Kriege, die Neustift berührten
 
 
Letzte Änderung: 23.1.2018
Abb. 1: Aqarell von Adalbert Hirsch d.J., Schulchronik 2
 
 
Hussiten
Der Theologe und Priester Jahn Hus kritisiert in seinen Vorlesungen das Lasterleben und den weltlichen Besitz des katholischen Klerus und schwört auch vor dem Konzil zu Konstanz, vor welches er 1414 zitiert wurde, seiner Lehre nicht ab. Trotzdem er  in der Zusage freien Geleits durch König Sigismund kam wurde er festgenommen, veruteilt und am Scheiterhaufen verbrannt. Dies löste einen Aufstand seiner Anhänger, der „Hussiten“ aus.[1]
1425 brachen die Hussiten in NÖ ein. Ihre gewaltigen Verheerungszüge nahmen Österreich im Norden der Donau auf das furchtbarste mit. 1426 kamen sie über Eggenburg, Stockerau in das Kremser Becken, zogen vor Krems und zerstörten das Kloster Imbach. 1428 überfluteten sie das V.U.d.MB, gelangten bis vor die Tore Wiens. Die Ortschaften am Wagram blieben in jeder Zeit gewiss nicht verschont.
 
Plünderungen, Mord und Brand bezeichneten den Weg der Hussiten. Fast alljährlich erstrecken sich ihre Raubzüge weit ins Land. 1431 erschienen sie neuerlich unter Prokop, verheerten das Land derart, dass sie selbst Mangel leidend, zur Rückkehr gezwungen waren. Das Land war dem vollkommenen Ruin preisgegeben und vollkommen verarmt. Die Frucht der Ackerbauern war vernichtet. Viele Orte verödeten. 1432 neuerlich einbrechend, wurden die Hussiten schließlich geschlagen. Führer der von Herzog Albrecht aufgebotenen Streitkräfte war Georg von Puchheim (Kurz: Albrecht II.).
In die Zeit der kriegerischen Verhältnisse des 13., 14. und 15. Jh. fällt das Verschwinden von vielen Ortschaften. Im Bezirk Kirchberg am Wagram werden 5 solche „Wüstungen“ gezählt.

Abb. 2:
Hussitenschild im Museum Prag;
Foto: Ugo Pozzati; Wikipedia

 
 
Bruderkrieg unter den Habsburgern
„Nachdem die Hussitengefahr beseitigt war, brachen unter Friedrich III. Streitigkeiten um die Vorherrschaft in Österreich aus. Da Friedrich als Vormund den jungen Ladislaus Posthumus, Sohn Albrechts V. († 1439) bei sich behielt, um dauernd seine Position zu stärken, organisierte Eitzinger, der Ladislaus in seine Hand bekommen wollte, die Stände gegen Friedrich III.. 1451 begab sich Friedrich mit Ladislaus nach Rom, um dort die Kaiserkrone zu empfangen. Vorher setzte er noch für die Zeit seiner Abwesenheit die getreuesten Räte zu Regenten und Statthaltern in Österreich ob und unter der Enns ein, so Rüdiger von Starhemberg, Johann und Ulrich von Schaumberg, Georg (Jörg) von Puechheim u.a.. Diese Regentschaft dauerte nur kurz. Ein großer Teil der Stände sagte den Gehorsam auf, schloss am St. Kolomanstag des Jahre 1451 zu Mailberg ein mit 158 (253 Vancsa S. 312) Siegeln gefertigtes Bündnis und setzte eine andere Regierung ein, welche aus 12 Verwesern bestand, an deren Spitze der Ritter Ulrich von Eyzing stand. (Schwendling: Gesch. d. Hauses Starhemberg S. 130). Am 28.VII.1452 sandten noch 500 Mitglieder dem Kaiser ihren Absagebrief. Die Winkler kommen darin nicht mehr vor. Das Geschlecht war bereits ausgeblüht.
Friedrich hatte dann mit Eizinger und seinen Parteigängern heftige Kämpfe auszufechten, wobei Jörg von Puechheim auf Seite des Kaisers focht. Damals kam es im Raume der Herrschaften Winkel und Winkelberg zu gegenseitigen Brandschatzungen. Winkel und Winkelberg waren damals nicht mehr im Besitze der Herren von Winkel. 1457 starb Ladislaus Posthumus. Nun gab es Krieg zwischen Friedrich und Albrecht VI.. Der spätere Böhmenkönig Podjebrad brach in Österreich ein, verwüstete das Land. Die Böhmen belagerten Krems, zogen sich schließlich nach Stockerau zurück, wobei sie ihren Weg zwischen Winkel und Winkelberg nehmen mussten. 1458 endete die Bedrückung.
Als Kaiser Friedrich III. von Gamaret (Konrad) Fronauer die Herausgabe der Veste Ort (Marchfeld) forderte und letzter diese verweigerte, kam es wieder zu einer kriegerischen Auseinandersetzung. Fronauer setzte sich 1460 in Trübensee fest und besetzte schließlich auch Stützpunkte am rechten Donauufer von Mautern bis Wien, um die Zufuhren nach Wien abzuschneiden. Eine Bedrohung von der in der Nähe gelegenen Veste Winkl hatte er nicht zu fürchten, da diese damals bereits im Besitze seines Spießgesellen Schekh vom Walde sich befand, der auch von Aggstein aus, das er, nachdem es seit der Brechung durch Albrecht I. beiläufig 133 Jahre öde gelegen war, 1429 von Albrecht V. zu Lehen erhalten und wieder aufgebaut hatte.
Es kam zu Plünderungen auf Besitzungen der Anhänger Friedrichs, der Kirchen und Klöster (Chmel Material. II S. 226). Friedrich sah sich gezwungen, gegen Fronauer neuerlich unter Sigmund von Puechheim ein Aufgebot zu senden (Chmel Reg.3224). Das Gebiet um Winkl und Winkelberg wurde wieder heimgesucht. Friedrichs Söldnerführer Ulrich Grafenegker kämpfte erfolgreich. Zeugnis ist die Schenkung Friedrichs v. 10.3.1460: „Friedrich gibt …. so Gamarel Fronawer wider uns und unser lannd und lewt gehandelt und getan hat und noch täglich tut gibt Ulreichen Gravenegker s. Raths Span u. Hauptmann zu Odenburg für seine treuen Dienst alle Güter des gen. Fronawer‚ was er hie dishalb der Tunaw hat‘ er soll sich der ‚underwinden‘ und sie fortan als Eigen geniessen“ (Archiv f. Kunde Ö. Gesch. Quellen X. Bd. S. 233 No 388 Urkundenauszüge z. Gesch. Friedrichs v. Ernst Birk).
Nachdem Schekh vom Walde den Zorn Albrechts VI. auf sich geladen hatte, ließ dieser 1463 Aggstein durch seinen Söldnerführer Georg von Stain brechen, nahm nach Vertreibung des Schekh diesem all seine Schlösser und Burgen (auch Winkel) weg, zog alles zur landesfürstlichen Kammer ein und übergab die Vesten Aggstein und Winkel dem Georg von Stain, an den er verschuldet war, in Pfand. Dass Schekh vom Walde darüber noch 1466 testamentarisch verfügte, zeigt nur, dass er die Wegnahme nicht anerkannte. Schekh starb in Dürftigkeit. Dass er enthauptet wurde, ist Sage. Der plötzliche Tod Albrechts VI. im Jahr 1463 machte Kaiser Friedrich zum Herrn der öst. Lande. Er erkaufte 1467 von Georg von Stain die Abtretung von Steyer und als dieser die Stadt trotzdem nicht herausgab, nahm sie 1468 Friedrichs Söldnerführer Ulrich der Grafenegker mit Gewalt. Grafenegker erhielt nun auch die anderen Besitzungen Stains, so dass von ihm eroberte Aggstein, sowie Winkl vom Kaiser zum Lehen. Als dann Ulrich von Grafenegg 1472 vom Kaiser abfiel und auf Seite des Matthias Corvinus trat, gab er zufolge des im Jahre 1474 geschlossenen Waffenstillstandes seine Güter, darunter Neuwolfenreut, dem er seinen Namen Grafenegg gegeben hatte, mit allem was zum Schloss Winkel – ‚welches des Georg Schekh gewesen“ – gehörte, um 50000 fl ab und verließ Österreich. Friedrich ließ die Güter durch einen Pfleger verwalten. Sein Sohn Kaiser Maximilian I. gab 1495 die Herrschaft Grafenegg und die abgebrochene Veste Winkel gegen eine hohe Kaufsumme an Heinrich Prüschenk, Freiherrn von Stettenberg, Graf von Hardegg. Wann die Veste Winkel abgebrochen wurde, ist nicht überliefert. Wahrscheinlich ereilte sie das Schicksal, als sie Ulrich Grafenegker 1468 dem Stain abnahm. Die Topografie von NÖ von Weiskern 1770 nennt Winkel „ein Dorf mit einem alter Burgstalle“. “[2]
Am 11. Mai 1484 stießen die Truppen Friedrich III. in der Schlacht bei Leitzersdorf auf jene des Mathias Corvinus. Die Ungarn blieben siegreich und in weiterer Folge eroberten sie zahlreiche Städte un kontrollierten bald den östlichen Teil Niederösterreichs und damit auch Neustift. Die Stadt Krems hielt der Belagerung stand.[3] Ob die Burg Winkl von den Ungarn zerstört wurde bleibt offen.
 
