Oberst Anton Laimer

Edler von Flachenberg aus Neustift im Felde

 
In der Beilage zur Schulchronik I "Heimatskunde" schrieb im Jahre 1894 der damalige Schulleiter Ludwig Marzani: 
"Hervorragende Persönlichkeiten und Ereignisse
Erwähnenswert ist der hier im September 1789 im Hause Nr. 9 geborene Anton Laimer, der im J. 1805 als gemeiner Soldat sich freiwillig in die Kriegsarmee einreihen ließ, wo er es von Stufe zu Stufe bis zum Oberlieutenant brachte. Für seine Verdienste im Kriege u. im Frieden wurde er von Sr. Majestät, dem Kaiser als Edler von Flachenberg in den Adelsstand erhoben. Leider starb er kinderlos; hier lebt noch in seinem Gebursthaus ein Neffe, Laimer Michl.
Ant. Laimer wurde im Gefechte bei Markgraf Neusiedl schwer verwundet und als Feldwebel mit der gold. Tapferkeitsmedaille ausgezeichnet."
 
Eine Biographie über Anton Laimer findet sich im Nachruf anlässlich seines Begräbnisses in Brünn in der "Militär-Zeitung" No. 51 vom 25. Juni 1864, XVII. Jahrgang, Seite 6[i] :
"(Brünn.)        Am 11.d.M. haben wir einen verdienten Veteran aus den großen Kriegen feierlich zur letzten Rugestätte geleitet. Der pensionirte Oberst Anton Laimer Edler v. Flachenberg, der seit 6 Jahren in Brünn domizilierte, verschied nach längerem Leiden am 9. d. M. im 74. Lebensjahre. Neustift in Niederösterreich war seine Geburtsstätte, und kaum 15 Jahre alt, trat er als Gemeiner in das Infanterie-Regiment EH. Karl. Laimer hatte die Feldzüge 1804, 1809, 1813 und 1814 mitgemacht, und in allen Chargen vom Gemeinen bis zum Hauptmann rastlosen Eifer und unbedingte Selbstaufopferung in Erfüllung seiner Pflicht, dann besondere Tapferkeit vor dem Feinde an Tag gelegt. In der Schlacht von Aspern gelang es ihm bei dem Sturme auf Eßlingen, durch Muth und Geistesgegenwart seine verwundeten Offiziere von der drohenden Gefangenschaft zu retten; als Feldwebel übernahm er dann das Kommando der Kompagnie und führte sie mit Aufmunterung und Erfolg zum Angriff vor; in der hierauf eingetretenen Vertheidigung von Markgraf-Neusiedl dauerte Laimer so lange aus, bis er schwer verwundet ohnmächtig vom Schlachtfelde hinweggetragen, später in feindliche Gefangenschaft gerieth. Kaum geheilt, ranzionirte es sich selbt und eilte wieder zu seiner Fahne.
 

Erherzog Karl in der Schlacht bei Aspern                    
Quelle: Heeresgeschichtliches Museum Wien, abgerufen am 04.06.2016 unter https://de.wikipedia.org/wiki/Schlacht_bei_Aspern#/media/File:Johann_Peter_Krafft_003.jpg
 
Für diese seltene Bravour und Unerschrockenheit ward ihm mit Armee-Befehl des EH. Generalissimus vom 27. Mai 1809 die goldene Tapferkeits-Medaille zu Theil. Mit Laimer erlischt der letzte Besitzer dieser seltenen Dekoration von der Obersatens-Charge aufwärts, und nur noch zwei Träger der silbernen Tapferkeits-Medaille finden wir in diesen höheren Graden als Erinnerung an die schweren Kämpfe gegen den ersten Napoleon repräsentirt.
 
