Der Freihof

 

 

Letzte Änderung: 14.4.2017

 

Wenn man von Neustift kommend durch Kollersdorf fährt, sticht einem rechterhand, kurz vor der Kapelle, ein langgezogener Bau mit reich verzierter Fassade ins Auge. Der Eindruck, dass es sich dabei um ein geschichtsträchtiges Gebäude handelt, täuscht nicht - bereits im Jahr 1380 dürfte dieser Hof erstmalig in einer Urkunde erwähnt worden sein.

 

Amtmann Jacob und Chunigunde

Im Oberösterreichischen Urkundenbuch ist die Verleihung der „Schütt beim Schwaickhoff zu Cholastorff“ durch Wolfgang von Wallsee und seinen Vetter Ulrich an ihren Amtmann Jacob in dem Altenwerd aufgezeichnet. Es ist anzunehmen, dass es sich dabei um den späteren Freihof gehandelt hat. Aus dem Text der Urkunde geht hervor, dass der Amtmann und seine Gattin Chunigunde zu diesem Zeitpunkt bereits Besitzer des „Schwaickhofes“ waren und das daneben liegende Stück Land, auf dem Holz und Gras wuchsen, zusätzlich erworben haben. 

Ein Schwaighof war im Mittelalter ein auf Viehzucht ausgerichteter herrschaftlicher Eigenbetrieb, woraus sich häufig ein Orts- oder Familienname entwickelte. Schwaige leitet sich vom mittelhochdeutschen  sweige  für Sennerei, Viehhof ab.

 

Sebastian Indesfelder

Bärtlme Öder

Die folgenden Eigentümer liegen im Dunkeln. Erst im Jahr 1584 treten uns wieder namentlich genannte Besitzer entgegen. Laut einem Verzeichnis des Stiftes Klosterneuburg hat die Witwe von Sebastian Indesfelder ihrem Schwiegersohn Bärtlme Öder am 14. Juli 1584 diesen Hof samt den zugehörigen Gründen – 21 Joch Äcker und 16 Tagwerk Wiesen bei der Hanifgrube - verkauft.

Aus dem Schriftstück geht hervor, dass der Hof dem Stift Klosterneuburg als Zehenthof für die umliegenden Ortschaften Thürnthal, Winkl, Bierbaum, Neustift, Sachsendorf, Seebarn Stockstall, Dörfl und Kollersdorf gedient hat. Vom Stift wurde der Zehent in diesen Orten für ca. 126 Joch Äcker eingehoben.

Der Zehent, der zehnte Teil des Ertrages, wurde seit der Christianisierung im Mittelalter von allen landwirtschaftlichen Produkten eingehoben, um die Arbeit der Kirche zu unterstützen. Ein Drittel stand dem Diözesanbischof zu, der Rest dem örtlichen Klerus und wurde von allen untertänigen Gründen eingehoben. Die Zehentrechte konnten auch weiterverkauft werden, was häufig geschah.

Beim Feldzehent gab es den großen und kleinen Zehent. Ersterer bestand aus Wein und Getreide und bildete die Haupteinnahmequelle des Besitzers, zweiterer aus Kraut, Futterpflanzen, Heu etc. Der Blutzehent, der von jeder Viehsorte, jedem Ei, Federn, etc. geleistet werden sollte, wurde meist in Geldform entrichtet, da die Kontrolle kaum möglich war. Der Zehent war eine Holschuld, das heißt, der Gutsherr ließ die Abgaben bei den Bauern abholen bzw. sie mussten diese im Wege der Zugrobot zum Zehenthof bringen, wo die Güter für den Weitertransport zwischengelagert wurden. Der Zehent wurde 1848 im Zuge der Bauernbefreiung abgeschafft.

