Kleindenkmäler Neustift 

 

Inhaltsverzeichnis

  1. Kleindenkmäler in Neustift im Felde
1.1 Kriegerdenkmal
1.2 Ludwig Piffl – Gedenkstein
1.3 Fossil
1.4 Pestkreuz
1.5 Winkler Kreuz und Rotes Kreuz
1.6 Walzer-Kreuz - Erstes Wegkreuz an der „Kirchberger-Straße“
1.7 Weißes Kreuz oder Mitterkreuz - Zweites  Wegkreuz an der „Kirchberger-Straße“
1.8 Dickes Kreuz - drittes Wegkreuz an der „Kirchberger-Straße“
1.9 Wodak-Kapelle  (Steinernes Kreuz)
1.10 Berthiller-Kapelle
1.11 Wegkreuz bei Haus Nr. 59
1.12 Weitere, nicht mehr vorhandene Kleindenkmäler
  1. An der Freiheitsgrenze, jedoch bereits in der Freiheit Unterstockstall liegende Kleindenkmäler
2.1 Wegkreuz am Marktweg (Schachinger-Kapelle)
2.2 „Seidlkreuz“
  1. Lage der Kleindenkmäler (inklusive Winkl)

 

1. Kleindenkmäler in Neustift im Felde

 
1.1 Kriegerdenkmal

1921: "Die Gemeinde Neustift i. Felde hat ihren im Weltkriege gefallenen Helden an der Südseite der Ortskirche ein würdiges Denkmal errichtet. Dasselbe stammt von der Fa. F. Slaba in St. Pölten und wurde von der Gemeinde im August 1921 um 26.000 Kronen (Inflationswert) gekauft.
Die Enthüllung und Einweihung des Denkmals fand am 18. September 1921 statt, die Weihe nahm Hochw. Herr Pfarrer K. Rasberger aus Kirchberg vor. Der Gesangsverein sang einen Chor, die Frl. Anna Schabl und Resi Weiß trugen Gedichte vor, H. Bürgermeister Leopold Bertiller hielt eine Ansprache.
 
Abb. 1: Das Kriegerdenkmal 1932[1]
 
 
 
Abb. 2: Das Kriegerdenkmal vor 1930                       
 
 
Nach der Kranzniederlegung und Defilierung des Kriegerverbandes, Einmarsch in das Gasthaus der Frau Wagensonner. Dort nachmittags Konzert, abends Tanz.[2]
1963: "Im Sommer ist das Kriegerdenkmal verbessert worden und eine neue Tafel weist die Namen der Gefallenen der beiden Weltkriege auf. Schulkinder pflanzten 2 Birken beiderseits des Denkmales.[3]
Im Zuge der Kirchenrenovierung im Jahre 2011-2013 machte der Otserneuerungs- und Verschönerungsverein die Gärtnerische Gestaltung neu, seitlich wurde neu gepflastert. 
 

  

Abb. 3: Das Kriegerdenkmal, 2016 
Abb. 4: Ludwig-Piffl-Gedenkstein, 2016

                                                           
 
1.2 Ludwig Piffl – Gedenkstein
 
1970: Der beliebte Volksschullehrer im pol. Bez. Tulln, war 18 Jahre bis 1965 als Leiter der Volksschule in Neustift im Felde berufen. Die Heimatforschung und vor Allem die Quartärgeologie war seine selbst erwählte Lebensaufgabe. Piffl wirkte maßgebend an der Verfassung heimatkundlicher Schriften, z.B. des „Bezirksführers“ und der Redigierung der ersten Bezirkskarte mit. Vornehmlich als Eiszeitforscher schaffte er sich im In- und Ausland einen hervorragenden Ruf. Das Wissen um die Landformung (Schotterterrassen, Lössaufschlüsse, Fossile Hölzer u.a.m.) des Tullnerfeldes basiert überwiegend auf seiner Arbeit. 1971 wurde Piffl für sein Engagement der Titel Professor h. c. verliehen.  
In Anerkennung  seiner Leistung wurde ihm in einer feierlichen Darbietung ein Gedenkstein enthüllt, der auf dem in "Ludwig Piffl – Platz" umbenannten "Kaiserplatz" zwischen ehemaliger Schule und Kirche gesetzt worden war.
Dieser Stein hat auch insofern historische Bedeutung, als er bis zur Kommassierung an der Freiheitsgrenze zwischen Neustift und Gigging gestanden hat und in früheren Zeiten als sog. "Diebsstein" gedient hat, an dem die "Maleficanten"  (d.s. vom Dorfrichter wegen Mordes, Totschlag, Einbruch, Raub, Brandlegung, Notzucht, Ehebruch, Brandlegung verurteilte Personen) vom Dorfrichter an das Landgericht (Hochgericht 2. Instanz) übergeben wurden.
OSR Prof Piffl Übersiedelte mit seiner Gattin nach Tulln, danach wurde das Schulhaus für diverse Feiern (Weihnachtsfeier) , Feuerwehrfeste und Jugenddtreffs verwendet, bis es letztendlich im Jahre 2001 abgebrochen wurde.
Im Jahre 2008 gestaltete der Dorferneuerungs- und Verschönerungsverein den  Ludwig Piffl-Platz neu (Fossil). Siehe auch Kapitel Persönlichkeiten S. 245.
 
