Franciscus de Paula Triesnecker

 

Dieser wohl berühmteste Sohn unserer Heimat wurde 1745 in Mallon geboren und war in späterer Folge Direktor der Wiener Sternwarte. Er ist der einzige Österreicher, nach dem sowohl ein Krater als auch ein Rinnensystem auf dem Mond benannt wurde!

 

Der folgende Artikel wurde von Herrn Mag. Horst Kastner-Masilko im Buch " 1000 Jahre St. Stephan am Wagram" veröffentlicht.

 

Eltern und Heimat

Leopold Driesen Ecker (ehelicher Sohn von Mathias und Catharina aus Maylohn = Mallon) heiratet am 17.Mai 1744  Elisabeth, geborene Dusl (eheliche Tochter von Gregory und Anna Maria aus Gösing) in der Pfarrkirche zu Kirchberg am Wagram.

Franciscus de Paula kam als erstes Kind der Familie Triesnecker zur Welt, sein genaues Geburtsdatum jedoch ist nicht zu eruieren. Getauft wurde Franciscus de Paula am 2. April 1745 in der Pfarrkirche zu Kirchberg am Wagram. Der Taufname dürfte auf den hl. Franciscus de Paula zurückgehen, dessen Festtag der 2. April ist.

Die Familie besaß ein Haus in Mallon Nr. 10. Laut Grundbuch war es 1743 im Besitz von Marthin und Juliana Triessenegger. Ab 1770 waren die Besitzer Leopold und Elisabeth und ab 1772 Elisabeth Triesneckner. 1813 geht das Haus in den Besitz von Franz über, später an Mathias Mahringer. Am 5. Mai 1869 erwerben es Michael und Franziska Benedickt für 2500 Gulden. Ab 9. November 1914 haben Franz und Josefa Bauer das Eigentumsrecht. An der Stelle des Hauses steht heute ein Neubau. Weitere Dokumente sind nicht bekannt.

 

Ausbildung zum Jesuiten und Gelehrten

Die Eltern haben dem begabten Sohn eine gute Ausbildung zukommen lassen. Wo diese erfolgte, ist heute nicht mehr nachvollziehbar, da viele Dokumente auf Grund unterschiedlichster Wirren in Verlust geraten sind. Er muss auf jeden Fall eine Lateinschule vor Eintritt in den Orden besucht haben; vermutlich erhielt er im Jesuitenkolleg in Krems die niedrigen Studien. Im Alter von 16 Jahren trat er am 20. Oktober 1781 in den Orden der Gesellschaft Jesu ein.

1762–1763 war er in Wien nov. (Novize). Es folgte 1764 das Studium der alten Sprachen in Szakolocz an der March, wo er als repet. hum. (repetitor humanorum = Hilfslehrer für Geisteswissenschaften) arbeitete. Ausübung von Lehrtätigkeiten in den niederen

Studien gehörten zum Ausbildungsplan der Jesuiten.

1765 und 1766 studierte er am Kollegium der Jesuiten in Wien Philosophie. 1767–1768 erfolgte die Ausbildung in Mathematik und Sprachen am Gymnasium (Jesuitenschule) zu Tyrnau (Trnava, damals Sitz des Erzbischofs von Gran und bis 1777 Universitätsstadt), wo er als repet.mathes. (repetitor mathematices = Vortragender in Mathematik) et ing. = Vortragender in Ingenieurwissenschaften) tätig war. 1769 unterrichtete er vorübergehend in Krems als soc.reg. (socius regentis = Mitarbeiter des Leiters). 1770–1771 unterrichtete er in Linz praed.(itus) hum.(anitate = ausgestattet mit Menschlichkeit, Humanwissenschaft - dürfte sich auf Dichtkunst beziehen), präs.(es), congr.(egationis), reg.(ens) sem.(inarii) = Vorsitzender der Kongration und Leiter des Seminars an der Schule des nordischen Kollegiums. 1770–1774 unternahm er zusammen mit dem berühmten Naturforscher Franciscus de Paula Schrank botanische Studien. Durch diese erwarb sich Triesnecker einen guten wissenschaftlichen Ruf; einige seiner Schüler waren später im Benediktinerkloster Kremsmünster tätig. Im Herbst 1771 begann er das Theologiestudium in Wien. In den Folgejahren bis 1773 widmete er sich theologischen Studien in Graz (Graecii stud.theol.).

