Das Ende des 2. Weltkrieges in unserer Gegend

 

Letzte Änderung:  22.10.2014

 

Ende 1945 schickte die Diözese Wien an alle Pfarren Fragebögen über Kriegsereignisse und die letzten Kriegstage. 1961 schickten die Bezirkshauptmannschaften an die Gemeinden ebenfalls einen Fragenbogen.

Die Antworten (es waren nicht immer alle Fragen beantwortet) sind hier angeführt - ergänzt um die Einträge in verschiedenen Chroniken der Umgebung. 

 

Altenwörth

Altenwörth war Garnisonsort der SS-Truppen. Die deutsche Wehrmacht war bis Ende 44 im Dorf, bis 9.4. die deutsche Flak, dann SS und Feldgendarmerie bis 8.5.1945. Teile der SS waren sehr radikal, manche waren sehr nett.

Am 1.3.45 Bombenabwürfe: drei Häuser der Ortsgemeinde wurden schwer beschädigt.
10.4. – 11.4. starkes Artilleriefeuer vom rechten Donauufer, dann ununterbrochen Beschuss vom rechten Donauufer auf die Ortsgemeinde bis 8. Mai 45.

Am 8. Mai sind die Russen im Ort eingezogen, sie kamen vom rechten Donauufer herüber, die deutschen Truppen zogen in Richtung Westen ab.

8 Parteien sind vor den Russen geflüchtet. Einige Häuser der Geflüchteten wurden geplündert. Vom Vieh musste circa 80 % abgeliefert werden. Hie und da haben die auch Russen gestohlen.Weder in der Schule noch in der Kirche ist etwas geschehen, Lehrerschaft und Geistlichkeit sind gut durchgekommen.

Die 1. Sitzung des prov. Gemeinderates fand am 15. Mai 1945 statt. Besatzungstruppen waren bis 1955 stationiert.

 

Pfarrchronik Altenwörth
Auch Altenwörth war Kriegsschauplatz, vom 21.IV. – 8.V. Die Rußen waren am rechten Donauufer, die S.S. in Altenwörth. Manche Leute von hier sind geflüchtet nach O.Öst. oder Salzburg? Es war keine Kleinigkeit, in diesen Tagen in Altenwörth zu sein; in Gigging war es bedeutend besser. Besonders der Kirchturm war immer wieder das Angriffsziel der Rußen, weil die S.S. eine Funkstation oben hatte. Kirche u. Pfarrhof haben deshalb sehr gelitten, besonders die Dächer u. Fenster, doch „umlegen“ konnten sie den Turm nicht. Auch die schönen, großen Kirchenfenster auf der Evangelienseite, nebst den meisten anderen Fenstern in Kirche u. Pfarrhof waren hin. Nebst vielen kleinen Treffern erhielt der Pfarrhof auf der Vorderseite einen Volltreffer; … Celebrieren konnte der Gefertigte täglich, aber sehr früh. Geschlafen haben die meisten Leute im Keller, auch der Gefertigte.

Sonntag d. 29.IV. war der Schreckenssonntag; Nachmittag sind zwei Großfeuer ausgebrochen durch Brandgeschoße der Feinde. Zuerst brannte die Scheune u. ein Schuppen des Herrn Johann Waltner, Altenw. 13, nieder, dann die Scheune u. zwei Schuppen u. der Stall d. Herrn Anton Altmann, Altenw. 18. Die Feuerwehr unter der Führung d. H. Engelbert Gartner hat unter größtem feindlichen Beschuss die Lösch-Aktionen vorgenommen und ein Umsichgreifen des Feuers verhindert.

Es war wie ein Wunder, daß in diesen schweren Tagen nicht mehr Menschen ums Leben gekommen sind, nur eine Frau Paßecker Katharina, Gigging 22, wurde am 20.IV. von einer russischen Bombe getroffen, sie konnte aber noch versehen werden.

Endlich am 8.V. um 1 Uhr zog die S.S. ab und um 3 Uhr desselben Tages war Waffenstillstand. Deutschland wurde vollständig besiegt und Österreich wurde wieder ein selbständiges Land. Freilich, was nachfolgte, war traurig. Die Rußen hatten furchtbar gehaust. Plünderungen, Schändung von Frauen u.s.w. war an der Tagesordnung. Die Keller wurden fast alle erbrochen u. Wein samt Fässern gestohlen; viele hl Wein ließen sie mutwillig ausrinnen. 80 % des Viehstandes wurden von den Rußen weggenommen, dabei haben ihnen die fremdländischen Arbeiter, die noch hier waren, gute Dienste geleistet. Hier in Altenwörth war es nicht so arg wie in den umliegenden Ortschaften. In Pfarrhof und Kirche wurde nicht gestohlen oder geplündert.

Ertl August, Altenwörth 15, 13 J alt, stieg im Donauufer auf eine Mine; diese ging los und hat ihn fürchterlich verstümmelt, er lebte noch einige Zeit u. konnte noch versehen werden.

In den Sommermonaten sind sehr viele Flüchtlinge zurück, da die S.S. fast alle Donaubrücken gesprengt hat, so haben hier sehr viele aufs rechte Donauufer mittels Zille übersetzen lassen, täglich 300 – 400 Personen; Unglücksfall ist dabei keiner geschehen. Nur auf Minen sind einige auch gestiegen, die dann losgingen u. sie verletzt haben. Die S.S. hat das ganze linke Donauufer mit Minen belegt, aber weggeräumt haben dieselben nach ihrem Abmarsch nicht. Eine russische Strafabteilung ist dann einmal gekommen um sie wegzuräumen.

