Dr. Johann Kurt Sauer

(12.3.1879, Krems - 31.7.1966, Klosterneuburg)
Richter und Maler

 

Johann Baptist Curt Maximilian Theodor Sauer wurde am 12. März 1879 in Krems, Untere Landstraße 57, geboren. Er war der älteste Sohn von Primar MR Johann Sauer und Johanna Moering, Edle von Moeringen.
 
1905 ist Dr. Kurt Sauer, wie er meist genannt wurde, als Rechtspraktikant beim Kreisgericht Krems eingetreten.
(Österreichische Land-Zeitung vom 18.11.1905)
 
1907 wird er zum Auskultanten ernannt.
(Kremser Volksblatt vom 19.1.1907)
 
Bereits früh begann er zu malen. Im Jahr 1907, mit 28 Jahren, wird er erstmals in einer Ausstellung in Krems erwähnt:
Unser Hirschensaal hat eine neue Bestimmung erhalten: er ist Kunstsalon geworden. Dazu hat ihn Herr Architekt und Maler Gustav Bamberger durch die Ausstellung von Bildern und Studien gemacht, die er im Verein mit Frau Lilli von Schweitzer, Frau Marie von Neuhaus, Frl. Fritzi Schmitt und Herrn Hans Kurt Sauer am 14. ds. in diesen Räumen eröffnete….
Endlich müssen wir noch Herrn Hans Kurt Sauer gerecht werden, den wir wohl, alle Galanterie bei Seite lassend, als den talentiertesten Schüler Bambergers bezeichnen müssen. Sein farbensattes Bild „Einsamer Abend“, die Beleuchtungsstudie „Nach dem Wetter“, sowie die Arbeiten „Am Föhrenteich“, „Abendstimmung in den Donauauen“, „Am Lido“ ec. zeigen ein respectables Können.
(Österreichische Land-Zeitung vom 20.4.1907)
Sauer, der sich hauptsächlich Motive sucht, wie Nr. 71: „Föhren in Droß“, Nr. 83: „Abend an der Donau“, Nr. 84: Friedhof in Droß“, Nr. 85: „Einsamer Abend“, Nr. 89: „Am Föhrenteich“, Nr. 101: „Kapelle bei Droß“, Nr. 97: „Ziehende Wolken“, versteht solche Stimmungen voll auszunützen. Daß er auch Sonnenschein malen kann, beweist sein schönes Bild Nr. 99: „Nach dem Gewitter“. Frisch in der Farbe und flott hingestrichen ist auch Nr. 100: Chioggiotenboote in den Lagunen“…..
(Kremser Volksblatt vom 20.4.1907)
Der Besuch der Ausstellung ist trotz ungünstiger Witterung ein sehr reger. Verkauft wurden bisher die Bilder … Nr. 84, 89, 93, 96 106 und 116 von Curt Sauer.
(Österreichische Land-zeitung vom 20.4.1907)
 
1908 hilft er bei der Gestaltung des Kinder-Märchenfestes des Deutschen Schulvereines:
Einen vielbewunderten Rahmen zu den Festen…. bildete die Dekoration des Saales, welche im Biedermeierstil nach den Plänen der Herren Auskultanten Dr. Kurt Sauer, Prof. Robert Obtresal und Kunstakademiker Ferdinand Puntschert durchgeführt, eine Sehenswürdigkeit in sich war.
(Österreichische Land-Zeitung vom 22.2.1908)
 
Jubiläums-Kunst-Ausstellung im Hirschensaal in Krems, 1908:
…. Ein ebenso mächtig aufstrebendes Talent ist Kurt Sauer, dessen breite, weiche Malweise im „Märzschnee“, Piz Bernina“, und „Piz Monika“, dann in dem Bilde „Abend“, „Pappeln“, dem reizenden Blumenstücke „Astern“, den „Föhren aus Droß“ und „Schneestudie“ gewaltige Fortschritte aufweist.
(Österreichische Land-Zeitung vom 30.5.1908)
 
1910 war Dr. Kurt Sauer Auskultant (Rechtsreferendar) in Litschau:
Das von den hiesigen Ortsgruppen des Deutschen Schulvereines und der Südmark veranstaltete Sommerfest nahm einen glänzenden Verlauf und warf ein günstiges Reinerträgnis ab…. … zum besonderen Danke verpflichtet, vor allem dem während seiner Tätigkeit beim hiesigen Bezirksgericht allgemein beliebt gewordenen Herrn Auskultanten Dr. Kurt Sauer, dessen künstlerischem Talent und Geschmack es gelang, im Verein mit einigen wackeren Hilfskräften den Festplatz überraschend schön und künstlerisch zu gestalten.
(Der Bote aus dem Waldviertel vom 15.8.1910)
 
1911 kam er als Auskultant nach Kirchberg und wurde hier zum Richter  am Bezirksgericht ernannt.
(Salzburger Volksblatt vom 22.1.1911)  
 
Richter Sauer war im Ersten Weltkrieg eingerückt. 1916 wurde er als Oberleutnant a.D. der k.k. Landwehr beim Millitärstabskommando Krems mittels Dekret in Anerkennung vorzüglicher Dienstleistung während der Kriegszeit belobt.
(Linzer Tagespost vom 12.4.1916)
 
