Geschichtlicher Überblick
 
 
 
Letzte Änderung: 25.3.2018
 
 
 

Neustift liegt an der bereits im Jahre 1054 urkundlich genannten „Landstrass“, einer alten relativ hochwassersicheren Handels- und Heerstraße von Krems über Grafenegg – Grafenwörth – Absdorf – Stetteldorf  nach Stockerau, die bei Neustift von der Donau nach Norden (Mähren) führenden Wegen aus Winkl bzw. Altenwörth gekreuzt wird. Sie wird heute durch die Schnellstraße S 5 ersetzt.

Die „Ochsenstraße“, die von Osten her den gleichen Verlauf nahm, wie die Landstrasse, zweigte bei Haus Nr. 5 in  in Richtung Nordwesten Thürnthal – Fels- Kamptal ab. Ein weiterer Weg führte nach Bierbaum und weiter zum Donauübergang Trübensee (heute L45).

Eine teilweise archäologisch erschlossene hallstattzeitliche Siedlung und ein dazugehöriges Gräberfeld,  in Neustifter- (Porzer-)  und Winkler Freiheit , als dessen Hauptgrab der Haleberg anzusehen ist, belegen, dass hier schon ca. 800 v. Chr. eine Siedlung bestand.

Der Ort Neustift soll nach herkömmlicher Überlieferung aus den abgekommenen Orten

Hannidorf – in der Flur Altendorf gelegen und urkundlich erstmals

1004   genannt und

Parz,südöstlich von Neustift gelegen und urkundlich

1108 als Porz genannt, nach schweren Donauüberschwemmungen auf einem höher gelegenen Ort als planmäßiges Angerdorf neu gegründet worden sein.

1275   sind 3 verheerende, Dörfer erodierende Donauüberschwemmungen überliefert.

Die Gründung  erfolgte danach wahrscheinlich zwischen 1276 und 1279 anlässlich der Teilung der Herrschaft Winkl „bei der Donau“  zwischen den Brüdern Ortlieb IV.  Winkel(-berg) und Hadmar I. von Winkl.

Der Gründer dürfte Ortlieb IV. von Winkel(-berg) gewesen sein, der einerseits durch seine Ehe mit Gisela von Feldsberg zu erheblichen Gütern kam und andererseits aus der Herrschaftsteilung die Herrschaft Winkelberg erhielt, die in der Folge bis ins 19. Jh. die Ortsobrigkeit von Neustift behielt.

Um 1280 erscheint Neustift in einem Lehensverzeichnis des Klosters  Niederalteich (Absdorf) als „Neustat“ neben den Orten Winkl und Frauendorf.

1318, am 1. Jänner wird der Ort in einer Urkunde des Stiftes Schlägl in OÖ. erstmals Neustift genannt.

1321   berichten Chronisten von einer Hagelkatastrophe.

1350 wird der erste „Amtmann“ von Neustift, Pichtolt, genannt.

1356   29.Sep. Margret Teufel vom Dörflein und Ulrich Teufel verkaufen an den Pfarrer zu St. Stephan auf dem Wagrein eine Geldsumme aus ihrem rechten Eigen. Darin werden mehrere Personen aus Neustift namentlich genannt.

1357   wird Heinrich Plum von der Neustift und dessen Frau Margarete genannt.

1387   05. April         Heinrich von Winchckel vermacht seiner Frau Elisabet, Tochter des seligen Albern des Stuchsen, 500 Pfund Wiener Pfennig als Morgengabe. Dafür versetzt er ihr sein Dorf Neustift mitsamt dem Gericht  und weitere Güter.

1388   6.Jänner tritt neuerlich ein Pichtolt (Perchtolt) von Neustift als Siegler und Schreiber? neben Georg Truchseß von Therasburg auf. Vielleicht derselbe Pichtolt von Neustift wie in der Urkunde von ca. 1350.

1390 21. Dez.           Anna, die Witwe nach Ulrich dem Hofkircher, und ihre Söhne Jost, Georg und Lorens machen eine Messen- und Jahrtags-Stiftung zum Katharinenaltar in der Pfarrkirche zu Mühlbach, u.a.: ".. auf der Newnstift auf pehausten holden gestifteter Gueter.. - und besunderlich sybezehen jeuchart akkerz und am praiten pey der Landstrazz, daz all unser freyz aygen gewesen ist...“, wahrscheinlich der Flurname “auf der Landstraße” südlich des Haleberges.

