Kleindenkmäler Neustift 

 

 

Letzte Änderung: 9.11.2015

 

Inhalt

1 Neustift

1.1 Pestkreuz
1.2 Kriegerdenkmal
1.3 Winkler-Keuz
1.4 Walzer-Kreuz -Erstes Wegkreuz an der „Kirchberger-Straße“
1.5 Zweites Wegkreuz an der „Kirchberger-Straße“
1.6 Drittes Wegkreuz („Dickes Kreuz“) an der „Kirchberger-Straße“
1.7 Wodak-Kapelle
1.8 Berthiller-Kapelle
1.9 Wegkreuz bei Haus Nr. 59
1.10 Ludwig Piffl-Denkmal und „Fossil“

2 Unterstockstall
2.1 Wegkreuz am Marktweg ( Schachinger-Kapelle)
2.2 „Seidlkreuz“

3 Lage der Kleindenkmäler

 

1 Neustift

1.1 Pestkreuz

Das für Neustift wohl prominenteste Kleindenkmal ist das sog. Pestkreuz am westlichen Ortsausgang. Der gemauerte Tabernakelbildstock befand sich vor der Grundzusammenlegung im Jahre 1961 etwas oberhalb der südwestlichen Kreuzungsecke der Landesstraße Tulln - Krems und der Bezirksstraße Altenwörth - Mühlbach.

Foto: Josef Schabl, Neustift

Der damalige Leiter der Schule Adalbert Hirsch d. J. schreibt im Jahre 1933 in der Schulchronik:
„Die Jahre 1653, 54 u. 55 sind Pestjahre. An diese Zeit erinnert das Pestkreuz.
Es steht an der Abzweigung der Straße nach Altenwörth von der Hauptstraße, im Westen der Ortschaft. Dort werden heute noch eine Menge Gebeine ausgeackert.
An diese Zeit erinnert der Lodersteig (Ludersteig, wenn das Luder kam)°] der an der Gemeindegrenze zwischen Neustift und Kollersdorf läuft, ober Altenwörth beginnt, keine Ortschaften bis Böhmen berührt. Er wurde in Pest- und Cholerazeiten benützt.
Am 20.Jänner 1655 soll die Pest in Neustift gänzlich verloschen sein.

Zur Erinnerung an diesen Tag wird heute noch der zum Ortsfeiertag e
rklärte 20. Jänner (Sebastian) mit großem Aufwand gefeiert. Es wird gebacken und gebraten wie anläßlich des Kirchweihfestes. Selbst die Oktar wird noch so gehalten, daß an diesem Tag alle Leute zur Kirche gehen und die Schule den Kommuniontag ansetzen muß, um schulfrei geben zu können. Am Nachmittag ist gewöhnlich Veröffentlichung des Gemeindegebarens.“
°] Diese Angabe mag wohl auch zutreffen, doch das Wort "Loder" bedeutet im Bayrischen Dialekt den Lader, dessen Geschäft in Auf- oder Abladen bestand, bzw. Leute, die beladen auf den Saumpfaden dahinzogen und nicht zuletzt das Salzfaß, das im Bayrischen als "Lädin" bezeichnet wurde (Bayerisches Wörterbuch... von Johann Andreas Schmeller, 2. Teil, Stuttgart und Tübingen 1828 S. 434). Man denke auch an die im Weinviertel gebräuchliche "Load" – ein Maischefaß auf einem Wagen bzw. den englischen Ausdruck für laden - "load".
Laut Prof. Dr. Richard Hübl, „Geschichte der Marktgemeinde Kirchberg am Wagram“, wird der Lodersteig auf den  Salzburger Erzbischof Paris-Lodron zurückgeführt, der diesen Weg für den Salztransport verwendete, um der Salzmaut zu entgehen.
Im Zuge der Grundzusammenlegung im Jahre 1961 wurde die „Gstetten“ nahe des Pestkreuzes abgebaggert und dabei kamen wieder die Gebeine der Pesttoten, die dort offensichtlich in einem Massengrab bestattet waren, zutage. Diese wurden dann wieder an Ort und Stelle neu bestattet.
Nach Errichtung der Schnellstraße Stockerau-Krems wurde das Pestkreuz nun an der Auffahrtsrampe zum nördlichen Kreisverkehr neu errichtet und zeigt nun den Gekreuzigten Christus.
 
