Kirche zum Hl. Ulrich

 

 

Die Pfarre Ottenthal war nie eine eigene Pfarre, sondern immer eine Expositur von Kirchberg, das heißt, sie ist ein eigener Pfarrort, hat aber keine finanzielle Selbstverwaltung. Bis zum Jahr 1965 gab es einen allein verantwortlichen Priester. Ottenthal gehört zur Gemeinde Großriedenthal. 

Laut DEHIO soll bereits im Jahr 1726 eine Kirche geweiht worden sein, die abgebrannt ist. 

Im Jahr 1793 wurde in Ottenthal - teils durch "Beiträge mehrer Gutthäter  von Wien und Langenlois“,  teils durch Gemeindemittel, eine neue Kapelle errichtet, um den Ortsbewohnern den weiten Weg zur Pfarrkirche nach Kirchberg zu ersparen. 1794 wurde die dem hl. Ulrich geweihte  Kirche durch Pfarrer Grädinger von Kirchberg benediziert.  Zur Feier der Kirchenweihe spendete Leopold Ehrentraut an diesem Tag der Kirche 500 fl  mit der Bestimmung, dass jeden Sonn- und Feiertag das heilige Messopfer zum Wohl der ganzen Gemeinde dargebracht werden solle. Zu Ehren des edlen Spenders wurde lange Zeit am Schluss jeder hl. Messe für den verstorbenen Spender "5 Vater unser nebst dem Glauben" gebetet. 

Im DEHIO-Handbuch der Kunstdenkmäler Österreichs wird die Kirche folgendermaßen beschrieben:  "Filialkirche, dem hl. Ulrich geweiht, 1726, nach Brand 1794 Neueinweihung.  1985 restauriert.
Schlichter barocker Bau mit Rundapsis; Ortsteinquaderung in Putz; faschengegliederte Rundbogenfenster. Südseitiger Zubau. Turm mit Giebelspitzhelm, 1870 errichtet.
Langhaus, 3jochiger Saalraum mit Tonnengewölbe über Gurten und umlaufendem Gesims. Im  Süden zweigeschossiger Erweiterungsbau mit offener Empore, flach gedeckt. Glasmalerei bezeichnet 1936, 1942."

 

Da das Priesterhaus  weit von der Kirche entfernt stand, wurde es 1868 abgerissen und neben der Kirche eine Wohnung für den Aushilfspriester erbaut, die von der Gemeinde erhalten wurde, ebenso wurden die Priester von der Gemeinde in Geld und Weinmost bezahlt.

 

1870 wollte man dem Beispiel der Großriedenthaler und Neudegger folgen, die mittels Mostsammlung so viele Barmittel zusammenbekommen hatten, um damit die ganze Kirche renovieren zu können. Auch an der  Kirche zu Ottenthal hatte der Zahn der Zeit genagt und besonders der Turm hatte stark gelitten. Also veranstaltete man im Jahr 1869 eine Mostsammlung.  Diese fiel besser aus, als man vermutet hatte, deshalb folgte im 1870 eine weitere; die Sammlungen brachten die Summe von 450 Gulden ein. Mit weiteren 100 Gulden aus der Kirchenkasse und 100 Gulden eines Spenders konnte man ans Werk gehen.

Man übergab die Arbeiten der Firma Josef  Utz, Stadtbaumeister in Krems, der auch in Großriedenthal sämtliche Arbeiten übernommen hatte. "Der Innenraum wurde durch die von Wenzel Fidler angefertigten Wandgemälde vervollkommnet. Über dem Presbyterium zeigten sich zwei Cherubim, kniend, um das hochwürdigste Gut in tiefster Demut anzubeten. An den beiden Seitenwänden erblickte man je zwei Evangelisten mit ihren Sinnbildern, umrankt von Arabesken, welche sich in schönen Verschlingungen mit den Rosetten an der Gewölbsdecke verbanden." Der Boden wurde mit Kehlheimerplatten gepflastert. An den Kirchensitzen zeigten sich solche Abnützungen, dass statt einer kostspieligen Reparatur die Anschaffung neuer Stühle beschlossen wurde, und zwar beim Tischlermeister Georg Biebl aus Neustift. 

Der Turm wurde vom Zimmermeister Conrad Heinzl aus Krems angefertigt und war höher als der vorherige. Spenglermeister Rudolf  Felbinger  aus Krems nahm die Deckung des Turmdaches mit verzinktem Eisenblech vor.

