Der Deutsche Krieg von 1866

 

Letzte Änderung: 10.8.2016

 

Der Deutsche Krieg von 1866, ursprünglich als Preußisch-Deutscher Krieg bezeichnet, war die kriegerische Auseinandersetzung des Deutschen Bundes unter Führung Österreichs mit Preußen und dessen Verbündeten.

 

Volksblatt für Stadt und Land, 18.6.1874
 
Auszug aus:
Die Hexe von Endor. Erzählung aus dem Kriegsjahr 1866, Von Justus Felix. (Fortsetzung.)
5. Kapitel: Die Spione.
 
"Nach der unglücklichen Schlacht bei Königgrätz nahmen die Kriegsereignisse einen raschen Verlauf. Der Kaiser Franz Josef telegraphierte am 5. Juli nach Paris und machte dem Kaiser der Franzosen Venetien zum Geschenke, mit der Bitte den Frieden zu vermitteln und die siegreiche Südarmee wurde zum Schutze des Reiches nach Oesterreich dirigirt.
Obwohl die Preußen in ihrer ersten Siegestrunkenheit an eine weitere Verfolgung der Oesterreicher nicht dachten, vielleicht in Folge der großen Verluste, die auch sie zu beklagen hatten, nicht denken konnten, war die Lage der Nordarmee dennoch viel trostloser, als man vermuthet hatte. Und doch hat diese Armee tapfer und heldenmüthig gekämpft: bis zwei Uhr Nachmittags hat sich sogar der Sieg entschieden auf die Seite Oesterreichs geneigt. Nachdem aber die Truppen gesehen hatten, daß die Führer die Schlacht preisgeben und in der Flucht ihr Heil suchten, ergriff sie panischer Schrecken und sie flohen, wo sich ihnen ein Weg zur Flucht darbot, die einzelnen Regimenter kamen durch einander und zerstreuten sich und – Alles floh in wilder Flucht. Durch die zahlreichen Wagen, die ein nothwendiges Uebel großer Armeen sind, waren die Straßen verrammelt, die Festung Königgrätz, wo zahlreiche Truppen Schutz suchten, war mit Wassergraben umgeben, die Elbe versperrte den Fliehenden den Weg und Tausende, die die mörderische Schlacht verschont hatte, fanden in den Wellen derselben ihr Grab. Von dem Unglücke, Jammer und Elende einer geschlagenen Armee kann sich ein Unbetheiligter keinen Begriff machen und der Sprache fehlen die Worte, um dieses Elend in ihrer ganzen Größe schildern zu können, dies gilt besonders von der Schlecht bei Königgrätz, Freund und Feind versicherten ja, daß die Geschichte kein zweites Beispiel einer solchen Niederlage, einer solchen Flucht zu verzeichnen hatte; erst der Zukunft war es vorbehalten, Königgrätz durch Sedan zu verdunkeln. – Benedeck war nicht mehr im Stande, die Truppen vollständig zu vereinigen; er wandte sich mit den gesammelten Trümmern gegen Olmütz, nur das am meisten zerrüttete 10. Armeekorps und eine Reiterdivision entsandte er nach Wien.
Nachdem die Preußen mit Staunen und Verwunderung die Größe ihres Sieges erkannt hatten, zögerten sie auch nicht, denselben auszunützen und zogen, ohne sich um die österreichischen Festungen, selbst Olmütz inbegriffen, viel zu kümmern, mit ihrer Hauptarmee auf Wien los, am 13. Juli kamen sie nach Brünn, schon am 18. verlegte der König von Preußen sein Hauptquartier nach Nikolsburg.
Auch Oesterreich handelte rasch, um zu retten, was zu retten war. Die österreichische Hauptarmee wurde um Wien und am rechten Donauufer von Wien aufwärts bis Mautern konzentrirt und die Donaulinie durch zahlreich Schanzen in Vertheidigungszustand versetzt und hiermit war auch das Tullnerfeld zum Kriegsschauplatze gestempelt.
Jedes Dorf, jedes Haus war mit Truppen belegt, kein Tag verging, wo nicht auf den Straßen Regimenter auf und niederzogen.
Bald kamen auch die Flüchtlinge aus Böhmen und Mähren mit Wagen und Gepäck, worunter oft ganz werthlose Gegenstände waren. Sie jammerten und lamentirten und meldeten Tag für Tag, daß ihnen die Preußen auf dem Fuße folgen, wenn man sich aber genau erkundigte, erfuhr man, daß sie von denselben eben so wenig etwas gesehen hatten, als wir. Diese Flüchtlinge und die aufgeworfenen Schanzen vermehrten im Tullnerfelde den Schrecken und die Verwirrung bis ins Unglaubliche. Die Ernte stand in den Feldern, sie war reif, harrte der Schnitter und hatte von den durchmarschirenden Truppen viel zu leiden – allein nur Wenige dachten daran. Die Leute standen müßig in den Ortschaften und an der Donau herum und forschten nach Neuigkeiten und nach den Preußen oder – sie waren mit dem Vergraben ihres werthvolleren Eigenthums beschäftigt.
