 
Beim Katholikentag im Jahr 1922 versammelten sich nach der heiligen Segenandacht am Nachmittag auf dem Platze vor der Dreifaltigkeitssäule eine Menge von mehreren tausend Personen zu der Festversammlung, mit der die Tagung einen glänzenden Abschluß fand.
(Reichspost vom 22.5.1922) 
 
1929 fand zum dritten Mal ein Katholikentag statt. Vormittags zelebrierte  Prälat Merinsky aus Wien ein feierliches Pontifikalamt. Nachmittags fand am Hauptplatz die Festversammlung statt.  
 

Katholikentag 1929
Foto: Herbert Eder, Kollersdorf
 
 
Pfarrchronik: Sonntag den 2. Juni 1929 fand in Kirchberg das Heimwehrfest statt, mit Feldmesse bei der Dreifaltigkeitssäule und Wimpelweihe, die der Pfarrer mit Ansprache hielt. Erschienen waren bei 1000 Mann Heimwehr, die in strammer Haltung vor dem Altare aufgestellt waren. Bei der Feldmesse war eine feierliche Stille und Andacht zu beobachten.
 
    
Heimwehrtag 1929
Foto: Herbert Eder, Kollersdorf
 
 
Um 1960
Foto: Otto Moosbauer, Kirchberg
 
 
1966 war der päpstliche Nuntius Opilio Rossi zu Besuch in Kirchberg.
Foto: Maria Schachmayr, Tulln
 
 
Aus der Pfarrchronik:
1982 entschloss sich die Frauengruppe zum ersten Mal, einen großen Weihnachtsmarkt vorzubereiten. – Er wurde ein großer Erfolg. 15.000,- S spendeten die Frauen für die Restaurierung der Pestsäule am (Marktplatz) Kirchenplatz.
2005: Das Erntedankfest, am 30. Oktober wurde mit einer Prozession eröffnet – nach der Segnung der Erntegaben bei der Dreifaltigkeitssäule am Marktplatz.
2006: Mit dem Palmsonntag treten wir ein in die Leidenswoche. Bei der Dreifaltigkeitssäule am Marktplatz wurden die Palm- u. Ölzweige gesegnet und an die Ministranten und Kinder verteilt. Danach Prozession zur Kirche.
 
  
  
Von links: Hl. Donatus, Hr. Sebastian, Hl Rosalia, Hl. Florian
Fotos: Hermann Pistracher, 2005

 
Details zu den Patronaten und Attributen der Heiligen siehe hier.
 
 
Die Säule im Jahr 2018
 
 
 
Gnadenstuhl
 
Es handelt sich bei diesem Denkmal um einen aus Holz geschnitzten und bemalten Gnadenstuhl, der sich in einer Glasvitrine an der Hausecke das Hauses Müllergraben  2 (Familie Zwickl) befindet.
 
„In Ergänzung eines verehrten Wundersteins ließ Abt Kaspar Plautz im Jahr 1614 am Sonntagberg ein Bild der heiligen Dreifaltigkeit aufstellen, das sich bald schon weiter Verbreitung und Verehrung erfreute. Um die Mitte des 17. Jahrhunderts bildeten sich in ganz Niederösterreich Dreifaltigkeitsbruderschaften. Die sichtbare Verehrung der Trinität hatte auch im Zeitalter der Kämpfe gegen die islamischen Osmanen eine wesentliche politische Bedeutung. Der Höhepunkt der Errichtung von Denkmälern nach dem Muster des „Sonntagberger Gnadenstuhls“ liegt in der Zeit um 1700, danach werden andere Formen der Dreifaltigkeitsdarstellung bevorzugt.“
(Dr. Johannes Ramharter, Kleindenkmäler in Kirchberg am Wagram, 2005)
 
Wilhelm Simlinger schreibt über dieses Denkmal: Früher stand in einem Mauerquader, der zum Zwicklhaus im Müllergraben gehört, in einer Rundbogennische unter Glas eine Dreifaltigkeit. In den letzten Kriegstagen des Jahres 1945 ist diese Dreifaltigkeit bei einem Bombenangriff getroffen, aber wunderbarer Weise unverletzt geblieben. Die Familie Zwickl hat am Eck ihres Hauses einen würdigen Platz angewiesen, das Marterl ganz neu aufgebaut und die Dreifaltigkeit neu herrichten lassen, wirklich eine Zierde des Hauses. Im Herbst des Jahres 1955 wurde dieser Bildstock bei einer feierlichen Prozession wieder neu durch den Pfarrer geweiht. Merkwürdig ist auch hier wieder, daß der hl. Geist in Gestalt der Taube sich nicht zu Häupten des Gottvaters, sondern zu dessen Fußen abgebracht ist.
 
     
Der Gnadenstuhl im Jahr 2022 
 
 
Hl. Johannes Nepomuk-Statue
 
Als Generalvikar und rechte Hand des Bischofs von Prag, Johann von Enstein, wurde er Opfer des Streits zwischen König Wenzel IV. und dem Erzbischof um die Einsetzung des Bischofs von Kladrau. Vordergründig unterstellte man ihm, die Beichtgeheimnis verletzt zu haben. 1393 ertränkte man ihn in der Moldau.
 
Die Statue aus Zogelsdorfer Sandstein befindet sich etwa in der Mitte des Fußaufstieges von der Kremser Straße zum Markt, „Katzensprung“ genannt. Der profilierte Sockel zeigt einen Anker und die Initialen F.D. (Franz Delapina) 1865.
 
