Die Herrschaft des Stiftes

St. Dorothea zu Oberstockstall
 
 
Letzte Änderung: 17.10.2015
 
 
Aus dem Nachlass des Kirchberger Heimatforschers Dr. Rudolf Delapina
 
1253 erwarb der Deutsche Orden erstmals Grund und Besitz in Oberstockstall und wahrscheinlich seit etwa 1330, als Herward (Herbort) von Winchel  Hauscommenthur des "deutschen Hauses zu Wien" war, hatte der Deutsche Orden die Dorfherrlichkeit des Ortes inne, bis im Jahre 1459 die Herrschaft des Stiftes St. Dorothea ihren Anfang nahm. 
 
Die furchtbare Katastrophe des Hochmeistertums (höchstes Amt des Deutschen Ordens) nach der Unglücksschlacht bei Tannenberg am 15.07.1410, durch Hussitenkriege, der Fehlschlag in Ungarn haben dann auch seine Kammerballei (Leitung einer "Ordensprovinz") in Österreich und damit die Ordenskommende Wien mit ins Verderben gerissen und ihrem Reichtum ein jähes Ende bereitet. Bereits 1421 hören wir vom Abverkauf von Besitzungen zu "Kalesberg in der pehaimkircher phar" und in mehreren Orten dieser Gegend.
Für den Deutschen Orden in Österreich gesellten sich dann noch die ungünstigen wirtschaftlichen Verhältnisse hinzu, die damals in Niederösterreich in den ersten Jahrzehnten des 15. Jahrhunderts eintraten. 1409 und 1439 sind als Pestjahre überliefert. Gerade der nördliche Teil von Niederösterreich hat durch die Einbrüche der Hussiten, die mit Raub, Mord und Brand das Land auf das furchtbarste heimsuchten, jeden wirtschaftlichen Ertrag eingebüßt. Das Land war dem Ruin preisgegeben, vollkommen verarmt. Viele Orte verödeten.
Der Deutschorden sah sich 1459 zum Abverkauf der Güter gezwungen, wie wir im Folgenden des näheren hören werden. In jene Zeit vor 1450 fällt auch das Erlöschen des Geschlechtes der Herren von Winkel und Winkelberg. Auch diese wurden ein Opfer der ruinösen wirtschaftlichen und kriegerischen Verhältnisse jener Jahre.
An Stelle des von den Babenbergern favorisierten Deutschordens trat das Stift St. Dorothea, das nun die Gunst der habsburgischen Landesherren genoss. Die Dorfherrlichkeit über Oberstockstall ging an das Stift St. Dorothea über.
1459 schied der Deutsche Ritterorden nach 200jähriger Herrschaft aus unserer Gegend. Kein Denkmal blieb zurück. Die Erinnerung an ihn ist in der Gegend vollkommen erloschen.
Rund 350 Jahre bewirtschaftete nun das Stift St. Dorothea die übernommenen Güter. 1786 wurde das Stift St. Dorothea aufgelöst, nachdem Kaiser Josef II. die Vereinigung mit dem Stift Klosterneuburg anordnete. Die Besitzungen wurden verkauft.
 
 
Wappen  des Stiftes St. Dorothea
 
Das Wappen bildete wie in Dürnstein auch beim Stift St. Dorothea ein
goldener Blumenkorb im blauen Felde.
Der Korb wird nämlich in der Lebensgeschichte der hl. Dorothea erwähnt: Die Heilige sendete ihn mit Rosen und Äpfeln gefüllt nach ihrem Tode durch einen Engel dem heidnischen Landschreiber, der dadurch zum Christentum bekehrt wurde (Legende)
(Monatsblätter des Vereines für Landeskunde von Niederösterreich, Band VI, S. 236 – von Alfons Zàk).
 
 
 
 
  
 
 
 
 
 
 
 
 
 

Zeichnung des Siegels  von Dr. Rudolf Delapina
 
 
Neben der passauisch-domkapitlischen Herrschaft Oberstockstall lag an der Westseite derselben noch eine zweite Herrschaft:
Die Herrschaft des Stiftes St. Dorothea in Wien, kurz Dorotheer Herrschaft genannt. ...
 
… 955, nach dem Sieg Kaiser Otto I. auf dem Lechfelde über die Magyaren gelangten neben Klöstern, Bistümern, Grafen und Herrengeschlechtern auch die Markgrafen aus dem Geschlecht der Babenberger in den Besitz von Grund und Boden. Die Babenberger hatten bei der Landnahme zur Erfüllung ihrer Wehraufgabe einen Heerbann aus ihrer Heimat mitgebracht, insbesonders eine Reiterei, also ritterliche Leute, wie sie zum Kampfe gegen das Reitervolk der Magyaren unbedingt erforderlich waren. Solchen Dienstmannen (z.B. den Herren aus Rußbach, den Herren von Winkel), für die später die Bezeichnung Ministerialen aufkam, gaben die Markgrafen den ihnen überlassenen Boden als Lehen weiter, mit dem Recht, Burgen zu bauen. Die Herren von Winkel, von denen urkundlich feststeht, dass sie Ministerialen der Babenberger waren, errichteten sich nun auf ihnen verliehenem Boden an einem Donauarme in der Au eine Wasserburg, die Veste Winkl und später auf dem Hausberg in Mitterstockstall die Burg Winkelberg. Die Namen der Babenberger Dienstmannen tauchen zwar erst seit etwa 1130 in den Urkunden der Babenberger auf. Damit ist nicht gesagt, dass diese Geschlechter erst um diese Zeit und nicht schon mit den ersten Babenbergern ins Land gekommen sind.
 
