Coelestin (Joseph) Schachinger 
 
 
(geb. 1844 in Königsbrunn – verst. 1925 in Purgstall)
Priester aus dem Orden der Diener Mariens (Servit), Subprior in Jeutendorf, Ritter des Ordens von Heiligen Grabe, Ökonomierat
 

Coelestin Schachinger hat durch seine Bienenzuchtaktivitäten, seine Forschungen, Veröffentlichungen und Verträge hierzu internationales Ansehen erreicht. Aber auch über andere landwirtschaftliche Themen und seine Reise bis Ägypten und in den Nahen Osten schrieb und referierte er.

 

Zeichnung: Ybbser Zeitung vom 15.11.1924

 

Coelestin Schachinger hat durch seine Bienenzuchtaktivitäten, seine Forschungen, Veröffentlichungen und Verträge hierzu internationales Ansehen erreicht. Aber auch über andere landwirtschaftliche Themen und seine Reise bis Ägypten und in den Nahen Osten schrieb und referierte er.
 
Am 29. Oktober 1844 in Königsbrunn am Wagram geboren, entstammte er einer seit 300 Jahren in der Gegend ansässigen Bauernfamilie. Er besuchte das Gymnasium in Wien, maturierte 1866, trat in den Servitenorden ein, machte das Noviziat in Budapest, studierte Theologie am Lyzeum in Erlau und an der Universität in Wien, wurde 1871 zum Priester geweiht und wirkte als Seelsorger in den Ordenspfarren Langegg, Gutenstein und Jeutendorf, wo er zeitweilig auch Prior und Pfarrverweser war, dann in Schönbühel an der Donau und in Gutenstein als Pfarrvikar, wo er, großenteils auf eigene Kosten, den Pfarrhof neu erbaut und die Kirche durch Glasmalereifenster verschönerte, nach 3 Jahren jedoch abermals von einer Versetzung nach Langegg überrascht wurde.
Der häufigen Versetzungen, bei welchen Schachinger stets seine 20 bis 30 Bienenvölker mitnahm müde, trat er aus dem Ordensverband aus und Bischof Dr. Rößler nahm ihn 1890 in die Diözese St. Pölten auf. 1899 wurde er provisorischer Spitalbenefiziat in Stein. 1905 erhielt er das Benefizium in Purgstall, wo Schachinger noch bis kurz vor seinem Tod als Aushilfspriester tätig war. Durch seine bienenzüchterische und literarische Tätigkeit, verbunden mit Sparsamkeit, unermüdlichen Fleiß und Mäßigkeit, hatte er sich ein kleines Vermögen erworben, das durch die Valutaentwertung größtenteils verloren ging, so daß sich der Altgewordene genötigt sah, seine Feder für amerikanische Zeitungen in Bewegung zu setzen.
(Wiener Landwirtschaftliche Zeitung vom 24.1.1925) 
 
 
1905: Vom Spitalsbenefiziaten in Stein zum Benefiziaten in Purgstall.
Dieser Tage verließ der hochwürdige Herr Cölestin Schachinger das Benefizium im Armenhause zu Stein, welches er über 5 Jahre inngehabt hat, und übersiedelt auf seinen neuen Posten nach Purgstall bei Scheibbs. Mit ihm scheidet eine der populärsten Persönlichkeiten aus der Stadt Stein. Groß und klein liebten den zuvorkommenden, stets heiteren geistlichen Herrn und besonders die Pfründner des Armenhauses, mit denen derselbe stets liebevoll verkehrt hatte und für die er besonders in Krankheitsfällen in freigebiger Weise zu sorgen pflegte, vergossen Tränen, als er sich nach dem letzten hl. Meßopfer, das er in der kleinen Hauskapelle las, von ihnen verabschiedete. Wir wünschen dem edlen Menschenfreunde vom Herzen Glück auf seinem neuen Posten, der zugleich eine bedeutende Verbesserung seiner materiellen Lage bedeutet. Aber nicht umhin können wir, bei dieser Gelegenheit dem hochwürdigen Herrn öffentlich zu danken für die erhebenden und gemütvollen Worte, welche derselbe so häufig teils in Predigten, teils bei öffentlichen Versammlungen, teils auch im privaten Verkehr so gewinnend und überzeugungsvoll an seine Zuhörer zu richten wußte. In dieser Beziehung bedeutet der Abgang des weitgereisten und vielerfahrenen Priesters, der über alles Auskunft wußte, für unsere beiden Schwesterstädte einen Verlust, der geradezu unersetzlich ist.
(Kremser Zeitung vom 11.2.1905)

