Der Anschluss an Hitler-Deutschland

 

Letzte Änderung: 24.10.2014

 

Pfarrchronik Kirchberg am Wagram

…Wie eine Erlösung wurde daher der am 11. März erfolgte Anschluß an das große Deutsche Vaterland begrüßt.

Mit ungeheuren Jubel hielt der Führer Adolf Hitler seinen Einzug in Österreich, das sich bei der am 10. April erfolgten Volksabstimmung fast einmütig (97 Pr) für den Anschluß an das Deutsche Reich erklärte.

Die Volksabstimmung am 10. April ergab in fast allen eingepfarrten Gemeinden 100 %-Ja Stimmen für den Anschluß, in Kirchberg selbst nur „Ja“, nicht ein einziger stimmte mit „Nein“. Der Mindestpreis für Wein wurde mit 50 g festgesetzt. Die Arbeitslosigkeit wurde mit allen Mittel bekämpft, so daß sich bald die segensreichen Folgen des Anschlusses in materieller Hinsicht zeigten.

Das Pfarramt selbst hatte in dieser Zeit ungeheuer viel Arbeit mit der Ausstellung von Scheinen zwecks Erbringung des Ariernachweises. Armen, Arbeitslosen und jung verheirateten wurden die Scheine unentgeltlich ausgestellt. Der Pfarrer mußte, nachdem er Monate hindurch täglich 14-16 Stunden in der Kanzlei gearbeitet auf Krankenurlaub gehen.

 

Lorenz Dienbauer, Kaplan in Kirchberg von 1937 - 1940 

Pfarrer Pelzmann pflegte auch mit den in Kirchberg sehr stark national orientierten Kreisen einmal wöchentlich in einem Gasthaus Kontakt, was uns dazu verhalf, den Umbruch im März 1938 leichter zu überstehen. 

 

In den Umbruchstagen 1938 hatten wir gerade Volksmission, deren Leiter der bekannte und beliebte Volksmissionar P. Hartmann Staudacher OSF aus Wien war. Er und seine Mitarbeiter aus dem Franziskanerkloster in Wien verstanden es, die Menschen zu begeistern und anzuziehen. Während schon die blutroten Fahnen der NSDAP von den Dachfenstern herableuchteten, hielt P. Hartmann auch beim Kriegerdenkmal im Ort in Anwesenheit einer großen Volksmenge eine Kriegerehrung, dass sogar die Nazis die Köpfe einzogen. Es war ein richtiger Volksauflauf, wahrscheinlich auch eine sich Luft machende Reaktion auf die momentanen Ereignisse dieser Tage. Die neuen Machthaber in der Gemeinde haben radikal durchgegriffen, Bürgermeister Gläser und seine Mitarbeiter aus der VF im Bezirksgericht Kirchberg eingekerkert und schlecht behandelt. Bürgermeister Gläser war der Bruder des damaligen Pfarrers von Breitenwaida bei Hollabrunn. Die gesamte Pfarrbibliothek wurde beschlagnahmt und am Dachboden des Gemeindehauses verwahrt.  

 

Der Umbruch brachte für die Arbeit in der Pfarrkanzlei schwere Belastungen infolge der Ariernachweise, an denen viele Menschen interessiert waren. Um das zeitraubende Herumsuchen in den alten Matriken ohne Inhalts- und Namensverzeichnis zu erleichtern, habe ich mich entschlossen, alphabetische Verzeichnisse nach Jahreszahlen und Seitenangaben geordnet, anzulegen und zwar für alle vorhandenen alten Matrikenbücher. Es war eine mühsame Arbeit, die sich aber bezahlt machte. Die Pfarrhaushälterin war eine große Hilfe beim Schreiben der Scheine, um den Ansturm bewältigen zu können.

 

Für kurze Zeit musste ich auch den Religionsunterricht in Bierbaum am Kleebühel und dem dazugehörigen Utzenlaa übernehmen, da der dortige Pfarrer, H. Herr Drach beim Schwarzhören erwischt und eingesperrt worden war. Meine Tätigkeit in den vielen Schulen war freilich mit großen körperlichen Anstrengungen verbunden. Die Wege waren weit und im Winter oft nur zu Fuß erreichbar, weshalb ich auch Stiefel besaß. Wenn es aber nur irgendwie ging, benutzte ich mein Steyrer Waffenrad. An jedem Mittwoch zelebrierte ich um sieben Uhr früh in Neustift im Felde, samstags um die gleiche Zeit in Winkl. Im Anschluss daran hielt ich in den beiden Schulen den Unterricht ab. Die Schulleiter waren mir immer gut gesinnt. 

