Soldat Josef Krenes
 
 
Letzte Änderung: 6.10.2015
 
 
Josef wurde dem Landwirtsehepaar Josef und Maria Krenes nach drei Schwestern und einem bald nach der Geburt verstorbenen Sohn am 30. November 1917 geboren. Der Vater starb durch eine Schussverletzung mit anschließendem Starrkrampf im Jahr 1927 im Krankenhaus Korneuburg. Josef sollte die Landwirtschaft übernehmen.
 
 
Bei der Musterung
 
 
 
 
Als einer der ersten aus Kollersdorf ist er bereits  am 10. Oktober 1939 eingerückt. Bis 23.Oktober ist er durch Linz und Salzburg gekommen.
 
Anfang Jänner 1940 befand er sich in der Nähe von Stuttgart, wie seine Anschrift zeigt:
Feldpostnummer 11027
Luftgaupostamt München 2
 
Um den 3. März 1940 war er bei der Flak in Ludwigsburg stationiert:
1A Batterie Flakkaserne
Ludwigburg-Oßweil
 
Im Mai schrieb er in einem Brief, es sei bei München, nicht weit vom Bodensee, in  Memmingen, aber nur  für 3 bis 4 Wochen.
 
 
 
Am 3. Mai 1940
Zurückgestellt!
Gesuch
Der Soldat Josef Krenes
bittet den Kompanieführer um einen 14tägigen Urlaub.
Grund.
Ich habe keinen Vater nicht zu Hause, der ist gestorben. Die Mutter ist schon 61 Jahre alt und kann nicht mehr arbeiten. Wir haben 21 Joch Grund und Weingärten, und sie können nicht nachkommen mit der Arbeit.
Drum bitte ich, das Gesuch  zu genehmigen.
Josef Krenes 
 
 
Wie aus einem Brief  hervorgeht, war er aber doch vor dem 15. Mai auf Heimaturlaub. Er schreibt in diesem Brief, dass sie „ganz hinten“ seien, wo man vom Krieg nichts hört. 
 
 
„Am 15.6.40
… Ich schreibe euch heute unsere Kost, was wir alle Tage bekommen.
Alle Tage früh drei Semmeln
                          früh                           mittags                                             abends
Montag              Butter                         Rindfleisch und Soße                       Wurst
Dienstag            Butter                         Rindfleisch und Soße                       Butter, Käse
Mittwoch            Marmel.u. Butter        Scheiterhaufen, Apfelmus                Selchfleisch
Donnerstag        Butter                         Rindfleisch u. Semmelkn.                Wurst
Freitag               Butter                         Schweinefleisch u. Kraut                 Schweinsbraten u.                                                                                                                              Kirschen                                           Soße, Salat  
Samstag            Butter                         Rindfleisch u. Kartoffeln                   Butter und Wurst
Sonntag         gibt es immer Kalbsbraten und Soße                                     Wurst u. eine Flasche Bier
Alles vom Militär
 
So gut essen wir immer, hier haben wir eine gute Küche, die ersten Kirschen haben wir Freitag gehabt, der Scheiterhaufen war sehr gut, überhaupt immer gut, morgens und abends gibt es immer Kaffee, also wir essen besser wie zu Hause, das seht ihr ja. Das Bier ist hier so billig, die Flasche ½ l 22 Pfg, das Krügel 18 Pfg, aber besser wie zu Hause, die Bauern trinken lauter Bier, zum Frühstück Bier und zur Jause Bier, denn da gibt es keinen Most und keinen Wein.
Die Leute sind sehr gut, nicht so wie die Schwaben, ich trinke alle Tage 2 Flaschen Bier, eine zu Mittag und eine abends, also uns geht es sehr gut, besser wie zu Hause…“
 
 
30.6.40: Urlaubstag in München
 
 
In seinen Briefen befasste er sich hauptsächlich mit den Belangen der Landwirtschaft in Kollersdorf, die von der 60-jährigen Mutter und den drei ledigen Schwestern betrieben wurde.  Dadurch, dass er viele  Mitteilungen der erhaltenen Briefe wiederholte, kann man die Lage am Hof und im Ort gut nachvollziehen. Am 24. Juli teilen ihm seine Angehörigen mit, dass der Motor schon angekommen ist. Bereits 1938 wurde ein gebrauchter Benzinmotor angeschafft, der nun offensichtlich ersetzt worden war. Dieser wurde wahrscheinlich zum Dreschen verwendet. Seine Adresse zu diesem Zeitpunkt war
Ludwigsburg, Friedrichstraße N 25.
 
Am 4. August schreibt er, dass er zehn Tage krank war, gibt die Art der Erkrankung aber nicht an. Am Hof in Kollersdorf hilft nun ein kriegsgefangener Belgier.
 
Den Brief vom 12. September schreibt er aus Wiener Neustadt, vor  dem 24. September war er wieder auf Heimaturlaub. Seine Adresse.
2.Flugausbildungs-Regiment 62
Feuerwerksanstalt  (Wiener Neustadt)
2.Kompanie
 
Er war zu diesem Zeitpunkt also schon bei der Flugausbildung und wurde nun mit seiner Einheit zur Blindflugschule 6 überstellt, wo er bis zu seiner Abberufung an die Ostfront im November 1942 bleiben sollte.
In keinem seiner Briefe geht er auf seine Tätigkeit im Krieg ein. Wie aber aus dem Brief eines Kameraden an seine Mutter nach seinem Tod hervorgeht, war er unter anderem in der „Druckvorschriftenstelle“ tätig. Dort wurden alle Lernunterlagen und das Schreibmaterial verwaltet, das er bei Bedarf an die Flugschüler auszugeben hatte.  Das heißt, er gehörte zum Funktionspersonal, das den reibungslosen  Betrieb der Kompanie auf administrativer Seite zu bewerkstelligen hatte. Einmal erwähnte er, bei einer Baukompanie gewesen zu sein, das muss am aber Anfang seines Militärdienstes gewesen sein.
 
Den gesamten 1. Oktober verbringt er noch bei Frau Ullmann in Wien, die eine gute Bekannte der Familie gewesen sein dürfte. Um 22 Uhr  fährt die Kompanie ab und langt am nächsten Tag um 5 Uhr morgens in Radow in Polen ein: „…. es ist auch ganz schön in Polen, da werdet ihr schauen, dass ich jetzt schon in Polen bin….“
 

Zeitungsausschnitt, einem Brief beigelegt: „So sieht Polen aus.“
 
Und weiter unten im Text: „… Also hier ist es nicht schlecht, wie man glaubt und wie man immer hört, das dürft ihr nicht glauben. Liebe Mutter, braucht dir nicht bange sein, es wird schon alles recht sein, es ist nicht schlimm, denn es sind so viele hier. Und vielleicht bekomm ich doch Urlaub, dann werden wir uns wieder sehen, die Frau Ullmann wird euch ja alles gesagt haben, denn der Brief ist viel später angekommen. Ist der Belgier noch hier? Lasst ihn schön grüßen und auch alle andern, und schreibt mir gleich, ich warte alle Tage auf euer Schreiben, also schreibt mir gleich, dass ich was Neues weiß von der Heimat.
Meine Lieben ihr könnt ruhig schlafen darüber, es braucht euch nicht bange sein, liebe Mutter, und reicht um 3 Wochen ein, ich habe mit einigen gesprochen, man kann 3 Wochen bekommen, also macht‘s es gut zu Hause und nur nicht bange sein, es sind so viele Österreicher hier. Und werde auch erzählen von meiner Reise, wenn ich nach Hause komme, also schickt es gleich mit dem Brief weg. Und ihr könnt euch vorstellen, wie es in Polen aussieht, das kann euch nicht alles so schreiben, aber ich werde es euch noch erzählen, müsst ihr schon verzeihen die schlechte Schrift. Und lasst euch gut gehen, mir geht es auch wieder besser, haben heute schon Kakao bekommen und das Essen besser.
Es grüßt euch euer unvergesslicher Josef Krenes“
 