 

In den Jahren 1590/91 erfassten zwei berittene Amtsträger die Hofstätten in Niederösterreich, einer nördlich und einer südlich der Donau. Die Ergebnisse wurden im Bereitungsbuch aufgezeichnet. In Kollersdorf sind folgende Grundbesitzer mit der Anzahl ihrer Höfe eingetragen: 

Hr. Bernhardt Turschy gen Grafeneck Obrigkeit.                7
Kloster Kettwaig (Göttweig)                                                 8
Hans Moser gen Winkelberg                                               6
Probst zu Klosterneuburg                                                1
Kloster Herzogenburg                                                          5
Casper Newhaußer zue Senftenberg                                  6
Probst zu Diernstein                                                            1
Probst zu St. Dorothea zu Wien                                          2
Hr. Stephan von Haimb wegen der Rubrischen
Erben gen Bierbaum                                                           7    
                                                                                          43 Haus
 
Nach dieser Aufstellung besaß das Stift Klosterneuburg nur diesen einen Hof im Ort.

 

Johann Chrysostomos Neumann von Neuberg

Dieser stammte aus dem böhmischen Adel und besaß den Hof bis zum Jahr 1667. Chrisostomos von Neuberg, scheint in den Pfarrmatriken von Feuersbrunn im Jahre 1663 als Inspectore auf.               

 

Die Grafen von Starhemberg

1667 erwarb Konrad Balthasar Graf Starhemberg, der unter anderem die Herrschaft Dürnstein besaß, den Hof. Gleichzeitig wurde dieser dem Stift Klosterneuburg untertänige Hof gegen Bezahlung von sechshundert gulten reinischen und acht Reichsthaller aus dem Besitz des Stiftes, der obrikheitlichen Juristiction undt Unterthänigkheit, herausgelöst und ab diesem Zeitpunkt als Freihof geführt. Die Bezeichnung des Grundbuches lautete: „Herr Conrad Balthasar des heiligen Röm. Reichs-Graf und Herr von Starhemberg wegen eines Haus zu Kollersdorf.“ 

 

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Der aus dem österreichischen Hochadel stammende Konrad Balthasar Graf Starhemberg (1612 – 1687) stammte ursprünglich aus OÖ. Er war zuerst kaiserlicher Offizier, wurde 1637 Beisitzer des Landrechts in Niederösterreich und wirkte ab 1641 als Rat im niederösterreichischen Regiment (NÖ Landesregierung). 1657 wurde er Vizestatthalter, 1663-1687 war er Statthalter (Bewährung bei der Bekämpfung der Pest 1679 und Vorbereitung der Verteidigung Wiens 1683). 1665-1687 war er auch Mitglied des Geheimen Rats und Träger des Ordens vom goldenen Vlies. Sohn Ernst Rüdiger von Starhemberg war der Verteidiger von Wien während der zweiten Türkenbelagerung. 

Im Mittelalter war der Grundbesitz dem Adel vorbehalten. Neben Flächen, die die Adeligen selbst bewirtschafteten (Dominikalgründe), gaben sie den Bauern Gründe als Lehen (Rustikalgründe) und verpflichteten sich, ihre Untertanen zu schützen und die Gerichtsbarkeit auszuüben. Als Gegenleistung hatten die Bauern dem Grundherrn Abgaben und Arbeitsdienste (Robot) zu leisten.

Ein Freihof war ein privilegierter Bauernhof, der von diesen Verpflichtungen befreit war. Die sogenannten Freibauern übten die niedere Gerichtsbarkeit im Dorf aus und mussten auch Kriegsdienst leisten, d.h. Soldaten rekrutieren. Sie hatten das Recht auf Weinausschank.

Der Hof war direkt dem Landesfürsten als „Dominikalgut“ unterstellt und war im landesfürstlichen Gültbuch und später in der Landtafel verzeichnet, die letzten wurden erst in den 1980er-Jahren ins örtliche Grundbuch übernommen. 

1688 erbte Sohn Franz Ottokar von Starhemberg (1662 – 1699) den Hof. 