Das Stift Dorothea in Wien erwarb 1459 vom Deutschen Orden im Kaufwege dessen Besitz in Oberstockstall und anderen Orten, sodass von dieser Zeit ab neben der passauisch domkapitlischen Herrschaft zu Oberstockstall die Herrschaft des Stiftes St. Dorothea in Oberstockstall vorfinden. An diese Herrschaft erinnert die noch heute gebrauchte Bezeichnung "Dorotheer Freiheit".
Die Geschichte des Stiftes St. Dorothea in Wien ist in der Topographie des Erzherzogtums Österreich oder Darstellung und Entstehung der Städte, Märkte und Dörfer aus dem Jahre 1836, XV. Bd.: "Das gewesene Stift St. Dorothea" von Stelzhammer behandelt. Sie lautet auszugsweise:
"Herzog Albrecht II. der Lahme (Enkel Rudolfs I. von Habsburg) + 1358 begann zu Wien in der Stadt zu Ehren der hl. Dorothea eine Kapelle zu bauen, welche sein Sohn Rudolf IV. der Stifter, + 1365, vollendete und mit einem Wohngebäude einem Beneficiaten übergab.
Bereits 1399 hören wir, dass Otto, der Syednikher einen Hof zu Ryetental auf dem Wogram, zu welchen 36 Joch Aecker und ein Baumgarten gehörten, wie Ulrich der Velabunner von Herzog Albrecht IV zu Lehen hatte und daß Syedniker vom Herzoge die Erlaubnis erhielt, diesen Besitz der Kapelle der hl. Dorothea in Wien zu Burgrecht aufzugeben, zugleich verband Syedniker sich, jährlich dieser Kirche einen Burgrechtsdienst von einem halben Pfund Pfennig zu entrichten. 08.III. 1399 (Kirchl. Topogr. v. 1836 XV. Bd. S. 151 No. XX)."
 
Zur Geschichte des Stiftes St. Dorothea in Wien bringt das Monasticon Metropolis Salzburgensis antiquae – Verzeichnis aller Äbte und Pröpste der Klöster .. (im Nachtrag 1913 von P. Pirmin Lindner .. der jetzigen Erzdiözese Wien) folgende Daten:
„Das Augustiner Chorherrenstift St. Dorothea in Wien 1414 – 1786:
Gründer des Stiftes war ein Weltpriester, Andreas Plank, Pfarrer zu Gars und Eggenburg und Kanzler des Herzog Albrecht V. Die Stiftungsurkunde wurde am 15.VIII.1414 ausgefertigt. Der Stifter starb am 9.VI.1435. Die ersten Chorherren kamen aus Tiernstein und St. Pölten.
Patren: S. Dorothea. 4.XI. 1782 decretierte Kaiser Josef II. die Vereinigung mit dem Chorherrnstifte Klosterneuburg, dessen Propst wurde zugleich Administrator von St. Dorothea. Am 12.I. 1786 verfügte Kaiser Josef die gänzliche Aufhebung von S. Dorothea. Die Chorherren mussten das Stift verlassen. Die Gebäude wurden als Arbeitshaus verwendet. 1787 kam das Versatzamt in die Gebäude. Am 4.V.1787 wurden die Altäre und Kirchengebäude licitando veräussert und 1787 kaufte der Wiener Trödler Holzmann um 1581 fl. die beiden Türme der Kirche, die dann abgebrochen wurden.
  • In den Quellen zur Geschichte der Stadt Wien, I. Abt. 3 Bde 1897 S 1-88;
  • Riedling, Regesten zur Geschichte von s. Dorothea im Wiener Diöcesanblatt 1890 S. 68-72;
  • Topographie des Erzherzogtums Österreich, 10. Bd. / 1836, der ganzen Serie 15 Bde Blatt 1890 s. 68-72;
  • Beilagen zum St Pöltener Diöcesanblatt VIII. Bd. S. 482 u. f.“
 
Das Siegel und Wappen der Pröpste und des Konventes von St. Dorothea stellt meist die hl. Dorothea oder auch den Korb, welcher in der Lebensgeschichte erwähnt wird, dar.
Als das Stift Dorothea 1786 aufgelöst wurde, wurde es unter die Administration des Stiftes Klosterneuburg gestellt, sodann 1802 mit Klosterneuburg gänzlich vereinigt.
Das Archiv kam nach Klosterneuburg und wird im Stift bis heute verwahrt. ...
 
Urkunden des Stiftes St. Dorothea aus dem Klosterneuburger Stiftsarchiv:
Die Herzoge Wilhelm und Albrecht geben Ulrich dem Velabrunner zu Lehen einen Hof zu Riedenthal
Wien, den 5.März 1396.
 
