Haus Winkl 42 - ein ehemaliger Adelssitz

 

Letzte Änderung: 17.10.2015

 

 
Im Begleittext zur Josephinischen Landesaufnahme um 1780 wird von einem kleinen Schloss im Dorf gesprochen: "Winkel:  Das kleine Schloß oberhalb dem Dorf ist solide, so wie die unterhalb liegende Kirchen, der Kirchhof aber von Brettern. Das Schloß dominiret das Dorf, und die Gegend, die Kirche die an der Donau liegende Gränz, und Abdeckerhaus."
 
Laut der dazugehörigen Karte ist es ein Leichtes, dieses Haus, das viel größer als die umliegenden dargestellt ist, ausfindig zu machen. (Karte siehe hier: 
Es handelt sich dabei um das heutige Haus Nr. 42,  von dem Kooperator Wilhelm Sponer 1866 in der Kirchberger Pfarrchronik schrieb: "Als vor ungefähr 200 Jahren der letzte Priester nicht mehr bei der Kirche habe wohnen können, hat er sich auf das Haus Nr. 42, das früher einstöckig war zurückgezogen. Dieses Haus scheint also Kirchengut gewesen zu sein."
 
Dieses Haus gehörte nicht wie die anderen Häuser zu den Herrschaften Grafenegg oder Winkelberg, sondern mit fünf anderen zum Vizedomamt in Wien. Das war die Verwaltung der landesfürstlichen Güter. In den Vizedomakten treten uns daher auch die ersten namentlich genannten Besitzer entgegen.
Noch 1590 gehörten laut Bereitungsbuch 24 Häuser Herrn Bernhard Turzo zu Grafenegg, 7 Häusern Hans Moser zu Winkelberg und ein Haus dem Stift Schlägl (im Bereitungsbuch falsch eingetragen mit der Herrschaft Oberstockstall). 1601 kam es zu einem Besitzerwechsel. Martin von Starhemberg übernahm den Besitz von Bernhard Turzo. Dabei dürften einige Anwesen an das Vizedomamt gekommen sein, denn bereits 1603 findet man in den vizedomischen Unterlagen Akten über Winkler Häuser.

 
Wolf Nürmberger
Der ersten namentlich genannte Besitzer ist Wolf Nürmberger. Als seine Frau Maria stirbt,
verkauft er seinen Besitz am  25.1.1610 an Paul Pätzelt und seine Frau Magdalena.
„… alß Erstlichen Fünf unnd zwainzig Joch aekher, so unnd wissen, dann nach Zwey unnd dreißig Joch ackher so gleichsfalß überlendt sein, umb ain Summa gelts benentlichen ain tausent Sibenhundert gulden Reinisch, unnd Zwölff Duggaten landtkhauff gueter Österreichischer Landts gengiger wehrung.
An den Zeugen dieser Transaktion kann man die Bedeutung des Besitzers erkennen: die Erbarn Geörg Sebolten, Egidy Peer, beede bürger zu Khirchperg, Geörg Haberl, Sesshaft zue Neüstiftt, dann auch den Edlen Herrn Abrahamb Schimperger der Herrschafft Gravenegg Pfleger, unnd Geörgen Niderhammern marckht richter zu Weikherstorff als Zeugen.
Wolf Nürmberger dürfte nach Kirchberg gezogen sein, da er später dort erwähnt wird.

 
Paul Päzelt
1613 ist Magdalena Päzelt verstorben, der Vertrag über das Erbteil seiner vier ehelichen Kinder namens Gregor, Wolfgang, Thomas und Andreas wird am 10. Juni 1613 abgeschlossen.
Der Witwer heiratet Maria. Als er 1620 stirbt, übernimmt diese den Hof.

 
Philipp und Maria Posch
1624 heiratet Maria Päzelt den Philipp Posch. Im selben Jahr wird der Erbvertrag mit drei Kindern aus ihrer Ehe  mit Paul Päzelt aufgesetzt, Sohn Gregor wird dabei nicht mehr erwähnt.
Derr oben erwähnte Wolfgang Päzelt, der im Preinerischen Regiment als Musketier gedient hat, bittet - ebenfalls 1624 - die Stiefmutter um weitere Barmittel, da er von den Erbfeindt in der Schütt gefangen, und außgeplindt worden, und Zerrissener widerumb zue winckl Zue meinen Stieffvatter angelangt  ist.
 