Johannes Nepomuk (geb. um 1350 in Pomuk, gest. 20.3.1383 in Prag) wird auch als Bückenheiliger bezeichnet. Er erlitt den Märtyrertod durch Sturz von der Brücke. Er ist der Patron der Priester, Beichtväter, Flößer, Schiffer, Müller, der Verschwiegenheit, Schützer des guten Rufes, gegen Wassergefahren. Als einziger Heiliger neben Maria wird er mit Sternenkranz dargestellt.
 
Näheres siehe hier.
            
Die Statue und der Platz im Jahr 2020
 
 
 
Kaiser-Eiche
 
Am oberen Ende des Marktplatzes errichtete die Gemeinde im August 1908 zum 60. Regierungsjubiläum Kaiser Frans Josefs I. das „Kaiserdenkmal“ (→ Denkmäler, die verschwunden sind).
Auf dem freien Platz neben der Auffahrt zur ehemaligen Schule und Kirche wurde aus gleichem Anlass eine Eiche gepflanzt, später wurde daneben das Kriegerdenkmal errichtet.
 
 
Eiche und Kriegerdenkmal, 2022
 
 
 
Kreuz der Landjugend
 
Anlässlich des 3. Weinviertler Landjugendtreffens  am 18.6.1967 wurde bei der Zufahrt zum Freibad ein Holzkreuz errichtet. Da in diesem Bereich Bautätigkeiten stattgefunden haben, hat man sich um 2014 entschlossen, das Kreuz auf den jetzigen Standort südlich des Hauptplatzes, in die Gasse „Auf der Linde“ zu setzten. Hier befindet sich ein kleiner Platz mit einer herrlichen Aussicht über das Tullnerfeld. 
 
1800 Jugendliche marschierten bei diesem Treffen unter den Klängen der KLJ-Jugendkapelle Roseldorf zum Hauptplatz, dort erreichte die Zahl der Jugendlichen 3.000. -  Prälat Dr. Karl Moser sprach zur Jugend. 
 
   
 
Inschrift:
Wir alle sind Brüder
Landjugendtreffen
18. Juni 1967     
 
 

  
Kreuz und Blick vom Platz auf der Linde über den immer größer werdenden südlichen Teil von Kirchberg, 2022
 
 
 
Kriegerdenkmal
 
Das Kriegerdenkmal wurde auf Initiative der Kriegsveteranen nach dem 1. Weltkrieg errichtet und 1921 geweiht. Die Planung hat der Wirt Alois Schiel übernommen.
 
Dabei zeigt das Denkmal eine originelle Lösung, wird doch versucht im Gegensatz zu den Traditionen des 19. Jahrhunderts, denen die meisten Denkmäler dieser Art folgen, die konkrete Situation des Krieges darzustellen. Das Monument nimmt Bezug auf die für beide Seiten verlustreichen Kämpfe im Karst des Isonzotales und türmt deshalb Blöcke aus Neudegger Konglomerat zu einer Pyramide, die von Geschützläufen flankiert werden auf. Das gängige Motiv des bekrönenden Kaiseradlers wurde durch den stürzenden tödlich getroffenen Vogel mit aktuellem Sinn paraphrasiert.
(Dr. Johannes Ramharter, Kleindenkmäler in Kirchberg am Wagram, 2005)
 
 
Aus einer damaligen Zeitung: Am Nordabfall des Kirchenberges, wo die beiden Auffahrten nach Kirchberg zusammentreffen, befindet sich das Kriegerdenkmal. Eine vierseitige, etwa 5 m hohe Pyramide aus Neudegger Konglomeratblöcken mit einer über 2 m hohen grottenartigen Nische soll eine Karstkaverne darstellen. Vier Stufen führen zur Grotte, die beidseits je eine Gedenktafel mit den Namen der toten Helden aus den sieben Gemeinden der Pfarre trägt; rückwärts steht ein schmiedeeisernes Kreuz mit einem Betschemel. Über der Grotte liegt zwischen zwei auseinanderragenden Geschützläufen kopfabwärts ein abgeschossener Ader. – Rechts neben dem Denkmal steht eine Jubiläumseiche von 1908.
 
     
Während des Baues
Fotos: Anton Halmer, Mitterstockstall

 
Am 8. September 1921 fand laut Pfarrchronik die Einweihung des Kriegerdenkmales statt: Um ½ 10 h hielt der hochw. Herr Professor Franz Gundl an der Dreifaltigkeitssäule am Marktplatze an die Krieger eine sehr schöne Ansprache und unter Assistenz der Pfarrgeistlichkeit die Feldmesse. Nachmittags um 2 h war die Weihe des Kriegerdenkmals, welche wieder Herr Prof. Gundl vornahm und wo auch der Pfarrer eine Ansprache hielt.
 
    
Fotos: Dr. Rudolf Delapina, Kirchberg/Wien

 
Ein Zeitungsartikel vom März 1937 lobt das Engagement von Herrn Franz Delapina in Bezug auf die Gestaltung des Platzes rund um das Kriegerdenkmal:
Da Kirchberg am Wagram keinen Verschönerungsverein besitzt, hat sich der heimische Kaufmann Herr Franz Delapina in lobenswerter Weise der Verschönerung der Umgebung seines Hauses angenommen. Rings um das unter seinem Hause liegenden Kriegerdenkmal, das eine Steingrotte am Hang mit dem gestürzten Adler auf der Höhe in origineller Weise darstellt, hat er einen kleinen Park mit Anpflanzung von Ziergesträuch angelegt und ebenso die Ecke bei der Schule durch Strauchanpflanzung verziert. Auf den Hang hat er Waldbäume gesetzt und in musterhafter Weise dort, beim Kriegerdenkmal und bei der Schule Ordnung und Pflege geschaffen. Es kann sein Wirken als Vorbild für alle anderen dienen und verdient unser aller Lob.
 