 
1529: Erste Türkenbelagerung
Im Zuge der Türkenbelagerung wurde von einer dreitägigen Belagerung des Schlosses Winkelberg durch Akindschi (türkische Streifscharen) berichtet. Ob dabei auch die Umgebung (Gut Oberstockstall) zu Schaden kam, bleibt offen."[4]  
"1529 erschienen die Türken vor Wien, das sie, da es von Graf Niclas von Salm tapfer verteidigt wurde, vergeblich belagerten. Sebastian Hager, Vater des Sigismund Hager[5], nahm an der Verteidigung teil. Sein Bruder Wolfgang Hager, kaiserlicher Feldhauptmann, fand am 02.10. 1529 bei einem Ausfall den Tod. Damals wurde die Feste Winkelberg durch mehrere Tage von einem türkischen Streifkorps vergeblich belagert. Der Wut, die ihr Mißerfolg heraufbeschwor dürfte der nahegelegene Guts- und Pfarrhof zu Oberstockstall zum Opfer gefallen sein, denn im Tagebuche über die erste Belagerung Wiens heißt es: "dys, so hernach volget, haben die Türgken so man zu Krems gefangen hatt, bekannt"
(Kerschbaumer, G. d. St. Krems, S. 69).
Zur Zeit der ersten Türkeninvasion 1529 wurde der Postverkehr auf das linke Donauufer verlegt, und zwar von Linz nach Mauthausen, Grein, Persenbeug, Krems, Neustift (über die Ochsenstraße, der Leeberg bei Neustift diente als Beobachtungsposten), Stockerau,Wien.
Bereits 1526 war eine Anordnung des Kaisers Ferdinand I. ergangen, wonach die Hälfte der Kirchenschätze an Gold, Silber und andere Kleinodien zur Betreibung der Kriegskosten abgeliefert werden mußte. Später bewilligte der Papst, daß der dritte Teil der geistlichen Güter zur Verfügung des Krieges gewidmet wurde, wodurch die Klöster und Pfarren viele Güter verloren. (Oberheimer, die Türkenkriege N.Ö. im 16. Jhdt. - Archiv Te XXX 3 ff. Gesch. d. Stadt Krems).
1532 rückten die Türken neuerlich gegen Österreich vor. Die Reichstruppen, die sich um Krems gesammelt hatten, gingen am linken Donauufer stromabwärts vor, um beim Bisamberg Stellung zu beziehen. Ein Teil bezog bei Feuersbrunn, ein Teil bei Hausleiten,ein Teil bei Korneuburg ein Lager. Balld folgten spanische Truppen. Weit und breit suchten die Truppen die Ortschaften auf: Raub und Plünderung zeigten, wo sie gewesen waren.
Die Gegend im Aufmarschgebiet war gründlichst ausgesogen."[6]
 
 
1596/1597: Bauernaufstand in Ober- und Niederösterreich
Die Ursachen des Bauernaufstandes sind in groben Zügen sowohl in der Belastung der Bauern durch Landsteuern und zusätzlich fallweise Aufschläge durch die Grundherren, wobei noch als empfindliche Erhärtung die Bereitung der vier Viertel Niederösterreichs in den Jahren 1589/90 (Bereitungsbuch) für die Einhebung der Hausguldensteuer, als auch Erhöhung der Robotleistungen und im Jahre 1596 die "Aushebung des Zehnten Mannes"  inklusive das Aufkommen für die Verpflegung derselben für den Türkenfeldzug, die Einhebung der Rüststeuer, Fuhrdienstleistungen und noch andere Belastungen und zuletzt die Nichtbehandlung der aus diesen Belastungen resultierenden Beschwerden.
Als nun im September 1596 sogar jeder  5. Mann ausgehoben werden sollte, und das Bistum Passau in Sierning bei Steyr einen katholischen Priester einsetzte, obwohl die meisten evangelisch waren, nahm der Aufstand im Oktober 1596 seinen Anfang in Oberösterreich und setzte sich über das südliche Waldviertel bis in unsere Gegend fort.
Kurz nach Ausbruch der Aufstände wurde von Erzherzog Mattias die Aufstellung eines Söldnerheeres unter dem Kommando des Söldnerführers Wenzel Morakschi befohlen.
Die Musterung des Heeres, das eine Stärke von ca. 3000 Mann erreichte und durchwegs aus deutschsprachigen Landsknechten bestand, fand Ende Jänner bis Anfang Februar 1597 in Stockerau statt.
Die Reitertruppe wurde an der ungarischen Grenze aufgestellt und bestand zum Großteil aus Ungarn (Haiducken) unter Führung von Oberst Kollonitsch. Diese wurden auch "Schwarze Reiter" genannt.
 
"Der Aufstand im Viertel unter dem Manhartsberg
....... An dem Überfall in Straß (25. Februar 1597) beteiligten sich auch Bauern aus den an das Waldviertel angrenzenden Orten des Viertels unter dem Manhartsberg. Der Angeklagte Wurschenhofer gestand, zwei Reiter und eine Frau getötet zu haben. Er beraubte die getöteten Reiter ihrer Rüstung und zog der toten Frau die Schnürstiefel aus. Dabei unterstützte ihn ein Bauernknecht aus Gaindorf. Wurschenhofer gehörte zu einem Aufgebot aus den Dörfern Hohenwarth, Großriedenthal, Ravelsbach und Gaindorf. Diese Dörfer gehörten zum Viertel unter dem Manhartsberg.506)
Morakschi reagierte sofort auf den Aufstand der Bauern im Viertel unter dem Manhartsberg. Seine Streitmacht rückte am 1. März gegen Kirchberg am Wagram vor, denn dort hätten sich, wie Kundschafter berichteten, die Bauern zum Widerstand gesammelt. Unterwegs plünderten die Soldaten und drangsalierten die Bevölkerung. Sie erschlugen entweder die Männer oder schnitten ihnen Ohren und Nasen ab. Sie plünderten die Dörfer Großriedenthal, Ottenthal und Ebersbrunn und zündeten diese an. Die reichen Bauern mussten nicht nur um ihr Leben fürchten, sondern die Soldaten erpressten auch Geld von ihnen. Das abschreckende Wüten der Soldaten schüchterte die Bevölkerung völlig ein.507)
Morakschi erließ am 1. März aus seinem Hauptquartier in Kirchberg am Wagram ein offenes Patent an die Untertanen im Viertel unter dem Manhartsberg. Darin prangerte er den Überfall der aufständischen Bauern in Straß an, warf ihnen unter anderem den Bruch des Landfriedens vor und erklärte, dass sie ihr Leben verwirkt hätten. Er forderte sie auf, die Waffen niederzulegen und einen Revers zu unterfertigen. Außerdem verlangte der Generalobrist die Rückgabe der geraubten Pferde, Waffen und Ausrüstung. Er versprach, die Bauern bei Erfüllung dieser Bedingungen zu verschonen, denn es dürste ihn nicht nach Christenblut. Er drohte abschließend, sollten sie wieder aufstehen, so müssten sie den Ausgang der Sache selbst verantworten.508)  Angesichts der abschreckenden Strafmaßnahmen der Soldaten hatte dieses Patent umgehend Erfolg. Bereits am 6. März unterfertigten die Vertreter von 31 Gemeinden im Umkreis von Kirchberg am Wagram den Revers und gelobten, nicht wieder aufzustehen und zu den Waffen zu greifen. Die Ortschaften Ober- und Unterravelsbach, Gaindorf, Hohenwarth und Ebersbrunn zählten zu den Gemeinden, welche sich Morakschi unterwarfen.509)  Damit war der Aufstand im Viertel unter dem Manhartsberg niedergeschlagen und beendet.
506) NÖLA, Hs. 32, fol. 38r-39v.
507) FRIESS, Aufstand, Anhang, 335f, Nr. 84. Die Schreckensherrschaft der Soldaten ergibt sich aus dem Bericht des Unbekannten wie folgt: Es dregt sich täglich zue, dass wier gefangene haben, die trackhtiert man nach der alten paurn rögl, hängt ain dorden, den andern tha. Wollicher gar wol darvon khombt, dem schneit man nassen und ohr ab.
508) StiftsA Kremsmünster, Kasten E 3, Patent Morakschis vom 1. März 1597 an die Untertanen im Viertel unter dem Manhartsberg.
509 StiftsA Kremsmünster, Kasten E 3, Revers von 31 Dörfer im Viertel unter dem Manhartsberg vom 6.März 1597."[7]
"1596 soll bei Kollersdorf  die Kaiserliche Reiterei gelagert haben, um die aufrührerischen Bauern zu züchtigen. Die aufrührerischen Bauern gingen gegen jene Ortschaften, die am Aufstand nicht teilnehmen wollten, äußerst gewalttätig vor, so z.B. hatten die Aufständischen den Markt Langenlois angezündet und waren im Begriffe, Krems und andere Ortschaften zu brandschatzen."[8]
Um den 8.März 1597 lagerte die Truppe Morakschis zu Neustift und marschierte an diesem Tag Richtung Langenlois ab.[9]
Einen Eindruck, wie mit den Rebellischen Bauern hernach verfahren wurde, vermittelt die Website:
 