 
1.3 Fossil
 
Der Schaukasten mit dem „Fossil“, ein Teil eines esizeilichen Baumstammes (Föhre) der Ende ser Sechziger Jahre des 20. Jhdts. in der Schottergrube Schauerhuber beim Haleberg in ca. 6 m Tiefe aufgefunden wurde, und an dessen Erforschung Prof. Ludwig Piffl maßgeblich beteiligt war, wurde im Jahre 2008 im Zuge der Neugestaltung des Platzes nach Abriß der alten Schule durch den Dorferneuerungs- und Verschönerungsverein Neustift dort aufgestellt.
Mehr über Prof. Ludwig Piffl siehe Prof. Ludwig Piffl (hf-kirchberg.at)
 
Abb. 5: Fossil Foto: Maria Knapp
 
 
1.4 Pestkreuz

Das für Neustift wohl prominenteste Kleindenkmal ist das sog. Pestkreuz am westlichen Ortsausgang. Der gemauerte Tabernakelbildstock  befand sich vor der Grundzusammenlegung im Jahre 1961 etwas oberhalb der südwestlichen Kreuzungsecke der Landesstraße Tulln - Krems und der Bezirksstraße Altenwörth - Mühlbach.
 
Abb. 6: Pestkreuz an der Straße nach Kollersdorf im Jahre 1932
Foto: Schulchronik
  
Der damalige Leiter der Schule Adalbert Hirsch d. J. schreibt im Jahre 1933 in der Schulchronik:
„Die Jahre 1653, 54 u. 55 sind Pestjahre. An diese Zeit erinnert das Pestkreuz.
Es steht an der Abzweigung der Straße nach Altenwörth von der Hauptstraße, im Westen der Ortschaft. Dort werden heute noch eine Menge Gebeine ausgeackert.
An diese Zeit erinnert der Lodersteig (Ludersteig, wenn das Luder kam) der an der Gemeindegrenze zwischen Neustift und Kollersdorf läuft, ober Altenwörth beginnt, keine Ortschaften bis Böhmen berührt. Er wurde in Pest- und Cholerazeiten benützt.
Am 20.Jänner 1655 soll die Pest in Neustift gänzlich verloschen sein...""[4]
Im Zuge der Grundzusammenlegung im Jahre 1961 wurde die „Gstetten“ (Ufer des „Raintales“) nahe des Pestkreuzes abgebaggert und dabei kamen wieder die Gebeine der Pesttoten, die dort offensichtlich in einem Massengrab bestattet waren, zutage. Diese wurden dann wieder an Ort und Stelle neu bestattet.
Nach Errichtung der Schnellstraße Stockerau-Krems wurde das Pestkreuz  nun an der Auffahrtsrampe zum nördlichen Kreisverkehr neu errichtet und zeigt den Heiligen Sebastian.
Die Gebeine setzte man im neuen Friedhof in Kirchberg zur letzten Ruhe.
Im Juni 2021 erfolgte auf Initiative des Ortsvorstehers Norbert Markl eine Renovierung, die das Aussehen sehr im positiven Sinne veränderte. Das aufgesetzte Kreuz spendete Herr Josef Schabl.
 
