Besitz- und Herrschaftsverhältnisse

in Neustift im Felde und Winkl

 

Letzte Änderung: 8.2.2015

 

Inhalt:
1. Anfänge
2. Herrschaft Definition
3. Zehent
4. Leibeigenschaft
5. Robot und andere Dienste
6. Gült
7. Stiftgeld
8. Dominikalgut – Salland
9. Frühes Mittelalter
10. Vogtei
11. Orts-Dorfobrigkeit – Neustift (Winkelberg) – Winkl
12. Bereitungsbuch
13. 1848 Bauernbefreiung
14. Sicherheit
15. Gerichte (Thing)
16. Quellenverzeichnis

 

1. Anfänge

Grundbesitz war seit der Antike für die Menschen wichtig, da er deren Lebensgrundlage  bildet.

Die Anfänge über die Besitz- und Herrschaftsverhältnisse in unserer Gegend liegen im Dunkeln, einige Herrschaftsansätze lassen sich aber schon aus der Hallstatt-, La Téne- und Römer- und Germanenzeit erahnen und zwar bei Gösing, Seebarn/Wora, Waasen/Werd, Grafenwörth, Feuersbrunn, Fels, Oberstockstall/Kirchberg am Wagram/Neustift/Winkl, Königsbrunn, Hippersdorf/Absberg, Groß Weikersdorf, Gaisruck, um nur einige zu nennen. Hier wurde bereits Ackerbau betrieben und es entstanden in der Regel Verkehrs- und Handelswege und es galt, diese abzusichern (Kamboi, Rakater,Boier, Markomannen, Römer, Rugier).

Siehe auch http://www.haleberg.at/

Im römischen Reich gab es einerseits Großgrundbesitz (Latifundien) auf denen der Besitzer Sklaven einsetzte und andererseits kleinbäuerlich ausgerichtete Landwirtschaft zur Eigenversorgung der Familie, z.B. vom Staat an Veteranen nach Ableistung des Wehrdienstes vergebenes Land.

Bei den Germanen waren während der Zeit Julius Cäsars 51 v. Chr. die Felder offenbar nicht Privateigenum, sondern wurden jährlich unter den Sippen aufgeteilt. 1) 

Nach Tacitus , 98 n. Chr. "wurde das verfügbare Land jedes Jahr an Einzelpersonen je nach ihrem sozialen Status vergeben.
Die sozialen Einheiten waren Sippe – Gau - Stamm. Anfangs wurde lediglich in Kriegszeiten, später auch in Friedenszeiten ein Anfüher (Fürst) gewählt (Pkt. 7), dessen Macht durch einen Rat der Adligen und eine Versammlung der Krieger beschränkt war. Aus diesen Fürstentümern enwickelte sich später ein von den Freien abgesonderter Adel, aus dem sich das germanische Königtum herausbildete. Die Gesellschaft bestand aus Freien, Halbfreien und Sklaven". 2)

 

2. Herrschaft - Definition

Unter Herrschaft versteht man einen Machtbereich, der "Herrschaftsgewalt" voraussetzt, die durch "Waffenfähigkeit" durchgesetzt wurde. Der Bauer war nicht nur mit den bewirtschafteten Grundflächen sondern meist auch mit mit seiner Person diesem Machtbereich eingeordnet. Die Herrschaftsgewalt diente aber auch dem Schutz der der Herrschaft eingegliederten bzw. untergeordneten Personen nach außen. Der Mittelpunkt der Herrschaft war ein "Festes Haus" (Burg) von dem aus sie in ihrem Herrschaftsbereich über Grund und Boden und die darauf lebenden Menschen (Grundholden) verfügte. Dieses System beruhte auf gegenseitigem Treueverhältnis.

 

3. Zehent

Die Zehentabgaben werden schon im Alten Testament erwähnt, waren ursprünglich Abgaben auf Grundbesitz an die Kirche und wurden im europäischen Christentum erstmals schriftlich in der Viti Sancti Severini (Lebensbeschreibung über den Hl. Severin) im Jahr 511 von Eugippius verfaßt, erwähnt.3)

Um die in der Vita beschriebene Zeit  bestand nördlich der Donau das erste Rugische Königreich unter Flaccitheos (ca. 467 bis 487) 4),  und danach unter dessen Sohn Feletheos, die in Stein/Donau residierten. Auch in Kirchberg am Wagram soll eine rugische Burg gestanden haben 5).

Es wird berichtet, dass die Rugier mit der angestammten Bevölkerung engen Handel betrieben und Tribut eingehoben haben. Feletheos wies der aus Noricum westlich der Enns, das um diese Zeit von den Herulern, Thüringern und Alamannen verwüstet worden war, flüchtenden Bevölkerung in seinem Reich Siedlungsplätze zu.

Die Rugier waren schon großteils Christen, doch hing zumindest die herrschende Schicht dem Arianismus an, wovon sie Severin zum Katholizismus bekehrte, sie dürften daher der Kirche auch den Zehent gegeben haben.

Ähnlich wie unter den Rugiern wird später unter der Langobardischen und Herulischen Besetzung die Herrschaft über die anstämmige Bevölkerung ausgeübt worden sein.

Papst Gregor II. schrieb  dem Kirchenorganisator Bonifatius in Bayern im Jahre 722 vor, die Zehenteinkünfte in vier Teile aufzuteilen, wobei ¼ für Bonifatius selbst, ¼ für die betreffenden Geistlichen, ¼ für die Armen und ¼ für den Kirchenbau vorgesehen war.

In dieser Zeit war unser Gebiet noch vorwiegend den Awaren unterworfen und  man kann annehmen, daß die Awaren auch die Herrschaft über Grund und Boden ausgeübt haben.Sie sollen auch Weinbau betrieben haben24). In ihrem Machtbereich war das Land, die „Avaria“, zum Teil von slavischen Bauern besiedelt (Gösing?, Groß Weikersdorf? u.a.m.).

Die Awaren wurden durch Karl den Großen in den Jahren 791 bis 803 besiegt und die sog. „Awarische Mark“ unter dem Präfekten des baierischen Ostlandes  bzw. Markgraf Gerold eingerichtet. Die Awaren wurden zwangschristianisiert und  zum Teil assimiliert.

Über die Awaren: http://de.wikipedia.org/wiki/Awaren.

„Die fließende Grenze zwischen Bayern und Mähren verlief etwa an der Linie oberer Kamp, (Gars)- Gösing am Wagram-Groß Weikersdorf-Stockerau“. 6) 

Die Encyclopädie  „AEIOU“ unter http://www.aeiou.at/aeiou.encyclop.z/z200836.htm  gibt über den Zehent folgende Auskunft:
"Zehent, zehnter Teil der Feldfrucht als Abgabe zum Unterhalt des Klerus, eingeführt mit der Christianisierung im Mittelalter. Ein Drittel des Zehents stand dem Diözesanbischof zu, der Rest dem Lokalklerus. Der Zehent lag auf allen untertänigen Gründen, begründete aber selbst keine persönliche Abhängigkeit vom Zehentherrn. Zehentrecht wurde daher bald eine frei verkäufliche Rentenform, vielfach auch von weltlichen Herren und selbst Bürgern erworben. Zehentfrei waren nur Sonderkulturen oder Neubrüche (auf bestimmte Zeit). Eingehoben wurde der Zehent als Feldzehent (jedes 10. Kornmandl) oder als Sackzehent von der ausgedroschenen Feldfrucht; erstere Form wirkte sich nachteilig auf die Landeskultur aus; als Abgabe auf Vieh (hauptsächlich Kleintiere) wurde der Blutzehent eingefordert. Der Zehent wurde 1848 abgeschafft." 

Über Abgaben berichtet Tacitus:
"Den Gemeinden ist es Sitte, von selbst und Mann für Mann den Oberhäuptern entweder etwas an Vieh oder an Früchten darzubringen, was als Ehrengabe entgegengenommen auch den notwendigen Bedürfnissen abhilft (Pkt. 15)". 2)

"Nach fränkischem Recht gehört das eroberte Land dem König; er gibt Teile davon an geistliche und weltliche Große". 8)

Diese bewirtschafteten die Grundflächen entweder selbst oder verliehen sie an Lehensnehmer weiter.

Der Zehent war eine Holschuld des Zehentherrn, und bestand bis 1848.

Meist gab es "großen" Feldzehent (Holz,Halmfrucht, und Weinzehent), "Kleinen-" auch "Kuchlzehent" (Tierjunge, Tierprodukte und Gartenerzeugnisse, Rüben). 