Blindflugschulen waren spezielle Flugschulen der Luftwaffe, deren Absolvierung die Verwendung des Flugzeugführers in einem Kampf-, Fernaufklärungs-, Nachtjagd- oder Seefliegerverband ermöglichte. Im Deutschen Reich gab es zwölf Blindflugschulen.
Die Blindflugschule 6  wurde im April 1934 als BFS Celle aufgestellt, im Juni 1940 nach Radom (P) verlegt und von dort im Juni 1941 als  BFS 6 nach Wesendorf  überstellt. Ab Oktober 1943 hieß sie BFS 36, im Oktober 1944 wurde sie geschlossen.
 
Eine der wichtigsten Fragen war stets jene nach dem nächsten Urlaubsgesuch, das vom Bürgermeister Ploiner aus Sachsendorf geschrieben und in Tulln bestätigt werden musste.  Breiten Raum nahmen auch die erhaltenen Pakete ein, bzw. die Bitte um verschiedene Lebensmittel oder Gebrauchsgegenstände.
 
„Radom, den 10.10.40
,… Muss euch sagen, ob ihr schon nachgedacht habt, was am 10. 10. war, dass ich schon ein Jahr von meiner Heimat, von meinem Elternhaus fort bin, das kann man nicht glauben, dass das schon wieder ein Jahr ist, und es ist ohne mich auch gegangen und habt sogar sehr viel gemacht ohne mir, aber Arbeit habt ihr schon viel gehabt allein, das muss ich schon sagen….“
 
 
Ansichtskarte vom 18.10.1940
„Radom, den 22.10.40
… Ich muss euch mitteilen, daß das Gesuch schon zu spät gekommen ist, die andern sind mir vorgekommen, die sind schon im Urlaub weg, ich komm erst dann, wenn die wieder kommen und das ist anfangs November, wenn es wahr ist, früher komm ich nicht, denn es dürfen nur 8 Mann fahren und die sind weg. Also wieder zu lang gewartet, ich habe es ja geschrieben, dass es schon zu spät ist, jetzt könnt ihr warten wann ich dann komme, jetzt müsst schon Geduld haben...“  In der Zeit nach diesem Brief und vor dem 20. November war er auf Heimaturlaub.
 
„Radom, den 20.11.40
Im Anfange meines Schreibens seid ihr gegrüßt und bin gut angekommen, ich war um 11 Uhr mittags in Krakau und um 9 Uhr in Radom, um 10 Uhr war ich schon zuhause, jetzt geht es halt wieder an, das nichts tun, jetzt werde ich mich wieder ausschlafen und werde es mir wieder gut gehen lassen.“
 
Schon bald wird er zum Gefreiten befördert:
„Radom, den 18.12.40
Liebe Mutter und liebe Schwestern.
Muss euch heute eine Neuigkeit schreiben, mir hat der Weihnachtsmann was Schönes gebracht, auf das ihr gar nicht kommt?
Bin Gefreiter
Mit Gruß Gefreiter Krenes“
 
„Radom, den 8.1.1941
….Also ich bin jetzt Gefreiter, jetzt ist es aus mit dem Arbeiten und alles andere, jetzt kann ich anschaffen und schreien, jetzt fängt erst das richtige Militärleben an bei mir, jetzt werde ich nicht mehr so dick wie früher, denn jetzt bin ich schon ausgegessen. Also, das Paket wo der Schokolade und die Kipferl waren, das habe ich den 1.1.1941 erhalten, aber ihr braucht nicht immer alles express zu schicken, es geht so auch jetzt und was ist, habt ihr schon ein Gesuch?....“
 „…Also und jetzt von unser Neujahr hier, so was habe ich noch nicht erlebt und werde es nicht mehr erleben, so schön wie in Polen. Das waren 6 Musikanten und haben zu Silvester Mittag angefangen ins Spielen und haben gespielt bis 1.1.1941 2 Uhr nachts, bin gar nicht schlafen gegangen, erst den 2. Jänner. Ich hab mir ein Flügelhorn gekauft erst acht Tage vorher um 15 Mark und haben vorher geprobt, dass es gut geht zu Silvester, und so hat das so lange gedauert das Fest, und wir haben gegessen Henderln, Gänse und alles und getrunken, ich habe kein Geld gebraucht, wir haben nur immer gegessen, getrunken und gespielt, aber fertig war ich auch, und zum Schluss dann, wie alle schon besoffen waren, dann habens zu raufen angefangen und ich habe meine Blase am Tisch gelegt und auf einmal nimmts einer und wirft es den andern auf den Kopf und die Blase war hin, also könnt ihr euch vorstellen, und dann hatts mir der zahlen müssen, ich hab gesagt, sie hat 50 Mark gekostet, aber 10 Mark lasse ich ihm ab und dann hat er mit 40 Mark bezahlen müssen. Da habe ich noch verdient, es war ja ein alter Scherm, um 15 Mark, was will man da bekommen.
Also recht herzliche Grüße, auf ein baldiges Wiedersehen, Josef Krenes“
 
Mit dem „Schreien und Anschaffen“ war es wahrscheinlich nicht so weit her. Wie spätere Briefe von ehemaligen Kameraden bezeugen, war er durchaus beliebt.
„Radom, den 31.1.41
…Bei uns ist es jetzt sehr kalt, haben schon 35 – 36 Grad Kälte, aber wir brauchen nicht raus gehen.
Und so geht es halt weiter immer das Leben und wird vielleicht doch schön werden, wird doch nicht so lang dauern. Mit der Musik ist es jetzt aus, denn ich bekomme keine Blase mehr um so wenig Geld und eine neue kann ich nicht kaufen. Schicke euch heute ein kleines Foto mit, denn ich habe mich fotografieren lassen, wird doch nach Hause kommen…“ 
 
Nach den Angaben in seinen Briefen war er zwischen 15. März und 9. April 1941 auf Heimaturlaub.
 
