Zwangsarbeiter

 

Letzte Änderung: 12.12.2014

 

Um den Arbeitskräftemangel, der in der Landwirtschaft durch die Einberufung der wehrfähigen Männer entstanden war auszugleichen, wurden auch bei uns Zwangsarbeiter aus den eroberten Gebieten eingesetzt. Die aus Polen und Rußland kommenden Menschen wurde beschönigend „Ostarbeiter“, die vor allem aus Frankreich und Belgien stammenden als „Fremdarbeiter“ bezeichnet. Rekrutiert wurden sie aus der Zivilbevölkerung, den Kriegsgefangenen, KZ-Häftlingen und fremdrassigen Minderheiten wie Juden. 

So schrieb man in der Schulchronik von Kirchberg: „Zum Fronthilfsdienst wurde unsere Bevölkerung heuer weniger von den Bauern der Nachbarorte beansprucht, da überall genug Kriegsgefangene zur Verfügung standen.“ 

Es war nicht erwünscht, dass die Bevölkerung mit diesen Menschen, die laut Nazi-Ideologie allesamt minderwertige Individuen waren, in engeren Kontakt tritt. So schreibt Lehrerin Berta Wetscherek in der Engelmannsbrunner Schulchronik: „Am 16.7.1940 trafen auch in unserem Orte 11 Kriegsgefangene Franzosen und Belgier, in Mallon 10 als landwirtschaftliche Hilfsarbeiter ein. Die Gefangenen wurden im Feuerwehr-Depot untergebracht. Gleichzeitig wurde die Bevölkerung durch Maueranschläge und Aufrufe von der Schadenstätigkeit der feindlichen Kriegsgefangenen während ihres Aufenthaltes 1914 -1918 in Kenntnis gesetzt. Diese in regelmäßigen Abständen erscheinenden Aufrufe sollen für jeden Volksgenossen eine Mahnung und Warnung bedeuten, daß Feind stets Feind bleibt!“ 

1941 erhielten die Schulen laut Lehrerin Wetscherek eine Druckschrift „Kriegsgefangene“ in der wieder auf obige Warnung eingegangen wurde und die der Schule „zur gelegentlichen Belehrung“ dienen sollte.  

Traten Bewohner gar in engeren Kontakt mit Fremdarbeitern, wurde dies streng geahndet. Einer Frau, die – ob wirklich oder nur vom Nachbarn denunziert – mit einem Franzosen ein Verhältnis hatte, wurden die Haare abrasiert und sie kam ein Jahr in den Arrest. Dass ihre Ehe nach der Heimkehr ihres Mannes stark zerrüttet war, war die traurige Folge davon.  

In den Lageberichten des Landrates von Tulln an den Reichsstatthalter in Niederdonau, Wien, wurde immer wieder auf die Fremdarbeiter eingegangen:

„9.1.1942: Die fremdländischen Arbeiter haben im allgemeinen zu keinen Klagen Anlaß gegeben. Hinsichtlich der polnischen Zivilarbeiter wird jedoch weiterhin Beschwerde geführt, daß diese wenig Arbeitslust zeigen und sich über die versagten Beurlaubungen beklagen, wenngleich auch bei dieser Gruppe fremdländischer Arbeitskräfte eine langsame Gewöhnung an Zucht und Ordnung festzustellen ist.  

8.12.1942: Arbeitgeber französischer Kriegsgefangener stehen diesen seit den letzten Ereignissen in Frankreich mit Misstrauen gegenüber. Französische Kriegsgefangene nahmen die Nachricht über die Besetzung Südfrankreichs durch deutsche und italienische Truppen mit Unmut auf. Auflehnung oder Arbeitsverweigerungen dieses Gefangenen fanden jedoch nicht statt.

