Ich will einiges aus der N.S. Aera und

vom 2. Weltkrieg festhalten

 

Ich selbst, geb. 7.2.1916 in Neustift im Felde No. 30. Getauft hat mich Franz Gundl, er wurde später Prälat. In die Schule ging ich bei Josef Schoiswohl. er wurde Bischof von Graz. Gefirmt wurde ich von Kardinal Gustav Piffl in Kirchberg am Wagram. Getraut hat uns in Neustift Karl Buchta, er ist Konsistorialrat und päpstlicher Kaplan.

Am 21. Juni 1939 wurde Vater 60jährig von einem Schlaganfall getroffen, er war arbeitsunfähig, bis er am 14.11.1943, neuerdings vom Schlag getroffen, verstarb. Die Mutter verstarb nach langer Krankheit bei uns in Königsbrunn 1964 im 79sten Lebensjahr.

In den 30er Jahren gab es für viele eine Durststrecke durch Not und Arbeitslosigkeit. Wir waren eben durch den verlorenen ersten Weltkrieg ein Zwergstaat geworden und es drängten viele Staatsbürger nach einem Zusammenschluss aller deutschsprachigen. Die Hitlerbewegung in Deutschland, geführt von dem Österreicher Adolf Hitler, gab Anlass, sich mit dieser Bewegung zu identifizieren. Es gab viele illegale Nazis, welche in unserem Staate das Regieren fast unmöglich machten. Im Reich draußen waren österreichische Legionäre zum Einmarsch bereit. Viele Anschläge wurden vollbracht. Sämtliche Straßen, Planken und Wände wurden mit Parolen beschmiert. Die Deutschen nahmen uns keine Waren ab, obwohl sie sie benötigt hätten, da sie ja draußen schon längst die Lebensmittelkarten hatten. Für Reisende führte man die 1000-Marksperre ein, damit niemand unser Land bereisen konnte u.s.w. Man hat im Jahre 1934 unseren Bundeskanzler Engelbert Dollfuß erschossen.

Im Jahr 1938 marschierte Hitler ein und annektierte unser Land. Es gab Aufmärsche und Jubel bis zur Ekstase und Hysterie. Lange Zeit schmückten Hakenkreuzfahnen an jedem Haus die Orte. Es war für einen Andersdenkenden eine verrückte Zeit. Doch dieser Jubel dauerte nicht allzu lange. Hitler hat in seinem Größenwahn viele Länder Europas „beglückt“. Der allgemeine Gruß galt nicht mehr „Guten Morgen“, „Grüß Gott!“, sondern „Heil Hitler.“

Der 2. Weltkrieg bricht aus. Männer bis zum Jahrgang 1897 mussten zu den Waffen greifen. Lebensmittelkarten wurden vorher eingeführt. Gutscheine für Bekleidung und Schuhe, alles andere wurde rationiert. Schrotmühlen und dgl. plombiert. Alles Kupfer, das ist: Branntweinkesse, kupferne Herddeckel und viele Kirchenglocken mussten zum Verschmelzen abgegeben werden. 

Mein Bruder Josef, geb. 1917 mußte Anfang des Krieges zum Militär. Er wurde Wachtmeister und kam nach der Ernte 1945 heim.  

Mein jüngerer Bruder Alois geb. 1920 war anfangs wegen Vaters Krankheit U.K. gestellt bis auch er einrücken musste. Anlässlich des Sebastianitages (Kirchenpatron) hat Alois ministriert, dass muss jemandem missfallen haben, denn er hatte einige Tage später die Einberufung. Einen Tag bevor er gefallen ist, schrieb er am 12.12.1944 in seinem letzten Brief, als letzten Satz: „Sollte ich Euch beleidigt haben, dann bereue ich es.“ Man möchte den Jungen zurufen: „Nie wieder Krieg!

In den Kriegsjahren kamen unsere Soldaten vom Nordcap bis nach Afrika, von ganz Westeuropa mit Ausnahme der neutralen Schweiz bis tief hinein nach Rußland, wo in Stalingrad die Entscheidungsschlacht stattfand. Es waren furchtbare Zeiten für die Soldaten und die Wartenden daheim. Die Gefallenenmeldungen kamen laufend. Denn ein Großteil der jungen Leute blieb am Schlachtfeld. Mein Bruder Alois ist am 13.12.1944 in Desnica bei Garlice in den Karparten in Polen durch ein Explosionsgeschloß in den Kopf gefallen. Von Neustift waren 7 Alois beim Militär und keiner von ihnen kehrte zurück. Auch 3 Cousins von mir sind gefallen.

