Gut Oberstockstall

 

Letzte Änderung: 12.11.2014 

         Schlosskapelle, Ferdinand Dorner, 1977
© NÖ Landesbibliothek St. Pölten, Topographische Abteilung 

 

Um 2000 v.Chr.
Ausgrabungen auf Gut Oberstockstall brachten ein frühmetallzeitliches Skelett zu Tage, das aus der Zeit um 2000 v. Chr. stammt. Es ist in der Lössschicht unterhalb der Fundament-Mauer der Kapelle gefunden worden. Aus der späteren Bronzezeit (1200 – 800  v. Chr.) stammt das Vollgriffschwert, das in einem Weingarten der Familie Salomon geborgen werden konnte. (1)

 

400 v.Chr. bis 0
Aus der jüngeren Eisenzeit  (400 v. Chr. bis Christi Geburt) sind Spuren von keltischen Siedlungen in Kirchberg und Mitterstockstall nachgewiesen, was die wissenschaftliche Vermutung untermauert, dass der Brunnen auf Gut Oberstockstall – gespeist aus drei Quellen - ein altes Quellheiligtum war. Mit dem Bau der Kapelle um 1310 und der Errichtung des Altars über dem Brunnen sollte es christianisiert werden. (1)

 

1147
Erste urkundliche Nennung der Herren von Stockstall. (2)

 

1160
Sigehardus von Stockstall vermachte den Grundbesitz in Austria inferior der Leprosenstiftung St. Ägid in Passau, zugehörig dem Domkapitel. (2)

Ab diesem Zeitpunkt gehört das Gut Oberstockstall dem Domkapitel zu Passau. 

Der um die Mitte des 12. Jahrhunderts nachweisbare Edelfreie Sigihardus de Stokstale hatte seinen namengebenden Sitz höchstwahrscheinlich in Oberstockstall. Sieghards gleichnamiger Sohn war Kanoniker in Passau und Stifter des außerhalb der Altstadt gelegenen Leprosenspitals St. Ägid, für das er gemeinsam mit seinem Vater umfangreichen Besitz in Oberstockstall zur Verfügung stellte. Die Vergabe von Gütern in Oberstockstall sowie das offensichtliche Fehlen weiterer Nachkommen geben zur Vermutung Anlass, dass Sieghard von Stockstall nicht nur die Stiftung seines Sohnes unterstützte, sondern zu dessen Versorgung im Passauer Domkapitel noch weitere, urkundlich nicht belegbare, Beiträge aus seinem Eigengut leistete. Dazu zog er wohl auch den namengebenden Sitz heran, der wahrscheinlich nach seinem Tod in die Hände des Domkapitels überging und so zu dessen Wirtschaftshof in Oberstockstall wurde. (3

 

1303
Das Gut Oberstockstall wird erstmals erwähnt und zwar im Testament des Pfarrers von St. Stefan/Kirchberg, Rudger (oder Rüdiger), worin sich der Kanoniker auch als Bauherr des auf Fronleichnam geweihten, eindrucksvollen Sakralbaues zu erkennen gibt. Ferner enthält sein letzter Wille bemerkenswerte Hinweise sowohl zur materiellen als auch zur personellen Ausstattung des Wirtschaftshofes: Zur Ausstattung zählten zwölf Betten samt Bettzeug, vier Ackerpferde, Pflüge und Karren, vier Rinder und 30 Schweine sowie Geschirr und Küchengerät. (3)

Das zu dieser Zeit noch immer bestehende Naheverhältnis zu St.Ägid in Passau geben verschiedene Urkunden wieder, siehe unter http://www.hf-kirchberg.at/index.php/kirchberg-am-wagram/die-kirche-von-kirchberg/pfarrer-und-kaplaene, Pfarrer Rudger.

 

1326
Die relativ späte urkundliche Erstnennung des unter der Leitung des jeweiligen Pfarrers von St. Stefan am Wagram/Kirchberg stehenden Gutes Oberstockstall im Jahr 1326 hängt mit der Stellung des Hofes als grundherrschaftlicher Eigenbetrieb zusammen, der vorher eben nie Gegenstand eines Einkünfteverzeichnisses oder Rechtsgeschäftes geworden ist. 