Ausstellung im Kriegskinderheim Krems bei der Kaserne:
Um das Kinderheim ausstatten zu können, regte der Maler Kurt Sauer die Veranstaltung einer Gemäldeausstellung an. Gemeinsam mit den Malern Professor Otto Luhde und Hans Pindur ging er ans Werk. Der Eintrittraum war angefüllt mit Kreidezeichnungen von Kurt Sauer, Aktstudien und Stellungsskizzen, die alle eine große Sicherheit in der Wiedergabe der anatomischen Verhältnisse, selbst bei kühnen Verschneidungen bekunden. Vielleicht sind gerade die schwierigsten Aufgaben darunter am glänzendsten gelöst. Die feintonige Art von Licht und Schatten stimmen diese Studienblätter zu vornehmer Bildwirkung.
Die anderen Räume waren von den andern beiden Malern gestaltet worden. Den letzten troßen Saal hatte Kurt Sauer inne:
 Auch ihm hat zum größten Teil die Heimat den Stoff zu seinen Werken geliefert, die Droßer Hochfläche mit ihren weitgeschwungenen Höhenzügen und das Waldviertel. Wohl erscheint auch der ewige Schnee unter seinen Motiven und die Meerflut der Adria. Auch hier und dort: ein Zug der Größe geht durch alle seine Bilder. Und diese Größe liegt an der Empfägnnis des Künstlers, an seiner andachtsvollen Auffassung der Natur in ihren erhabensten Stimmungsaugenblicken. Mit vollster Unmittelbarkeit wirken diese Bilder auf den Beschauer. Die geheimnisdurchzitterte Einsamkeit seiner Abendlandschaften, die traumhafte Schwermut seiner Schneebilder, die sonnentrunkene Zufriedenheit des erntetragenden Bodens, der weite Luftraum, in den sich der Blick und die Phantasie verlieren können, die schwindenden und die hochragenden Wolken, die einen der Unendlichkeit näher führen scheinen, die abendrotsatten Wälder, die kühltauigen Gründe, die monumentale Wucht seiner herrlichen Baumriesen, das alles spricht eine so gewaltige Künstlersprache, daß es auch den nüchternsten Sinn, das sorgenbeschwerte Herz in seinen Bann ziehen muß. Kurt Sauer ist Impressionist. Einer, dessen künstlerische Ausdrucksfähigkeit aber so groß ist, daß sie den erhaltenen Eindruck machtvoll weiterzugeben vermag. Man steht nicht wie vor einer Nachbildung. Man ahnt und führt das Feierliche und Ueberwältigende des Urbildes; spürt nicht mehr das Technische der Wiedergabe, denkt nicht an das Medium des Ausdruckes, denn dieser Ausdruck ist so schlicht und naturnotwendig, so wahr und ungesucht, daß wir uns vielleicht erst nchträglich klar werden, wie meisterhaft beherrscht dieser Ausdruck sein mußte, weil wir über den empfangenen Stimmungszauber an ihn zuletzt gedacht. Auch drei seiner Plastiken hat Sauer ausgestellt. „Der Sieger“, der „Handgranatenwerfer“ und der „Siegeskranz“, denen dieselben Vorzüge eigen sind wie seinen Aktzeichnungen: sichere Beherrschung des Anatomischen, naturwahre Wiedergabe von hohem ästhetischem Empfinden geleitet. Es spricht sich derselbe erlesene Geschmack darin aus, der auch in Kurt Sauers Gemälden trotz tiefster Naturtreue durch Führung der Silhuette und Wahl des Bildausschnittes sowie durch feinste Abstimmung der Töne jene meisterhafte künstlerische Geschlossenheit bringt, die den Beschauer so restlos befriedigt.
(Österreichische Land-Zeitung vom 10.10.1916)
 
1917 erhielt er eine weitere Auszeichnung:
Am vorgestrigen Tage wurde dem vorübergehend in Krems sich aufhaltenden Herrn Oberleutnant Sauer die Allerhöchste Auszeichnung durch den Stationskommandanten in Gegenwart aller Offiziere feierlich überreicht, bei welcher Gelegenheit der Kommandant das ausgezeichnete Verhalten des dekorierten Herrn vor dem Feinde als auch seine hingebungsvolle und mit vorzüglichen Erfolgen begleitete Dienstleistung im Hinterlande mit den wärmsten Worten hervorgehoben und die Glückwünsche dem Kameraden ausgesprochen hat. Wir Kremser beglückwünschen auch seinen Vater, den Herrn Primarius Dr. Johann Sauer herzlichst aus diesem Anlasse.
(Österr. Landzeitung vom 10.12.1917)
 
Gemälde-Ausstellung im Sappeurmuseum Krems 1918, zugunsten des Kriegskinderheimes Krems:
….Kurt Sauer fand sich mit zwei Oelbildern ein: Kapelle bei Droß und Mondbild, zwei frische Bilder in künstlerischer Auffassung, deren auf wohltemperierte Farben und einem angenehm anheimelnden Gesamtton fußende Schönheiten warm gepriesen werden können…..
(Österreichische Land-Zeitung vom 20.4.1918)
 