 „Gwöhr Auszug
Philipp Posch und Maria seiner Ehewirthin
Philipp Posch und Maria sein eheliche Hausfraw, haben Nuz und Gwöhr empfangen, umb Ihr Behaustes Guett zu winckhl, sambt dero ain: und zuegehörigen gründten als zweÿ Joch akher, und ainen Gartten, irers in dem Röm: Khaÿ: Maÿ: Castenambts in wienn einen Urbarj und Gründtbuch ainverlaibt ist und darumben vormals Paul Patzölt, und Magdalena sein Ehewirthin, ain geschriben gestandten, nachmalln mit Heürath von Patzölt, an obbenennte Conleüth khummen davonan jährlich zu St. Michaelÿ, in höchstgedacht: Khaÿ: Maÿ: Castenambt dient 4 Mezen vogt Habern, Robath geldt 2 d und nit mehr. Mügen nun hinfüro mehr gedachte Conleüth, mit solcher Ihrer Behausung, und den zue gehörigen gründten, Ihren Nuz und frommen schaffen, und suchen, wie sie verlust, als mit andern Ihren aigenthumblichen güettern, doch daß Ihr Maÿ: der Jahrliche Vogt habern, sambt dem Robath geldt, in dero Castenambt zu Wienn zu ordentlicher Zeit unt nicht underlegt werdten. Actum wienn den 22 december Ihm Sechszehen hundert vier und zwainzigisten Jahr.
Lorentz Ernst Schwartzmann, Khaÿ: Castner“
 
Die von vielen Herrschaften erhaltenen Gewerbücher enthalten Angaben über Art und Umfang der Liegenschaft, über die auf ihr ruhenden Abgabenverpflichtungen, über den oder die früheren und nunmehrigen Besitzer sowie über den Rechtstitel der Besitzübertragung. Sie sollten das Besitzrecht des Inhabers sichern und sind mit den heutigen Grundbüchern vergleichbar.
 
Maria Posch, die kinderlos blieb, macht im Jahr 1630 ihr Testament, wobei sie ihren Besitz ihrem Gatten vermacht.  Interessant ist der Umstand, dass das Ehepaar den Knaben Andreas aus der Vorehe von Philipp schon nach Wien in die Schule geschickt hat, wie im Testament vermerkt ist:
„Item ist auch zuvermerkhen, demnach vor etlichen Jahren gedachte fraw Irem Vöttern Georg Ginsthofern, Bürger und Goldtschmidt in Wien ein Viertl Weingarten verschafft, umb willen, daß er Irem Stieffsohn Andree Päzelt, welchen sy nach Wien in die Schuell gethan, alls ainen Jungen Knaben in guete acht und Uer Schuell verholden solle. Die weillen aber solches in wenigsten nit beschehen sondern hat denselben gar nit mit sich nach Wien gebracht, also daß niemandts nach dato waiß, wo der hinkhumben ob Er lebendig oder todt sey; ist Ihr Endtlicher will daß solcher Weingartten neben andern vermöcht Ihren lieben Haußwürth Philipp Poschen neben andern verbleiben solle.“

 
Johann Leopold Khnor (Knöer)
Er erwirbt den Hof vor 1647und hat diesen bis 1649 inne.
Er wird im Kaufvertrag des späteren Käufers Johann Christoph Pfeffer von Pfeffershofen als Edler Herrn Johan Leopolden Khnoren ainen Löbl: N:Ö: Landtschafts Herrn Verodneten Ingrossisten bezeichnet, er war also ein Hypothekenbuchhalter.
 
1647 kommt es zu einem Erbschaftsstreit zwischen Thomas Päzelt und den „Poschischen Erben“, wobei nochmals die Rede vom verschollenen Bruder Andreas Päzelt ist. Thomas fordert „… in suma Dreyhundert Fünff und zwainzig gulden reinisch solcher gestaldt zerlegen und zubezahlen schuldtig und verbundten sein! Nemblichen von dato inner acht tagen daß ist den Zwelften diß Monaths Novembris sollen Sy Poschische Erben Ime Pazelten daß ienige vorhandene Silber geschmeydt so Sy auß der Poschischen Verlassenschafft empfangen, umb ain billichen werth nacher khandtnuß guetten leith, oder das gelt darfür gegen Schein, einzuhendigen schuldtig sein.“ Außerdem will er 100 Gulden aus dem Verkauf des Gutes an Leopold Khnor.