1399  9. März           Hartneid von Herczognpirnbaum (Herzogbirbaum) und Agnes seine Hausfrau verkaufen u.a.“ darnach dacz der Neunstift: Ott Payr dreizzich phenning an sand Michels tag und neünzehen phenning an sand Gorgen tag, der Glür dreizzich phenning an sand Michels tag und neunzehen phenning an sand Gorgen tag. Und darzu haben wir verchauft auch unsers freien aigen, drei schilling und funf und zwainzich wienner phenning gelts die gelegen sind daselbs auf uberlend, das alles gelegen ist in Sand Stephans pharr auf dem Wagram oder wo das gelegen ist,...“

1529 Im Zuge der 1. Türkenbelagerung wird die Burg Winkelberg belagert und das Schloss Oberstockstall zerstört

1534   9.Juli Julius Graf Hardegg teilt allen seinen Richtern und Untertanen im Markt und Amt Großweikersdorf, in den Ämtern Engelmannsbrunn, Ottenthal, Winkl, Bierbaum am Kleebühel, Unterstockstall, Strass in Strassertal, Neustift im Felde, Sachsendorf , Altenwörth, Kollersdorf, Haitzendorf, Etsdorf, Groß Wetzdorf, Diendorf, Thürnnthal, Ruppersthal, Feuersbrunn, Gerersdorf, den Holden zu Eselstein, den Vogtholden zu Absdorf und allen anderen Untertanen im Feldgericht bei Krems mit Ausnahme der nach "Khoblspurg" gehörigen, mit, dass er die Herrschaft Neu-Grafenegg der Katharina, Witwe des Adam Schwerthkawicz, verkauft habe, und befiehlt ihnen, dieser gehorsam zu sein.

1582   1.Sept  Wechsel der Herrschaft: Christoph von Oberhaim verkauft die Herrschaft Winkelberg und damit auch Neustift  dem Hans Moser zu Pötzelsdorf.

1590   Das „Bereitungsbuch“ gibt folgende Hofstellen für Neustift und Porz an.:

Neustift im Felde:  "Neistifft:

Hanns Mosßer zu Winkhelberg obrigkheit                     35  (Häuser),

herr Bernhardt Turschy  (= Thurzo) gen grafeneckh      15  (Häuser),

Sigmundt Fridrich Fuckher gen Oberstockhstall             2  (Häuser)

H: Stephan von Haim wegen der Rueberischen Erben gen bierbaum 3" (3 Häuser, die aus der Belehnung 1548 an Freiherrn Hansen von Karling durch König Ferdinand I. stammen),

                                                                             "Summa 55 Hauß"

1587: 53 Hofstätten, 1590: 55 Hofstätten.

1598   8.November Lehenbrief des Wilhelm Freiherrn von Roggendorf und Mollenburg: Er verleiht dem Grafen Georg Friedrich von Hardegg verschiedene Gülten und Güter in der Winkler, Bierbaumer, Neustifter, Kirchberger und Weikersdorfer Pfarre;..

1604   13.Nov. Margareta von Rohrbach, Witwe des Hans Moser, und ihr Gatte Hans Christoph von Rohrbach verkaufen die Herrschaft Winkelberg an Hans Andreas von Stadel.

1605   24.April Hans Gottfried Moser und sein Bruder Georg Ehrenreich übergeben die Herrschaft Winkelberg an Hans Andreas von Stadel (or. perg.). - 11.Nov 1606 : Dieselben garantieren den obigen Kauf.

1606   5.Nov. Verabredung über den Verkauf eines Hauses zu Neustift [= Haus Nr. 9 oder 11] zwischen Wolf Bacher  [= Haus Nr. 8 oder 12] und Hans Andreas Freiherrn von Stadel [= Haus Nr. 10-Freihof] .

1620   5.Nov. Kaiser Ferdinand II. verpflichtet die Untertanen der dem Hans Andreas von Stadel konfiszierten Herrschaft Winkelberg , darunter auch Neustift zum Gehorsam gegenüber dem Grafen Adolf Althan.

1620   1.Nov.  Die kaiserliche Pfandherrschaft Winkelberg wird von Graf Adolf Althan dem Jesuitenkollegium Krems (Collegium St. Sebastian Krems) übergeben, damit wird dieses zur Ortsobrigkeit von Neustift.

1635   Wird die Herrschaft Thürnthal zwecks Verkauf geschätzt und dabei ein Freihof zu Neustift (Haus Nr. 10) erwähnt: "Schatzung über die ganze Herrschafft Thürnthall und Ambt Bierbaum sambt Einlag und Aufsandungen von Frau Constantia von Landau geb. Stadel an Herrn Johann Frantzen von Lamberg“.

"Den 27. Februar 1657 ist auf ordentiche gefertige Aufsandung und der Herrn Verordneten dort vom 24. Juli 1635 darüber gemeldten Verwilligung von dieser Gült (Herrschaft Thürnthal) abgetrennt und Herrn Hanns Reichard von Polhaim freyheitlich zugeschrieben worden ein Unterthan zu Neustüfft mit taxierter Gült..."