 

In dieser Zeit des Bespitzeltwerdens hatte man oft das Gefühl der Isoliertheit. Umso dankbarer war man daher für die gute Aufnahme in verschiedenen Familien, wie bei Weidinger, Mossbauer, Gemeindesekretär Hutterer und Inspektor Schnauer. Bei ihnen fand man Entspannung und Aufmunterung, freilich erst immer am Abend. 

 

Eines Tages kam die Nachricht, dass ein schönes und wertvolles Wegkreuz zertrümmert worden war, welches am Weg nach Engelmannsbrunn stand. Sonntags darauf hielt ich eine Kreuzpredigt, in der ich natürlich meiner Empörung über diese Untat Luft machte.   

 

Die Annexion Österreichs durch Hitler brachte es mit sich, dass man besonders als Priester nicht verschont blieb von unliebsamen Vorkommnissen. Eines Sonntags nach dem Spätgottesdienst wurde ich auf dem Weg zum Pfarrhof von einem bekannten, jungen Gymnasiasten, dem Sohn eines Kirchberger Volksschullehrers frech angesprochen, indem er sagte. “Herr Kaplan, wenn Ihnen Ihr Aufenthalt hier in Kirchberg weiterhin recht sein soll, dann unterlassen Sie Äußerungen über Kirchenaustritte in der Öffentlichkeit etc.“ Ich selbst war über diese Art der Anrede nicht gefasst und gab ihm zur Antwort, wenn er mir etwas zu sagen habe, möge er dies nicht auf der Straße tun, sondern ins Pfarrhaus kommen, ließ ihn stehen und ging davon. Die Folgen stellten sich aber bald ein. Ich war nämlich einige Zeit früher von einer Lehrerin der Volksschule Engelmannsbrunn gefragt worden, ob es wahr sei, was man höre, dass ein Geschäftsmann von Kirchberg aus der Kirche ausgetreten sei. Es steckte hinter dieser Frage sicher keine böse Absicht, sondern Neugierde. Ich bejahte, und siegessicher ging sie zu ihren Bekannten und sagte ihnen, dass dieser wirklich aus der Kirche ausgetreten sei. Sie habe es von kompetenter Seite, nämlich vom Herrn Kaplan Dienbauer erfahren. Das blieb natürlich nicht geheim, sondern auch der Betroffene erfuhr davon. Er machte eine Anzeige und unterschob mir böse Absicht, seinen Kirchenaustritt deswegen propagiert zu haben, um ihn geschäftlich zu schädigen, da die Bauern und die Bevölkerung bei ihm nicht mehr einkaufen würden, wenn sie von seinem Austritt erfahren. Geradezu lächerlich!  

 

Prompt wurde ich auch binnen kurzer Zeit zur Gestapo nach Wien I., Morzinplatz gerufen. Am bestimmten Tag besuchte ich vorher noch H. Prälat Wagner, der bei der Gestapo anrief und um Auskunft fragte. Jedenfalls wusste man bei der Gestapo nun, dass auch das Ordinariat von meinem Fall wusste. Von der Gendarmerie in Kirchberg war mir nach Einholung einer Auskunft über mein politisches Verhalten ein gutes Zeugnis ausgestellt worden, und so ging ich zuversichtlich in das Gestapohaus. Dort wurde ein Protokoll geschrieben, das nicht in allen Punkten richtig war. Der Beamte hat tatsächlich alles richtiggestellt. Ich habe der Lehrerin gegenüber ja nur deshalb ihre Frage bejaht, weil sie mich gefragt hat. Dann unterschrieb ich. Der letzte Satz lautete: Dies alles wurde mit eröffnet und falls nochmals ähnliches vorkommen sollte, hätte ich die schwersten polizeilichen Strafen zu gewärtigen. Der Beamte war offensichtlich kein Bösewicht, denn er reichte mir zum Abschied sogar die Hand und sagte, ich brauche keine Sorge mehr zu haben, die Sache sei erledigt. 

