OSR Prof. Ludwig Piffl

 

Letzte Änderung: 1.12.2014

 

Ludwig Piffl wurde im Jahr 1900 in Klosterneuburg geboren und war in Tulln wohnhaft, bevor er nach Neustift kam. Er war ein Neffe von Kardinal Friedrich Gustav Piffl. 

Lehrer in Neustift war er von 1947 – 1965. Der Unterricht an der einklassigen Volksschule stellte den Lehrer kurz nach Ende des Krieges vor große Probleme. „Die Schüler hatten Lernbehelfe nur sehr schlechte, oft ganz unmögliche Hefte. Es gab beinahe gar keine Federn und gar keine Lehrbücher.  Das Lehrzimmer befand sich in dieser Zeit in einem recht altertümlichen Zustande. Die Weihnachtsferien wurden nun dazu benutzt um alte, gebrechliche Einrichtungsgegenstände zu entfernen und Kasten und Tafeln so umzustellen, daß die Klasse etwas behaglicher wurde.“ Der rührige Lehrer schaffte es, dass gleich in den ersten Ferien trotz Geldmangels die wichtigsten Instandsetzungsarbeiten durchgeführt wurden. 

Er blieb an der Schule bis zur Auflösung im Jahr 1965, worauf er, da er zu diesem Zeitpunkt das Pensionsalter erreicht hatte, in den Ruhestand trat. Seine Ehe blieb kinderlos. Er zog in der Pension mit seiner Gattin wieder nach Tulln.

 

Seine große Leidenschaft galt der 

Heimatforschung

und der Quartärgeologie (von vor ca. 2,6 Mio. Jahren bis heute). Vornehmlich als Eiszeitforscher schaffte er sich im In- und Ausland einen hervorragenden Ruf. Das Wissen um die Landformung (Schotterterrassen, Lössaufschlüsse, fossile Hölzer u.a.m.) des Tullnerfeldes basiert überwiegend auf seiner Arbeit. Folgende Skizze (und auch andere aus seiner Hand) findet sich daher in vielen Heimatbüchern wieder: 

 

 

 

 

 

  

 

 

 

Prof. Piffl war maßgeblich an der Untersuchung des versteinerten Holzes aus der Schottergrube neben dem Haleberg beteiligt. Es handelt sich dabei um eine ursprünglich 8,50 m lange Föhre. Eine von Prof. Piffl initiierte C-14-Datierung ergab ein Alter von etwa 9660 + - 135 Jahren. 

  

  

 

 

 

Ein Teil des Holzes liegt seit 2008 in einem modernen Schaukasten am nach ihm benannten Ludwig-Piffl-Platz vor der Kirche von Neustift.  

 

 

  

 

 

 

 

Gegenüber steht der Piffl-Gedenkstein, der in Anerkennung seiner Leistungen 1970 feierlich enthüllt wurde. Nach Abriss der Schule kam er an die heutige Stelle. 

 

 

 

  

 

 

 

  

 

Ehrungen

Im Jahr 1957 wurde Ludwig Piffl  vom Bundespräsidenten per Dekret zum Oberschulrat ernannt.

Für sein engagiertes Wirken für die Schule und die Kinder wurde er von der Gemeinde Neustift am 24.8.1964 bei einer großen abendlichen Feier in Anwesenheit der Bezirksschulinspektors Reg. Rat. Bergolth zum Ehrenbürger ernannt.

Kardinal Dr. Franz König verlieh Herrn OSR Ludwig Piffl, der sich um die Anliegen der Erzdiözese Wien große Verdienste erworben hat, das Ehrenzeichen des hl. Erzmärtyrers Stephanus 2. Klasse. Die Überreichung fand am 18.10.1965 im erzbischöflichen Palais Wien statt.

Am 19.10.1965 erhielt er in Würdigung seiner hervorragenden Verdienste um das Bundesland Niederösterreich das Goldene Ehrenzeichen für Verdienste um das Land N.Ö. verliehen.

1971 wurde ihm für seine Arbeiten vom Bundespräsidenten Franz Jonas der Professorentitel verliehen. 

 

Schriften von Prof. Piffl

Der Tullner Gau, 30er-Jahre

Das Tullner Becken, Tulln, 1951

Zur Gliederung des Tullnerfeldes, 1971

Eine altpleistozäne Schotterflur um Langenlois,  Wien 1959

Tullnführer. Ein Fahrten- und Wanderbuch durch Tulln, das Tullner Becken und seine Randgebiete. Bearbeitet von Ludwig Piffl im Auftrage der Bezirks-Lehrerarbeitergemeinschaft Tulln, hrgb. v. nö. Bildungs- und Heimatwerk, Arbeitsgemeinschaft der nö. Heimatforscher, Tulln 1962.

Der Wagram des Tullner Beckens, Verhandlungen der Geolog. Bundesanstalt, 1964

Bezirkshandkarte Tulln, 1970

Mitarbeit an den Heimatkalendern des Bezirkes Tulln aus den Jahren 1949 – 1955, 1960

In allen Heimatbüchern der Umgebung werden heute noch seine Arbeiten verwendet. 

 

Der Ludwig-Piffl-Platz

Der Platz zwischen Kirche und Schule war früher der Kaiserplatz. In Würdigung der Verdienste von Prof. Piffl wurde er in Ludwig-Piffl-Platz umbenannt. Nachdem die Schule wegen Baufälligkeit abgerissen worden war, ist dieser Platz nun vergrößert und als kleiner Park angelegt worden. 

 

 

Quellen:
Schulchronik Neustift, Teil 2 

 

April 2013
Maria Knapp, Andreas Nowotny