„Radom, den 9.4.41
…Also muss euch gleich schreiben, wir kommen weg, wo hin und wann, das weiß ich noch nicht, aber ihr braucht nicht erschrecken, denn wir kommen nur ins Reich, mehr ist nicht los, es wird nur das eine sein, dass wir wieder weniger Geld bekommen, jetzt ist es aus mit dem Sparen wieder. Und bei uns hat es geschneit und ist sehr kalt, hier ist noch nichts angebaut, denn es ist noch gefroren und sehr kalt, bei uns hat es geregnet und in Polen geschneit. Also ihr braucht nicht mehr zu schreiben nun. Adresse abwarten…“ 
 
„Radom, den 12.4.41
…Muss euch heute noch schreiben, von Radom das letzte Mal, denn ich fliege am 17.4. weg von Radom um ½ 8 Uhr. Also könnt an mich denken, wir kommen aber nur ins Reich, braucht euch nicht fürchten, also mit der Maschine Ju 52, mit der großen. Wie ich immer sagte, das wird fein werden, könnt euch denken, und denkt an mich am Donnerstag um ½ 8 Uhr früh bis 1 Uhr in der Luft.
Gehe morgen noch aus in die Stadt und Montag auch noch und dann geht’s ins Reich wieder, und dann gibt’s nur mehr 12 Mark, also mit dem Sparen ist es aus. Mir tut es leid, denn uns ist es sehr gut gegangen in Polen, aber es wird im Reich auch sehr schön sein wieder….“
 
„Radom, den 18.4.41
…muss euch heute noch schnell schreiben von Radom. Ich bin noch hier, denn ich bin Donnerstag nicht weg, weil ich habe noch hier bleiben müssen, denn wir müssen alles übergeben hier, die Sachen alle, was halt so ist. Ich bin beim Nachkommando und ein paar Unteroffiziere, wir fliegen erst den 9.3. oder den 24. weg von hier, also erst nächste Woche.
Also, mit dem vielen Geld ist es jetzt aus, jetzt bekommen wir nur 12 M, da kann man nicht mehr sparen, seid froh, dass ich noch den Pflug gekauft habe, wenn ich das gewusst hätte, hätte ich nicht mehr so viel Geld ausgelassen. Wir kommen nun ins Reich, mir wäre es nach Frankreich lieber gewesen….“
 
Josef Krenes hat sich von seinem Sold Geld erspart, das er seiner Familie zur Anschaffung landwirtschaftlicher Geräte geschickt hat.
 
„Wesendorf, den 23.4.41
… bin gut gelandet heute in Wesendorf. Meine Lieben, es war sehr schön, 4 ½ Stunden sind wir geflogen, es war eine sehr lange Strecke, aber es war schön, was sagt ihr jetzt dazu, das könnt ihr euch nicht leisten. Was sagst du Mutter, hast nicht wieder recht geschimpft, aber es ist gut gegangen, es ist nichts passiert.
Hier ist es schön und nicht schön, denn hier ist lauter Heide, denn wir sind auf der Lüneburger Heide, also so könnt ihr euch denken, wie es ist, aber mir ist nur immer um die 18 Mark, denn jetzt ist es aus mit dem schönen Gered, dass es sich noch auf ein Rad ausgeht, da muss ich aber noch etwas sparen. Also, was gibt es zu Hause Neues, da bin ich schon neugierig, schreibt mir gleich und schickt mir auch die Schlapfen und wenn es geht ein paar Kipferl. Es geht hier so wieder weiter wie in Radom, es ist alles beim alten, also schreibt mir gleich, denn ich bin schon so neugierig, was los ist zu Hause….“
Die Neue Adresse:
Krenes Blindflugschule 6,
Stawiko (Stabs- und Wirtschaftskompanie) Wesendorf
 
1936 begann der Bau des Fliegerhorstes Wesendorf aufgrund seiner strategisch günstigen geografischen Lage und der sehr geringen Einwohnerdichte in der Südheide. Während des Zweiten Weltkrieges nutzten die Machthaber den Fliegerhorst u. a. als Blindflugschule. Das Dorf liegt in der Lüneburger Heide, 40 km nördlich von Braunschweig im Bundesland Niedersachsen.
 
„Wesendorf, den 29.4.41
… Hoffentlich ist es am 1. Mai schön, da werde ich ausgehen und einmal alles anschauen, ich war noch nicht aus hier, ich denke, es wird nicht viel los sein hier. Und sonst ist alles beim alten, habe heute wieder Dienst, es ist ½ 12 Uhr, gehe jetzt schlafen…“
 
„Wesendorf, den 7.5.41
… Ihr könnt froh sein, dass ich im März noch zu Hause war, denn ich hätte bis jetzt noch nicht fahren können. Wenn ich nicht so schnell von Radom wegfahren hätte können, denn einmal ist Urlaubssperre, und wenn die Urlaubssperre aus ist, dann ist Bahnsperre, so sieht das aus, nicht wie ihr denkt,…“
 
„Wesendorf, den 29.5.41
…. Habe den Brief heute erhalten und sehe, das ihr viel Arbeit habt, und ich hätte Zeit genug. Sind die Weingärten doch nicht gefroren, vielleicht heuer doch wieder ein Lesen, was wir alle hoffen, dass die Fässer wieder alle voll werden, und recht viel Geld bekommen. Und am Markt wart ihr auch wieder und habt wieder 60 Mark bekommen dafür, das ist ja schön so, und ihr schreibt, dass der Rigam und der Ferdinand in Polen sind, das werdet ihr halt nicht denken, warum die schon alle in Polen sind, aber wenn ihr ein bisschen denkt, dann wisst ihr vielleicht warum, drum sind ja wir weggekommen von Polen, unsere Schule. Denn wir sind nur auf solchen Plätzen wie in Fels….“
Fels am Wagram war ein Übungsflugplatz im Hinterland, ebenso waren die Flugschulen für einen ungestörten Lehrbetrieb nur im Hinterland stationiert.
 
„Wesendorf, 23.6.41
… was sagt ihr jetzt dazu, das war eine große Namenstagsüberraschung mit Russland, das wird was werden, der Ferdinand wird schon dabei sein, und der Rigam auch.
Was hab ich euch dort geschrieben, warum wir weg gekommen sind und die sind nach Polen gekommen alle, der Ferdinand auch, der Rigam hat mir geschrieben, sie waren schon alle startbereit, und jetzt sind schon alle dabei und wir noch nicht, ich möchte auch einmal dabei sein, da würde man mehr sehen...“
 
Er geht hier auf den Kriegsbeginn mit Russland ein. Mit den anderen Kriegsteilnehmern aus dem Ort ist er brieflich in Kontakt, besonders mit den Verwandten Robert und Ferdinand Schachhuber, viele Informationen über die Kollersdorfer Soldaten  erhält er von zu Hause.  
 
„Wesendorf den 3.7.41
… Und wie ihr schreibt, wollt ihr auch einen Erdäpfelrodler kaufen. Da staun ich ja, wieso das auf einmal, wollt ihr auch auf einmal maschinell werden wie der Bennersdorfer, aber ihr habt auch Geld mein ich, wie der Bennersdorfer, es ist ja gut so, ich spare auch immer, ich werde auch wieder bis zum Winter was kaufen, eine Kreissäge oder einen Radio, habe schon wieder 120 Mark beisammen, ist das nicht viel für so einen armen Soldaten?..“
 
„Wesendorf, 14.7.41
Meine Lieben.
Habe den Brief soeben erhalten, und das Paket habe ich gestern bekommen, wofür ich mich bedanke. Was soll ich mit den Marken machen? Hier bekommt man für Marken nichts und ohne Marken  nichts, ja hier ist das so, das werdet ihr mir nicht glauben, es ist aber wahr, also keine Marke nicht mehr schicken, die braucht ihr ja selbst.
Und wie ihr schreibt, sind die Weingärten fertig, und die Burgunder habt ihr noch zum Scheren, und dann kommt bald die Ernte und wenn mein Gesuch nicht bald kommt, so bekomme ich keinen Urlaub…“
 