Herr Hanns Reichard von Polhaim war zu dieser Zeit Inhaber der Herrschaft Gobelsburg. Diese ging 1689 an Freiherren (Grafen) von Hohenfeld und 1740 an das Stift Zwettl.

1636   Hans Ludwig von Hoyos zu Gutenstein  verleiht dem Grafen Julius zu Hardegg eine Werd, genannt der Spielmannswerd, dann eine Werd genannt Rainfürst, einen Garten und verschiedene Gülten in den Pfarren Winkl, Bierbaum und Kirchberg, u.a. "fünff schilling geldts gelegen zu Parz, auf zweyen gestifften Hoffstädten, mehr von Ainer Oedt daselbsten auf St: Michaeli, unnd Georgen Tag , fünffczig Phennig geldts, gelegen in Püerpämber Pfahrr, 6 Joch Acker in Neustifter Pfarr ...."

1645 5. April "... wurde Neustift von den Schweden (30jähriger Krieg) unter Torstensohn geplündert und angezündet. Torstensohn war auf dem Zuge gegen Wien … .“

Eine Auflistung darüber, was die Schweden tatsächlich "mitgenomben" haben, aus dem Archiv von Grafenegg laut Faszikel XVI waren es für Neustift in Geld 2493 fl 30 k, für Winkl 5423 fl 08 kh.

Von den Grund-und Vogtholden Grafeneggs ist darin zwar kein abgebranntes  Haus für Neustift dabei verzeichnet.

Nach Beendigung des 30 Jährigen Krieges erscheinen jedoch In Neustift von 33 der Herrschaft Winkelberg untertänigen Häusern 9 als verödet.

1649   Lehenbrief des Hans Balthasar von Hoyos zu Gutenstein für den Grafen Julius zu Hardegg über die Werd genannt "Spillmannswerd, die Werd "Rainfürst", einen Garten zu Winkl und verschiedene Besitzungen in der Winkler-, Bierbaumer-, Neustifter- und Kirchberger Pfarre, u.a."fünff schilling geldts gelegen zu Parz, auf zweyen gestifften Hoffstädten, mehr von Ainer Oedt daselbsten auf St: Michaeli, unnd Georgen Tag fünffczig Phennig geldts, gelegen in Püerpämber Pfahrr, 6 Joch Acker in Neustifter Pfarr..."

1682   Leopold Karl Reichsgraf von Hoyos verleiht als gerichtlich verordneter Gerhabe der beiden Söhne des verstorbenen Hans Balthasar Hoyos, Franz Karl und Ernst Ludwig an Julius von Hardegg "die Spielmannswerd, den Rainfürst", einen Garten zu Winkel und diverse Gülten u.a. fünff Schilling Geldts gelegen zu Partz auf zwayen gestüfften Hoffstädten, mer von ainer Öedt daselbsen, auf St: Michaeli und Georgitag fünfzig Pfennig Geldts, gelegen in Pierpaumber Pfarr, mer Sechs Joch Ackher gelegen in Neustüffter Pfarr ... ."

1668 der erste Schullehrer, Rectoris Johannes Verbeuller aus Neustift wird genannt.

1679   Die Gemeinde Neustift gab in diesem Pestjahr ein Gelübde ab, den Heiligen Sebastian, Rochus und Florian eine Kapelle zu errichten, sobald die Seuche erloschen sei.

1680 - 1681 Der Bau wurde mit Unterstützung des Kollegs und anderer Wohltäter fertiggestellt.

Dass noch im Jahre

1704   Hofstätten zu Parz bestanden, beweist die Hardegger Urkunde Nr.1974 vom 18.April 1704, ausgestellt von Franz Karl von Hoyos, mit der er Julius von Hardegg und seinen Bruder u.a. mit "fünff Schilling Gelts gelegen zu Parz auf zwey gestüfften  Hoffstätten, mehr von einer Ödt darselben auff St. Michaeli und Georgitag fünffzig pfennige gelts, gelegen in Bierbaumer Pharr" belehnt.

1708   beschreibt das Kastenamt Stein den Zehent in Neustift.

1774   6. Dezember Einführung der allgemeinen Schulpflicht durch Kaiserin Maria Theresia am 6. Dezember.

1774   wurde der Kapelle für das Fest des hl. Sebastian ein Ablass verliehen.

1776   Renovierung und Umbau der Filialkirche.

1794   Am 4.April brannte die Kapelle ab und wurde kurz danach wieder instandgesetzt. Dabei dürften Dachstuhl und Turm zerstört worden sein.