Nachdem auch noch die Kirchenthürme, besonders an der Donau, mit Observationsposten belegt wurden, nachdem in den Auen am linken Donauufer die Brücken niedergebrannt wurden und auch die Trümmer der in die Luft gesprengten Steinerbrücke herabgeschwommen kamen, erreichte die Angst und Verwirrung die höchste Stufe, so daß auch im Tullnerfelde die Auswanderung begann. Zahlreiche Familienväter schickten ihre Familie fort ins Gebirge gegen Türnitz und Annaberg zu; auch das Vieh wurde in Sicherheit gebracht.
Ueber die genaue Terrainkenntniß des Preußen gingen die sonderbarsten Gerüchte; jeder Weg und Steg soll ihnen bekannt gewesen sein; ja es verbreitete sich die Sage, daß ihnen der Name, die Lage und die Vermögensverhältnisse jedes Hauses bekannt seine. Uebrigens schienen sich die Preußen hiermit eine vergebene Mühe gemacht haben; denn mehrmals wurden Stimmen laut, die sagten: „Die Preußen sollen nur kommen, wir werden ihnen schon den Weg zeigen zu jenen Häusern, wo etwas zu finden ist.“ – Solche gemeine Kreaturen, die keinen Anstand genommen hätten, ihr Vaterland, ja selbst ihre Nachbarn zu verrathen, fanden sich auch dort. – Eines Tages kamen nach Altenwörth zwei preußische Offiziere, wovon der eine ein Stabsoffizier war, geritten, ganz ungenirt, als wären sie in ihrem Heimatlande und als gäbe es keinen österreichischen Soldaten mehr. Unter der Bevölkerung des Dorfes entstand eine große Aufregung, sie kümmerten sich aber nicht darum, ritten zum Gasthause an der Donaulände, banden ihre Pferde an einen Lattenzaun und gingen dann sich lebhaft unterhaltend und mit der Hand bald da, bald dorthin deutend, an der Donau auf und ab. Endlich frug der Stabsoffizier einen Bauer, indem er mit der Hand aufwärts wies: „Nicht war, guter Mann, dort ist das Weingarlwasser?“ Der Bauer bejahte die Frage und der Offizier wandte sich wohl befriedigt an seinen Begleiter und sagte: „Nun sehen Sie, daß ich recht habe.“ Hierauf begaben sie sich ins Gasthaus, aßen und tranken, bezahlten mit einem preußischen Thaler, bestiegen ihren Pferde und ritten davon.
Dieses Ereigniß wurde auch im Tullnerfelde bekannt und dasselbe war durchaus nicht geeignet die gedrückte Stimmung der Bewohner zu heben. Unterhalb Altenwörth war die Donau zu einem Uebergange sehr geeignet, besonders damals, wo der zur Zeit der anhaltenden Regengüsse im Juni und Anfangs Juli hohe Wasserstand rasch gefallen war, so daß eine Ueberbrückung der Donau vermittelst Pontons mit keinen besonderen Schwierigkeiten verbunden gewesen wäre. Dieses Unternehmen würde insbesondere der oberhalb Altenwörth in die Donau mündende Kampfluß sehr erleichtert haben; denn dort hätten die Pontons aufgestellt und mit Leichtigkeit in die Donau gebracht werden können.
Die Wahrscheinlichkeit, daß die Preußen unterhalb Altenwörth einen Versuch, oder wenigstens einen Scheinversuch, die Donau zu übersetzen, unternehmen würden, war also sehr groß; daher wurden auch von den Oesterreichern ganz mit Recht dort alle Vorbereitungen getroffen und insbesondere am rechten Ufer zahlreiche Schanzen aufgeworfen.
Diese theilweise sehr unzweckmäßig aus Schottergrund aufgeführten Schanzen stehen – wenn auch nicht mehr alle – noch heute: wahrscheinlich hat man sie stehen lassen – bis die Preußen wieder kommen. Da sie jetzt mit Gras überwachsen und sehr fest geworden sind, werden sie das nächste Mal sehr praktisch sein.
Aus den angeführten Gründen ergibt sich, daß die Lage der Ortschaften und Bewohner des Tullnerfeldes ziemlich kritisch war; die Gefahr war groß und die Angst noch größer.
Dazu kam noch die Furcht vor Verrath und Spionage. Das Wort Verrath durchschwirrte ja damals alle Kreise und kein Mensch war sicher, in der nächsten Stunde nicht als Spion eingezogen zu werden. Es war nicht einmal mehr rathsam spazieren zu gehen, wenigstens wurde ein Herr von Tulln, der dies zu thun wagte, als Spion in die Stadt zurückgeführt. Der Photograph von Tulln ging Geschäfte halber in eine der umliegenden Ortschaften hinaus, als Spion wurde er zurückgebracht. 
Gegen die allgemeine Vermuthung versuchten die Preußen oberhalb Wiens keinen Uebergang über die Donau, sondern sie wandten sich nach Ungarn hinab, wo Preußen und Italien einen Aufstand anzuzetteln bestrebt waren. Der Versuch scheiterte aber kläglich. …
Nachdem auf der Donau der Feind nicht mehr zu fürchten war, wurde die Schiffahrt, die seit dem 12. Juli eingestellt war, wieder eröffnet und die Herzen der Donauländler athmeten beim Anblicke der rauchenden Dampfer wieder auf." 