"Wir Wilhalm und Albrecht gevettern von gotes ganden Herczogen ze Oesterreich ze Steyr, ze Kenden und ze Krain, Graven ze Tyrol ec.  Bechennen, daz für uns kom unser getrewr Ulreich der Velebrunner, Und pat uns fleizzich, daz wir Im geruchten ze verleichen den Hof zu Rietental daryn 24 Jeuch Ackhers und Sechs phening Gelts gehörent, der des Magenhaws seligen ist gewesen unser lehenschaft, wan Im den weilent der hochgeborn fürst unser lieber Herr vetter unnd vater Herczog Albrecht seliger gedächtnuss, vormalen hiett von gnaden verlihen. Das haben wir getan, und haben demselben Velebrunner den egenanten Hof auch von gnaden verlihen, und leihen auch wissentlich mit dem brief, was wir Im daran zurecht verleihen sullen und mügen. Alß daz er und sein erben den mit seiner zugehörung nu fürbazz von uns und unsen Erben ynnhaben und niessen sullen in Lehensweis als lehens und Landes recht ist an geuer. Mit urchund dic brief. Geben ze Wienn an Suntag als man singet Oculi in der vasten, under unserm Herczog Wilhalms Insigel und unserm Herczog Albrechts Petscad, wan wir vezunt unser Insigel bey uns nicht haben. Nach Christi gepurd Drewcehenhundert Jar darnach in den sechs und newnczigisten Jar."
Duo Sigilla pendula
(Original im Archiv des ehemal. Stiftes St. Dorothea, das derzeit im Stift Klosterneuburg verwahrt wird u. zw. in Ladula Z Num. 8. Abgedruckt in der kirchlichen Topographie des Erzherzogtums Österreichs 1836 XV. Bd. S. 150).
 
Otto der Syedniker verbindet sich jährlich, einen Burgrechtsdienst von einem Hof zu Riedenthal an die Dorotheen-Capelle zu entrichten. Wien den 8.März 1399.
"Ich Ott der Syednikher Bekenn und tun kunt offenleich mit disem brief. Als mir der durchleuchtig fürst Herczog Albrecht Herczog ze Oesterreich ec, mein lieber gnaediger Herre erlaubt hat meinen Hof gelegen ze Ryetental auf dem Wogram, mit sampt den Sechsund dreissig Jeuchart Ackhers und den Pawmgarten die darin gehörent zu Purkrecht aufgegeben. Daz ich mich des gen denselben meinen Herren verlubt und verpunden hab, verlub und verpind mich auch wissentlich mit dem brief für mich und mein Erben, daz ich oder wenn ich denselben Hof und sein Zugehörung zu Purkrecht auzgibe nufurbazzer allle jar davon raichen und dienen sullen auf sant Michels tag in sant Dorotheen Capellen zu Wienn ain Halb phunt phennig als solichs Purkrechts und Landes recht ist ungeuerleich. Und sol ain yetweder verweser derselben Capellen die alle jar auf den egenanten tag Innemen und die zu der Capellen nucz kerewn als ander gült die darczu gehörent. Und des ze urkund gib ich disen brief versigelten mit meinen Angehangenn Insigel. Und hab auch gepeten den Ertsamen Jörgen den Grunpekhen dieczeit Burger ze Wien, daz er der Sach geczeug ist mit seinen Insigel, das er durch meiner fleizzigen bet willen an disen brief hat gehangen. Inn an Schaden. Geben ze Wienn an Samcztag vor dem Suntag so man singet Letare ze Mittervasten. Nach Kristi gepurt Dreuzehenhundert Jar darnach in dem Newnundneunczigistem Jare."
Duo Sigilla pendentia.
(Original im Archiv des ehemal. Stiftes St. Dorothea, das derzeit im Stift Klosterneuburg verwahrt wird u. zw. in Ladula Z Num. 9. Abgedruckt in der kirchlichen Topographie des Erzherzogtums Österreichs 1836 XV. Bd. S. 151).
 
Herzog Albrecht IV. (+ 1404) vermehrte den Besitz der Kapelle und fasste den Entschluss, dort ein Kloster zu bauen. Der Entschluss wurde von seinem Sohne Albrecht V. (+ 1439) ausgeführt. Albrecht V. stellte 1414 für das Stift einen Stiftbrief aus, setzte regulierte Chorherren des hl. Augustinus ein, verzichtete 19.04. 1422 auf die Lehenschaft über einen Hof zu Großriedenthal zu Gunsten des Stiftes St. Dorothea uns erließ 20.05. 1423 einen weitläufigen Confirmationsbrief. Im Jahre 1436 erhielt das Stift mehrere bisher landesfürstliche Lehen in Großriedenthal als freies Eigen. Propst Stephan kaufte 1459 mehrere Gülten in und bei Großriedenthal dazu (Geschichte von Großriedenthal).
Im Jahre 1459 löste St. Dorothea den Deutschen Orden in Oberstockstall und Umgebung ab.
Die Blätter des Vereines für Landeskunde von N.Ö. JG. XVII 1883 S. 348 bringen hierüber  folgende Nachricht:
„Zu Wien am 11.06.1459 verkaufte der Deutsche Orden zu Hohenwart, Winkel, Oberstockstall bei Kirichperg, Gobatsburg, Ruppersthal, Kollersdorf, Sittendorf und 4 behauste, verödete Güter zu Oedenbrunn, von denen man gedient hat 1 Pfd. Pfg. (Kirchliche Topographie Dekanat inner der Linien Wiens, pag. 202-204)“.
Bei Schweickhardt finden wir zu diesem Güterübergang folgenden Bericht:
"Es bestanden hier (Gemeint ist Oberstockstall) früher 2 Herrschaften, die wohl zu unterscheiden kommen, nämlich das passauische Domkapitel und jenes des Stiftes St. Dorothea in Wien, welches unter der Administration des Probstes Klosterneuburg die Dorfherrlichkeit besaß, welche sie samt den Zugehörungen im Jahre 1459 am Montag vor dem St. Veitstage des hl. Märtyrers von dem deutschen Orden erkauft hatte, wie solches der vorhandene Kaufbrief bezeuget."
 