Im Grundbuch der Herrschaft Dürnstein von 1681 – 1717 wird der Hof folgendermaßen beschrieben:

Ligt mit 1 Pfund 5 xr 10 d in der Einlag gibt Jährlichen Landsteür         ….
3 fl. 2xr 20 d
In Extra Anschlägen, was auf das Hauß wirdt Ausgeschrieben,
Erstlich ligt berirther Hoff, im Dorff Collersdorf, mit ainem Erpauthen Haußstockh, darinnen zwey Stuben, ain Kheller, Stallungen, Hütten, und Stadl, der Notturft woll Versehen, daran ain Garthen, welcher mit aichern Zaunstekhen fest eingefangen, gehörn auch dazu volgente Grundtstükh:
Haußäckher in Dreyfeldern, Pro jeden 6 Joch Faciet… 18 Joch
Dann befinden sich ledige Äkher, welche in andern Grundtbücher dinnen, und jährlichen dann zusamben Dienst muß bezalt werden
pr.1 fl. 24 d.
In drey Feldern, und in jeden macht zusamben…..39 Joch
Dann aine Haußwissen bey 16 Tagwerk
Ein Tagwerk Überlendt Wissen, in Seebinger Freyheit ligent
 
Überlendt.
Dann ain Tagwerk Wissen, im Säxinger Freyheit ligent.
Auf berichthen Äkher wirdt gebauth Waiz, Khorn, Gersten und Habern, sein albereith woll bey Pau, darauf hat man afterpau, Rüben, Khrautt und Safran.
Item wirdt dazu gefexnet ein Zehet, welcher dem Hochstüfft Passau gehörig, in der ganzen Collersdorferischen Freyung, durchgehent von allem pau halben Zehent
 

Bis zum Jahr 1751 bildete der Freihof eine eigene Gültbucheinlage. In diesem Jahr verband der nunmehrige Johann Ernst Graf von Starhemberg (1716 – 1786) die Dominikaleinlage mit jener der Herrschaft Dürnstein. In Ermangelung eigener Erben schenkte er später alle seine Besitztümer - Zeillern, Freydegg und Schönegg, Karlsbach samt den anmit einverleibten Gütern Freyenstein, Waasen, Auhof und Höbathendorf, Krumnußbaum, Weissenberg un Kölberhof, Schönbichl, die Maut Aggstein, Thürnstein samt dem Freyhof zu Köllerstorf, Neusiedl und Oberlaa, Konradswerth auf der Wieden und das auf dem Minoritenplatz stehende Freihaus, ferner Eferding, Wimspach samt Neidharting, Waxenberg und das an Stelle des verkauften ehemaligen Freihauses zu Linz getretene F. C. Capital per 20.000 fl., weiters die Allodherrschaften Schaumburg und Gstöttenau, das Amt Eschelberg etc., - seinem Bruder Georg Adam Fürst von Starhemberg (1724 – 1807), wofür er sich eine jährliche Apanage von 24.000 fl. ausbedingte.

Unter letzterem wurde das Geschlecht der von Starhemberg von Maria Theresia „gefürstet“.

Der Hof war zwar im Besitz der Familie Starhemberg, gewohnt hat diese hier allerdings nicht, Pächter oder Angestellte bewirtschafteten den Hof.

 

Laut der ersten genaueren Karte der Umgebung, der Josephinischen Landesaufnahme, die um 1790 angefertigt wurde, ist der Hof nicht größer gewesen, als die umliegenden Anwesen.

 

Johann Georg Pable

Am 19. März 1793 erwarb Johann Georg Pable (1733 – 1805, Kollersdorf) den Freihof mitsamt 33 Joch Äckern, 12 Tagwerk Wiesen und ¼ Tagwerk Garten. Er war vorher Präfekt auf Schloss Gilgenberg bei Waidhofen/ Thaya gewesen, wo Sohn Joseph geboren worden war. Ab 1774 war er Verwalter der Herrschaft Thürnthal. Den Freihof erwarb er im Alter von 60 Jahren. 