 

Schulchronik Altenwörth
Die rote Armee setzte ihren Vormarsch fort und die Stadt Wien, die von der SS verteidigt wurde, mußte bereits am 10.4. den Russen überlassen werden. Das russische Heer zog südlich der Donau bis zum Traisentale vor. Die Donau von Korneuburg bis Hollenburg bildete die Kampfzone. So kam es, daß auch unser Schulort in das Kampfgebiet einbezogen wurde. Am rechten Donauufer setzte sich das russische Heer fest, am linken Ufer lagen SS-Formationen. Der Schulort wurde auch vom feindlichen Feuer getroffen. Am 18.7. wurde das Haus Altenwörth No. 26 durch feindliche. Brandmunition in Brand geschossen. Es brannte der Dachstuhl ab. Während der Löschaktion fielen feindliche Granatwerfergeschosse ein. Am selben Tage sowie an den nachfolgenden wurden zahlreiche Häuser durch fdl. Geschoße getroffen und beschädigt. Am ärgsten beschädigt waren: der Pfarrhof, Haus No. 36 (Hametner), Haus No. 35 (Einwögerer) Haus No. 51 (Wanko), Haus No. 50 (Pumper) Haus No. 18 (Altmann). Das Schulgebäude erhielt einen Granatentreffer im Dach, wodurch ein Teil des Daches zerstört wurde. Durch den Dachboden schlug aber das Geschoß nicht durch. Die meisten Bewohner mußten in den Kellerräumen hausen, viele Leute zogen mit dem Vieh in das Nachbardorf Gigging. Es war eine harte und schwere Zeit. Das Ziel der Artillerie war der Kirchturm; er wurde zwar mehrmals getroffen, aber nicht zerstört. Die Beschießung des Ortes wurde immer ärger bis am 8.5. die bedingungslose Kapitulation Groß-Deutschlands erfolgte und hiemit der Krieg sein Ende fand. Noch in der Nacht vom 8. - 9.5. kamen russische Soldaten in den Ort; sie wurden mit Zillen über die Donau herübergebracht.

Die Ortsbewohner gingen sogleich daran, die Schäden an den Gebäuden wieder gutzumachen. Der Schulunterricht konnte infolge vorübergehender Einquartierung nicht aufgenommen werden. Es wurde angeordnet, daß der regelmäßige Unterricht am 10.9. wieder zu beginnen hat.

Während der Weihnachtsferien bekam Altenwörth eine russische Besatzung. Der Kommandant bezog das Lehrerzimmer, die Mannschaft quartierte sich in dem Hause "Bachner", gegenüber der Schule, ein.

 

Bierbaum

Am 15.6.1944 wurde in hiesiger Volksschule die Flakdienststelle L 62871 München einquartiert und blieb bis Kriegsende. Vom 10. April 1945 bis 4. Mai 1945 lag eine Abteilung der Waffen-SS im Orte.

Der Ort war wiederholt amerikanischen und englischen Fliegerangriffen ausgesetzt gewesen, da in 6 km Entfernung das Großwerk Moosbierbaum lag, in dem Treibstoff erzeugt wurde. – Im Pfarrbereich hier auch 3 Batterien schwere Flak und der Flugplatz. Sieben amerikanische Flugzeuge wurden abgeschossen. Zwei verkohlte Leichen amerikanischer Besatzungsmitglieder wurden auf dem Friedhof von Bierbaum bestattet, deren brennendes Flugzeug, ein 4-motoriger Bomber unweit des Friedhofes auf dem Boden zerschellte.

Kampfhandlungen fanden im Gebiet der Ortsgemeinde keine statt, da von der Räumung Bierbaums durch die Deutsche Wehrmacht bis zum Einmarsch der Russen zweiTage vergingen.

Die Deutschen befanden sich in der Au längs der Donau beim Jagdschlösschen „Eleonorenhain“ bis gegen Tulln auf der einen Seite, Richtung Osten und bis Altenwörth gegen Westen. Die Russen standen südlich der Donau längs des Flusses von Tulln bis Zwentendorf u. westlich dieses Ortes.

Von Ostern bis Mitte April 1945 heftiges Artilleriefeuer der Deutschen von der Flakstellung bei Frauendorf aus gegen die russ. Truppen in Tulln u. Umgebung. Gegen Ende April russisches Antwortfeuer auf deutsche Geschütze, die rings um Bierbaum standen. Das russische Feuer traf gut, ohne jedoch Häuserschäden zu verursachen. Die Russen schonten sichtlich den Ort. Zweimal erfolgten jedoch russische Fliegerangriffe auf Bierbaum und zwar am 10. und 13. April 1945 gegen 6 Uhr abends, woran 5 – 6 Maschinen teilnahmen und Splitter und auch größere Bomben geworfen wurden. Es entstanden jedoch nur Mauer- und Dachschäden, 1 Frau wurde schwer verletzt (1 Auge verloren), sonst aber blieben Menschen und Gebäude wie durch ein Wunder verschont. Die Splitterbomben fielen mitten in den Ort, die schweren Bomben an die Ortsränder meist in freies Gelände. Anfangs Mai 1945 verteilte sich das russische Artilleriefeuer hauptsächlich auf die Straße Tulln – Bierbaum und Tulln – Absdorf – Kirchberg. Bierbaum, Utzenlaa und Frauendorf an der Au – die zur Pfarre gehören, erhielten keinen Treffer. In der Nacht vom 7. auf den 8. Mai setzte Trommelfeuer ein von 23:00 bis 7:00, weiter rings um die Ortschaften Einzelflüge, aber keine Granate in die Orte! In dieser Nacht erfolgte Abzug der deutschen Hauptmacht (SS) mit Geschützen und Granatwerfern in Richtung Westen, am 8. Mai 7.00 früh zogen Abteilungen des Wiener Volkssturmes, die unsere Bevölkerung wegen seiner verschiedenartigen Uniformstücke zuerst für Russen hielt, aus dem Osten kommend ein. Der Volkssturm wurde aber um 10:00 mit Autos nach Fels und Wagram gebracht, um 12:30 fuhren die letzten deutschen Nachhute (SS) in westlicher Richtung ab.

Am 20. April war schon der Flugplatz Bierbaum geräumt worden, die Gebäude gesprengt und der Platz umgeackert. Am 1. Mai zog die schwere Flak aus Frauendorf nach Sigmundsherberg ab, sprengte einige Geschütze, andere wurden mitgenommen, einige konnten nicht mehr gesprengt werden und wurden samt Munition zurückgelassen. Im ganzen standen ursprünglich 3 Batterien zu je 6 Geschützen in der Stellung. – Die Gebäude, Wohnbaracken, wurden gesprengt.-

Verluste an Russen und Deutschen: 1 Russe durch Unfall oder Selbstmord, wurde im hies. Friedhof begraben, drei SS-Mann, die mit Auto nicht rechtzeitig fliehen konnten, wurden an westl. Ortseingang erschossen und dort begraben. 1 Mann aus Frauendorf ist durch Leichtsinn Anfang Juni 1945 in der Au auf eine Mine getreten u. wurde getötet.