  
Fotos:  Prof. Ludwig Piffl - Schulchronik Neustift um 1932

Im Zuge der Grundzusammenlegung im Jahre 1961 wurde die „Gstetten“ (Ufer des „Raintales“) nahe des Pestkreuzes abgebaggert und dabei kamen wieder die Gebeine der Pesttoten, die dort offensichtlich in einem Massengrab bestattet waren, zutage. Diese wurden dann wieder an Ort und Stelle neu bestattet. 

Nach Errichtung der Schnellstraße Stockerau-Krems wurde das Pestkreuz  nun an der Auffahrtsrampe zum nördlichen Kreisverkehr neu errichtet und zeigt den Heiligen Sebastian.

 

1.2 Kriegerdenkmal 

Wieder schreibt Schulleiter Adalbert Hirsch d.J.:

„Die Gemeinde Neustift i. Felde hat ihren im Weltkriege gefallenen Helden an der Südseite der Ortskirche ein würdiges Denkmal errichtet. Dasselbe stammt von der Fa. F. Slaba in St.
Pölten und wurde von der Gemeinde im August 1921 um 26.000 Kronen (Inflationswert) gekauft. Die Enthüllung und Einweihung des Denkmals fand am 18. September 1921 statt, die Weihe nahm Hochw. Herr Pfarrer K. Rasberger aus
Kirchberg vor. Der Gesangsverein sang einen Chor, die Frl. Anna Schabl und Resi Weiß trugen Gedichte vor, H. Bürgermeister Leopold Bertiller hielt eine Ansprache. Nach der Kranzniederlegung und Defilierung des Kriegerverbandes, Einmarsch in das Gasthaus der Frau Wagensonner. Dort nachmittags Konzert, abends Tanz.
 

Foto: Schulchronik Neustift um 1932 

Weiters schreibt 1963 Prof Ludwig Piffl: „Im Sommer ist das Kriegerdenkmal verbessert worden und eine neue Tafel weist die Namen der Gefallenen der beiden Weltkriege auf. Schulkinder pflanzten 2 Birken beiderseits des Denkmales.“ 

 

1.3 Winkler-Keuz 

Der gemauerte Tabernakelbildstock  befindet sich am östlichen Ortsausgang links der „Ochsenstraße“, ca. 200 m. westlich des „Haleberges“. Es stand vor der Grundzusammenlegung im Jahr 1961 an der Nordwestecke der Kreuzung des Winklerweges mit der Ochsenstraße, einst ca. 1m höher als die vorbeiführenden Wege, die sich schon leicht als Hohlwege ausgebildet hatten. Hier dürfte es sich um das von Ing. Franz Mann in „Was sagen uns die Flurnamen im Bezirk Kirchberg am Wagram?“ auf Seite 53 unter
„639 c  Kreuz beim rothen. G 1777, G n, MF, JF“   handeln.
Das Rothe Kreuz steht an der Freiheitsgrenze zwischen Winkl und Neustift bzw. Winkl und  wahrscheinlich der abgekommenen Orte „Hannodorf“ (Altendorf) und „Parz“ an der Kreuzung der „Ochsen- oder Landstraße“,  mit dem ehemaligen "Winklerweg" von Winkl nach Kirchberg bzw. über den Mühlweg nach Winkelberg (Mitterstockstall)  und von dort über Ruppersthal weiter nach Hollabrunn – Znaim – Brünn, wohin dieser Weg die kürzeste Verbindung darstellt.         
Inge Resch Rauter  schreibt in "Unser keltisches Erbe - Flurnamen, Sagen Märchen und Brauchtum als Brücken in die Vergangenheit":
„Rot (von Reda -Rad-Wagen) kann einerseits die befahrbare Straße, Furt, Überfahrt, einen Übergang,  andererseits Hinweis auf Gräber und Gerichtsstätten bedeuten“;
Rote Kreuze:
Als Standort werden oftmals Porz-Fluren genannt, woraus wir schließen müssen, dass die Stelen vor versperrbaren Toren (Porz ist abgeleitet von lat. PORTA=Pforte, Tor) der Siedlungen gestanden sind. Dort hatten sie die Funktion des Rechtsmales, eines Grenz- und Schutzmales....
....Das Wort ROT kann die Farbe bezeichnen, was aber bei den "Roten Kreuzen" nicht immer passt, da sie oftmals nicht rot bemalt sind. Es kann auf alte Rechts- und Totenkultplätze hinweisen. Es könnte auch auf das keltische REDA für die Straße, in diesem Fall "Grenzstraße", verweisen.
....Das Rote Kreuz war in der vorchristlichen Zeit der Kultpfahl an der Wegkreuzung, das Zeichen für das Göttliche an einer von ihm durch Erdstrahlen markierten Stelle, an welcher in frühester Zeit Kulthandlungen abgehalten und Blutopfer gebracht worden sind. Dort wurden vermutlich Verbrecher hingerichtet, das heißt "geopfert", und Tieropfer dargebracht. Sein Platz konnte an den Grenzwegen mehrer Herrschaftsbereiche oder an "Kreuzwegen" dieser Grenzstraßen gewesen sein.“
In der Josefinischen Karte, die noch die alten Strukturen zeigt, ist links und rechts der "Ochsenstraß" oder "Landstraß" ein Kreuz eingezeichnet, was die Funktion als "Pforte"  unterstreicht. Siehe Josefinische Karte aus 1780  http://mapire.eu/de/map/collection/firstsurvey/?zoom=16&lat=48.40669&lon=15.89336 .
Alle obgenannten Hinweise treffen an diesem Standort zu.
Der „Haleberg“ und die Flurnamen „Teufelsgrund“  und „Porz“ verhärten die Annahme der Rechtsprechung an diesem Ort, da die Leeberge oftmals alte „Mal- und Dingstätten“ (Ing. Mann) anzeigen. 