  
Nach 1945 wurden an der Außenseite die Gefallenen des 2. Weltkrieges ergänzt.
Karte: Herbert Eder, Kollersdorf
 
 
1984 ließ die Marktgemeinde das Kriegerdenkmal renovieren.
 
 
Das Denkmal im Jahr 2022
 
 
 
Kinderplastiken
 
Bub und Mädchen bei der Abfahrt vom Marktplatz
 
 
Die Mädchenfigur, 1940 vor dem Kaufhaus Kainz
Foto: Familie Delapina, Kirchberg
 
Die Knabenfigur, vor dem Haus der Familie Moosbauer
Foto: Otto Moosbauer, Kirchberg
 
   
 
Die Figuren im Jahr 2022 
 
 
 
Marktroland und Marktwappen
 
Die Rolandsfigur galt seit dem Mittelalter als Sinnbild der Eigenständigkeit einer Stadt oder eines Ortes mit Marktrecht und eigener Gerichtsbarkeit und damit der Freiheit.
Die Figur des Rolands, die durch das Rolandslied bekannt wurde, hatte im Mittelalter den Status eines Volkshelden. Der Ruhm geht zurück auf das Schicksal Hruotlands, der unter Karl dem Großen Graf der bretonischen Mark war. Roland fiel bei einem Rückzugsgefecht gegen die Waskonen (Basken) in den Pyrenäen im Tal von Roncesvalles im Jahr 778. Hieraus entstand das Rolandslied.
 
Kirchberg erhielt 1493 durch Kaiser Friedrich III. das Marktwappen und die Erlaubnis zur Abhaltung eines Marktes im Jahr. Von dieser Tradition zeugt das Marktmanderl, auch Marktroland genannt, das 1636 errichtet wurde.
 
Die halblebensgroße Sandsteinfigur steht auf einer drei Meter hohen Vierkantsäule in der kleinen Parkanlage gegenüber des neuen Rathauses. Die Figur trägt einen Harnisch, die linke Hand ist auf einen Wappenschild gestützt, welcher die Aufschrift
 
K.P.A.W – Kirchperg am Wachrain, die Jahreszahl 1636
 
und das alte Gemeindewappen zeigt:
 
  
 
Das Blutgericht (Landgericht) stand damals der Grafenegger Herrschaft zu. 14 Tage vor, während und 14 Tage nach dem Markt war der Marktrichter dafür zuständig. In dieser Zeit trägt der Roland das Schwert in der Rechten, ansonsten den Hammer, welcher Vorgang auch heute noch durchgeführt wird.
 
Um 1830 stand das „Marktmandl“ in der Nähe der Dreifaltigkeitssäule, wie aus der Topographie von Franz Xaver Schweickhardt hervorgeht. Um 1880 wurde es an den jetzige Stelle versetzt und erhielt um 1937 eine Parkanlage, die von Franz Delapina (1882-1959) geschaffen wurde.
 

1932 – der Marktroland vor der Anlage des Parkes
Foto: Dr. Rudolf Delapina, Kirchberg/Wien
 
Ein einquartierter Soldat, 1944; Foto: Otto Moosbauer, Kirchberg - 
Der Marktroland mit Schwert und Hammer flankiert von zwei Löwen
 
        
Der Park im Jahr 2022
 
 
Unterhalb der Statue befindet sich ein Steinrelief des Marktwappens von 1493 (siehe unten), darunter eine Gedenktafel zur 500. Wiederkehr der Verleihung des Marktrechtes. 
 
Näheres zur Verleihung des Marktrechtes siehe hier. 
 
 
 
Marktwappen
 
  
 
Sowohl am Alten Rathaus als auch unterhalb des Marktrolands befinden sich Sandsteinreliefs mit dem Marktwappen. Jenes beim Marktroland ist gezeichnet mit Alois Schiel (Gastwirt in Kirchberg 60, geb. 1859), so wie auch das Kriegerdenkmal. Er dürfte wohl eine Renovierung finanziert haben.
 
  
 
Marterl am Rossplatz
                                   
Samstag, den 10. Juni 1961 fand laut Pfarrchronik die Weihe des neuen Marterls am Roßplatz statt. Dort hat der junge Künstler Johann Holzschuh jun. sein "Meisterstück" in formvollendeter Weise schön geschmückt vis à vis des väterlichen Betriebes aufgestellt. - Die Marktgemeinde hat dankenswerter Weise aus dem Domverlag eine holzgeschnitzte kl. Muttergottesstatue gespendet. Nach einem Wort des Dankes an die Familie Holzschuh erfolgte die Weihe. Ein Marienlied schloß die Feier.
 
     
Das Marterl, 2022  
 
 
 
Missions-Kreuz
 
Zum Andenken an die Volksmissionen, die in der Pfarrkirche stattfanden und stets gut besucht waren, befindet sich an der Ostseite der Kirche das Missionskreuz mit den Jahreszahlen 1938, 1947, 1954 und 1972.
 