Die SS war brutal bei Einquartierungen, es wurde viel gestohlen, Esswaren, auch Wäsche, Pferde, Schweine und Geflügel.

Ausländische Arbeiter sind gegen einige Bauern brutal vorgegangen, geraubt, und haben im Rausch Verwüstungen an Einrichtungsgegenständen begangen, vereinzelt auch Pferde gestohlen. Viele Fensterschäden, wenige Dach- und Mauerschäden.
Geflüchtet ist nur Frau des eingerückten Oberlehrers, sonst über Aufforderung des gewesenen Bürgermeisters alle im Ort geblieben.

Die Schule war vollständig besetzt, wurde Lazarett; Ende September wurden Klassen für Unterricht freigegeben, aber nur mehr Bänke vorhanden, alles andere von den Russen gestohlen, sogar Türschnallen. – Die Schulleiterin hatte keinen ständigen Wohnsitz, zog für einige Zeit nach Königsbrunn, Unterricht ruhte seit Ende April, als Schule von SS besetzt worden war, bis Ende September. – Kirche hatte nur einige Fensterschäden durch Fliegerbomben erhalten, aber keine weiteren Schäden, auch nicht durch Besatzung, dasselbe gilt vom Pfarrhof, hatte 3 Monate Einquartierung: 1 russ. Major + 1 Chauffeur, 2 Privatautos. Bei Abfahrt nahmen die Russen die Matrazen des Pfarrers mit, sonst keine Schäden. – In der Seelsorge keine Behinderung. – Der gestohlene „Versehwagen“ in Utzenlaa wurde auf Intervention durch den Pfarrer der Kirche durch russ. Kommandanten wieder zurückgegeben.

Es gab vereinzelte Fälle von Ruhr, 1 Todesfall. –

Die Bevölkerung musste zehn Wochen lang Zwangsarbeit leisten - von 16 bis 65 Jahren (1 Person für jeden Haushalt war ausgenommen) bei Bahnbrückenbau bei Absdorf, Instandsetzung des Flugplatzes Bierbaum, der durch deutsches Militär zerstört worden war, und bei den Besatzungstruppen in Bierbaum, Utzenlaa u. Frauendorf. Einziehung aller Jagdgewehre, der Rassenhunde, alle Schweine bis auf 1 in jeder Wirtschaft , vereinzelt auch Einziehung von Pferden und Kühen.

Schloss Eleonorenheim in der Au wurde vollständig ausgeplündert, was nicht mitgenommen werden konnte, wurde zerstört – Diebstähle waren an der Tagesordnung. Gestohlen wurde fast in jedem Haus von kleinsten Gebrauchsgegenständen bis zu den schweren Haustoren, die man zum Eindecken der Flakbaracken verwendete. Gasthaus und das große Kaufhaus in Bierbaum wurden meist von polnischen Arbeitern, aber auch von einzelnen Russen geplündert, ohne dass irgendwie von höherer Stelle Einhalt geboten wurde. Auch Wohnungen von Leuten wurden, während die Hausleute auf dem Feld arbeiteten, „ausgeräumt“, von den vielen Felddiebstählen der Russen gar nicht zu reden. In einer Nacht wurden einem einzigen Bauern 2000 kg Kartoffeln ausgegraben.

 

Schulchronik Bierbaum
In der Nacht vom 6. auf den 7. Mai setzte schwerstes Kanonenfeuer ein. (Der Nachthimmel war immer von der Frontröte gezeichnet.) Tags vorher setzte außer der Kanonierung von Seite der Russen auch die Stalin-Orgel mehrmals ein (Altenwörth). Das Kirchendach der Kirche in Königsbrunn u. 2 andere Häuser wurden durch russischen Granatenbeschuß von Moosbierbaum aus zerstört. – In der schrecklichen Nacht vom 6. auf 7. Mai war ein höllisches Feuer losgebrochen. Das Licht verlosch nach einigen Zuckungen u. kehrte erst genau nach 3 Monaten wieder zurück. Es litt mich nicht in der finsteren Wohnung. Mit einer kleinen Tasche lief ich die sonst stockfinstere Straße entlang, durch die Panzersperre zum Haus der Frau Auer. Im Hauskeller kauerte ich in einer Ecke elend beisammen. Die SS nahm eilig Abschied. Die Straßen waren verrammelt von Autos. Um Mitternacht kam die Volkssturm durch den Ort von Neu Aigen herauf. – Ich wollte nach Hause eilen, als die Schießerei nachließ. Aber kaum betrat ich mein Zimmer, so ging der Höllentanz von neuem los. Also lief ich wieder die Strecke zu dem obgenannten Haus. Nun sagte mir ein SS-Mann: „Morgen Früh geben Sie acht; entweder sind die Russen da oder die Amerikaner.“ Ich blieb bis zum Morgen im Haus der Frau Auer. Um 4 Uhr Nachmittag trafen die Russen ein. Sie fanden keinen Widerstand. Es war nur ein rasches Durcheilen durch die Ortschaft. 

 

Dörfl

Am 8. Mai 1945, 16:30, sind die Russen in der Ortschaft Dörfl eingezogen.

Von Ostern 1945 bis 8. Mai 1945 9 Uhr vormittags waren Verpflegungseinheiten der Deutschen Wehrmacht einquartiert.

Die Russen kamen aus östlicher Richtung nach Dörfl. Die Einheiten der ehem. Deutschen Wehrmacht haben sich in westlicher Richtung abgesetzt.

Im Ortsgebiet kam es zu keinen Kampfhandlungen.

 

Engelmannsbrunn

Am 8. Mai 1945 zogen russische Besatzungstruppen durch den Ort.

Einheiten der ehemaligen Deutschen Wehrmacht waren ca. 14 Tage, bevor die russischen Truppen in den Ort kamen, in der Gemeinde einquartiert.

Die alliierten Truppen kamen aus dem Osten, die Einheiten der Deutschen Wehrmacht zogen nach Westen ab.