Mit seiner Gattin Maria Anna, geb. Praschinger, hatte er fünf Kinder:

Georgius Franciscus Ferdinandus Josephus, (*1770, Schloss Gilgenberg, † 1819, Zwentendorf), Landgerichtsverwalter von Zwentendorf und Murstetten unter Graf von Althan
Maria Anna (*1765, † 40 4.2.1837 in Kollersdorf, ledig)
Anna M. Aloysia Catharina Dojnitiana Sophia Josepha (*1766, Schloss Gilgenberg)
Franziska (*1769, † 26.4.1821, Kollersdorf, ledig)
Theresia Antonia (*4.1.1782, Thürnthal) 

Georg Pable starb 1805 im Alter von 72 Jahren am Schlagfluss (Schlaganfall). Seine Witwe konnte den Hof nicht halten und suchte daher im Jahr 1807 beim Kreisgericht Korneuburg an, von ihrem Besitz 26 Joch Äcker und 10 Tagwerk Wiesen als Überländgründe an Bauern verkaufen zu dürfen, um geringere Steuern zahlen zu müssen. Dies wurde ihr gewährt. Für Klara Pable, deren Verwandtschaftsverhältnis nicht näher erwähnt wird, waren 5300 Gulden Satzposten vermerkt, sie „nimmt aber dessen ungeachtet, ihrer anschlüssigen Erklärung gemäß eine Zerstükung der Grundstücke, nicht den geringsten Anstand.“

Durch die Wirren während der Napoleonischen Kriege konnte Maria Anna die Veräußerungen erst drei Jahre später durchführen und meldet 1810 den Verkauf von 25 Joch Äckern und 8 Tagwerk Wiesen an das Kreisamt in Korneuburg. 

Der Freihof hatte ein eigenes Grundbuch, genannt „Gewährbuch von dem Freihofe zu Kollersdorf, anfangend vom Jahre 1802“, welches sich heute in der Außenstelle des NÖ Landesarchives in Bad Pirawarth befindet. 

1821 starb Franziska, eine der beiden ledigen Töchter, nach längerer Krankheit an einer Leberentzündung. In ihrem Testament vermachte sie ihr Vermögen, das aus 99 fl 44 xr 2 d bestand sowie ihren Hausrat an ihre beiden Schwestern Anna Maria und Theresia. Die sechs Kinder des bereits verstorbenen Bruders Joseph bedachte sie nicht. Auf Betreiben des Vormundes mussten die Zeugen unter Eid die Richtigkeit des Testaments in der Amtsstube in Grafenegg nochmals bestätigen. 

 

Karl Feckerl

Die Tochter Theresia Antonia Pable heiratete 1812 Karl Feckerl (1789, Mistelbach – 1827) und führte mit ihm den Freihof. Sie dürften keine Kinder gehabt haben. Karl ertrank 1827 in der Hanflacke in der Au zwischen Kollersdorf und Altenwörth.

 

Johann Georg Kern

Am 23. August 1830 sind der Schullehrer Johann Georg Kern (1765, Waldkirchen – 1842, Grafenwörth) aus Grafenwörth und seine zweite Ehegattin Brigitte, geb. Spannagl, die Tochter eines Grafenwörther Wirtschaftsbesitzers, auf den Hof angeschrieben worden. 

Bereits im Jahr darauf erhielt Sohn Johann Michael (1802, Grafenwörth – 1866), der Sohn der ersten Frau von J.G. Kern, Barbara Übelmann, den Hof. Er heiratete 1838 Barbara Bennersdorfer (1813, Kollersdorf – 1888). Die Tragödie des Ehepaares war es, zwischen 1840 und 1858 neun Kinder in die Welt zu setzen, von denen nur die Töchter Johanna (1847 – 1910) und Anna Maria, geb. 1851, überlebten. Johann Michael starb 1866 an Cholerine, einer abgeschwächten Form von Cholera. Barbara Kern war mit Wirkung vom Mai 1870 die Alleinbesitzerin. 

In der Karte zum Franziszeischen Kataster um 1830, in der bereits die einzelnen Parzellen eingezeichnet waren, ist der Freihof als Parzelle 61 eingetragen. Die beiden Anbauten wurden später auf den freien Flächen beiderseits ausgeführt. 

