Topographien von Mallon

 

Letzte Änderung: 10.12.2014

 

Bereitungsbuch
NÖ Landesarchiv  

"Beschreibung aller Stött, Marckht, dörfer, auch ainschichtigen Höf unnd Müllen In österreich und der der Ennß, des Viertls unnder Manhartsberg durchHannsßen Zolcher, wonhaft zue Dierncrut beschriben Anno 1590isten.

(509) Mallon, fo.141 vo
Sigmund Friedrich Fugger zu Oberstockstall, Obrigkeit   28 hauß"

 

Stainerische Casten-Ambts: Beschreibung
Beschreibung aller Stückh-Zehent und Gülden des Hochfürstlichen Passauischen Casten-Ambts Stain,1708
Bayerisches Hauptstaatsarchivs, Signatur HL- 528 Hochstift Passau-Buch - Auszug

"Maylohn.
Kirchberger Pfarr
Halber Zehent
Ist ein Dorff in Kirchberger Pfarr von 24 Hauß, so mit der Dorff Freyheit dem Dom Capitlischen Pfarr Kirchberg am Wagram underworfen.

Allhir an diesem Orth, und derselben Freyheit, hat das Hochfürstliche Passauische Castenambt Stain durchgehents halben Zehent, und den anderen Theill die Herrschaft Gravenegg.

Safran Gärten seindt ao. 1697 gewesen zwey und Zwanzig von welchen der Zehent gegeben würdt.
Weinzehent, an solchen gibt es derzeit an diesem Orth nichts, weillen keine Weingärten vorhanden sindt.

Kleinzehent würdt gehoben vom Krautt."

 

Topographische Tabellen von 1817
Diese Tabellen wurden von den Kreisämtern den diversen  Grundherrschaften zugesandt und von diesen ausgefüllt retourniert. 

"Malon
Dorf.
Malon ein eine halbe Stunde südlich von Kirchberg am Wagram gelegenes zur Dorfherrlichkeit der passauischen Herrschaft Ober-Stockstall gehöriges, unter dem Landgerichte der Herrschaft Grafeneck stehendes, und nach Kirchberg am Wagram eingepfarrtes Dorf. Der hiesige Feldbaugrund ist mittelmäßig: er erzeuget etwas Safran, vorzüglich Rocken und Hafer, wenig Weitzen, fast keine Gerste, sehr wenig Klee, viele Erdäpfel ohne Handel, grüne Waare zur Hausnothdurft, Obst mit grossem Handel, man fängt an  Burgunderrüben zu bauen. – Der Weinbau ist sehr stark, und gibt mittelmäßigen Landwein. Waldungen mangeln, wie auch Wiesengründe; doch habe die Einwohner deren einige in fremden Jurisdictionen. Man findet hier wenige Bienenstöcke. Das eingeführte Institut reichet den Armen hinlängliche Versorgung. Die Luft ist sehr gesund, das Wasser rein und gut. Malon hat 27 vor aller fremden Mitherrschaft freye Häuser: Die Population bestehet aus 37 Familien, 86. Männlichen, 97. Weiblichen Köpfen, worunter kein Handwerker ist. Der Viehstand aus 19. Pferden, 4. Zugochsen, 37. Stücken Rinder, 20. Schafen, 4. Zuchtschweinen."

 

Josephinische Landesaufnahme
um 1780, Kriegsarchiv Wien

"Mallon: Ein kleines geringes Dorf in der Plaine."

 

Franz Xaver Schweickhardt
(1794 – 1858), 
veröffentlichte zwischen den Jahren 1831 – 1841 eine „Darstellung des Erzherzogthums Oesterreich unter der Enns durch eine umfassende Beschreibung aller Burgen, Schlösser, Herrschaften, Städte, Märkte, Dörfer, Rotten u.u. topographisch=statistisch=geneologisch=historische bearbeitet, und nach den bestehenden vier Kreisvierteln alphabetisch gereihet.“ Das ist eine historisch-topographische Beschreibung Niederösterreichs in 34 Bänden, die nach den vier Vierteln geordnet sind. Im Jahre 1835 in Band 7 ist unsere Gegend, das Viertel unter dem Manhartsberg, beschrieben:

"Mallon,
ein kleines Dorf von 28 Häusern, wovon Kirchberg am Wagram die nächste Poststation ist, und wohin auch die hiesige Gemeinde zur Pfarre und Schule gehört.