Kampfhandlungen haben im Gemeindegebiet nicht stattgefunden.

 

Fels am Wagram

Fels wurde am 8. Mai 1945 von den Russen besetzt.

Von 1939 bis Kriegsende waren Fliegerverbände stationiert. Näheres siehe auf der Homepage von Herrn Ludwig Leuthner: http://www.g4v.info/kufe/flugplatz_fels.html

Die alliierten Truppen kamen aus dem Osten, die Einheiten der Deutschen Wehrmacht sind nach Westen abgezogen. Es kam vereinzelt zu Artilleriebeschuss.

 

Frauendorf

Vom 15.4.1945 bis zum Zusammenbruch waren Einheiten der Waffen SS einquartiert.

Die russische Besatzungsmacht kam am 9. Mai 1945 in die hiesige Gemeinde. Außer Artilleriebeschuss waren keine Kampfhandlungen in der Gemeinde.

Die Alliierten Truppen kamen aus dem Osten und die Einheiten der Deutschen Wehrmacht sind nach Wesen abgezogen.

 

Grafenwörth

1.4.1945 bis 8.5.1945 ungarische Truppen, Pferdelazarett (2000 Pferde), SS-Einheiten und andere im Ort, wobei die SS bei Einquartierungen rücksichtslos vorging.

11. bis 16. April 1945 starker Durchzug und auch Einquartierung verschiedener Waffengattungen.

Am 20.4. ist durch Unvorsichtigkeit der Polizeitruppen (Wien) der Kirchturm abgebrannt.

Es kam zu drei Nachtangriffen mit Bombenwürfen (Ziel eigentlich Flugplatz Fels).

Es kam zu keinen größeren Kampfhandlungen. Am 20. April brannte die Scheune des Pfarrhofes ab, wobei auch der Kirchturm Feuer fing.

Die Russen sind am 8.Mai 1945 in den Ort eingezogen.

Die Russen kamen von Osten – Seebarn -, die Deutsche Wehrmacht zog nach Westen – Krems – ab. Die Front verlief an der Donau, die Deutschen befanden sich am Nordufer – Polizei Wien, Kampfgruppe Kölblinger und 2. SS Totenkopf-Division. Es gab Granatenabwürfe und Artilleriefeuer. 3 Polizeiangehörige wurden schwer verletzt, 1 starb durch eigene Mine. Beim Einmarsch der Russen ins Dorf wurde vor dem Dorfeingang (500 m) ein Mann von den Russen erschossen.

Beim Einmarsch der Russen starb ein junger Mann durch ungeklärte Umstände. Polnische Arbeiter plünderten Bauern und Geschäfte aus. 1 Wohnhaus wurde zerstört, 3 beschädigt, der Fahrdamm zur Donau wurde gesprengt. Geflüchtet sind nur vereinzelt belastete Nazis. Zahlreiche Plünderungen, vor allem der Geschäfte und Weinkeller, Beschlagnahme von Vieh, etc. Lehrer und Pfarrer blieben unbehelligt. Eder-Mühle (Villa) und Geschäftshaus Eder wurden geplündert, vereinzelt kam es zu Vergewaltigungen. Radio- und Fotoapparate wurden eingezogen, ab Dunkelheit gab es ein Ausgehverbot.

Es kam zu keinen größeren Zerstörungen. Straßensperren wurden weggeräumt, die Kampbrücke konnte gerettet werden, da Einheimische die Sprengladung entfernten.

Am 26. Mai 1945 erste konstituierende Sitzung des Gemeinderates. Als Bürgermeister wurde Herr Franz Riedl bestimmt. Aus dem Protokoll geht nicht hervor, durch wen, es ist nur ein Herr Zenz genannt, der an der Sitzung teilnahm.

 

Kirchberg

Garnisonsort war Kirchberg am Wagram nicht. Im Jahr 1940 lag eine Infanterieeinheit, ebenso im Jahre 1942 und 1944 in Kirchberg. Einige Wochen vor dem Zusammenbruch waren Panzer und SS Einheiten im Ort.

In Kirchberg war viel Munition vom Flughafen Fels am Wagram eingelagert. Es kam zu Fliegerangriffen durch englische und russische Maschinen, da Fels und Moosbierbaum in der Nähe waren

Am 8.5.1945 sind die Russen im Ort eingezogen. Sie kamen aus dem Osten und in den nächsten Tagen über die Donau vom Süden. Durch Artilleriebeschuss kam es zu drei Toten.

Die russischen Besatzungstruppen kamen von Osten und die Einheiten der Deutschen Wehrmacht zogen nach Westen ab. Am 25. Mai 1945 war Einquartierung durch die russische Besatzungsmacht.

Im Ort selbst fanden keine Kampfhandlungen statt, sondern ein Teil des Ortes wurde mit Artilleriefeuer belegt, wo auch Tote und Verletzte unter der Zivilbevölkerung zu beklagen waren. Ca. 70 Personen sind vor den Russen geflüchtet.

Die russischen Besatzungstruppen waren vom 25.5.1945 bis Juli 1946 im Ort.

Beim Abzug der SS wurde der Ort, besonders der Teil an der Straße Stockerau – Krems von der russ. Artillerie beschossen, wobei Gebäudeschäden entstanden und 4 Personen – 3 Erwachsene und 1 Kind – verletzt wurden. Die Erwachsenen erlagen dann ihren Verletzungen, das Kind wurde gerettet. Vor dem Abzug sprengten die SS-Truppen ihre Panzer (außerhalb des Ortes) und die Munition. Ebenso wurden die Bahnwechsel gesprengt.

 

Auszug aus der Schulchronik Neustift
Der 8. Mai brachte das große Ereignis. Schon zeitlich früh ertönten von Kirchberg her starke Detonationen. Man vermutete anfangs Artilleriefeuer, doch stellte sich alsbald heraus, daß der lufterschütternde Lärm von dem Sprengen einiger Panzer, die von den noch zurückgebliebenen deutschen Soldaten auf solche Art zerstört wurden, herrühren. Im Lauf des Vormittags trat eine eigentümliche Ruhe ein. In der ganzen Gegend ertönte kein Schuss. Alles war der Meinung, daß der Krieg nun zu Ende sei. Gegen Mittag verließ die letzte deutsche Einheit Kirchberg, nachdem von ihr viele Ausrüstungs- und Gebrauchsgegenstände an die Bewohner von Kirchberg am Wagram verteilt oder kurzerhand von den Wagen geworfen wurden. Das war das Ende! - An dieser Stelle sei noch erwähnt, daß am selben Tage früh sämtliche Geleise und Weichenanlagen auf der Strecke Absdorf–Hadersdorf und dortselbst die Eisenbahnbrücke über den Kamp gesprengt wurden, was sich in der Folge sehr störend auf den Verkehr auswirkte.