Durch den Masseneinsatz fremdvölkischer Arbeiter einerseits, und der Abwesenheit eines Grossteiles der männlichen Einwohnerschaft von der Heimat andererseits, befürchten Teile der Bevölkerung, dass die Untertänigkeit der Fremdvölkischen nicht fortgesetzt weiterbestehen werde. In der Landwirtschaft wurde durch den Einsatz von ausländischen Arbeitern ein wesentlicher Ersatz geschaffen. Im Gewerbe wird hingegen Klage geführt, dass großer Mangel an Fachkräften bestehe, der zum Teil dadurch ausgeglichen werden könnte, indem ausländische Facharbeiter, die derzeit nur zu Hilfsarbeiten eingesetzt sind, ausgesucht und den Gewerbebetrieben zugeführt würden.

Arbeitsflucht fremdvölkischer Arbeiter, namentlich russischer Zivilarbeiter, hat sich im gegenwärtigen Berichtsmonat in vielen Fällen ereignet. Der Grund der Flucht sei nach Angabe der Aufgegriffenen mangelhafte Verpflegung.

In zwei Fällen wurden Personen deutsche Staatsangehörigkeit wegen vertrauten Umganges mit franz. Kriegsgefangenen der Geheimen Staatspolizei in St. Pölten zur Anzeige gebracht. Ob es sich dabei um obigen Fall handelt, ist nicht bekannt.

11.3.1943: Ein deutsches Mädchen wurde wegen Geschlechtsverkehr mit einem französischen Zivilarbeiter der Gestapo St. Pölten angezeigt. (Anm.: Ob es sich bei einem Fall um obiges Ereignis gehandelt hat, ist nicht bekannt.)
Es wird allgemein bemerkt, daß die Reichsbahn, besonders an Sonn- und Feiertagen, von ausländischen Arbeitern sehr stark in Anspruch genommen wird. Eine Kontrolle dieser Arbeiter ist fast unmöglich, da die wenigsten einen Lichtbildausweis besitzen. In Tulln wurde ein tschechischer Schlosser festgenommen, weil er für polnische Landarbeiter Schlagringe verfertigte. 

8.7.1943: In Fels a. Wagram hat sich ein 17jähriger ukrainischer Landarbeiter folgend geäußert: „Der Krieg mit Rußland ist bald aus, weil die Kosaken nichts drinnen haben – dabei zeigte er mit der Hand auf die Stirne – die schießen auf ihre eigenen Kameraden. Die Amerikaner werden aber hier noch mehr schießen und dann werde ich bei Haus und Stadl Feuer machen, was die Polaken auch tun werden.

In Langenlebarn wurde ein ukrainischer Landarbeiter wegen gefährlicher Bedrohung seines Dienstgebers der Gestapo St. Pölten überstellt. Im gleichen Orte wurden auch 5 russische Kriegsgefangene wegen Verbreitung eines angeblichen Aufrufes Stalins dem Stalag Krems-Gneixendorf eingeliefert. In diesem Aufruf heißt es: „Die rote Armee wird in 6 Monaten in Deutschland sein, die Kriegsgefangenen sollen sich vorbereiten und dann mithelfen. 

9.9.1943: Ausländische Zivilarbeiter geben immer wieder zu Klagen Anlaß. Arbeitsvertragsbrüche sind an der Tagesordnung. 

9.12.1943: Die fremdvölkischen Arbeitskräfte verrichten meistens widerwillig ihre Arbeit. 

4.5.1944: Das militärische Geschehen hat keine besondere Beunruhigung der Bevölkerung gezeitigt. Dagegen ist das Verhalten der Kriegsgefangenen, sowie der polnischen und russischen Zivilarbeiter als „nackensteifer“ zu bezeichnen. Sie erhoffen sich vom Bolschewismus die Befreiung und soziale Besserstellung. 

Französische Arbeiter und Einheimische in der Schottergrube
Foto: Otto Moosbauer, Kirchberg 

Der Landrat von Krems berichtet an den Statthalter von Niederdonau: „9.8.1944: „Die Umsiedlung von Judenfamilien aus Ungarn zum Zwecke des Arbeitseinsatzes wird in den betroffenen Orten mit einigem Unbehagen verfolgt, weil man befürchtet, daß dies der Beginn einer dauernden Rückkehr der bereits glückliche losgewordenen Menschenart fremden Blutes sein könnte. 