Am 18.Juni 1870 war es so weit: Das Turmkreuz konnte aufgesetzt werden: „Der festliche Zug bewegte sich unter Böllerschüssen durch die ganze Länge des Dorfes, Gebete und fromme Gesänge wechselten ohne Unterbrechung, bis man wieder zur Kirche zurückgekehrt war. Jetzt wurden die Anstalten zum Aufziehen des Kreuzes gemacht. Die Jünglinge und Jungfrauen erfassten das Seil und bald schwebte das Kreuz, umflossen vom Glanz der Sonne in luftige Höhe. Hoch oben steht erwartend der Zimmerpolier Franz Nemczek, und wie das Symbol der göttlichen Liebe sich genähert, ergreift und befestigt er es auf der Spitze des bekränzten und fahnengeschmückten Turmes, während Hundert von Augen bange und freudig  zugleich – demselben nachblickten. Hierauf brachte der H. Spenglermeister Felbinger die üblichen Toaste aus, die von den Anwesenden mit Herz und Mund erwidert wurden. Ein feierliches Te Deum bildete den Schluß des so schönen Kirchlichen Festes.“

Wie üblich, wurde in der Kugel ein Schriftstück über die erfolgte Aufsetzung hinterlegt.

Nachdem der alte Altar nun für die neu renovierte Kirche nicht mehr passend war, erwarb man von der Gemeinde Schlickendorf günstig einen gebrauchten, neugotischen, der für die Ottenthaler Kirche verkleinert wurde und mit den Statuen der Hl. Maria, Hl. Ulrich und Hl. Leopold versehen wurde.

 

1894 fand eine Jubelfeier anlässlich der Erbauung der Kirche vor 100 Jahren statt:

Jubelfeier in Ottenthal
Die Gemeinde Ottenthal feierte am 23. d. M. den hundertjährigen Gedächtnistag der Kirchenweihe. Diesen Anlaß benützte die Gemeinde zu einer außerordentlich schönen Kundgebung ihres kirchlichen Sinnes und christlichen Glaubens, wie es heutzutage selten vorkommt. Eine mehrtägige kirchliche Feier leitete das schöne Fest ein, das mit großer Begeisterung und eifriger Theilnahme aller Ortsbewohner als Feiertag begangen wurde. Den Centralpunkt der Festlichkeiten bildete der am Abend stattgefundene Fackelzug mit Musik, Feuerwerk und Häuserbeleuchtung. Der sonst schmucklose Ort hatte sein schönstes Kleid angezogen. Kirche und Privathäuser waren schön dekorirt und die Bewohner hatten es sich viele Mühe und Opfer kosten lassen, um alles zu einem harmonisch schönen Ganzen zu gestalten. Es war wirklich ein herrlicher Anblick, die vielen Hunderte von brennenden Kerzen, die beleuchteten Transparente, die geschmückten Triumphbogen, die vielfarbigen Lampions, die knallenden Raketen und bengalischen Feuer; dazu die anregenden Märsche der Musik, die jubelnde Menschenmenge, die große Freude und Begeisterung aller von Nah und Fern. Allgemein konnte man die Rufe hören: Nein, so etwas Schönes habe ich noch nicht gesehen! So etwas sollte man auf einem Dorfe nicht für möglich halten! Dieser Tag wird in unauslöschlichem Andenken der Ortsbewohner bleiben, zugleich ein glänzendes Zeugniß ihres lebendigen Glaubens, ihrer begeisterten Anhänglichkeit an Kirche und Christenthum. Möge es so bleiben! Dann finden die Sozialdemokraten für ihre religionsfeindlichen Umsturzideen keinen Boden zur Verbreitung, die sie jetzt auch unter der Landbevölkerung suchen.
Quelle: Kremser Zeitung vom 28.1.1894

 