Gegen ½ 3 h nachm. vernahm man abermals Detonationen, die diesmal tatsächlich von Geschützen herrührten. Die russ. Artillerie begann, Kirchberg zu beschießen. Die Granaten, zum Glück kleineren Kalibers schlugen mit großer Genauigkeit in dem Häuserblock im “Tobel” an der Bezirksstraße und verursachten ziemlichen Gebäudeschaden, besonders an den Häusern der Besitzer Anker und Damböck. Alles flüchtete noch einmal in die Keller. Leider fielen der Beschießung von Kirchberg auch Menschen zum Opfer. Drei Erwachsene wurden tödlich, ein Kind schwer verletzt. --

Die erste Sitzung des provisorischen Gemeinderates war im August 1945, der 1. Bürgermeister wurde von der Bezirksverwaltungsbehörde eingesetzt.

 

Pfarrchronik Kirchberg am Wagram
Am 8. Mai 1945 sprengten die SS die rings um Kirchberg aufgefahrenen Tanks und Panzerwagen. Auf dem Kirchenplatze hielt der Kommandierende der SS eine Abschiedsansprache. Abzug der SS: Nach Absingen von nationalen Liedern zogen sie dann ab, begleitet von den Flüchen der Bevölkerung.

Schon vor der SS war ein Teil der Bevölkerung von Kirchberg, fast ausschließlich Parteigenossen und =genossinnen geflohen. Es war geplant gewesen, Kirchberg zu evakuieren, aber am Widerstand der Mehrheit der Bevölkerung scheiterte dieser teuflische Plan, der den Untergang des Marktes bedeutet hätte. Einige Wochen vorher war die Tullner Brücke von der deutschen Armee gesprengt worden und damit jede Verbindung mit dem rechten Ufer der Donau abgerissen. Nun sprengten eigene SS Kommandos alle Wechsel der Bahn, damit für längere Zeit jeder Zugsverkehr unmöglich gemacht. Nachmittag desselben Tages kam der Bürgermeister Heinrich, der obwohl Parteigenosse, dennoch hier geblieben war, und ersuchte, die weiße Fahne am Kirchenturm zu hissen. Es geschah. Bald erschienen am Süd- und Ostausgange des Ortes Russen, um den Markt zu besetzen. Merkwürdig wurden beide Patrouillen von den Kaplänen der Pfarre Josef Neumayer und Karl Buchta, die gerade die von der Artilleriebeschießung  Verwundeten betreuten, empfangen und zum Bürgermeisteramte begleitet. Ein großer Teil der Bevölkerung hatte sich in den Pfarrhof geflüchtet und harrte ängstlich der Dinge, die da kommen sollten. Aber die ersten Vorhuten benahmen sich ganz gesittet und manierlich. Was aber dann folgte erfüllte alle Herzen mit Schrecken und Abscheu. 

Gleich nach dem Einmarsch der Russen begannen die Ostarbeiter und russ. Soldaten mit der Plünderung. Die hiesigen Geschäfte wurden in tagelang fortgesetzter Plünderung vollständig ausgeräumt. Nur die französischen Gefangenen hielten sich den Gewalttaten in jeder Form fern, ja schützten vielfach die Opfer. Auch die Wohnungen und Häuser wurden beraubt, die Bewohner drangsaliert, Frauen und Mädchen vergewaltigt. Dieses Treiben wurde wochenlang fortgesetzt, bis das russische Kommando eintraf. Aber auch als wieder etwas geordnete Verhältnisse eintraten, fanden immer wieder Übergriffe statt. Monatelang. Vier Monate nach der Besetzung teilte mir der hiesige Arzt mit, dass 73 Frauen und Mädchen infolge Vergewaltigung bei ihm in Behandlung waren. Kein Alter schützte davor, vergewaltigt zu werden. Eine Frau z.B. war 78 Jahre, ein Kind 10 Jahre. Zum Teil laborierten diese Opfer an ansteckenden Krankheiten. Ein Mädchen, das sich wehrte, wurde angeschossen und schwer verletzt. Die hiesige Sparkasse wurde um 1,400000 RM erleichtert. Der Pfarrhof war wochenlang die Zufluchtsstätte der geängstigten Bewohner, 70 – 80 Frauen und Mädchen nächtigten in Kellerräumen und Zimmern.

 

Schulchronik Kirchberg am Wagram
Im März u. April 1945 rollte Tag u. Nacht der Rückzug der Deutschen Wehrmacht auf der Straße Stockerau-Krems westwärts.

Vom 8. April bis 7. Mai 1945 verlief die Front südlich von Kirchberg entlang der Donau von W nach O und bog zwischen Korneuburg u. Stockerau nach N ab. Die Deutschen waren diesseits, die Russen jenseits dieser Linie. Die Tullner Brücken waren von den Deutschen gesprengt worden. Die Kampfhandlungen waren auf Spähtrupptätigkeit, Feuerwechsel leichter u. mittlerer Waffen u. Laufaufklärung mit vereinzelten Bombenwürfen beschränkt.

In der Volks- und Hauptschule war ein deutscher Hauptverbandsplatz. 7 deutsche Soldaten erlagen hier ihren Verletzungen. Wurden nordöstlich des Ortes begraben. In Kirchberg u. Umgebung lag SS, über die viel geklagt wurde. Auch der Tullner Landrat (B.H.), der Kreisleiter der NSDAP Swoboda, der SA Standartenführer Kweta hielten sich längere Zeit in Kirchberg auf. Etwa 10 % der Bewohner, meist Angehörige der NSDAP, flüchteten mit der Wehrmacht westwärts.