Es ist anzunehmen, dass bei diesem Zuwachs an Grund und Boden das Stift St. Dorothea auch den freien Edelhof als zentralen Wirtschaftshof in die Hand bekommen hat.
im Folgenden ist der im Archiv des Chorherrenstiftes Klosterneuburg verwahrte Bericht über diesen Ankauf des Jahres 1459, sowie eine leider ebenfalls gekürzte Wiedergabe des Kaufbriefes angeführt:
„Der Deutsche Orden in Wien verkauft 11.06. 1459 dem Stifte St. Dorothea in Wien Güter und Gülten zu Oberstockstall bei Kyrichberg und Umgebung.
Bruder Johannes von Pomershaym, Landcomthur des Deutschen Herren-Ordens und Verweser des Ordenshauses in Wien verkauft im Namen des Ordens und mit Erlaubnis des Hochmeisters zu Preussen, des Herrn Ludweich von Erleshawsen folgende Güter und  Gülten dem Propste Stephan und dem Convent zu St. Dorothea (Verkaufspreis nicht genannt):
Ein behaustes Gut zu Oberstockstall bei Kyrichperg,
ein halbes Lehen, das Hanns Zimmermann innehat und der davon 6 Schilling Pfennige und 3 Hühner dient,
das Lehensgut des Christian Pflügler,
eines zu Engelmarsprunn und
eines zu Ottenthal
ein behaustes Gut zu Höchenbart, einen Hof ebendaselbst, ein behaustes Gut zu Sittendorf, zu Chobelspurkg,
ein Lehensgut zu Colesdorf, das Wolfgang Mader inne hat, mit 6 Pfennigen Gelddienst,
je eines zu Winkl, zu Ropolcztal und zu Engelmarsprunn,
ferner Äcker zu Oberstockstall,
3 Joch Äcker mit 34 Pfennigen Gelddienst zu Kirichperg,
Äcker zu Ottenthal,
vier behauste Güter zu Oedenprunn mit 1 Pfund Pfennige Gelddienst,
ein Haus zu Nussdorf in der Pfarre Heiligenstadt das Jorg Greyl inne hat, vier Brot Penkchen und ein Baumgarten hinter dem Hause und nächst dem Hause des Hanns Pawren mit 4 ½ Pfund Pfennigen Gelddienst. Geben ze Wienn... an montag vor sand Veytstag.
Zeugen: Conrad der Strobel, Syman der Lampl, Bürger zu Wien. Siegler: Der Aussteller und die Zeugen.
(Archiv des Chorherrenstiftes St. Dorothea in Wien, derzeit im Archive des Stiftes Klosterneuburg befindlich. Quellen zu Geschichte d. Stadt Wien, III. Bd. 1897, S. 87).
 
Da ein Foto des  Originals auf der Website http://www.mom-ca.uni-koeln.de/mom/AT-StiAK/StDorotheaCanReg/1459_VI_11/charter?q=1459 VI 11   abgerufen am 20.5.2014, gefunden wurde, konnte ich den gesamten Text transkribieren, in welchem auch viele Namen von  Bauern unserer Gegend genannt werden. Siehe http://www.hf-kirchberg.at/index.php/oberstockstall/der-deutsche-ritterorden
In der kirchlichen Topographie des Erzherzogtums Österreich XV. Band ist über den Ankauf von Gütern in Oberstockstall und Umgebung im Jahre 1459 wie folgt ausgeführt:
„Der Propst von St. Dorothea namens Stephan von Landskron kaufte 1459 von dem Deutschen Orden die diesem gehörigen Besitzungen am Wagram und Umgebung. Diese Güter, von denen es in der Urkunde heisst, dass sie freyes Aigen des Deutschen Ordens, bestanden in behausten Gütern und Gülte, zu Oberstockstall bei Kirchberg am Wagram, einem Feldlehen und Überlandgründen daselbst, dann ebensolchen Gefällen zu Ottenthal, Riedenthal, Sittendorf, Hohenwart, Gobelsburg, Kollersdorf, Engelmannsbrunn, Winkl und Ruppersthal, zu Oedenbrunn, Krems und Nußdorf. Der Preis ist in der Urkunde nicht angegeben, wurde jedoch gleich bezahlt.“ Die Urkunde ist in obgen. Topographie unter LVI S. 202 abgedruckt.1)
 
1497 war das Stift Dorothea in missliche Umstände geraten und musste sich von dem in besseren Zeiten Ersparten durch Abverkauf von Besitz Hilfe  verschaffen. Nach dem aus dieser Zeit erhaltenen Kaufbrief verkaufte Propst Gregor und das Kapitel ihr freies Eigen zu Oberstockstall bestehend in Gülten, Gütern und Diensten auf behausten Gütern, Feld und Überandackern an allen zu diesem Gute (Amte) gehörigen Orten dem Herrn Georg von Rottal, Freiherrn auf Thalberg und seinen Erben um eine unbenannte Geldsumme.
Als Ludwig Ebner, Bischof zu Chiemsee, regulierter Chorherr, welcher eine besondere Verehrung für die hl. Dorothea hatte vernahm, dass sich das Stift St. Dorothea in äußerst bedenklichen Umständen befinde, in welche es durch die Zeitläufe geraten war, da viele Güter wenig ertragen konnten und auch sah, dass es durch seine Darleiher hart geplagt wurde, schenkte er dem Stift 4.000 fl Bargeld, kirchliche Geräte und Kleinode (1495), resignierte das Bistum Chiemsee und trat in das Kapitel des Stiftes St. Dorothea in Wien ein. Mit dem von Ludwig Ebner erhaltenen Geld kaufte nun das Stift das dem Georg von Rottal, Freiherrn zu Thalberg verkaufte Gut Oberstockstall 1502 wieder zurück
(Original Kauf- und Wiederverkaufsbrief im Archiv des ehemaligen Stiftes St Dorothea , derzeit im Klosterneuburger Stift Ladula Z Nr. 15 und 16).
 
