Gedichte von Sepp Rittler

 

Den Lebenslauf von Sepp Rittler finden Sie hier:http://www.hf-kirchberg.at/index.php/kirchberg-am-wagram/einwohner-von-kirchberg/sepp-rittler

Die Gedichte sind der Broschüre über Sepp Rittler von Otto Fandl entnommen. 

 

SOMMERMORGEN 

Blutrot steht das Sonnenrad
auf des Hügels höchstem Grat
und im Blau hoch überm Weiher
zieht ein wundervoller Reiher. 

Lauschend hebt ein Reh im Korn
seines Kopfes Gabelhorn.
Mit der Sense auf die Wiese
steht fast nackt ein brauner Riese.

Rasch wächst in den Sonnenschild
einer Tanne stattlich Bild.
Freudvoll ruf ich aus: „O Bleibe,
Tanne in der roten Scheibe!“ 

Wunder ziehen schnell vorbei.
Während nach dem Bild ich schrei,
ist das göttliche Geschehen
leider schon im Untergehen. 

Lustig schnalzt ein alter Knecht –
hoch im Birnbaum klopft ein Specht.
Weither aus metallnem Munde
Klingt es: „Sechste Morgenstunde!“ 

 

A NOMITTO IN AN BAUERNHAUS 

Vor der Haustür am Bankl
liegt die Kotz in da Sunn
und der Hund liegt am Gangl,
wo ma z’ruck geht zum Brunn. 

Sechs Gäns und a Gonaus,
a Schor Antn hintnoch,
gengan schnodernd bein Tor aus
und tuan bodn im Boch. 

Und de Sau in da Sauhuit
wühln min Rüassl im Stroh,
owa d’schwarst, de schlaft guit
und liegt no da Längst do. 

Da Hau kraht am Haubam,
seine Heah, die schaun auf.
Wia waun a hiatzt drau kam
kraht da Noboahau drauf. 

Untan Drohthuit a Schwingal
steht im Eck nebm da Stiegn,
drin is s’Fuida füa D’Singal,
daß’s de Großn net kriagn.

Am Doch spüt a Dauwa
Sein lieabn Däuwal a Rolln,
er is jung und is sauwa,
hat ihr’s Herzel grod  gstohln. 

A jungs Füllerl, de juchatzt
und die Küah danebm roan
und die Hendl-henn klugatzt
und de Schof hiat ma ploan. 

Aun dem Lebm in dem Baunhaus,
waun des Viech is alloa
schau i ma grod d‘Augn aus:
So a gmütliche Gmoa. 

 

A SUNNTA IM DORF 

Baim Blechinga Wiat
singan d’Dorfbuam a Liad,
spüt da Mittabaun Fraunz
gaunz an dullign Taunz
und die Zuchharmanie
zwingt die Köllna Marie,
daß’s an Buim faßt und draht
und a Wiawü-wind waht. 

Beim Kreidschreiwa Wiat
Wern die Kortn studiert,
san de Mauna beinaund
und prowian eahn Verstand.
Net grad sölten wiad geschrian:
Heast, wo host denn die Hian,
schau di au, mir san gfolln,
kinnan zwoa Lita heit zohln!“ 

Im Vüahaus dahoam
sitzn Godl und Moahm
und in Nochboa sei Wei.
S’wird net trotscht nua nebmbei
sogt die Moahm: „I hon ghöat,
daß da Lenz si net scheat
mea um d’Res … s’war net bled,
wauns koan Paumpaletsch hätt!“ 

D‘kloan Mentscha und Buim
spün beim Feihittn-Tuim,
dea steht mittn im Ort
und rundum is d’Hoad,
Do wiad graft und wiad grennt,
des oa locht, des oa flennt,
des oa schupft, des oa scheibt,
bis s’da Hunga hoamtreibt. 

 

KOA BLÜA OHNE MÜAH 

I tui gen Mist eitrogn,
i tui gen schneidn,
muiß i mi no so plobm,
i tui’s mit Freidn, 

I tui gen Stecka schlogn,
i tui gen bindn,
mo iwa d’Plo net klogn,
wauns a hoaßt schindn. 

I tui gen schern und haun
an Stock an niadn,
mia is um d’Plo net baung,
i scheich koa Miadn. 

I tui gen Buttn trogn,
gen wägn und messen,
in Moasch in d’Load eischlogn,
hoamfohren und pressen.

Owa am liabsten tui i,
waun mia tuit winka,
da neiche Wei in Krui,
den Wei i trinka! 