Die Volksmission steht im Unterschied zur herkömmlichen Seelsorge für eine Form der Evangelisierung innerhalb der eigenen Kirchen. Sie wurde zu einem Sammelbegriff für Aktivitäten zur Glaubenserneuerung in einer bereits christianisierten Bevölkerung und innerhalb schon bestehender Pfarr- und Kirchengemeinden. Ihr Ziel ist nicht die Taufe und die Gründung neuer Kirchen und Kirchengemeinden, sondern die Intensivierung des Glaubenslebens der zugehörigen Mitglieder. (Wikipedia)
 
Die erste Erwähnung einer Mission war im Jahr 1915: Im Oktober 1914 starb in Eggenburg Herr Schaupp, ein Ottentaler,  und vermachte den dortigen PP. Redemptoristen ein Legat, daß in Kirchberg eine Mission abgehalten werde. Diese wurde nun hier abgehalten vom 31. Januar bis 2. Februar u.zw. von den hochw. Herrn P. Rektor Joh. Luty, P. Meister Joh. U. P. Schwarz. Gegen 3600 empfingen die hl. Sakramente. Gottes Segen war sichtlich dabei.
 
Eine weitere fand 1919 statt. 1921, zum 700jährigen Jubiläum des 3. Ordens des hl. Vaters Franciscus wurde ebenfalls eine Mission abgehalten.
 
1926, zur  300-Jahrfeier der Kirchenweihe durch Fürstbischof Josef Dominicus Graf Lamberg von Passau fand wiederum eine Mission statt
 
Volksmission 1938: Vom 12. bis 21. März 1938 wurde gerade eine Volksmission abgehalten, und zwar von den hochwürdigen Herrn P. Staudacher Hartmann und P. Strachwitz Sigismund aus dem Orden des hl. Franziskus. Durch den Umsturz wurde wohl der Besuch anfangs beeinträchtigt, aber durch die Hilfe Gottes und den Eifer der Missionäre gelang es trotz äußerer schwieriger Umstände die Mission erfolgreich zu gestalten. 2100 hl. Kommunionen und 1600 Beichten bewiesen diesen Erfolg.
 
   
Eingeklebte Einladung in der Pfarrchronik             
 
1947 wurde das 800jährige Bestehens der Pfarre mit einer Volksmission gefeiert. 
Volksmission 1954: Nach einer 3tägigen Vormission in den Filialen begann am 6. März 1954 die große Erneuerung in Kirchberg. Es hat sich wieder einmal so recht gezeigt, daß die Franziskaner wirklich Volksmissionäre sind. Täglich wuchs die Besucherzahl in der Kirche, besonders die religiösen Abendveranstaltungen, die auch auf das Gemüt abgestimmt waren, lockten die Gläubigen in großen Scharen herbei. 97 % der Gläubigen haben diese religiöse Erneuerung mitgemacht. Die Patres haben viel erreicht durch Hausbesuche, Rücktritte wurden angebahnt und Ehen in Ordnung gebracht.
 
Volksmission 1972: Am 23. Jänner 1972 hielt der Leiter der Volksmission P. Rektor Anton Kendöll aus dem Redemptoristen Kloster in Eggenburg bei allen Gottesdiensten in der Pfarre die Einleitungspredigt für die Volksmission in d. Pfarre Kirchberg.
Am Ende der Volksmission, deren Ergebnis nicht an das der vorhergehenden heranreichte,  wurde das renovierte Missionskreuz wieder aufgestellt – Herr Josef Vogel aus Oberstockstall hat es renoviert.
 
Das Missionskreuz, 2022
 
 
Pietà-Säule
 
Die aus dem 17./Anfang des 18. Jahrhunderts stammende Pietà am Kirchenplatz thront auf  einer ca. vier Meter hohen Säule, die wiederum auf einem viereckigen Sockel ruht und an der sich ein Wolkenband mit Engelköpfen emporzieht, in Zweidrittellebensgröße sieht man oben Maria mit dem Leichnam Jesu.
 
Die Pietà (it. für „Frömmigkeit, Mitleid“, nach lat. domina nostra de pietate „unsere Herrin vom Mitleid“), auch Vesperbild genannt, ist in der bildenden Kunst die Darstellung Marias als Mater Dolorosa (Schmerzensmutter) mit dem Leichnam des vom Kreuz abgenommenen Jesus Christus. (Wikipedia)
 
Die mit einem Wolken- oder Skulpturenband umwundene Säule ist eine um 1700 gebräuchliche Architekturform, die auch für das Denkmal der Maria-Trost-Statue von 1679 gewählt wurde. Zwischen beiden Monumenten könnte ein zeitlicher und inhaltlicher Zusammenhang bestehen: Vertritt das eine von Johann Christoph Beer errichtete Denkmal den Freudenreichen Rosenkranz, so stellt die Pietà-Säule den Schmerzensreichen Rosenkranz dar – auf dem Vorplatz der Kirche befand sich bis ca. 1790 ein Teil des Friedhofes. Beide Säulen markieren somit Geburt und Tod, die Eckpunkte menschlichen Lebens.
(Dr. Johannes Ramharter, Kleindenkmäler in Kirchberg am Wagram, 2005)
 
Aus der Pfarrchronik:
1870 wurde die mater dolorosa auf dem Kirchenplatz nach Bewilligung durch das erzbischöfliche Ordinariat  restauriert.
1885: Auch die Muttergottessäule am Kirchenplatze erhielt einen neuen Heiligenschein, wurde mit 2facher Ölfarbe gestrichen und ringsum Strauchwerk gepflanzt, zu dem später Waldbäumchen kamen.
 