 

Der Tullner Bezirk im 18. und 19. Jahrhundert

Otto Biak, Heimatkalender des Tullner Bezirkes, 1960

„Während in Preußen bereits die Mobilmachung erfolgt war, glaubte man bei uns noch immer an eine Möglichkeit, den Frieden zu erhalten; so wurden im Mai an jedem Sonn- und Feiertag in den Kirchen Betstunden abgehalten, an denen sich die Bevölkerung auf obrigkeitlichen Befehl zu beteiligen hatte. Gleichzeitig schritt man auch zur Aufstellung eine niederösterreichischen Freiwilligenkorps, für das z.B. die Bürgerschaft Tulln 146 Gulden spendete.

Dann aber folgte Schlag auf Schlag und schon nach zweieinhalbwöchiger Dauer des Krieges erlitten wir die furchtbare Niederlage bei Königgrätz und den Preußen stand der Weg nach Niederösterreich offen.

Wie gelähmt stand die Bevölkerung diesen Ereignissen gegenüber. Die Gräuelpropaganda, die in der Neuzeit jeden Krieg begleitete, tat nun das ihre, aber sie hob den Mut nicht, sie schwächte ihn. Eilig begrub man, was man nur vergraben konnte.

Am 24. Juli standen die Preußen bereits in Groß-Weikersdorf, am 26. in Stetteldorf und das Land nördlich der Donau war jetzt vollständig in ihrem Besitz. Von Krems bis Preßburg stand eine Armee von 240.000 Mann zum letzten Kampfe bereit.

Um das Überqueren der Donau durch den Feind zu verhindern, wurden alle Zillen am nördlichen Donauufer zerstört oder über die Donau gebracht, alles Langholz in den Orten in Donaunähe mußte, um einen Brückenbau zu verhindern, klein geschnitten werden; Stege und Brücken über die Donauarme wurden abgebrochen, wie z.B. in Tulln die „Lange Brücke“ in der Au.

Teile des österreichischen Heeres hatten sich südlich der Donau aufgestellt.

Die Preußen hielten in den besetzten Orten gute Disziplin. Freilich hatte fast jeder seine Einquartierung (in Ottenthal hatte jedes Haus ein Pferd zur Fütterung und einen Mann zur Verpflegung), es wurde auch requiriert, aber alles wurde mit Geld bezahlt. Die Soldaten, vor denen man sich so sehr gefürchtet hatte, zeigten sich von den besten Seiten, sie halfen in der Wirtschaft, spielten mit den Kindern und zahlten, was sie außer ihrer Verpflegung brauchten.