 
Ostansicht der Kirche, 2012

 

Aus dem Gedenkbuch der Pfarre zu St. Stephan zu Kirchberg am Wagram, angefangen am 14. März im Jahre des Heiles 1836 von dem Pfarrer Aloys des Edlen von Neubauer: "Als das Domkapitel zu Passau die oben angeführten Pfarren  Pischelsdorf,  Zwentendorf, Hl. Eich, Hohenwart, Rupertsthal, Fels, Etzdorf, und Kirchberg erhielt, zog es alle liegenden Gebäude und Zehenden an sich und gestaltete daraus eine eigene Herrschaft, die sie zu ihrer Herrschaft Oberstockstall zog und die im Ständischen Giltbuche hub No 225 unter der Benennung 'Pfarre Kirchberg respective Herrschaft Oberstockstall' inliegt." (6)  

 
Auf Grund der großen Bedeutung der Pfarre Kirchberg fanden sich bis ins 17. Jahrhundert unter den Pfarrherren  zahlreiche Mitglieder des Passauer Domkapitels, die ihren Pfarrsitz in Oberstockstall hatten, wo sich auch die geistliche Grundherrschaft des Passauer Domkapitels befand. Ihre persönliche Anwesenheit in Oberstockstall war auf Grund ihrer hohen Ämter in Passau nicht immer gegeben. Für die Seelsorge war der Vikar zuständig, für die Grundherrschaft der Meier (Verwalter). 

 

1538
Christoph von Trenbach wird Pfarrer in Kirchberg
Der Domherr Christoph von Trenbach ließ in den 1540er Jahren das heutige Hauptgebäude des Schlosses, denWohntrakt, im Renaissance-Stil erbauen. Das Trenbach-Wappen mit Jahreszahl und Schriftband ist über der Eingangstür zum Treppenaufgang erhalten, das selbe Wappen befindet sich nochmals in den Innenräumen (1) 

 

Fotos:
li: Schriftband

 

re: Christoph von Trenbach: © Trenbeckchronik,
NÖ Landesarchiv, St. Pölten
  

 

 

 
1548/49
Um- und teilweise Neubau des Schlosses unter Christoph von Trenbach,  Einbau von Laborräumen für eine Alchimistenwerkstatt in den Bau des 14. Jahrhunderts, die von der Kapelle aus zugänglich sind. (1)

 

1552
Christoph von Trenbach stirbt am 8. Dezember im Alter von 42 Jahren unter Hinterlassung horrender Schulden. Die in der so genannten Trenbach-Chronik beschriebenen Symtome deuten auf eine chronische Schwermetall-Vergiftung hin, was darauf hindeutet dass er selbst im Alchimistenlabor gearbeitet haben könnte. (8)

Christoph von Trenbach war der eigentliche Urheber der Gegenreformation in Vorder-Österreich. (4) 

Nachfolger als Pfarrher wird Urban Trenbach. Von seinem Bruder Christoph zu Studien im In- und Ausland geschickt, wurde er danach zum Kopf der Re-Katholisierung, der als Pfarrer von Kirchberg und hernach als Reformbischof von Passau mit Melchior Khlesl die Gegenreformation planmäßig durchführte.“ (4)

Foto: © Trenbeckchronik, NÖ Landesarchiv 

 

1573 – 1586
Viktor August Fugger ist Pfarrer von Kirchberg.
Am 16. Juni 1582 reiste der Bischof von Wien und Kanzler Khlesl zu Viktor August Fugger und übernachtete im Pfarrhof Oberstockstall. (5)
Er stirbt im Alten von 39 Jahren

 

1586-1595
Sein Bruder Sigmund Friedrich Fugger wird der Nachfolger. Er ist im  Bereitungsbuch als Besitzer von 11  Besitzungen im Ort Oberstockstall angeführt.

 

1590
Wahrscheinlich bringt das Neulengbacher Beben das Laborgewölbe zum Einsturz. Das Inventar wird zerstört und in einer Grube entsorgt. (1)

 

1595
Die bislang einzig bekannte historsiche Nennug des Labratoriums: In einem überlieferten Verhörprotokoll gibt Michael Polhaimer, ein kleiner alchemistischer Betrüger aus Braunau am Inn, Oberstockstall als Referenzadresse an: Kirchberg, 7 meil ober Wien, wo er ein dreiviertel Jahr bei Domherr Sigmund Friedrich Fugger gekunstelt haben will. (1)

 

1620 - 1636
Freiherr Karl von Kirchberg erscheint als Pfarrer von Kirchberg (D) erstmals 1620; damals bat er den General Grafen von Buquoi um Rückgabe des geraubten Gutes, das der Protestant und Herr von Winkelberg, Andreas Stadel vom Pfarrhof in Oberstockstall weggeschafft und nach Grafenwörth gebracht hatte. (5)

 

1708
"Ober Stockhstall…..Ist ein Marckht negst bey Kirchberg am Wagramb, in selbiger Pfarr gelegn, alda sich der Pfarrhof von gedachter Pfarr Kirchberg befindet, die Freyheit über diesen Marckht aber, ist dem löbl. Closter St. Dorothea in Wienn angehörig."
Quelle: Beschreibung aller Stückh-Zehent und Gülden des Hochfürstlichen Passauischen Casten-Ambts Stain,1708, Bayerisches Hauptstaatsarchivs, Signatur HL- 528 Hochstift Passau-Buch - Auszug

 

1803
Pfarrer Ignaz Scheiger
Er stand der Pfarre während der Napoleon-Wirren vor (1799 – 1835). Er verlor durch den Reichsdeputations-Hauptschluss 1803 den Oberstockstaller Pfarrgutshof mit allen Pfarrgründen.  