10.2.1945: Das Verhalten der Kriegsgefangenen aus ausländischen Arbeitskräften hat bisher keinen Anlass zur Beunruhigung gegeben.“ 

Obwohl von der Obrigkeit nicht gewollt, entwickelte sich zwischen den Zwangsarbeitern und den Dienstgebern oft ein ganz gutes Verhältnis. So schreibt Lehrerin Wetscherek, trotzdem sie als linientreu bekannt war,  in der Engelmannsbrunner Schulchronik:

„17.2.1941: Die Kriegsgefangenen (Belgier, Flamen), die hier seit 11. Juli 1940 bei den Landwirten zu landwirtschaftlichen Arbeiten zugeteilt waren, kehrten in ihre Lager zurück. Von dort aus werden sie in die Heimat geschickt. Die Gefangenen waren arbeitswillig.  Manchem Landwirt war um seine billige Arbeitskraft sehr leid und gar manche Hausfrau gab dem Scheidenden noch ein ganz ansehnliches Päckchen Mundvorrat mit auf die Heimreise. Mit den besten, gegenseitigen Wünschen verließen die Gefangenen Engelmannsbrunn. Nun sind noch 13 Belgier hier, die auf die Abberufung in die Lager, bzw. in ihre belgische Heimat warten.“ 

Belgische und flämische Arbeiter
Foto: Familie Wöber, Engelmannsbrunn

Auch in Altenwörth wurden die Arbeiter geschätzt, wie in der Schulchronik berichtet wird: Vom 30.4.41 an waren im Orte bei den größeren Wirtschaften kriegsgefangene Franzosen zur Arbeit eingesetzt. Sie wurden wegen ihres Fleißes allgemein gelobt.“   

 

Flakstellung Frauendorf

Aber nicht nur in der Landwirtschaft mussten die Arbeiter helfen, sondern auch bei der Flakstellung bei Frauendorf, wie Herr Grill aus Winkl zu berichten weiß: Die Besatzung der Flakstellung war auch in Häusern und Stadeln in Winkl untergebracht. Es handelte sich in erster Linie um junge Burschen, die ziemlich oft ausgewechselt wurden. Die Arbeit erledigten aber Zwangsarbeiter aus den besetzten Gebieten."

 

Hydrierwerk Moosbierbaum

Im Hydrierwerk Moosbierbaum waren so viele Zwangsarbeiter eingesetzt, dass sogar die Obrigkeit darin schon ein Sicherheitsrisiko sah - Texte aus den Lageberichten des Landrates an den Statthalter von Niederdonau: 20.2.1943: Wie mir bekannt ist, sollen zur Ausrüstung der Heimatflak im Fabriksbetrieb Mossbierbaum dortselbst 15 Flakkanonen (Kalieber 2 cm) eingestellt werden. Ich möchte nicht verabsäumen darauf hinzuweisen, dass es mir nicht unbedenklich erscheint, eine so grosse Anzahl dieser ausgezeichneten Schnellfeuerwaffen dort zu massieren. Der gesamte Arbeiterstand dieses Werkes, soweit er nicht fremdblütig ist, wird zur abwechselnden Bedienung der Geschütze an diesen ausgebildet werden müssen. Bei dem ständigen Wechsel in der Gefolgschaft und deren bunter Zusammensetzung aus verschiedenen Gegenden und Gauen kann aber wohl ein positives Gutachten über die politische Zuverlässigkeit aller dieser Menschen schwer abgegeben werden. Abgesehen davon sind neben dieser deutschen Gefolgschaft im Verhältnis von ca. 8 : 1 tausende fremdvölkische Arbeitskräfte (22 Nationen) auf der Werksanlage tätig und wären die Folgen wohl sehr ernsthafte, wenn eine grössere Gruppe dieser Menschen sich nach vorgängiger Verabredung schlagartig in den Besitz dieser Waffen setzen würde, welche an sich nicht so schwer zu bedienen sind. Entsprechende zuverlässige Wachmannschaften für die Geschütze wären daher wohl sehr rätlich."