Beide Heere litten furchtbar unter der Cholera, die mit ein Grund zum baldigen Abschlusse eines Waffenstillstandes (22. Juli) war.“

 

Bezüglich des Krieges

Pfarrer Karl Größinger in der Altenwörther Pfarrchronik, 1866

„Womit der große Taschenspieler an der Seine, Napoleon III. durch seine ländergierigen Werkzeuge salva venia Victor Emanuel von Italien, und Wilhelm von Preußen in diesem Jahre Österreich verheert hat, kann ich bemerken, daß die hiesige Gegend, Gott seis gedankt! mit der bloßen Angst davon gekommen sei. Wir sahen weder Preußische Zündnadelgewehre noch hielt Österreichisches Militär das dießseitige Donau Ufer besetzt. Nur eine Compagnie Pioniere mit 2 Offizieren wurde hirher commandiert um die Ortsbewohner zu verhalten und selbst Hand anzulegen, daß die Schiffmühlen, alle Schiffe, Plätten, Zillen und alles Lang- und Bauholz auf das jenseitige Ufer nach Zwentendorf oder nach Wien abgeführt worden sind. Diese Vorkehrung hatte zum Zwecke, daß bei einem eventuellen Donau-Übergange dem Feinde das Materiale zum Brückenschlage möglichst entgangen sei. Aus dem Grunde wurde auch die Donau-Brücke zu Stein wie alle anderen Brücken diesseits der Donau abgebrandt und alle Communication unterbrochen. Das jenseitige Ufer hingegen war mit Militär Schanzen und Kanonen wie übersät, wodurch die betreffenden Ortschaften nicht wenig gelitten haben. Abgesehen, daß alle Häuser, Scheunen etc. mit Soldaten überfüllt waren, so bemächtigte sich die Cavallerie der bereits eingebrachten Futtervorräthe; die bebauten Ackerfelder wurden zertreten, die Erdäpfel ausgegraben, die Mandel aufgelassen und als Nachtlager von den campierenden Truppen verwendet. Hierher kam aus den jenseitigen Auen täglich eine Jäger-Patrouille über die Donau gefahren um nach Spionen zu fahnden. Nur einmal brachte sie an einem Sonntage Nachmittags 2 stämmige, dem Äußeren nach dem Handelsstande angehört habende Männer ein, die sie in Oberabtsdorf aufgegriffen und mittelst Zille von hier an das jenseitige Ufer geschafft haben, um des anderen Tages nach Wien einzuliefern. Diese Zeit gewährte einen traurigen Einblick in die patriotische Gesinnung eines großen Theils der Bewohner Österreichs. An käuflichen Seelen und Verräthern war leider! kein Mangel dem Feinde gegenüber, und Preußen selbst über die Schmach empört, machten darüber die erbaulichsten Mittheilungen. Kein Wunder, daß der Feind sein Ziel so schnell und mit solcher Sicherheit verfolgen und erreichen konnte.

Das Proletariat, das von einem Besitzergreifen eines Ortes durch den einrückenden Feind keinen richtigen Begriff hatte, stand wie nachträglich erzählet worden aller Orte auf den Zehen, und sah voll freudiger Sehnsucht dem Anmarsche der Preußen entgegen. Annehmend, der Feind werde sein Augenmerk vor Allem nach den Wohlhabenden des Ortes richten um sich seine Säcke zu füllen und indem sie ihm durch Fingerzeigen behilflich, würde es diesen Menschenfreunden unverwehrt bleiben, die Gelegenheit auch zu ihrem Vortheile auszubeuten und im allgemeinen Wirrwarr zuzugreifen. Das Schönste an dieser erhebenden Sache aber war, daß man von diesem Vorhaben kein Hehl machte, sondern im Vorhinein schon die Häuser bezeichnete, die sich einer derartigen Überraschung zu erfreuen hätten. So z.B. diskutirte man hier loco Altenwörth öffentlich im Gasthause, welche Ortsbewohner man die ersten Visiten zu machen Willens sei? Und diese waren der Fleischhauer, Bäcker und Pfarrer. - Auch nicht übel! - Doch wenn man im Großen annectirt, warum nicht auch im Kleinen? -