Das Landgericht versieht die Herrschaft Grafenegg, Grund-, Orts- und Conscriptionsobrigkeit aber ist die Herrschaft Oberstockstall.

Im Dorfe leben 45 Familien, 86 männliche, 101 weibliche Personen und 23 schulfähige Kinder. Der Viehstand zählt 18 Pferde, 49 Kühe, 76 Schafe, 15 Ziegen und 50 Schweine.

Die Einwohner sind gering bestiftete Bauern und Kleinhäusler. Sie nähren sich vom Acker- und Weinbau, haben auch eine starke Obstbaumzucht, und bauen ihre Grundstücke, welche von mittelmäßiger Ertragsfähigkeit sind, mit Korn, Hafer; wenig Weizen und Gerste an. Die Viehzucht beschränkt sich, wie meist in dieser Gegend, bloß auf den Hausbedarf.

Dieses der Herrschaft Oberstockstall unterthänige Dorf, dessen Häuser durchgehend mit Stroh eingedeckt sind, bildet eine regelmäßige Gasse, und liegt ganz flach und nahe in der Gegend des Wagrams, auf welchem, als dem einzigen im diesseitigen Bezirke bestehenden Berge, die Weingärten angelegt sind, und am Fuße desselben entlang, auch die Straße nach Krems führt, zunächst bei Kirchberg, und hat Dörfel, Neustift, Kollersdorf und Thürnthal zur nächsten Umgebung.

Die Gegend bietet, gleichwie wir bei Dörfl berichtet haben, und welches ganz nahe unserem Mallon liegt, viele ländliche Annehmlichkeiten dar; es werden übrigens aber außer Feldwegen weder Straßen und Brücken, noch Flüsse und Wälder hier angetroffen.

Klima und Wasser sind gut. – Die Jagd liefert Hasen und Repphühner.

Der Ort ist sehr alt und gehört als ein eigenes Gut zur Gülten-Einlage Nro. 155 seit undenklichen Zeiten zur Herrschaft Ober-Stockstall, jedoch ist die Ableitung seines Namens uns nicht bekannt geworden.

Wir glauben aber nicht, daß Mallon der ursprüngliche und rechte Name desselben sei, sondern vermuthen nicht ohne Grund, daß solcher Malinsdorf geheißen habe, wovon auch Mainhard nebst denen von Bisamberg, Ladendorf, Wolfpassing, Schleinbach und Mergersdorf in einer Schenkungsurkunde über zwei Beneficien zu Eckersdorf unweit Wilfersdorf im Jahre zu Anfang des XII. Jahrhunderts erscheinet. – Heinricus de Maleinsdorf stiftet zwei Beneficien für die Kirche zu Klosterneuburg zu Maustränk, welcher Vertrag unter Herzog Friedrich dem Katholischen ungefähr 1194 bis 1196 geschah.

Weiter kommt von diesem Geschlechte nichts mehr vor, so wie vom Dorfe Mallon selbst gar nichts aufgefunden werden kann."

 

Neue Gebietseintheilung
sammt alphabetischem Verzeichnisse sämmtlicher Orte des Erzherzogthumes Niederösterreich, aus der kaiserlich-königlichen Staatsdruckerei, Wien 1855, NÖ Landesbibliothek

"Ortsname: Mallon
Eigenschaft des Ortes: Dorf und Kat.G.
Gehört zur Katastral-Gemeinde und Ortsgemeinde: Mallon
Flächeninhalt nach nö. Jochen: 281
Einwohnerzahl: 204
Gehört zum Pfarrsprengel: Kirchberg am Wagram
Gehört zum Bezirksamte: Kirchberg am Wagram
Gehört zum Untersuchungsgericht: Korneuburg
Gehört zum Kreise: U.M.B.
Gehört zum Postbestellungsbezirke: Kirchberg am Wagram"

 

Alphabetische Reihenfolge
und Schilderung der Ortschaften in Niederösterreich
1879 – 1885, NÖ Landesbibliothek

"Mallon, Dorf, K.= und O.-G., Pfarre, Schule und Post Kirchberg, G.-B. Kirchberg am Wagram, B.- H. Tulln (U.M.B.)