 
1618 bis 1648: 30jähriger Krieg              
Der 30jährige Krieg war sowohl ein Glaubenskrieg zwischen Katholiken und Protestanten, als auch ein Krieg um die vielschichtigen Interessen verschiedener Herrscherhäuser in Europa.
1618         Am 28.Mai  erfolgte der "Prager Fenstersturz", der als Auslöser des Krieges gilt.
Die Herrschaft Winkelberg hatte seit 1604/1605 der dem reformierten Glauben anhängige Hans Andreas von Stadel inne. 1619 bat der Pfarrer von Kirchberg (Freiherr Karl von Kirchberg) den General Grafen von Buquoi um Rückgabe des geraubten Gutes, das der Protestant und Herr von Winkelberg, Andreas Stadel vom Pfarrhofe in Oberstockstall weggeschafft und nach Grafenwörth gebracht hatte.“[10] Kaiser Ferdinand II. konfisziert die Herrschaft Winkelberg wegen Unterstützung des Horner Bundes und Böhmischen Aufstandes, der Wiederverkauf um 45.000 fl sollte seine Schulden mindern. Wegen Nichterscheinen Stadels und seiner Genossen beim Landtag erließ Kaiser Ferdinand II. 1620 ein Dekret gegen die Widerständler "durch den Oesterreichischen Herold mit 2 Pauckern und 12 Trompetern auf allen Plätzen in Wien bekannt machen, wodurch sie des Lasters der Rebellion und Beleidigung der Majestät, mit Verwürckung Leib, Haabe, Ehr und Guts für schuldig erkläret und allen getreuen Ständen die Vefolgung derselben anbefohlen worden."[11]
1619    Im Herbst erste Kampfhandlungen; Graf Thurn (Lutherisch und ebenfalls von obigem Dekret betroffen) fiel in das Gebiet nördlich der Donau ein, und belagert vergeblich Krems und Stein. Sein Hauptquartier hat er in Hadersdorf, seine Truppen lagern in  Kirchberg am Wagram, Grafenegg, Hadersdorf, Kammern und Straß . Der Oberst Carpezan lagerte mit seinen Truppen in Langenlois, "wo er alles verwüstete und verbrannte" . Auf Grund der Requirierungen von Fleisch, Wein,  Brot, Getreide, Hafer, Heu, Stroh, etc. war eine enorme Teuerung die Folge, die Landbevölkerung wurde drangsaliert und litt Hunger und Not. Viele Flüchtlinge aus Böhmen, Mähren und Schlesien fluten ins Wein-und Waldviertel. [12]
1620 5.Nov. Kaiser Ferdinand II. verpflichtet die Untertanen der dem Hans Andreas von Stadel konfiszierten Herrschaft Winkelberg zum Gehorsam gegenüber dem Grafen Adolf Althan (or. pap.). (1, 3, 4: ebendort, Urk. Rep. V (AB. 357), Nr. B 359, 408, 409; 2, 5-10: ebendort, Klosterakten, Jesuiten in Krems: Winkelberg.)
 
Abb. 3: Dezimierung des Regimentes Madlo im Jahre 1642, wegen "Feigheit vor dem Feind".
Nach der 2. Schlacht von Breitenfeld richtete man jeden 10. Mann hin;
Holzschnitt aus Cohn's Xilographischer Anstalt in "Geschichte Österreichs"
von Albert A. Wenedikt-Alexander Patuzzi, 2. Teil, 1864
 
1620 1.Nov.  Die kaiserliche Pfandherrschaft Winkelberg wird von Graf Adolf Althan dem Jesuitenkollegium Krems (Collegium St. Sebastian Krems) Übergeben, damit wird dieses zur Ortsobrigkeit von Neustift.[13]
1645 22.Jänner: Einem Aufruf der Landgerichtes zu Grafenegg zur Aufstellung einer Miliz, um "Streiffende Partheyen" (marodierende Soldaten, Diebe und Räuber) zu dingen, folgt Neustift und stellt 4 bewaffnete Milizionäre zu Pferd und 12  zu Fuß nach Grafenegg an das Landgericht; Winkl stellt 3 zu Pferd und 8 zu Fuß.[14]
Nach dem Sieg bei Jankau am 6.März 1645 marschierten die Schweden über das Waldviertel Richtung Krems, das am 19.März eingenommen wurde, worauf sie nördlich der Donau nach Korneuburg und Wien weitermarschierten.
"Am 5. April ... wurde Neustift von den Schweden (30jähriger Krieg) unter Torstensohn geplündert und angezündet. Torstensohn war auf dem Zuge gegen Wien. Eigenau =Grafenegg war sein Hauptquartier. Er benützte selbstredend die damalige in allen Karten verzeichnete Salz- oder Eisen- bei uns Ochsenstraße genannt, an der Neustift liegt! Da wird von unserem Orte wenig übrig geblieben sein.” [15]
Eine Auflistung aus dem Herrschaftsarchiv Grafenegg berichtet darüber "Was die der Herrschaft Gravenegg angehörigen Underthanen ao: 1645 im schwedischen Einfall für Schaden erlitten haben: "Nr. (fehlt) Neustüft (=bei Kirchberg am Wagram). Wolff Bischoff, 3 Khüe, 4 Schwein. 7 Emer Wein, 20 Mz Kherner ua. 40 fl; Wolf Aytenberger, 1 Khue, 5 Schwein, 7 MZ Kherner ua  40 Fl; Mert Khnebl 1 Khue, 5 Schof, 15 Mz Kherner, 2 Stuckh Leinwat ua 41 fl; Thoma Weyr, 15 Mz Kherner, 1 Roß ua 40 fl; Andrees Mayr, 3 Khüe, 2 Schwein ua 30 fl, Melchior Lantzeneckher, bar 18 fl, 1 Khue ua. 55 fl; Lorenz Schwerbeckh, 2 Khüe, 1 Schwein, 2 Stuckh Leinwath ua 55 fl; Lorenz Pilgramb, 10 Mz Kherner, 2 Khüe, 4 Schwein, 2 Roß ua 80 fl, Andree Geyer, 50 Mz Kherner, 3 Khie, 3 Schwein, 2 Roß ua 100 fl; Dem Feindt auf Crembs Cont: prantschäz und schanzgelt geben 18.30; Auff die Khayl: Völckher Contrib: und auff die gestelten schanzen außgeben 54 fl; Sa: 600 fl 30 kr"[16]
Eine weitere Auflistung darüber, was die Schweden tatsächlich "mitgenomben" haben, aus dem Archiv von Grafenegg: laut Faszikel XVI waren es für ganz Neustift umgerechnet in Geld 2493 fl 30 kr, für Winkl 5423 fl 08 kr.
Von den Grund-und Vogtholden Grafeneggs ist darin zwar kein abgebranntes  Haus für Neustift dabei verzeichnet.[17]
Nach Beendigung des 30 Jährigen Krieges erscheinen von 33 der Herrschaft Winkelberg untertänigen Häusern in Neustift 9 als verödet.[18] 
 
 
1683: Zweite Türkenbelagerung
1663    Als Zufluchtsort der Bewohner des Dorfes Neustift vor der Türkengefahr wird das Schloß Winkelberg bestimmt.
Weitere Zufluchtsorte in der Nähe sind Thürnthal, Grafenwörth, Grafenegg, Stetteldorf und Neu Aigen.[19]
1683         Reisebericht über  „ Die Abraiss des Kaisers Leopold I. von Wien nach Linz  bei Annäherung des Türkischen Erbfeind im Jahre 1683“ sinngemäß: Im Juli 1683 wurde Kaiser Leopold I. durch die sich überstürzenden kriegerischen Ereignisse zur fluchtartigen Abreise nach dem Hochstift Passau genötigt, die aus Wien am 7. Juli ab etwa 2 Uhr Nachmittags in die Wege geleitet wurde. Das Frühstück am nächsten Morgen konnte schon in Neustift bei Kirchberg am Wagram eingenommen werden. Der Troß dürfte insgesamt 102 Kaleschen, 55 schwere Wagen, und 604 Pferde ausgemacht haben”.[20]
1683         “Aus den Beiträgen zur Heimatkunde des Dr. H. Flöckinger entnehmen wir, daß anläßlich der 2. Türkenbelagerung Wiens der Polenkönig Joh. Sobiesky mit 12.000 Reitern zum Entsatze Wiens herbeieilte. Er quartierte sich in Stetteldorf ein und blieb bis zur Vereinigung mit dem kaiselichen Heere unter Karl v. Lothringen dortselbst. Wie wir in der Geschichte Absdorfs lesen, war diese Einquartierung ein furchtbares Übel für Absdorf und Umgebung, also auch für uns!”  [21]
 
