Lucas von Stockstall

Abt des Stiftes Göttweig vo 1431 – 22.9.1439
 
 

Lucas Lauchlaibl stammte aus Mitterstockstall, wo seine Familie beheimatet und den Herren von Winkel untertänig war.           

Lucas von Stockstall stand dem Stifte zu jener Zeit vor, als unser Albert V. 1438 die ungarische und böhmische, zuletzt 1439 auch die Kaiserkrone erhielt, und im andern Jahr auf seinem Feldzuge gegen die Türken das Leben verlor. Der Sieg der Türken wider den König Sigmund 1432, welcher sich mit vieler Noth rettete, machte unserm Abten große Besorgniß, und noch mehr die Ausbreitung der Hussiten, welche um diese Zeit schon in die Taboriten, Horebiten und die Waisen getheilt, und die Geißel für Österreich waren.
(Ein Benediktinerbuch, Geschichte und Beschreibung der bestehenden und Anführung der aufgehobenen Benediktinerstifte … Sebastian Brunner, 1880) 

Er vollendete den von seinem Vorgänger begonnenen Umbau der Stiftskirche und fügte 1439 noch eine Kapelle zu Ehren des heiligen Petrus hinzu. Vom Baseler Concil erhielt er den Auftrag, der Pfarre Sitzendorf die entrissenen Güter wieder zu verschaffen und musste gegen die Gewalttäter mit dem Bann einschreiten. 

Er war ein unermüdlicher Verteidiger der Rechte und Privilegien des Klosters, wobei er die Unterstützung des Herzogs Albrecht V. genoss, erließ nicht wenigen der Klosteruntertanen die schuldig gebliebenen Dienste, setzte bei vielen die jährlichen Leistungen herab, was ihm den Beinmanen bonus pater pauperum (guter Vater der Armen) eintrug. 

1439 hat er, wie dem Stiftsarchiv zu entnehmen ist, den Engelmannsbrunnern ihre Zinsschulden erlassen: 1439 29.06. Ulreich Lerrenfrid, beurkundet, dass er von 9 Joch Äcker gelegen in dem Feld zu Engellmarsprunn, das das Klainerveld haisst, der siben jeuchart gelegen sind an ainem rain und dy andern zwo auch an ainem rain, welche er von dem Stifte zu Goettweig gegen einen Jahreszins von 35 Pfd. Wiener Pf. an sant Michelstag an das Stiftsamt zu Doerfflein zu Burgrecht innehat, dem Abte Lucas zu Goettweig als Burgherrn wegen lange vergessener Zinse zu Wandel verfallen war, welchen ihm derselbe sammt dem Zinse mit der Bedingung, die Zinspflicht in Zukunft genau einzuhalten, erlassen hat. 

Laut Pfarrchronik Altenwörth hat er 1433 den neuen Pfarrer von Altenwörth, Erhard Pruness präsentiert. 

Lucas dürfte auch Verwandte mit Posten im Stift versorgt haben: 1438 wird ein Erhart Lauchlaibl als Pfistermeister (Bäckermeister in Verbindung mit einer Mühle) genannt.  

Er ist am 22.9.1439 verstorben und wurde im linken Nebenraum der Krypta des Stiftes beerdigt. Dort befindet sich eine rote Marmorplatte mit eingravierter Gestalt eines Prälaten mit Buch, Krummstab und Inschrift Anno dni MCCCCXXXII obiit vernerabilis in XVO pater et dns ans Lucas de Stockstall abbas hui monasterii in die sci Maurilii hie sepultus.


Stift Göttweig, Kupferstich von Georg Matthäus Vischer
aus: Topographia Archiducatus Austriae Inferioris Modernae

 
 
Auf Monasterium finden sich Urkunden, den Abt und seine Familie betreffend:
 
 
Quellen:
Stiftsarchiv Göttweig 1439 VI 29
Österr. Kunsttopographie, Bd.1, bearb.von Hans Tietze, 1907
Topographie von NÖ, III. Band, 1893
Kurz abgefaßte Geschichte des uralten Benedictiner-Stiftes Göttweih…, Aemilian Janitsch, 1820
Schriften von Dr. Rudolf  Delapina, Wien/Kirchberg am Wagram 
 
 
November 2022
Maria Knapp