(1795) 26 Häuser; (1822) 27 Häuser; (1834 Schw.) 27 Häuser; 210 Einw.; (1853) 204 Einw.; (1870) 27 Häuser, 259 Einw.; (1880) 30 Häuser, 192 Einw.; (1890) 30 Häuser, 192 Einw.; (1900) 33 Häuser, 197 Einw.

Das Dorf bildet eine Ortsgemeinde von 1,62 km², welches sehr kleine Gebiet von Thürnthal, Engelmannsbrunn und Kollersdorf umfangen wird. Der Schulort Kirchberg ist drei Viertelstunden östlich entfernt. Das Dorf liegt unterhalb des Steilrandes des Wagram im Tullnerfelde eben, und hat auf seinem kleinen Gebiete gute Äcker, etwas Weinbau und in den Hausgärten auch Obstzucht. Die Nordwestbahn und die Straße von Hadersdorf am Kamp nach Kirchberg gehen nördlich am Orte vorbei. (Schimmer.)

Älteste Erwähnung um 1230 im Urbar des Passauer Domkapitels (Archiv für österr. Geschichte LIII, 271, 273) als Meilan. Ob der Gotfrit de Meilan einer Ukrunde von 1192 (Urkundenbuch von St. Pölten I, 26, Nr. 17) hieher zu stellen sei, ist fraglich, doch jedenfalls besser als nach (Alt=) Melon. Beide Orte, Mallon und Melon, kommen auch in Betracht bei dem unter Zeugen ihrer beiderseitigen Umgegend stehenden Heinricus (de) Maylan (gedruckt Mavlan) einer fehlerhaft zu mindest abgedruckten Heilgenkreuzer Urkunde von 1254 (Fontes XI, 128, Nr. 126). Als weitere siche man unter Melon (Alt=). (R.Müller.)

Die Gründung und Besiedlung dieses Ortes erfolgte schon unter der Herrschaft der Babenberger. Ob er Sitz einen adeligen Geschlechtes, von dem etwa ein Gottfried 1192 und ein Heinrich 1254 in Betracht kämen, gewesen ist, muß dahingestellt bleiben (siehe oben; vgl. auch Mallau). Unter der Regierung der beiden letzten Babenberger, Leopold VI. und Friedrich II., war Mallon, das damals den Namen Meilan trug, Eigentum des Domkapitels von Passau und an dieses zinspflichtig. Einem Urbar dieses Domkapitels aus dem Jahre 1230 entnehmen wir, daß Mallon jährlich 1 Metzen Weizen 1 Metzen Winterweizen, 30 Denare, 2 Gänse und 4 Hühner an das Kapitel zu liefern hatte; außerdem liefen von zwölf Benefizien aus dem Dorfe Meilan jährlich 20 Schilling ein (Archiv für österr. Geschichte LIII, 271, 273).

Weniger gesichert ist eine spätere Nachricht über unseren Ort. Am 13. Oktober 1325 vermachte nämlich Dietmar Zant von Maylan und seine Hausfrau Margarete 1 ½ Joch Äcker in dem Dörflerfelde dem Pfarr=Gotteshause St. Stephan zu Wachrain zu einem Jahrtage (Lang, Reg. boica VI, 176). Die Annahme, daß sich diese Nachricht auf den Ort Alt-Melon beziehe (Topographie von Niederösterreich V, 121), ist wohl als unbegründet abzulehnen. Denn einerseits ist St. Stephan am Wagram der alte Name der Pfarrkirche zu Kirchberg am Wagram, der seit den frühesten Zeiten bis ins 16. Jahrhundert im Gebrauche war (Archiv für österr. Geschichte LIII, 273; Topographie von Niederösterreich V, 121), anderseits läßt der Name des Verleihers wohl kaum auf einen Nachkommen des adeligen Geschlechts derer von Alt=Melon, das noch dazu sehr weit von Kirchberg am Wagram entfernt ist, wohl aber auf einen begüterten Bauer aus dem Dorfe Mallon schließen. Auch der Name „Dörflerfeld“ weist uns nach Mallon, da in dessen Nähe der Ort Dörfel gelegen ist, in dessen Umgebung sich das Grundstück befunden haben mag.

