Die Ersterwähnung von Neustift im Felde

 

Letzte Änderung: 10.11.2014

 

1. Vorbemerkung

Eine Exakte Gründungsurkunde von Neustift im Felde ist mir bisher nicht bekannt.

Neustift soll nach der hergekommenen Überlieferung nach der Zerstörung zweier unter dem Niederwagram gelegenen Orte, die einem verheerenden Hochwasser zum Opfer fielen, auf dem höchsten Punkt in der Umgebung als planmäßiges Angerdorf "neu gestiftet" worden sein.

In einer alten Landkarte scheint Neustift als "Große Neustift" auf.

Lange Zeit galt die Angabe im "Historischen Ortsnamenbuch von Niederösterreich" von H. Weigl mit 1399 für die Historiker als Erstnennung (siehe"Geschichte der Marktgemeinde Kirchberg am Wagram" aus 1993.

Doch setzte bereits Pfarrer Dedelbacher aus Altenwörth im Jahre 1916 die Gründung Neustifts mit 1337 ("verheerendes Donauhochwasser") an, was von den Schulleherern Adalbert Hirsch d.J. und Prof. Ludwig Piffl übernommen wurde.

 

2. Örtliche Literatur

Der damalige Schulleiter Ludwig Marzani schreibt in einer Anlage zur Schulchronik, genannt "Heimatskunde" im Jahre 1894:

"Das Dorf hieß bis gegen das Jahr 1760 “ Neustift im Wagram” - von da bis etwa 1830 “Neustift an der Au” -, später “Neustift im flachen Felde” - und nun “Neustift im Felde”.

Vor alter Zeit sollen auf dem Freiheitsbezirk “Altendorf” (gegen Altenwörth) und “in der Parz” gegen......? [Bierbaum] je eine Ortschaft bestanden haben. Beide wurden von wiederholten Überschwemmungen zerstört, worauf sich die Bewohner vereinigten und gemeinsam das heutige Neustift auf dem höchsten Punkt ihrer Freiheiten bauten". 1)

Diese Angabe erhebt die Frage um den Namen des "Alten Dorfes" und so schreibt Prof. Ludwig Piffl in seinem Manuskript „Die verschollenen Donauorte im Tullner Becken“ :

„Zwischen Kollersdorf und Bierbaum am Kleebühel verschwanden um die gleiche Zeit Hannodorf und Partz. Während ersteres in der Flur Altendorf – nach der Karte des Lorenzo 1817 10) „Im alten Dorf“ vermutet wird, erinnert die Flur Parz an den anderen Ort, dessen Burgfrieden noch 1590 auf alten Karten aufscheint 3). Die Bewohner dieser beiden Orte sollen 1337 in dem neu gestifteten Dorfe Neustift angesiedelt worden sein...

3) Neill – Über verschollene Orte, Bl. f. Landeskunde v. NÖ 1868, 77, 78, 81, 83, 84, 87...

10) Karte des Lorenzo – Josefinische Karte – Administrativkarte“.

Die vorgenannten Orte scheinen in einem Zehentverzeichnis der Pfarre Kirchberg aus dem Jahre 1230 als „Hannedorf“ und „Porz“ auf, Neustift wird darin noch nicht genannt.

 

3. Nachweise

Im Verzeichnis des Wüstungsarchives unter http://www.univie.ac.at/wuestungsforschung/archiv.htm wird Hannodorf als „nicht geortete Wüstung“ unter 646, 10 „Hannidorf“ H 103 Tulln Kirch/W Altenwörth, w, in den Auen und Parz unter 1338, 10 “Porze” B 386 Tulln Kirch/W Neustift i. Felde s, FIN, Winkl, “Altendorf” 52,10 A 130a Tulln Kirch/W Kirchb/W, sw Neustift/Felde undGlatzmanns unter 522, 10 G “Glatzmanns” 146 Tulln Kirch/W Altenwörth, in den Auen genannt.

Die Erstnennung von Neustift im Felde wird als „Neu´nstift“, im „Historischen Ortsnamenbuch von Niederösterreich“ von H. Weigl dem Jahre 1399 zugeschrieben, der seinerzeitige Pfarrer von Altenwörth, Josef Dedelbacher, setzte das Gründungsjahr auf 1337 2a).