 
Abb. 7: Pestkreuz im Jahre 1961
Foto: Prof. Ludwig Piffl, Josef Schabl
 
  
 Abb. 8, 9: Pestkreuz im Jahre 2009 und nach der Renovierung im Jahre 2021       
 
              
1.5 Winkler Kreuz und Rotes Kreuz

Das Winkler Kreuz, ein gemauerter Tabernakelbildstock befindet sich am östlichen Ortsausgang links der „Ochsenstraße“, ca. 200 m westlich des „Haleberges“. Er stand vor der Grundzusammenlegung im Jahr 1961 an der Nordwestecke der Kreuzung des Winklerweges mit der Ochsenstraße, einst ca. 1 m höher als die vorbeiführenden Wege, die sich schon leicht als Hohlwege ausgebildet hatten.
Das von Ing. Franz Mann in „Was sagen uns die Flurnamen im Bezirk Kirchberg am Wagram?“ auf Seite 53 unter „639 c -Kreuz beim rothen. G 1777, G n, MF, JF“   stand auf der selben Wegkreuzung, aber südlich der Ochsenstraße. Die beiden Kreuze bildeten also gleichsam ein "Tor" (Pforte) zwischen Winkler- und Neustifter Freiheit und zeigten in früheren Zeiten wahrscheinlich die  Freiheitsgrenze der abgekommenen Orte „Hannidorf“ (Altendorf) und „Parz“ an der Kreuzung der „Ochsen- oder Landstraße“ mit dem ehemaligen "Winklerweg" an. Letzterer führte vom einstigen Donauufer (= heute „Schinderlahn“) bei der ehemaligen Burg Winkl nach Kirchberg bzw. über den Mühlweg nach Winkelberg (Mitterstockstall) und von dort über Ruppersthal weiter nach Hollabrunn – Znaim – Brünn, wohin dieser Weg die kürzeste Verbindung darstellt.  
Inge Resch Rauter  schreibt in "Unser keltisches Erbe - Flurnamen, Sagen Märchen und Brauchtum als Brücken in die Vergangenheit": „Rot (von Reda – Rad - Wagen) kann einerseits die befahrbare Straße, Furt, Überfahrt, einen Übergang, andererseits Hinweis auf Gräber und Gerichtsstätten bedeuten“;    
 
Abb. 10: Winkler Kreuz im Jahre 2009
 
 
„Als Standort der Roten Kreuze werden oftmals Porz-Fluren genannt, woraus wir schließen müssen, dass die Stelen vor versperrbaren Toren (Porz ist abgeleitet von lat. PORTA=Pforte, Tor) der Siedlungen gestanden sind. Dort hatten sie die Funktion des Rechtsmales, eines Grenz- und Schutzmales....
....Das Wort ROT kann die Farbe bezeichnen, was aber bei den "Roten Kreuzen" nicht immer paßt. Da sie oftmals nicht rot bemalt sind. Es kann auf alte Rechts- und Totenkultplätze hinweisen. Es könnte auch auf das keltische REDA für die Straße, in diesem Fall "Grenzstraße", verweisen.
....Das Rote Kreuz war in der vorchristlichen Zeit der Kultpfahl an der Wegkreuzung, das Zeichen für das Göttliche an einer von ihm durch Erdstrahlen markierten Stelle, an welcher in frühester Zeit Kulthandlungen abgehalten und Blutopfer gebracht worden sind. Dort wurden vermutlich Verbrecher hingerichtet, das heißt "geopfert", und Tieropfer dargebracht. Sein Platz konnte an den Grenzwegen mehrerer Herrschaftsbereiche oder an "Kreuzwegen" dieser Grenzstraßen gewesen sein.“ [5]
In der Josefinischen Karte, die noch die alten Strukturen zeigt, ist links und rechts der "Ochsenstraß" oder "Landstraß" je ein Kreuz eingezeichnet, was die Funktion als "Pforte"  unterstreicht. Siehe Josefinische Karte aus 1780 S. 12.
Alle oben genannten Hinweise treffen an diesem Standort zu.
Der „Haleberg“ und die Flurnamen „Teufelsgrund“, der unmittebar östlich der Kreuze anschließt, und „Porz“ verhärten die Annahme der Rechtsprechung an diesem Ort, da die Leeberge oftmals alte „Mal- und Dingstätten“ (Ing. Mann) anzeigen.
Das Rote Kreuz war laut Beschreibung von Frau Maria Daschütz ein einfaches Holzkreuz mit einer geschnitzten Christusstatue, welches Ende der 1950er Jahre umgefallen ist. Die  Familie Daschütz schaffte es nach Hause, um es restaurieren zu lassen. Durch die bald folgende Kommassierung kam es nicht mehr zur Wiederaufstellung.
Im Jahre 2016 "erlag" das Winkler-Kreuz einem Unfall – Es wurde von einem Mähdrescher umgefahren und danach von der Familie Markl einige Meter daneben aus den alten Ziegeln neu errichtet.
 