    
So sah der Kirchenplatz um 1940 aus.
Fotos: Kaplan Lorenz Dienbauer
 
1925 wurde am Kirchenplatz bei der Mariensäule die Glockenweihe für 2 Kirchenglocken und eine Glocke für das Tschernitz-Spital vorgenommen.
 
Ein großes Fest fand 1926 anlässlich der Firmung und des Missionsabschlusses statt, an der 14 Priester, 400 Firmlinge und eine große Volksmenge teilnahmen. Dabei wurden gleichzeitig ein Pontifikalamt in der Kirche und eine Feldmesse bei der Mariensäule am Kirchenplatz gehalten.
 
Die Pietà-Säule – im Hintergrund das Dollfuß-Denkmal,
vor 1938
Foto: Rudolf Delapina, Kirchberg/Wien
 
Gleichzeitig mit der Renovierung der Außenfassade der Kirche wurden 2013 die Pietà und das Relief der Gottesmutter über dem Haupteingang der Kirche restauriert.
 
    
Foto von 2018
 
  
Der Kirchenplatz mit Pietà und neu gesetzten Bäumen, 2022
 
      
 
Der Poststein
 
Am 19. Jänner 1825 wurde Michael Pasching zum Betrieb eines Post-Relais für Reisende, ohne Beförderung der Korrespondenz, ermächtigt. Untergebracht war diese Station in seinem Haus in Kirchberg 37 (heute Kremser Straße 50). 1828 gingen Haus und Post-Relais in das Eigentum von Michael Prosl über. Für deren Betrieb wurde ihm aber erst nachträglich im Jahre 1830 die Zustimmung erteilt. Diese "provisorische" Einrichtung wurde 1831 zu einem Postamt mit Pferdewechsel erhoben und nahm am 10. Mai den Betrieb auf.
Postmeister Michael Prosl verstarb im 55. Lebensjahr am 2. Mai 1850, also kurz vor Ausgabe der ersten österreichischen Brief­marken (1. Juni 1850). Zu diesem Zeitpunkt bestanden in Nieder­österreich 145 Poststationen.
 
In früherer Zeit wurden die Verkehrswege den Verkehrsmitteln angepasst. Bei Pferdefuhrwerken war die Tagesfahrleistung maßgeblich. Eine Tagesleistung von 8 Meilen (1 Meile = 6 km) konnte nur bei regelmäßigen Pausen in den 2 Meilenabständen erreicht werden. Bei diesen Pausen mussten Fahrer und Fuhrwerk versorgt werden. Brunnen, Wagenremisen, Wirtshäuser und Handwerker wurden benötigt. Teile der Ladung konnten verkauft oder getauscht werden. Handwerker wie Sattler, Schmiede und Wagner fanden ein reiches Betätigungsfeld für ihre Künste.
Beim Betrachten alter Postnetze und Wege wird dies besonders deutlich. Ein Beispiel ist der alte Postweg, der von Wien entlang des Wagrams nach Krems führte: Floridsdorfer Spitz - Korneuburg - Stockerau - Gaisruck - Kirchberg - Hadersdorf - Krems.
 
Von den "positae mansiones" , den Rasthäusern gibt es in Kirchberg lediglich ein erhaltenes Stück, das über die Wichtigkeit der Kirchberger Poststelle Zeugnis gibt - den „Poststein“. Der Stein als Schild und Kennzeichen der damaligen „Posthaltestelle“ wurde zur Erinnerung an frühere Verkehrsbedingungen im Zentrum des Kreisverkehrs an der alten Poststraße, der heutigen Kremser Straße, aufgestellt.
 
        
Poststein – Vorder- und Rückansicht des Gedenksteines
 
   
Der Kreisverkehr mit dem Poststein, alle 2020
Über das Postwesen in Kirchberg am Wagram wird zu einem späteren Zeitpunkt berichtet.
 
 
 
Rugkreuz

Auch Soldatenkreuz oder Rugstein
 
An der Stelle, an der die Georg-Ruckstraße ein Stück weit in die gleichnamige Seitengasse einmündet, steht ein abgefaster Pfeiler mit aufgesetztem Tabernakel, profilierten Rechtecköffnungen und Pyramidendach. Die Säule trägt an der Vorderseite die Inschrift:
 
Georg Rug,
des Rats Bürger
und Sattler allhier
 
Das Marterl stand bis 1953 nordwestlich des Ortes auf freiem Feld, 1920 wurde daneben ein Trafo errichtet. Wie Wilhelm Simlinger schreibt, ist das Denkmal um 1958 von einem Lastwagen umgefahren und nicht wieder aufgestellt worden. Dies dürfte erst später an der heutigen Stelle geschehen sein.
 
Das Denkmal ist in folgenden alten Karten eingezeichnet:
 
Den Namen Soldatenkreuz erhielt das Denkmal, das die Form einer Totenleuchte hat, weil am ursprünglichen Aufstellungsort angeblich französische oder russische Soldaten begraben wurden. Dies mag auf ein Gemetzel im Hinterland des 30-jährigen Krieges verweisen, in dessen Gefolge ein Jahr darauf Marktmanderl, Schmidtor und Rundum-Schanz errichtet wurden.
Es könnte sich aber auch um ein Pestkreuz gehandelt haben.
 