 
1807: Franzosenkriege
1807    Februar : “Die Zeit der Franzosenkriege zu Beginn des 19. Jahrhunderts, ging auch an unserem Heimatorte nicht spurlos vorüber. Aus dem Archive Grafenegg sowie aus den heimatkundlichen Aufsätzen “Über den Wagram” von Pfarrer Josef Dedelbacher entnehmen wir:
 
Abb. 4: Napoleon Bonaparte; Holzschnitt aus Cohn's Xilographischer Anstalt in "Geschichte Österreichs" von
Albert A. Wenedikt-Alexander Patuzzi, 2. Teil, 1864
 
”Als der mächtige Eroberer Napoleon sich mit seinen Scharen den Grenzen unseres Heimatlandes näherte, mußten auch bei uns alle wehrfähigen Männer zu den Waffen greifen. Auf Grund einer Verordnung des Kreisgerichtes Viertel u.d.M. wurde am 14.Feber 1807 von der Herrschaft Grafenegg ein Musterungsbefehl ausgegeben, nach welchem die Ortsrichter beauftragt wurden, am 18. Feber alle ledigen Untertansburschen von 16 bis 40 Jahren der Rekrutierungs-kommission in Hadersdorf vorzuführen und zwar ohne Rücksicht auf Zugehörigkeit zu anderen Herrschaften. Am 13. Mai 1807 erließ die Verwaltungskanzlei Grafenegg folgende Instruktionen:
  1. In allen an der Donau gelegenen Orten ist ungefähr 300 Schritte gegen den Wagram zu auf einem gut sichtbaren Platze eine Alarmstange mit einem Bund Stroh, das mit Flachs und Werg vermischt, mit Pech überronnen sein muß, aufgestellt.
  2. Bei dieser Alarmstange versieht ständig ein Wachposten Dienst.
  3. Nur der Ortsrichter ist befugt, die Alarmstange anzuzünden, er ist im Unterlassungsfalle auch verantwortlich.
  4. In jedem der an der Donau gelegenen Orte muß bei Tag und Nacht ein gesatteltes Pferd bereitstehen, damit bei Gefahr ein Bote nach Grafenegg Bericht erstatte.
  5. Sobald eine Alarmstange brenne, solle sofort das ganze Landaufgebot an die gefährdete Stelle eilen, um den Feind am Übersetzen der Donau zu hindern; Als Anführer dieser Verbände sollen die Ortsrichter gelten. In allen Orten wird die Sturmglocke geläutet, alles sonstige Geräusch, Lärmen und schießen hat zu unterbleiben, um Mißverständnisse zu verhindern.
  6. Das Landaufgebot wird in 3 Korps eingeteilt 
    a) Zum ersten Korps gehören die Orte: Grafenegg, Haitzendorf, Kamp, Jettsdorf, Sittendorf, Etsdorf, Straß, Elsarn, Engabrunn, Feuersbrunn,Wagram und Grafenwörth.
    b) Zum zweiten Korps : St Johann, Seebarn, Sachsendorf, Kollersdorf, Altenwörth, Neustift, Gigging, Türntal, Fels, Gösing, Riedental, Ottental, Engelmannsbrunn, Mallon und Dörfl.
    c) Zum dritten Korps: Kirchberg, Ober- Mitter- Unterstockstall, Rupperstal, Königsbrunn, Absdorf, Bierbaum, Winkl, Frauendorf, Utzenlaa, Mollersdorf, Neu Aigen.
  7. Zu Kommandanten dieser Korps werden ernannt: 1 H. Chevalier de Broiquard ( sicher ein franz. Emigrant) zu Haitzendorf, 2. H. Ignaz von Schitarz, Rentmeister der Herrschaft Türntal, 3. Ignaz von Pracher, Verwalter der Herrschaft Neu Aigen.
 
Die drei Korps versammeln sich unter der Führung der Ortsrichter u. zw.: das erste auf dem Brachfelde bei Grafenegg, das zweite auf dem Brachfelde zwischen Thürntal und Kollersdorf, das dritte auf dem Brachfelde bei Bierbaum. Als Erkennungszeichen diente eine weiße Fahne. Außerdem wurde den Korpskommandanten und Ortsrichtern Weisungen erteilt.....
….Doch alle diese vorher erwähnten Maßregeln erwiesen sich als gänzlich zwecklos, denn wenige Wochen später war auch unsere Gegend vom französischen Militär förmlich überschwemmt. In Grafenegg hatte der französische General Marmont sein Quartier aufgeschlagen und herrschte mit unerbitterlicher Grausamkeit. Am 8. Sept. 1809 kam Napoleon selbst nach Grafenegg, um im Schlosse zu übernachten.
Drückende Zwangslieferungen wurden den Gemeinden auferlegt; brutal und rücksichtslos plünderten die Franzosen. Wenn das Gerücht umging, Napoleon sei nahe, versteckten sich die Leute, besonders aber die Männer und jüngeren Burschen, denn Napoleon liebte es, die stämmigen und halbwegs starken Leute mitzunehmen und in sein Heer einzureihen.
Aus dieser Zeit ist bei uns noch eine Sage erhalten:
Alles hatten die Franzosen weggenommen. Was an Leuten noch im Dorfe anwesend war, litt bittere Not. Nur eine Frau im Hause Nr. 28 hatte noch eine Henne. Diese schnappte ein Franzose und gab sie der Frau mit dem Bemerken, ihm diese zu braten. Sie tat dies. Als die Henne gebraten war, zog ihr der Franzose die Haut ab, aß diese und verlangte von der Frau, ihm eine neue Haut zu braten. Die Frau konnte dies natürlich nicht und versteckte sich. Der Franzose fand sie aber, schlug sie und schleppte sie unter dem Gejohle der anderen Soldaten an den Haaren durch die Ortsstraße.
Am 9. August 1809 soll Napoleon im Meierhofe zu Absdorf übernachtet haben”. [22]
 
 
1866: Deutscher Krieg
„Womit der große Taschenspieler an der Seine, Napoleon III., durch seine ländergierigen Werkzeuge salva venia Victor Emanuel von Italien, und Wilhelm von Preußen in diesem Jahre Österreich verheert hat, kann ich bemerken, daß die hiesige Gegend, Gott seis gedankt! mit der bloßen Angst davon gekommen sei. Wir sahen weder Preußische Zündnadelgewehre noch hielt Österreichisches Militär das dießseitige Donau Ufer besetzt. Nur eine Compagnie Pioniere mit 2 Offizieren wurde hirher commandiert um die Ortsbewohner zu verhalten und selbst Hand anzulegen, daß die Schiffmühlen, alle Schiffe, Plätten, Zillen und alles Lang- und Bauholz auf das jenseitige Ufer nach Zwentendorf oder nach Wien abgeführt worden sind. Diese Vorkehrung hatte zum Zwecke, daß bei einem eventuellen Donau-Übergange dem Feinde das Materiale zum Brückenschlage möglichst entgangen sei. Aus dem Grunde wurde auch die Donau-Brücke zu Stein wie alle anderen Brücken diesseits der Donau abgebrandt und alle Communication unterbrochen. Das jenseitige Ufer hingegen war mit Militär Schanzen und Kanonen wie übersät, wodurch die betreffenden Ortschaften nicht wenig gelitten haben. Abgesehen, daß alle Häuser, Scheunen etc. mit Soldaten überfüllt waren, so bemächtigte sich die Cavallerie der bereits eingebrachten Futtervorräthe; die bebauten Ackerfelder wurden zertreten, die Erdäpfel ausgegraben, die Mandel aufgelassen und als Nachtlager von den campierenden Truppen verwendet. Hierher kam aus den jenseitigen Auen täglich eine Jäger-Patrouille über die Donau gefahren um nach Spionen zu fahnden. Nur einmal brachte sie an einem Sonntage Nachmittags 2 stämmige, dem Äußeren nach dem Handelsstande angehört habende Männer ein, die sie in Oberabtsdorf aufgegriffen und mittelst Zille von hier an das jenseitige Ufer geschafft haben, um des anderen Tages nach Wien einzuliefern. Diese Zeit gewährte einen traurigen Einblick in die patriotische Gesinnung eines großen Theils der Bewohner Österreichs."[23]
"Ein Anton Wagensonner (von 1882 – 1894 Bürgermeister von Neustift) wurde im Feldzug 1866 bei Königgrätz schwer verwundet. Ein Johann Weiß und Johann Gafoz machten den Okkupations-Feldzug in Bosnien mit."[24]
 