  
Abb. 11, 12: Neuerrichtung des Winkler Kreuzes, 2016
 
 
 
1.6 Walzer-Kreuz - Erstes Wegkreuz an der „Kirchberger-Straße“
 
Der gemauerte Tabernakelbildstock steht östlich an der Landesstraße L45 direkt hinter dem Haus Nr. 5 Walzer Michael und diente wahrscheinlich auch als Wegkreuz, zumal vor der Grundzusammenlegung 1961 hier der sog. „Mallonerweg“ und die "Ochsenstraße" von Nordwest kommend, einmündete und sich im nördlichen „Hintaus-Weg“ fortsetzte. Es zeigt ein Bildnis der Maria mit Jesuskind sowie den gekreuzigten Jesus. Über eine sonstige Bedeutung dieses Marterls ist nichts bekannt.
 
 
Abb.  13: Walzer-Kreuz, 2009
 
 
 
1.7 Weißes Kreuz oder Mitterkreuz - Zweites  Wegkreuz an der „Kirchberger-Straße“
 
Der gemauerte Tabernakelbildstock steht ungefähr in der Mitte zwischen Neustift und Kirchberg westlich der Bezirksstraße Altenwörth-Mühlbach. Hier mündete vor der Grundzusammenlegung der „Kirchenweg“ von Altenwörh und Gigging nach Kirchberg am Wagram in die „Kirchberger Straße“.
„B 24: Marter Saillen. Den 6. xberl1659 wirdt Franz Gempel (= oder Gengel) von Gigging (= Ortsteil der MG Kirchberg am Wagram, pol. Bez. Tulln) eine Creüz Seüll zwischen Gigging und Kirchberg weegschaid zusezen erlaubt (fol 312).“[6]
Auf der Straße neben diesem Kreuz ereignete im Jahr 1958 ein tragischer Unfall:  "Am 16. Juni fanden auf der Straße nach Neustift durch einen tragischen Unfall den Tod: Kainz Gustav aus Mitterstockstall (21 Jahre alt) und Söllner Leopold aus Neustift (53 Jahre alt)  Einige Sekunden nach dem Unfall schon kam zufällig der Pfarrer mit dem Gemeindearzt Dr. Josef Schober vorbei.- Leider war jede Hilfe vergebens. Nur mehr die Krankenölung konnte gespendet werden, nachdem der Arzt bereits den Tod feststellte. Motorradraserei. - Das Zeichen unserer Zeit."-[7]
 
Abb.  14: Weißes Kreuz, 2009 , Foto: A. Nowotny 
 
 
 
1.8 Dickes Kreuz - drittes Wegkreuz an der „Kirchberger-Straße“
 
Der gemauerte Tabernakelbildstock mit ca. 50 cm hohem Steinkreuz mit Corpus Christi, wegen seiner Form "Dickes Kreuz genannt, stand einst östlich an der Einmündung des Winkler – Weges in die Bezirksstraße Altenwörth – Mühlbach (L 46), ca. 100 m vor dem Bahnübergang.
Er zeigt Maria mit Kind und wurde im Zuge der Errichtung der neuen Bahnunterführung im Jahre 2006 renoviert. Eine neuerliche Renovierung erfolgte 2017.
 