Doch existiert im Prämonstratenserstift “Slage” -Schlägl (OÖ-Mühlviertel) eine Urkunde**), ausgestellt am 1. Januar 1318 (an dem heligen Ebenbeich Tach) in “Winchel pei der Tvenaw” (“Winkl bei der Donau”) durch Hadmar von Winchel (Hadmar von Winkl), in welcher “hoffen dacz Winchel” oder “hoffen dacz der Neustift” (“Höfen des Stiftes da zu Winkl oder da zu der Neustift”), hier ist mit Sicherheit das heutige Neustift im Felde gemeint, genannt werden. Dieses Dokument beweist, daß Neustift schon im Jahre 1317 bestanden hat.

In der niederösterreichischen Landeschronik sind für das Jahr 1316 schwere Überschwemmungen und Hungersnöte verzeichnet.

Die letzte bisher bekannte Nennung Hannedorfs war ebenfalls im Jahre 1316, daher erscheint mir das Jahr 1316 als Gründungsjahr Neustifts am ehesten zutreffend.

Im obgenannten Dokument aus Schlägl werden noch folgende Personen direkt oder indirekt genannt:

Bruder von Hadmar - Ortlieb von Winchel; Söhne von Hadmar - Ortlieb, Reichart und Hadmar; Gattin von Hadmar – Anna (Tochter Gundakers von Starhemberg); Probst des Stiftes Schlägl - Ulrich; der Pfarrer von St. Stephan (Kirchberg am Wagram) – Rüdiger; der Pfarrer von Winkl - Gerunch(von Bierbaum?, Hauskaplan und Leibarzt Herzogs Rudolf IV. ?); Elbein von Leutzenloch (Utzenlaa?); Reinhard von Pirboum (Bierbaum am Kleebigl); Herman von Portz (Parz); Wergant und Albrech sein Bruder von Portz, Chunrat von Cezleinsdorf (Katzelsdorf?, Ketzelsdorf?), Ulreich der Tyevel (Teufel), Perchtold der Tyevel (Die Freiherren der Tyevel werden oftmals als Zeugen und Siegeler genannt, 1384 war ein Hans der Tyevel Burggraf zu Stein, auch führt die Spur nach Schloß Pichl in Bayern ( http://www.augsburger-allgemeine.de/Home/Lokales/Aichach/Lokalnews/Artikel,-Ein-Steinkreuz-erinnert-an-einen-Vatermord-_arid,2007270_regid,1_puid,2_pageid,4492.html ), wo im Jahre 1415 ein Ulrich der Teufel von Herzog Ludwig dem Bayern mit dem Sissyschloß Pichl belehnt wurde, bzw. Pichl in Salzburg,- urkeltisches Gebiet mit Salzhandel, siehe http://www.pichl-kainisch.at/?SIid=32), Katzelsdorf (bei Tulbing, -bei Poysdorf oder -an der Leitha?) sowie ins Kamptal (Gars) und Weinviertel (Bockfließ); “und ander pider leut genuch”.

Die Urkunde Lade D, S83 des Stiftes Schlägl (Slage) aus dem Jahre 1318:

**) http://www.mom-ca.uni-koeln.de/mom/AT-StiASchl/Urkunden/1318_I_01/charter

Pichler, Isfried H., Urkundenbuch des Stiftes Schlägl, Aigen i. M., 2003, Nr. 101 (S 83), S. 115-116 -Kopialbuch A (1593) 21r. Kopialbuch B (1597) 24r-v. Christoph Hefellner (1639) K. Rumpler (1980) – Literatur: Pröll, Geschichte (1877) 48f. Luger, Dissertation (1936) 134, 186f.

Der Inhalt der Urkunde: Hadmar von Winkl gestattet dem Kloster Schlägl in des Klosters Höfen zu Winkl oder zu Neustift das Halten von 16 Rindern und deren freie Weide auf seinen, Hadmars, Werden (Inseln) und Auen als Seelgerät für die verstorbenen Söhne und Vorfahren.