1920 wurde in Kirchberg Notgeld eingeführt, dessen Layout er mit Richter Dr. Broinger entwarf: Die erste Serie zu 10 u. 50 Heller wurde hier ausgegeben im Mai 1920. Hat aber kein Gefallen gefunden. Infolgedessen trachtete die Gemeinde, eine 2. Serie in Umlauf zu bringen. Die Entwürfe hierzu machte Herr Landesgerichtsrat Dr. Kurt Sauer und Herr Bezirksrichter Dr. Broinger, beide Richter beim hiesigen Bezirksgerichte. Diese fielen sehr gut aus und es bekam Kirchberg das schönste Notgeld. Natürlich hatte die Gemeinde großen Nutzen, denn es wurde von den Sammlern stark begehrt. Es kam erst im September 1920 in Umlauf. A Sammler wurde es zu höheren Preisen abgegeben.
(Pfarrchronik Kirchberg am Wagram)
 
Notgeld, Herbert Eder, Kollersdorf
 
 
1920 wurde er in Kirchberg zum Gerichtsrat ernannt.
(Linzer Tagespost vom 20.8.1920) 
 
1921 hat Dr. Sauer die verwitwete Gastwirtin Anna Theresia Fieglmüller von Kirchberg geheiratet (geborene Ehrenböck von Wimpassing im Schwarzatale bei Neunkirchen).
 
1925 wurde dem nunmehrigen Landesgerichtsrat Dr. Johann Kurt Sauer anlässlich der von ihm erbetenen Versetzung in den dauernden Ruhestand taxfrei der Titel Oberlandesgerichtsrat verliehen. Er war zu dem Zeitpunkt erst 46 Jahre alt.
(Salzburger Chronik für Stadt und Land vom 19.10.1925)
 
 
Das Bezirksgericht zur Zeit von Dr. Sauer
Ansichtskarte: Anton Schwanzer, Utzenlaa

 
1927 wurden von ihm zwei Kremser Schmidt in Mailand entdeckt:
Auf einer Kunststudienreise, die OLGR Kurt Sauer gegenwärtig durch Italien macht, hatten sowohl er wie seine Gattin Gelegenheit, bei einem Besuche des Museums Castello Sforza zu Mailand zwei dortselbst befindliche und als der Schule Tiepolos entstammend bezeichnete Bilder als unzweifelhaft echte Werke des berühmten österreichischen Malers Johann Martin Schmidt, des sogenannten „Kremser Schmidt“ zu agnoszieren. Das eine der Bilder ist offenbar ein Entwurf zu dem Hochaltarbild der Kremser Frauenkirche, das andere stellt den bethlehemitischen Kindermord dar. OLGR Sauer leitete sofort alle nötigen Schritte ein, um den Werken zu ihrem wahren Namen zu verhelfen….
(Reichspost vom 22.4.1927)
 
Weitere Einträge und Dokumente konnten nicht gefunden werden.
 
Dr. Sauer war zuletzt in Wien 6, Stumpergasse 51 wohnhaft und ist am 31.7.1966 in Klosterneuburg, Martinstraße 8, verstorben. Er wurde in Kirchberg am Wagram beerdigt. Seine Gattin ist 1967 verstorben.
Bei seiner Gattin ist als letzte Wohnadresse Wien 7, Burggasse 123 angegeben, sie ist am 5.9.1967 ebenfalls in Klosterneuburg, Martinstraße 28 verstorben und wurde ebenfalls nach Kirchberg überführt.
Beider Grab zierte ein wunderschönes Schmiedeeisen-Kreuz, das leider nicht mehr erhalten ist.
 
Aufgefundene Werke im Internet
 
1912: (Krems/Donau 1879-1945 Dachau) Abendstimmung, rückseitig betitelt "Kapelle in Droß (Waldviertel)", sowie Ankaufsvermerk 1916, signiert, datiert Curt Sauer 1912, Öl auf Leinwand, 58 x 70 cm, gerahmt (Rahmen beschädigt), (Rei)
 
 
Kapelle in Droß, 2022
 
 
1945: "Stillleben mit Krügen und Büchern" unten rechts signiert und datiert: Curt Sauer, 1945, rückseitig Klebezettel, bezeichnet: Curt Sauer 1945, rückseitig Klebezettel, bezeichnet: Curt Sauer, Wien, Nr. 23, Aquarell auf Papier, ca. 31 x 35 cm, verglast, Rahmen beschädigt
 
 
Bild in Besitz von Charles Martin, England
 

 
Bilder in Besitz von Herbert Eder, Kollersdorf 

Portrait eines jungen Mannes, Öl auf Malkarton, undatiert
 

Bauernhof, Aquarell, undatiert
 

Pappelallee in Droß, Öl auf Holz, undatiert
 

Meer mit zwei Segelbooten, Ölgemälde, undatiert
 

Landschaft mit Teich, Öl auf Sperrholzplatte, 1922
 

Bäume, Ölgemälde, 1931
    
 
    
 
September 2022
Maria Knapp