    
Abb.  15, 16:  links: Dickes Kreuz 2009, rechts: nach Renovierung 2017; Fotos: A. Nowotny
 
 
Wegen der Form vermutet Ramharter, daß es sich um ein sog. "Raaberkreuz" handeln könnte. Die Errichtung von Raaberkreuzen ordnete Kaiser Kaiser Rudolf II. nach der Rückeroberung der Festung Raab (Györ) von den Türken im Jahre 1598 mit folgendem Erlaß an:
Wir Rudolf der Ander (der Zweite) von Gottes genaden erwälter Römischer Khayser etc. etc. geben euch gnediglich zu vernemen: Demnach durch sonder Gnad Gottes die vestung Raab widerumben in unser Hand kommen, … empfehlen wir hiemit Euch allen dass Ihr Gott zu Ehrn und Danksagung an Straßen, Pässen, Wegschaiden umbgfallene oder von bosshaftigen Leüthen und Bildstürmern nidergerissene stainerne oder andere Creutz und pet Marter Säulen wiederumb aufrichtet und darein mit leslichen schwarzen Buchstaben volgende Schrifft machen lasset:“
                                                „Sag Gott dem Herrn Lob und Danck
                                               dass Raab wieder kommen in der Christen Handt,
                                               den Neun und zwainzigsten Martii im 1598 – Jahr
.[8]

 
 
1.9 Wodak-Kapelle  (Steinernes Kreuz)
 
Dieser Kapellenbildstock steht in der Flur Resselfeld in der südwestlichen Ecke der Kreuzung des „Stockstaller- Weges“ von Neustift nach Unterstockstall mit dem Mark(t)weg von Frauendorf/Bierbaum (Flur Parz) nach Kirchberg am Wagram. Die Kapelle wurde früher von der Familie Wodak renoviert, daher vermutlich auch der Name.
 
Die Marienkapelle ist mit dem daneben stehenden Kastanienbaum romantisch anzusehen und daher  auch ein beliebtes Wanderziel. Sie wurde 2011 von der Familie K. Mayer aus Königsbrunn neu renoviert.
In der Grenzbeschreibung der Josephinischen Grunderträgnis-Fassion der Herrschaft Winkelberg heißt es: "...ein Steinernes Kreutz bei dem Kreutzweg hinein an der Unterstockstaller Freiheit, die Entfernung beträgt 2004 Schritte – es zeigt gegen Bierbaum".
 
 
  
Abb. 17, 18:  Wodakkapelle im Sommer 2017  und im Herbst 2009
 

Abb. 19: Herbst 2009 
Abb.20, 21 Sommer 2017 
 
  
 
1.10 Berthiller-Kapelle
 
     
Abb.22, 23: Berthiller-Kapelle im Jahre 2009 und nach der Renovierung 2021
 
Dieser Marienkapellenbildstock befindet sich vor dem Hause Nr. 116 (Daschütz) und wurde in den 1950-er Jahren von der Familie Leopold Berthiller, Neustift Nr. 31 (Bürgermeister von Neustift 1920 -1925), aus Dankbarkeit vor der Errettung vor der Besatzungmacht bzw. des unbeschadeten Heimkehrens des Sohnes Leopold (Bürgermeister  bzw. Ortsvorsteher von Neustift 1960 bis 1970) aus dem 2. Weltkrieg errichtet. Sie wird  noch immer von der Fam. Berhiller gepflegt, die Bepflanzung pflegt der Dorferneuerungs- und Verschönerungsverein Neustift.
Die Fronleichnahms- Umgang in Neustift führt regelmäßig zu diesem Kapellenbildstock.
Im Jahre 2021 erfolgte eine Renovierung durch die Familie Berthiller, die das Denkmal zum Umgang in neuem Glanz erstrahlen ließ.
 
 
 
1.11 Wegkreuz bei Haus Nr. 59 
 
Dieses Wegkreuz mit Corpus Christi aus Blech steht bei der Einmündung des südlichen Hintausweges in den Weg ins „Altendorf“. In den Hintausweg mündete auch ein Weg aus Winkl, der eine Abkürzung nach Mallon und Kollersdorf darstellte. Auch die "Viehtrifft" oder "Krumper Weg" ging von dort aus Richung Südwesten aus. Das Kreuz stellte die Familie Germ wegen Krankheit des Sohnes Franz auf.[9]
 
  
Abb. 24: Das Wegkreuz im Jahre 2009
 
 
 