Andersdenkende, Juden und Zigeuner wurden in Konzentrationslager verschleppt, wie man dies später erfuhr. Die wenigsten waren noch hitlerbegeistert.

Die Städter kamen aufs Land, um sich Lebensmittel einzutauschen. Ab 1943 kam des Kriegsgeschehen näher und es gab Fliegeralarme. Bei Nacht mussten alle Häuser und Orte verdunkelt werden. Flüchtlinge zogen unentwegt in ein für sie fremdes Land. Es war schauerlich, wie sie Tag und Nacht ohne Unterbrechung mit Planenwagen die Straßen füllten. Sie alle waren vom Banat, übrigen Jugoslawien, Mähren und dgl. und suchten eine neue Heimat. Ich erinnere mich an eine Schar mit dem Judenstern gekennzeichneter Leute, die westlicher Richtung gingen. Da einige mir Kartoffeln aus der Grube klauben halfen, gab ich ihnen Brot und Eckerlkäse.

In der nationalsozialistischen Aera wurden alle religiösen Vereine verboten und deren Fahnen beschlagnahmt. In Kirchberg trafen wir uns als Verbotene der katholischen Jugend oberhalb der Sakristei mit dem Blick ins Presbyterium der Kirche. Es wurde abgesperrt. Somit waren wir eine illegale kath. Jugend.

Auch Gefangene des Krieges gab es in den Häusern. Es wurde ein Lager im Feuerwehrraum eingerichtet. Anfangs hatten wir zwei Belgier, es war ein Brüderpaar aus Flandern. Nachher war ebenfalls ein Belgier, ein Wallone zur Arbeit im Hause. Dieses Lager wurde aufgelöst und es kamen Serben. Wir hatten zwei Serben, der eine war Zigeunermusikant, vor dem hatte ich schon Angst bei der Arbeit, obwohl er keine Anstalten machte, mich zu belästigen. Nach neuerlichem Wechsel hatten wir zwei Ostarbeiter, es waren Zivilrussen. Der eine war von Kiew, Ukraine, der zweite vom Kaukasus. So hat man die Mentalität der Leute von Ost und West kennen gelernt.

Als das Ende des Krieges immer näher kam, waren auch Flüchtlinge im Ort, da geschah es, dass mit Hr. Pfarrer aus Kirchberg mit einem Schulbuben einen Zettel schickte, ich soll ein Flüchtlingskind nottaufen. Diese Leute waren vorübergehend bei Schaller in Neustift einquartiert. Frau Schaller fungierte als Patin und ich taufte das 7-Monatkind. Was weiter geschah, weiß ich nicht, denn die Familie zog weiter.

Bei Fliegeralarm überkam einem bei Nacht das Zittern, wenn man plötzlich vom Schlaf geweckt wurde. Die Fliegeralarme der Nacht verbrachten wir im Splittergraben, da es in der Ebene, wo sich Neustift befindet, keine Erdkeller gibt. Dies war: Ein circa 3-4 m langer Graben mit Holz zugedeckt, mit Erde verschüttet und einige Stufen zum Hineingehen und drinnen war eine Bank. So sah man bei Fliegeralarm bei Nacht, wie man mit einer Art leuchtender Christbäume die Gegend ausleuchtete. Die Flaksplitter schlugen an den nahen Dächern auf. Viele Staniolknäuel wurden von den fremden Fliegern heruntergelassen, um die Flak zu irritieren.

Ich war in Ottenthal im Weingarten und sah von Ferne, wie die schwere Flak von Frauendorf drei amerikanische Flieger abschoss und sie brennend wie Knäuel abstürzten.

Ich selbst trug ein Bündel vergessener Handgranaten von Soldaten, welche in unserer Schupfe logierten, zum Nachbarhaus, wo ein mit Munition abgestellter Truhenwagen stand. Er wurde außerhalb des Ortes gebracht.