 
1914: Erster Weltkrieg
Der erste Weltkrieg begann in dem Glauben, dass er binnen Kurzer Zeit beendet wäre, er entspann sich aber zu einem 4 Jahre dauernden Weltkrieg. Der Auslöser war
1914  die Ermordung des Thronfolgers: "Am 28. Juni 1914 wurde seine kaiserl. Hoheit, Erzherzog Thronfolger Franz Ferdinand von Österreich-Este und höchstdessen Gemahlin, Herzogin von Hohenberg, von einem serbischen Studenten erschossen."[25]
Kriegserklärung Österreichs an Serbien am 28. Juli 1914. Ausbruch des 1.Weltkrieges.
1915    Sammlungen: Am 6.9.1915 Sammlung von Brennesseln, am 10. u. 11. 1. 1916 wegenGetreideaufnahme schulfrei, am 1.5.1916 Sammlung fürs Rote Kreuz, am 13.6.1916 Woll- und Kautschuksammlung”.        Kriegsgefangene: Im neuen Spritzenhause der freiw. Feuerwehr wurden Mitte Mai 1915 20 kriegsgefangene Russen untergebracht. Gutmütige, starke Leute, sehr religiös, sehr sangeslustig. Diese helfen unseren Ortsbewohnern bei der Feldarbeit und fühlen sich bei uns ganz wohl.
1916    Der Kaiser tot! Seine Kaiserliche und Königliche Apostolische Majestät, Kaiser Franz Josef I. ist Dienstag, den 21. November 1916, 9 Uhr abends, im Schlosse Schönbrunn gestorben.
Wir werden das Andenken dieses gütigen Monarchen ehren und hochhalten durch unsere Pflichterfüllung und unverbrüchliche Treue gegen Herrscherhaus und Vaterland.
Am 1. Dezember 1916 fand in der Pfarrkirche zu Kirchberg ein Trauergottesdienst für den verstorbenen Kaiser statt, an welchem sämtliche Schulen der Pfarre Kirchberg am Wagram teilnahmen. Wegen der Einnahme Bukarests schulfrei. Einzelne Häuser beflaggt. Unsere Russen jubeln. Sie meinen, der Friede sei bereits geschlossen."
1917         wenig Brot, vorzüglicher Wein.
1918    Am 23. 1.  erschienen 2 Soldaten und 1 Arbeiter und requirierten die mittlere Glocke, das Zügenglöcklein und die Metallpfeifen unserer Manualorgel für Kriegszwecke. Ergreifend erklangen unsere trauten Heimatglocken zum letztenmale. Viele Leute waren tief bewegt und weinten.
Im Frühjahr 1918 kamen 5 kriegsgefangene Italiener nach Neustift. Gebildete Leute, stärker, zur landwirtschaftlichen Arbeit unfähig.
In der zweiten Oktoberhälfte Zerfall des Reiches und der Armeen. Am 3.November Waffenstillstand an der italienischen Front. Die kriegsgefangenen Russen und Italiener verlassen den Ort. Alle größeren Verbände lösen sich auf. Der Krieg ist aus, alles eilt in die Heimat zurück.
 
 
Abb 5: Postkarte zu Ehren der Gefallenen und Vermißten (Ausschnitt unten) und der im Krieg dienenden Soldaten aus Neustift aus dem Jahre 1927 anlässlich der Errichtung des Kriegerdenkmales; Bild Franz Weiss 
 
Von den Kriegern unserer Ortsgemeinde fielen im Kampfe fürs Vaterland 6, u. zwar: Maringer Josef + 1914, Grill Michael + 1915, Oswald Josef + 1915, Wagensonner Ludwig + 1915, Gerner Johann + 1916, Stubaum Johann + 1916
Vermißt seit 1918 werden 2: Weiß Josef und Tampermeier Franz. Ehre ihrem Andenken!
 
 
Abb 6: Ausschnitt mit den Gefallenen und Vermißten aus obgenannter Postkarte
 
Am 21. 10.1918 vorbereitende Nationalversammlung in Wien, am 31.Oktober Übernahme der Staatsgewalt in Deutschösterreich durch die neue Regierung, am 11. November tritt Kaiser Karl von der Regierung zurück, am 12. November Errichtung der Deutschösterreichischen Republik.
Der Friede steht vor der Türe, aber ernste Nahrungssorgen bedrücken uns. Die Lebensmittel sind knapp. Wien hungert! Die Zufuhren aus den slavischen Nachbarstaaten und aus Ungarn stocken.
Deutschösterreich muß sich selbst erhalten. Die Versorgung der Stadt Wien mit Milch ist derart gesunken, daß nicht einmal Säuglinge u. Schwerkranke die unbedingt notwendige Milchnahrung mehr erhalten können. Zahlreiche “Hamsterer” beleben unsere Ortschaft. Die Lieferungen sind auf die Hälfte der bisher erreichten Mengen zurückgegangen. Die Ruhe, Ordnung u. Sicherheit im Lande ist schwer bedroht. Einbrüche u. Brandlegungen stehen auf der Tagesordnung. Alles sucht um Waffenpässe an (die Gemeinde erhält von der Regierung eine Anzahl Gewehre zum Selbstschutz, diese werden später wieder abgeliefert). Häufige Schießereien mit Dieben und Einbrechern. Bildung von “Platten” in der Nachbarschaft. Unser wackerer Ort bewahrt Ruhe und Ordnung.”
Die im Friedensvertrage von St. Germain festgelegte Bestimmung, Österreich dürfe nur ein Söldnerheer (30.000 M.) besitzen, zieht auch von Neustift viele Arbeitskräfte ab. Die Leute melden sich zum Heere oder zur Polizei. Es werden Klagen laut über Mangel an Arbeitskräften." [26]
Kriegerdenkmal: “Die Gemeinde Neustift im Felde hat ihren im Weltkriege gefallenen Helden an der Südseite der Ortskirche am18.September ein würdiges Denkmal errichtet.
 
 
1939 – 1945: 2. Weltkrieg 
Nach dem Anschluß Österreichs am 13. Mai 1938 und der Eingliederung des Sudetenlandes der Tschechoslowakei an das Deutsche Reich  entfesselte Adolf Hitler mit dem Überfall auf Polen am 1. September 1939 den 2. Weltkrieg.
1939    Jänner: Der Leiter der Schule wurde über Weisung des NSLB (Gauleitug) zum Luftschutzobmann an der Schule Neustift i.F. kommissarisch bestellt”.
Die Musterung der Jahrgänge 1913 und 1919 fand für unsere Gemeinde am 9. März um ½ 8 statt.[27]
"Am 26. und 27. Juni war Militär hier; 300 Mann und 180 Pferde, am Donauufer wurden kleinere Übungen abgehalten. Die Bevölkerung hat mit den Soldaten bald Freundschaft geschlossen. Im Pfarrhof war ein Major einquartiert. Das Militär kam von Stockerau und ging dann nach Hollabrunn."[28]
"Sept. 1939: Auch mehrere Neustifter mußten ihren Hof verlassen und einrücken. Die älteren Jahrgänge 1894 bis 1900 wurden der Besatzungsarmee in Polen zugeteilt.
 
Abb. 7: Rudolf, Franz und Otto Weiss nach der Musterung
 
 
Abb. 8: Franz Weiss d.Ä. (auf dem Pferd) und August Mader waren in der ersten Gruppe aus Neustift, die einrücken mussten;
Fotos: Franz Weiss d.J.
 