 

1.4 Walzer-Kreuz - Erstes Wegkreuz an der „Kirchberger-Straße“

Der gemauerte Tabernakelbildstock steht östlich an der Landesstraße L45 direkt hinter dem Haus Nr. 5 (ehemals Walzer Michael) und diente wahrscheinlich auch als Wegkreuz, zumal vor der Grundzusammenlegung 1961 hier der sog. „Mallonerweg“ von Nordwest kommend, einmündete und sich im nördlichen „Hintaus-Weg“ fortsetzte. Es zeigt ein Bildnis der Maria mit Jesuskind sowie den gekreuzigten Jesus.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

1.5 Zweites Wegkreuz an der „Kirchberger-Straße“

Der gemauerte Tabernakelbildstock steht ungefähr in der Mitte zwischen Neustift und Kirchberg westlich der Bezirksstraße Altenwörth-Mühlbach. Hier mündete vor der Grundzusammenlegung der „Kirchenweg“ von Altenwörh und Gigging nach Kirchberg am Wagram in die „Kirchberger Straße“.
Hans Windbrechtinger: „Aus den ,,Verbeschaidbüchern” des Archives Grafenegg (= im HHStA Wien) und dem ,,Gerichtsbuch Etsdorf” (= im Gemeindeamt Etsdorf):
Flurdenkmale im Kamptal und am Wagram (Martersaillen)“ B 24: Verhörsprotokoll Grafenegg 1656 – 1666:
„B 24: Marter Saillen. Den 6. xberl 1659 wirdt Franz Gempel (= oder Gengel) von Gigging (= Ortsteil der MG Kirchberg am Wagram, pol. Bez. Tulln) eine Creüz Seüll zwischen Gigging und Kirchberg weegschaid zusezen erlaubt (fol 312).“ 

 

 

  

 

 

1.6 Drittes Wegkreuz („Dickes Kreuz“) an der „Kirchberger-Straße“ 

Der gemauerte Tabernakelbildstock   stand einst östlich an der Einmündung des Winkler – Weges in die Bezirksstraße Altenwörth – Mühlbach ca. 100 m vor dem Bahnübergang. Es wurde im Zuge der Errichtung der neuen Bahnunterfürung renoviert. Es zeigt Maria mit Kind.

 

 

 

 

 

 

 

 

1.7 Wodak-Kapelle 

Sie steht in der südwestlichen Ecke der Kreuzung des

„Stockstaller- Weges“ von Neustift nach Unterstockstall mit dem Mark(t)weg von Frauendorf/Bierbaum (Flur Parz) nach Kirchberg am Wagram. Die Kapelle wurde von der Familie Wodak renoviert, daher vermutlich auch der Name.

Die Marienkapelle ist mit dem danebenstehenden Kastanienbaum romantisch anzusehen und daher auch ein beliebtes Wanderziel. Sie wurde zuletzt 2011 renoviert.