Wir waren unser sieben Leute im Weingarten „Hohrain“ in Engelmannsbrunn, Tiefflieger kamen und wir schmissen uns alle in die Furche, wo wir alle nach unten lagen.

Mein Onkel stand mit dem Fahrrad bei uns vor dem Tor. Es kamen Tiefflieger und schossen dreimal herunter und trafen unser Ziegeldach statt uns. Wir waren aufs schnellste im Haus verschwunden.

Bei Fliegeralarm wurde die Munitionsfabrik in Moosbierbaum vernebelt. Da geschah es, dass die Vernebelungsanlage getroffen wurde. Mutter und ich waren im Gemüsegarten und sahen uns gegenseitig nicht stehen.

Tiefflieger kamen und beschossen alles Mögliche. Die umliegenden Städte wie Tulln und Krems wurden bombardiert, auch die militärischen Einrichtungen wie schwere Flak in Frauendorf, in Moosbierbaum die Munitionsfabrik, in Bierbaum und Fels die Flughäfen. Die Tullner Brücke wurde vom eigenen Militär gesprengt. So wurden wir noch sechs Wochen vom Krieg verschont.

Als man das Herannahen der Russen ahnte, begann man mit dem Verstecken, denn man wusste nicht, ob wir überhaupt bleiben können. So haben wir Wäsche, Kleidung in der Scheune in einer großen Kiste vergraben. Unten und an den Wänden mit Spreu ausgestopft und dann erst Erde. Obenauf Mauerziegel und ebenfalls Spreu und Erde. Vorsorge trafen wir, so vielleicht das Haus brennen sollte. Wir führten die Maschinen und Wagen nach Hintaus. Auch Esswaren wurden zur Seite geschafft. Alles war nachher wieder auffindbar außer den Maschinenriemen, bis ich sie in der Hundehütte fand.

Es war Ostermontag 1945, als an den Bahnhöfen Fels, Feuersbrunn, Wagram, Engabrunn die Tankwaggons von Tieffliegern in Brand geschossen wurden.

Auch Soldaten flüchteten, um nicht in russische Gefangenschaft zu kommen. Auch für uns gab es einen Befehl, nach Kottes ins Waldviertel auszuwandern. Doch dazu kam es nicht mehr, es ging alles zu rasch.

Es geschah ebenfalls am 8. Mai 1945, als es hieß, an der Straße Kirchberg fahren schon russische Panzer auf, doch kaum geschaut, fahren sie auch bei uns auf. Vorher wurden die Orte an beiden Straßen arg in Beschuss genommen bis an den Kirchtürmen die weiße Fahne wehte. Da ich mit Mutter alleine war, sagten Nachbarn: „Wenn die Russen kommen, dann gehen wir zu euch.“ Und richtig, als die ersten Russen im Hause waren, verlangten sie Uhr, ich verstand Eier und holte von der Speiskammer so viel ich an beiden Händen nehmen konnte. Doch siehe, als ich kam, war Hr. Schachinger seine Uhr los. Sie brauchten auch ein Fuhrwerk und Illy, unser Ostarbeiter vom Kaukasus führte sie nach Grafenwörth. Er fuhr bei Nacht übers Feld heim.

Durch das Kriegsgewirr ging keine Post durch, da erfuhr man erst später, dass der Stephansdom in Wien brannte. Zugleich hatten wir die fremde Besatzung in unserem Land. Die vier Siegermächte teilten uns in vier Zonen und zwar  in eine amerikanische, eine französische, eine englische und eine russische. Wir gehörten der russischen Zone an. Als nämlich am 8. Mai 1945 die Russen mit Panzervorhut zu uns kamen hieß es: „Der Krieg ist aus.“

Die Besatzungszeit war für Frauen und Mädchen furchtbar. Man trat an mich heran, ich soll Mädchen zum „lebenden Rosenkranz“-beten animieren. Und so geschah es. Ich machte 15 Tabellen, damit jede wusste, welchen Gesätzlein jeden Tag zu verrichten ist. Ich glaube, dass von denen alle alles gut überstanden haben.