Am 8. Mai 1945 sprengten die Deutschen etwa 15 Panzerkampfwagen u. die Stellwerke u. Wechsel der Bahnstrecke Absdorf-Krems u. die Hadersdorfer Kampbrücke. Um 14:30 beschossen die Russen mit etwa 20 Granaten den Ort im Bereich der Straße Stockerau-Krems. 

Etwa um 16 Uhr marschierten die Russen von Unterstockstall auf der Durchgangsstraße westwärts. Ein deutsch sprechender Leutnant kam am „Schwemmbrunnen“ vorbei auf den Marktplatz. Die Bewohner liefen zusammen. Er forderte alle auf, aus den Kellern in die Häuser zu gehen, da nichts geschehen werden. Viele Fragen wurden an ihn gerichtet. Auf die Frage einer Frau, ob Frauen etwas zu befürchten haben, antwortete er, daß sie niemandem etwas tun. Allerdings kommen beklagenswerte Geschehnisse vor, doch bei den Deutschen sei auch allerlei geschehen.

Polnische „Ostarbeiter“  usw. plünderten, raubten, führten Russen zu ihnen bekannten Verstecken ihrer einstigen Arbeitgeber. Keller- und Hauseinbrüche gab es viele. Die kriegsgefangenen Franzosen waren fast ausnahmslos anständig. Kraftfahrzeuge, Fahrräder, Schmuck, Uhren, Vieh usw. wurden weggenommen. Nicht selten waren Fälle von Notzucht.

Um Pfingsten mußten alle Bewohner zwischen 16 und 60 auf dem Felser Flugplatz Erdarbeiten verrichten.

Am 22. Mai 1945 quartierte sich in Kirchberg die Verbindungskompanie der Luftwaffen-Division Oberst Schutejeff, etwa 3 Offiziere und 60 Mann, ein. Dazu kamen andere Einheiten, wodurch die Besatzung auf etwa 200 Offiziere und Mann anstieg. Das Amtsgebäude, die Schulen, die Gasthäuser Mantler und Hirsch und viele Privatwohnungen wurden in Anspruch genommen. Da auch einer der beiden Ärzte geflohen war u. Medikamente fehlten, drohten Krankheiten. Einige Typhusfälle waren zu verzeichnen, jedoch nur 2 mit tödlichem Ausgang. Geschlechtskrankheiten waren zahlreich.

Anfangs Juni 1945 wurde die bisherige Besatzung durch den Stab einer Luftwaffendivision unter Oberstleutnant Kutichin abgelöst, deren Einheiten in den umliegenden Orten lagen. In Kirchberg waren etwa 35 Offiziere und etwa 60 Mann.

 

Königsbrunn

Am 1. 4.1945 – Einquartierung einer Einheit der deutschen Wehrmacht (vermutlich Panzerjäger), welche dann am 10. April in westl. Richtung abkommandiert wurden, nachher kam Nachrichtentruppe und SS und noch Volkssturm mit Fremdarbeitern (wie Polen, Griechen, Urkainer u.a.). SS war bis zum 7. Mai 1945 im Ort.

Am 8. Mai 1945 um 15 Uhr sind die Russen in das Gemeindegebiet einmarschiert.Die Russen kamen aus der Richtung Stetteldorf – Absberg – Hippersdorf, die Deutschen waren auf der Flucht gegen Krems. Es gab einen toten Russen.

Es kam zu Schäden an der Kirche – 3 Treffer in das Dach, 2 in der Kirche. Soldaten schändeten ein Kreuz, 8 beschädigten einige Kirchenfenster, 2 wollten in das Innere.

Das Gemeindegebiet von Königsbrunn wurde von den am rechten Ufer den Donau stehenden russischen Truppen wiederholt mit Artillerie beschossen. Geschoßtreffer waren in der Kirche und in verschiedenen Häusern. Die Beschießungen fanden im Monat April bis 8. Mai 1945 statt. Als Folge der Artillerieeinschläge waren größere Dachschäden zu verzeichnen. Verluste an Menschenleben waren in der Gemeinde nicht zu beklagen.

Von der Besatzungsmacht wurden besonders in der ersten Zeit Plünderungen aller Art vorgenommen. Einbrüche in Keller waren an der Tagesordnung, es waren ganze Keller ausgeräumt. Wegnahme von Pferden, Rindern, Schweinen, Geflügel usw. sowie Plünderungen von Hausrat (wie Kleider, Wäsche, Möbel und dergleichen).

Die Besatzungstruppen der russ. Armee waren bis Juli 1946 im Ort u. zwar 2 Fliegerregimenter, es waren zeitweise bis zu 500 Mann hier in der Ortschaft im Quartier.

Die erste Sitzung des provisorischen Gemeinderates wurde durch den im Jahre 1938 abgesetzten Bürgermeister Herrn Franz Österreicher einberufen. Bei dieser Sitzung waren nur 5 bis 6 Gemeinderäte anwesend. Der Altbürgermeister Herr Franz Österreicher, wurde von niemandem eingesetzt, er hat dies von sich aus getan und blieb bis zu den Wahlen im Jahre 1946 als Oberhaupt der Gemeinde.

 

Kollersdorf

Die Truppen der Deutschen Wehrmacht (SS) waren vom 12.4.1945 bis 8.5.1945 anwesend. Das Gemeindegebiet von Kollersdorf wurde am 8. Mai 1945 von den Russen besetzt.

Die Russen kamen von östlicher Richtung (Neustift im Felde) und die Einheiten der d. Wehrmacht sind in westlicher Richtung abgezogen. Kampfhandlungen fanden im Gemeindegebiet nicht statt. Besatzungstruppen waren von Ende Juli bis November 1945 stationiert.

Während der letzten Kriegstage wurde ein junger Soldat wegen Fahnenflucht erschossen. Ein weiterer Soldat wurde am 7.5.1945 an der Straße von Kollersdorf nach Fels am Wagram von Panzergeschützen erschossen. Ebenfalls wurde in den letzten Apriltagen während der Nacht durch von russ. Flugzeugen (Rattern) abgeworfenen Kleinbomben ein Soldat getötet und drei verwundet. Zur gleichen Zeit wurde auch eine Scheune samt Geräteschuppen von Flugzeugen in Brand geschossen.