1.12 Weitere, nicht mehr vorhandene Kleindenkmäler
 
In der Josephinischen Karte von 1780 sind noch an folgenden Stellen Kreuze eingezeichnet:
Am Dörflerweg ungefähr mittig zwischen Neustift und Dörfl, sowie am Kirchensteig hinter den Häusern gegen Kirchberg, ebenfalls mittig zwischen Neustift und Kirchberg.
In der Grenzbeschreibung des Neustifter Zehents sind erwähnt: Ein Bietstein an der Grenze zur Gigginger und Winkler Freiheit und ein Diebstein an der Straße nach Kollersdorf (Oxenstrass):
„....biß auf den Bietstein welcher in des Franz Mathia zu Gigging Wisen, in einer deren  Stauden stehet, dann hinführ biß auf den Lodersteig, rechte Handt am Steig hinauß, bis auf die Oxenstrass zu dem Neustiffter Diebsstain.....““[10]
„B 26: Dem Andren Edlmihlner ist erlaubt worden, zwey Creuzsaullen in der Jesuiterl: Freyheit aufzusezen (= Ort und Datum fehlen; ist nach dem 1.5.1694 eingetragen worden; fol 195). Neustift?“[11]
 
 
 
2. An der Freiheitsgrenze, jedoch bereits in der Freiheit Unterstockstall liegende Kleindenkmäler:
 
2.1 Wegkreuz am Marktweg ( Schachinger-Kapelle)
 
Die Bildstockkapelle steht ca. 300 m südöstlich der Wodak Kapelle ebenfalls am Mark(t)weg , hier kreuzte der östliche „Stockstaller-Weg“, der nur mehr in der josephinischen Landesaufnahme eingezeichnet ist, den Mark(t)weg. sie  gehört eigentlich zur Gemarkung Unterstockstall,  ist schön renoviert und auch ein Wanderziel.
Vermutlich spielten diese Kapellen am Mark(t)weg auch bei der Anreise zur  Wallfahrt zu Maria Trost eine Rolle.
Dieses Kreuz zeigt als Hauptmotiv Maria mit Kind, und trägt zusätzlich auf jeder Seite ein Bild mit dem jeweiligen Schutzheiligen der Kirche, nach dessen Richtung es zeigt:
Nordost: Königsbrunn am Wagram -  Hl. Johannes der Täufer,
Nordwest: Kirchberg am Wagram – Hl. Stephan
Südwest: Neustift im Felde – Hl. Sebastian
Südost: Bierbaum Hl. Laurentius. 
 
Abb. 25: Schachinger-Kapelle, Sommer 2017
 
 
Möglicherweise wurde diese Kapelle um 1719 errichtet, wie ein Schreiben an den Administator zu Kirchberg, Pater Anthoni Nuck vermuten läßt:
"An Adninistratorn zu Kürchberg Patter Anthoni Nuckh den 3ten Apprill 1720:
Unnserer gnadt und jenes anncor Ehrwürdig in Gott sonders lieber Administrator.
„Euch auf das erster membrum hirmit iro refrentione bedeutten wollen, das ihr den wegen dess ave Maria Leutte abgesondert beruht ad venerabila consistotium a contrario abstatten: und hiermit der Unterstockhstallerischen gmain setitum zur verwilligung auf alles was dessecire und dises sedindicium abzueruirn auch sollt, das andert sunctum aber haben.
Was ihr in Eurem letzten briefe wider die Gmain zu Unterstockhstall wegen der Creuzsäulen, anstatt dessen aber erpauten Capellen und darin  gehängten Glockhen aines, dann andretens wider die Dorffrichter zu Königsbrunn, Neustüfft, und Pürpaum in sunito verübter aigenmächtig- und gewaltthätigkeiten in dem gotteshause, sonderbahr aber wegen der Comedien an uns berichtlich gelangen lassen, haben unserem Assentor zu Wien Herrn Doctor  Ohzenaheck  sonderbahr dessleztern sumiti halber in Abschrift mit dem bestlich communiciret das derselbe hiryber ein rechtliches gutachten abfasse, und dieses an Se. Hochwürden unsern Concapitularn
Herrn Graf von Lamberg dirigirn solle, umb nach selber gleich gegen denen Delinquenten die execution bey dero Instanzien vornemen zu khönnen, Euch abert mit hieran gemessenen ernst unbestechlich, da ihr in dess voll dises Cepter suncti auf die Rädelsführer der commedianten und aitorum genauist inquirieren sollet, damit selbe nach dem von vorstande einlauffende guettachten gleich namhaft gemacht, und bey ihren obrigkeiten dises veryebt delicti halber gebührendermassen conveniret, zugleich auch derentwill gebührendermassen abgebüesst werde können, dessen und zeigen auch verprechen, und mit jdg? sollen verrens? woll bey gethann verbleiben.
Passau den 3ten Apprill 1720.
Nro 97                                                                                                                                  Nro 161
                                                           An Administratorn zu Kürchberg Patter Anthoni Nuckh den 3.ten Apprill: 1720
Die Gemain Unterstockhstall weg der statt einer                                                                               bewilligten Kreutzsäulen betreff erbauten Capelle                                                                                                                                                     und Dorffrichter zu             Königsbrunn  und Neustüfft                                                                                                                                                         und Pierpaums wegen der commedien betref.                                                                                                                                                                       1719 1720.
                                                                                                                                  Fach 33. D.d.num.“[12]
 