Ich glaube, es war um den 10.5.1945. Es war eine Nachmittagsmesse und nachher gab es eine Schießerei im Ort. Berthiller Maria und ich verbrachten den Nachmittag am Dachboden der Familie Gerner, am selben Platz, wo sie zuvor einige fahnenflüchtige Soldaten versteckt hielten. Die folgende Nacht verbrachten wir auf Berthillers Dachboden unter den Strohmatten. Da wir Nachbarn waren, hörten wir bei uns im Hof eine Schießerei. Auch Illy, der Ostarbeiter fuhr mit Pferd und Wagen mit den Russen mit davon.

Zum Nachbarn, Hr. Berthiller kamen zwei Partisanen und jagten ihn durch den Ort, sie wollten ihn auf einen Wagen laden und am Ortsende erschießen. Hr. Daschütz Josef hat mit ihnen verhandelt und erzählt, daß sein Sohn von den Nazis eingesperrt war. So hat er ihm das Leben gerettet. Als Dank ließ die Familie eine Kapelle erbauen.

Etwas unüberlegt ging ich aufs Feld, um am Kartoffelacker Bohnen zu legen. Es war Richtung Mallon. Und siehe, kamen am Feldweg zwei Russen daher, ich ging und versteckte mich im Weizenfeld, nebenan war Roggen. Die zwei Russen gingen längs des Roggenfeldes den Acker entlang. Mit klopfendem Herzen kam ich gut davon.

Auch Vieh musste man den Russen abliefern. Soviel ich mich erinnere, mussten wir vier Kühe und auch Schweine liefern, obwohl so manches Rindvieh mitten im Feld verendete und aufgebläht Gestank verbreitete.

Unterm Dorf mähte ich Klee, auf der anderen Seite der Straße hatten wir ebenfalls einen Kleeacker. Die Russen trieben Rindvieh durch und ließen das Vieh am letzten Acker weiden, während sie selbst auf mich zugingen. Ich nahm Reißaus. Die Kerle gaben mir zwei Schuss nach.

Beim Flughafen Bierbaum hatten die Deutschen vor dem Verlassen des Feldes kreuz und quer aufgeackert. Von den umliegenden Orten wurden die Bewohner mit Truhenwagen unter russischer Bewachung wie bei Kolchosen üblich, zusammengeführt und zur Arbeitsstelle gebracht. So mussten wir die geackerten Furchen zuschütten. Ich war in Absdorf dabei beim Ziegelaufladen oder besser stehlen. Man füllte damit einen Bombentrichter. Dies war eine Lage Ziegel, eine Lage Erde. Sie holten auch Kunstdünger vom Lagerhaus um Stege einzuschütten. Die Mädchen unter den Arbeitenden mussten jedes Mal Angst haben, so geschah es auch diesmal. Zwei Russen jagten Berthiller Maria und mich in gegenseitige Richtungen. Ein Russe, er war Offizier, hat mit beiden Unholden geschrien. Wir durften zum Wagen, der uns heimführte.

An der Kollersdorfer Straße lag schon längere Zeit ein Russe am Straßenrand. Ich beobachtete ihn und sagte zur Nowotny Hilda, die mir bei den Rüben half: „Auf den müssen wir aufpassen!“ Siehe, er fing zu gehen an und ging an der Kohoutek Gretl, die in der Nähe mit Heuen beschäftigt war, vorbei, machte ein paar Schritte zurück und warf sie ins Heu. Sie riss ihm das Hemd herunter und Hr. Walzer Leopold schnalzte mit der Peitsche. Der Russe ließ von ihr ab. Wir flohen am schnellsten Weg nach Hause.

Wie schon erwähnt, war ich mit Mutter alleine und so ließen wir keine Fremden beim Tor herein. So geschah es, dass eine Kolonne russischer Soldaten im Ort anhielt und wir den anklopfenden nicht öffneten. Auf der Straße lagen noch starke Holzpflöcke von der abgerissenen Panzersperre. Die Nachbarn machten sich schon Sorge, da sie schon Anstalten machten, uns das Tor einzuschlagen. Die Mutter blieb im Haus und ich wollte flüchten. Ich öffnete das Schupfentor und vor mir stand ein Russe, ich ging weiter nach Hintaus und öffnete das Türl und es stand wieder ein Russe vor mir und sagte: „Wo Kamerad?“ Ich sagte ihm, vorne. Sie gingen nämlich beim Nachbar durch und haben nichts gemacht, außer den Torschlüssel mitgenommen. Die Kolonne begann zu fahren und so mussten beide mit. Hr. Schaller hat mir einen Schlüssel verfertigt und wir kamen gut durch.