Die Eingangs erwähnte Angst vor dem anrückenden Feinde hatte aber auch bei den Besitzenden ihre comische Seite. Alles was jung und ledig war, Burschen und Mädchen flüchtete keuchend unter den Ballen von Proviant und Bettzeugen hinüber in die Auen; die Einen um brandenburg‘ sche Kappen und Pickelhauben – die Anderen um anzuhoffenden Hinterpommerschen Bastarden zu entgehen. So sahen sich die Hausbesitzer auf einmal ohne Dienstleute und dadurch außer Stande, dem Schnitte etc. nachzukommen. Allein desto ungehinderter konnten sie sich dem Verschwindenmachen ihrer Habseligkeiten hingeben. Das war ein Vermauern und Einscharren in allen Häusern; selbst alten Pelzen und zerrissenen Stiefeln gönnte man das Tageslicht nicht mehr.

Von Großweikersdorf und Umgebung aus, wohin die Preußen gekommen, machten sie den Kirchbergern einen kleinen Besuch um daselbst Hafer, Heu, Grauppe, Mehl Zucker und Kaffee zu requiriren. Nach abgeschlossenem Waffenstillstande, machten 3 berittene Offiziere von Weikersdorf aus einen Ausflug hierher nach Altenwörth, um sich die Donau in nächster Nähe zu besehen.“

 

Im Jahr 1965 wurde vom Amt der NÖ Landesregierung an alle Gemeinden Fragebögen betreffend den Krieg zwischen Österreich und Preußen ausgeschickt:

„Die beiden Landesviertel nördlich der Donau wurden anläßlich des Krieges zwischen Österreich und Preußen im Jahre 1866 in der Zeit vom Juli – Dezember durch königlich Preußische Truppen besetzt. Da zur Erinnerung dieser Besetzung in den einzelnen Orten verschiedene Denkmäler teils während, teils nach der Besetzung errichtet wurden, hierüber jedoch h.a. keinerlei Aufzeichnungen vorhanden sind, werden Sie ersucht, nachstehend angeführte Fragen zu beantworten, um eine wissenschaftliche Bearbeitung dieser Zeitperiode zu ermöglichen.“ Quelle: Fragebögen 1866, NÖ Landesarchiv

Die Antworten:
Grafenwörth
„Nach mündlichen Überlieferungen sollen „Preußische Truppen“ im Raume Grafenwörth gelegen sein.“

Fels am Wagram
„Im hiesigen Friedhof ist ein Offizier der königlich-Preußischen Truppen beerdigt. Der Grabstein ist noch vorhanden.“

Großriedenthal
„In den Annalen steht: Die Waffenruhe mit Preußen ist abgeschlossen. Aber die räuberischen Streifencorps hatten die benachbarten Ortschaften Königsbrunn, Hipperstorf und Städteldorf von Hafer, Brod, Heu in großen Maßen befreit.

Bei uns kamen 5 Mann aus Radlbrunn und verlangten Requisitionen. Die Fama erzählt, daß der damalige Bürgermeister Pöschl sie in das Haus nahm, und diese Preußen – um ihre Courage zu zeigen – das Gewehr mit solcher Wucht niederstieß, daß sich ein Schuß löste und ein großes Loch in die Decke – welches noch lange Jahre zu sehen war – schoss.“

Groß-Weikersdorf
Aus der Pfarrchronik geht folgendes hervor:

„Am 24. Juli (1866) kamen 250 Preußen nach Groß-Weikersdorf.

Sie requirierten:
500 Laib Brot
15 Eimer Wein
6 Eimer Branntwein
5 Zentner Kaffee
5 Zentner Salz
400 Metzen Hafer
10 Stück Rind
2 Zentner Tabak
4000 Zigarren

Von hier zogen sie am 25. Juli über Klein-Wiesendorf, Tiefenthal, Stetteldorf, Gaisruck und Hausleuthen in das Lager nach Ernstbrunn, nicht mehr requirierend sondern plündernd und bei 100 Stück Rinder mit sich führend.

Vom 1. – 5. August, also nach dem Waffenstillstand, marschierten die Preußen hier durch. Bei 70.000 Mann und ließen zum Andenken Cholerakranke zurück. Im Armenhaus und im Schulhaus wurde ein Lazarett errichtet für 30 Kranke, wovon 16 hier starben. Endlich ging der Ansteckungsstoff auch auf die Pfarrkinder über und es starben davon 10.“

Kirchberg am Wagram
In Kirchberg wurden Schanzgräben errichtet, wovon heute noch der Name „Schanzpark“ herrührt.