Das Kastenamt Stein /Donau, an welches der Zehent für Passau abzugeben war, schreibt in ihrer "Beschreibung aller Stückh-Zehent und Gülden des Hochfürstlichen Passauischen Casten-Ambts Stain im Erzherzogthumb Österreich under der Ennß, in allen vier Vierteln des Landes gelegen im Jahre 1708" für Neustift:

"Alhir an disem Orth und in derselben Freyheiten, hat das Hochfürstl. Passau: Castenambt Stain halben Zehent, und halben die dennen Hfl: Jesuiten zu Crembs, angehörige Herrschaft Winckelberg....

....Saffran Gärtten hat es a. 1697 alhir geben 106. die nun immer verändert, bald mehr: bald weniger gemacht werden, davon wirdt der Zehent auch eingefordert, und gegeben. Weinzehent, von solchen ist alhir nichts, denn es keine Weingartten alhir gibt. Kleinzehent, würdt gehoben von Kraut, und rurben."..... 

Über Winkl, das nicht extra ausgewiesen ist:

"So ist auch zu wissen, daß zu: und in diesem Neustüffterischen Zehent noch gehörig,und damit von alters her eingerechnet, und under einstem verbständet worden, daß an der seiten deß Dorffs Neustifft, negst an der Au, ligente, und der Herrschaft Gravenegg, mit Dorff Obrigkeit undergehörige Dorff Winckel; welcher orth keine beysammen ligente Velder hat;...." 7)

Die östliche bzw. südliche Zehentgrenze verlief "von der "Hafnerstraß" .....biß zu der Winckler Kirchen, so dann von der Kirchen hinüber neben der Winckler gmain,zur Fuxberger Au, an der hinauf, bis auf die Enggassen, als dann in der Enggassen hinaus, biß über die Waidt, und Wasserlauff, bis auf das Prinndl, von selbigen linke Handt neben der Äcker und Viehwaidt hinauff bis auf die undere Haniffgrurben, von dann am Wasserlauff hinauff, bis auf die ober Haniffgrurben, als dann über äckh rechte Handt hinüber, biß auf den Bietstein (heute steht dieser Stein auf dem Ludwig-Piffl Platz) welcher in des Franz Mathia zu Gigging Wisen, in einer deren Stauden stehet, dann hinführ biß auf den Lodersteig, rechte Handt am Steig hinauß, bis auf die Oxenstrass zu dem Neustiffter Diebsstain, so dann vom Stain an den Lodersteig........" 7)

Parz ist extra ausgewiesen:

"Dies ist kein Dorff oder bebauter Orth: sondern ein also genantes Veldt, so gleich underhalb Neustüfft ligt; stossent auf den Neustüffter, under Stokhstaller und Bierbaumer Zehent, und zwar der mehriste Theill desselben, ligt in Neustiffter Freyheiten, und auch ein Theill in Under Stokhstaller Freyheiten, alles aber in Kirchberger Pfarr. 
Alhir auf disem Veldt und Gründten, hat das Hochfürstl: Passaul Castenambt Stain durchgehents halben Zehent, und halben die Dietrichstainische Herrschaft Nussdorf negst Träßmaur." 7)

Dörfl: "Alhier an diesem Orth und derselben Freyheiten, hat das Hochfürstl. Passau: Castenambt Stain halben Zehent, und das Closter Sessenstein (Säusenstein) den anderen halben Theill, ausgenommen deß genannten Kuchlzehent, dessen 13 Joch aker sindt, und auf solchen der ganze Zehent alhir von der Pfarr Kirchberg am wagramb, gehoben und genossen wirdt." 7)

Von der Herrschaft Gobelsburg (1 Haus in Neustift) wurde ein sog. "Hausdienst " (in Geld abgegoltener Kuchlzehent wie Eier, Federvieh, Fleisch, Schmalz etc.) verlangt.

 

4. Leibeigenschaft

Nach der spätrömischen Sklaverei und den sog. „servi casati“ der Karolinger und Ottonen entstand die sog. Leibeigenschaft im Hochmittelalter ca. (1050 bis 1350).

Die Leibeigenschaft ist ein sehr komplexes Thema mit vielen Variationen je nach Gegend und Grundherr „nach altem Herkommen“ verschieden.

Der Grundbesitzer hat seinen Grund und Boden in der Regel mit allen darauf lebenden Menschen (Bauern u. deren Gesinde) besessen.

In der Raffelstettener Zollordnug aus dem Jahre 902  - 906 ist noch dezitiert von Sklavenhandel auf der Donau die Rede.

Von der Sklaverei unterschied sich die Leibeigenschaft insofern, daß der Leibeigene keine handelsfähige Ware war.

 

5. Robot und andere Dienste

Der Leibeigene war für die Überlassung von Grund und Boden und Schutzgewähr einerseits zu Frondiensten (Robot), (das sind „Hand- und Spanndienste„, auch „Handrobot“ bzw. „Zugrobot“ genannt und „Fußrobot“ = Botengänge) verpflichtet, andererseits mußte er Naturalabgaben (später Geldabgaben = Gültsteuer und Stiftgeld) leisten und durfte nicht  vom Gut seines Leibherrn wegziehen. Dadurch wurde die Landflucht verhindert. Der Hörige unterlag meist der Gerichtsbarkeit seines Herrn und durfte nicht ohne seine Erlaubnis heiraten oder einen Beruf ausüben.

Näheres darüber siehe 

http://www.aeiou.at/aeiou.encyclop.l/l410000.htm ,   http://de.wikipedia.org/wiki/Leibeigenschaft  , http://de.wikipedia.org/wiki/Feudalismus

sowie http://www.jku.at/kanonistik/content/e95782/e95785/e95786/e95794/e104403
/e104407/e98358/AufhebungderLeibeigenschaft.pdf

und  „Die Unterthans Verfassung des Erzherzogthums Österreich ob und unter der Enns von Anton Engelmayr Wien,1816“ 

„Es fehlte nicht an Versuchen der Landesherrn, eine Besserung für den Bauernstand herbeizuführen und durch gesetzliche Maßnahmen sein Los zu mildern.

Kaiser Leopold erließ 1679 seinen „Tractatus de juribus incorporalis“, in dem er die Rechte im Dorfe regelte. Die Robot konnte sogar durch Geld abgelöst werden. Der Zehent wurde genau festgelegt. ....

...Doch diese Verordnung wurde nicht durchgeführt, da die Grundherren keines ihrer Rechte aufgeben wollten und das Gesetz sabotierten...

... Erst unter Kaiserin Maria Theresia sollten die Zustände in der Landwirtschaft besser werden....

... Zum Schutze der Untertanen wurden die Kreisämter errichtet, sie nahmen Beschwerden der Bauern und auch der Grundherren entgegen“, die Herrschaften mußten nun auch die Steuereinhebung übernehmen. .....“8)

Maria Theresia ließ auch den „Theresianischen Kataster“ anlegen, über herrschaftseigene Günde die sog. „Dominical – Fassion“ und über Gründe in „unterhäniger Hand“  die sog. „Rusticalfassion“. In erster war auch die zu leistende Roboth, jedoch in Gulden z.B. für die Herrschaft Oberstockstall  112 Fl „Natural-Robath mit dem Zug“ (von jedem Unterthanen 8 Fl für 35 Tage) bzw. 372 Fl „Natuaral Robath mit der Hand“ (von jedem Unterthanen 4 Fl für 35 Tage).

 

6. Gült

Darunter versteht man verschiedene Steuern, die der Grundherr einerseits seinem Landesherrn z.B. zur Ausrüstung eines Heeres leisten musste.

Andererseits hob diese Gült der Grundherr wieder von seinen Untertanen ein.

Deren Höhe wurde  vom Landesherrn „begehrt“ und begründet, von den Ständen auf den „Landtagen“ unter Vorbringen allfälliger Einwände bewilligt, und sodann auf Grund des „Gültbuches“, in dem der Besitz des einzelnen Grundherrn festgeschieben war, berechnet.9)

Die Gült oder Gilt war in der Regel als Naturalabgabe, später als Geldabgabe zu leisten (Georgidienst = 23. April). Näheres siehe

http://de.wikipedia.org/wiki/G%C3%BClt_(Steuer)

Gültbücher wurden in der Mitte des 16.Jhdts. eingeführt.

Bild 1 Altes Grundbuch von Neustift nach dem Zehentprotokoll von 1778, abgeschrieben von Dorfichter Anton Baum im Jahre 1834. (Archiv der Volksschule Kirchberg am Wagram) 

 

7. Stiftgeld

oder „die Stift“ war eine Geldabgabe, die alljährlich zur Stiftzeit, um Michaeli = 29. Sept., an den Grundherren für die Überlassung des Lehens  zu zahlen war.

Im „Grundbuch über die Passauische Herrschaft zu Oberstockstall“ aus 1720 war diese „Stift“ sodann als „Grunddienst“ eingetragen Z.B.:
„Lib.E. fol. 137.