Einquartierter Soldat
Foto: Otto Moosbauer, Kirchberg 

9.10.1943: „Im Werk Moosbierbaum der I.G. Farbenindustrie ereignete sich neuerlich ein Sabotageakt. Die Weichenanlage eines Fabriksgeleises wurde durch 2 faustgroße Steine verklemmt. Nur der Aufmerksamkeit eines deutschen Arbeiters ist es zu verdanken, daß kein größeres Unglück bezw. daß kein größerer Schaden entstand. Die Fahndung nach den Tätern blieb bisher erfolglos."

11.3.1944: "…Dagegen wurde der im Russenlager des Werkes Moosbierbaum eingesetzte russische Vertrauensmann wegen staatsfeindlichen Umtriebe verhaftet und der Gestapo Wien überstellt."  

 

Zeitzeugen

Anna Schabl, Königsbrunn, damals in Neustift
"Auch Gefangene des Krieges gab es in den Häusern. Es wurde ein Lager im Feuerwehrraum eingerichtet. Anfangs hatten wir 2 Belgier, es war ein Brüderpaar aus Flandern. Nachher war ebenfalls ein Belgier, ein Wallone zur Arbeit im Hause. Dies Lager wurde aufgelöst und es kamen Serben. Wir hatten wieder 2 Serben, der eine war Zigeunermusikant, vor dem hatte ich schon Angst bei der Arbeit, obwohl er keine Anstalten machte, mich zu belästigen. Nach  neuerlichem Wechsel hatten wir 2 Ostarbeiter, es waren Zivilrussen. Der eine war von Kiew, Ukraine, der 2te vom Kaukasus. So hat man die Mentalität der Leute von Ost und West kennen gelernt.
Als das Ende des Krieges fuhr auch Illy, der Ostarbeiter mit 1 Pferd und Wagen mit den Russen mit davon."

 

Leopold Grill, Winkl
"Im Inleuthaus der Familie Engelmann, das zu dieser Zeit leer stand, wurden die Zwangsarbeiter, wahrscheinlich  Polen,  untergebracht. In diesem 'Stöckl gab es einen Vorraum, eine Küche und eine große Stube, in der Stockbetten für die Arbeiter aufgestellt worden waren. Die Bauersfamilien, die Arbeitskräfte benötigten – viele Männer waren ja im Krieg - holten sich von da Leute. Die Dorfburschen kamen jeden Abend zum Vorplatz des Hauses und unterhielten sich, soweit es ging – mit Händen und Füßen – mit den (ebenfalls) Jugendlichen. Mir kam diese Freundlichkeit mit den Arbeitern zugute, als erich vom Krieg nach Hause kam. Ich kam alleine zu Fuß nach einem Marsch von Linz in Winkl an, als noch die Russen im Dorf waren. Die Zwangsarbeiter, die noch im Ort waren, bezeugten, dass ich weder ein Nazi noch bei der SS sei, so wurde ich in Ruhe gelassen – vor allem dann, als herauskam, dass ich der Sohn des Bürgermeisters war."
 

 

Anna Lohner, Absdorf
Frau Lohner, damals noch ledig und in Utzenlaa beheimatet, erlebte am Acker einen Bombenangriff mit, auf den Felder daneben waren Zwangsarbeiter beschäftigt: „Am Nachbaracker arbeitete Bojan, ein serbischer Kriegsgefangener (er war ca. 18 Jahre alt und ein intelligenter Bursche, der eigentlich Arzt studieren wollte, er konnte englisch und deutsch). Zwei Äcker daneben war Bronka, eine russische Zwangsarbeiterin mit Kleemähen beschäftigt.
Am Rand der Au standen Männer mit Fässern, welche bei Bombengefahr die Au vernebelten um den Fliegern die Sicht zu nehmen. Die Sirenen hatten geheult, das hieß: Vorwarnstufe, bringt Euch in Sicherheit, die Bomber kommen!
Die Männer warnten uns, wir sollten nach Haus fahren. Meine Großeltern wollten die Arbeit aber fertig stellen. Über uns hörten wir schon die Flugzeuge, als Bojan nach oben auf brennende Maschinen zeigte und zum Nachhause fahren drängte. Wir fuhren zuerst mit dem Pferd, danach Bojan und zuletzt Bronka mit den Ochsen."  