„Wesendorf, 5.8.41
Meine Lieben.
Muss euch heute schreiben, dass ich wirklich nicht auf Urlaub kommen kann, lassen mich nicht wegfahren, weil ich erst im März zuhause war. Alle, die mit mir zuhause waren, dürfen nicht fahren, erst später. Also ich bin selbst sehr traurig, dass ich nicht fahren kann, aber was kann ich schon machen dagegen, nichts und so schreibt mir, was ich machen soll, wenn ich vielleicht Ende August oder Anfangs September Urlaub bekomme, was ich machen soll, ob ich dann warten soll bis zur Weinlese, ich meine schon, was sagt ihr dazu, und so schreibt mir wieder einmal, jetzt habt ihr schon so lang nicht geschrieben, dass ich gar nichts weiß mehr, und ihr habt alle Tage schon gewartet zuhause auf mich, meine ich, weil ihr so lange nicht geschrieben habt, und so schreibt mir wieder einmal. Und wenn ihr Zeit habt, so schickt mir ein kleines Päckchen Torte, dass ich wieder anders werde, denn ich hätte doch geglaubt, heuer kann ich euch helfen bei der Ernte, aber was kann ich machen dagegen. Müsst mir glauben, ich hätte euch gern geholfen, wir haben hier gar nichts zu tun, und könnten alle auf Urlaub fahren...“
 
Ansichtskarte, aufgegeben in Wittingen,  20 km nördlich von Wesendorf
13.8.1941
Meine Lieben
Regnet es zu Hause auch alle Tage wie bei uns? Da wird die Ernte nichts. Das Paket ist noch nicht hier, wo das wieder so lange bleibt. So ist es bei uns hier, so sieht die Heide aus, wie ihr sie hier seht. Es grüßt euch Josef Krenes.
 
  
 
„Wesendorf, 20.8.41
… Und wie ihr schreibt, dass ihr von Fels sogar einen Soldaten habt zum Arbeiten, einen Unteroffizier, da staune ich ja, ihr werdet wohl viel Arbeit haben, wenn ihr so viel Ernte bekommt, arbeitet der Unteroffizier auch was, er ist von Breslau, von wo mein Kamerad her ist, er ist jetzt auch im Urlaub zu Hause, wenn ich kann, weiß ich noch nicht, hoffentlich bald, aber ich werde schon hoffen, vielleicht Ende September….“
 
„10.10.1941
Muss euch heute eine kleine Karte schreiben. Heute ist der 10.10.41 und 39 bin ich fort. Die besten Grüße sendet euch Krens Josef.“
 
Wesendorf, den 10.11.41
… und wenn ihr mit der Arbeit fertig sein, so müsst ihr doch den Puwi operieren lassen, wenn es nicht anders geht. Da dürft ihr nicht länger warten. ….
„Puwi“ was das Pferd der Familie, es dürfte schon älter gewesen sein und hatte gesundheitliche Probleme, die Josef aus der Ferne zu beheben versuchte.
 
„Wesendorf, 14. 11.41
…. wenn ihr ein paar Marken über habt, dann könnt ihr mir ja ein paar schicken, aber nur wenn ihr ein paar über habt, nicht, dass ihr auch Hunger leiden müsst und recht viel arbeiten, … und keinen Tee kann ich nicht brauchen, denn wir bekommen ja alle Tage so einen Heideblümleintee, so sagen wir immer dazu.
Ihr braucht nicht immer aufs Schicken denken, wie ihr immer schreibt, dass ihr meint, ich erhungere schon, so schlimm ist es wieder nicht ...“
 
Am 22.11.41 war er mit Kameraden in Braunschweig im Theater.
 
„23.11.41
…Und wie ihr schreibt, kommt ein Feldwebel immer zu euch um Eier, denkt euch, die Bauern hier, die geben uns nicht einmal ein Stück Brot, wenn wir in einem Dorf spielen, so sind die, meine Lieben, und ihr seid so dumm und gebt denen die Eier, und einem Feldwebel, dem würde ich überhaupt nichts geben, der was die Leute von früh bis abends recht schleift, das weiß ich gut und die armen Soldaten haben nichts … wenn du wüsstest, wie der die Leute schleift, so wie es mir gegangen ist, da hast du gar keine Ahnung davon, also gib je denen nichts mehr….“
 
„Wesendorf, den 19.12.41
… Habe die Marken auch bekommen, aber brauche sie nicht. Da werde ich mir zu den Feiertagen was zu essen kaufen, dass ich doch weiß, dass Weihnachten ist, denn sonst weiß man es nicht, werde vielleicht zu den Feiertagen wieder nach Braunschweig oder nach Hannover fahren, ich weiß noch nicht genau, denn da, wo wir sind, da ist alles so einsam, da sieht man gar nichts. Und ein bisschen Geld habe ich ja immer, weil ich immer spare, und der was nicht kauft, der hat ein Geld, das eine kann ich euch schreiben, und die was kaufen, die haben keines, denn die brauchen ja zu den Zigaretten alles und ausgehen wollen‘s auch noch, aber das geht nicht alles, das habe ich erst jetzt gesehen beim Militär, um wie viel Geld man da weniger braucht, und das Rauchen ist ja so alles ein Blödsinn….“
 
Josef hat in seiner Zeit beim Militär zu den verschiedenen Geräten, die angeschafft wurden – Sämaschine, Pflug, Erdäpfelrodler, Kreissäge -  seinen Betrag geleistet.
 
„Wesendorf, den 29.12.41
… und es war auf einmal Weihnachten hier, sonst hätt es gar nicht so ausgesehen, dass schon wieder Weihnachten ist, und ich habe die Feiertage gut verbracht, das hätte ich gar nicht geglaubt, dass es doch so schön wird, und wo werden wir nächstes Jahr sein zu Weihnachten???
Also, ihr schreibt, ob ihr euch einen Arbeiter nehmen sollt, da würde ich ja sagen. Denn ihr könnt ja die Arbeit nicht mehr machen alleine, das geht ja doch nicht und im Sommer dann, da braucht ihr ja doch wieder wen, ich wollte es ja euch nicht schreiben, dass ihr euch ja nicht kränkt darüber, aber ihr werdet es ja selbst sehen schon, wie es mit dem Krieg ist und wie lange es noch dauern wird, das weiß kein Mensch, und ich sage es euch, der Krieg wird noch lange Jahre dauern, das kann ich euch heute schon schreiben, und wer weiß, wenn ich einmal vom Militär entlassen werde, das kann ich mir gar nicht denken, wann die Zeit einmal kommt, und ob sie kommt...“ 
 
„Wesendorf, 6.1.42
…. Also, ich kann euch heute wieder eine Neuigkeit mitteilen, da werdet ihr ja staunen, ich bin heute zum Obergefreiten befördert worden, und was sagt ihr jetzt??? Wieder um einen Dienstgrad mehr, aber das macht viel aus, denn da bekomme ich jetzt Monatsgehalt, also stellt euch so was vor, ihr müsst zum Bürgermeister gehen und der muss mir eine Steuerkarte ausstellen, und die müsst ihr mir schicken sobald es möglich ist, denn die brauche ich zum Vorzeigen….“
 