Vorgesehen war der Schulbeginn mit 9. September 1939. Durch die letzten Ereignisse wurde der normale Unterricht aber erst mit 18. September aufgenommen."[29]
„Da ein großer Landarbeitermangel herrscht, wurde von der NSDAP überall ein Erntehilfsdienst organisiert. Die Bewohner von Kirchberg beteiligten sich am Erntehilfsdienst in den umliegenden Orten Ober-, Mitter- und Unterstockstall, Engelmannsbrunn, Neustift und Königsbrunn sehr rege.“ [30]
Zur Mithilfe bei der heurigen Kartoffelernte wurden auch die Hauptschüler herangezogen. In erster Linie leisteten die Schüler der 4. Klasse den Kriegersfrauen und alten Leuten, deren Söhne Kriegsdienst leisten, Hilfe. Sämtliche Kinder halfen selbstverständlich in den Wirtschaften der Eltern und nächsten Verwandten fleißig mit. Die 4. Klasse und teilweise die 3. Klasse Hauptschule sammelten unter Aufsicht der Fachlehrer auf dem 14 Joch großen Acker des Gutsbesitzers Salomon sämtliche Kartoffeln.Am 28. Oktober beteiligte sich der Leiter der Schule an einem in Tulln stattfindenden Vortrag über Seidenraupenzucht."[31]
Die Seidenraupenzucht diente Kriegszwecken, vornehmlich der Produktion von Fallschirmen. Hiezu setzte man Maulbeerbäume entlang der Straße nach Kirchberg und westlich des Dorfes. Über Erfolge derselben wird in Neustift nichts berichtet.
"Reichsaußenminister Ribbentrop enthüllte in seiner Rede im großen Empfangssaal der neuen Reichskanzlei die britischen Pläne für den Gewaltstreich in Norwegen.
Die Ausstellung der Reichskleiderkarten führte in Kirchberg unter Zuhilfenahme von 3 Schulkindern der Leiter der Schule durch. [32]
Arbeiten für Winterhilfswerk
1940    27. Februar Musterung 1908/09, der Leiter der Schule wurde ebenfalls gemustert und für tauglich erklärt. Die Neustifter der Geburtsjahrgänge 1904 und 1905 musterten sich am 27. April in Kirchberg am Wagram.
Für die geplante Seidenraupenzucht wurden 500 Stück zweijährige Maulbeerpflanzen bestellt. [33]
Aufruf des Führers: „Deutsches Volk! Deine Soldaten haben in knapp sechs Wochen in einem heldenmütigen Kampf den Krieg im Westen gegen einen tapferen Feind beendet. Ihre Taten werden in die Geschichte eingehen als der glorreichste Sieg aller Zeiten. In Demut danken wir dem Herrgott für seinen Segen. Ich befehle die Beflaggung des Reiches für zehn, das Läuten der Glocken für sieben Tage. Adolf Hitler.“ Aus Anlass dieses denkwürdigen Ereignisses hat der Reichsminister für Unterricht angeordnet, dass am 25. Juni an allen Schulen des Reiches eine Feierstunde abzuhalten sei.“ [34]
„Viele Ortsbewohner litten infolge der schlechten Zufuhr an Heizmaterial. Bei diesem Mangel kam die nationalsozialistische Beziehung zur Volksgemeinschaft zum ersten Mal praktisch zum Ausdruck. Ohne Rücksicht auf Besitz oder Stand wurden die Kälte leidenden Bewohner von den anderen Ortsbewohnern mit Heizmaterial betraut.
Infolge der seit 7. Dezember ununterbrochen andauernden Kälte trat ausnahmsweise ein großer Kohlenmangel auf. Die Nachbestellung der Kohlen wurde von der Schulleitung rechtzeitig gemacht. Doch die Zufuhr der Kohlen wurde sehr verzögert, da die Eisenbahnwagen zu kriegswichtigeren Zwecken verwendet wurden. Die Schulleitung sah sich gezwungen, den Unterricht in der Zeit vom 22. – 30. Jänner. einzustellen. Im Hinblick auf die strenge Kälte wurden im Auftrage des Landeshauptmannes die Schulen vom 19. Februar bis 2. März geschlossen.“[35]
1941    "Heldentod: Als erstes Blutopfer der Gemeinde Neustift fiel am 31. Juli 1941 an der Ostfront der in Neustift am 8.11.1920 geborene Franz Zimmermann (Haus Nr. 35), als M.G.Schütze einer Radfahrabteilung bei Berestowetz in Rußland, und wurde nach Mitteilung seiner Kommandantur von seinen Kameraden am Ostrand des Waldes bei Berestowetz begraben. Ehre dem Tapferen!
1942...doch hielt die Bauernbevölkerung munter durch. Es zeigte sich bei der Opferfreudigkeit in der schweren Kriegszeit, ja, es konnte sogar ein Ansteigen der ersteren festgestellt werden, weiters die Wollsammlung in beispielloser Weise die Verbundenheit der Heimat, mit ihren Heldensöhnen an der Front dokumentierten.
22.6.1942 Zweites Opfer des Krieges. Am genannten Tage fiel an der Kampffront im Osten bei ......(Angabe fehlt) der Sanitätsgefreite Franz Oswald, geb. am 24.4.1905 in Neustift Nr. 53. Ehre seinem  Angedenken.
Am 3. Juli 1942 wurde zur Freude der Schüler zum ersten Male folgender Film vorgeführt: “Einer, der auszog, um Gruseln zu lernen” - ”Fallschirmjäger”, - “Der Kampf in Griechenland und Kreta” - “Die Ersten”?.
Heldentod - am 24.August 1942 fand bei den schweren Kämpfen um Stalingrad der Gefreite Johann Zehetner (geb.30.8.1913) aus Neustift No. 7 den Heldentod. Ein ehrendes Gedenken bleibt ihm gewahrt!
14.3.    Schulung der Ortsbewohner im Luftschutz: Am Sonntag, den 14. März 43, 1 h nachm. begannen im Auftrag des Gemeindegruppenführers die periodischen Kreise der Einschulung für den Großteil der Ortsbewohner in 4 Doppelstunden.- Unter dem Vorsitz des 1. Beigeordneten der Gemeinde Leopold Walzer und unter Mithilfe des Untergruppenführers Johann Kohoutek wurden die Leute an Hand von Filmen und Geräten in allen Belangen des Selbstschutzes unterwiesen.Den Abschluß der Schulungen bildete die praktische Übung am 21. März auf dem Ortsplatze, bei der unter Mitwirkung der größeren Schüler und Schülerinnen der Zugriff bei Brandbekämpfung, Laienhilfe, Verwundetentransport u.a.m. vorgeführt wurde. Die Übungen fanden das Interesse aller Beteiligten schon im Hinblick auf die Wichtigkeit und den Ernst der Sache. - Die Schulung leitete der prov. Schulleiter Robert Löffler als Luftschutzlehrer.1943 30.1. Zehnjahresfeier der Machtergreifung durch Adolf Hitler...... Im Anschlusse an die Feier wurde die Ansprache des Reichjugendführers durch den Rundfunk abgehört. Die Schüler, welche der Veranstaltung volles Verständnis entgegentrugen, zeigten sich von der würdigen Feier tief beeindruckt.
1943    30.1. Zehnjahresfeier der Machtergreifung durch Adolf Hitler...... Im Anschlusse an die Feier wurde die Ansprache des Reichjugendführers durch den Rundfunk abgehört. Die Schüler, welche der Veranstaltung volles Verständnis entgegentrugen, zeigten sich von der würdigen Feier tief beeindruckt.
Personelles - Der jetztige, seit dem 30.11.1940 zum Wehrdienst eingezogene ehem . Schulleiter, Obl. Alexander Popek, bis jetzt Obergefreiter bei der Marine-Art. Abt. Cuxhaven, und dort als Rechnungsführer eingeteilt, wurde vom Oberkommando der Kriegsmarine im Jänner 1944 zum Marine-Hilfstruppenschul-Oberlehrer ernannt.- Schüler und Elternschaft freuen sich, daß das schulische Können ihres Erziehers und Schulleiters im Soldatenrock durch dessen Ernennung auch in hoher milit. Stelle seine Würdigung fand. Weiterhin viel Soldatenglück!
Beginn der Luftangriffe im Bereiche des Kreises Tulln.
Bereits am 26.5.1944 gegen 10 h vormittag eschien während des Unterrichtes der 1. Beigeordnete der Gemeinde, Herr Leopold Walzer mit der Mitteilung, daß von Kirchberg aus fernmündlich Luftalarm angesagt sei. Unter den langgezogenen Tönen der Alarmhörner verließen die Schüler sofort das Schulhaus um sich zu ihren Eltern zu begeben, nachdem sie noch einmal auf die Verhaltensmaßnahmen aufmerksam gemacht worden waren.
Der Schulleiter begab sich zum örtlichen Luftschutzleiter in die Gemeindekanzlei. Von hier aus konnte der feindliche Fliegerverband in der Flugrichtung von Nord-Osten gegen Süd-West in großer Höhe beobachtet werden. Diesmal fielen im Bereich des Kreises noch keine Bomben.
30.5.1944: Nach einem schweren Angriff auf den südlichen Teil von Groß-Wien am Vormittag des 29. Mai (Pfingstmontag) erschien nach Mitternacht ein feindl. Verband über Fels und warf Bomben kleinen Kalibers.
26.6.1944: Schwere Bombenabwürfe brachte der 26.Juni:- Nach erfolgtem Alarm gegen 10 h vorm. erschienen starke feindl. Verbände in süd-östl. Richtung. Den beobachtenden Bewohnern von Neustift bot sich alsbald ein atemberaubendes Schauspiel. Der sonnenklare Himmel war von den Rauchstreifen der Flugzeuge durchfurcht, klar sahen sie die weißen Sprengwölkchen der berstenden Flak-Granaten, und schon sah man die ersten drei der feindlichen Maschinen getroffen und zinnoberrot brennend in der Richtung Bierbaum -Utzenlaa abstürzen.(das Wrack eines derselben, ein 4 motoriger Bomber , lag längere Zeit in einem Felde bei Bierbaum und war das Ziel vieler Neugieriger). Durch das Krachen der Flak und das dröhnen der schweren Bombeneinschläge schien die Hölle los zu sein. Die Leute in den Luftschutzräumen wurden geradezu hin- und hergeschüttelt. Als der Bombenangriff vorbei war, sah man über Moosbierbaum eine schwarze Rauchwolke liegen, die sich erst am nächsten Tage verzog. Eine Anzahl feindlicher Flieger, die sich mit dem Fallschirm retten konnte, wurde nach Kirchberg gebracht, während die mobilisierte SA Wachmannschaft und Landwachtmänner die Gegend nach weiteren Anglo-Amerikanern durchsuchte.
29. u. 30. 6. 1944: In der Nacht vom 29. auf den 30. Juni wurde der Raum von Fels, Gösing, ferner Orte im Manhartsberggebiet und die Gegend von Hadersdorf mit schweren Bomben belegt.
6.7.1944: Fels erlebt abermals einen Nachtangriff.
Von nun an gab es fast jeden Tag Fliegeralarm. Die feindl. Flieger warfen auch Stanniolbomben und Flugzettel.
28.8.1944: Am ersten Tage des Schuljahres 1944/45, knapp nach der Eröffnungsfeier, erfolgte abermals ein Angriff auf Moosbierbaum. Die Detonationen waren derart heftig, daß die Gebäude in weitem Umkreis erzitterten.
15.1.1945 Ein interessantes fliegerisches Ereignis.