 

IM LESN 

Im Wei-gat drom geht’s lusti zui,
s’wiad gsunga und wiad glocht,
a volli Buttn hat da Bui
grod zu da Boding brocht. 

In d’Wei-ba-mü wern d’Wei-ba glaht
und in de Boding broat
werdn’s duach de Woizn durchidraht,
drauf kimmt da Moasch in d’Load. 

Min Leswogn wiad a weggagführt,
es glinserlt spot und fria,
es leitn d’Ros bei an niadn Schriat,
weuls Glöckerl trogm am Gschia. 

Da Leskraunz hängt am Preßbaum drau,
da Most rinnt von da Büad,
de Spindl draht a oida Mau,
des mocht’n goa net müad. 

Da Köllegrobn ist auf und auf
voü Fuawerk und voü Foß,
s’wird kost und gwägn, s‘geht da Kauf
ums braune, süaße Noß. 

Und owan Grobn, berg-auf, berg-o
do is a lustigs Lebn,
do schneidn d‘Leit de Wei-ba o
vo hundert-tausnd Rebm.  

Da HIABST in unsra Hoamat 
Süwaweiß und göb und rot
leuchts iatzt durch das Landl,
wos da Mola Foabm hot,
trogt da Hiabst am Gwandl. 

Schau in d’Staudn und in d’Bam,
siagst a söltsoms Glaunzn,
kennst de vülen Liachta kam,
da im Hiabstwind taunzn. 

Rot de Äpfü, golda d’Bian,
Zwetschbm blau wia s’Fiata,
hoch am Heiwogn Knecht und Dirn,
hintan Bam da Hiata. 

Wei-ba rot und Wei-ba blau,
Wei-ba gölb und golda
Längstn Roa, so weit i schau:
Hetscherl und Wacholda. 

Frohe Jaga, Hosn, Reh,
Treiwabuam midn Steckan
und a Drochn in da Heh,
daß si d’Rebhea schreckan. 

Wüdbret, frische Preislbeer,
und an Wei an jungan.
Sakradi! A Klaumpfm her
und a Liadl gsungan! 

Dös is d’hoamat, ollaliabst,
in den schenstn Zeitn,
locht uns so da Hoamathiabst,
bringt uns tausend Freidn! 

 

WINTA   

Da weiße Pöz
hot hiatzt den Berg und s’Toi umschlunga
und unten schloft des weite Laund in süaßa Rui,
owa s’oame Wüd, des treibt da liebe Hunga
Nocht füa Nocht den Menschen-Döafan zui. 

Und in an Bauanhof, do tramt da Pflui vom Ockan
Und von da Sunn und von da fettn schwoazn Ead.
A klans Hendl tramt im Stoi hiatzt schon vom Gockan,
de Kotz schloft in da Kuchl hintan Head. 

De Miazl draht de Musi auf den Weana Senda,
de Muida kimmt vom Vüahaus mit an Hefn Kraut,
d’Ahnl lest im hundertjährigen Kolenda
u
nd da Seppl hot grod a klans Flugzeug baut. 

Waun in an laungen Winta d’Ead muiß ruiwi schlofa
und waun de Tog eiskolt san, kuaz und newigrau,
daun steht’s Kölletürl oft an Örtll offa,
toif im Kölla druntn hockt da Bau. 

Zem sitzt a gaunz alloa bei seine gschnitztn Fassl,
er biiberlt tröpferlweis den Wei dabei und siacht
von sein Leben hiatzt des gaunze launge Straßl
im Pfeimrauka und im Kerznliacht….  

Wäa des mit da STAUNG net gewest…
Tog und Nocht haun i studiat:
„Bist doch da Bui vom Vodern,
zwegn wos denn des net aunderscht wiad,
koa Liab schoißt mia in d’Odern?“ 

Joahr um Joahr is umi grennt,
do bin i amol gaunga
duach an kloan Oart, wo mi neam kennt,
vorbei an ana Staunga. 

Wia’s grod wüll, follt d’Staunga um
Und haut mit gscheit auf d’Nosn,
reißt mia vom Rock a riesigs Trumm
und kugelt auf’n Wosn. 

Volla Gift hörts mi glei schrein:
„Wos glaubts denn es, es Glumpat?
Setzt enga Staunga toifa ein,
daß’s neamd aum Schädl pumpat!“ 

Von da Nosn rinnt ma s Bluit.
Do kimmt a Diandl geschossen,
frogt mi, obs mi brenna tuit,
ob i vü Bluit vagossn. 