Kirchen- und Orgelweihe, 1901

Der 27. Oktober war für die Ortsgemeinde Ottenthal ein großer Fest- und Freudentag, denn an demselben wurde durch die kirchliche Weihe der vergrößerten und gänzlich renovierten Kirche und der neuen Orgel ein langgehegter Wunsch des Ortsgeistlichen und der ganzen christlichen Gemeinde erfüllt. Die Weihe nahm in feierlicher Weise der hochw. Herr Dechant von Etsdorf unter Assistenz des hochw. Herrn Pfarrers und des Herrn Cooperators von Kirchberg vor, die mit einem feierlichen, gesungenen Segen und „Großer Gott wir loben Dich“ geschlossen wurde. Die Theilnahme der kath. Christen von nah und fern war eine ganz außerordentliche; eine solche Menschenmenge hat der Ort noch nicht gesehen. Allgemein lautete das Urtheil: „Ein so schönes, nettes Kirchlein ist weit und breit nicht zu sehen; es ist ein wahres Schmuckkästlein, lieb und zur Andacht erhebend.“ So ist es auch. Die stilgerechte Ausmalung der Kirche hat der Maler und Vergolder Herr Ondreka in Kirchberg übernommen und zur allgemeinen Zufriedenheit durchgeführt. Die neue, schön und lieblich klingende Orgel ist aus der Werkstätte des bestrenomirten Orgelbauers, Herrn Capek in Krems, hervorgegangen. Sämmtliche Kosten, die beinahe 7000 Kronen ausmachen, sind durch die Opferwilligkeit der Ortsbewohner und einiger auswärtiger Wohlthäter gedeckt worden; gewiß ein erfreuliches Zeichen in unserer glaubensarmen und gleichgiltigen Zeit und zugleich ein schöner Beweis des lebendigen kath. Glaubens der Gemeinde Ottenthal, die durch dieses herrliche Werk ein unvergängliches Denkmal auch für die späteren Geschlechter gesetzt hat.
Quelle: Kremser Zeitung vom 1.11.1901

 

Kapellensegnung und Altarweihe, 1905 

Vergangenen Sonntag fand hier eine doppelte Feierlichkeit statt: ein neuer Altar wurde geweiht und eine Kapelle eingesegnet. Die Gemeinde war mit Grün und Flaggen schön geschmückt. In Prozession wurde unter Gesang zur Kapelle gegangen. Die Feuerwehr bildete Spalier. Nach der Einsegnung der Kapelle, zu deren Errichtung Herr Ignaz Schaupp besonders beigetragen hat, hielt der hochw. Herr Pfarrer Johann Wiesinger von Kirchberg eine tiefgreifende Rede. - Die kleine Kirche, die durch Herrn Josef Klenkhart auf meisterhafte Weise gemalt wurde, bot einen herrlichen Anblick. Der neue Altar, vom Herrn Leopold Hofer, Bildhauer in St. Pölten, im Barockstil künstlerisch ausgeführt, erregte die Bewunderung der zahlreich zugeströmten Menge. Wieder wurde vom hochw. Herrn Pfarrer eine Rede gehalten über die Bedeutung des Altares. Die Bereitwilligkeit der Bewohner, die fast alle dazu beigetragen haben, die Kirche so schön zu schmücken, der Eifer des Herrn Pfarrers Franz Steiner, der, um diesen Zweck zu erreichen, keine Mühe scheute, wurde vom Redner dankend anerkannt.
Quelle: Kremser Zeitung vom 23.9.1905  

 

Erst im Jahr 1928 wurde die Kirche wieder ausgemalt, und zwar vom Kirchberger Malermeister Wilhelm Klug. Gleichzeitig wurden sämtliche Ornate und verschiedene kirchliche Gefäße durch die Schwestern des göttlichen  Heilands in Wien vollständig ausgebessert. Ein neues, weißes Messkleid wurde angekauft und die Rauchfässer neu vernickelt. 

Durch die Opferfreudigkeit der Ottenthaler Pfarrkinder gelang es 1936, die Filialkirche ganz bedeutend zu erneuern und zu vergrößern. Den Erweiterungsbau führte Baumeister Österreicher aus Königsbrunn durch. Die Weihe der erneuerten Kirche nahm Kardinal Dr. Theodor Innitzer im Beisein des Landeshauptmannes Josef  Reither vor.

Foto: Altar um 1960, Sammlung Dr. Delapina

                              

Ansichtskarte mit Details der Kirche.

Rechts im Bild sieht man die Töchter der Familie Rudolph,  die bei Messen oft und gerne die Orgel gespielt haben. Oben rechts sieht man Pfarrer Gössinger. 