Die Kapelle wurde im Jahre 2006 und zuletzt  von der Familie Cerny aus Unterstockstall im Frühjahr 2021 renoviert.
 
Abb. 26: Schachinger-Kapelle, Sommer 2021   
 
 
2.2 „Seidlkreuz“
 
Dieses Wegkreuz  steht an der ehemaligen Kreuzung des Weges von Frauendorf nach Königsbrunn und Unterstockstall mit der „Ochsenstraße“. Hier kreuzte auch die „Hafnerstraß“ von Winkl nach Königsbrunn. Es zeigt den Gekreuzigten, ist aus Eisen, „renoviert von der Fam. Seidl“ und befindet sich ebenfalls in der Gemarkung Unterstockstall.
 
Abb 27: Seidlkreuz 2017
 
 
Den Standort der meisten Kleindenkmale um 1780 kann man auf der Webseite  Europa im 18. Jahrhundert | Arcanum Karten ersehen
einige davon sind nicht mehr vorhanden.
 
 
 
3. Lage der Kleindenkmäler (inklusive Winkl)
 
Abb. 28: Karte aus 1939, A. Nowotny
 
 
 
Andreas Nowotny 01.09..2021
 
 
[1]   Fotonachweis: Abb. 1, 6: Schulchronik 2; Abb 2, 7: Josef Schabl, Nachlass L. Piffl; Abb. 5: Maria Knapp,  Abb. 3, 4 und 8 bis 28 Andreas Nowotny
[2]   Adalbert Hirsch d.Ä. Schulchronik 1
[3]   OSR Ludwig Piffl, Schulchronik 3
[4]   Adalbert Hirsch d. J. Schulchronik 2- Geschichte
[5]   Inge Resch Rauter: Unser keltisches Erbe - Flurnamen, Sagen Märchen und Brauchtum als Brücken in die Vergangenheit, S. 41 bis 48
[6]    Hans Windbrechtinger: „Aus den ,,Verbeschaidbüchern” des Archives Grafenegg (= im HHStA Wien) und dem ,,Gerichtsbuch Etsdorf” (= im Gemeindeamt Etsdorf): Flurdenkmale im Kamptal und am Wagram (Martersaillen)“ B 24: Verhörsprotokoll Grafenegg 1656 – 1666
[7]    Pfarrer Rudolf Koriska Pfarrgedenkbuch Kirchberg am Wagram
[9]   Angabe Josef Daschütz
[10]  Beschreibung aller Stückh-Zehent und Gülden des Hochfürstlichen Passauischen Casten- Ambts Stain, Bayerisches Hauptstaatsarchiv, Sign. HL-528 Hochstift Passau- Buch – Auszug, recherchiert von Hr. Ludwig Leuthner, Transkription A. Nowotny
[11] Hans Windbrechtinger, Martersäulen zu setzen erlaubt; HstA. „Aus den ,,Verbeschaidbüchern” B 24: Verhörsprotokoll Grafenegg 1656 – 1666
[12] BayHStA HL Passau Rep. 51 Verz. 1, Fasz. 5/137