 

Quelle:
Wiener Katholische Akademie, Erinnerungen eines Wiener Diözesanpriesters, 1978, aus dem Nachlass von Pfarrer Lorenz Dienbauer 

 

Pfarrchronik Altenwörth

Die Märztage 11. – 13. werden für unser Vaterland ein Markstein in der Geschichte bleiben. Die Regierung Schuschnigg mußte zurücktreten und Österreich wurde an das Deutsche Reich angeschlossen. So ist natürlich auch Österreich nationalsozialistisch geworden. Daher wurden in allen Gemeinden natürlich auch die Bürgermeister abgesetzt und neue eingesetzt, die schon früher bei der nationalsozialistischen Partei waren. Diese plötzliche Umänderung verlief verhältnismäßig ruhig; allerdings hier in Altenwörth ließ man den alten Bürgermeister anfangs keine Ruh bis sich der neue Bürgermeister seiner tatkräftig angenommen hat. Der Alt-Bürgermeister Johann Waltner hat in der Gemeinde sehr gut gewirtschaftet; bei der Übergabe, die über Nacht erfolgte, konnte er über 6.000 Schilling an Gemeindegeldern übergeben. Nun über dieses große geschichtliche Ereignis wir ja bestimmt einmal ein eigenes Geschichtsbuch erscheinen.

Mit 1. August wurde in unserem Vaterland die Civil-Ehe eingeführt. Die kirchliche Trauung wurde zwar so gelassen wie es früher war, doch muß der kirchlichen Trauung immer die standesamtliche vorausgehen. Die kirchliche Trauung allein ist staatlich ungültig, ja jeder Pfarrer, der eine Trauung vornimmt, ohne daß vorher das Brautpaar standesamtlich getraut wurde, wird staatlich empfindlich gestraft (2.000 RM).

Mit Beginn des neuen Schuljahres wurden in unserem Vaterland sämtliche Privatschulen gesperrt. Was nun alle Lehrer in den Privatschulen (Klosterfrauen, Schulbrüder u.s.w.) anfangen werden, ist noch eine Frage.

Durch den Anschluß an das Deutsche Reich müssen auch bei uns alle Beamten, Angestellten, Lehrer u.s.w. ihre arische Abstammung nachweisen und zwar wenigstens bis zu den Großeltern. Zu diesem Zwecke mußten die Pfarrämter die nötigen Scheine ausstellen; diese Scheine aber blieben ungestempelt und galten nur für den Ariernachweis. Hier wurden über 1.000 solche Matrikenscheine von März bis Dezember ausgestellt. Von weit und breit sind die Leute darum gekommen; vielfach sind diese Scheine auch per Post weggeschickt worden. In der Regel kostete ein Schein 0,60 RM; für arme Leute wurden sie gratis ausgestellt. (Für den Pfarrer war es schon ein schönes Nebeneinkommen). Anfangs Mai wurde auch die Deutsche Währung bei uns eingeführt. 1 Reichs Mark = 1,50 Schillinge.

So ist das Jahr 1938 hinabgesunken in das Meer der bisherigen. Für das Deutsche Volk aber wird dieses Jahr ein denkwürdiges bleiben für die ganze Zukunft. 

 

Schulchronik Bierbaum

Durch die unhaltbaren Zustände, welche die Unterdrückung des Nationalsozialismus durch die Regierung Schuschnigg in Österreich hervorrief, berief Reichskanzler Adolf Hitler den damaligen Kanzler Schuschnigg zu sich nach Berchtesgaden, wo eine 10-stündige Unterredung stattfand, in der Schuschnigg dem Reichskanzler eine Erleichterung des Loses der österreichischen Nationalsozialisten zusagte. Es wurde auch der Vertraute des Führers, Reichsanwalt Dr. Seiß-Inquart zum Innenminister berufen. Anstatt die gegebenen Zusagen einzuhalten, wurde aber Schuschnigg wortbrüchig und schrieb eine Volksbefragung aus, die innerhalb 3 Tage durchgeführt werden sollte. Es sollte weder Wählerlisten geben noch irgend eine andere Erlassung der Wähler. Stimmzettel gab es nur mit dem Vordruck „ja“. Wer mit „nein“ stimmen wollte, mußte sich den Zettel selbst mitbringen. Diese Volksbefragung sollte am 13. März 1938 durchgeführt werden. Wäre sie abgehalten worden, so wäre dies der größte Wahlschwindel aller Zeiten gewesen. Nun erhob sich die nationale Bevölkerung Österreichs. In Demonstrationen in allen Orten und Städten Österreichs, kam der Unwille über diese Volksbefragung zu Tage. Unter diesem Drucke erklärte Schuschnigg am Abend des 11. März seinen Rücktritt. Zum Bundeskanzler wurde der bisherige Innenminister Dr. Seiß-Inquart ernannt. Dies war in den ersten Morgenstunden des 12. März. Da sich die gestürzte christliche Regierung noch in letzter Minute mit den Kommunisten verband und an diese Waffen auslieferte, forderte Bundeskanzler Seiß-Inquart, um ein Blutbad zu verhindern, von Reichskanzler Adolf Hitler deutsche Truppen zum Schutze Österreichs an. 