Karte: Herbert Eder, Kollersdorf 

 

Die Kirche um 1960

Sammlung Dr. Delapina

                                                       

Anlässlich der ersten Pfarrkirchenratssitzung im Jahr 1966  wurde die neuerliche Renovierung der Kirche beschlossen. Die Baumeisterarbeiten hat wieder die Firma Österreicher, die Malerarbeiten Herr Adolf Stark aus Kirchberg, die Elektro-Arbeiten die Firma Kolar aus Kirchberg, die Zimmermannsarbeiten Firma Kettinger aus Kirchberg und die Arbeiten am Hochaltar die Firma Weidenauer aus Horn durchgeführt. Das Dach überstiegen Arbeiter der Firma Marecek aus Kirchberg. Dank dem Entgegenkommen der Gemeinde konnte der Aufgang der Männer gedeckt werden. Die Tischlerarbeiten führte die Firma Aschauer aus Neustift aus, die auch einen neuen Beichtstuhl anfertigte. Die Arbeiten konnten wieder durch großzügige Spenden der Ortsbevölkerung durchgeführt werden.

 

Die Firmen Becker und Stark aus Kirchberg arbeiteten 1985 zusammen mit freiwilligen Helfern aus dem Dorf an der kompletten Renovierung der Kirche. Als die Männer die letzten Bänke beim Abschlagen der Mauer hoben, sahen sie, dass sie fast alle morsch waren. So entschloss sich die Pfarre, die Bänke ganz zu ersetzen. Bei einer Sammlung im Ort wurden für die Bänke 270.000,- S  gespendet. Die Firma Ehn aus Kirchberg fertigte die neuen Bänke an, die nach der Mauersanierung und Bodenerneuerung aufgestellt wurden. 

 

Anlässlich des 200-jährigen Bestehens der Kirche feierte ganz Ottenthal am 3. Juli 1994 ein großes Fest. Der Pfarrgemeinderat lud alle Bewohner zum Mittagessen ein. Die Bevölkerung nahm die Einladung gerne an und versammelte sich rund um die Kirche. 

Eindringendes Wasser hat das Erdmaterial unter dem Zubau aufgeweicht und ihn absinken lassen. Auf Grund einer Empfehlung des Bauamtes der Diözese wurden die neuerlichen Renovierungsarbeiten im Jahr 1999/2000 mit der Drainagierung rund um den Zubau begonnen. Erst dann ging man daran, die entstandenen Risse an Mauern und Gewölbe auszubessern. Im Zuge dieser Arbeiten wurde auch das Pfarrhaus, das in früheren Jahren den Priestern als Wohnung gedient hatte und nicht mehr den heutigen Bedürfnissen entsprach,  abgerissen und durch ein Gemeindehaus ersetzt, in dem nun alle pfarrlichen und weltlichen Feste gefeiert werden können.

 

Im Jahr 2011 bekam die Kirche neue Türen und 2012 wurde der im Jahre 1870 errichtete Kirchenturm renoviert und komplett mit silbergrauen Rheinzink-Platten verkleidet. 

 

2020 wurde die Kirche wegen gravierender Schäden am Grundfest vorläufig geschlossen.



 

Der Kirchenpatron

Bischof Ulrich (= Beherrscher des Erbgutes) von Augsburg wurde 890 als Sohn des Gaugrafen Hupald von Dillingen geboren. Sein Vater bereitete ihn für den geistlichen Stand vor – nach seinem Studium in St. Gallen wurde er 923 zum Bischof von Augsburg ernannt und war einer der Bezwinger der Ungarn auf dem Lechfeld im Jahr 955. Er nahm seine seelsorgerischen und auch die staatlichen Aufgaben ernst und verstärkte die Missionsarbeit bei Klerus und Volk. Er sorgte für die Klöster und unterstützte die Armen. Insgesamt fünf Mal pilgerte er nach Rom. Nach und nach zog er sich aus seiner öffentlichen Tätigkeit zurück, um sich geistlichen Aufgaben zu widmen. Er starb am 4. Juli 973 und wurde in der von ihm nach der Verwüstung durch die Ungarn wieder aufgebauten Augsburger Kirche St. Afra beigesetzt. Angeblich wurde er schon im Jahr 993 heiliggesprochen.

Er wird als Bischof mit Stab und Buch dargestellt, manchmal mit einem Fisch oder mit Ratten.

Ulrich ist der Heilige der Reisenden,  Winzer und Sterbenden. Er wird weiters angerufen bei schwerer Geburt, gegen Fieber, Tobsucht und Tollwut, Ratten- und Mäuseplagen, Wassergefahren und Überschwemmungen. Sein Fest wird am 4. Juli gefeiert.

Zum Lostag gibt es folgende Regel:
Regen am Sankt Ulrichstag macht die Birnen stichig-mad.

 

Quellen:
Pfarrchronik Kirchberg am Wagram
Homepage der Pfarre Kirchberg am Wagram

 

Jänner 2014
Maria Knapp