Das Granitzhaus

früher Nr. 43, heute Nr. 52

 

Letzte Änderung:  2.9.2017

 

Das Haus befindet sich etwa 500 m südwestlich der Kirche in der Au. Es gehörte zur Herrschaft Grafenegg und war lange Zeit ein Gasthaus. Am Haus führt das Granitzwasser vorbei, das früher ein schiffbarer Donauarm war.  Das Wort leitet sich vom slowenischen „grancia“ ab, das „Grenze“ bedeutet.  In der Donaustromkarte von 1817 ist „Grenzhaus“ eingetragen. 

   

Die heute  ausgetrocknete Lahn, die nur bei hohem Grundwasserstand Wasser führt. 

 

Um/nach 1500
war das Wirtshaus angeblich ein evangelisches Zentrum für deutsche Flößer.  

Um 1770
wird es im Grundbuch folgendermaßen beschrieben: „Ein behaustes Guth nächst Winkl wo vorlen einz herrschaftl. Tafehrne und sogenannte graniz Würths Haus gewesen und von der Herrschaft Gravenegg ao 1775 verkaufft worden“.

 

Wirte und andere Bewohner des Granitzhauses

1607
Paul Leüthner war laut Grundbuch Grafenegg der Besitzer des Gasthauses

1622
Veitt Hayder, Wirt des Granitzhauses (Quelle:
AT-OeStA/FHKA AHK NÖHA W 86) 

1663
Casparus und Sophia Grasser anlässlich der Geburt von Tochter Maria Catharina. Taufpatin war Magdalena Semblerin. Ein Friderich Sembler wird um diese Zeit als Schiffmühler in Winkl genannt.
 

1668
Der Wirt Joannis Strämötz und seine Gattin Regina lassen die Tochter Maria Christina taufen. Als Taufpate fungiert niemand geringerer als die Gattin des Kirchberger Händlers Joannis Platzer, woran man die Bedeutung des Granitzhauses sehen kann. Sie dürften überhaupt gute Beziehungen nach Kirchberg gehabt haben, da sie kurz darauf Paten eines Kindes der dortigen Familie Harminger waren.
 

1671
Dem Ehepaar Stramitz wird der Sohn Ferdinand geboren.

1678
Thoma Freydeckher ist hier Wirt (hospitis). 

2.11.1679/1687
Eva Rosina, die Tochter des Thoma Freydeckher stirbt mit 5 Jahren.  

19.2.1684 
Josef, der Sohn des Paul Perger, Abdöckhers im Gräntizhaus und seiner Gattin Regina, wird getauft.
 

8.5.1684
Maria Freideggerin aus dem Granitz Hauß stirbt mit 40 Jahren.  

5.3.1688
Maria Elisabetha, die Tochter des Georgij Blank, Abdeckers im Granitzhaus stirbt. 

14.9.1692
Joannes, Sohn des Florian Heyzensamer, stirbt mit 3 Wochen.
 

11.6.1693
Dem Lorenz Schindhofer und seiner Frau seiner Frau Maria wird die Tochter Justina geboren. 

1695
"Andreas Freÿ Abdäckher am Gränizhauß zu Winckhl bekhent auf aingezogenen Bericht von indicien himit untigem dato in der Guette wie das er und seinem Dienstmenschen  Rosina die verwichene Pfingstfeÿertag Nachmittag in der vollen … in der negstbeÿ seinem Hauß ligenten Hauß an zwaÿ mahl einen Ehebruch begangen hat, destwegen Ihme für ihm und das Mensch /: so Er nach dem Er gewußt, daß Sÿe Verrathen somit  hinweckh geschickt :/  Straff dictirt worden vier und sechzig Gulden.
Actum den 27. Aug. 1695."
Quelle: AT-OeStA/FHKA AHK NÖHA W 86 

1707
"Straff
Am 5. Martÿ ist der Würth am Gränizhaus zu Winkhl wegen mit dem Hainl und Schäfflmüller aldort gehabten Rauffhandl gestrafft worden pr. 3 f."
Quelle: AT-OeStA/FHKA AHK NÖHA W 86
 
1724
Karl Moser und Maria Magdalena wird Tochter Maria Clara geboren.
 
1751
In einem Grundbuch der Herrschaft Grafenegg wird das Gräniz Haus mit einem Zehntel von 200 fl, also 20 fl Steuer genannt.
(Quelle: Dominical-Fassion über Cleine Fidei Comiss Herrschafft Gravenegg und hierzue Incorporirte Gütter com appertinentijs des V:U. und O:M:Berg.
Eingef. den 28. Juny 1751
Archiv Vizedom 1138)

1771/ 1773/1778
Der Weinhauer und Wirt (cauponis) Johann Wöber und seine Gattin Eva Maria, geb. Schaupp, bekommen die Tochter  Anna Maria. 

1773
wohnt hier der Wirt Joseph Einzinger mit seiner Frau Anna Maria. 

1779
stirbt der Wirt Johannes Wöber. 

1779
S
ebastian Pernstorfer, Sohn des Fischers Leopold und der Anna Maria, heiratet Eva Maria, die Tochter des Wirts und Witwers  Johannes Wöber und seiner Frau Eva Maria. Ab 1780 ist er Eigentümer. 1782 stirbt Eva Maria mit 35 Jahren, 3 Monate nach der Geburt des Sohnes Joseph. 