Am 12. März überschritten die ersten deutschen Truppen die österreichische Grenze und zogen unter dem unbeschreiblichen Jubel der Bevölkerung in Österreich ein. An ihrer Spitze überschritt der Führer und Reichskanzler selbst bei Braunau am Inn die Grenze, um seine geliebte Heimat in Schutz zu nehmen. 

Am 13. März 1938 verkündete der Führer in Linz: „Österreich ist ein Bestandteil des deutschen Reiches“. Der langersehnte Anschluß an das große deutsche Mutterland war vollzogen. Groß-Deutschland war gegründet, der Sehnsuchtstraum vieler Jahrhunderte erfüllt. Die Fahrt des Führers von Braunau über Linz nach Wien war eine einzigartige Triumphfahrt des Führers durch Österreichs Gaue. In Wien traf, unter unbeschreiblichem Begeisterungstaumel, der Führer am Montag den 14. März 1938 in. 

Für 10. April ordnete Adolf Hitler eine Volksabstimmung in ganz Österreich an, gleichzeitig wurde der Deutsche Reichstag aufgelöst und ebenfalls für 10. April Wahlen ausgeschrieben. 

Infolge des nationalen Umschwunges wurden die gesamten Schulen Österreichs vom 12. – 16. März geschlossen. Am Mittwoch den 16. März fand in hiesiger Schule eine eindrucksvolle Feier statt, in der den Schülern der Sinn und Zweck des großen Umbruches vor Augen geführt wurde. Zum erstenmale erklang wieder des Deutschland- und das Horst-Wessel-Lied. 

Am Freitag den 18. März wurde der Unterricht wieder aufgenommen. Um die Mittagsstunde aber trafen deutsche Truppen von Heiligeneich kommend hier ein und die beiden Klassen mußten für die Unterbringung der Soldaten geräumt werden. 240 Mann blieben von Freitag bis Samstag in Bierbaum und Frauendorf, davon nächtigten 37 im Schulgebäude. 

Am 10. April 1938 fand im ganzen Großdeutschland eine Volksabstimmung statt, die ein überwältigendes Ergebnis brachte. In unserem Orte Bierbaum wurde zu 100 % mit „ja“ gestimmt. 223 Stimmberechtigte bekannten sich geschlossen zu unserem Führer Adolf Hitler. Das Abstimmungsergebnis im ganzen Deutschösterreich lautete mit 99,75 %, in ganz Großdeutschland 99,5 % der Stimmen mit „ja“. 

Anläßlich des überwältigenden Abstimmungsergebnisses in Bierbaum wurde eine würdige Siegesfeier abgehalten, die der Oberlehrer zusammenstellte. Mit klingendem Spiel zog um 6 Uhr abends von der Schule weg SA, BDM, HJ und Jungvolk, sowie Feuerwehr und Kriegerverein nach Frauendorf und wieder zurück, wobei fröhliche Lieder gesungen und Sprechchöre gerufen wurden. Zum Abschluß hielt Oberlehrer Karl Kohlhauser eine kurze Ansprache in der die Feier des Tages gewürdigt wurde.

 

Schulchronik Winkl

Ich will hier die Entwicklung der schicksalsschwersten und größten Epoche, die wir deutschen Ostmärker, so lange wir auf dieser heiligen Heimaterde sind, erlebt haben, nicht chronologisch aufzeichnen, da die Kenntnis dieser Entwicklung Gemeingut ist und für alle Geschlechter deutschen Blutes für alle Zeiten auch nach uns sein wird, sondern will nur für den Ort bedeutsame Daten hier festhalten....

 

Schulchronik Utzenlaa

Ein denkwürdiger Tag! Auch in unserem kleinen Ort war es mit Aufregung und Spannung ausgefüllt. Am 13.3. sollte die am 9.3. in Innsbruck…

Dieses Blatt wurde vor der Besetzung durch die Russen entfernt und vernichtet. Im letzten Augenblick vergrub der Leiter der Schule mit seinen Sachen das Buch. Es wird nun aus dem Gedächtnis wieder ergänzt.         