Von den Ortsbewohnern selbst wurde am 16.7.1945 bei Plünderungen 2 Landwirte von russischen Soldaten verwundet und in das Krankenhaus Krems eingeliefert, wovon einer am nächsten Tag seinen Verwundungen (Bauchschuss) erlegen ist.

 

Pfarrchronik Altenwörth
Donleithner Gottfried, in Pflege bei Franz Magerl, Kollersdorf, 7 J. alt, spielte mit einer Handgranate, diese ging los und hat ihn vollständig zerrissen; er war gleich tot.

Der 1. Bürgermeister wurde durch den heutigen Landesrat Ök.Rat Johann Waltner in Monaten Juni oder Juli 1945 eingesetzt, ebenso der provisorische Gemeinderat aufgestellt. Wahrscheinlich fand auch zu diesem Zeitpunkt die erste Sitzung des Gemeinderates von Kollersdorf statt.

 

Mallon

Im April 1945 waren Panzer in der hiesigen Gemeinde und zogen einige Tage vor dem Zusammenbruch nach Westen ab.

In der Gemeinde war keine Garnison, ebenso waren keine Besatzungstruppen stationiert.

Am 9. Mai kamen russische Besatzungskräfte von Osten in den Ort, die Einheiten der Deutschen Wehrmacht zog nach Westen ab. Kampfhandlungen fanden keine statt. Es kam zu Plünderungen und Schäden an Privateigentum.

Der 1. Bürgermeister wurde von der Bezirksparteileitung und der Zustimmung der Bezirkshauptmannschaft eingesetzt.

 

Mitterstockstall

Vom 6. auf den 7.5. zog eine kleine Panzereinheit durch den Ort.

Am 8. Mai 1945 um 15 Uhr kamen die Russen in den Ort – von Osten, die Einheiten der Deutschen Wehrmacht zogen nach Westen ab.

Es kam zu Schäden an Privateigentum durch Entnahme (Beschlagnahmungen) von Rindvieh, Schweinen, Geflügel, Mehlprodukten und Wein.

Wann die 1. Sitzung des provisorischen Gemeinderates stattfand ist nicht bekannt, da hierüber keine schriftlichen Aufzeichnungen vorhanden sind. Der 1. Bürgermeister wurde vermutlich am 9.5.1945 von einem Vertreter der österr. Widerstandsbewegung (ÖVP) eingesetzt.

 

Neustift

Neustift wurde am 8. Mai 1945 besetzt. Bis 8. Mai 1945 war durch 3 Wochen die SS-Wicking Inf. im Orte stationiert.

Eine kleine russische Abteilung kam auf dem Feldweg aus der Richtung Unterstockstall. Kurz vorher verließen die deutschen Truppen Neustift in der Richtung nach Kollersdorf. Kurz vor dem Eintreffen der russischen Truppen erfolgte ein Beschuss aus der Richtung südlich der Donau.

Durch die abziehenden deutschen Truppen wurden die Weichenanlagen im Bahnhof Kirchberg am Wagram gesprengt. In Neustift i. F. wurden 3 Straßensperren errichtet.

Durch die Beschießung von südlich der Donau am 8.5.45 wurden eingie Häuser durch Treffer beschädigt. Durch die Plünderungen der russischen Truppen sind große Verluste an Schweinen, Rindern und Pferden entstanden. Auch Wein ist in diesen Tagen abhanden gekommen.

Durch einige Monate bestand im Orte eine russische Kommandantur.

Verschiedene Ereignisse aus der Kriegs- und Nachkriegszeit von Neustift finden Sie in den Aufzeichnungen von Frau Anna Schabl: http://www.hf-kirchberg.at/index.php/ortsuebergreifend/kriegsberichte/kriegserlebnisse-anna-zehetner

 

Auszug aus der Schulchronik Neustift
Etwa gegen ½ 4 h nachmittags, als auch Neustift aus der Richtung Sitzenberg-Reidling unter Artilleriebeschuss genommen wurde. Die ersten Granaten gingen in der Flur Altendorf nieder, die nächsten saßen bereits im Orte selbst. Es fauchten jedes Mal Lagen zu 6 Schuss heran. Unter anderem erhielten das Haus No. 46 (Alois Walzer) 3 Treffer auf das Dach, das Haus No. 18 (Johann Hochreiter) 5 Treffer auf das Haus- bzw. Stalldach, andere Objekte ebenfalls leichtere Treffer. Zum Glück wurde nur eine Person durch Splitter am Arm verletzt. - Bald darauf traf der erste Russe, ein Kommissar, auf dem Fahrrad über den Feldweg von Unterstockstall herkommend, im Orte ein, verlangte nach dem Bürgermeister und ordnete die Waffenabgabe an. Die russische Artillerie hatte nach Abschuss von vier Leuchtsignalen das Feuer eingestellt. Alsbald rollten die russischen Kolonnen ohne Unterlass durch den Ort gegen Westen. Die Besatzung war da!

Der erste Bürgermeister war Franz Hofbauer.

 

Oberstockstall

Am 7. Mai 1945, abends kamen die Russen aus Nord-Osten, die Deutsche Wehrmacht setzte sich nach Nordwesten ab.

In den Monaten März und April 1945 hielten sich vorübergehend Artillerie, Panzer und Verbände der SS im Ort auf, es kam aber zu keinerlei Kampfhandlungen.

Es kam zu Plünderungen durch die russische Besatzungsmacht und zu einem Brand im April 1945, verursacht durch Deutsche Truppen infolge Fahrlässigkeit.

Erste Sitzung nach dem Protokollbuch am 10. Juni 1945, ob früher eine Sitzung stattgefunden hat, konnte nicht mehr festgestellt werden, ebenso nicht, durch wen der erste Bürgermeister eingesetzt worden ist.

 

Unterstockstall

SS Verbände der deutschen Wehrmacht zogen in der Nacht vom 7. auf den 8. Mai in Richtung Westen ab.

Der Ort wurde am 8. Mai von den Russen besetzt. Es kam zu Plünderungen. In der Ortschaft selbst fanden keine Kampfhandlungen mehr statt. Einige versprengte Flak Soldaten der deutschen Wehrmacht wurden von den Russen beschossen und verwundet wegtransportiert. In der Gemeinde waren lediglich 2 russische Posten stationiert.