J
akob Solterer wird Eigentümer (ohne Jahreszahl im Grundbuch). Er wird 1787 als Ackerbesitzer in der Ried „an der Donau“ ausgewiesen, wobei er gleich 50 Joch an Auen und Wiesen besaß. 

1802
kauft Lorenz Schamötzer das Anwesen, wie sich später herausstellt, als Strohmann für den Lilienfelder Hofrichter Franz de Paula Pfeiffer.

Um 1793
Das Bestandswirt-Ehepaar J
osef und Magdalena Leuthner , geb. Dirin. Sie sterben beide im Jänner 1794 am Typhus. Die beiden Söhne Michael und Leopold, 5 Jahre und 3 Monate alt, kommen zu den  Thürnthaler bzw. KollersdorferGroßeltern.

1798
J
ohann Roskopf wird als Gastgeber bezeichnet. Seine Gattin ist Katharina geb. Steiner. 1798 wird Tochter Juliana geboren, 1806 stirbt Katharina mit 40 Jahren an der Ruhr.

1807
Heirat Joseph Bauer, Wirt im Granitzwirtshaus, 47 und Katharina Hammerschmied (Vater Fischermeister in Winkl 16),  24 Jahre. Sie erwerben das Haus durch Kauf. 

1819
Der Wirt Joseph Bauer verstirbt, seine 
Witwe  heiratet den Josef Exinger.

Im Amtsblatt zur Wiener Zeitung wurde dazu am 19. April 1819 folgender Aufruf veröffentlicht:
" Convoc. Bauer's Erben und Gläubiger.
Vor der Herrschaft Grafenegg haben alle jene, welche an die Verlassenschaft des am 15. Januar d. J. verstorbenen Joseph Bauer, Besitzer des sogenannten Gränzwirthshauses nächst Winkl, als Erben, Gläubiger, oder aus was immer für einem Rechtsgrunde Ansprüche zu machen gedenken, am 4. May d. J. früh um 9 Uhr entweder persönlich, oder durch einen hinlänglich Bevollmächtigten zu erscheinen, und ihr vermeintliches Recht darzuthun; widrigens die Verlassenschaft jenen, die sich rechtlich werden ausgewiesen haben, ohne weiters eingeantwortet werden wird. Grafenegg den 9. März 1819." 

1821
Leopold und Katharina Exinger kaufen das Haus. 

1824
Magdalena, die Gattin des Abdeckers Georg Mahler, stirbt hier.

1831
Im Franziszeischen Kataster ist Leopold Exinger, Kleinhäusler, als Eigentümer angeführt. Das Haus wird im Text als Wirtshaus ausgewiesen, ist auf der Karte aber nicht also solches gekennzeichnet. Er war mit Katharina Weber aus Pischelsdorf verheiratet.

Um 1833
w
ohnte hier der Hauer Josef Weber, lediger Sohn der Katharina aus Pischelsdorf.

1836
Das Haus gehört der Witwe Katharina Exinger alleine. 

1836
Sie verkauft das Haus an  Joseph Weber und seine Frau Theresia, geb. Hof aus Langenlebarn.
 

1853
Nach dem Tod seiner Frau gehört das Haus dem Josef Weber alleine. Er verkauft es aber und erwirbt anstatt dessen mit seiner zweiten Frau Teresia geb. Zillner aus Grafenwörth das Haus Nr. 42 im Oberort.

1853
Herr August Graf von Breuner, Besitzer des Gutes Grafenegg kauft das Haus. Das Haus ist seither Eigentum der Herrschaft Grafenegg. 

1862
Michael Mitterbauer, verehelichter pensionierter herrschaftlicher Gärtner, stirbt hier mit 61 Jahren an einer Lungenlähmung.

Um 1863
Laut Eintrag in der Pfarrchronik von Kirchberg spendete die Herrschaft Grafenegg das Material des „alten Granitz Hauses“  zum Kirchenumbau. Das Haus wurde also um diese Zeit neu aufgebaut. 
Katharina Exinger stirbt, ihr Gatte Leopold ist vor ihr gestorben. 

Nach 1913
Johann Passecker und seine Gattin Maria wohnten eine Zeit lang hier als Inwohner. 

1919
Schuster Josef (geb.1892) heiratet  Walpurga Passecker, (geb. 1895) aus  Kollersdorf
Kinder: Maria (1936), Josef (1920) 

1944/45
Kristiment Franz, Landwirt, 2 Kinder
Auch Nikolaus Riedl wohnte hier mit seiner Familie.


Das Granitzhaus Mitte des 20. Jahrhunderts, aus der Broschüre "Geschichten aus Winkl"  

Um 1970
S
chuster Josef jun. 

Danach/Heute
Das Haus war jahrelang unbewohnt bevor das Ehepaar Otto und Brigitte Kress hier einzog. Nachdem das Ehepaar ein Haus im Ort erbaut hat, wird das Granitzhaus 
als Lager für Holz und Geräte verwendet. 

  
Das Haus heute

 
Die Granitzbreiten nördlich des Hauses

 

Es ist nicht immer klar ersichtlich, ob die jeweiligen Bewohner des Hauses die Besitzer oder Inwohner waren, auf eine Unterscheidung wird daher im Artikel verzichtet.

 

Quellen:
Pfarrmatriken Kirchberg am Wagram
Otto Fandl,  Geschichten aus Winkl
Schulmatriken Winkl
https://www.google.at/?gws_rd=ssl#q=anno+digitalisierte+zeitungen 

 

 

Oktober 2013
Maria Knapp