Ein Behaustes Guett, und Würtshaus zu Neustifft, neben nachfolgenden anerkhainnen, gibt jährlichen Grunddienst umb Michaeli                                                                   5 fl.“ 

darüber die Bemerkung, daß dieser Grunddienst im Jahre 1853 zufolge Erlasses der k.k. Statthalterei wegen des auf diesem Hause ausgeübten Wirthsgewerbe auf 7 fl.erhöht wurde. Darunter sind die einzelnen Besitzer und Anrainer der Reihe nach eingetragen.

 

8. Dominikalgut / Salland

 War das Land in unmittelbarer Beherrschung, das für den Eigenbedarf des Grundherrn bestimmte Gut (Wirtschaftsentwicklung in der Karolingerzeit von  Alfons Dopsch, 1921)

"Da der Grundherr den größten Teil seines Landbesitzes nicht selbst bewirtschaftete, gab er an andere Grund und Boden zur Bewirtschaftung aus. Lediglich das Salland stand unter Eigenbewirtschaftung der Herrschaft selbst. Es war den Fronhöfen zugeordnet, die von einem beamteten Vertreter verwaltet und bewirtschaftet wurden. Im Untersuchungsraum (Bistum Passau) werden diese Amtleute meist Meier genannt, ihre Höfe daher Meierhöfe.101 Das Salland102 war aber im Verhältnis zur gesamten Herrschaft in der Regel nur klein und schmolz im Zuge der zunehmenden Ablösung der Naturalwirtschaft durch die zunehmende Geldwirtschaft zudem mehr und mehr zusammen. Das Einkommen des Grundherrn entwickelte sich folglich weg von den Naturalabgaben hin zum Geldzins.

101 Dabei gab es eine Entwicklung von den Meiern, die ursprünglich „im Auftrag eines Grundherrn eine Villikation verwalteten“, hin zu denjenigen „Leiheninhaber[n], die die größten Hofstellen, die curiae, bewirtschaften.“ Dollinger, Bauernstand, S. 390–393. Hier: S. 390.

102 Dollinger, Bauernstand, S. 115–118 und S. 123–127."  13)

 

9. Frühes Mittelalter

In der Zeit um 833 dürfte der Passauische Chorbischof Anno (siehe http://www.hf-kirchberg.at/index.php/abgekommene-orte/hannodorf ), für das Bistum Passau in unserer Gegend eine Kirche errichtet und besessen haben.  Der Grund und Boden hiefür soll ihm von Ludwig dem Deutschen zur Missionierung von Mautern aus geschenkt worden sein (Pfarrer Dedelbacher).

http://de.wikipedia.org/wiki/Raffelstettener_Zollordnung

http://www.mgh-bibliothek.de/dokumente/a/a051956.pdf 

Dr Lechner im Tullner Heimatkalender aus 1953:
"Nachfolger des Karolingischen Grenzgrafen Rapoto ist ein Geschlecht mit Leitnamen Meginhart (später Formbacher), als Grafen im Traungau u. Vögte von St. Emmeram und Niederaltaich nachweisbar.
Im Kampf gegen das großmährische Reich unter dem Fürsten Rastislav spielt das Tullnerfeld sowie die Wilhelminer eine entscheidende Rolle.

Smidaha 857 = Absdorf-Niederaltaich!

Ritterliche Lehen Niederaltaichs in Frauendorf und Winkl.

877 gibt König Karlmann dem Kloster Kremsmünster (Traungau!) in Schmida – Hausleiten inkl. Trübensee, Neu Aigen, St. Michael u. Kirchheim.

Passauer Besitz bis auf den Wagram hinauf bis zur östlichen Grenze des fränkischen Reiches bei Zögersdorf "Mochinle"-Stockerau, auch Grenze des Großmährischen Reiches." 16)

Kremsmünsterer Gebiet Urkunde von 893:

http://www.mom-ca.uni-koeln.de/mom/service/pdf-export?id=tag%3Awww.monasterium.net%2C2011%3A/charter/AT-StiAKr/KremsmuensterOSB/0893_X_22&lang=deu 

"Wilhelm und Engeschalk" 16)
http://de.wikipedia.org/wiki/Engelschalk_II.
http://de.wikipedia.org/wiki/Sventopluk
 

"884: Vertrag bei "Mons comanius" (Kumenberg – St.Andrä/Hagental) zwischen König Karl III.  und Zwentibold (Großmährisches Reich).

890: Zusammenkunft bei Omuntesberg (Klosterneuburg St.Martin) König Arnulf / Zwentibold

Das Kloster Kremsmünster ist am Ende des 9.Jhdt als Eigenkloster an Passau gekommen (angeblich als Schenkung König Arnulfs) so daß ein Großteil des klösterlichen Besitzes an das Hochstift gefallen ist. Dessen Stellung, gerade auch im Tullner Feld wurde dadurch besonders gestärkt. So dürfen wir auch so manchen alten, aber in seiner Herkunft nicht geklärten Besitz des Hochstiftes (Passau) aus dem Übergang von Kremsmünster erklären.

nach 907: Die Karolingische Ostmark und damit das Tullnerfeld lagen den Stürmen der Ungarn offen dar. Schwerer Schaden wurde dem blühenden wirtschaftlichen und kulturellen Leben in allen diesen Gebieten zugefügt. Aber es wurde dadurch nicht ganz vernichtet.  Es blieb, wie uns das Nibelungenlied zeigt, das zuerst im 10 Jh. aufgezeichnet wurde, zum Gutteil unter fremder Herrschaft erhalten und als nach mehr als einem Jahrzehnt das Deutsche Königtum sich neu gebildet hatte und nach einem halben Jahrhundert das Römische Reich wieder erstand, da wurden die östlichen Markgebiete wieder einbezogen und das in der Karolingerzeit Geschaffene lebte in der Ottonischen- und Babenbergerzeit wieder auf.

nach 955: Die alten geistlichen oder weltlichen Grundherrschaften sind fast alle wieder greifbar.

....die Stadt Tulln blieb auch in der Ottonischen Mark unter den Babenbergern zunächst die "Hauptstadt des Landes Österreich".16) 

"Die Ungarn errichteten 907 bis 955 eine Tributherrschaft über die verbliebene überwiegend slavische Bevölkerung". 10) 

976 Belehnung der Babenberger mit der gegen die Ungarn errichteten Mark an der Donau – "Ostarrichi", deren Grenzen diese nach und nach gegen Osten und Norden vorschoben. 

Als sicher kann angenommen werden, dass die Herren von Winkel, die als Gefolgsleute der Babenberger um 1130 urkundlich in Winkl in Erscheinung treten, sofern sie nicht selbst die Gründer Neustifts waren, von Anfang an die Herrschaft über Winkl und später Neustift ausgeübt haben, sie übten neben der Vogtei über St. Stephan in Kirchberg am Wagram auch die Vogtei über die Besitzungen Niederaltaichs zu Absdorf aus.

Über die Herren von Winkl und deren Herrschaft: 

"Als Landesfürstliche Ministerialen bauten die hochadeligen Herren von Winkl ihren Stammsitz, der Wasserburg in Winkl südlich von Kirchberg am Wagram, ihre Herrschaft an der Donau und im Wagramland durch die Gewinnung von Landgerichtsrechten (so auch in Groß Weikersdorf), Vogteien (u.a. über die reiche passauische Kirchenherrschaft in St. Stephan/Kirchberg am Wagram und die Stiftsherrschaft Niederaltaich in Absdorf) sowie durch ein Netz von Herrschaftssitzen (Hausbergen), wo sie Verwandte und Gefolgsleute einsetzten, systematisch aus." 6)

1177 saß ein Sohn Poppos von Winkl, Ulrich auch auf einer Burg in Königsbrunn (Hausberg am Bromberg) 10) .