 
Johann Ulrich Wenzl
Johann Ulrich Wenzl wird am 16. Februar 1650 anlässlich der Geburt des Sohnes Joannes Ignatius in den Pfarrmatriken von Kirchberg als Besitzer des „Pruckhofes“ genannt. Taufpate ist Caspar Beer, Pfleger der Herrschaft Oberstockstall, was auf die hohe Stellung des Winklers hinweist.
 
 
 „Den 16   (Februar 1650)
 Pater der Edl undt vöste Herr Johann Ulrich Wenzel am Pruckhoff zu Wünckhel
Mater Maria Salome gebohrne Ströblin
 Infans Joannes Ignatius
Patrinus  Der Edl undt veste Herr Caspar Beer am Edlhoff undt der Herrschaft Khirchberg Pfleger.“
 
Ob er Besitzer des Hofes war, ist fraglich, da er im oben genannten Kaufvertrag nicht angeführt ist.

 
Johann Christoph Pfeffer von Pfeffershofen
Der aus dem mährischen Adel stammende Johann Christoph Pfeffer von Pfeffershofen erwarb im September 1649 das Haus, der Gewährsauszug datiert aus dem Jahr 1650.
 
„Der WolEdl und Gestreng Herr Hänß Christoph Pfeffer von Pfeffershoven, der Röm:Kaÿs: Obrister Leithenambt sambt Seiner Ehefrauen, Frau Barbara geborene Stränzerin haben Zugleich nuz und Gewähr Empfangs umb ain behaustes Guett zu Wünkhl sambt dessen ein und Zuegeherigen Gründten alß ZwaÿJoch Ackher, und ain Gartten wie solches in allerhechst gedacht Ihero Kaÿl: May: Castenambt Urbari und Grundtbuch in Wien, einverleibt ist, Darumben vormahl Phillip Posch ux Maria Uxor an der Gewöhr geschriben gestanden. Vor dessen Erben es durch Kauff an HH Johann Leopold Kneör ainer Löbl. N.Ö. Landtschafft Canzlei Ingrassisten. Und vom Ime auch durch  ordentlichen Kauff an eingangs befasten Herrn Pfeffer und dessen Ehefrau kommen, davon man Jarlichen zu Michaeli in allerhechst gedacht Ir Kaÿ: Maÿ: Kastenambt hir megen forthaben, und … schilling Pfening Robothgelt auf wolgefallen Zu dienen schuldig, mögen also wol besagte Leith mit gesagten Guett Ihren nutz und fromben schaffen, und  wie Sÿ gelustet und beliebet, wie Grundtbuches recht ist.'
Actum Wien den 18. Maÿ Ao 1650“ 
 
Vorher war er in Au im Wienerwald Forstmeister, wie im Buch „Geschichte des Wienerwaldes“ von W. Twerdy nachzulesen ist.
In den Pfarrmatriken von Kirchberg wird er am 2. August 1656 anlässlich der Geburt der Tochter Maria mit seiner Gattin Eva Barbara erwähnt.
 
1651 und 1656 wurde gegen Johann Christoph Pfeffer von Pfeffershofen wegen Nichtbezahlung des Kaufpreises des Gutes Exekution geführt. In einer Erkenntnis vom 23. Juni 1657 stellte sich jedoch heraus, dass er von Johann Leopold Khnor einen Teil der gekauften Äcker und Gerätschaften nicht erhalten hatte.

1672  wird er anlässlich einer Patenschaft noch als in Winkl wohnhaft geführt. Am 7. März 1679 wurde er in Wien in den „Alten Ritterstand“ erhoben. Ob er da noch in Winkl wohnte, ist nicht bekannt.
 