Im Jahre 1813 focht Laimer, damals Fähnrich, vorerst bei Dresden, und kam dann als Adjudant zum 3. Bataillon nach Italien zur Seite des tüchtigen Oberstlieutenants Veyder, wo er die Treffen an der Etsch und die Schlacht am Mincio mitkämpfte und sich die besondere Gunst seines unmittelbaren Chefs errang. Nach dem hergestellten Frieden wurde er in das Ende des Jahres 1814 neu errichtete 43. Infanterie-Regiment eingetheilt, und entwickelte in der Stellung als Bataillons- und Regiments-Adjudant, bei der Errichtung aus italienischen Individuen der exitalienischen Armee zusammengesetzten Truppenkörpers, so außergewöhnliche Thätigkeit und Verdienstlichkeit, daß er der Chargen zum Unter- Ober- und Kapitän-Lieutenant außer der Rangordnung theilhaft, überdies später vom damaligen Inhaber FML. Geppert zum Adjudanten berufen wurde; eine Auszeichnung, welcher nur aus dem Grunde nicht Folge geleistet werden konnte, weil Laimer nach der Erklärung seines Regiments-Kommandanten in der bekleideten Eigenschaft eines Regiments-Adjudanten schwer zu ersetzen war. Diese sprechenden Verdienste würdigte se. Majestät Kaiser Ferdinand am 20. Dezember 1836 durch Laimers Erhebung in den österreichischen Adelstand mit dem Ehrenworte "Edler von" und dem oben angeführten Prädikate. Durch überstandene Feldfatiquen für den Truppendienst sich ungeeignet fühlend, ward der Veteran nach 38jähriger Dienstleistung zum Platzmajor in Olmütz ernannt, und stand dieser namentlich im Oktober 1848 sehr schwierig gewordenen Anstellung bis zum 18. April 1858 vor, an welchem Tage ihn Sr. Majetät mit dem Charakter eines Obersten in den wohlverdienten Ruhestand übernehmen zu lassen geruhten. Die Pflichttreue welche Laimer in den Tagen der Anwesenheit des k. Hoflagers zu Olmütz bethätigte, wurde durch seine Ernennung zum Platzoberstlieutenant im Mai 1849, und der außergewöhnliche Eifer zur Zeit des Olmütz-Lagers, im Mai 1851, mit dem Militär-Verdienstkreuz belohnt, welchen   Auszeichnungen, bei dem zweiten Lager im September 1853, der k. Russische Stanislaus-Orden 2. Klasse folgte. Laimer, der das beste Andenken zurückläßt, hatte sich, wie man zu sagen pflegt, "von der Pike auf" durch eigenes Verdienst bis zum Obersten emporgeschwungen; trotzdem wußte er in allen Situationen durch Takt sich eine Hochachtung zu verschaffen, welche bewies, daß sich das angeborne Fehlende bei ernstlichem Willen leicht anlernen läßt."
 
Napoleon in der Schlacht bei Wagram , 6. Juli 1809
1836 Öl auf Leinwand Horace Vernet - Galerie des Batailles, Schloss Versailles Datenbank Joconde, abgerufen am 04.06.2016 unter https://de.wikipedia.org/wiki/Schlacht_bei_Wagram#/media/File:Napoleon_Wagram.jpg
 
Oberst Anton Laimer, Edler von Flachenberg dürfte im Gegensatz zur Angabe in der Schulchronik doch verheiratet gewesen sein, denn am 1. Dezember 1871 erschien in der "Neuen Feien Presse" Wien im Teil "Amtsblatt-Verstorbene vom 24. bis 27. November in Wien": "Luise Laimer v. Flachenberg, k.k. Oberstens-Witwe, 61 J., Schottengasse 3, Margentartuna"[ii]
In der "Partezettelsammlung adeliger Personen" des Landesarchives Oberösterreichs erscheint als im Jahre 1916 verstorben eine "Duka von Dukafalu und Kucsin Marianne, geb. Lainer von Flachenberg", möglicherweise eine Tochter Anton Laimers und Gattin des 1914 gefallenen Kapitan Stefan Duka von Dukafalu und Kucsin.[iii]
 
 
Juni 2016
Andreas Nowotny
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[i] abgerufen bei Österreichischer Nationalbibliothek unter http://anno.onb.ac.at/anno-suche/#searchMode=simple&resultMode=list&from=1
am 03.06.2016
[ii] www.landesarchiv-ooe.at/xbcr/SID-9999A62D-CB3C0385/PartezettelAdelige.pdf ,abgerufen am 04.06.2016