Brandstiftung in Kollersdorf und Gigging

 

 

 

 

Gerichtsverhandlung vor dem k.k. Kreisgerichte Korneuburg am 15. Oktober 1858 wider Josef Hlaw. wegen Verbrechens der Brandlegung.

Vorsitzender: Herr Landesgerichtsrath Obermüller.

Staatsbehörde: Herr Staatsanwalt-Stellvertreter Grinzenberger.

Vertheidiger: Herr Dr. Bernatzik, Landesadvokat.

 

     In der Nacht vom 25. auf den 26. Juli d. J. wurden die Bewohner von Kollersdorf im Bereiche des k.k. Bezirksamtes Kirchberg am Wagram durch Feuerlärm aufgeschreckt. Ein Strohschober, welcher innerhalb der Planke des an der Straße nach Gigging gelegenen Gartens beim Haus des Eib. aufgehäuft war, stand in hellen Flammen, hatte bereits die umstehenden Fruchtbäume versengt und drohte die Flamme auch auf die nächststehende mit Stroh gedeckte Scheune und das Wohngebäude auszubreiten, als es den herbeigeeilten Leuten mit aller Anstrengung gelang, das Feuer zu löschen, welches bei weiterer Ausdehnung bei der Masse des feuerfangenden Materials, indem die Fechsung bereits in den Scheuern eingebracht war und sämmtliche Wohngebäude, Stallungen und Scheuern mit Stroh und Schindeln gedeckt sind, furchtbare Verheerung hätte veranlassen können.

     Kaum aber hatten sich die Einwohner von dem Schrecken vor der drohenden Gefahr erholt, so schlug die Feuersäule in dem benachbarten, ungefähr eine Viertelstunde weit entfernten Orte Gigging Nachts um halb 3 Uhr empor.

     Von einer zum Hause Nr. 4 gehörigen rückwärths im Hausgarten neben dem Fußsteig vom Hause nach Altenwörth gelegenen Scheuer, deren Strohdach bis auf eine Höhe von 5 ½ Schuh auf den Erdboden reichte, verbreitete sich die Flamme auf die umliegenden Scheuern und legte drei derselben und das Wohngebäude des Schach. am Ende des Ortes sammt Fruchtvorräthen und Utensilien in Asche.

     Glücklicherweise unterstützte die herrschende Windstille und die feuerfeste Dachung der gegenüberstehenden Nachbarhäuser die Bemühungen der Löschenden, so daß das Feuer nicht weiter um sich griff, nichtsdestoweniger wüthete der Brand bis zum Mittag des nächsten Tages und verzehrte die ergriffenen Objekte derart, daß auf den Brandstellen nur das Mauerwerk übrig blieb.

Einer der Löschenden erlitt bedeutende Brandwunden und eine siebzigjährige Ausnehmerin, welche sich mit den Kindern ihrer Tochter nach Altenwörth flüchten wollte, wurde während der Verwirrungen gestoßen und erlitt einen lebensgefährlichen Beinbruch.

Der Gesammtschaden wird bei 5000 fl. angeschlagen.

     Schon während des Feuers fiel der Verdacht der Brandlegung auf Joseph Hlaw., 30. Jahre alt, Knecht bei Johann Berw. in Altenwörth, der ihn als Findling aus dem Wiener Findelhause in seine Pflege übernommen hatte und sohin in seinen Diensten beließ, obschon er wegen Diebstahl schon zweimal abgestraft worden war.

     Josef Hlaw. wurde schon vor dem Brand in Kollersdorf in der Nähe der Brandstätte von Zeugen gesehen und da der Brand nach seinem Weggehen alsbald ausbrach und er vorher im Wirthshause zu Kollersdorf Streit gehabt hatte, für den Thäter gehalten und am 26. Juli am Hause des Berw., wohin er Morgens zurückgekehrt war, verhaftet.

Joseph Hlaw. legte in der Voruntersuchung und bei der Schlußverhandlung das Geständnis ab, daß er an beiden Orten Brand gelegt, zeigt aber keine Spur von Reue über das verübte Verbrechen.

     Am 25. Juli ging Hlaw. nach seinem Geständnisse Nachmittags 2 Uhr vom Hause nach Kollersdorf in das Gasthaus und gesellte sich zu den Kollersdorfer Burschen, welche sich mit Kegelscheiben unterhielten; als er jedoch merkte, daß den Burschen seine Gesellschaft nicht angenehm sei, so wurde er aufgebracht und zwar um so mehr, weil ihm der Wirth seinen Rock als Pfand für die schuldige Zeche zurückbehielt.

     In dieser Stimmung und durch den Genuss des Weines aufgeregt, verfiel er bei dem Weggehen um halb 11 Uhr Nachts auf den Gedanken Feuer zu legen, um an dem Wirthe und den Kollersdorfern Rache zu nehmen.

Er zündete demnach ein Streichhölzchen an, brannte sich damit eine Zigarre an und warf das brennende Zündhölzchen in den vorbeschriebenen Strohschober, in der Meinung, hiedurch die Feuersbrunst in dem Gasthaus zu veranlassen.

Ohne sich jedoch um das Weitergreifen des Feuers, das alsbald ausbrach, zu bekümmern, ging er weiter nach Gigging und wollte dort die Dienstmagd des Dan., Hausbesitzer in Gigging, besuchen. Als er jedoch in den Hof des Hauses eintrat, schlug der Haushund an. Dies bewog ihn umzukehren und rückwärts an der Scheune des Dan. hinaus zu gehen.

     In seiner mißmuthigen und durch das Fehlschlagen des beabsichtigten Besuches noch mehr aufgeregten Stimmung zündete er nun abermals ein Zündhölzchen an und steckte das Strohdach der Scheuer in Brand.

     Nachdem er sich überzeugt, daß das Feuer gefangen, schlug er den Weg auf die Wiesen außer dem Orte gegen Altenwörth ein, sah sich nach der Feuersbrunst um, legte sich endlich in einen Weizenacker nieder und schlief etwa einige 100 Schritte vom Thatorte während der Verwirrung des Brandes bis zum Anbruch des Tages.

     Hierauf ging er theilnahmslos in seinen Dienstort zurück und wurde sohin von der Gendarmerie verhaftet.

Auf Grund dieses mit den Erhebungen übereinstimmenden Geständnisses erkannte der Gerichtshof den Joseph Hlaw. des Verbrechens der Brandlegung schuldig und verurtheilte ihn zur Strafe des schweren Kerkers in der Dauer von fünfzehn Jahren.

Der Verurtheilte vernahm das Erkenntnis mit demselben Stumpfsinn und Gleichmuth, welchen er während der ganzen Verhandlung zur Schau getragen hatte und trat die Strafe sogleich an.

 

 

 

Quelle: ANNO, Österreichische Nationalbibliothek

 

 

Juli 2014
Maria Knapp