Eintrag in den Matriken von Kirchberg

 
Seyfried Leonhard Steger von Ladendorf
Am 18. April 1684 scheint Seyfried Leonhard Steger von Ladendorf mit seiner Gattin Maria Lucretia Freiin von Pergen († 6. August 1720), anlässlich der Taufe der Tochter Maria Johanna Ernestina am „Freihof zu Winkl“ wohnend auf. Ob es sich wirklich um einen Freihof gehandelt hat, ist nicht geklärt.
Die Familie der Steger von Ladendorf hatte die dortige Burg zwischen 1550 und 1658 inne, bevor sie Wilhelm Johann Anton Graf Daun erwarb. Maria Lucretia stammte aus dem Geschlecht der Grafen von Pergen. Diese Familie trat in der Mitte des 15. Jahrhunderts mit Thomas von Pergen erstmals in Erscheinung. 
 
 
Bapt: e Maria Johanna Ernestina fil. L: Ill. ae Gen
Dom: Baronis Leofridi Leonardi Stöger a Ladendorff
et D: Uxoris Maria Lucretia von Pöring zu Winkhl in Freyhoff
pat. Ihro gnaden H. Joan Franz von Pfeffershofen et illma D: Uxor Joanna Susanna Ernestina gebohren von blabenstein wohnhaft zu Gädersdorf.
 
 
Joseph Heinrich Scheler von Ungershausen
Joseph Heinrich Scheler von Ungershausen (* 1632, † 14. November 1697 in Krems), Herr auf Artstetten, Inhaber der Herrschaft Droß, Quartiermeister und kaiserlicher Obristwachtmeister im Regiment Montecucculi, kaufte 1686 den Hof.
Er stammte aus einem Ulmer Kaufmannsgeschlecht, das 1727 in den Reichsadelsstand erhoben wurde. Ihr Stammwappen ist immer noch am Ulmer Rathaus zu sehen. Joseph Heinrich wanderte nach Krems aus. In erster Ehe war er seit 1661 mit Susanna Regina Freiin Spindler von und zu Hoffeck verheiratet, die 1693 verstarb, in zweiter Ehe mit Maria Isabella. Ob er hier gewohnt hat, ist nicht bekannt.
 
Der Gewährsauszug:
„Der wohl Edl gebohrne Herr Joseph Hainrich Scheller von Ungershausen, Herr auf Artstetten, General Landt Obrist Leidenandt in Osterreich Undter der Enns empfangt nuz und gwöhr vor Ein Hofstadt zu Winkhl, darzue zweÿ Joch ackher, und ain Gartten gehörig, welcher Er von titl Herrn Seÿfridt Leonhardt Steger freÿherr von Ladendorf und dessen Frauen Gemahlin Maria Lucretia  Einer gebohrnen Freÿin von Pergen wie in lit A fol. 283 zusehen khäufflich an sich begracht hat. Darvon er Jährlich der Röm: Kaÿs: maÿ: Chasten Ambts Grundtuch zur schuldigen Vogtheÿ vier Mezen Haber, undt dreÿ Schilling Robath Geldt andoch auf wolgefahlen  des Vogtherrn zuentrichten hat.
Mag demnach nach Grundtbuchsrecht und Ordnung seinen Nuzen und fromen nach erlieben suechen. Zu Urkhundt dessen, ist diser gwöhr Auszug mit des hoch edl gebohrnen Herrn Carl Godthardt von Carlshoffen Herrn auf Heindorff und zum Windterberger Hoff, der Röm: Kaÿs: Maÿ: landt Rat und vice domen in Österreich undter der Enns angebohrner Fertigung und eigner Undterschrifft angeförttiget worden.
Actum Wien den 17. Jener 1686.“
 

Siegel von Joseph Heinrich Scheler von Ungershausen
 
Die Schellergasse, die gleich neben dem Anwesen nach Frauendorf führt, dürfte ihren Namen von diesem Besitzer erhalten haben. Die Ansicht, dass der Name vom Glockenturm – schellen – kommt, kann nicht stimmen, da dieser Turm erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts errichtet wurde, der Name aber bereits in der Maria Theresianischen Fassion aus dem Jahr 1751 erwähnt ist.