Eintragungen über Georg Ruckh finden sich in dem Pfarrmatriken von 1636 bis 1638. Seine Gattin hieß Anna, seine in dieser Zeit geborenen Kinder Ferdinand, Anna Maria und Katharina. Ein Sterbevermerk ist im Totenregister nicht zu finden.
 
Geburt der Tochter Catharina, am 27. März 1636
Taufmatriken Kirchberg am Wagram
 
Im Grundbuch von 1627-1665 findet man auf Seite 52 den Sattlermeiser Georg Ruckh, dessen zweite Gattin mit Simon Steinhart 1641 an Nutz und Gewähr des Hauses geschrieben wurde. Das heißt, Georg Ruckh dürfte in diesem oder im Jahr davor verstorben sein. Er betrieb laut Otto Fandl im Hinterhaus Glanz (Marktplatz 13), das er auch besaß, seine Sattlerwerkstatt. 
 
Foto: Rudolf Delapina, Kirchberg/Wien
 
 
Das Marterl im Jahr 2018
 
 
 
Ursprungskapelle
 
Johann Christoph Beer, Sohn des Kirchberger Handelsmannes und Marktrichters Georg Ambrosius Beer, hatte sich 1674 in zweiter Ehe mit Maria Magdalena verehelicht, zwei Töchter starben jung, ein Erbe wollte sich nicht einstellen. Da gelobte das Paar, eine Mariensäule zu setzen, falls Gott sie mit einem Kind segne. Als ihnen 1679 Sohn Johann Jakob geboren wurde, setzten sie die versprochene Mariensäule am Wegknoten des Steiges nach Mitterstockstall.
Als Lorenz Höck aus Unterstockstall von einer tödlichen Krankheit genas, baute er über die Mariensäule eine Kapelle. Der Ort entwickelte sich im Laufe der Jahre zu einer überaus gutbesuchten Wallfahrt, bis Kaiser Joseph II. im Jahr 1787 die Kapelle abreißen ließ.
Näheres zur Wallfahrt siehe hier.
 
Die ursprüngliche Kapelle ist in der Josephinischen Landesaufnahme eingezeichnet, in der Franziszeischen Landesaufnahme und in der Franzisko-Josephinischen Landesaufnahme sieht man nur mehr ein einfaches Denkmal.
 
Die Wallfahrt wurde auf die Pfarrkirche übertragen und an der Stelle der abgebrochenen Kapelle 1835 vom Kirchberger Handelsmann Ignaz Berger ein Breitpfeiler errichtet, der heute als Ursprungskapelle bezeichnet wird. Er stiftete ein Bildnis der  Maria mit dem Jesuskind, das einen Vogel in der Hand trägt. Das Gemälde wurde, da es schon unbrauchbar geworden war entfernt und an dessen Stelle die Lourdesmadonna aus Gips aufgestellt, für die man mit Auflassung der Lourdeskapelle in der Pfarrkirche im Jahr 1958 keinen Platz mehr hatte: Bei der Restaurierung der Pfarrkirche wurde über Wunsch Sr. Exzellenz Dr. Jachym die Lourdesstatue in der Lourdesgrotte beseitigt. - Wohin mit der geschützten Statue? - Allgemein wurde die Lösung begrüßt, unsere Lourdesstatue in die Ursprungskapelle zu stellen. - Anstatt der unwürdigen, kitschigen Bilder steht jetzt dort die würdige Statue. - Bei der Weihe der Kapelle durch den Ortspfarrer, der ein Fackelzug vorausging, suchte dieser die Versetzung der Statue zu rechtfertigen, was auch gelang. Diese Weihe fand am 10.6.1961 durch Pfarrer Rudolf Koriska statt
 
Die Inschrift auf der angebrachten Tafel lautet: 
 
 
 
Fotos: Hermann Pistracher – Otto Moosbauer, beide Kirchberg – Familie Salomon, 1929, Oberstockstall 

    
Fotos: Herbert Eder, Kollersdorf 

 
Pfarrer Morgenbesser mit Prozessionen bei der Ursprungskapelle
Fotos: Christina Dreschkai, Kirchberg – kfb Kirchberg 

Im Jahr 1987 wurde das Jubiläum „200 Jahre Wallfahrtskirche Maria Trost“ gefeiert. Ehrengast und Festprediger war Alterzbischof Dr. Schoißwohl, der 1924/25 Kaplan in Kirchberg war. Die Feier begann bei der Ursprungskapelle, mit einem  Fackelzug zog man zur Wallfahrtskirche, wo eine feierliche Marienvesper abgehalten wurde. Otto Fandl brachte zu diesem Anlass eine Festschrift über die Geschichte der Wallfahrt heraus und der Verschönerungsverein renovierte die Ursprungskapelle ansprechend.