Am Montag, den 15. jänner 1945 erschien nach erfolgtem Luftalarm bei klarem, sonnigen Winterwetter ein starker Verband anglo-amerikanischer Bomber unter Begleitschutz überdem Ortsgruppenkreis und nahm Kurs von Nordost nach Südwest. Über Kirchberg löste sich ein einmotoriger Bomber vom Verband und begann in großen Spiralen langsam niederzugehen. Gleichzeitig sah man eine Anzahl von Leuten mit dem Fallschirm abspringen und gegen Nordost abtreiben. Während ein Fallschirmspringer beim Hausberg von Mitterstockstall landete, kreiste der Bomber, bei dem bereits ein Motor ausgesetzt hatte, immer tiefer, streifte fast die Wipfel der Alleebäume von Kirchberg und nahm noch einmal eine letzte Kurve gen Oberstockstall, wo er beim alten Judenfriedhof nahend zerschellte. Eine hoch aufstiebende Schneewolke war das Signal zu einem allgemeinen Laufen der Neugierigen, die in Scharen zur “Landestelle” strebten und die Verwüstungen des Wrackes , dessen Trümmer das Schneefeld in einer Länge von ½ Km bedeckten, zu bestaunen. Sonderbarerweise fand man an der Absturzstelle von einem Menschen, d.h. Insassen keine Spur. Je 2 weitere Feindflieger wurden mit ihren Fallschirmen in Engelmannsbrunn und Ottenthal festgenommen. Der Bomber dürfte beim Angriff auf Wien angeschlagen worden sein.
1945    31.1.    Nahe Bombenabwürfe: Am letzten Jännertage fielen zwischen Neustift und Kollersdorf (Ried Reinfeld-Lodersteig) über 40 schwere Bomben, die in den Feldern gewaltige Trichter aufrissen."
9.2.1945 Bomben auf Winkl. Um die Mittagszeit wurde der untere Ortsteil von Winkl mit Bomben angegriffen. Es entstand ziemlicher Schaden an Gebäuden, doch gab es zum Glück keine Menschen verletzt.
Am Donnerstag, den 1.3.45 wurde der Raum von Tulln von feindl. Fliegern ungewöhnlich lange beunruhigt (Alarm von 9 h vormittags bis 15 h 30 nachm).Unter anderem fielen Bomben in Altenwörth und in die Auen, wodurch die Holzarbeiter stark gefährdet waren.
6.3.1945. Panzersperren und Verteidigungsanlagen im Orte. Es erschien im Ort eine Pionierkompagnie aus Klosterneuburg unter dem Kommando eines Leutnants Schönemann und eines Oberfeldwebels (Ritterkreuzträger Berger aus Hainburg), um mit der Errichtung von Panzersperren zwischen den Häusern 5-4, 58-59, 58-59, 58-59, 5-58, 5-57, 7-56 im oberen Orte, und zwischen den Nummern 31-36 und 32-35 im unteren Ortsteil zu beginnen.
Zu diesem Zwecke wurden Baumstämme (Ulmen) aus Jugoslawien vom Lagerplatz Wastl – Altenwörth in der Menge von 132 Festmetern herbeigeholt und um den Ort Schützengräben in der Länge von einigen hundert Metern ausgehoben. Neustift war damit zum Ziele der unterschiedlichen Volkssturmkompagnien geworden, die aus der Umgebung herbeikamen, um die Ausführungen zu besichtigen, da Befehl gegeben wurde, daß an allen Orten ähnliche Sperren und Anlagen errichtet werden sollten. Die Ausführung dieses unsinnigen Befehles brachten den Volkssturmmännern in der Folge reich saure Arbeit und Plage. Sie war, wie die Zukunft lehrte, vollständig nutzlos.
Ernste Tage und Stunden Ende März zeigten die Straßen ein Bild besonderer Tragik. Waren schon vorher die zahllosen Kraftwagen der Flüchtlinge aus Ungarn, dem Banat, der Slowakei u.s.w. in fast ununterbrochenen Kolonnen gegen Westen gerast, so setzte kurz vor Ostern (1.4.) der Flüchtlingsstrom der Bewohner aus Wien und Umgebung ein. Unter Zuhilfenahme von vollgepackten Fahrrädern, Schiebkarren, Zugwagen, ja selbst Kinderwägelchen zogen die bedauernswerten Menschen, in Schweiß gebadet, ohne Unterlaß und Kraft, inmitten von ratternden Kraftfahrzeugen und Troßwagen, gegen Krems. Wer Glück hatte, konnte auf vollgepferchten Militärfuhrwerken mitkommen, sonst hieß es, an umgestürzten oder festgesessenen Autos vorbei, zu Fuß den noch ruhigeren Westen zu erreichen. Ein günstiges Geschick wollte es, daß diese chaotische Flucht in die warme Jahreszeit fiel, sonst hätte sich eines der grauenvollen Dramen, wie etwa das von Breslau wiederholt. Schon hieß es auch im benachbarten Kirchberg, daß die Bewohner der Umgebung evakuiert würden, welches Gerücht begreiflicherweise große Besorgnis auslöste. Zum Glück weigerten sich die Bauern einmütig, das notwendige Fuhrwerk beizustellen, was aber nicht verhindern konnte, daß ein Großteil der Nationalsozialisten von Kirchberg und Umgebung auf einigen Lastkraftwagen den Ort verließ. -
In diese Zeit fällt auch die Einstellung des Unterrichtes an der Schule Neustift.
Schon zu Beginn der Karwoche bekam der Ort milit. Einquartierung, was zur Folge hatte, daß auch das Schulzimmer belegt wurde. Als der prov. Schulleiter R. Löffler eines Tages erschien, um den Unterricht zu beginnen, schauten aus den Fenstern des Klassenzimmers deutsche Soldaten, während andere neben den übereinandergestellten Schulbänken neben ihren Rüstungen schliefen. Einige Scchülerinnen, die mit ihren Schulsachen unter der Tür standen, wurden heimgeschickt und somit war die Schule wieder einmal bis auf weiteres geschlossen.
22.4.1945 Die Katastrophe von Krems: Inmitten der Flüchtlingsbewegung und der beginnenden Auflösung der deutschen Armeen erlebte Krems am Ostermontage 1945 einen katastrophalen Fliegerangriff. Während des gewohnten Luftalarmes wurden gegen Mittag aus der Richtung Krems schwere Detonationen hörbar. Alsbald sah man in derselben Richtung starke Rauchwolken aufsteigen.
Die allgemeine Vermutung, daß Krems drangekommen sei, bestätigte sich leider durch die Nachricht von der erfolgten Zerstörung des Bahnhofviertels und mit diesem eines Großteiles der Ringstraße, der Wiener- und Hohensteinstraße, des Eisentür-Hofes, des Gymnasiums (Lehrerbildungsanstalt) u.a. Gebäude. Die große Zahl der Menschenopfer
konnte man bis heute noch nicht genau erfahren. Arme Donaustadt!
2.4.1945 Brand auf dem Bahnhofe Kirchberg am Wagram: Am selben Tage gegen 16 h erschienen feindliche Flieger aus nördl. Richtung und beschossen im Tiefflug einen in der Station stehenden Ölzug, der sofort in Flammen stand. Die Arbeit der Feuerwehren wurde durch den schwarzen, stinkenden Qualm und die Hitze sehr erschwert, doch gelang es nach längerer Zeit, dem Feuer Herr zu werden. Das Stationsgebäude und die Klosettanlage wurden durch Geschosse beschädigt, auf dem Geleise verbrannten 2 Tankwagen mit Dieselöl und zwei Waggons mit Schieren und Rodeln.
8.4.1945 An- und Einmarsch der roten Armee: Nachdem Teile der roten Armee den Raum von Wien besetzt und am 8. April bis Tulln vorgestoßen waren, sanken die Joche der herrlichen Donaubrücke durch unsinnige Sprengung in die Fluten. Durch diese Maßnahme wurde zwar den Russen vorderhand derÜbergang über den Strom verwehrt, doch konnte nicht verhindert werden, daß der donausüdliche Teil des Bezirkes durch einige Wochen zum Kampfgebiet wurde. Diesseits der Donau war man in dieser Zeit über die Lage jenseits des Stromes vollständig im unklaren. Voll Sorge und banger Erwartung beobachtete man Tag und Nacht die Gefechtstätigkeit hüben und drüben. Eigene Artillerie beschoß die jenseits der Donau liegenden Orte, während die Wurfgranaten krachend in das diesseitige Donaugebiet schlugen. Besonders wurde Altenwörth hergenommen, wo unter anderen Gebäuden auch die Schule und Kirche beschädigt wurden. Sehr häufig waren auch Brände zu beobachten. Tag und Nacht peitschten Gewehrschüsse und ratterten M.G. Salven über den Strom. Nachts boten die aufsteigenden Leuchtkörper ein imposantes, aber unheimliches Feuerwerk, während von den Russen abgeworfene Magnesiumlichter ihren Flugzeugen die Ziele für die Bomben anzeigten.
Ein solches fiel in den Garten des WB Zwickl und den Hof des Sodawassererzeugers Bernhard in Kirchberg, zwei ohne Wirkung in den Acker nächst dem Kino. Viele Bewohner nächtigten in diesen kritischen Tagen in den Luftschutz- und Hauskellern. Waren die immer zu zweien geworfenen Bomben auch nur von kleinem Kaliber, so fühlt man sich dennoch sehr beunruhigt.
8.5.1945 Einmarsch der Russen in Kirchberg und Neustift: Der 8.Mai brachte das große Ereignis. Schon zeitlich früh ertönten von Kirchberg her starke Detonationen. Man vermutete anfangs Artilleriefeuer, doch stellte sich alsbald heraus, daß der lufterschütternde Lärm von dem Sprengen einiger Panzer, die von den noch zurückgebliebenen deutschen Soldaten auf solche Art zerstört wurden, herrühren.
Im Lauf des Vormittags trat eine eigentümliche Ruhe ein. In der ganzen Gegend ertönte kein Schuß. Alles war der Meinung, daß der Krieg nun zu Ende sei. Gegen Mittag verließ die letzte deutsche Einheit Kirchberg, nachdem von ihr viele Ausrüstungs- und Gebrauchsgegenstände an die Bewohner von Kirchberg am Wagram verteilt oder kurzerhand von den Wagen geworfen wurden. Das war das Ende! An dieser Stelle sei noch erwähnt, daß am selben Tage früh sämtliche Geleise und Weichenanlagen auf der Strecke Absdorf–Hadersdorf und dortselbst die Eisenbahnbrücke über den Kamp gesprengt wurden, was sich in der Folge sehr störend auf den Verkehr auswirkte.
Gegen ½ 3 h nachm. vernahm man abermals Detonationen, die diesmal tatsächlich von Geschützen herrührten. Die russ. Artillerie begann, Kirchberg zu beschießen. Die Granaten, zum Glück kleineren Kalibers schlugen mit großer Genauigkeit in dem Häuserblock im “Tobel” an der Bezirksstraße und verursachten ziemlichen Gebäudeschaden, besonders an den Häusern der Besitzer Anker und Damböck. Alles flüchtete noch einmal in die Keller. Leider fielen der Beschießung von Kirchberg auch Menschen zum Opfer. Drei Erwachsene wurden tödlich, ein Kind schwer verletzt.
Etwa gegen ½ 4 h nachm., als auch Neustift aus der Richtung Sitzenberg-Reidling unter Artilleriebeschuß genommen wurde. Die ersten Granaten gingen in der Flur Altendorf nieder, die nächsten saßen bereits im Orte selbst. Es fauchten jedesmal Lagen zu 6 Schuß heran. Unter anderem erhielten das Haus No. 46 (Alois Walzer) 3 Treffer auf das Dach, das Haus No. 18 (Johann Hochreiter) 5 Treffer auf das Haus- bzw. Stalldach, andere Objekte ebenfalls leichtere Treffer. Zum Glück wurde nur eine Person, Ott Johann, 19 durch Splitter am Arm verletzt. - Bald darauf traf traf der erste Russe, ein
Kommissar, auf dem Fahrrad über den Feldweg von Unterstockstall herkommend, im Orte ein, verlangte nach dem Bürgermeister und ordnete die Waffenabgabe an. Die russ. Artillerie hatte nach Abschuß von vier Leuchtsignalen das Feuer eingestellt. Alsbald rollten die russ. Kolonnen ohne Unterlaß durch den Ort gegen Westen.
Die Besatzung war da!"[36]
 