Volltext:"Ich, Hadmar von Winchel(1), vergich vnd tun chunt allen den, deu disen brief lesent oder herent lesen, die nu lebent oder noch chunftich werdent, daz ich mit verdachtem muet, vnd mit gutem willen Ortliebes(2), meins suns, durch meiner hovsvrouen(3) sel willen, Reichcharten(4), vnd meins svns hern Hadmars(5), den paiden Got genade, vnd auch zve einem ewigen selgeret aller meiner vordren, den guten herren vnd dem gotshaus von dem Slag(6) erlaubet han ze haben ebichleichen sechtzehen rinder in iren hoffen dacz Winchel(7) oder dacz der Neustift(8), also daz diu selben rinder an alle vordrung vnd an allez geding, dhainer miet oder steur vrei waid haben sullen in allen meinen oven oder werden. Dar vber daz disev red stet vnd vnczeprochen weleib, gib ich disen brief mit meinem jnsigel, vnd mit meines brvders insigel, hern Ortlibes von Winchel(9), vnd mit meins suns jnsigel Ortliebes. Des sint gezevch, her Rveger(10) der pfarrer dacz sant Stephan, her Gerunch(11) der pfarrer von Winchel(12), her Ortlieb, hern Ortlibes sun von Winchel, Elbein(13) von Leutzenloch, Rinnhart(14) von Pirboum, Herman(15) von Portz, Wergant(16) vnd Albrech(17), sein bruder von Portz, her Chunrat(18) von Cezleinstorf(a), lreich(19) vnd Perchtolt(20), die Tyevel, vnd ander pider leut genuech. Diser brief ist gegeben, do van Christes gepurd sint gebesen drevtzehen hundert iar, dar nach in dem achtzechentem jar, an dem heligen ebenbeich tach, datz Winchel pei der Tvenaw. Amen."

Eine weitere Urkunde, in der Neustift genannt wird:

http://vdu.uni-koeln.de:8181/mom/AT-StiAG/GoettweigOSB/1390_XII_21/charter

21.Dez.1390 Benediktinerstift Göttweig (FUCHS, Göttweig I (=FRA II/51, Wien 1901) S. 735-739): Anna, die Witwe nach Ulrich dem Hofkircher, und ihre Söhne Jost, Georg und Lorens machen eine Messen- und Jahrtagsstiftung zum Katharinenaltar in der Pfarrkirche zu Mühlbach (am Manharstberg), unter anderem die Enkünfte auf “pehausten holden gestifteter Güter gelegen auf der Newnstift “ sowie “besunderlich sybenzehen jeuchart akkerz und am Praiten pey der Landstrazz” (möglicherweise Flurname “auf derLandstraße” südlich des Haleberges).

 

4. Weitere Forschung

Auch für die Jahre 1210 und 1275 sind gewaltige Hochwasser dokumentiert.

Möglicherweise liegt die Gründung auch früher.

So schreibt der Historiker Erwin Kupfer, Wien, in seiner Diplomarbeit 1995 "Die Siedlungsgeschichte des politischen Bezirkes Tulln. Von den Anfängen bis zum Ende des Hochmittelalters" Seite 174:

"8.3 .2 .14. Neustift im Felde

Nach Mann wurde die frühere Siedlung, die 1337 durch Hochwasser weggeschwemmt worden war, neu angelegt und Neustift benannt. Vermutlich handelt es sich um eine Siedlung auf Klostergrund. Im Jahre 1208 hatte das Kloster Zwettl hier Grundbesitz erhalten 80):

80) Janicek "Besiedelung" S. 66" 

In dem Buch "1000 Jahre Absdorf" wird unter Bezugnahme auf die Diplomarbeit Erwin Kupfers (1995) erwähnt, daß Neustift bereits im Jahre 1208 bestanden hätte. Das Stift Zwettl soll hier Besitz gehabt haben. 

Erwin Kupfer verweist jedoch weiter auf eine andere Diplomarbeit  (1939) von Karl Janicek. 

Janicek schreibt in seiner Dissertation folgendes: Im Augebiete der Donau hatte auch Niederaltaich  Besitzungen, wie wir bereits wissen. Nun findet sich in einem Lehensverzeichnis, das aus der Zeit um 1280 stammt, unter der Überschrift "Feoda nobilis in Austria unter Punkt 7) die Eintragung „Item Domini de Winkel habent in fedodo Bona in Frauendorf, in Winkel, in Neustat, .......3)." Die beiden ersten Orte sind uns bereits bekannt. Wo liegt nun Neustat? Ich vermute, daß dieses Neustat Neustift i. F. ist, das in der Nähe dieser Orte liegt, allerdings schon in der Ebene herauszen.
3)M.B.XI, S.323.(richtig: S.321-322)8) 

Sucht man in näherer Umgebung ehemaligen Zwettler Klostergrund, so stoßt man auf die Donauinsel Glatzmanns:
Glatzmanns wird im Wüstungsarchiv des Bundesdenkmalamtes unter Nr. 522 10 unter G 146 in Altenwörth in den Auen vermerkt, Prof. Dr. Richard Hübl setzt G. ins Ortsgebiet von Altenwörth. 