....proklamierte Volksabstimmung für Österreich stattfinden. Die Schule wurde gereinigt, da die Klasse als Abtsimmungslokal ausersehen war. Die Stimmung im Dorf war geteilt. Abends hörte der Leiter der Schule im Radio die Entwicklung der Dinge an und den Jubel aus Wien, als die Abdankung Schuschnigg´s verkündet wurde. Früh wurde die rot-weiß-rote Fahne, mitten mit einem Hakenkreuz, gehißt. Das erste Hakenkreuz in Utzenlaa. Auch die Verlautbarung wurde angeschlagen, daß der 12.3. schulfrei ist, wegen der nationalen Erhebung in Österreich.

13.3.: Staunen und Erregung rufen die große Menge Flugzeuge hervor, die unsere Gegend überfliegen. Das Radio ist belagert, alles will die von Dr. Göbbels verlesene Proklamation hören.

15.3.: Der Führer Adolf Hitler in Wien! Die Schulkinder und viele Leute hören beim  Radio die Vollzugsmeldung des Anschlußes Österreichs an das Deutsche Reich.

18.3 : Deutsche Soldaten kommen! Im Klassenzimmer ist der Tagraum, veir Mann und der kommandierende Offizier nächtigen in der Schule.

19.3.: Abfahrt der Soldaten, herzlichste Verabschiedung!
Schulfeier. Mitten am Tisch steht ein Führerbild. Die Kinder lernen die Hymnen und den deutschen Gruß.

 

Zeitzeugen  

Leopoldine Popp, Paudorf
Jahrgang 1925, geb. Leuthner, Kollersdorf 

Als der Umsturz kam: Wir lagen morgens nichtsahnend im Bett, als es draußen laut wurde. Rasch liefen wir zum Fenster und blickten hinaus. Da marschierten Leute durch, Ortsbewohner und Fremde, ein Auto fuhr voraus, ein Fahnenträger folgte. Es stellte sich bald heraus, dass einige Ortsbewohner im Untergrund schon die Nazi-Ideologie begrüßt hatten und sich jetzt als die Führer im Ort betrachteten.  

In der Folge mussten fast jeden Sonntag die Häuser beflaggt werden. Uns hat eine Wiener Tante den Stoff für diese gebracht, denn wenn man sich nicht an diese Verpflichtung hielt, hatte man mit Strafen zu rechnen. Die Mädchen gingen zum BDM, die Burschen zur HJ.

 

Anna Schabl, Königsbunn
Jahrgang 1916 († 2007), geb. Zehetner, Neustift

Im Jahre 1938 marschierte Hitler-Deutschland ein und annektierte unser Land.Es gab Aufmärsche und Jubel bis zur Ekstase und Hysterie. Lange Zeit schmückten Hakenkreuzfahnen an jedem Haus die Orte. Es war für einen Andersdenkenden eine verrückte Zeit. Doch dieser Jubel dauerte nicht allzulange. Hitler hat in seinem Größenwahn viele Länder Europas „beglückt“. Der allgemeine Gruß galt nicht mehr „Guten Morgen“, „Grüß Gott!“, sondern „Heil Hitler.“

 

Anna Sieberer, Jahrgang 1925, Absdorf
Im Abstand von etwa 2 Wochen sind – getrennt - jeweils eine Böhmin und eine Jüdin nach Absdorf gekommen, um ihre Waren anzubieten. Die Böhmin hatte Strümpfe, Schnürriemen etc. zu verkaufen. Die Jüdin kam mit Stoffmustern, aus denen man sich aussuchen konnte, das nächste Mal brachte sie dann den gewünschten Stoff mit.  

Nach dem Anschluss warteten die nun nicht mehr „Illegalen“ und die Hitlerjugend schon auf die Jüdin. Mit Hallo trieben sie sie durch den Ort. Sie hängten ihr ein Schild um, das sie als Jüdin kennzeichnete. Da wir einen Stoff von ihr bekamen, kam sie mit dieser ganzen Schar zu uns, um ihr Geschäft abzuwickeln. Sie fuhr dann wieder ab und wurde bei uns nicht mehr gesehen.

 

 

Dezember 2013
Maria Knapp