Es ist möglich, dass Herzog Albrecht V. auch in Kirchberg am Wagram landesfürstliche Lehen besaß, dass er diese, als er 1436 dem Stift Dorothea mehrere Lehen in Riedenthal zu Eigen gab, ebenfalls dem Stift Dorothea übereignete, oder dass diese Lehensgüter im Besitze des Deutschordens waren und über den Deutschorden an das Stift Dorothea gelangten.
Keinesfalls kann aber hiezu die Nachricht der Topographie von N.Ö. 1903 über landesfürstliche Lehen in Kirchberg herangezogen werden, da die Nachricht der Topographie irrtümlich Kirchberg am Wagram nennt, die Nachricht bei richtiger Prüfung nur auf Kirchberg am Wechsel bezogen werden kann.
Die falsche Nachricht lautet:
"Zu Kirchberg am Wagram hatte der Landesfürst ebenfalls einige Lehen, die aber nur im 15. Jh. nachweisbar sind. Sie bestanden in 2 behausten Gütern und 18 Höfen. Lehensträger war Hans Stickelberger. Notizenblatt 1854 S. 356".
 
Das Stift St. Dorothea kann den erworbenen Besitz nicht lange zur Gänze festgehalten haben und dürfte infolge der ungünstigen Zeitläufe (Reformationszeit) Teile des Besitzes an verschiedene Erwerber weitergegeben haben, sodass es, als es Ende 1786 säkularisiert und mit Klosterneuburg vereinigt wurde, einen Teil seines Oberstockstaller Besitzes bereits abverkauft hatte.
Schweickhardt bringt im VII. Band der Topographie 1835 über das Schicksal der Dorotheerherrschaft nur folgenden Bericht:
„Indessen erscheint nach der n.ö. ständischen Gülteneinlage Num. 155 im Jahre 1575 Leonhard Stettner durch Kauf von Caspar Spann, wahrscheinlich von dem einen Theil dieser Herrschaft; im Jahre 1615 Hans Andrä Freiherr von Stadel; im Jahre 1637 das Jesuiten-Collegium in Krems durch Kauf; im Jahre 1755 das Domkapitel zu Passau und im Jahre 1806 die k.k. Staatsgüter-Administration im Namen des Cameralfondes.
Hernach kann angenommen werden, dass das Stift St. Dorothea einen gegen Engelmannsbrunn zu gelegenen Teil seines Besitzes bereits vor 1575 an Caspar Spann verkaufte, der diesen Teil 1575 dem Freiherrn Leonhard von Stettner überließ. Freiherr von Stettner war Besitzer von Dürrenthal, Stettenhof und besass auch Güter im benachbarten Engelmannsbrunn.“
 
Die gegen Winkelberg zu gelegenen Teile gelangten 1615 an Hans Andrä von Stadel, Herr zu Winkelberg. Dieser Stadel war ein sehr rühriger Lutheraner, von dem wir hören, dass er sich an Passauer Pfarrgut vergriffen hat; warum sollte er nicht auch gegenüber dem Stift Dorothea den gleichen Eifer gezeigt haben?
Nachdem infolge der Gegenreformation Freiherr von Stadel als Proscribierter (vom Kaiser geächtet und enteignet) seine ganzen in dieser Gegend gelegenen Güter verloren hat, erwarb Graf Adolf von Althan die Herrschaft Winkelberg und überließ die Herrschaft Winkelberg (wie Dr. Kerschbaumer in der Geschichte der Stadt Krems auf Grund der im Pfarramte Krems verwahrten Urkunden des aufgelösten Jesuitencollegiums berichtet) im Jahre 1620 dem Jesuitencollegium in Krems. Dadurch kamen die Jesuiten in die Gegend und erwarben laut Schweickhardts Auszug aus der Gülteneinlage Nr. 155 im Jahre 1637 die Dorotheer Herrschaft, soweit sie noch nicht abverkauft war (wohl nur einen Teil, da 1638 – 1658 ein Prozess zwischen St. Dorothea und der Pfarre St. Stephan am Wagram lief; Dorothea noch 1725 – 1731 in Streitigkeiten verwickelt war; da 1749 die Rusticalfassion und 1781 eine Rechnung vorliegt, ist zu vermuten, dass es seinen Besitz an Spann (Stettner) nicht zur Gänze abgegeben hat.), wogegen nach Dr. Kerschbaumer die Jesuiten das Dorotheergut Oberstockstall erst 1673 um 1112 fl an sich brachten und den Dorothea Hof im Jahre 1693 erwarben.
 