„Wesendorf, den 12.1.42
… Und muss euch schreiben, ihr müsst es doch machen mit dem Puwi, denn im März brauchen wir ja ihn wieder, ich glaube, es wird nicht so schlimm sein, also macht es in Gottes Namen, es wird nichts passieren, aber so bald es geht noch. Und ihr schreibt, dass die Kreissäge schon fertig ist, und ist sie schön, und hat er sie so gemacht, wie ich gesagt habe,
Und wie ihr ja jetzt gesehen habt, dass ich schon Obergefreiter bin, da bekomme ich jetzt alle Monate 62 RM und da kann ich euch ruhig was abgeben und ihr bekommt auch 30 RM, also da bekommt ihr alle Monat 90 RM, da könnt ihr schon was machen, und ich sage es euch nochmals, nehmt euch wen zur Arbeit, denn ihr könnt das nicht alles allein machen, und kann euch auch schreiben, es sind nur 4 Mann befördert worden, also denkt euch, und da war ich dabei, nur wegen guter Führung, das könnt ihr mir glauben, also jetzt seht ihr wieder nicht, dass ihr meint, ich bin schlimm, ich habe sehr viel erreicht, aber ihr dürft nichts sagen, und ich schreibe nochmals, ihr wisst auch von wem.  Liebe Mutter, nicht dass du alles erzählst, dass ihr jetzt so viel Geld bekommt….
….Und ich muss euch schreiben, es ist noch kein Paket hier und ich warte schon alle Tage darauf und wollte euch schreiben,  wenn ihr mir vielleicht ein bisschen Fleisch schicken könnt. Geselchtes vielleicht, ich würde gern wieder was Essen von zu Hause, denn wir haben immer Hunger und bisschen fett, wenn es geht, aber sonst nichts, ich will euch nichts wegnehmen, aber ein bisschen werdet ihr schon noch für mich über haben…“
 
„Wesendorf, den 23.1.42
….und wie ihr schreibt, dass ihr eine Kartoffelmaschine auch noch kaufen wollt, ja was ist denn da los, dass ihr jetzt so viele Maschinen kaufen wollt, also das eine kann ich euch sagen, wenn ihr eine kaufen wollt, ich kaufe euch eine von meinem Geld, denn wenn ihr von zwei Monaten das Geld zusammengebt, was ich jetzt alle Monate bekomme, da bekommt ihr schon eine, also ist das nicht schön, was sagt ihr dazu.
Wenn ihr zu Hause Rasierklingen bekommt Rotbart oder sonst gute, so kauft mir 20 Stück, denn wir bekommen hier keine guten…“  
 
„25.1.42
..Ich fahre am 27. und 28. nach Hamburg, das ist eine Dienstreise zum Luftgaukommando, da muss ich was abholen, also, das wird ganz schön werden, da werde ich mir die Stadt anschauen, Hamburg ist ja sehr groß und soll auch sehr schön sein….“
 
„Wesendorf, den 14.2.42
…Und das Schwein habt ihr nicht abstechen dürfen, was war da wieder los, und auch die andern nicht….“
 
„Wesendorf, den 28.2.42
…Aber was euch gleich schreiben muss, wenn ihr das nochmals wem sagt, dass ich Geld nach Hause schicke, dann gebe ich euch keines mehr. Den da lachen nur die Leute darüber, also das dürft ihr nicht sagen, das will ich nicht haben, denn das versteht ihr nicht, wenn einer raucht, da braucht er schon viel Geld, auch sonst, also das nicht mehr sagen von dem Geld nach Hause-schicken….“
 
„Wesendorf, den 23.3.42
… Ich muss euch schreiben, ich kann keinen Tag vor 12 Uhr einschlafen, ich studiere immer wegen dem Pferd, und immer wieder, wie es am besten ist und habe mir so alles ausgerechnet und es ist so am besten, wie ich es geschrieben habe, und schreibt mir alles genau, wie viel Wein wir verkaufen können, dass ich mir nochmal alles ausrechnen kann, und ich sage euch nochmals lost auf auf mich und es ist so das Beste.
Meine Lieben, habt ihr doch noch Brot zum Essen und Kartoffeln, also spart mit dem Brot, denn das Brot wird schon wenig, das werdet ihr ja schon wissen, und gebt ja nichts mehr her, denn es wird schon alles zu wenig, also lasst euch gesagt sein, denn ich weiß es schon, mehr kann ich nicht schreiben….“
 
„Wesendorf, den 27.3.42
…Ich bin auch froh, dass wir eine Säge selber haben, dass wir nicht immer allen kommen brauchen, und eine Sämaschine haben wir auch jetzt, das ist schon viel wert. Habt ihr den Pflug schon probiert, ob er geht, aber den werdet ihr ja nicht richten können, vielleicht kann ich kommen, denn ich bin ja auch schon neugierig auf zuhause, also wenn das Gesuch hier ist, vielleicht kann ich fahren, einstweilen kein Paket mehr schicken, und wenn ich nicht kommen kann, dann schreib ich es ja schon wieder, also zuerst muss ich warten, bis das Gesuch kommt….“
 
„Wesendorf, den 1.4.42
…Habe den Brief und das Paket N 13 erhalten und muss mich vielmals bedanken. Aber wie ich sehe, dass der Puwi doch noch gehen kann, das ist ja gut, aber ich meine, es wird ja doch immer schlechter werden bei ihm und jetzt tut man doch noch mehr Geld bekommen für ihn. Und ihr schreibt, dass der Wein schon 140 RM kostet, das ist schon allerhand Geld meine ich.
Muss euch heute noch schreiben, seid ja froh, dass ich nicht rauche, und ich bin auch sehr froh, sonst hättet ihr da auch noch ein Kreuz, denn die bekommen jetzt nur alle Tage 3 Zigaretten, also denkt euch, was das ist für einen Raucher und so habe ich mir schon so viel Geld erspart, und habe schon einen Pflug und eine Säge gekauft und habe noch so viel Geld, um 70 Mark habe ich von Polen schon nach Hause geschickt, denkt einmal, was das heißt, und die anderen verbrauchen alles und schreiben noch nach Hause um Geld, also ich kann euch schreiben, ich bin froh, dass ihr mir das alles gelernt habt zu Hause, das werde ich mir merken, aber wenn man anständig ist, da kommt man überall durch und es geht auch so….“
 
„Wesendorf, den 3.5.42
… es geht mir so sehr gut, der Fuß ist schon wieder gut, jetzt geht es wieder, und so vergeht halt ein Tag und eine Woche und ein Monat und ein Jahr um das andere und so muss halt das Militär auch einmal vergehen…..“
 
Vor dem 14. Mai war Josef auf Heimaturlaub.
 
