Verkauf der Herrschaft Winkelberg, 1582

 

Verkauf der Herrschaft Winkelberg durch den Landuntermarschall und späteren Landmarschall in Österreich unter der Enns, Christoph von Oberhaim an Hans Moser zu "Polybsdorf"

Im Jahre 1572 kaufte Christoph von Oberhaim die Herrschaft Winkelberg von

Christoph von Trenbach, jedoch nunmehr ohne die Vogtei über die Kirche St. Stephan am Wagram. Im Jahre 1582 war er infolge von Schulden gezwungen, die Herrschaft wieder zu verkaufen.

 

Mit der Hardegger Urkunde Nr. 10981), vom 1. September 1582 ist eine Abschrift der Kaufabsprache über die Herrschaft Winkelberg2) zwischen Christoph von Oberhaim3), zu den Zeiten kaiserlicher Rat und Landuntermarschall in Österreich unter der Enns als Verkäufer und Hans Moser zu "Polybsdorf" ?4) als Käufer erhalten.

Originaltext:

"Zu wissen, nach dem zwischen dem Edlen und Vesternungen Herrn Christoffen von Oberhaimb Röm: Khay: Aptl: Rath und Landuntermarschalkh inn Österreich under der Enns, und dem Edlen, unnd Vesten Herrn Hansens Mosers Zue Polybstorff, ain Khauf umb die Herrschafft Winckhelberg den 22 September verschines 81 Jar Inn beysein d Edlen Hochgelehrten auch Erneuest Herrn Johan Ambrosy Profiram bayder Rechten Doctor, Röm: Khay: May: N:Ö: Camer Rath, Hern Wolff Frayberger zue Reinprechtspölla, Röm: Khay: May: A..ustermaister In Obern ... und Herr Johann Schändl Höchsternanter Khay: May: Landtschreiber Ambtsverwalter Inn Österreich under d' Enns abgereds, Zeit unnd termini zu der Bezalung unnd Abtrettung gemelter Herrschafft Conditionierterweys gesetzt und benant worden, weil ob Irrungen einfallen dez selb Khauf bißher nicht in Volzihung khomen mög , haben sich demnach gemelter Herr von Oberhaimb und Herr Moser, auf ein neues ainentlich und schließlich Khaufs abgeredt dabey baider theill zuerkhennen und d' selben Inhalt nach Zuekhomben entschlossen, zuegesagt und versproch: wie hernach zuevernemben:

Nämblich verkkaufft gemelter Herr von Obehaimb obgemelten Herrn Moser, die Herrschafft Winckhelberg mit aller irer Zuegehörung wie es Herr von Oberhaimb inngehabt, genüzt und genossen, davon nichts ausgenomben allein die vier Underthanen, unnd die Dorffobrigkhait zue Paumgartten so von mer'Zehen sye schuldig unnd auferlauffenen Uncosten dem Herrn von Oberhaimb auf vorgehends verlängerte Execution eingeschätzt worden, aber auf dato gegen dem Geörg nunmehr noch Im streitt steet, und zween Und'thanen zu Zwenttentorf gelegen, so zu d' Herrschafft Winkhelberg angehören, die andern und übrigen Underthann all darin ungeverlich in die 260 sein Ambt Inern behausen auch auch Überlandtdiensten, Wein und Traidt Zehent, hernach von Paumgarten, Weingarten, Äckhern Auen Wisen, Deichten5, Vischwassern, Wildpan Jaiden, Obrigkhaitten Freyheitten Wehr? und Waid, benants und unbenants sol Im Khauf verstanden seyn.

Für obgemelte Herrschafft Winkhlberg unnd d'selben Zuegehörung so ausser des Ambts Niderabstorff unnd der Neun Underthanen die Herr von Oberhaimb von Hannsen Fragner erkhaufft frey eig ist, gibt Herr Moser gedachtem Herrn von Oberhaimb 27.000 Fl 22 den: unnd seiner Hausfrauen zweyhundert Dukaten Zu ainem Laitkhauff, Nachfolgender Massen Zuerlag, Nämblich all Herr Moser den Laitkhauf der 200 Dukaten der Frau von Oberhaimb alspaldt Zuezallen, wie das auch beschriben, unnd die frau dennselben zue iren Hannden empfangenn.

