Die Kunstdenkmäler von Oberstockstall

 

Letzte Änderung: 23.11.2014

 

Entnommen aus:

DEHIO-HANDBUCH
Die Kunstdenkmäler Österreichs; Niederösterreich nördlich der Donau, 1990

Der Haupttrakt
Zeichnung von Otto Fandl

 

OBERSTOCKSTALL. Gemeinde Kirchberg am Wagram. Polit. Bez. Tulln

Doppelstraßendorf nördlich des Wagram. – Funde aus der Urnenfelder- und Hallstattzeit. Urkunde 1133/38. – Überwiegend Zwerchhöfe, an der zum Schloß ansteigenden Straße einige Hakenhöfe mit schlichten Putzfassaden, 2. Hälfte 19. Jh.

SCHLOSS, in erhöhter Lage im SW des Ortes. Renaissancebau, Mitte 16. Jh., über mittelalterlichem Vorgängerbau, im Anschluß an eine frühgotische Kapelle errichtet. Anfang 17. Jh. nach N verlängert. Im späteren 17. Jh. durch Wirtschaftstrakte erweitert. – Ursprünglich Wirtschaftshof des Bistums Passau, um 1548 durch Kanonikus Christoph Trenbach als Herrschaftssitz ausgebaut. Im 18. Jh. Verwaltungssitz des Passauer Domkapitels.

Schloßkapelle, an der S-Seite. Schmaler, hochgestreckter Rechteckbau, um 1320. Strebepfeiler; im O 2bahniges, im N und S je ein einteiliges Maßwerkfenster, spitzbogiges N-Portal. Unterhalb des Giebels kreuzförmige Öffnung. Dachreiter mit Zwiebelhelm, 16./17. Jh. – An der NW-Ecke bemerkenswertes gotisches Weihwasserbecken mit grotesken Masken.

Inneres. 3jochiges Kreuzrippengewölbe auf schlanken Bündeldiensten, der gerade Schluß durch diagonale Eckrippen als 5/8 Schluß interpretiert; runde Schlußsteine mit Vogelreliefs; umlaufendes Kaffgesims. Spitzbogige Sitznischen. – Wandmalerei hl. Christophorus, 1. Hälfte 14. Jh. – Frühbarocker Altar mit Altarblatt Guter Hirte, bezeichnet 1653; ovales Aufsatzbild Mariae Himmelfahrt. – Weihwasserbecken mit Blendmaßwerk, aus der Bauzeit. – Gotische Steinfigur eines Ritters.

Schloßgebäude. Unregelmäßige, 2- bis 3geschossige Anlage mit Wohn- und Wirtschaftsgebäuden um einen rechteckigen Hof. – S-Trakt, im W an der Kirche anschließend. 3geschossiger Bruchsteinbau, im Kern wohl 14. Jh.; Anfang 16. Jh. und später mehrfach umgebaut; südseitig 2 spätgot. Fensterlaibungen, Anfnag 16. Jh., nordseitig vermauertes Schulterbogenprotal, 14. Jh. (?). W-Trakt, T-förmig anschließend, 3geschossig mit Treppenturm an der Hofseite. Nördlich der gleich hohe Erweiterungsbau, Anfang 17. Jh., mit unterschiedlicher Geschoßteilung. Steingewändefenster; am Stiegenaufgang sekundär versetztes Renaissanceportal mit Rosettendekor. – Wappen bezeichent Christoph Trenbäkh, Sonnenuhr 1548. – Östlich 2geschossiger Torbau mit geputzter Ortsteinquaderung und flachbogiger Einfahrt. – An der N-Seite Wohn- und Wirtschaftsgebäude, 2geschossig; der Wohntrakt im Obergeschoß über eine hofseitige Freitreppe und Estrade auf Pfeilerarkaden zugänglich. An der O-Seite eingeschossige Wirtschaftsgebäude.

Inneres. Im W-Trakt einige Renaissanceportale sowie ein sekundär versetztes gotisches Schulterbogenportal. Im 1. Obergeschoß tonnengewölbter Raum mit Stuckdecke, 1. Hälfte 17. Jh.

HAUS Nr. 23, Bärenhof; 2geschossiger Bau, z.T. 1. Hälfte17. Jh., einige Renaissance-Steingewändefenster. – Am 1975 erneuerten Torbogen aus Beton Wappen bezeichnet J.P. 1(6)61. Im Hof lebensgroße Steinfigur eines aufrecht stehenden Bären, 17. Jh.

KLEINDENKMÄLER. Sandsteinfigur hl. Johannes Nepomuk, beim Schloß, 2. Viertel 17. Jh., zu Kriegergedenkstätte erweitert. – Pfeilerbildstock, nordwestlich des Schlosses; abgefaster Pfeiler mit Quaderaufsatz und Pyramidendach, 16./17. Jh., - Pfeilerbildstock, im N des Ortes, Inschrift bezeichnet 1680; Quaderaufsatz mit Pyramidendach und Reliefs Kreuzigung, Hl. Dreifaltigkeit, Hll. Rochus und Sebastian.

 

17. April 2012
Maria Knapp