„Tuit’s da load, daß i hiatzt bliat?!
Sog i und schau gaunz teppert.
„Gaunz gwiß!“ sogt‘s, „I haun a Gmüat!“
Und hot no stad wos pläppert. 

Bold drauf steh i in an Haus
und si sogt: „Setz di nieda
und zoig nur gschwind die Jackerl aus,
i flick dir’s recht gern wieda!“ 

Wia’s so naht und i schau zui,
woa’s Heaz net mehr vadrossn.
Auf amol denk i mir: „Hörst, Bui,
hiatzt is ma Liab eingschossen!“ 

I net fad, pocks Diandl fest,
si blost ma Nosnwunden.
Wäa des mit da Staung net gwest,
hätt i koa Diandl gfundn….. 

 

MEI VORTL

Beim Radlfohrn 
I hob vafluacht den Gegenwind
gor oft in früharn Johrn,
weil i daduach oft net so gschwind
hob kinna vüre fohrn. 

An Ruckwind hon i kam kennt,
a Windstül wars fost nia,
von sölba is bei mir nix grennt,
mei Forth wor Plo und Müah. 

So hob vafluacht den Gegenwind
i oft in früharn Johrn,
doch iatzt, waun i koan Ruckstoß find,
daun freut mi net das Fohrn.

Iatzt is da Gegnwind mei Freind,
mei Vortl is sei Wahn,
mi hot koa Ruckwind vawöhnt:
mi kaun nix owidrahn. 

 

OIDE GESCHICHTN 

Do stengan no de oidn Nußbam
in da Moidn mit eahn dichtn Doch.
Waun nua hiatzt e rechta Guß kam
und s’Straßl wuad ois wia a großa Boch. 

Do wa de Moidn glei volla Wossa,
rund um de Nußbam wa a kloana See,
wia ois Bui tat i hiatzt ois Großa
d’Hosenhaxn oi zwo gschwind in d’Höh. 

Tat in de Lockn einiwodn,
mit oan Steckn dreihaun, daß’s oin braust,
tat mitsaumt’n Gwandl wieda bodn,
waun a d’Muida mia recht greint und saust. 

Ui jegerl! Do war d’Wedahittn,
do wo da Wastl-Veda wedagschossn hot,
wo‘‘s schworze Roah is aus da Mittn
zum Himmü aufi gestandn kirzngrod. 

Do hot da guide Wastl-Veda
de Hittntüa net zuag‘spiat g’hobt,
es woa dos allerschönste Weda,
do haum mia Buim dös Pulvaflaschl gschnoppt. 

S‘hot net laung daut, hot’s scho pumpat,
mia haum zur rechtn Zeit uns gschwind vazogn,
de Hittn, s’Doch und’s gaunze Glumpat
is hinta uns in tausend Fetzn gflogn. 

Do steht a no de oide Weidn,
wo i haun graukt dös erschte Kraut,
mei Gsicht woa daun wir a weiße Kreidn,
i hob vom Bam wia a Sünda owa gschaut. 

A s’Fensta is da von da Nettl,
des grüaßt mi liab und sogt: „Woast nimmamehr,
wiast gschlichn bist ums Goatnbettl
und owan gaunzn Hof zu mia da her?“ 

I woaß’s no guit, wiast domois gsogt host:
„i bleib dia treu fürs gaunze Leben!“
Wiast mi domals um de Mittn pockt host
und mia dos allererschte Busserl gebm. 

Des woa de schene Zeit, de dummi,
koan Kumma hots kennt und koane Pflichtn,
iatzt rennen d’Jahrln blitz-gschwind umi
und blibm san uns de liabm dumman oidn Gschichtn … 

 

S'GANSL 

Do sogt da kloane Hansl
Zum Lehra in da Ghoam:
„I bring de Tog a Gansl,
mia ham jo gnua dahoam.“ 

Da Lehra siacht scho brotn
Des Gansl in da Pfaun,
denkt sich “Es kaun nix schodn,
wos Bessern daun und waun.“ 

Schon san fünf Tog vagaunga,
da Hansl hat nix brocht,
da Lehra in sein Blaunga
recht freundli zu eahm locht. 

Da Boa denkt si: „Fix krutzi,
i muaß’s endli wogn,
sunst moant er, mir san schmutzi,
i muaß eahm d’Worat sogn.“ 

„I Kaun dawai nix bringa“,
sogt er „des hat sein Grund:
zum Hinwerdn sollst neam zwinga –
des Viech is wieda gsund!“ 

 

November 2012
Maria Knapp