Im Jahre 1564 gehörte das Dorf Mallon zur Grundherrschaft Oberstockstall und war der Pfarre zu Kirchberg am Wagram zinspflichtig. Einem Verzeichnisse aus diesem Jahre, welches Balthasar Ottenschlag, Domherr von Passau und Pfarrer in Kirchberg am Wagram, verfaßte, entnehmen wir, daß Maylon an Pfenniggült auf behausten Gütern 1 Gulden 1 Schilling 12 Pfennige und an Überland- und Burgrechtdienst 3 Gulden ½ Pfennig jährlich zu zahlen hatte; überdies mußten die Dorfbewohner jährlich eine Faschingshenne an den Pfarrhof abliefern (Niederösterr. Landesarchiv, Gültbuchsacten V. U. M. B. Nr. 36!).

Die Erwähnung aus den Jahren 1630 und 1656, in den Konsistorial=Kurrenden von St. Pölten irrtümlich Mallon zugewiesen, beziehen sich auf Alt=Melon (Konsistorial=Kurrenden von St. Pölten III, 341). In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts gehörte der Ort, der jetzt Mallon genannt wurde, zur Grund-, Orts- und Konskriptionsobrigkeit Grafenegg (Schweickhardt V. U. M. IV, 89).

Das Dorf besitzt eine eigene Gemeindeverwaltung, bestehend aus dem Bürgermeister, zwei Gemeinderäten und acht Ausschußmitgliedern. Die Reihe der Bürgermeister seit 1865 ist folgende; Josef Bauer, Wirtschaftsbesitzer, von 1865-1874; Michael Benedikt, Wirtschaftsbesitzer, von 1875 bis 1879; Josef Bauer, Wirtschaftsbesitze, von 1880 – 1882; Anton Heinzl, Wirtschaftsbesitzer, von 1883 – 1885; Michael Benedikt, Wirtschaftsbesitzer, von 1886 - 1888; Anton Hainzl, Gastwirt und Wirtschaftsbesitzer, von 1889 - 1891; Josef Bernhardt, Wirtschaftsbesitzer, von 1892 bis 1894; Karl Zimmermann, Wirtschaftsbesitzer, von 1895 - 1896; Johann Weiß, Wirtschaftsbesitzer, von 1897-1900; Josef Bernhard, Hausbesitzer, von 1901 - 1902."

 

Heimatkalender des Bezirkes Tulln
1949, NÖ Landesbibiliothek

"Nr. 40 MALLON.
1,62 km2, 152 Einwohner, 37 Häuser.

Post, Gend. Posten, Pfarre, Standesamt Kirchberg am Wagram, Schule Engelmannsbrunn, öffentliche Sprechstelle im Orte. Eisenbahnstation (Absdorf – Krems) Kirchberg a. Wagr. (2 km).

Dorf, Seehöhe 187 m.

Das Dorf liegt abseits, südlich der Straße Kirchberg – Fels in dem völlig ebenen Gelände des nördlichen Tullnerfeldes. Sein Katastralausmaß beträgt 161,59 ha u.z. 138,14 ha Äcker, 16,26 ha Gärten, 0,56 ha Weingärten, 0,22 ha Wiesen, 0,05 ha Wieden, verbaut sind 2,94 ha.

32 bäuerliche Betriebe mit Milchgenossenschaft. Bewirtschaftet werden 90 ha Klee, 57 ha Gerste, 55 ha Roggen, 51 ha Hafer, 48 ha Weizen, 48 ha Kartoffeln, 33 ha Futterrüben, 13 ha Kraut, 12 ha Zuckerrüben. An Großvieh werden gehalten 28 Pferde, 96 Rinder.
1 Kaufmann, 1 Schmied."

 

Februar 2012
Maria Knapp