Mehrer soll Herr Moser an d' ersten Khaufswehrung 16.000 fl dem Herrn von Oberhaimb In grober Landtläuffiger Münz, und aufgekündten auch alberait gefalnen gelt dz Hund't siben unnd acht gulden dz Farlang fürzinsen, bey ainer Ersamen Landschafft ligends, dan auch bey Herrn Adamen Bayer Zue Inzerstorff e. Zwaitausendt gulden bars gelt vor d. Abtrettung Winckhlberg bar Richtig nach und Üb'gabl: Die übrigen Neuntausends gulden, soll herr Moser zu zwayen fristen, alß viertausendtt fünffhundert gulden denn fünffzehenden July nächst khünfftiges 83 Jahr, doch ohne Interessen6) den andern halben Thail aber, so auch viertausendt 500 fl bringt In einem Halben Jar hernach, dz ist auf den 15. Januari deß volgenden 84 issten Jahres doch sambt dem Interesse, siben Pf Conto, zuemachen, ohne lange Verzieh: In barem unnd grob Landtläuffig: Münz bezalen, unnd zu Hand richtig mache, auch dero weg ein genuegsambe Verschreibung, darin die Herrschafft Winckelperg alß ein und Pfandt eingesetzt dem Herrn von Oberhaimb zu sollen.

Sovill die Abtrettung unnd ein Antworttung des Guets antrifft, solle Herr von Oberhaimb dieselb alßbaldt nach Übergebung d. Schuldbrieff obberürte Summa d Achtzehen Tausent Gulden dem Herrn Moser unnwaigerlich zue laistten schuldig sein.

Verner ist abgewegt dz Herr von Oberhaimb den Herrn Moser einen Landtläufigen Khauf und Schermbrief sambt denn Grundbüchern über Winkhelberg, dan auch ain aufsandung ain die Khay: May: von weg des Ambts Nidern Absdorff von Dato, In Monatsfrists Zuestellen solle.

Es ist auch abgeredt, Nach dem obgemelten Hans Fragner seliger, dem Herrn von Oberhaimb Neun Underthanen für frey aig erkhaufft, die aber weillandt Wolff Schachner alß ein Roggendorfferisch Lehen, des Zeent, und Im warlichen sein solle Innlagt, Nachvolgendt sein Gerechtigkait, weillendt, Herr Graff Hainrich von Hardegg, selig verkhaufft, dessen Fraue Wittib unnd Erbin Gerhaben, mit der Fraue Winekhlerin alß Hansen Fragners Erbin, der den von Oberhaimbs Zuenthaben, und ohne allen Nachtl. unnd Schadt: Zuehaltten schuldig erkhendt, auf dato in verner zueürtten Rechtenn steet, Im fal sie Plütigt würdt daß sie Khains weegs verkhaufft, Ist sie dem Herrn von Oberhaimb, od dem er die gemelten Güetter übergibt, Inhalt der betreffigten virtlß Zue Contendieren schuldig, wie dan Herr Oberhaimb alberait dz Verlaub und die rüissiert Execution, auf Ire Guetter verlangt, das demnach sich Herr Moser, an solch gerechtigkhait Im soll er die güetter Abtretten...lassen, Unnd daran ersettigtet sein soll, Es ist auch Herrn von Oberhaimb derowegen ein Übergab Zufertig schuldig, Und nach dem sich gegen dem Inhaber Grafenegg, Und Herrn von Oberhaimb um Gewaldt und In anderwegs etlich strittig Handlung bey Gericht halten, die soll Herr von Oberhaimb ohn sein des Herrn Mosers entgelt ausfüren.

Weitter ist abggredt worn Herr Moser od. seine Erben üb Khurz oder lang, die Herrschafft Winkhelberg mit irer Zuegehörung verkhauffen woltt, dz er die selben dem Herrn von Oberhaimb oder seinen Erben, anzufeillen und den Khauf vor andern zulassen schuldig sein.

Dann ist abgredt, dz dem Herrn Moser die Irzige 82 ist ganz Fexung bleiben, unnd Zuestellen soll, Im soll auch Herr von Oberhaimb noch darzue von fertiger Fexung fünfzig Eimer Wein Zehen Khue ain Stier, alle Schweine ausser der acht grossen, 200 Schaf Allerley Nuz, ausser deß Neuen Rechens und Hochnez, Item 10 Roselhäkhen woln lassen, Item es Bleibt auch Im .. hof alles gerste Hay und grainmath so nicht erfüetert wirdt, aus vor der ferttigen Schäbfassen so Herr von Oberhaimb zum Zieglprennen bedürfftig, die übrige Verwendt Haab alle, nichts auszunemben, so für farende Hab gewaidt werch mag. Hat ime Herr von Oberhaimb austrücklich vorbehalten, Es sol auch Herr Moser den Mosten so auf die heulig fexung bißhero gewandt worden, zuebezallen auch sovil Eimer Wein Im geschloß über die 50 Schlauch sein, mit gleichmässiger Eimerwein zu wägen, und dagegen Herr von Obehaimb St Georg Dienst soviel er dessen eingenomben Zuerstatten schuldig sein.