"Bemerkenswert ist, daß Ortlieb (III.) von Winkl nach dem Aussterben seiner Verwandten nicht mehr Königsbrunn zu seinem Sitz machte, sondern sich für einen Neubau an einem attraktiveren Standort ertschied. Während der herzogslosen Zeit (1246-1251) errichtete er in Mitterstockstall eine Burg, der er den Namen Winklberg gab. An einem wichtigen Verkehrsknotenpunkt gelegen, beherrschte man von dort den bedeutenden Marktort Kirchberg. Über die dortige Pfarrherrschaft St. Stephan am Wagram übten die Herren von Winkl die Vogtei aus und in der Kirche richteten sie eine Grablege ein.10)

Um 1250 teilten sie die Herrschaft in Winkl und Winklberg, wobei sich der Winkelberger Familienzweig auch als Herren von Winkl und Winkelberg bezeichnete. Nach dem Aussterben beider Linien knapp nach 1400 wurde die Wasserburg in Winkl (bis auf die gotische Kirche, die heutige Filialkirche Winkl) abgebrochen, die Burg bzw. das spätere Schloß Winkelberg bestand aber bis in das 18. Jahrhundert. ...." 6)  

"Porz, Oberstockstall, Großweikersdorf - edelfreie Herrschaftsgründer
Im 12. Jh. bestanden im Wagramland auch kleinräumige Herrschaften, die im Besitz von Edelfreien waren. Die in engem Kontakt zum Kloster Göttweig stehenden Edelfreien von Porz sind zwischen 1141 und 1173 urkundlich nachweisbar'. Etwa 100 Jahe später ist Porz, das nur unweit nördlich von Winkl lag, bereits Sitz von Winkler Gefolgsleuten." 10)

 

10. Vogtei

Die „Unterthans Verfassung des Erzherzogthums Österreich ob und unter der Enns von Anton Engelmayr Wien,1816“ gibt über die Vogteiherrschaft folgendermaßen Auskunft:

„Die Vogteiherrschaft besteht in der Verbindlichkeit, die Vogtholden in allen Gefahren zu schützen, und zugleich in dem Rechte, für diesen Schutz von letzteren eine gewisse Abgabe zu fordern. Diese Abgabe wird der Vogtdienst genannt.

Die Vogteyherrschaft findet ihren Ursprung in den Zeiten des Faustrechtes, in welchen die Unterthanen, wenn sie sich durch die Macht ihrer eigentlichen Herren nicht hinlänglich geschützt fanden, in den Schutz eines mächtigeren Herren, jedoch ohne Präjudiz ihres Grundherrn begaben, und sich für diesen Schutz einer Abgabe verbindlich machten. Nicht allein einzelne Unterthanen, sondern auch Gemeinden und Körperschaften erwählten sich solche mächtigere Herren zu ihren Vogtherrn, und leisteten hiefür eine Abgabe, so wie solche gemeinschaftlich festgesetzt wurde.“ 11) 

Der Vogt wirkte also wie ein Anwalt (Advokat). 

Simlinger12) schreibt über die Schutzvogtei:
„Da nach dem germanischen Rechtsgrundsatze ein Geistlicher nicht waffenfähig war, waren Klöster und Pfarren auf den Beistand der dem Adel entnommenen Vögte angewiesen, welche ihre Rechtssachen zu verteidigen und auch deren Untertanen zu schützen hatten. Für ihre Mühe erhielten sie verschiedene Abgaben, darunter auch den sogenannten Vogthafer. Klostervögte entstammten zumeist aus den dem Stifter nahestehenden Familien. Die Vogteirechte waren somit erblich geworden und damit stieg auch die Macht der Vögte derart, daß sie sich geradezu als die Herren der geistlichen Grundherrschaft betrachteten, ohne deren Zustimmung keine Veränderung vorgenommen werden durfte.

Die Herren von Winkel haben seit Beginn der Pfarre Kirchberg die Vogtei über dieselbe besessen. Wahrscheinlich haben sie dieselbe erhalten, weil die Pfarre in ihrer nächsten Nähe - bei Altenwörth – errichtet worden war, sie ein angesehenes Adelsgeschlecht waren und wahrscheinlich der Kaiser sie damit betraut hatte.Tatsächlich ist die Vogtei in ihrer Familie bis Anfang des 15. Jahrhunderts verblieben. Auch über andere Kirchen und Orte hatten sie die Vogtei inne. Ihr oftes Auftreten in Urkunden als Zeugen zeigt von ihrem grossen Ansehen unter den Adeligen der damaligen Zeit. Man kann nur feststellen, daß sie dieses Amt hinsichtlich Kirchberg nur in der besten und gerechtesten Weise ausgeübt hatten.

Als sie aber anfangs des 15. Jahrhundertes abwirtschafteten *)  und bald ein Lehen nach dem anderen verkaufen mußten, ging die Vogteiherrschaft an die Besitzer von Winkelberg, die Verwandte der Winkler waren, über, bis endlich der Pfarrer von Trenbäck mit dem Ankauf des Schlosses Winkelberg auch das Vogteirecht an sich zog und mit der Pfarrherrschaft Ober-Stockstall vereinigte. Wenn auch später nach dem Tode Trenbäcks der Besitz von Winkelberg an meherere Besitzer verkauft und zertrümmert  worden ist, das Vogteirecht bzw. Patronatsrecht ist bei der Domkapitel-Herrschaft Ober-Stockstall geblieben, bis es später im Wege des Vekaufes durch die Staatsgüterdirektion ca. in den Jahren 1838 an die Familie Salomon in Stein a. d. D. kam, die es bis heute noch besitzt.“ 12) 

*) Dieses „Abwirtschaften“ hatte seine Ursache offenbar im Niederlagsprivileg aus 1327, das König Friedrich der Schöne der jungen Stadt Korneuburg erteilte, wodurch jede Anschüttung von Wein, Holz und Getreide nördlich der Donau zwischen Krems und Korneuburg verboten wurde. Korneuburg zog somit den gesamten  Handel am linken Donauufer zwischen Krems und Wien an sich, was sich für alle bisherigen Handelsplätze (z.B. Winkl, Trübensee, Stockerau usw.) äußerst nachteilig auswirkte.

siehe:      http://geschichte.landesmuseum.net/index.asp?    „1327 Niederlagsprivileg für Korneuburg“ und  Regesta Habsburgica 3 n. 1082, 1n Regesta Imperii Online URI:

http://www.regesta-imperii.de/regesten/friedrich-der-schoene/nr/1327-04-05_1_0_7_0_0_1808_1802.html   (abgerufen am 16.11.2012) 

 

11. Orts-Dorfobrigkeit – Neustift (Winkelberg) - Winkl

Die Dorf- oder Ortsobrigkeit hatte zwei wichtige Aufgaben inne:

Sie hatte die Dorf- und Flurgerichtsbarkeit auszuüben und im Zusammenhang damit, für Ordnung, Ruhe und Sicherheit im Ort zu sorgen und sie hatte das

Recht, die Dorfgemeinde und die Dorfeinrichtungen zu beaufsichtigen.12)

Meist übte jene Herrschaft die Ortsobrigkeit aus, die die meisten Häuser in dem Dorf besaß.

Zur Ausübung bediente sich der Grundherr der

"Dorf- bzw. Ortsrichter und der Geschwornen, gewöhnlich vier- daher auch "Vierer" genannt, werden gewählt oder auch bestimmt "mit der gemain willen und wissen".

Nachbarschaft beruht auf der festen Gemeinschaft des täglichen Lebens, Rechtens, Wirtschaftens einer Gruppe von Siedlungsgenossen; so ist der Nachbarschaftsverband Wirtschafts-, Rechts- Hilfs- und Schutzverband, auch Kultgemeinschaft.

Die Dorfgemeinschaft ist Trägerin gerichtlicher Rechte...

Sie übt Nachbarschaftsrecht und -pflicht und bedient sich dazu auch gewisser Organe, die sie im (Orts-) Richter und den Geschwornen bereits vorfindet; sie regelt Nutzung der Allmende, übt Bau- und Feuerpolizei; sie regelt das Zusammenleben der Dorfgenossen, Handel und Wandel und Gewerbe; sie regelt Feldbestellung und Ernte und Viehhaltung, Sie hat für Zaun, Weg, Brücke, Wasserlauf und Brunnen zu sorgen.

Der (Orts-) Richter ist nach den Weistümern Träger verschiedener Befugnisse; er ist Beauftragter der Grundherrschaft, ebenso der Gerichtsherrschaft; nicht zuletzt aber liegt sein Aufgabenbereich in der Vertretung, wohl auch der Führung der Nachbarschaft, der Dorfgemeinschaft. Er genießt häufig eine Sonderstellung vor den anderen Grundholden seiner Herrschaft; in Trübensee ist er allein Freisaß; er darf über Zuzug und Abgang von Genossen entscheiden....." 8)

 

Neustift im Felde

Laut der Diplomarbeit von Karl Janicek, Wien, 1935 "Geschichte der Besiedlung und Grundbesitzverteilung des nördlichen Tullnerfeldes und angrenzenden Hügellandes" soll Neustift bereits 1280 unter dem Namen "Neustat" bestanden und das Kloster Niederaltaich hier Grund besessen haben.