Die erste provisorische Sitzung von Gemeindeangehörigen fand im Juni 1945 statt. Durch die russische Kommandantur Tulln wurde in der Gemeinde zum Bürgermeister Johann Mantler, Landwirt Unterstockstall Nr. 13, eingesetzt.

 

Utzenlaa

Vom 15. April bis 8. Mai waren Einheiten der Deutschen Wehrmacht (Artillerie) und Einheiten der SS (Stabstroß) in Utzenlaa anwesend.

Am 9. Mai 1945 erschienen die ersten Russen in Utzenlaa. Sie kamen aus der Richtung Stockerau, die deutschen Einheiten zogen in Richtung Grafenwörth ab.

Im Gemeindegebiet fanden keine größeren Kampfhandlungen statt, jedoch gegen Ende des Krieges fanden Fliegerangriffe auf den benachbarten Flugplatz Bierbaum sowie auf die über der Donau liegende Fabrik Moosbierbaum statt. Der erste Fliegerangriff erfolgte am 26. 5. 1944. Der Flugplatz Bierbaum wurde zerstört und die Treibstoffbehälter und Baracken gesprengt.

Eine Person wurde von den Russischen Besatzungstruppen getötet und fast sämtliches Vieh den Landwirten weggenommen. Auch wurde die Bevölkerung anfangs fast täglich zu Arbeiten für die Besatzung gezwungen, so dass die Arbeit auf den Feldern nicht verrichtet werden konnte. Im Orte waren durch 2 Monate fast 400 Russen einquartiert.

Im August 1945 fand die erste Sitzung des provisorischen Gemeinderates statt. Der erste Bürgermeister wurde von der Bezirkshauptmannschaft eingesetzt.

 

Winkl

Winkl wurde am 9. Februar 1945 bombardiert. Es wurden ca. 100 Bomben abgeworfen. Da der Angriff von Westen her erfolgte, das Dorf aber in Nord-Süd-Richtung gebaut ist, entstand ein verhältnismäßig geringer Schaden. Außer zwei schwer beschädigten Wohngebäuden und zwei total zerstörten Scheunen entstand nur geringfügiger Sachschaden.

Winkl war nicht Garnisonstort.Im Ortsgebiet fanden keine Kampfhandlungen statt.

Am 7.5.1945 nachmittags waren deutsche Truppen noch im Ort anwesend. 8 Tage vorher zog die Flak ab. Die letzten Truppen waren SS-Truppen.

Am 8. Mai 1945 besetzten die Russen das Dorf erstmalig und endgültig. Die Russen kamen aus dem östlich gelegenen Dorf Frauendorf und waren vorher in der Höhe des Forsthauses Eleonorenheim von Zwentendorf über die Donau gegangen. Die deutschen Truppen zogen in westlicher Richtung ab.

Zerstörungen kamen im Ortsbereich nicht vor. Brände brachen nicht aus. Am 7. Mai wurde der Ort vom südlichen Donauufer aus mit Streufeuer belegt. Im Haus Nr. 35 entstand leichter Sachschaden. Verluste an Menschenleben waren keine zu beklagen.

Besatzungstruppen waren nicht stationiert. Es waren nur 2 Feldgendarmen anwesend, von denen einer deutsch sprach. Durch das Wirken der beiden konnten Plünderungen und sonstige Übergriffe anderer Russen weitgehend verhindert werden.

In der Besatzungszeit kam es zu einem schwerwiegenden Zwischenfall: Ein russischer Soldat wurde in der Nähe des Ortsanfanges erschossen. Gott sei Dank gab es keine näheren Untersuchungen und keine Repressalien gegen die Bevölkerung. Bürgermeister Leopold Grill hat den Soldaten später exhumiert:

Gemeindevorstand blieb nach 1945 Herr Leopold Grill, der es schon seit 1942 war. Die konstituierende Sitzung des 1. Winkler Gemeinderates war am 29.12.1946. Bei der Bürgermeisterwahl wurde Herr Grill Leopold gewählt, der es bis 1950 blieb. 

 

Anton Handelsberger: Der Bombenkrieg 1944/1945 im Tullnerfeld

veröffentlicht in den Mitteilungen VI des Heimatkundlichen Arbeitskreises für die Stadt und den Bezirk Tulln.

Noch am 8. Mai fielen im nördlichen Tullner Feld in Fels am Wagram durch Fliegerangriffe sieben Zivilpersonen. In Feuersbrunn wurden durch Beschuss mit schweren Waffen die Kirche und einige Häuser beschädigt. Russischem Artilleriebeschuss und Fliegerangriffen waren an diesem Tag auch Absdorf, Altenwörth, Baumgarten am Wagram, Eggendorf am Wagram, Hausleiten, Hippersdorf, Jettsdorf, Kirchberg am Wagram, Königsbrunn am Wagram, Kollersdorf, Neuaigen, Neustift im Felde, Ruppersthal, Seebarn, Unterstockstall, Utzenlaa und Winkl ausgesetzt.

Da die deutschen Truppen nördlich und südlich der Donau bereits ab dem Abend des 7. Mai mit Masse und nur mit kleinen Nachtruppen am 8. Mai ihr Heil durch das rasche Erreichen der Demarkationslinie im Westen bei Steyr, Enns und nördlich davon bei den Amerikanern gesucht hatten, erfolgte am Abend und in der Nacht des 7. auf den 8. Mai  auf das starke russische Artilleriefeuer auf die deutschen Stellungen nördlich der Donau nur ein ungewohnt schwaches Gegenfeuer. Außerdem kam es im nördlichen Tullner Feld am 8. Mai zu keinerlei erwähnenwerten Rückzugsgefechten.

Die meisten Ortschafen wurden von den Russen kampflos besetzt. Fast alle Ortschaften hatten die gleichen Erlebnisse: Es wurde geplündert, da und dort wurden von betrunkenen Russen Frauen vergewaltigt und die Lebensmittelversorgung war zusammengebrochen. 

 

Quellen:
Fragenbögen derr Gemeinden 1945, NÖ Landesarchiv
Fragebögen der Pfarrämter 1945, NÖ Landesarchiv
Chroniken und Bücher wie angeführt

 

Februar 2012
Maria Knapp
Andreas Nowotny