 

Danach war das Gut Oberstockstall im Eigentum der Hofkammer, dann für kurze Zeit im Besitz der Nationalbank.

 

1844
Laut Aufstellung von  Franz Pany anlässlich seines Antrittes als Pfarrer in Kirchberg hatte das Gut Oberstockstall dem Pfarrer jährlich eine Dotation von 600 Gulden und 27 Eimer Weinmost zu zahlen. Mitunterschrieben ist diese Aufstellung von Ungerthaler, Verwalter der  k.k. Patronatsherrschaft Oberstockstall

 

1848
Nach der Bauernbefreiung verlor das Gut seinen Herrschaftsstatus und musste die vergebenen Lehen den bewirtschaftenden Bauern zu vorgegebenen Konditionen überlassen. Siehe auch unter:
http://www.hf-kirchberg.at/index.php/berufe-von-frueher/landwirtschaft/landwirtschaft-chronologie, Punkt 2.4.

 

1857
Karl Salomon ersteigerte das Gut, das seither im Familienbesitz ist.
Die Familie behielt das Patronat über die Kirche in Kirchberg am Wagram.
 

Einige Erwähnungen aus der Pfarrchronik Kirchberg am Wagram:
Frau Elisa Salomon wird 1877 in der Pfarrchronik erwähnt, als sie Pfarrer Ignaz Hohmann  sein Amt verleiht. - Der Patron hatte das Recht, aus vorgeschlagenen Anwärtern den neuen Pfarrer auszusuchen.
1929 wird Patron  Franz Salomon als Mitzahler bei der Renovierung des Kirchenturmes erwähnt.
1949 war Frau Edith Salomon Glockenpatin.
1954  konnte der Patronatsherr Fritz Salomon am 24.8. den neuen Pfarrer Rudolf Koriska vorstellen.
Die Kirchenrenovierung im Jahr 1962 war Dank der Mithilfe des Patrones Fritz Salomon und des großzügigen Zuschusses des e.b. Bauamtes der Erzdiözese Wien möglich geworden.  

Das Patronat ist an den Grundbesitz des Gutes Oberstockstall gebunden, daher ist Fritz Salomon jun. der Patron der Kirche Kirchberg am Wagram. Dies äußert sich in der unentgeltlichen Zurverfügungstellung des Messweines und Zuschüssen zu Renovierungen der Kirche.

    
Kapelle und Stiegenaufgang, Alfred Ewald-Grundwald, 1972
© NÖ Landesbibliothek St. Pölten, Topographische Abteilung 

 

1980
Beginn der Ausgrabungen des Alchimistenlabors unter der ehemaligen Sakristei der Schlosskapelle, das der zehnjährige Sohn zufällig entdeckt hatte.  Unter der Leitung von Fr. Dr. von Osten wurden über 1000 Fundstücke geborgen – der weltweit größte Fund dieser Art. Ein Großteil der Fundstücke ist im Alchimistenmuseum in Kirchberg ausgestellt.

Ausstellungsstücke des Alchimistenlabors im Alchimistenmuseum in Kirchberg

Derzeit
Das Gut besteht aus dem

Restaurant Gut Oberstockstall, geführt von  Eva und Matthias Salomon und dem

Weingut Gut Oberstockstall, geführt von Birgit und Fritz Salomon  

 

Ansichten  

 

   

  
Innenansichten der Kirche -  Torbogen beim Stiegenaufgang 


Wohntrakt 


Nordansicht 


Gut Oberstockstall von Winkelberg aus gesehen 

 

Quellen:

  1. http://www.gut-oberstockstall.at/kultur/fruehgeschichte/
  2. Schautafel des Bundesdenkmalamtes anlässlich des „Tages des Denkmals“, 2012
  3. Mag. Günter Marian: Stadt und Adel. Zur Stadtministerialität von Tulln im 12. und 13. Jahrhundert und zu den Anfängen des Gutes Oberstockstall
  4. Die Wallfahrtskirche von Kirchberg am Wagram, Pfarramt Kirchberg am Wagram, Otto Fandl, 1980
  5. Geschichtliche Beilagen
  6. Pfarrchronik Kirchberg am Wagram
  7. Die Geschichte der Marktgemeinde Kirchberg am Wagram
  8. Trenbach-Chronik, NÖ Landesarchiv, St. Pölten

 

Jänner 2012
Maria Knapp