"Die Geschichte des Kremser Jesuitenkollegs (1616 -1773)", eine Dissertation von Gottlinde Stanke, Wien 1964 – NÖ LA, gibt dazu auf den Seiten 287 und 288 an:
 „Auch Andreas von Stadel hatte den Hof seit 1614 besessen,1) nach der Konfiszierung seiner Güter erhielt ihn am 28.Juni 1622 Christoph Schmidt von Berns- (Prenns-) burg von Hans Balthasar Freiherr von Hoyos als Afterlehensherrn, zum Lehen2) Von diesem löste Rektor Jagniatovius den Hof am 21. September 1627 um 300 Gulden ab.3)  Damals gehörten noch immer 15 Joch Acker und ½ Joch Weingärten "auf dem Wagram in der St. Stephans Parz" dazu.4)
Mit Zustimmung des Kaisers befreite schon damals Graf Hoyos den Hof aus dem kaiserlichen Lehensverband und diese Entscheidung wurde 1629, zugleich mit der Erhebung von Lengenfeld und Winkelberg zu freien Allodialgütern, bestätigt.5) Die Hoffnung des Kollegs auf Rückerstattung der 300 Gulden erwies sich allerdings als trügerisch.
Ab nun übte das Kolleg über den Stettenhof die Grund- und Landgerichtsobrigkeit aus. Erst 1673 entschloß es sich, dieses Gut von seinen damaligen Besitzern, den Erben des Kaspar Beer, um 1100 fl. zu kaufen.6)
            1) HHStA, Klosterakten, Krems, Jesuiten, Fasz. 3,6.c., (Kaufbrief vom 26.12. 1614).
            2) Ebenda, Fasz. 6,3.c.
            3) Ebenda, Fasz. 2,5.c., fol. 9.
            4) Ebenda, Fasz. 6,3.c.
            5) HHStA, Klosterakten, Krems, Jesuiten, Fasz. 6,3.c.
            6) Ebenda, Fasz. 6,3.c. (Kaufbrief vom 24.April 1673)“
 
Auf letzteren Erwerb weist eine Grundbuchseintragung im Buch Nr. 10 Grundbuch über Hohenwarth und Oberstockstall folgenden Inhalts hin:
"bei dem Edelhof zu Oberstockstall (hinter dem Stadel)
1664 – 1680 Caspar und Margaretha Beer
1681 – 1686 Herrschaft Winkelberg oder Societät Jesu zu Crembs 18.XII. 1676"
Von wem Caspar Beer 1664 den Edelhof erworben hatte, ist noch nicht festgestellt.
Interessant ist jedenfalls, dass ein Johann Christoph Beer das Haus Nr. 18  (also das Bärenhaus) in Kirchberg am Wagram im Jahre 1674 "vom grünen Anger aus aufgebaut" und dass am Torbogen des Dorotheerhofes in Oberstockstall und am Torbogen des 1674 errichteten Bärenhauses in Kirchberg am Wagram die gleichen Bärenwappen angebracht sind. Dies ist der sichtbare Zusammenhang von Bärenhaus in Kirchberg am Wagram und Bärenhof in Oberstockstall.
Es ist nicht unmöglich, dass Johann Christoph Beer den grünen Anger in Kirchberg am Wagram vom Stift St. Dorothea erworben hat. St. Dorothea dürfte durch landesfürstliche Huld in Kirchberg am Wagram zu Grundbesitz gelangt sein. Die Grundbesitzverhältnisse im westlichen Teil des Ortsbereiches lassen es möglich erscheinen, dass dieser Teil nicht dem Domkapitel Passau untertänig war, sondern landesfürstliches Eigen, das dem Stift St. Dorothea übereignet wurde.
Einen Hinweis auf einen Zusammenhang vom Bärenhaus in Kirchberg am Wagram und dem Bärenhof in Oberstockstall enthält die phantasievoll ausgeschmückte mündliche Überlieferung. Nach dieser gilt das Bärenhaus in Kirchberg als ehemaliges Kloster, das mit dem Bärenhof in Oberstockstall durch unterirdische Gänge in Verbindung gestanden sein soll; auch sollen im Bärenhaus in Kirchberg am Wagram bald Nonnen, bald Mönche gewohnt haben.
Aus dem Jahre 1659 liegt ein Lutzkaufbrief (Teilkaufbrief) vor betreffs des von dem löbl. N.Ö. Herrn Verordneten dem H. Jakob Probst zu St. Dorothea und dem Capitul um eine Summe Gelts verkaufte halbe Nutz oder duplirter Zapfenmoa (Zapfenmaaß = Weinsteuer) zu Oberstockstall und auch ganzen Datz (Tazgefälle, Schank- bzw. Getränkesteuer) in dem zunächst gelegenen Dorfe Melana (Mallon) (Archiv des ehemaligen Stiftes St. Dorothea in Wien, derzeit Stift Klosterneuburg, Ladula Z. Nr. 17).
 
Als die n.ö. Stände die Tazgefälle an die einzelnen Herrschaften verkauften, erstand Propst Jacob Niernberger (von 1642 – 1662 Propst des Stiftes St. Dorothea zu Wien) den Taz zu Oberstockstall um 850 fl und den vom naheliegenden Dörfchen Malowen (=Mallon) um 150 fl. (kirchliche Topographie 1836 XV. Band Seite 110).
In einem Vergleiche zwischen dem Domkapitel zu Passau und dem Stifte St. Dorothea in Wien wurden 1725 die beiderseitigen Streitigkeiten in dem "Ambt Oberstockstall" beigelegt.
(Original Vergleich im Archiv des ehem. Stiftes St. Dorothea, derzeit im Stift Klosterneuburg verwahrt: Ladula Z Nr. 18).
1731 05.09. ging Propst Ferdinand II. Adler zu St. Dorothea mit dem Jesuitencollegium zu Krems als Herrschaft Winkelberg, nachdem ein langwieriger und kostspieliger Prozess über einen Freihof zu Oberstockstall, der Schwan- oder Gestättenhof genannt, nach der Herrschaft Winkelberg (so dem Collegio Soc. Jesu in Crembs angehörig) durch mehrere Jahre geführt worden, ein Vergleich ein, durch welchen das Stift an seinem Tazgefälle nicht ferner gekränkt werden sollte.
(Original im Archiv des ehem. Stiftes St. Dorothea, verwahrt im Stifte Klosterneuburg verwahrt: Ladula Z Nr. 19; kirchliche Topographie XV. Band S. 120).
 