  
Abb. 9: Franz Bierbaumer, Walter Schuster
 
                                          
Abb. 10: Hans Hittinger, Rudolf Lutzmayer
 
Abb. 11: Alois Walzer, Franz Weidinger, Otto Weiss
 
                                
Abb. 12: Anton Thorwartl, Alois Zehetner; Bilder Franz Weiss
 

Abb. 13: Die Opfer beider Weltkriege am Kriegerdenkmal; Foto A. Nowotny
 
 
 
Quellen:
[1]   https://www.heiligenlexikon.de/BiographienJ/Johannes_Jan_Hus.html
[2]   OLGR Dr. Rudolf Delapina -Die Herren von Winkel S. 53 -55
[3]   https://www.gedächtnisdeslandes.at/personen/action/show/controller/Person/person/matthias-corvinus-von-ungarn.html, abgerufen 24.05.1017
[4]     Adalbert Hirsch, Schulchronik 2 Teil Geschichte;
     Der Weinessig  wurde seit der Antike zur Sterilisierung des Trinkwassers und seine Säuren zur Scheidung von Metallen benötigt (Freiluftmuseum Carnuntum).
[5]   Siegmund Hager
[6]   Dr. Rudolf Delapina, Die Herren von Winkl S. 53-56
[7]   Mag. Phil.Dr. Iur. Otto Kainz "Das Kriegsgerichtsprotokoll im nö Bauernaufstand aus dem Jahre 1597" Dissertation Wien, 2008
[8]   Pfarrgedenkbuch Altenwörth Pfarrer Dedelbacher
[9]    Dr. Rudolf Delapina, Geschichte Oberstockstall
[10] Quelle: Geschichtliche Beilagen, 12. Band, S 182
[11] Johanne Ludwig Gottfried - Historische Chronick oder Beschreibung der Merckwürdigsten Geschichte .. von 1616 bis 1659 , 2. Teil, S. 56, Frankfurt, Österr. Nationalbibliothek, digitalisiert von Google-books
[12] Hans Windbrechtinger: Bauernkrieg und Schwedeneinfall
[14] Hans Windbrechtinger: Bauernkrieg und Schwedeneinfall -HHStA, HA Grafenegg, Band 435
[15]   Adalbert Hirsch, Schulchronik 2 Teil Geschichte
[16]   Hans Windbrechtinger: Bauernkrieg und Schwedeneinfall, S. 40; HHStA, HA Grafenegg, Karton 172
[17]   Hans Windbrechtinger: Bauernkrieg und Schwedeneinfall; HHStA, HA Grafenegg, Fasz. XVI
[18]   OeStA /HHStA /HA Grafenegg HS 247 D- Dienstbuch Winkelberg 1642 – 1664 "Ambt Neustifft- darein gehört Kollersdorf,  Sächsendorff unnd Winckhl"
[19]   Blätter des Vereines für Landeskunde Jg. 1883 S. 259 - 262 Jg.
[20]   Band II der Zeremonienprotokolle Continuatio Protocolli des Haus-, Hof- u. Staatsarchives:  Unter Empfänge und Reisen des Kaisers (recherchiert von OLGR Dr. Rudolf Delapina)
[21]   Adalbert Hirschd.J.  Schulchronik 2 Teil Geschichte
[22]   Adalbert Hirsch d. J., Schulchronik 2 Teil Geschichte
[23]   Pfarrer Grössinger – Pfarrgedenkbuch Altenwörth
[24]   Adalbert Hirsch d. J., Schulchronik 2 Teil Geschichte
[25]   Adalbert Hirsch d. Ä. Schulchronik 1
[26]   Adalbert Hirsch d. J., Schulchronik 2 Teil Geschichte
[27]   Alexander Popek  Schulchronik 2
[28]   Pfarrgedenkbuch Altenwörth
[29]   Alexander Popek  Schulchronik 2
[30]  Schulchronik Kirchberg
[31]  Alexander Popek  Schulchronik 2
[32]  Alexander Popek  Schulchronik 2
[33]  Alexander Popek  Schulchronik 2
[34]  Schulchronik  Engelmannsbrunn
[35]  Schulchronik  Kirchberg am Wagram
[36]  Robert Löffler Schulchronik 2
 
Jänner 2018
Andreas Nowotny