Er schreibt auf Seite 88:

"Im Augebiete der Donau hatte auch Niederaltaich Besitzungen, wie wir bereits wissen. Nun findet sich in einem Lehensverzeichnis , das aus der Zeit um 1280 stammt, unter der Ueberschrift "Feoda nobilia in Austria" unter Punkt 7 die Eintragung: Item domini de Winkel habent in feoda Bona in Frauendorf, in Winkel, in Neustat ..... 3)."Die beiden ersten Orte sind uns bereits bekannt. Wo liegt nun N e u s t a t? Ich vermute dasz dieses Neustat Neustift  i. F. ist, das in der Nähe dieser Orte liegt, allerdings schon in die Ebene  herausgezogen." 14) 

9.-16.8.1210: Ein gewaltiges Hochwasser der Donau richtet große Schäden an.
Es könnte das Hochwasser sein, nach dem Neustift (Neustat) der mündlichen Überlieferung entsprechend gegründet wurde.
 

Um 1250 erscheint Ortlieb III.  von Winchel auf der Burg auf dem Winkelberg und es ist anzunehmen, dass etwa 1258 die Grundherrschaft zwischen Winkel (Ortlieb III.?) und Winkelberg (Ulrich) aufgeteilt wurde. Dies ergibt sich auch aus den späteren Besitzverhältnissen in Neustift und Winkl, siehe Bereitungsbuch. 

So findet man, soweit ich es herausfinden konnte,  in Urkunden:

 

12. Bereitungsbuch 

In den 1590 und 1591 ritten die Bereitungskommissäre Hans Zölcher und Rudolph Vischl im Auftrag der Stände des  Erzherzogtums unter der Enns dieses durch und  machten eine Aufstellung, welche Herrschaft die Ortsobrigkeit inne hatte bzw. wie viele Häuser ("Feuerstellen") welcher Herrschaft angehörten. Diese Erfassung  bewohnter Gebäude geschah für die Steuereinhebung  bzw "Einhebung des Hausguldens" im so genannten "Bereitbuch" von 1590. Mehr siehe http://www.hf-kirchberg.at/index.php/allgemeines/257-bereitungsbuch 

Dieses gibt folgende Hofstellen für Neustift und Porz an.:

Neustift im Felde:
"Neistifft:

Hanns Mosßer zu Winkhelberg obrigkheit 35 (Häuser),

herr bernhardt Turschy gen grafeneckh 15 (Häuser),

Sigmundt Fridrich Fuckher gen Oberstockhstall 2 (Häuser)

H: Stephan von Haim wegen der Rueberischen Erben gen bierbaum 3 (Häuser),

Summa 55 Hauß"

1587: 53 Hofstätten, 1590: 55 Hofstätten,

 

Das Historische Ortslexikon für NÖ:

http://www.oeaw.ac.at/vid/download/histortslexikon/Ortslexikon_Niederoesterreich_Teil_3.pdf

1751: 58 Häuser, 1786: 371 Einwohner, 1794: 62 Häuser u. 417Einwohner , 1822: 64 Häuser, 1830: 108 Häuseru. 710 Einwohner (samt Winkl), 1846: 382 Einwohner, 1851: 68 Häuseru. 415 Einwohner, 1869: 68 Häuser u. 401 Einwohner, 1880: 389 Einwohner, 1890: 386 Einwohner, 1900: 414 Einwohner, 1910: 375 Einwohner, 1923: 350 Einwohner, 1934: 405 Einwohner, 1939: 392 Einwohner, 1951: 87 Häuser u. 373 Einwohner, 1961: 88 Häuser u. 315 Einwohner, 1971: 96 Häuser u. 323 Einwohner, 1981: 103 Häuseru. 285 Einwohner, 1991: 109 Häuser u. 306 Einwohner, 2001: 128 Häuser u. 289Einwohner .

(Porz)

*1230: 3 Hofstätten.

Urk. 1141/47-1548. 1421 behaust, 1538 öd. Südlich von Neustift im Felde. – Q *1230: Maidhof, Passauer Urbare, II, 113, 122. 

Von den 55 Hofstätten in Neustift besaß Hans Rueber zu Pixendorf und Grafenwerd „wegen der Karlingischen Gülden“ 3 Hofstätten, (Bereitungsbuch VuMB pag 290) (7837Jpg.)

Johann Freiherr von Karling war Besitzer der Herrschaften Niedernondorf 1546 bis 1590 und 1546 bis 1559 Baumgarten b. Sieghartskirchen (Schweickhardt). Hanns von Karling, nö. Kammerrat, wurde am 2.8.1560 in den Freiherrnstand erhoben (NÖ. Reg. vor 1740 K 08 03).

Hans Rueber d.J. zu Pixendorf, Rat und Feldobrist im oberen Kreis der ungarischen Krone   diente 1595 in Ungarn unter Johann Freiherr von Karling und wurde am 18.10.1581 in den Freiherrnstand erhoben (NÖ Rg vor 1740 K 08/11).

Wie die Karlingischen Gülten an Hans Rueber kamen, konnte ich bisher nicht eruieren.

http://de.wikipedia.org/wiki/Hans_Rueber_zu_Pixendorf 

http://www.oeaw.ac.at/vid/download/histortslexikon/Ortslexikon_Niederoesterreich_Teil_3.pdf :

Winkl

1587: 35, 1590: 32, 1751: 45, 1786: 249 E, 1794: 44-255, 1822: 44, 1846: 358, 1851: 47-358, 1869: 48-306, 1880: 310, 1890: 268, 1900: 280, 1910: 292, 1923: 257, 1934: 235, 1939: 221, 1951: 55-175, 1961: 55-189, 1981: 56-180, 1991: 64-185, 2001: 67-183.

Parzellenprotokoll VUMB 6 (Altenwörth): 4 Halb-, 17 Viertellehen.

Im Jahre der Bereitung1590 hatte in Winkl Herr Bernhard Thurzo zu Grafeneckh die Ortsobrigkeit inne und besaß daselbst                                24 Häuser,

Hans Moser zu Winkelberg                                                                                                                                                                                             7 Häuser,

Siegmund Friedrich Fugger zu Oberstockstall                                                                                                                                                             1 Haus

Das Haus im Besitz des Klosters Schlägl scheint nicht auf. 

http://lengenfeld.riskommunal.net/gemeindeamt/download/218948631_1.pdf

"Jesuitenkollegium zu Krems 15. Jänner 1622 – 21. Juli 1773                                               

Am 25. Oktober 1623 ersuchte Graf Althan die nö. Landschaftsabgeordneten, sie mögen das Kremser Jesuitenkollegium als neuen Besitzer von Lengenfeld und Winkelberg (bei Kirchberg am Wagram) in das Gültbuch eintragen. Nach der Ausstellung des fiktiven Kauf- und Schirmbriefes (15. Jänner 1622) glaubten die Jesuiten, Lengenfeld und Winkelberg als freies Eigentum zu besitzen. Lengenfeld unterstand jedoch genauso der kaiserlichen Lehenshoheit wie der Besitz aller anderen geistlichen Institutionen. Erst am 19. Juni 1629 erklärte Kaiser Ferdinand II., dass Lengenfeld und Winkelberg, sowie der zugehörige Stettenhof in Oberstockstall zu freien Land- und Allodialgütern erhoben seien....."

Über die Gültsteuer: Sie war in Naturalien an die Grundherrschaft abzugeben  siehe:

http://de.wikipedia.org/wiki/G%C3%BClt_(Steuer)

Gülteinlage: Verzeichnis, in dem die Höhe der Gültsteuer für jede Hofstelle festgeschrieben war, z.B. Theresianische Rusticalfassion. 

http://www.mom-ca.uni-koeln.de/mom/AT-HHStA/KremsSJ/fond 

http://www.mom-ca.uni-koeln.de/mom/AT-HHStA/WienSJ/1693_VIII_22/charter#anchor?q=jesuiten krems ( http://www.mom-ca.uni-koeln.de/mom/search eingeben und Wincklberg eingeben) : 

"22.08. 1693:  Die N.Ö. Landschaft Verordneten  verkaufen dem Pater Rector des Jesuitenkollegiums zu Krems das Drittel von der Steuer oder doppelten Gülte bey Wincklberg, und den Hof zu Oberstockstall, bey der Herrschaft Lengenfeld und der Pfarre allda, dann bey dem Beneficium der Stifter bey der St. Catharina-Kapell auf dem Hohenmarkt und St. Achatii Stift daselbst, item bey der Ebersbergischen Gülten, bey dem Gut Millbach, und den Cärlingischen Gülten, nicht weniger bey dem Gut Muehltal und Hof Traghofen, um 1621 Gulden 5 Schilling 10 Pfennig."

Quelle Regest: Repertorium XIV/4 Bd. 1 Nr 1624

"1.06. 1742: Dieselben [Die N.Ö. Landschaft Verordnete] verkaufen dem P. Rector des Jesuitenkollegiums zu Krems das 3te Drittel von der Landsteuer von der Herrschaft Lengenfeld, dem Gut Muelthal, vom Beneficium der St. Catharina Kapelle, von der Carolinischen Gülte, ......"