1796   Das neue Schulhaus am Anger wird bezogen. Davor unterrichtete man die Kinder im Gemeindehaus Nr. 1.

1796   Beschreibung der Untertanen zu Winkelberg, verzeichnet sind die Namen der Ortschaften und Untertanen von Oberstockstall, Mitterstockstall, Engelmannsbrunn, Ottenthal, Ruppersthal, Baumgarten, Wiesendorf, Königsbrunn, Frauendorf, Neustift und Rußbach.

1835   Anton BAUM, Schneidermeister und Gattin Theresia aus Neustift, kaufen im Jahre 1835 um 150 fl  von Georg und Theresia Placht aus Winkl "eine Haus Öden so anderhalb Tagwerk Wiesen, nun Acker im Parz, Neustifter Freiheit", welche sie im Jahre 1844 an Lorenz und Josepha Bayer um 170 fl weiterverkaufen, im Franziszeischen Kataster die Grundstücke Nr. 1465 und 1466; 21-15 Überländ-Grundbuch zu Georgi I der Herrschaft Winkelberg fol 563, EZ Neustift 220. Dies zeigt uns an, wo das letzte Haus des abgekommenen Ortes Parz-Porz zu finden ist.

1872   Am 10.Jänner Eröffnung der Bahnstrecke Absdorf  -Krems deren Bahnstation Kirchberg am Wagram in der Neustifter Freiheit errichtet wurde.

1892   Ausschulung der Schulkinder aus Winkl, da dort eine eigene neue Schule errichtet worden ist.

1892   Gründung des Landwirtschaftlichen Casinos.

1898   Über Ansuchen des Schulleiters L. Marzani haben sämtliche Parteien von Neustift im März 1898 zusammengehalten u. die sogenannte Schullacke, eine Regenlacke zwischen Schulhaus u. Kirche, mit 525 Fuhren Erde zugeführt.

Der an Stelle jener Pfütze entstandene Platz wird KAISERPLATZ genannt, zur Erinnerung an das 50jährige Jubiläum.

1905   Gründung der Landwirtschaftlichen Milchgenossenschaft r.G.m.b.H. und Errichtung des Michhauses.

1908   22.Mai            Gründung des Vereines „Freiwillige Kaiser-Jubiläums-Feuerwehr in Neustift im Felde“

1913   Errichtung des Feuerwehr-Spritzenhauses.

1918   Glockenabnahme; Im 1. Weltkrieg  hatte Neustift 8 Gefallene zu verzeichnen.

1920/1921 Glockenweihe, Einweihung des Kriegerdenkmales.

1929   Die erste öffentliche Fernsprechstelle wird  im Gasthaus Leopold Walzer, Haus Nr. 56 errichtet.

1930   Renovierung der Filialkirche.

1945   Der 2. Weltkrieg forderte 21 gefallene und 7 vermisste Neustifter.

1948   Glocken- und Spritzenweihe.

1957/1958 wurde durch den Wegfall von Platzerfordernissen für die Milch-Kühlanlage und des Milchwagens etc. im Bereich des Milchhauses nach und nach die Gemeindekanzlei, eine Gemeinschhafts-Tiefkühlanlage und 1959 eine Gemeinschaftswaschküche errichtet.

1959 – 1962 Bau einer zentralen Trinkwasserversorgungsanlage (Ringwasserleitung) mit Wasserschutzgebiet in Neustift.

1961   Anlässlich des Sebastianitages am 20.Jänner 1961 prangte das kleine Kirchlein in einer einfachen aber stilgerechten Ausgestaltung zur Freude der gesamten Bevölkerung.

1965 31. Dezember: Auflassung der Volksschule Neustift und Einschulung der Schulkinder in die Volksschule Kirchberg am Wagram.

1979   Der aus Neustift im Felde Nr. 9 stammende Hw. Hr. Josef Markl (nunmehr Pfarrer der Pfarre Wien – Sandleiten) empfing am 29. Juni 1979 in Wien St. Stephan die Priesterweihe.

1988   Umbau des Feuerwehrhauses unter Feuerwehrhauptmann Josef Maringer in den heutigen Zustand.

2001 Demolierung des Schulhauses.

2008 Neugestaltung des Ludwig Piffl-Platzes.

2011 – 2016 Kirchenrenovierung (außen, elektrisches Läutwerk, Turmuhr).

2016 – 2018 Neubau der Brunnenanlage und Wasseraufbereitung mittels Umkehrosmose für den Wasserverband Kirchberg- Königsbrunn auf dem Brunnenfeld in Neustift.

 

Quellenangaben siehe Beiträge „Chronik Neustift“ bzw. „abgekommene Orte“.
 
März 2018
Andreas Nowotny