1773, erfolgte die Auflösung des Jesuitenordens durch Papst Klemens XIV. Der Jesuitenorden hatte inzwischen auf geistiger und politischer Ebene eine enorme Macht erreicht, z.B. lag die universitäre Ausbildung voll in seiner Hand. Eine Zerschlagung dieser Monopole war in vielseitigem Interesse. Dadurch sind auch sehr viele Dokumente des Ordens in Verlust geraten, z.T. kamen Akten zur Makulatur oder wurden zu Einpackpapier.

Die Auflösung des Ordens war natürlich für Leute wie Franciscus de Paula eine persönliche Katastrophe, denn damit wurde ihnen die Existenzgrundlage entzogen. Die einzige Überlebenschance war, möglichst schnell Weltpriester zu werden. Die Geborgenheit eines Klosters und die Möglichkeit, sich der Wissenschaft zu widmen, waren nicht mehr gegeben. Triesnecker setzte seine Studien in Graz fort und beendete sie 1775 mit der Promotion zum Doktor der Philosophie. Die Zeit bis 1780 liegt im Dunkeln, Triesnecker musste sich jedoch wissenschaftlich betätigt haben, sonst wäre er kaum vom berühmten Astronomen Maximilian Hell nach Wien geholt worden.

 

Franciscus de Paula als Priester

Um zum römisch–katholischen Priester geweiht zu werden, benötigte Triesnecker den Nachweis der „richtigen Ausbildung“. Dafür war die „Verleihung des Tischtitels“ nötig. Diese Verleihung erfolgte am 22. März 1774. Der Tischtitel wurde am Konzil von Trient 1545–1563 festgelegt und war (zur Versorgung Unbemittelter, wie für Triesnecker nach Aufhebung des Jesuitenordens; Red.) somit eine der Maßnahmen zur Schaffung der geistigen Grundlagen der Gegenreformation.

1774 am 8. Mai erfolgt die Weihe zum Subdiakon und kurz danach, 1774 am 12. Mai, die Weihe zum Diakon. Aus der Schnelligkeit des Verfahrens zur Priesterweihe erkennt man eindeutig die Notsituation der Jesuiten zur damaligen Zeit. Für die rasche Abfolge der Weihen war die Dispens, die im Tischtitel erteilt wurde, nötig.

Nach der Priesterweihe könnte sich Triesnecker unter anderem im Grazer Priesterseminar aufgehalten haben. Es gibt aber dafür keinen Nachweis anhand der Alumnatslisten. Seine Spur findet sich erst 1777 in der Grazer Stadtpfarrkirche „Zum heiligen Blut“.

1780 konnte Triesnecker an der Wiener Sternwarte bei Maximilian Hell SJ als Adjunkt beginnen. Auch die Kirche schätzte seine wissenschaftliche Tätigkeit. Für 1785 erhielt er die Messlizenz für die Erzdiözese Wien vom Wiener Erzbischöflichen Konsistorium ausgestellt. 1786 wurde diese auf seine Amtszeit als Astronom in Wien verlängert: „Franz de Paula Triesnecker hat zwar nie eine eigentliche Seelsorgetätigkeit in der Erzdiözese Wien ausgeübt, er hat aber sein Priestertum laut Personaldaten durchaus ernst genommen“. Für Reisen ließ er sich Messlizenzen ausstellen.

 

Franciscus de Paula als Wissenschaftler

Adjunkt an der Wiener Sternwarte unter Maximilian Hell (1780–1792)

Im Jahre 1780 wurde Triesnecker, dessen Ruf sich wegen seiner mathematischen und astronomischen Kenntnisse verbreitet hatte, Adjunkt an der Wiener Universitäts–Sternwarte. Damit war seine wissenschaftliche Laufbahn gesichert, obwohl noch andere bedeutende Persönlichkeiten, wie z.B. Anton Pilgram SJ, dort beschäftigt waren. Letzterer war seit 1753 Assistent bei Hell und leitete die Sternwarte von April 1769 – August 1770 und gab mit Hell die Wiener Ephemeriden 1769–1771 heraus.

Triesneckers erste wissenschaftlich dokumentierte Beobachtung behandelt den „Austritt des Jupitertrabanten am 17. Mai 1781“. Astronomische Arbeiten, die er in Graz zwischen 1773 und 1780 durchführte, sind unbekannt. Er muss aber in dieser Zeit hart an seiner künftigen Wissenschaftskarriere gearbeitet haben.

Triesnecker gab auch unter Maximilian Hell die „Ephemerides Astronomicae ad Meridianum Vindobonensem“ (1787–1792) heraus. Außerdem war er ein fleißiger „Rechner“ und überarbeitete die Tafeln der Bahnen der Planeten Merkur, Venus und Mars. Auch andere wissenschaftliche Arbeiten, wie etwa der Bericht über die Entdeckung des Uranus, wurden ins Lateinische übertragen und damit der wissenschaftlichen Welt zugänglich gemacht, denn Latein war damals die Sprache der Wissenschaft.