Hedwig Halmer, Mitterstockstall
"Als Kinder waren wir oft bei Onkel und Tante, die selbst keine Kinder hatten, zu Besuch. Die französischen Zwangsarbeiter, die eine Zeit lang bei ihnen arbeiteten, waren sehr freundlich zu uns. Sie kochten gerne selbst. Einmal gaben sie mir etwas zu kosten, das gar nicht schlecht schmeckte. Doch als sie mir dann sagten, dass es Schnecken waren, lief ich hinaus und übergab mich. Meine Tante warf den Topf gleich weg. Gegessen habe ich von den Soldaten dann nichts mehr."

Ausländische Erntehelfer in Oberstockstall
Foto: Hedwig Halmer, Mitterstockstall
  

 

Franz Pösinger, Frauendorf
"In Frauendorf waren bald nach dem Sieg über Frankreich im Jahr 1940 Franzosen als Hilfskräfte für die Landworte stationiert worden. Auch wir hatten einen „Fremdarbeiter“ beantragt. Er stammte aus der Gegend um Lourdes. Er konnte ein wenig Deutsch und lernte es während seines Aufenthaltes hier sehr gut. Mit seiner Frau zu Hause stand er ständig in Verbindung, hat von ihr auch Päckchen bekommen. Er wohnte nicht im Haus, sondern mit den anderen Kriegsgefangenen zusammen. Die meisten Franzosen hatten zu ihren Dienstgebern ein sehr gutes Verhältnis, die Verbindung riss bei einigen auch später nicht gleich ab. Wir lernten neue Rezepte kennen, er kochte, wie alle Franzosen, gerne Schnecken, auch unsere Morcheln hat er gekannt.  Er hat Tabak angebaut und zum Trocknen aufgehängt. Eines Tages hatte ich, damals etwas über 10 Jahre alt, Gelegenheit, mit seinem Tabak eine Zigarette zu drehen und das Rauchen zu versuchen. Drei Tage lang wäre ich lieber tot als lebendig gewesen – so habe ich mir für immer das Rauchen abgewöhnt. 
Die Franzosen waren fast den ganzen Krieg lang da. Am Sonntag hatten sie frei, da konnten sie machen, was sie wollten. Meist sind sie dann gemeinsam ins Dorfgasthaus Riegler gegangen.
Gegen Ende des Krieges, als die Russen schon in Wien waren, sind wir Kinder der Sicherheit halber nach Mitterstockstall zu einer Familie gekommen. Von dort aus gingen wir einmal nach Kirchberg und haben in der Trafik für unseren Franzosen Tabak geholt, der sich darüber sehr gefreut hat."

Kriegsarbeiter bei Familie Schragner, Oberstockstall
Bild; Hedwig Halmer, Mitterstockstall
 

Franzose als Koch
Eine Absdorfer Familie hatte eine Franzosen als Arbeiter zugewiesen bekommen, der sehr gut kochen konnte. Er bereitete damals schon Pommes frites zu, die man in Österreich sonst noch lange nicht kannte. Aber die Froschschenkel, die er ebenfalls kochte, wollte keiner der Familie essen. 
 

Das Verhältnis zu den französischen Arbeitern war häufig ein sehr gutes. Es gibt einige Familien in der Umgebung, die noch jahrelang Briefkontakt pflegten und die sich sogar später gegenseitig besuchten.   

Im Keller der Familie Eckart in Engelmannsbrunn
hat sich ein Französischer Arbeiter verewigt
  

 

 

 

 

Kriegsende

Zwangsarbeiter, vor allem solche aus dem Osten, die von ihren Dienstgebern schlecht behandelt worden waren, rächten sich bei Kriegsende bitter für die erlittenen Erniedrigungen und raubten, plünderten und vergewaltigten im Gefolge der russischen Besatzer.  