„Wesendorf, den 25.5.42
… Ja, meine Lieben, ich habe gestern zu Mittag an euch gedacht, stellt euch vor, was wir gehabt haben am Pfingstsonntag, 2 Spiegeleier und einen Spinat, aber ihr dürft nicht glauben so wie unser Spinat, sondern Brennnesseln, das war alles, was wir hatten. Liebe Rosa, hast du auch so was gekocht? Oder doch was Besseres?...“
 
Wesendorf, den 30.5.42
…Aber was ich gleich sehe, das schon Gefangene hier sind, das ist aber schade, dass wir ihn nicht allein haben, denn die Franzosen arbeiten schon, meine ich, ja wie ist das, einen Tag bei uns und den andern beim Bennersdorfer, das ist halt auch so was, dass ihr halt nicht streiten werdet, mit ihm hoffentlich nicht….“
 
„Wesendorf, den 5.6.42
…wie ich sehe, arbeitet der Gefangene ja sehr gut, da bin ich froh, aber schade ist es, dass er nicht uns allein gehört, das wär gut, tut er rauchen auch? Bekommen die auch Rauchmarken?
Also habt ihr doch zu Pfingsten was Besseres gehabt wie wir, das ist ja gut, denn ihr müsst auch arbeiten, aber ich muss euch sagen, beim Militär wird man so faul, dass man es gar nicht sagen kann, man ist gar nichts gewöhnt mehr, und man will gar nichts mehr arbeiten und zu Hause muss man da recht arbeiten, wenn es so heiß ist, und hier macht man nichts den ganzen Tag….“
 
„Wesendorf, den 3.7.42
…Ja, wenn ich  vielleicht nach Hause komme, dann werden wir arbeiten, …  aber ich habe ja keine Kraft mehr, und bin auch nichts gewohnt, und mit den Fräulein spazieren gehen und ja, ab und zu geht man ja doch fort.
Heute ist wieder Kino bei uns, also das heißt, bei uns ist alle Woche 2 mal Kino, aber heute spielens Wiener Blut! Also wieder einmal was von der Heimat, das ist noch mal so schön, wenn man von Wien was sieht….“
Zwischen 13. August. und 18. September  war Josef wieder auf Heimaturlaub.
 
„Wesendorf 24.9.42
… Aber ich muss euch heute eine große Überraschung schreiben, da werdet ihr schauen, denn ich hätte bald von Wesendorf das letzte Mal geschrieben, also meine Lieben, von meiner Kompanie sind 42 Mann nach Russland gekommen, es sind uns noch 12 Mann über geblieben und da war ich halt auch dabei, aber ich hab mich schon in Russland gesehen, also könnt euch denken, die sind heute früh angekommen, da hätte ich auch schon von Russland schreiben müssen, aber ich habe nochmals das Glück gehabt, in der Heimat zu bleiben.
Was würdet ihr dazu gesagt haben??? Wenn das Schreiben und das Hoffen nach Hause zu kommen wäre, also nochmals, ich bin noch in Wesendorf, aber wenn ich euch so gesehen hätt, wenn dann ein Schreiben nach Haus gekommen wäre, das kann ich mir denken….“
 
„Wesendorf, 27.9.42
… die andern sind schon auf dem Marsch nach dem Osten nach Russland hinein, die sehen schon was vom Krieg und ich wieder nichts, aber man muss doch nicht überall dabei sein, aber einmal wird es halt für uns auch noch kommen.
Also, sonst nichts Neues bei uns mehr, aber nur die Mann gehen uns ab, die fort sind, jetzt ist es so  ruhig….“
 
„Wesendorf, 23.10.42
… Da ich heute euch schnell schreiben muss, es ist schon alles zu spät, ich komme nicht mehr in Urlaub, denn wir werden in den nächsten Tagen schon wegkommen auch, es kommt jetzt alles raus, was kriegstauglich ist, da hilft nichts und aber nicht gleich erschrecken, es wird schon alles gut gehen, also ich denke, vielleicht nächste Woche, ich schreibe noch, bevor es weggeht, braucht euch nicht bange sein.
Den Koffer und das alles schicke ich weg, hoffe, dass alles gut ankommt. Sonst gibt es nichts Neues bei uns, der Kraushofer, die alten bleiben noch hier, aber die Jungen kommen alle mit, jetzt hat es nichts mehr geholfen, jetzt muss alles mit.
Also, keine Sorgen machen, es wird schon alles gut werden, hoffe, dass du bald gesund wirst, Mutter, und bis zum nächsten Schreiben viele Grüße Krenes Josef…“
 
„Wesendorf, 24.10.42
… Muss euch heute noch das Postsparbuch schicken, das Buch habe ich gestern schon geschickt und die Marke kommt später. Das müsst ihr zu Hause auch immer allein aufheben und nicht alles beisammen. Also, wenn ihr ein Rad bekommt, so nehmt euch 40 M raus, habe schon 300 M drin, ist das nicht schon viel? Übern Sonntag werden wir noch hier sein, denke ich.
Es haben schon so viel ausgehalten, so werden wir es auch aushalten, hoffen wir das Beste. Sind meine Freunde alle draußt schon so lange, der Rigam und die alle….“
 
„30.10.42
… Ist mein Sparbuch schon zu Hause? Den Koffer schicke ich morgen weg, Hoffe, dass alles gut ankommt. Also macht euch keine Sorgen, wir gehen alle mitsammen weg. Ja, was kann man schon machen, es ist halt so beim Militär, einmal hier und morgen dort, es haben‘s ja schon so viele ausgehalten, so werden es wir auch aushalten, also nehmt es nicht so schwer, denn es ist gar nicht so schwer wie es aussieht, und es wird schon alles recht werden. Der Krieg wird auch wieder einmal aus werden und alles geht vorüber im Leben. Also, schreiben könnt ihr ja noch, aber kein Paket nicht mehr schicken, denn das kommt ja doch nicht mehr an….“
 
„2.11.42
…Muss euch aber mitteilen, morgen geht es weg von Wesendorf am 3.11. Also keine Angst haben, es wird schon alles recht werden. Meine Anschrift abwarten.
Viele Grüße Krenes Josef.“
 
„3.11.1942
Meine Lieben!
Kann euch heute noch ein paar  Zeilen schreiben, wir fahren erst morgen früh, also 4.12., weg. Also wir  kommen erst 4 Wochen nach Polen wieder, nach Mlawa.…Und dann geht es ins Paradies der Welt, es kommt alles weg was k.v. ist, das ist kriegstauglich. Es ist nichts mehr übergeblieben, nur die alten sind noch hier. Also nicht so bang sein, es passiert nichts es wird schon alles recht werden….“
 
„Berlin 4. 11.42
Meine Lieben!
Noch schnell ein paar Grüße aus Berlin, wir haben ein paar Stunden Aufenthalt, aber es ist Nacht. Sonst gibt es noch nichts Neues, es wird aber noch kommen, wird sind noch alle gut in Stimmung, überhaupt wenn man in Berlin ist, in einer so großen Stadt. Wo man beim Militär überall hinkommt, das ist allerhand. Ich würde euch auch mal so eine Reise wünschen, dass ihr was seht von der Welt.
Also nochmals viele Grüße an euch alle! Krenes Josef“
 
„W., den 7.11.42
Meine Lieben!
Im Anfange meiner Zeilen seid ihr herzlichst gegrüßt und bin gut angekommen bei meinem neuen Dienst …. Wir sind hier in Polen. Es ist genauso wie in Radom, sonst gibt es nichts Neues noch, habe heute keine Zeit noch zum Schreiben, aber am Sonntag werde ich schreiben….“
 