Das Patent der Regierung unter Kaiser Ferdinand I. vom 7. September 1848, die sogenannte Bauernbefreiung, hob die Untertänigkeit der Bauern auf. Die ehemaligen Grundherren und der Klerus hatten keine Ansprüche mehr auf Robot- und Zehentleistungen. Um einen finanziellen Ausgleich zu schaffen, hatten die Bauern ein Drittel des Wertes ihres Besitzes an die Herrschaften in kleinen Raten auf 20 Jahre zu zahlen, ein Drittel schoss der Staat aus Steuergeldern zu, den Verlust von einem Drittel hatte die Herrschaft zu tragen. Davon war auch der Freihof betroffen, dem nun nur mehr die Gründe gehörten, die bis jetzt von den Besitzern selbst bewirtschaftet worden waren. 
 

 

Anton Söllner

Johanna Kern heiratete 1871 den Hauerssohn Anton Söllner (1847 - 1923) aus Neustift 7, er wurde mit ihr gemeinsam im Jahr 1876 auf den Freihof angeschrieben. Im Jahr zuvor betrieben sie die Amortisation, also die Abschreibung der noch offenen Satzposten. Anton Söllner war von 1890 bis 1913 Bürgermeister der Gemeinde Altenwörth, zu der Kollersdorf in dieser Zeit gehörte. 


sitzend: Anna Söllner geb. Kern, Anton Söllner
dahinter: Maria, Anna, Alois, Anton, Johanna
Abb: Architekt DI Wilhelm Schmidt, Gösing

 
Alois Söllner, Abb: Alfred Hartl
Anna Söllner, geb. Kern; Anna Söllner und Sohn Anton, Abb: Architekt DI Wilhelm Schmidt, Gösing

 
Das Ehepaar hatte sechs Kinder:
Johanna (1872), im selben Jahr verstorben.
Anton (1874 – 1918) heiratete 1903 Maria Buchsbaum aus Gösing und zog dorthin.

Hochzeit Anton Söllner und Maria Buchsbaum, 1903
Foto: Architekt DI Wilhelm Schmidt, Gösing

Alois (1876 – 1959), siehe unten.
Johanna (1878 – 1951) heiratete den Altenwörther Gastwirt und Fleischhauer August Nowotny.
Anna (1880 – 1941) heiratete den Kollersdorfer Gastwirt Alois Walzer. Als dieser zehn Jahre nach der Hochzeit im Alter von 37 Jahren an Herzlähmung verstarb, ehelichte sie im selben Jahr Kaspar Pichler aus Wösendorf in der Wachau.
Maria (1887 – 1966) blieb ledig, sie wohnte zuletzt in Altenwörth. 

Alois Söllner

Der Hoferbe Alois heiratete 1908 die Weinhauerstochter Leopoldine Holzer (1882, Grafenwörth - 1965), im selben Jahr bekamen sie den Hof übereignet. 

Alois war von 1914 bis 1920 Bürgermeister, dann bis 1922 Vizebürgermeister. Nach 1945 war er einige Jahre Bürgermeister der seit 1923 selbständigen Gemeinde Kollersdorf-Sachsendorf.

Die vier Kinder des Ehepaares:

Alois (1908 – 1977) hatte kein Interesse an der Landwirtschaft, er studierte und wurde Professor für Philosophie am Gymnasium Krems. Es war der erste Akademiker der Pfarrgemeinde.
Anna (1917 – 1918)
Alfred (1922 – 1943), der vorgesehene Hoferbe, musste im Zweiten Weltkrieg einrücken. Er ist 1943 in Russland gefallen.
 
Alfred Söllner als Soldat
Abb: Alfred Hartl, Kollersdorf
 
Leopoldine Johanna (1912 – 1986) heiratete 1937 den Gastwirt und Geissler Andreas Hartl von Kollersdorf 55. Durch den Tod des Bruders Alfred war sie die vorgesehene Erbin des Hofes. 

Am 14. März 1942 wurde der Hof als Erbhof in der Erbhofrolle von Kollersdorf und Sachsendorf Blatt 24, Anerbgericht-Kirchberg am Wagram, eingetragen.