 
Goldenes Priesterjubiläum, 1921
Am 24. Juli feierte in der hiesigen Pfarrkirche der Benefiziat Cölestin Schachinger den 50. Gedächtnistag seines Priestertums. Es war ein Freudentag für die ganze Pfarrgemeinde…
Während der Tafel las Herr Pfarrer Fitzinger eine Reihe von Glückwunschtelegrammen und -briefen vor, die größtenteils von Bienenzuchtvereinen Deutsch-österreichs, aber auch von einzelnen hervorragenden Bienenzüchtern der Tschechoslowakei, Deutschland, Slawoniens und der Schweiz gekommen waren. Alle diese bewiesen, wie hohen Ansehens Herr Schachinger in allen Kreisen der Bienenzüchter steht….
(Ybbser Zeitung vom 30.7.1921)

 
80. Geburtstag, 1925
Am 29. Oktober beging im kleinen Freundeskreise P. Coelestin Schachinger seinen 80. Geburtsgag. Er ist heute wohl einer der ältesten Mitarbeiter des Blattes. Sein erstes Feuilleton „Visite bei einem toten Volke“ erschien am 19. Jänner 1878. Ihm folgten im Laufe der Jahrzehnte zahlreiche Feuilletons, wissenschaftliche Arbeiten und kleinere Notizen aus dem Gebiete der Bienenzucht. Dieser landwirtschaftliche Nebenzweig war fortan das Hauptgebiet, auf dem sich Schachinger in seinen freien Stunden sowohl als praktischer Imker wie auch literarisch betätigte. 1877 gründete er die „Oesterreichisch-ungarische Bienenzeitung“, die er durch 31 Jahre ununterbrochen redigierte. Daneben schrieb er für die meisten in Oesterreich und Deutschland erscheinenden bienenwirtschaftlichen Zeitungen und gab Anleitungen über den Betrieb der Bienenzucht heraus, die durchweg große Verbreitung fanden. … Auch als Redner bei bienenwirtschaftlichen Versammlungen war der bescheidene Mann, der niemandem, der sich um Auskunft an ihn wandte, seinen Rat vorenthielt, sehr beliebt…. Nachdem er seine eigene Zeitung aufgegeben hatte, war er Mitarbeiter des „Bienenvater“, dessen Fragekasten er jahrelang in vorbildlicher Weise leitete. Gleichzeitig befaßte er sich mit geschichtlichen Studien, und hatte er schon früher eine „Geschichte und Führer durch die Ruine Aggstein“ herausgegeben, so schrieb er jetzt nach gründlichen Aktenstudien eine Geschichte des Benefiziums Purgstall, der 1913 aus ausführliche Geschichte des Marktes Purgstall folgte.
(Wiener Landwirtschaftliche Zeitung vom 24.1.1925)

 
Pater Cölestin Schachinger zu Purgstall in Not, 1925
Ein Greis von 81 Jahren, halb blind, sein erspartes Geld durch die Entwertung verloren, ein Benefizium von jährlich 1600 K (das sind nicht ganz 3 Stück Semmeln in einem Jahre), auf den kargen Erlös des Messelesens angewiesen, ist dieser einst auf vielen Gebieten hervorragend tätige Mann ganz unverschuldet in bitterste Not geraten. Dieser greise Priester kann so recht den Pionier der Bienenzucht Oesterreichs genannt werden. Als fachlicher Schriftleiter auf dem Gebiete der Bienenzucht genießt er Weltruf. Einen solchen Mann im Greisenalter in Not zugrunde gehen zu lassen, ist unmenschlich! Es ruft daher die unterzeichnete Vereinsleitung das Menschlichkeitsgefühl aller an, hier, je nach den eigenen Mitteln, helfend einzugreifen. Zu diesem Zwecke sind Geldspenden sowie nicht verderbliche Lebensmittel Herrn Heinrich Ellinger, Papierhandlung, Unterer Stadtplatz, Waidhofen, wo ein Spendenverzeichnis aufliegt, zu übermitteln.
Bienenzuchtverein Waidhofen an der Ybbs.
(Ybbser Zeitung vom 31.1.1925)

 
Ökonomierat Cölestin Schachinger verstorben, 1925
Am 19. Mai starb in Purgstall der auch unseren Lesern als fleißiger Mitarbeiter wohlbekannte Benefiziat und Jubelpriester Cölestin Schachinger im Alter von 81 Jahren. Der Verstorbene war weit über die Grenzen Österreichs als Praktiker und Schriftsteller auf dem Gebiete der Bienenzucht, der er sich seit vielen Jahren mit völliger Hingabe widmete, bekannt. Sein Lebenslauf und seine großen Verdienste um diesen landwirtschaftlichen Nebenzweig wurden erst kürzlich, in Nr. 4 des Blattes., ausführlich geschildert. Vor wenigen Wochen wurde er durch die Verleihung des Titels eines Ökonomierates, anlässlich der 50jährigen Bestandsfeier des Klubs der Land- und Forstwirte in Wien durch Ernennung zu dessen korrespondierendem Mitgliede geehrt. Schachinger war eine bescheidene liebenswürdige, stets hilfsbereite Persönlichkeit. Er ruhe sanft!
(Wiener Landwirtschaftliche Zeitung vom 30.5.1925)

 
Coelestin Schachinger ist am Friedhof in Purgstall begraben.
 