 

Foto: Hermann Pistracher, Kirchberg 

Die Kapelle im Jahr 2022
 
 
 
In und bei den Friedhöfen:
 
 
Denkmal für die Gebeine aus der Unterkirche
 
Bei der Errichtung des neuen Friedhofes wurde auch eine Grabstätte für alle Gebeine geschaffen, die in der Unterkirche gesammelt und aufgestapelt waren. Die Freiwillige Feuerwehr erklärte sich bereit, die Arbeit zu übernehmen und die Gebeine von der Kirche zur neuen Beerdigungsstelle zu bringen und dort beizusetzen. Drei Tage lang waren 1999 viele Helfer am Werk. 
Näheres siehe hier unter „Der neue Friedhof“ gegen Ende des Artikels.
Im Kreis um die Stelle, an der die Gebeine liegen, wurden Koniferen gesetzt und zwei Gedenktafeln errichtet:
 
HIER RUHEN IN FRIEDEN
CHRISTEN DIE AM FRIEDHOF
UND UM DIE KIRCHE BE-
STATTET WURDEN DEREN
GEBEINE ABER NACH AUF-
HEBUNG EINES FRIEDHOFS-
TEILES SEIT 150 JAHREN IN
DER UNTERKIRCHE BEIGE-
SETZT WAREN. IM SEPT. 1999
WURDEN SIE GEHOBEN UND
IN DIESEM NEUEN FRIEDHOF
ZUR EWIGEN RUHE BESTATTET.
 
ICH BIN DIE AUFERSTEHUNG
UND DAS LEBEN.
WER AN MICH GLAUBT
WIRD LEBEN AUCH WENN
ER STIRBT UND JEDER DER
LEBT UND AN MICH GLAUBT
WIRD IN EWIGKEIT NICHT
STERBEN         (JOH 11, 24-25)
 
 
     
 
  
Der neue Friedhof und die Gedenksteine, 2022
 
 
 
Kreuz im alten Friedhof
 
Johann Schuster, Wirtschaftsbesitzer aus Unterstockstall, ließ in den Jahren 1865/66 ein großes Kreuz mit einer Umrahmung aus Eisengitter herstellen. Sowohl  Kreuz als auch Christusfigur sind aus Gusseisen und feuervergoldet, platziert auf einem mächtigen Stein. Die Gitterrumrahmung wurde mittlerweile entfernt.
 
        
Fotos: Dr. Rudolf Delapina, Kirchberg/Wien - Das Kreuz im Jahr 2022 
 
 
Gedenktafel für Angela Langer
 
Die in Langenlois geborene Schriftstellerin Angela Langer (1884-1916) verbachte die letzten Wochen ihres kurzen Lebens bei ihren Eltern im Haus, das bis in die 1970er-Jahre südlich des Bahnhofes stand. Sie wurde im Kirchberger Friedhof begraben. Herr Dr. Detlev Gamon aus Hüttendorf bei Mistelbach, der sich intensiv mit der Lebensgeschichte der Dichterin befasst, hat ihr zu Ehren beim Eingang zum westlichen Friedhofsteil 2021 eine Eisentafel mit ihrem Bild anbringen lassen. Eine Gedenktafel ist gerade in Planung und soll dort angebracht werden
 
Näheres zu Angela Langer siehe hier.
 
 
Das Grab in alter Zeit
 
 
Die Gedenktafel im Jahr 2022
 
 
 
Kreuz vor dem neuen Friedhof
 
Vor dem neuen Friedhof wurde ein schlichtes, schwarzes Eisenkreuz errichtet, das von zwei Thujen flankiert ist.
 
 
Das Kreuz im Jahr 2022
 
 
 
Gefallenenkreuz am alten Friedhof
 
Im westlichen Friedhofsteil befindet sich ein Gedenkkreuz für die hier in den letzten Kriegstagen Gefallene sowie eine Gedenktafel mit ihren Namen. Die sterblichen Überreste wurden später auf dem Soldatenfriedhof in Oberwöbling beerdigt.
Aus der Pfarrchronik: Am 4. April wurde das Feldlazareth hierher verlegt. Es blieb bis 16. April. Die Verwundeten wurden von der Seelsorgsgeistlichkeit betreut und die Gefallenen mit allen kirchlichen und militärischen Ehren begraben. Als aber dann nur mehr die SS ein Notlazareth hier hatte - nach Verlegung des Feldlazareths  am 16.4.1945 nach Schiltern, N.Ö. - wurde jede geistliche Hilfe sowohl für die Verwundeten wie auch jede Assistenz bei Beerdigung von Gefallenen der SS brüsk abgelehnt. Ein Rottenführer der SS sagte: "Haben wir die Pfaffen im Leben nicht gebraucht, so brauchen wir sie auch nicht im Tode!".
Hier wurden im Jahre 1945 infolge der Kriegsereignisse folgende Personenzahl beerdigt: 2 durch Artilleriebeschuß gestorben (civil), 5 infolge Feindeinwirkung gestorben ebenfalls civil, 6 wurden erschossen (Militär). Dazu kommen noch 3 SS Leute, die auch fielen, jedoch nicht eingesegnet werden durften. Die letzteren konnten ins Sterbeprotokoll nicht eingetragen werden.
In den Sterbematriken sind sechs Personen verzeichnet.
 
Kreuz und Tafeln im Jahr 2022
 
 
 
Denkmäler, die verschwunden sind
 
Dollfußdenkmal
Am 25. Juli 1934 wurde Bundeskanzler Engelbert Dollfuß bei einem Putschversuch der Nationalsozialisten erschossen. Wie überall wurde auch in Kirchberg ein feierliches Requiem gehalten.  In späterer Folge wurde links von der Kirchentür von der Vaterländischen Front und der Gemeinde ein von Fachlehrer Friedrich Stadler entworfenes Denkmal angebracht und der Platz in Dollfußplatz umbenannt. Die Einweihungsfeier fand am 4.11.1934 statt.
Das Denkmal wurde in der NS-Zeit entfernt.
 