Das Erbhofrecht in der NS-Zeit diente dazu, die Höfe vor Überschuldung und Zersplitterung im Erbgang zu schützen und nahm damit ältere agrarpolitische Ziele des Meierrechtes wieder auf und war zugleich Ausdruck der nationalsozialistischen Blut-und-Boden-Ideologie. 1955 wurde der Erbhofvermerk gelöscht.

 
Alois und Leopoldine Söllner

 
Goldene Hochzeit: Ehepaar Söllner, Tochter Leopoldine Hartl, Fr. Unbekannt, Fr. Hackl, Pfarrer Wilhelm Grubmüller


Johann Holzer, Ehepaar Söllner, Pfarrer Wilhelm Grubmüller 

Abb: Alfred Hartl, Kollersdorf

 

Familie Hartl

Andreas und Leopoldine Hartl hatten drei Kinder:
Andreas (1943 – 1961)
Ernestine (geb. 1939), ledig, Büroangestellte
Alfred (geb. 1947), ledig, Elektriker 

1961 traf die Familie ein schwerer Schicksalsschlag. Andreas, der ältere Sohn, der den Bauernhof hätte übernehmen sollen, ertrank beim Baden in der Donau in Altenwörth. Sein Vater, der dieses Unglück nicht verkraften konnte, schied  im Herbst desselben Jahres freiwillig aus dem Leben.

Leopoldine Hartl erbte nach dem Tod des Vaters im Jahr 1959 mit Datum 12. März 1962 eine Hälfte des Hofes, nach dem Tod der Mutter den Rest. Nach dem Tod ihres Gatten wohnte Leopoldine Hartl bis 1967 bei ihrer Mutter auf dem Bauernhof. Später verlegte sie das Geschäft im Haus Nr. 55 vom „Gassl“ ins ehemalige Gasthaus, was eine wesentliche Vergrößerung des Warenangebotes bedeutete. Die Landwirtschaft wurde verkleinert  und später verpachtet, das Vieh verkauft.

Der heute Eigentümer, Alfred Hartl, lässt immer wieder Reparaturen an den Gebäuden durchführen. Nach der Erneuerung des Daches und diverser kleinerer Arbeiten im Innen- und Hofbereich wurde ab 2012 mit der Restaurierung der Fenster und der Vorderfront begonnen. 

 

Die Bewohner der Seitentrakte

Die beiden seitlichen Gebäudeteile wurden im 19. Jahrhundert angebaut.

Anhand der Taufmatriken der Pfarre Altenwörth konnten dort einige Familien als Inwohner nachgewiesen werden. Die Angaben sind nur Momentaufnahmen, wie lange die Familien jeweils dort wohnten, kann nicht mehr eruiert werden. Es dürften aber schon vorher Inwohner am Anwesen gewohnt haben.

Um 1789: Joseph Espitz und Gattin Cäcilia geb. Heindl

1793 stirbt hier Eva Maria Egnin, Gattin des Maurers und Inwohners Joseph Egn.

Um 1794: Ferdinand Leuthner und Gattin Theresia geb. Schuh

1829: Franz Hubner, Schneidermeister mit Gattin Elisabeth,

1830: Valentin Grüneis, späterKrenes, mit seiner Gattin Johann geb. Friedl. Er war Ziegelbrenner aus Zwittau in Mähren. 1840, bei der Geburt von Sohn Franz wird er bereits als Hauer im Haus Nr. 48 ausgewiesen.

1831/1834: Michael Leuthner und Gattin Theresia geb. Magerl

1849: Johanna Göschl, ledig

1851: Martin Hütler, Gattin Theresia geb. Sturm, Bestandswirth – er dürfte die Weinausschank am Hof betrieben haben.

1853 - 1866: Martin Schlosser, Maurer und Pachtwirth in Kollersdorf, Gattin Anna geb. Leber aus Königsbrunn. Seine zweite Gattin war Maria Melhorn. Er wohnte um 1850 noch als Inwohner im Haus Nr. 50

1860 - 1862: Franz Kaltenhuber, Schuster, gebürtig aus Krems, Gattin Katharina geb. Hahn, Tochter des Viehhirten. Tochter Francisca ist 1864 im Armenhaus Sachsendorf 1 geboren.