Als im Jahre 1782 der Propst von St. Dorothea zu Wien, Ignaz Müller starb, vereinigte Kaiser Josef II. dieses Stift mit dem Stifte Klosterneuburg und der Propst Floridus von Klosterneuburg wurde zum Administrator der Dorotheer Stiftsgüter bestellt und dem dortigen Capitel als Vorsteher gegeben.
1786 erfolgte jedoch die gänzliche Auflösung des Stiftes St. Dorothea. Propst Floridus blieb auch jetzt noch der Administrator der Dorotheer Stiftsgüter, die endlich im Jahre
1802 unter Propst Gaudenz Dunkler in den vollen Besitz des Stiftes Klosterneuburg übergingen. Kaiser Franz hatte sie dem Stifte aus kaiserlichem Großmut geschenkt.
Es gingen damals an das Stift Klosterneuburg über:
Die Grund- und Ortsobrigkeit von Oberstockstall, ferner von Rauchenwart, Neustift am Walde und Gersthof, weiter ein Wald bei Kalksburg, dann Wulzendorfer- und Göllersdorfer Zehenten (Hormayer, Geschichte Wiens; Topographie von N.Ö. 1903 V. Band s. 236).
 
Laut Gülteinlage Nr. 155 (siehe Schweickhardt) überließen die Jesuiten ihren Dorotheerbesitz im Jahre 1755 dem passauischen Domkapitel.
Mit der Säkularisation des ganzen Passauerbesitzes durch den Reichsdeputationshauptschluss 1803 kam der ganze Passauerbesitz, somit auch der aus dem Dorotheerbesitz stammende Teil an den Cameralfond, der von 1806 ab von der k.k. Staatsgüteradministration verwaltet und 1866 versteigert wurde.
Falls den Jesuiten noch irgend ein Grundstück der Dorotheerherrschaft bis zu ihrer Auflösung im Jahre 1733 verblieben ist, ging dieses Stück denselben Schicksalsweg, den die Herrschaft Winkelberg bei Auflösung des Jesuitencollegiums 1773 gegangen war, nämlich Überführung in den Religionsfond, Verwaltung durch die Staatsgüteradministration und Versteigerung bezw. Ersteigerung durch Ignaz Fournier im Jahre 1826.
 
Das Stift St. Dorothea wurde 1786 aufgelöst, die Stiftskirche zum Gebrauche des Versatzamtes verwendet, das Stift unter die Administration von Klosterneuburg gestellt. Nach Auflösung des Stiftes veräußerte man die Besitzungen. Die nicht abverkauften Stiftsgüter übernahm der Propst zu Klosterneuburg gegen eine bestimmte, dem Religionsstand jährlich zu entrichtende Summe. Er führte den Namen Administrator Dorotheensis. Schließlich wurde 1802 nach weiterem Abverkauf das noch übrige Vermögen des gewesenen Stiftes St. Dorothea mit jenem von Klosterneuburg gänzlich vereinigt. Das Archiv wurde dem Stift Klosterneuburg übergeben, wo es sich heute noch befindet. Es verwahrt in Ladula Z unter Nr. 20 die Rechnung über die 1781 in der Grundbuchbesitzung Oberstockstall eingenommenen Gelder, unter Nr. 21 die Rusticalfassion über Oberstockstall Dd 13.03.1749 und unter Nr. 23: den Process mit der Pfarre Kirchberg am Wagram in Betreff der Grenzen von 1638 – 1658).
 
Bis zum Jahre 1459 besaß der Deutsche Ritterorden die Dorfherrlichkeit in Oberstockstall. Über die Besitzverhältnisse des Deutsch-Ordens gibt uns dessen Urbar aus dem Jahre 1341, wie bereits angeführt, Kunde.
Dieses Urbar weist zu
„Stockstall               8 Lehen, 2 Hofstätten, 1 Garten und Überlandäcker, ze
Ottenthal                  2 Lehen, ze
Engelmarsprunne 2 Lehen und Überlandäcker“,
und Lehen an anderen Orten der näheren Umgebung aus.
 
Als 1459 das Chorherrenstift St. Dorothea in Wien den Besitz des Deutschen Ordens in Oberstockstall erwarb, übernahm es auch die Dorfherrlichkeit.
1786 wurde das Stift St. Dorothea aufgelöst. Die Abwicklung der sich hieraus ergebenden wirtschaftlichen Vorkehrungen wurden vom Propst des Chorherrenstiftes Klosterneuburg als "Administrator Dorotheensis"  durchgeführt.
 