 

Direktor der Wiener Universitäts–Sternwarte (1793–1817)

Nach Hells Tod (14. April 1792) übernahm Franciscus de Paula Triesnecker die Leitung der Sternwarte, was eine Anerkennung für seine erbrachten Leistungen war. Er verblieb auf diesem Posten bis zu seinem Tod im Jahre 1817. Als Adjunkt holte er sich seinen ehemaligen Schüler Johann Tobias Bürg, einen ebenfalls sehr fähigen und fleißigen „Rechner“. Gemeinsam gaben sie die „Ephemerides Astronomicae ad Meridianum Vindobonensem“ (1793–1806) heraus. Ferner folgten Verbesserungen der Bahndaten für Mond und Merkur, Berechnungen der Venusmasse, des Sonnendurchmessers und für Sternkataloge. Weiters wurden zahlreiche Längenbestimmungen wichtiger Orte veröffentlicht. Als die Finanzierung der „Ephemeriden“ nicht mehr gegeben war, erfolgten die Publikationen bei der „Königlich Böhmischen Gesellschaft der Wissenschaften in Prag“ sowie bei anderen Akademien, deren Mitglied er wurde. Ferner publizierte er in Zachs „Monatlicher Correspondenz“ und in Bodes „Ephemeriden“. In diesen Organen veröffentlichte Triesnecker unter anderem besonders viele Längenbestimmungen.

Eine weitere wesentliche Aufgabe der Astronomen war die Landvermessung, bei der sehr viele Rechenoperationen durchzuführen waren. Auch eine Qualitätskontrolle, vorgenommen von gewissenhaften Personen wie Triesnecker, war absolut nötig, um brauchbare Messergebnisse zu erzielen. Die durchzuführenden Kontrollmessungen mussten ebenfalls festgelegt werden. Sämtliche leitenden Persönlichkeiten an der Wiener Sternwarte, wie Mezburg, Pilgram, Triesnecker (alle Jesuiten) sowie Bürg (bürgerlich), waren an den Vermessungen von Galizien und Niederösterreich beteiligt.

Triesnecker wurde wegen seiner Arbeiten als bedeutender Astronom und Geodät international anerkannt. Dies äußerte sich darin, dass er von zahlreichen Akademien zum Mitglied ernannt wurde. Ferner stand er in brieflicher Verbindung mit vielen bedeutenden Astronomen seiner Zeit wie Zach (Gotha), Bode (Berlin), David (Prag), Heinrich (München), Fixlmillner und Derflinger (Sternwarte Kremsmünster). Zusätzlich hatte er Kontakte zu den führenden europäischen Astronomen und Mathematikern wie Gauß, Kästner, Lalande und Laplace. Ebenso bemühte er sich, immer auf dem neuesten mathematischen Stand zu sein, und nützte die mathematischen Methoden seiner Zeit zur Gänze. Wegen seiner gewissenhaften Arbeitsweise benützten alle führenden Astronomen seiner Zeit mit ruhigem Gewissen die von ihm errechneten Daten.

Besondere Anerkennung erhielt er durch die Verleihung des zivilen „Leopolds–Ordens“ im Jahr 1809, dem ersten Jahr der Verleihung dieses Ordens. Für den bescheidenen Triesnecker war dies ein außergewöhnliches Ereignis.

Triesnecker musste zeit seines Lebens aufgrund der mäßigen Gehälter sehr bescheiden sein. Zusatzverdienste waren nicht möglich, obwohl er auch Lehrer für Astronomie an der Wiener Universität war. Das wenige, was ihm übrig blieb, soll er mit den Armen geteilt haben.

 

Lebensende und Nachruhm

Auf seinem Posten als Direktor der Wiener Sternwarte starb er 72-jährig am 29. Januar 1817. Begraben wurden seine sterblichen Überreste auf dem Friedhof von St. Marx. Heute ist seine Grabstätte unbekannt, womit er das Schicksal von W. A. Mozart teilt.

Durch die Benennung eines großen Mondkraters und eines Rillensystems auf dem Mond nach ihm brachten andere Astronomen ihre Wertschätzung seiner Leistungen zum Ausdruck. Posthum wurde ihm damit die größte Ehrung zuteil. Von seinem Nachlass ist heute nichts auffindbar.

 

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Maria Knapp
Mai 2020