Die letzte Nachricht:
„W. den 20.11.42
Mein Lieben!
Im Anfange meiner Zeilen seid Ihr herzlichst gegrüßt und bin gesund, was ich auch von euch hoffe. Habe noch keine Post erhalten von euch und jetzt sind es 5 – 6 Wochen, bis Ihr von mir Post bekommt, ich bekomme jetzt auch keine mehr vor 5 – 6 Wochen, also jetzt müsst euch dran gewöhnen und bei mir ist es auch so. Hoffe, dass Ihr bald mit der Arbeit fertig werdet, es wird ja heuer auch schon kalt sein. Ihr könnt ja schreiben, das macht nichts, ich bekomme ja die Post, aber erst bis wir dort sein werden, wo wir landen, also Ihr könnt ruhig schreiben und die 2 Päckchen auch schicken. Stellt das neue Rad auf einen Ständer, dass die Mäntel nicht hin werden übern Winter. Also Weihnachten sind wir im Osten, nicht in der Heimat, aber es wird auch vorüber gehen, hoffen wir das Beste. Wir haben jetzt L.G.P.A. Breslau, nicht nach Königsberg, also Breslau. Sonst gibt es nichts Neues bei mir. Hoffe, dass ihr zu Hause auch noch alle gesund seid und dass Ihr recht bald mit der Arbeit fertig werdet.
Also recht viele Grüße an euch alle!
Krenes Josef
Also 5 – 6 Wochen keine Post.
Abs.: Obgefr. Krenes, Feldpost Nr. L 50338 B
L.G.P.A. Breslau“
 
 
Nach diesem Datum ist kein Brief mehr angekommen. Eine Benachrichtigung des Vorgesetzten über den Tod von Josef Krenes fehlt. Es könnte sein, dass sie getrennt aufbewahrt worden ist. Nachricht über das weitere Schicksal geben Briefe von ehemaligen Kameraden, die an die Familie gerichtet wurden.
 
 
„Wesendorf, den 7.1.1943
Nun wollten Sie wissen, ob sich ich und der Josef, als sie weggefahren sind, noch gesehen haben. Da muss ich Ihnen schon sagen, leider nicht. Aber am Vorabend hatten wir uns verbschiedet und hatten sich gegenseitig das Beste gewunschen. Auch auf ein glückliches Wiedersehen in der Heimat. Sonst war er bei ganz guter Stimmung, weil ja alle seine Kameraden mitkamen. Wir hatten uns auch die Zusicherung gegeben, dass wir uns immer von Zeit zu Zeit benachrichtigen werden. Aber ich habe nur einmal seit seinem Abschied von hier ein Schreiben erhalten. Und seitdem nichts mehr. Ich hätte ihm gern auch ein Neujahr gewunschen, wenn ich seine jetzige Anschrift gewusst hätte. Aber kein einziger von diesen Kameraden lässt etwas hören. Entweder habens keine feste Anschrift noch, oder sie haben zu wenig Zeit zum Schreiben. Sollte er Ihnen schon eine beständige Adresse geschrieben haben, dann bitte ich Sie, mir auf einer einfachen Feldpostkarte dieselbe mitteilen zu wollen. Jetzt sind unser mehr 6 alte Kameraden hier. Auch wir würden schon weg sein, wenn es nicht jahrgangsweise gegangen wäre. Nun müssen wir sehen, was uns dieses Jahr an Leid und Freuden alles bringen wird. Wünsche Ihnen ebenfalls ein glückliches, gesundes Neujahr mit der großen Hoffnung auf ein Wiedersehen mit dem Josef.
Kraushofer“
 
„Alhorn, den 6.3.43
Sehr geehrte Frau Krenes!
Nehmen Sie es mir bitte nicht übel, wenn ich Sie mit meinem Schreiben noch einmal belästige.… Ich habe hier beim Truppenteil einen Kameraden getroffen, der mit dem Seppl und mir in ein und derselben Gruppe gewesen war. Er hatte den Seppl auch noch gesehen und sagte, dass Seppl ein paar Granatsplitter abbekommen hätte und zum Hauptverbandsplatz zurückgegangen wäre. Was dann weiter mit dem Seppl geworden ist, weiß er auch nicht mehr zu sagen. Wenn ihn die Russen nicht geschnappt haben, so hätte er müssen eigentlich weiter hinter die Front gekommen sein und in ein Lazarett. Irgendeine andere Nachricht haben Sie wohl bis jetzt noch nicht bekommen. Wenn nicht, so ist er dann bestimmt beim Zurückgehen von den Russen erschossen worden. Ich kann mir immer noch nicht denken, dass Seppl soll gefallen sein.
Wie geht es Ihnen, wenn man fragen darf. Ist es mit Ihrer Hand schon besser geworden. Ich wünsche Ihnen recht baldige Genesung.
Nun werde ich schließen.
Die besten Grüße sendet Ihnen Walter Riedel!“
 
„Am 4.4.43
Liebe Familie Krenes!
Im Anfange meines Schreibens sende ich ihnen die herzlichsten Grüße, und ich wünsche ihnen alles Gute und ein gesundes Wiedersehen. Vor einigen Tagen musste ich erfahren, dass ihnen ihr allerliebster Sohn und Bruder gefallen ist. So teile ich ihnen mit mein herzliches, trauriges Beileid mit der ganzen Familie. Dass ihnen der Sohn und Bruder im Felde des Ostens so geschwind sein Leben lassen musste. Dass ihnen das der schwerste Fall gewesen ist, das weiß ich doch, und das hat mich auch schwer getroffen von meinem besten Freund Josef. So muss man sich immer denken, liebe Familie Krenes, dass es sehr viele getroffen hat in diesem Kriege. Aber für die Leute, die es trifft, ist es halt hart und traurig….
Es grüßt sie nochmals ein Freund ihres Sohnes und Bruders,
Josef Diwald aus fernen Osten.“
 
„Ahlhorn bei Oldenburg, den 13.3.42
Werte Frau Krenes!
Heute habe ich von zu Hause Ihren Brief erhalten, den Sie noch nach dem Lazarett geschickt haben. Mir wäre es auch viel lieber gewesen, wenn ich den Seppl gefunden hätte. Es wäre ja ganz gleich gewesen, ob er noch lebte oder tot gewesen wäre, die Hauptsache wäre ja gewesen, dass ich hätte können alle Habseligkeiten abnehmen und zu Ihnen schicken, so ist alles in fremde Hände gefallen. Seppl und ich hatten ja auch vorher schon ausgemacht, wer zuerst von uns beiden fällt, der schreibt nach Hause und schickt alle Sachen, die er bei sich trägt, auch heim. Aber leider ist es ganz anders gekommen. Da haben die uns gleich in die richtige Hölle geschickt, wo nur unnötiges, junges Blut geopfert wurde. Ich glaube es Ihnen sehr gerne, dass es für Sie ein großer Schmerz ist. Bei mir zu Hause wäre es ja dasselbe gewesen, weil ich das einzige Kind von zu Hause bin. Ich weiß es auch noch, wie Seppl immer im Frühjahr auf Urlaub gefahren ist. Da haben die Herrn Oberfeldwebel und andere auch  immer den Seppl betrogen mit seinem Urlaub. Er bekam doch immer nur 16 Tage Ernteurlaub. Andere Kameraden hatten fast gar nichts zu Hause und bekamen meistens drei oder 4 Wochen den Ernteurlaub. Es lag nur daran, dass Seppl  so wenig bekam, weil er den höhern Herrn nichts zu essen gegeben hatte, wenn er immer vom Urlaub kam. Die anderen brachten immer Schinken oder Butter oder Wurst etwas mit, darum konnten die auch immer länger auf Urlaub fahren. Mit hat das immer von ihm gefallen, dass er den Herrn nichts gab, sondern sein Grundsatz war, vom allein essen wird man nur satt.
Es ist schade, dass Seppl nicht das Glück hatte wie ich, denn wir hatten uns vorgenommen, wenn wir aus diesem Dreck gesund herauskommen, da wollen wir zusammen einmal richtig feiern. Im vorigen Jahr haben wir, Seppl und ich, so richtig gefeiert. Er hat doch am 19. seinen Namenstag und ich habe am 18. meinen Geburtstag. Da hätte ich auch noch nicht daran gedacht, dass es soll das letzte Mal sein. Ich bin am 6. Januar verwundet worden. Habe noch den größten Teil des Rückmarsches im Süden mitgemacht. Ganz hätte ich ihn auch nicht mitmachen können, ich glaube, dann wäre ich mit meinen Nerven auch kaputt gewesen. Es ist nichts, wenn der Russe immerzu hinter einem her ist und man kann sich nicht verteidigen. Wie geht es Ihnen. Hoffentlich gut. Was macht Ihre Hand? Ist es schon etwas besser geworden? Ihre Einladung, zu Ihnen einmal zu kommen, nehme ich dankend an, wenn es wird einmal so richtig passen, werde ich Sie gern einmal besuchen.
Nun werde ich schließen.
Die herzlichsten Grüße Sendet Ihnen Walter Riedel!“
 