Beim Nachbar Berthiller waren 40 G.P.U. (russische Geheimpolizei) einquartiert. Auch ein Arrest für russische Soldaten. Abends wollten sie Hurra haben. Berthiller Maria kam zu uns um zu übernachten. Sie getraute sich nicht zu Hause zu bleiben. Nicht lang kam auch ihre Mutter zu uns. Maria bekam vor lauter Aufregung Fieber. Unterdessen hörte man fürchterliche Detonationen, als wenn ein neuer Krieg ausgebrochen wäre. Bis man erfuhr, dass in Glaubendorf ein abgestellter Munitionszug mit Kettenreaktion explodierte. Wir trauten uns nicht mehr zu bleiben und wanderten mit Tuchent und Polster hintaus zu Kolm in den Keller. In der Früh wieder zu Hauser, klopfte auch Hr. Berthiller ans Fenster und sagte, dass auch er sich nicht mehr getraute, daheim zu bleiben und er bei Uhl übernachtete.

Mit einigen Wiener Jungen arbeitete ich im Kellerweingarten „Wagram“. Ich sagte: „Frühstücken tun wir nicht im Presshaus, sondern oben auf einer Terrasse. Ein Russe, ein Mongole, kam herauf zu den Pressen von einer zur anderen. Beim zweiten Nachbar, das war Hr. Hofbauer Anton aus Bierbaum, der Weingarten spritzte. Seine Frau hatte die Spitzbrühe nachgetragen. Der Russe warf Frau Hofbauer zu Boden. Nie in meinem Leben habe ich eine Frau derart schreien gehört. Hr. Hofbauer überschüttete den Unhold mit Spritzbrühe, er ist dann auf und davon.

Die Weinkeller wurden von der Besatzung gerne besucht. Hr. Hofbauer hat mir den Keller abgemauert. Dahinter waren vier Ladungen Wein. Der übrige Wein war vor der Mauer. Die Mauer war mit Lehm ausgeworfen und außerdem habe ich sie mit Geleger angepinselt, so dass es schimmelig aussah. Das kleine Fassgeschirr wurde meist entwendet. Ich sah, wie man im Keller einen 10-Eimer aus den Zwängen hob, deshalb fuhren Hr. Uhl, Schörgmayer Josef und ich und entleerten das Fass selbst und walzten es auf ein Ochsengespann. Wir fuhren mit dem Zeugl auf der einen Seite den Kellerweg vom Wagram herunter und auf der anderen Seite des Weges kamen Russen herauf und dies um 2 oder 3 Uhr in der Früh. Es war wohl viel Glück dabei. Ich selbst marschierte quer übers Feld heim.

Inzwischen kam Josef vom Krieg heim. Es kam eine Verordnung, dass man Wein liefern muss und zwar in die Winzergenossenschaft Kirchberg. Josef machte in der abgemauerten Kellerwand ein Loch, um die Weinpumpe hinein zu schieben. Wir erwischten einen ungünstigen Tag. Die Russen haben die am Eisenbahngelände abgestellten vier deutschen Panzer gesprengt und so sahen sie, dass Wein geführt wird. Sie kamen in den Keller und räumten das kostbare Nass aus.

Wir hatten eine Landwirtschaft mit 42 Joch Grund und ich war bemüht, falls die Brüder nach Hause kommen, die Wirtschaft in gepflegtem Zustand zu erhalten. So verrichtete ich viele Männerarbeit, dass ich mich heute fragen könnte, wie dies überhaupt möglich war. Im Hause selbst wurde der „Engel des Herrn“ gebetet, so auch das Tischgebet verrichtet und die Sonntagsmessen wurden pünktlich besucht.

Ich schließe meine Erlebnisse meiner jungen Jahre und hoffe auf ein Interesse meiner Angehörigen.

Königsbrunn am Wagram, Juli 1993, Anna Schabl, 7.2.1916 geb. Zehetner, Neustift

 

Maria Knapp
Jänner 2012