1860 – 1865: Johann Doppler und Katharina geb. Harigl aus Absdorf

1861 – 1872: Johann Pachmayer, Webermeister und Theresia geb. Grill aus Kollersdorf. Er war Reserveunterjäger d. k.k. 21. Felsjäger-Bataillons.

1878 - 1881: Leopold Magerl und Anna geb. Schober, ab 1883 sind sie im Haus Nr. 4 wohnhaft.

1885 – 1886 Franz Leuthner und Rosina geb. Leuthner

1901 – 1903 Johann Unbekannt, Schneidermeister, und Gattin Anna geb. Kalchhauser, 1906 auf Nr. 58

1906: Alois Magerl, Straßeneinräumer und Gattin Helene

1908 – 1910: Johann Knapp, Hauer, und Gattin Amalia geb. Pachmayer. Sie wohnten später im Armenhaus.

1909/10: Weiss Johann und Gattin Anna, Inwohner, Taglöhner

1913: Reiser Franz, Hauer, Gattin Barbara geb. Schlosser, er war Schuster und wohnte im linken Seitentrakt.

1928: Anton Reiser mit seiner Gattin Johanna geb. Koppensteiner, die aus der Nähe von Heinrichschlag stammte. 

Auf der rechten Seite wohnten im 20. Jahrhundert in einer Wohnung nacheinander die Familien Steudl, Hubner und zuletzt die Familie Unbekannt.

Die andere Wohnung bewohnte Anton Simhandl mit Frau und deren ledigem Sohn Franz Schermbrandtner. Dieser war der letzte Einwohner in dem Stöckl, das schon ziemlich baufällig war. Der Eigentümer verlangte keine Miete mehr von ihm und ließ ihn bis zu seinem Tod im Jahr 1995 dort wohnen. 

Auf der linken Seite wohnte nach dem Zweiten Weltkrieg niemand mehr, der vordere Raum wurde einige Zeit von der Musikkapelle als Probenraum benützt. 


Der Freihof mit den Seitentrakten im Jahr 2004
Abb.: Alfred Hartl, Kollersdorf

 

Das Gebäude

Mit Bescheid vom 22. Feber 1963, GZ. 1292/63, Eintragung im Grundbuch mit Beschluss vom 19. März 1984 TZ. 2758/84, wurde das geschichtsträchtige Gebäude unter Denkmalschutz gestellt und folgendermaßen beschrieben: 

Es handelt sich um ein ebenerdiges Gehöft mit gegliederter Fassade und zweigeschossigem Mittelrisalit, von einem Ziergiebel bekrönt. Der Mittelrisalit ist leicht vorspringend, enthält ein mächtiges Rundbogentor mit rauten- und strahlenförmiger Aufdoppelung und wird von einer Putzfasche umrahmt. Das Obergeschoss des Mittelrisalites enthält zwei Fenster mit hölzernen Jalousieläden, Putzumrahmungen und Sohlbänken. Das Erdgeschoss sowie das Obergeschoss im Mittelteil werden von einem reich profilierten Gesims bekrönt. Das Kordongesims im Erdgeschoss ist durch Zahnschnitt bereichert. Die gesamte Fassade des Hauptgebäudes ist durch Lisenen bzw. Putzquader gegliedert. An den Fensterparabetten befinden sich Felder mit Putzrauten. Oberhalb der Fenster und des Eingangstores sind Lorbeerfestons aus Stuck nach josephinischer Art. Die vier Fenster im Erdgeschoss des Haupttraktes besitzen reich geschmiedete Fensterkörbe mit Stilelementen aus der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Zu beiden Seiten des Hauptgebäudes schließen niedrige Seitenflügel an, von denen der linke dreiachsig und der rechte vierachsig ist. Diese Seitenflügel besitzen gleichfalls glattverriebenen Verputz, jedoch nur mit einfacher Putzfaschenumrahmung. Die Dachflächen sind mit alten Taschenziegeln eingedeckt (Ausbesserungen mit Strangfalzziegeln). Das gesamte Objekt besitzt eine künstlerisch bemerkenswerte, fast schlossartige Fassadengliederung, welche aus den sonst schlichten Hausfassaden des Ortes herausragt. Die Innenräume und die Hoffassade sind einfach gestaltet.