Pfarrchronik Altenwörth: Endlich am 8.V.  um 1 Uhr zog die SS ab und um 3 Uhr desselben Tages war Waffenstillstand. Deutschland wurde vollständig besiegt und Österreich wurde wieder ein selbständiges Land. Freilich, was nachfolgte, war traurig. Die Rußen hatten furchtbar gehaust. Plünderungen, Schändung von Frauen u.s.w. war an der Tagesordnung. Die Keller wurden fast alle erbrochen u. Wein samt Fässer gestohlen; viele hl Wein ließen sie mutwillig ausrinnen. 80 % des Viehstandes wurden von den Rußen weggenommen, dabei haben ihnen die fremdländischen Arbeiter, die noch hier waren, gute Dienste geleistet. Hier in Altenwörth war es nicht so arg wie in den umliegenden Ortschaften. Pfarrhof und Kirche wurde nicht gestohlen oder geplündert.“ 

Pfarrchronik Kirchberg: Am ärgsten trieben es die im Gefolge der Truppen mitziehenden Ostarbeiter. Nur die allernächste Nähe der Kommandantur, die im Gerichtsgebäude sich habilitiert hatte, schützte vor diesen Greueltaten. Und nicht einmal diese. Denn selbst die Bewohner des Gerichtsgebäudes, die binnen einer Stunde ihre Behausung räumen mußten, wurden ihrer Habe beraubt…“ 

Die Schulchronik von Kirchberg berichtet dasselbe: Polnische „Ostarbeiter“  usw. plünderten, raubten, führten Russen zu ihnen bekannten Verstecken ihrer einstigen Arbeitgeber. Keller- und Hauseinbrüche gab es viele. Die kriegsgefangenen Franzosen waren fast ausnahmslos anständig. Kraftfahrzeuge, Fahrräder, Schmuck, Uhren, Vieh usw. wurden weggenommen. Nicht selten waren Fälle von Notzucht.“ 

13.5.1945: Der Landrat von Krems an den Statthalter von Niederdonau: „Der Durchzug der russischen Armee hielt volle 2 Tage, bis 11.5. an. Während dieser Zeit kam es zu Ausschreitungen und Plünderungen, die durch den Mob veranlasst wurden. In Krems und Umgebung waren nämlich ziemlich viele Fremdarbeiter aller Nationalitäten zusammengezogen worden, die im ersten Taumel der erlangten Freiheit in Geschäfte einbrachen und dort Verwüstungen anrichteten. Auch Privatwohnungen wurden aufgesucht und dort Gewalt hauptsächlich an Sachen, weniger an Personen, verübt. Diesen Exzessen wirksam zu begegnen, fehlte es dem Gemeinderate an einer gesetzlichen Ordnungsgewalt. Der Gemeinderat musste sich damit begnügen, das Schlimmste zu verhüten, was schliesslich auch gelang. Festzuhalten ist,  dass trotz der turbulenten Zustände es wenigsten nicht zu Verletzungen geschweige denn Tötungen von Bewohnern der Stadt Krems gekommen ist.

Heute am 13.5. wurde eine Säuberungsaktion seitens des russischen Militärs durchgeführt. Sämtliche herumstreifende Soldaten, Fremdarbeiter und Kriegsgefangene wurden angehalten und in der Kaserne interniert, sodass die Ruhe und Ordnung in der Stadt wieder hergestellt sind.“ 

Herr Leopold Grill: „Als der Krieg zu Ende war und die Russen kamen, brauchten die bei der Flak tätigen Zwangsarbeiter eine Bestätigung darüber, aus welchem Grund sie hier gewesen waren. Mein Vater, der Bürgermeister war, stellte ihnen diese Bescheinigung aus. Einer kam nicht zum Bürgermeister, sondern versteckte sich in einem Haus, wo man ihm auch zu Essen gab. Doch bald wurde es dem Hausbesitzer zu gefährlich, da beim Auffinden des Versteckten er auch erschossen worden wäre, also schickte er den Mann weg. Die Russen, die ihn aufgriffen, machten mit ihm kurzen Prozess und erschossen ihn. Der Bürgermeister musste ihn mit einem Helfer begraben.“ 

 

Februar 2014
Maria Knapp