Neben der Dorotheer Herrschaft in Oberstockstall bestand eine zweite Herrschaft- die dem Domkapitel des Hochstiftes Passau angehörige Herrschaft, die im ersten Abschnitt behandelt ist. Diese passauisch domkapitlische Herrschaft bzw. Pfarrherrschaft umfasste, wie aus dem Vordruck der bereits zitierten Rustical-Fassion aus dem Jahre 1750 hervorgeht, die Pfarre Kirchberg, die unierte Pfarre Bierbaum, Etsdorf, Fels und Ruppersthal (und nicht Oberstockstall).
1806 verlor infolge des Reichsdeputationshauptschlusses vom Jahre 1803 das passauische Domkapitel seinen ganzen Besitz in Österreich. Damit ging auch die domkapitlische Herrschaft, die ihren Sitz im Schloss Oberstockstall hatte, an den Kameralfond über, der von der Staatsgüteradministration verwaltet wurde.
Die beiden Herrschaften wurden nun zusammengefasst und der Staatsgüteradministration   anvertraut.
Dies bezeugt auch Schweickhardt in seiner Topographie.
 
 
Die Abgrenzung der Dorotheer Freiheit:
 
 
Das Banntaiding über das Gut und Amt Oberstockstall 1614 (abgedruckt in Niederösterreichische Weistümer, herausgegeben von G. Winter), 2. Band gibt die Grenzen an, "wie weit sich St. Dorothea Gottshauß jurisdiction erstrecken thuet":
Es heißt (gekürzt wiedergegeben):
"des closter St. Dorothea pan und freihung zu Oberstöckhstall hebt an im Dopelgraben bei Khirchberg in Tieffen thal genant bei ainem pächl, also bei einem pierenpaumb stehen theet ain marchstain alda sich Oberstockhstaller und Engelmansprunerische freiheiten anfangen, welcher Marchstain halb gehn Oberstockhstall und halb gehn Engelmannsprun gehöret; von solchen paum und Stain neben der Engelmannspruner grünt an in Dopel der höch hinauf auf ainen pietstain am fartweg und von danen auf ain pietstain auf den andren biß auf den Mayrgraben, darnach biß auf den Veitenacker deß lang er ist, darnach biß hin auf den Gräßingerweg biß auf 4 Joch die in den pfarrhoff gehören, dan auf die denk Handt bis aufs gemerk ab biß mitten in den Dopel auf einen driecken schaitstain in der teuf zu ent der gmain wisen so Engelmanspruner, Oberstockhstaller und Ottenthaller gründt schaiden thuet, und darnach  von dießem großen schaitstain fort über die hoch hinauß neben der Ottenthaller grünt, wiederumben dennen   pietstainen nach biß auf der Ottenthaler creüz, von dem creüz gegen über aufwerths auf die rechte hant, mitten durch die acker so in die Ottenthaller und OberStockhstaller freiheit gehörig sint biß zu den negst volgenden marchstain zwischen Välentin Weber und Leonhardt Kandtner äcker, von dennen wider einwerts dem dorf zue durch die acker der furch nach zum negsten schaitstain so schneident ist zwischen Geörgen Pueln und Hanßen Claßner ackern am eck auf der höch, mit der schneit abwerts auf den dorfgraben oder sant zwischen Ottenthall und Ober-Stockhstaller freiheiten, recht hant den stainen nach abwerts dem rain oder graßweeg nach bis ans eck auf's Bernhardt Lacher acker stoßent, allda ain pietstain stehet, von dißem stain einwerts gegen Ottenthall der tüefen zue zum negsten gruntpietstain am dorfgraben, von dannen wider nach zwerch aufwerts gegen Roppoltsthaller weeg, von solchen an uber den weeg und graben, zwerch uber des Niclas Märrl acker auf ainen pietstain am perg ins eck, von solchen hinüber am perg, hinauf den Roppoltsthaller weeg, neben Ottenthaller freiheit hinauf auf Roppoltsthall zue hin am perg, zwischen des Clement Paders und Leonhardt Eigenperger acker, zwischen der acker entzwerch am gwent fort biß in die höche an des Stephan Arnstorffer zu Ottenthall zwerchacker und Leonjardt Dinpeckhen zu Ober-Stockhstall acker, alda ain eckfurch, von solcher zwischen beeder äcker der furch nach oder waßrain nach hinauf den Öchselberg anß ent beeder äcker und fort hinüber aufs creüz hinauß, von dannen wider neben Roppoltsthaller, Winckhlberger und MitterStockhstaller grünten dem farthweeg nach hinein biß in den Tüefen weeg, dan den Tüefen weeg nach hinein auf den Schwanhoff, und dan in weeg nach der zeil hinab mitten des farthweegs biß zu den Ellaprun, von solchen neben des pfarrhoffs garten biß auf daß Padtgäßl neben des Niclas Claßner hauß hindurch, über den farthweeg hindurch auf des pfaarhoffs praiten und des Hanßen Spanickh zu Ober-Stockhstall acker auf ainen großen schaitstain, von solchen an zwischen des pfarrhoffs und Hannßen Spanickhen acker hindurch, dem waßrain nach hin biß in den Doppelgraben oder Tieffenthall wieder zum pächl zu ainen marchstain und pierpaumb, allda sich Ober-Stockhstaller und Englmanspruner freiheiten anfahen und sich auch Ober-Stockhstaller freiheit schließen thuet".
 
 
Transkription: Andreas Nowotny Juni 2013
 
Allfällige Anmerkungen des Transkriptors sind in Times New Roman  eingefügt.
 
 
Oktober 2015
Andreas Nowotny