 

Im Zuge der Restaurierung der Fassade erstellte die Firma Hadeyer aus Krems folgenden – auszugsweisen – Befund:

Der klassizistische Bau wird in Verbindung mit Johann Georg Pable 1797 erstmals urkundlich erwähnt. Das damalige Gebäude umfasste den Hauptbau und vermutlich auch Stall- und Lagergebäude nördlich des Haupthauses.
Der Innenhof ist über eine gewölbte Durchfahrt des Haupthauses zu erreichen. Nördlich dieses Gebäudekomplexes befinden sich noch zwei weitere, freistehende Scheunen.
Das Haupthaus gliedert sich in den mittigen Kernbau mit Zwerchgiebelgeschoß, welcher aus dem 18. Jahrhundert stammt und als Wohngebäude für die Herrschaft diente. Im 19. Jahrhundert wurden östlich und westlich an das Haupthaus zwei niedere Anbauten angefügt. Hier befanden sich die Wohnräume für die Dienstboten. Den östlichen Anbau vorgelegt ist ein niederer, übermauerter Treppenabgang in den überwölbten Kellerraum.
Ein überdachter, hölzerner Laufgang im Innenhof aus dem 19. Jahrhundert führt von der Durchfahrt zum westlichen Stallgebäude. Dieser eingeschossige Bau wurde als Pferdestall genutzt. Weiters befinden sich hier eine Futterkammer sowie eine kleine Werkstätte. Dem Gebäude im nördlichen Bereich vorgelagert ist ein niederer Bau mit Pultdach, der als Schweinestall benutzt wurde.
Das östliche Stallgebäude beherbergte zwei Rinderställe und eine Graskammer. Östlich an diesen Trakt ist ein niederer, mit Pultdach überdeckter Holzbau angefügt, welcher als Schweinestall diente.
Der den Innenhof nordseitig abschließende Quertrakt ist eine teils offene Scheune, zu den beiden nördlich liegenden Wirtschaftsgebäuden führt eine große Durchfahrt mit Holztor.
Im östlichen Wohntrakt befanden sich zwei kleine Wohneinheiten mit Werkstatt, im westlichen Anbau ein größerer Wohnraum und hofseitig ein Küchenraum mit Kuppel und gemauertem Herd, daneben eine kleine Schmiedewerkstätte.
 
Putzschnittspiegel in der Einfahrt 
 

 Bilder des Ehepaares Leopoldine und Alois Söllner
 

Hauptraum
 
Stuckdecke im Hauptraum
 
 
 
 

Fotos und Zeichnungen: Restaurator Hadeyer, Krems
 
 
Alte Ansichtskarten
 

Der Freihof um 1900
 

Kollersdorf um 1930
 
 
 
 
 

Der Freihof um 1965
 

Kollersdorf um 1965
Ansichtskarten: Herbert Eder, Kollersdorf 
 

 

Quellen

Bundesdenkmalamt
Fa. Hadeyer, Fassadenbefund & Raumbuch, Krems, 2005
Grundbuch der Herrschaft Dürnstein, NÖ Landesarchiv, St. Pölten
Helmuth Feigl: Die niederösterreichische Grundherrschaft, St. Pölten 1998
Niederösterreichisches Landesarchiv, Alte Einlagen
Oberösterreichisches Urkundenbuch, NÖ Landesarchiv, St. Pölten
Pfarrmatriken Altenwörth, Grafenwörth, Kirchberg am Wagram
Pfarrchronik Altenwörth
Stiftsakten Klosterneuburg
 
 
 
 
Juli 2015
Maria Knapp
Ludwig Leuthner
Herbert Eder