Quelle Regest: XIV/4 Bd. 1 Nr 1664

3 Hofstellen in Porz / Parz stammen aus der Carolinischen (Karlingischen/Kärlingischen) Gülte" 

"1.06. 1742" Die obigen [Die N.Ö. Landchaft Verordnete] verkaufen dem P. Rector des gedachten Collegiums [Jesuiten Collegium zu Krems] das 3te Steuer -Drittel wegen Winklberg und des Hofs zu Ober-Stockstall im V.U.M. um 390 Gulden 3 Schilling und 10 Pfennig.
Quelle Regest: XIV/4 Bd. 1 Nr 1665
 

 

Im Jahre 1708 war der Zehent folgendermaßen aufgeteilt (Stainersche Castenamts-Beschreibung):

Neustift: Dorfobrigkeit: Jesuitencollegium Krems, da Besitzer der Herrschaft Winkelberg

Halber Zehent Domkapitel Passau/Castenamt Stein/D., andere Hälfte Jesuitencollegium Krems/Winkelberg

Parzer Feld: Halber Zehent Passau/Castenamt Stein, andere Hälfte Dietrichsteinische Herrschaft Nußdorf ob der Traisen, siehe http://de.wikipedia.org/wiki/Ferdinand_Joseph_von_Dietrichstein

Winkl: Vorerst wie Neustift. 1590 hatte Bernhard Thurzo von Grafeneckh die ortsobrigkeit inne und besaß 24 Häuser (Bereitungsbuch).

 

13. 1848 Bauernbefreiung:

Seit der Mitte des 18. Jht. wurde die persönliche und wirtschaftliche Abhängigkeit der Bauern von ihrer Grundherrschaft zwar etwas gemildert, beseitigt wurde sie aber erst 1848 infolge der Initiative zur Bauernbefreiung durch den aus Schlesien stammenden Reichstagsabgeordneten Hans Kudlich. Maria Theresia verringerte 1778 generell  die Robotleistungen. Von Kaiser Joseph II. wurden 1781 Erleichterungen durch die Einführung der Robotablöse, das Untertansstrafpatent und der Festlegung des Beschwerderechts geschaffen. Eine 1789 von ihm zu Gunsten der Bauern angeordnete Steuerreform wurde nach seinem Tod nicht durchgeführt. Kudlich stellte im Reichstag den Antrag auf “Aufhebung der Untertänigkeit mit allen daraus entsprungenen Rechten und Pflichten”. Daraufhin unterzeichnete Kaiser Ferdinand am 7.9.1848 ein Patent, mit dem die “Untertänigkeit” und das “schutzobrigheitliche Verhältnis” aufgehoben sowie die Entlastung von Grund und Boden durch eine Entschädigung der Vorbesitzer angeordnet wurden.

In den Folgejahren wurden diese Entschädigungen von Kommissionen festgestellt.

Von der festgesetzten Geldentschädigung für bäuerliche Abgaben und Leistungen hatten je ein Drittel die Bauern, der Staat und der Grundherr zu tragen. Für die Rechte als Dorf- und Gerichtsherr erhielt der frühere Herrschaftsbesitzer dagegen nichts.

Die Folgen der Befreiung waren für die Bauern nicht nur positiv, denn an die Stelle der grundherrlichen Abgaben traten Steuern des Staates, der Länder und Gemeinden. Die erste Generation kannte auch die marktwirtschaftlichen Bedingungen nicht, nach 1868 entstanden durch Teilungen viele kleine, kaum lebensfähige Betriebe, so dass die Verschuldung wuchs. Erst die darauf folgenden Generationen konnten den Niedergang des Bauernstands abwenden und durch Genossenschaften neue Marktorganisationen schaffen.

 

14. Sicherheit

Im Defensionslibell Kaiser Rudolfs II. aus 1579 war festgelegt, daß zur Warnung vor Feindesgefahr u.a. auf Göttweig und in Feuersbrunn Kreidfeuer (kommt von mhd. "krid" und bedeutet "Schrei", englisch "cry"), entzündet werden und die Bevölkerung sichere Orte aufsuchen soll.

Im Falle von Feindesgefahr hatte die Burg Winkelberg die Einwohner folgender Orte aufzunehmen: Kirchberg, Ober-, Mitter- und Unterstockstall, Neustift, Winkl, Bierbaum, Frauendorf, Utzenlaa und Königsbrunn. Kollersdorf und Sachsendorf hatten sich nach Grafenwörth- Dörfl, Engelmannsbrunn, Mallon Gigging und Altenwörth nach Thürnthal zu begeben.

 

15. Gerichte (Thing)

Aus dem ursprünglichen "Grafengericht" aus der karolingischen Zeit bildeten sich später speziellere Sparten heraus, z.B.:

Dorfgericht (Dorf- Ortsrichter), Grundherrliches Gericht (Grundherr) und Landgericht (THK 1960) S 10/29

".....Tulln ist zweifellos der Sitz des landesfürstlichen Landrichters.  Dieses hochgericht ist mindestens für das Ende des 12. Jahrhunderts bezeugt, da Herzog Friedrich II. dem Stift Göttweig bestätigt, daß schon sein Vatersbruder, Hezog Friedrich I. (1191-94), die Stiftsuntertanen von der Gerichtsbarkeit seines landrichters in Tulln befreit hat. Das Gericht wird dann später das "Gericht auf dem Tullnerfelde" genannt.......

Im Norden ist Trübensee Ausgangs- und Mittelpunkt der Landgerichtsentwicklung. Doch umfaßte der ursprüngliche Bezirk auch den Raum von Groß-Weikersdorf. " 17)

"Landgerichte mit Sprengeln wurden in Niederösterreich seit 1246/54 eingerichtet, sicher auch in Groß Weikersdorf. Um 1277 ist Groß Weikersdorf als Sitz eines Landgerichtes nachweisbar (In Weicheinsdorf .. judicium provinciale", Landesfürstliche Urbare NÖ 19/45), spätestens 1290 wurde das Landgericht Groß Weikersdorf an die Herren von Winkl verpfändet, die in Weikersdorf 1290 eine Adelsversammlung ("Taiding") im Jahr 1290 abhielten, in der der Landgerichtssprengel für Groß Weikersdorf ( in districtu Weiersdorfensis judici, HHSta, AUR 1290 X 20) festgelegt wird. Das Landgericht bestand bis 1495, ehe es nach Grafenegg verlegt wurde." 6)

Das Land-  Markt- und Feldgericht zu Weikersdorf wurde am 26.März 1495 an Heinrich Prüschenk zu Stettenberg (=Grafenegg) verkauft  und am 29.März wurden die Untertanen von König Maximilian I. aufgefordert, ihrem neuen Herrn H.Prüschenk zu huldigen und die Steuern, Robot und Gehorsam zu leisten.  (NöLA Hardegger Urk. Nr. 473  u. Nr. 473).

Das Landgericht "auf dem Tullnerfeld" (vermutlich Trübensee) "das zuvor Jörg Scheck vom Wald und dann Jörg Seisenegg inne hatten" wird am 12. Juni 1463 von Kaiser Friedrich III. dem Matthäus von Spaur, Erzschenk zu Tirol, verschrieben ( http://www.regesta-imperii.de  , Friedrich III.[RI XIII] H. 18 n. 319).