Im Buch „Forschungen zur Landeskunde von Niederösterreich,herausgegeben vom Verein f. Landeskunde u. Heimatschutz für N.-Ö. Und Wien, geleitet von Karl Lechner, Band 3  „Der Grundbesitz des Stiftes Zwettl – Herkunft und Entwicklung“ von Stiftsarchivar P- Alois Wagner, Wien 1938, Seite 16 steht: 

Glatzmans, abgekommen, b. Altenwörth a. D.  Im Privileg Friedrichs II. 1234 Okt. 10., auch Gl als Besitztum des Klosters Zwettl genannt. - 1295 April 25. Abt Penzo von Heiligenkreuz entscheidet Streit zwischen dem Schottenkloster in Wien und dem Kl. Zw. Über den Besitz der Donauinsel Glatzmans.6) 

Weiterer Grundbesitz von Zwettl in unserer Gegend ist nicht bekannt, jedoch geht Neustift an der Donau bei Rohrendorf laut. Janicek8) auf eine Zwettler Gründung zurück und wurde am 21.März 1383  an das Stift Zwettl verkauft6)  

Der Ort Neustift im Felde bestand also mit hoher Wahrscheinlichkeit bereits im Jahre 1280 als Neustat und hat seine nachweisliche Erstnennung als Neustift am 1. Jänner 1318 in der Urkunde  Lade D, S83  des Stiftes Schlägl (Slage) aus dem Jahre 1318.9)  

Über Altendorf siehe Abgekommene Orte Altendorf

 

5. Quellenverzeichnis

sofern Quelle nicht direkt angeführt:

1) Schulchronik 1 ,begonnen im Jahre 1880 vom damaligen Leiter der Volksschule in Neustift im Felde, Ludwig Marzani und weitergeführt von den jeweiligen Leitern der Schule.

2a) Schulchronik 2, Teil Geschichte, verfasst 1933 vom damaligen Leiter der Volksschule in Neustift im Felde, Adalbert Hirsch dem Jüngeren

2b) Schulchronik 2, Teil Tagesgeschehen, begonnen 1933 vom damaligen Leiter der Volksschule in Neustift im Felde, Adalbert Hirsch dem Jüngeren) und weitergeführt von den jeweiligen Leitern der Schule.

3) Schulchronik 3, begonnen am 7.9.1959 vom damaligen Leiter der Volksschule in Neustift im Felde,Oberschulrat (später Professor. hc.) Ludwig Piffl.

4) Geschichte der Marktgemeinde Kirchberg am Wagram, Prof. Dr. Richard Hübl

5) Ein Heimatbuch von Wilhelm Simlinger 

6) Forschungen zur Landeskunde von Niederösterreich,herausgegeben vom Verein f. Landeskunde u. Heimatschutz für N.-Ö. Und Wien, geleitet von Karl Lechner, Band 3  „Der Grundbesitz des Stiftes Zwettl – Herkunft und Entwicklung  von Stiftsarchivar P- Alois Wagner, Wien 1938, Seite 16, Seite 32. 

7) Diplomarbeit Erwin Kupfers 1995 Besiedlung Tullnerfeld 

8) Diplomarbeit Karl Janicek 1939 Besiedlung S. 88, S 76, 

9) Urkunde Lade D, S83  des Stiftes Schlägl (Slage) aus dem Jahre 1318: 

http://www.mom-ca.uni-koeln.de/mom/AT-StiASchl/Urkunden/1318_I_01/charter 

Pichler, Isfried H., Urkundenbuch des Stiftes Schlägl, Aigen i. M., 2003, Nr. 101 (S 83), S. 115-116 -Kopialbuch A (1593) 21r. Kopialbuch B (1597) 24r-v. Christoph Hefellner (1639) K. Rumpler (1980) – Literatur: Pröll, Geschichte (1877) 48f. Luger, Dissertation (1936) 134, 186f.

 

Die Texte in Kursivschrift sind die jeweiligen Abschriften aus den jeweils genannten Quellen (Dokumenten, Chroniken, Büchern, etc.).

 

Andreas Nowotny
Jänner 2012