 

 

  

 

 

 

1.8 Berthiller-Kapelle 

Diese Marienkapelle befindet sich vor dem Hause Nr. 116 (Daschütz) und wurde in den 1950-er Jahren von der Familie Leopold Berthiller, Neustift Nr. 31 (Bürgermeister von Neustift 1920 -1925) , aus Dankbarkeit vor der Errettung vor der Besatzungmacht bzw. des unbeschadeten Heimkehrens des Sohnes Leopold (Bürgermeister bzw. Ortsvorsteher von Neustift 1960 bis 1970) aus dem 2. Weltkrieg errichtet. Sie wird noch immer von der Fam. Berhiller gepflegt.

 

 

  

  

 

 

 

 

1.9 Wegkreuz bei Haus Nr. 59 

Dieses Wegkreuz mit dem Gekreuzigten steht bei der Einmündung des südlichen Hintausweges in den Weg ins „Altendorf“ bzw. nach Altenwörth. In den Hintausweg mündete auch ein Weg aus Winkl, der eine Abkürzung nach Mallon und Kollersdorf darstellte. 

 

 

 

 

 

 

  

 

 

1.10 Ludwig Piffl-Denkmal und „Fossil“ 

  

Standort bei 1.2 Ludwig Piffl-Platz. Das Denkmal wurde im Jahre 1970 in Anerkennung der Leistungen des langjährigen Leiters der Schule Neustift, Prof. Ludwig Piffl von den Gemeindebürgern errichtet. Es wurde dazu der in der "Steiner Kastenamtsbeschreibung" des Neustifter Zehents aus dem Jahre 1708 genannte  Bietstein verwendet. (St. KAB 1708)  "...... bis zu dem Bietstain, welcher in des Franz Mathia zu Gigging Wisen, in einer deren Stauden stehet, dann hinführ biß auf den Lodersteig, rechte Handt am Steig hinauß, bis auf die Oxenstrass zu dem Neustiffter Diebsstain, so dann vom Stain an den Lodersteig....."

Der Schaukasten mit dem "Fossil", ein Teil eines eiszeitlichen  Baumstammes (Föhre), der Ende der Sechziger Jahre des 20. Jhdts. in der Schottergrube Schauerhuber beim Haleberg in ca. 6 m Tiefe aufgefunden wurde, und an dessen Erforschung Prof. Piffl maßgeblich beteiligt war, wurde im Jahre 2008 im Zuge der Neugestaltung des Platzes durch den Dorferneuerungs- und Verschönerungsverein Neustift nach dem Abriss der alten Schule dort aufgestellt.
Mehr siehe http://www.hf-kirchberg.at/index.php/neustift/einwohner-von-neustift/prof-ludwig-piffl

 

2 Unterstockstall

2.1 Wegkreuz am Marktweg (Schachinger- oder Schwanzer-Kapelle)

Es steht ca. 300 m südöstlich der Wodak Kapelle ebenfalls am Mark(t)weg, hier kreuzte der östliche „Stockstaller-Weg“, der nur mehr in der josephinischen Landesaufnahme eingezeichnet ist, den Mark(t)weg. Es gehört eigentlich zur Gemarkung Unterstockstall, ist schön renoviert und ein Wanderziel. Vermutlich spielten diese Kapellen am Mark(t)weg auch bei der Wallfahrt zu Maria Trost eine Rolle.

Dieses Kreuz zeigt als Hauptmotiv Maria mit Kind, und trägt zusätzlich auf jeder Seite ein Bild mit dem jeweiligen Schutzheiligen der Kirche, nach dessen Richtung es zeigt:

Nordost: Königsbrunn am Wagram - Hl. Johannes der Täufer,

Nordwest: Kirchberg am Wagram – Hl. Stephan

Südwest: Neustift im Felde – Hl. Sebastian

Südost: Bierbaum - Hl. Laurentius.

 

2.2 „Seidlkreuz“ 

Dieses Wegkreuz steht an der ehemaligen Kreuzung des Weges von Frauendorf nach Königsbrunn und Unterstockstall mit der „Ochsenstraße“. Hier kreuzte auch die „Hafnerstraß“ von Winkl nach Königsbrunn. Es zeigt den Gekreuzigten, ist aus Eisen, „renoviert von der Fam. Seidl“ und befindet sich ebenfalls in der Gemarkung Unterstockstall.

 

 

 

 

 

 

 

 

  

Die Standorte der folgenden Kleindenkmäler kann man zum Teil auf der Website
ausmachen, zum Teil sind sie schon verschwunden.
 
 

3 Lage der Kleindenkmäler (inklusive Winkl)

 

Andreas Nowotny
Dezember 2011