"Selbstredend mußten die Rechtsverhältnisse der Adligen und Grundholden, das sind Freie und Leibeigene, durch Satzungen geordnet werden und so finden wir bereits im 13.Jahrhundert die Abhaltungen der Banntaidinge, das sind große Gerichtstage, an welchen die ortsüblichen Rechtssätze immer wieder eingeschärft wurden. Das Banntaiding soll den alten Büchern zufolge durch den Verwalter der Gutsherrschaft meistens 3 x im Jahre abgehalten werden. Die Termine mußten 14 Tage vorher angekündigt werden und zwar galten in unserer Gegend: Der nächste Tag nach St. Georgi (25.4.), nach Maria Himmelfahrt (16.8.) und nach Maria Lichtmeß (3.2.) als die entscheidenden Tage, an welchen die Tagsatzungen abgehalten wurden. Pflicht zu erscheinen galt für alle Ortsrichter, Amtmänner und zwei Zeugen, desgleichen für alle Klageführenden, Angeklagten und Zeugen. Das unbegründete Ausbleiben zieht eine Strafe von 2 Schilling , 12 Pfennige nach sich. Eine Rechtssammlung von Seiten des Bistums Passau über die in der Ostmark begüterten Bistümer und Abteien berichtet über den Grenzort des passauischen Besitzes trepense (Trübensee) bei Neu Aigen folgendes dem Inhalt nach:

Zuerst wurden alle Vergehen, die im Bereich des Gerichtssprängels vorgekommen sind, verhandelt. Ungerechtfertigte Beschimpfungen wurden mit einer Geldstrafe von 72 Pfennigen belegt; je nach dem Grade der Beschimpfung, je nach dem Stande der beleidigten Person, erhöht sich naturgemäß die Strafe. Bei Körperverletzungen galt als Maßstab: Aug um Auge, Zahn um Zahn, Hand um Hand, d.h. Wer in schuldbarer Weise einen Mitmenschen verstümmelt hatte, sollte von Gerichtswegen die gleiche Strafe erleiden. Der Mörder fiel meistens der Hinrichtung anheim, die entweder am sogenannten Galgenberg (meist ein Hügel außerhalb der Ortschaft) oder als abschreckendes Beispiel, mitten im Markte bei der Roland- (Pranger-) Säule vollzogen wurde. Die Rolandsäule galt als Symbol der Gerichtsbarkeit und verdankt seinen Namen der geharnischten Ritterfigur, Roland genannt, die zuoberst am Säulenschaft befestigt war. An einer eisernen Kette hing vom Säulenschaft eine steinerne Kugel herab. Die Verbrecher wurden meist mit Hals- Handund Fußeisen an die Säule angebunden und so dem öffentlichen Gespötte und Hohnausgesetzt (davon das Sprichwort “an den Pranger stellen!).

Der Richter konnte bei Mord oder Verstümmelung im Wege einer teilweisen Begnadigung es auch bei einer Geldstrafe allein bewenden lassen und für gewöhnlich galt dann als üblicher Tarif: Verletzungen am Halse 32 Pfund, für die Beschädigung an einer Hand oder an einem Fuß je 5 Pfund, für einen Finger 6 Schillinge, 2 Pfennige. Kurios mutet uns an, wenn für eine Ohrfeige 5 Pfund, für einen Fausthieb mit eingezogenem Daumen bloß 1 Pfund, für einen Fausthieb mit ausgestrecktem Daumen wieder 2 Pfund festgesetzt war. Auflauern, nacheilen (in der Absicht jemanden zu mißhandeln), das unbefugte Tragen von Waffen, z.B. eines Steckmessers, das Mitnehmen von Äxten und Messern ins Wirtshaus, zieht automatisch Strafe nach sich, wenngleich keine Mißhelligkeiten statthabten. Kommt es in einem Hause zur Rauferei, werden nicht bloß die Übeltäter, sonder auch der Hauseigentümer bestraft. Als des Todes würdige Verbrechen werden: der Mord, Raub, Meineid, Gotteslästerung, Schändung, Brandlegung und Verrat angesehen. Schwere Strafe trifft den Dieb, den Horcher, der nächtlicherweise gewohnheitsmäßig spioniert und lauscht, den Hehler. Die Beherbergung von Lichtscheuen, herumziehenden Leuten wird mit einer Strafe von 6 Schillingen, 2 Pfennigen geahndet. Überhaupt ist es Pflicht, jedes Bürgers, herumziehende Personen unnachsichtlich dingfest zu machen und zum Ortsrichter zu führen.

Das zarte Geschlecht scheint im Mittelalter ebenfalls ziemlich rauflustig gewesen zu sein. In den Rechtssatzungen aller Ortschaften nämlich kommt der Paragraf vor: Wenn Frauen raufen, oder sich gemein beschimpfen, so müssen sie einen Stein dreimal um den Pranger herumtragen und durch alle Straßen des Ortes. Obstdiebstahl verlangt Strafgeld und zwar soviel mal 12 Pfennige als Bäume im Garten stehen. Die Brunnen müssen jederzeit in reinem Zustand gehalten werden und so angelegt sein, daß niemand dadurch in Lebensgefahr kommt. Wer die Zäune nach ergangener Aufforderung sie auszubessern in verwahrlostem Zustande beläßt, muß 62 Schilling Strafe zahlen. Hausfriedensbruch trägt 5 Pfund Strafe ein.

Die ortsüblichen Wochen- und Jahrmärkte bieten den Gewerbetreibenden Gelegenheit, ihre Waren an den Mann zu bringen, folglich müssen sie ihre Erzeugnisse auf den Markt bringen und dort genießen die Einheimischen das Vorkaufsrecht. Selbstredend muß ein Standgeld zu Gunsten des Gemeindesäckels entrichtet werden. Dies geschieht schon bei der Anmeldung beim Ortsrichter, widrigenfalls 62 Schilling Strafgeld eingefordert werden.

Der Nutzgenuß von sogenanntem “Gemeindenutzen” ist abhängig von der Beteiligung an den Gemeindelasten.

Festgestellte Schäden an den Wegen, Stegen und Feuerstätten müssen durch Zusammenhelfen aller Ortsangehörigen behoben werden, will sich jemand ausschließen, wird er des “Gemeinnutzens” verlustig.

Um den Viehhirten eine lebensfähige Existenz zu bieten, ist jeder Bürger verpflichtet, seine Haustiere vom Viehhirt auf die Hutweide treiben zu lassen. Dafür beansprucht

dieser von jedem Hause den ortsüblichen Hutlohn, meist in der Form von Naturalien. Für jeden Schaden, den das Vieh anrichtet, ist der Besitzer haftpflichtig. Von amtswegen wird für den erlittenen Schaden eine geheime, ja sogar offene schadlos Haltung insolange gewährleistet, bis der Schaden ganz gutgemacht wurde.

Wer dem andern mutwilligerweise einen Dienstboten abredet, zahlt 6 Schilling, 2 Pfennige.

Für boshaftes ruinieren eines Obstbaumes wird Vergütung des Schadens und außerdem eine Geldstrafe von 5 Pfund festgesetzt.

Besonderes Augenmerk wandte das Banntaiding den Grenz- und Marksteinen zu.

Derartige Rechtsverletzungen trugen dem Übeltäter eine drakonische Strafe ein. Er wurde an der Stelle, wo der Grenzstein rechtlich zu stehen hatte, bis zu den Achselhöhlen in die Erde eingegraben und dann wurde ihm mit einem glühenden Eisen ein Zeichen in die Brust eingebrannt.

Wenigstens einmal im Jahre wird seitens des Ortsrichters die Feuerbeschau vorgenommen. Etwaige Gebrechen im Kamin müssen binnen 14 Tagen beseitigt werden,

widrigenfalls der Ortsrichter berechtigt ist, der betreffenden Partei den Ofen einzuschlagen und eine Strafe von 12 Pfennigen aufzuerlegen. Bricht irgendwo Feuer aus, muß der Betroffene unverzüglich durch Feuerlärm alle Nachbarn auf die Gefahr aufmerksam machen. Wer in der Hilfeleistung säumig ist, wird je nach dem Grade seines Verschuldens schadenersatzpflichtig.

Holzdiebstahl wird mit 32 Pfund bestraft, überdies kann ihm (dem Dieb) der Ergreifer 3 Speichen aus dem Hinterrad schlagen.

Wer die Au oder den Wald anzündet, muß den dadurch entstandenen Schaden nach dem Schätzungswerte vergüten und außerdem eine empfindliche Strafe zahlen.

Das Anlegen von neuen Wegen und Wasserkanälen ist an das Gutachten des Ortsrichters gebunden.

Gelegentlich des Banntaidings wurden auch etwaige Ungenauigkeiten in den Maß- und Gewichtseinheiten revidiert und die festgesetzte, allgemein giltigen Maße geeicht.

Die Fleischhauer sollen zweimal im Tage ihre Fleischbänke offen halten, früh und abends. Schlachten soll er nur auf seiner eigenen Schlachtbank. An gewissen Tagen darf er auch bei der Kirche das Fleisch feilbieten. Empfindliche Strafe wartet seiner, wenn er “pfinigs Fleisch” (trichinöses Fleisch) zum Verkauf feilbietet, außerdem wird er öffentlich beschämt. Indem ihm ein Strohkranz aufs Haupt gesetzt wird. Fleisch von eingegangenen Tieren wird ihm einfach weggenommen und verbrannt.

Zur Untersuchung bzw. Begutachtung sind 2 Fleischhauer bestellt.