Laut Lehrer Engelberger aus Winkl über Vorkommnisse in Kirchberg: „Soviel mir mein Großvater erzählt hat, kamen die preußischen Truppen 1866 bis Oberstockstall, Kirchberg hatte nach dessen Erzählung keine Einquartierung, mußte aber eine größere Geldsumme erlegen. Als die Gemeindeväter erklärten, sie könnten die Summen nicht aufbringen, drohte der Kommandant, falls die Summe nicht bis zum Abend gebracht werde, würden Truppen nach Kirchberg gelegt. Nun war die Summe sehr schnell da. Dieser Bericht meines Großvaters, der 1846 geboren wurde, und 1926 starb ist durch Belege nicht bestätigt.“

Neustift
„Die Schulchronik meldet, daß ein Wagensonner Anton an diesem Feldzuge teilgenommen hat und bei Königrätz schwer verwundet worden ist. Wagensonner war dann von 1882 bis 1894 Bürgermeister in Neustift i.F. 1866 trat auch in Neustift die Cholera auf.“

Seebarn
„Nach Aussagen älterer Ortsbewohner sind die Preußen auch in Seebarn gewesen.“

Tiefenthal
„In dem Büchlein 'Heimatkunde' aus der Geschichte Nieder und Ober-Rußbachs sowie Tiefenthals und Umgebung, h
erausgegeben von der Arbeitsgemeinschaft Nied.-Rußbach. 1. Auflage 1923. Druck der Preßvereinsdruckerei Eggenburg, ist auf Seite 31 folgendes zu lesen:

Ein Bericht aus dem Jahre 1866: Am 25. Juli (Jakobitag) zur Erntezeit kamen die Preußen von Groß-Weikersdorf über Klein-Wiesendorf nach Tiefenthal. Die Bewohner waren fast alle auf dem Felde und wurden durch einen aufgestellten Posten mittels Hornsignal von der Ankunft der Feinde verständigt. Alle eilten nach Hause und jeder suchte so viel als möglich zu verstecken, besonders Lebensmittel, auf die es die Preußen abgesehen hatten. Der damalige Ortsrichter Wichtel verhandelte mit dem Abteilungskommandanten, der mittlerweile die Gewehre an der Straße in Pyramiden hatte ansetzen lassen. Ein Teil der Soldaten bezog die Ortssicherung, der andere ging Lebensmittel requirieren. So kam ein Trupp auch zum Landwirt Schachhuber. Dieser mußte, weil er ein großes Gut besaß, Fleisch herausgeben. Die Soldaten füllten das requirierte Rauchfleisch in Säcke und wollten abziehen. Einer von ihnen jedoch hatte bemerkt, daß hier Brot gebacken wurde und forderte von der Hausfrau solches mit dem Bemerken, 'daß frisches Brot zum Fleisch jut (gut) schmecke!' Leider war das Brot noch im Backofen. So warteten die Kriegsmänner ab, bis es gut gebacken war. Eine Ofenschüssel brauchten sie nicht zum Herausnehmen, das besorgten sie selbst durch Aufspießen mit den Bajonetten. Tiefenthal lieferte außer Lebensmittel noch Hafer! Derselbe wurde in der Ausfahrt des gegenwärtigen Bürgermeister J. Fritz bereitgestellt. Der Ort hatte mehr Frucht aufgebracht, als die Preußen gefordert hatten (weil Verrat stattgefunden). Sie zogen sofort in der Richtung gegen Hippersdorf ab. Der Ortsbewohner Mann Johann wurde als Wegweiser bis Hippersdorf mitgenommen, dort jedoch wieder freigelassen.“

Feuersbrunn
„Laut mündlicher Überlieferung alter Leute aus Wagram am Wagram kam eine preußische Reiterpatrollen bis zur Waldgrenze im Weinbaugebiet Feuersbrunn, ohne in den Ort selbst einzudringen.“

Neuaigen
„In der Pfarrchronik Neuaigen steht folgender Vermerk: ‚ Am 26. Juli 1866 waren die Feinde schon in Städteldorf. Zu uns getrauten sie sich aber nicht herein, weil sie in der Au k.k. Militär vermutheten.'“
 


Maria Knapp

März 2012