Nachruf
Welcher Bienenzüchter kennt nicht diesen Namen! Es war im heurigen Frühjahr, als mich mein Weg nach Purgstall an der Erlauf führte, und da konnte ich nicht versäumen, den Mann zu sehen und zu sprechen, dem unsere Bienenzucht so Vieles und so Großes zu danken hat und der uns auch Aufzeichnungen geschichtlicher Art schuf, welche allen jenen wert sind, die Interesse an der dortigen Gegend und ihrer Entwicklung haben. Schon im Vorhaus höre ich die laute Stimme seiner Haushältern. Auf mein Klopfen folgt von innen ein kräftiges „Herein“ und schon stehe ich vor dem Manne, dem meine Bewunderung gilt. Liebevoll ist der Empfang, den er mir Fremden bereitet, und rasch drängt er mich, nachdem ich abgelegt habe, an seine rechte Seite. Links höre ich nichts mehr, ist seine Antwort auf meine Weigerung. Schachinger, Benefiziat des Joh. Ferd. Vogelschen Benefiziums in Purgstall, führt dort ein Leben, das man ein armseliges nennen kann. Begeistert erzählt er mir von den Ideen, die er im Kopfe herumträgt. Wieviel wüßte er niederzuschreiben und kann es nicht. Durch seine Augenkrankheit, den Star, ist er so weit, daß er gar nichts mehr machen kann. Trotzdem verliert er nie die Geduld, ist immer mutig und wahre Begeisterung liegt in seiner Rede, wenn er von der bevorstehenden Staroperation redet, nach der er sich wieder ungestörtes Arbeiten verspricht. Dann wird’s ja mit Gotteshilfe wieder gehen, ist sein Wort. Dann erzählt er von den Reisen, die er im Interesse der Imkerei und der Wissenschaft unternommen hat. Wir wandern im Geiste durch Italien, Aegypten, Syrien (Jaffa), Palästina ec. Trotz seiner Entschuldigung ob der Lücken ist es eine wunderbare Schilderung, ich kann Bild auf Bild vorüberziehen sehen und bemerke auch, wie fast schwärmerisch der Erzählende an diese Reisen und Zeiten denkt. Welche Sehnsucht liegt in seinen Worten! Doch all seine Leiden, mögen sie nun seelische oder körperliche sein, sind nicht imstande, sein humorvolles, liebenswürdiges Wesen zu untergraben. Echter, selbsterzeugter süffiger Birnenmost feuchtete die trockenen Kehlen, und ehe ich’s wähne, sind zwei Stunden verflossen, während ich glaubte, es sei kaum eine halbe.
(Adjunkt Edmund Rießner, Petronell.
Wiener Landwirtschaftliche Zeitung vom 27.6.1925)
 
 
Seine Schriftstellerische Tätigkeit
Er war Chefredakteur der österreichisch- ungarischen Bienenzeitung und veröffentlichte folgende Bücher (im Antiquariat noch erhältlich):
Reise durch Italien nach Aegypten und Palästina,1892
Führer durch die Ruine Aggstein mit einer kurzen Geschichte der Feste, 1912
Geschichte des Marktes Purgstall an der Erlauf in Niederösterreich, 1913
Grundregeln der Bienenzucht für Anfänger und Praktiker, 1921
 
 
Preise
Er erhielt viele Auszeichnung und Preise, wie etwa 1887 im Rahmen einer Bienenzucht-Ausstellung die große silberne Medaille der k.k. Landwirtschaftsgesellschaft in Wien für „lebende Bienen“, die silberne Staatsmedaille für „Bienenwohnungen“ und 5 Dukaten als Ehrenpreis der Stadt Wien für „Lehrmittel der Bienenzucht“.
(Wiener Zeitung vom 15.4.1887)
 
 
Vorträge
Für seine interessanten Vorträge, vor allem über die Bienenzucht, aber auch über andere landwirtschaftliche Themen oder Reiseberichte war er berühmt.
1893 hielt er anlässlich der Gründungsabstimmung über eine Raiffeisenkasse in Königsbrunn einen Vortrag über Zweck und Nutzen der Raiffeisen-Kassen.
(Kremser Zeitung vom 5.2.1893)
 
Schönbühel an der Donau
Die heurige Faschingszeit wurde uns in besonders angenehmer Weise gewürzt: Der hochw. Herr P. Cölestin Schachinger hielt an einigen Sonntagen derselben Vorträge über seine Reise durch Italien nach Egypten und Palästina, die wahrhaft volksthümlich waren und deshalb eine stets wachsende Zuhörerschaft in dem leider viel zu kleinen Saale des Herrn Trakovaritsch, Gastwirt hier, vereinigten.
(Kremser Zeitung vom 11.2.1894)
 
 
 
Oktober 2020
Maria Knapp