Dem Gastwirt ist es streng verboten, ohne Erlaubnis des Ortsrichters im Gasthause irgend jemand spielen zu lassen. Übertretungen verursachen für den Wirt eine Strafe von 5 Pfund, für die Spielleute eine solche von 6 Schilling, 2 Pfennige. Der Weinausschank für Weinhauer ist nur Ortsansässigen gestattet und für Wein aus dem

Weingebiete der Ortschaft. Erst wenn der heimatliche Wein genügend Absatz gefunden hat, wird die Einfuhr von auswärts gestattet. Mithin kann der Einzelne direkt gezwungen werden, den lagernden Wein zu verkaufen und bei etwaiger Weigerung gibt es ein radikales Zwangsmittel, den Wein einfach ausrinnen zu lassen. Wird ein Weinhauer überführt, beim Ausschank ein unredliches Maß benütz zu haben, so kostet es 12 Pfennig Strafe und das angezapfte Gebinde wird zum Ausrinnen gebracht. Im Wiederholungsfalle wird ihm der Daumen abgehackt und sein ganzer Weinvorrat konfisziert. In manchen Orten, so in Grafenwörth ist es den Bürgern sogar verboten mit der Weinlese früher zu beginnen, als die Gutsherrschaft es tut.

Die persönliche Freiheit war in manchen Ortschaften durch die Rechtsbräuche ziemlich eingeschränkt, z.B. durften in Oberstockstall verwitweten Personen ohne Erlaubnis der Ortsobrigkeit sich kein zweites Mal verehelichen.

Jagd und Fischerei steht innerhalb der Gemeindegrenzen nur dem Gutsbesitzer zu und es werden Wilddiebereien und unbefugtes fischen mit einer bedeutenden Geldstrafe (32 Pfund) belegt. Bezüglich der Fischerrechte ist eine ausfühliche Sammlung vom Dorfe Winkl erhalten (1463). ( http://www.hf-kirchberg.at/index.php/winkl/fischerrechte-zu-winkl ).

 

Die Orts- und Konskriptionsobrigkeit war für Neustift bis zur Auflösung des Unterthänigkeitsverhältnisses die Herrschaft Winkl und später Winklberg. Als nach dem Revolutionsjahr 1848 die Landgerichte (Grafenegg) aufgehoben und die staatlichen Einrichtungen in gerichtlicher und politischer Hinsicht geschaffen wurden, ist Neustift i. Felde der K.K. Bezirkshauptmannschaft Krems und dem K.K.Bezirksamte als Gericht, Kirchberg am Wagram, zu Grafenegg - 1849  bis 1854 zu Oberstockstall- zugeteilt worden. Hier war auch das Steueramt. In späterer Zeit wurde das Bezirksamt mit Gericht und Steueramt in Kirchberg untergebracht. Erst 1892 wurde die Bezirkshaupt-mannschaft Tulln gebildet und Neustift dieser politischen Behörde zugewiesen.

Die staatliche Einrichtung der Kreisämter wurde schon zur Zeit Maria-Theresia`s getroffen und Neustift gehörte seit dieser Zeit zum Kreisamte N.Ö.u.d.M.B. In Korneuburg. Diese Kreisämter wurden nach 1848 in Kreisgerichte umgewandelt. Seit ungefähr 15 Jahren gehört Neustift zum Kreisgerichte Krems. Von Namen der Ortsrichter ist nichts vermerkt”. 20)

Einige Ortsrichter konnten doch namhaft gemacht werden siehe http://www.hf-kirchberg.at/index.php/neustift/227-die-buergermeister-von-neustift 

bzw. http://www.hf-kirchberg.at/index.php/winkl/177-die-buergermeister-von-winkl

 

Leider konnte bisher kein Weistum von Neustift im Felde aufgefunden werden, doch dürfte es ähnlich jenem von Engelmannsbrunn gewesen sein, siehe

http://rat.imareal.oeaw.ac.at/no-weistumer-bd-2/engelmannsbrunn-gerechtigkeit-1500-1534 

 

16. Quellenverzeichnis: 

1) "Commentarii de Bello Gallico" 51 v. Chr., http://www.uzh.ch/latinum/stoffel/pdf/Caesar_Uebersetzung.pdf ,Kap. 22, siehe auch die  Diplomarbeit „Gescheiterte Reichsbildungen im Frühmittelalter-Die hispanischen Sueben und die Rugier“ von Manfred Trambauer, Wien 2008 abrufbar unter http://othes.univie.ac.at/490/1/04-02-2008_0201437.pdf ab Seite 97, bzw. http://www.rugier-wikinger.de/quelle.htm 

2) "De origine et situ Germanorum" 98 n Chr.",   http://www.latein-imperium.de/include.php?path=content&contentid=102"Pkt. 26  

3)  siehe http://de.wikipedia.org/wiki/Zehnt 

4) siehe http://de.wikipedia.org/wiki/Rugier 

5) Fandl bzw.  http://www.rugier-wikinger.de/quelle.htm

6) OStR Mag. Dr. Richard Hübl „Heimatbuch der Marktgemeinde Groß Weikersdorf 

7) Bay HstA Stainersche Castenambts- Beschreibung: "Beschreibung aller Stückh-Zehent und Gülden des Hochfürstlichen Passauischen Casten-Ambts Stain im Erzherzogthumb Österreich under der Ennß, in allen vier Vierteln des Landes gelegen im Jahre 1708". 

8) Dr. Max Wellner "Die Weistümer des Tullner Bezirks- 2. Teil",Tullner Heimatkalender 1960 

9) Helmuth Feigl - „Die niederösterreichische Grundherrschaft vom ausgehenden Mittelalter bis zu den theresianisch-josephinischen Reformen“ 

10) Peter Aichinger- Rosenberger, Günter Marian, Alexandra u. Roman Zehetmayer, Verein für Landeskunde von NÖ.: „Land zwischen Donau und Wagram „ (Wagram II) 2011 

11) „Unterthans Verfassung des Erzherzogthums Österreich ob und unter der Enns von Anton Engelmayr Wien,1816“ 

12) Aus der Vergangenheit von Kirchberg, Altenwörth, Bierbaum a.Kl. Königsbrunn u. allen dazugehörenden Gemeinden – Ein Heimatbuch von Wilhelm Simlinger, 1958 

13) Ausbildung und Struktur der Herrschafts- und Besitzverhältnisse des Hochstifts Passau im 13. und 14. Jahrhundert (Dissertation Martin Hofbauer Hamburg 2005) 

14) Karl Janicek, Wien, 1935 Diplomarbeit Wien, 1935: "Geschichte der Besiedlung und Grundbesitzverteilung des nördlichen Tullnerfeldes und angrenzenden Hügellandes" 

15) Schweickhardt, Darstellung des Erzherzogthums unter der Enns 

16) Dr. Karl Lechner: Geschichte des Tullner Bezirkes in der Karolingerzeit, Tullner Heimatkalender 1953 

17) Dr. Karl Lechner: Geschichte des Tullner Bezirkes in der Babenbergerzeit, Tullner Heimatkalender 1954 

18) Helmut Feigl u. Thomas Stockinger "Die Urbare der Herrschaften Maissau und Sonnberg anlässlich der Teilung des Erbes nach Georg von Eckartsau im Jahre 1492" 

19) Franz Karl Wissgrill,  "Schauplatz des landsässigen nieder-österreichischen Adels.. Band 4 " 

20) Schulchronik Neustift im Felde 2, Teil Gechichte 

21) ttp://www.ms-visucom.de/cgi-bin/ebidat.pl?id=1541 

22) Otto Fandl Broschüre über das Schloß Winkelberg u. Kirchberg am Wagram, Kirchberg am Wagram 1972

23)  Alexandra Zehetmayer "Die Bautätigkeit der Grafen Hardegg im nördlichen Niederösterreich", Diplomarbeit, Wien 2009

24) Andreas Otto Weber Studien zum Weinbau der altbayerischen Klöster im Mittelalter Stuttgart 1999

25) Josef Filsmaier "Schönberger Heimatbuch" 1966

 

Interessantes Nachschlagwerk:

F.J.Schopf : Die Landwirthschft in den deutschen, böhmischen und galizischen Provinzen des österreichischen Kaiserstaates......
Teil 1, die staatswirthschaflichen und polizeilichen Maßregeln zur Befördrung der Landwirthschaft..., abrufbar unter:

http://books.google.at/books?id=Y4s3AAAAMAAJ&pg=PA13&lpg=PA13&dq=%22die+landwirthschaftlichen+Besitzungen+sind+nach+ihrer+Beschaffenheit%22&source=bl&ots=pkvwaYrRDF&sig=ZQNE-1UO5-xZ1HowCkqoPOC1KSs&hl=de&sa=X&ei=x_
xvUPiYJdH3sgb9loHYBg&sqi=2&ved=0CCIQ6AEwAQ#v=onepage&q=%22die%20landwirthschaftlichen
%20Besitzungen%20sind%20nach%20ihrer%20Beschaffenheit%22&f=false
 

 


Dezember 2012
Andreas Nowotny