Ansichtskarte: Herbert Eder, Kollersdorf
 
 
Kaiserdenkmal
Am oberen Ende des Marktplatzes errichtete die Gemeinde im August 1908 zum 60. Regierungsjubiläum Kaiser Frans Josefs I. das „Kaiserdenkmal“.
 
 
Ansichtskarte: Erich Trezmüller, Gigging
 
 
Kaiserhuldigungsfest durch die Feuerwehren
Am 8.10 wurde hier die Kaiserhuldigungsfeier in großartiger Weise abgehalten. Es waren 387 Feuerwehrmänner erschienen, die um ½ 9 Uhr unter den flotten Klängen der Musikkapelle Zehetner vom Bahnhof in den reichlich beflaggten Markt zogen. Um ½ 10 Uhr war Festgottesdienst und danach auf dem Festplatze, woselbst Obmann Karl Schreiber die erschienenen Festgäste und Feuerwehren mit herzlichen Worten begrüßte. Hierauf hielt Herr Obmannstellvertreter Anton Bachner in formvollendeter Weise die Festrede, in welcher er besonders die großen Verdienste Sr. Majestät um das Aufblühen der Feuerwehren betonte. Er schloß seine Rede mit einem begeistert aufgenommenen Hoch auf den Jubelkaiser. Hierauf erfolgte die Prämierung der 20jährigen Diener ...
Nach diesem Teile des Festes fand in tadelloser und strammer Weise die Defilierung sämtlicher Verbandsfeuerwehren vor dem von der Gemeinde Kirchberg den 18. August aufgestellten Kaiserstandbilde statt, bei welchem der Obmann Schreiber vorher einen großen Lorbeerkranz niederlegte, worauf die Festfeier mit einem Umzuge geschlossen wurde.
(Österreichische Land-Zeitung vom 24.10.1908)
 
Das Denkmal wurde 1938 entfernt, um einer Büste Adolf Hitlers Platz zu machen, die 1945 entfernt wurde.
 
 
2.Köck-Park
Der Arzt Dr. Anton Köck (geb. 1804 in Waxburg, OÖ - 1869) errichtete nach 1850 den 2. Köckpark (der erste   befand sich im Moargraben in Oberstockstall).
Der Park befand sich in der Nähe der Kremser Straße mit der Kreuzung des Mühlweges nach Mitterstockstall. Vorher standen hier ein einfacher Bildstock und eine Ruhebank.
 
Das Denkmal ist in folgenden alten Karten eingezeichnet:
 
Ein gemauerter Bildstock wurde mit sakralen und künstlerischen Einbauten umrahmt und mit Ziersträuchern, Postamenten und Holzgittern zu einer umfangreichen Anlage ausgebaut. 
 
  
Das Ölbild am Bildstock zeigte die  Anbetung des guten Hirten 
Bilder: Nachlass Otto Fandl, Kirchberg

 
Später ist der Platz scheinbar immer beliebter geworden, da Aufzeichnungen der Kirchenchronik sogar von nächtlichen Lichterprozessionen von übernachtenden Wallfahrern berichtet, für die Fronleichnamsprozessionen war hier ein Altar errichtet.
 
Näheres zu dieser Anlage siehe hier.
 
 
Kreuzkapelle
1872 ist am Kirchenplatz eine Kreuzkapelle mit Marien-Statue erwähnt, die in diesem Jahr renoviert wurde.
1884 ist von einem Gitter die Rede. Es stammte zum großen Theile von einer Kapelle her, die an der Kirche dort angebaut war, wo jetzt der Außeneingang aufs Musikchor ist. In dieser Kapelle befand sich nichts als ein Kreuz aus Holz, verursachte viele Ausgaben, weil sooft vom Kirchendache ein Ziegel herab fiel, auf dem Kapellendache 3 Ziegel zerschlagen wurden. Da beim Herab u hinaufgehen der Musikanten aufs Chor immer Gedränge entstand, so wurde dieser besondere Aufgang eröffnet.  
 
 
Kirchberger Gerichtskreuz
Nach einem Plan  von Delapina befand sich im 18. Jahrhundert an der Kremser Straße das sogenannte „Kirchberger-Kreuz“.
 
 
Marterl beim Dörfler Weg
In der Franzisko-Josephinischen Karte befinden sich am Anfang des Dörflerweges zwei Marterl.
 
 
 
Quellen:
DEHIO-HANDBUCH - Die Kunstdenkmäler Österreichs; Niederösterreich nördlich der Donau, 1990
Dr. Rudolf Delapina: Diverse Unterlagen
Dr. Franz Eiselt: Beiträge zur Geschichte des Marktes Kirchberg am Wagram unter besonderer Berücksichtigung des Zeitraumes 1650 – 1806, Wien 1973, Dissertation
Otto Fandl, Kirchberg, diverse Unterlagen
Dr. Richard Hübl: Geschichte der Marktgemeinde Kirchberg am Wagram, 1993
Dr. Johannes Ramharter: Kirchberg am Wagram in der Barockzeit, 2005
Wilhelm Simlinger: Aus der Vergangenheit von Kirchberg, Altenwörth, Bierbaum a.Kl., Königsbrunn und allen dazugehörigen Gemeinden; Kirchberg 1958
Major Wettendorfer
https://www.kirchberg-wagram.at/tourismus/kleindenkmaeler/liste-aller-kleindenkmaeler.html
Pfarrchronik von Kirchberg am Wagram
Pfarrmatriken Kirchberg am Wagram 
 
 
 
Mai 2022
Maria Knapp