Letztlich ist abgeredt und beschlossen, dz Herr Moser alle bekhandtliche Schulds: und die uenderthanen zu der Herrschafft Winkhelberg gehörige dem Herrn von Oberhaimb In ausständig Diensten steuer jarlich zalt Traidt und Weingeldt, auch Inn und weg zue khain gebliben, zu der Bezallung doch ohne sein des Mosers entgelt erholffen sein, und darob halten, auch Herr von Oberhaimb hinwiderumb alle Steuer biß auf dz 83 Jar, gleichfalß Richtig Mach unnd Herrn Moser deroweg ohne Schad halten solte des gleich soll Herr von Oberhaimb dz Waisengeldt Er empfang' unnd noch innen haben möcht, ohn entgelt, dz Herr Mosers richtig machtens hat auch Herrn Moser bewilligt, dz der winkhlbergisch und khomen, dem Herrn von Oberhaimb sein War und der Hab, zu und hürnach fürren, und mitlerzeit biß Schlos bescheh Im zu Schloß (wie es Herr von Oberhaimb bißher ersichert gehabt) verwahrlich behalten, Er sich auch Herr von Oberhaimb des ..idflß Winklberg, biß die völlige Bezallung beschiecht, ohn Irrung gebrauch mag, und sollen sich beide thail mit nimand vergleichen sein, und khain Thail geg' dem and'n v'war khain Zuespruch haben, sich noch gemeinen in khainerley Weiß noch Weeg, Thraulich und ohn gefährlich, des zu wahren Urkhundt, haben beide Thail diese Khaufabredt, mit Irren aigens Petschaften und Hanndschrifften verfertiget, unnd Zu mehreren gezeugendts und sie haben auch bide Thail vleissig Herrn Wolff Christoph von Dinzersdorff zu Enzersdorff, im langen Thall, Röm: Khay: May: Rath, unnd Beysizer der Landtsrechten, zu Österreich under der Enns, unnd Herrn Adam Geyer von Osterburg Zue Inzerstorff dz si diß Khaufs Abredt deren dern zwei gleichlautendt auffgereicht worden, gleichfalß mit iren Petschafften unnd Handtschrifften verferttigt, jedoch jezt gemelten Herrn unnd jede Ferttigung ohn allen Nachteil und Schaden.

Datumb: Wienn den Ersten Septemb Ao 82 Jr.

Christoff von Oberhaimb Hans Moser zue Winkhlberg, Wolff Christoff von Enzerstorff

Adam Geyer zu Ostenburg zu Inzerstorff."

 

  1. http://www.noela.findbuch.net/php/main.php?ar_id=3695#4861726465676765722055726bx1112  abgerufen am 2.1.2016
  2. http://www.imareal.sbg.ac.at/noe-burgen-online/result/burgid/861
  3. Die Oberhaim waren ein angesehnes oberösterreichisches Adelsgeschlecht, welches u.a. auch auf Schloss Parz in Oberösterreich saß, siehehttp://de.wikipedia.org/wiki/Stammliste_der_Oberhaim
  4. http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Partz.jpg abgerufen am 3.1.2016 
  5. http://de.wikipedia.org/wiki/Schloss_Parz  
  6. http://www.zelking.com/kirchen/pfarrkirche-matzleinsdorf/117-lokalie-matzleinsdorf.html   "Raimund, der Sohn des Christoph Straub und der Margarethe von Grüntal, 1576 Ratsherr zu Wien, 1579 in den neuen Ritterstand unter der Enns aufgenommen, besaß das Schloss und die Herrschaft Thürnthal im Kreis (Viertel) unter dem Manhartsberg, wie auch die benachbarte Feste und das Gut Obersebarn bei Grafenwerd (Seebarn am Wagram, nahe Grafenwörth), und unterzeichnete zu Horn am 3. Oktober 1608 die Konföderationsurkunde der evangelischen Stände Österreichs. Von seiner Gemahlin Katharina Stubmer hatte er zwei Söhne; seiner Schwester Margaretha, Witwe des Johann Moser zu Petzleinsdorf (Pötzleinsdorf?) und Winkelberg, wurde 1601 von ihren zwei Söhnen Georg Ehrenreich und Hanns Gottfried Moser das Gut Winkelberg übergeben. Notizenblatt IV. 1854 S. 325, 390–391; Archiv f. Kunde österr. Geschichtsquell. IX. Bd. S. 240, zu vergleichen mit Schweickhardt, V. U. M. B. VI. Bd. S. 133 u. VII. Bd. S. 105. Nach Schriften der Pfarre Grafenwörth besaß schon 1580 Raimund Straub das Gut Obersebarn."
  7. = Teiche
  8. =  Zinsen 

 

Andreas Nowotny  
Jänner 2016