„Wesendorf am 21.3.43
Berichtigt am 4.3.1942
Obgefr. Josef Krenes
So las ich zum wiederholten Male seinen Namen in unseren Druckvorschriften. Als ich dieses oben angeführte Datum vorfand, dachte ich mir, also gerade noch vor einem Jahre  und heute ist sogar sein Namenstag, das war also am 19. März d.J.
Werte Familie!
Ich will Ihnen damit das Herz nicht schwer machen, aber ich will Ihnen mitteilen, dass Ihrem braven Josef sein Name noch lange in den Büchern fortleben wird. Und jeder, der ihn gekannt hat und diesen Namen vorfindet, wird ihn als guten Kameraden ehren.
Es wird Ihnen ja bekannt gewesen sein, dass er eine Zeit lang auf der Druckvorschriftenstelle tätig war und somit seinen Namen in hunderten von Büchern eingetragen hatte. Seit jener Zeit, wo er uns verlassen hatte von dieser Welt, mache ich immer bei Abgabe einer solchen Vorschrift einen Strich auf die Innenseite einer Vorschrift.
Außerdem lege ich Ihnen heute einen Brief bei, den ich ihm am 19.11.42 geschrieben habe, und den er nicht mehr zum Lesen bekam. Ich hatte ihn in der vergangenen Woche zurückerhalten mit der Bemerkung: zurück an Absender – neue Anschrift abwarten. Ja, dachte ich mir, wo steht seine neue Anschrift. Wer weiß, hat er ein Denkmal (Kreuz) wo seine Anschrift steht.
Geöffnet hatte ich diesen Brief selbst, weil mich das Datum interessierte, wann ich ihn ihm eigentlich geschrieben habe.
Also liebe Familie, fassen sie meine Zeilen nicht allzu schwer auf. Ich habe sie nur geschrieben, damit sie wieder eine Post bekommen von einem Soldaten, da sie einmal eine derartige Äußerung in einem Ihrer Briefe gemacht haben.
Von einer Versetzung hört man einstweilen nichts. Ein Ersatz ist auf meiner Dienststelle schon eingetroffen und zwar eine Frau, wie sie jetzt auch zur Arbeit eingesetzt werden. Aber dieser Ersatz ist halt noch lange nicht hinreichend. Man kann letzten Endes sagen, dass sie nur eine Hilfskraft ist.
Meine Frau hätte auch an Sie einen herzlichen Gruß bestellt.
Hochachtungsvoll Kraushofer“
 
„Ahlhorn, den 12.4.43
Werte Frau Krenes!
… Haben Sie irgend etwas über den Seppl gehört. Ich meine eine neue Nachricht. Heute war ein Kamerad von Wesendorf, der auch mit uns in derselben Gruppe war in Russland, bei mir. Der ist jetzt erst aus dem Lazarett gekommen und muss dieser Tage wieder weg nach Russland. Mit dem habe ich mich so unterhalten, was aus den ganzen Kameraden geworden ist. Er sagte auch, dass der Seppl soll in ein Lazarett transportiert worden sein. Beim Seppl sollen an allen beiden Oberschenkeln Granatsplitter gewesen sein, dann soll er noch im Bauch ein paar gehabt haben. Wo er hingekommen ist, und was noch so mit ihm passiert ist, weiß er auch nicht genau zu sagen. Er hat ihn auch leider aus den Augen verloren. Habe schon ein paar aus unserem Zug über den Verbleib von Seppl gefragt, aber leider weiß keiner, was noch mit dem Seppl passiert ist. Hoffentlich habe einmal Glück, dass mir kann einer wenigstens etwas genaues berichten. Bei mir wird es auch nicht mehr lange dauern, dann werde ich auch wieder nach Russland fahren. Hoffentlich wird es dieses Jahr noch Schluss mit dem Russen. Ich wünsche Ihnen alles Gute. Die herzlichsten Grüße sendet Ihnen Walter Riedel!
 
O.A. den 10.6.43
Liebe Frau Krenes!
…  Haben Sie etwa schon wieder etwas gehört, vom Seppl aus. Ich bin wieder bei meiner alten Division, da werde ich einmal zusehen, ob ich denn vielleicht noch etwas Näheres erfahren kann. Wir waren doch 3 alte Kumpel gewesen, als wir im Winter nach dem Osten gingen. Der Seppl, Hubert, ein Rheinländer und ich. Nun habe ich dieser Tage gehört, dass der Hubert am gleichen Tage wie der Seppl gefallen ist. Zuerst war der ja auch vermisst gewesen, genauso wie ich. Ich komm immer noch nicht darüber hinweg, dass meine beiden besten Kameraden gerade fallen mussten. Ich weiß noch, wie wir drei am 1. Tage beim Angriff unsere Taschen herum gedreht haben um etwas Essbares zu finden und jeder brachte dann eine Kleinigkeit heraus, die wir uns dann geteilt haben. Im Sommer ist es ja hier schöner Krieg zu machen, wir haben ja fest ausgebaute Stellungen, da kann der Russe schon kommen, da holt er sich nur blutige Köpfe. Hoffentlich bekomme ich noch was zu hören, wie der Seppl beerdigt worden ist, damit ich kann sein Grab einmal aufsuchen. So könnte ich ihm doch wenigstens einen letzten Gruß von seiner Heimat senden und das Grab mit Steppenrosen schmücken.
Ich liege jetzt wieder im Südabschnitt. Es sind nur noch ein paar hundert Kilometer, dann sind wir wieder dort, wo wir im Winter waren. Ich wünsche Ihnen noch nachträglich recht frohe und gesunde Pfingsten. Wir hier merken ja weiter nichts davon. Es bleibt ja immer ein und dasselbe hier. Wenn Sie mir wollen wieder einmal schreiben, meine Adresse ist:
Obergefr. Walter Riedel
Feldpost Nr.  51459 D
L.G.P.A. Breslau
Die besten Grüße sendet Ihnen Walter Riedel“
 
Tulln, 13.9.1943
 
 
 
 
Quellen:
Feldpostbriefe von Josef Krenes, Herbert Eder, Kollersdorf
 
 
Erklärungen der Verfasserin sind kursiv geschrieben.
Die Brieftexte sind an die heute gültigen Rechtschreibregeln angepasst.
Die Briefe wurden von Herbert Eder ausKollersdorf zur Verfügung gestellt.
 
 
Oktober 2015
Maria Knapp