 
Johannes und Gertraud Poltzer
Joseph Heinrich Scheler verkaufte den Hof im Jahr 1696  an den aus Altenwörth stammenden Johannes Polzer und dessen Ehefrau Gertraud (ca. 1652 – 1709):  „Inheindt zu Endt gesezten dato ist zwischen dem Wohl gebohrnen Herrn Herrn Joseph Heinrich Scheler von Ungershaussen, Herrn der Herrschafft Dross Röm: Kaÿ: Maÿ: Generall Landt oberst Leüth: in N:Ö: Undter der Ennß. Alß der verKhauffer an einem dan dem Ehrn geachten Herrn Johannes Boltzer undt gertraut seiner Ehe würtdtin alß Khauffern.   Andern Theÿls nach folgenter wohl bedachtlich und un widter ruefflicher Khauff geschlossen wordten…… vier tausent und finff hundtert gulten Reinisch sambt hundert gulten Leikhauf, der gestalten daß dreÿ tausent gulten sambt dem Leÿkhauff jetzo gleich Pahr erlegt, die Ibrige funfzehen hundert gulten aber er abkhauffer Herr Boltzer undt sein Ehe würdtin, auf khinfftiges 1697gistes Jahr khummende Liecht messen dem Herrn Verkhauffer sambt dem Verfallenten inderese zu 5 procento zu bezahlen
 
1710 sind Johann Polzer und seine Gattin bereits verstorben. Drei ihrer Kinder, Nicolaus, Sebastian und Hans Petter sowie Schwager Marx Lutz, die im Haus leben, leiden sehr unter ihrem Schwager, dem Bestandmüller der Herrschaft Grafenegg, Johann Jobst. Sie bitten in einem Brief an das Vizedomamt in Wien um Abhilfe.
 
1745 wurde das Vizedomamt zwecks Sanierung der Staatsfinanzen aufgelöst und zahlreiche landesfürstliche Güter und Grundherrschaften verkauft und die restlichen der Herrenkurie, Ritterkurie und Prälatenkurie der Landstände überlassen.
Die sechs Höfe in Winkl gingen an Frau Maria Francisca Gräfin Breunerin, geb. Gräfin Rothall, die Besitzerin der Herrschaft Grafenegg.

 
Johann Petter Schmalz
Um 1748 wir Johann Petter Schmalz in den Grafenegger Akten als vicedombischer Unterthan geführt und in verschiedenen Grundbüchern dieser Zeit erwähnt.

 
Johann Mathias Peterfeind
Er ist der erste Eigentümer, der im Jahr 1768 im neu angelegten Grundbuch aufscheint. Er dürfte finanzielle Schwierigkeiten gehabt haben, da der Besitz einige Male zur Versteigerung ausgeschrieben war. Die Versteigerung wurde von der Herrschaft Grafenegg in die Wege geleitet.
 
„19.4.1775
Von der gräfl. Karl Breunerischen Herrschaft Grafenegg verordneten judiccio delegato wegen wird hiemit jedermänniglich zu wissen gemacht: Es sey über die aus Abgang einiger Käufer fruchtlos abgelofene Licitationstagsatzung zu nachmaliger Licitirung des dem Herrn Joh. Mathias Peterfeind, weltl. Priesters, eigenthümlichen zu Winkel liegenden Hofes und Hausgründen, dan andern ihm gehörig zur Herrschaft Gravenegg dienstbaren Ueberländgrundstücken auf wiederholtes Anlagen eine nochmalige Tagsatzung auf den 27. April dies Jahres bestimmet worden. Solchemnach werden all und jede, so ermeldten Hof zu Winkel sammt den dazu gehörigen Hausgründen, oder auch einige der Ueberländgrundstücken zu kaufen gedenken, an ermeldten Tag früh um 9 Uhr in der Herrschaftskanzley zu Gravenegg zu erscheinen haben, wo sodann mit dem Meistbietenden der Kauf geschlossen werden wird.“
 
1779 wurde das Haus nochmals zur Versteigerung ausgeschrieben. 1812 verstarb Pfarrer Peterfeind in Wien
 
In den Pfarrmatriken werden Inwohner am Haus genannt:
Um 1771: Joannes Wöber, Vinitor
Vor 1772: Thomas und Theresia Mathias
1773: Der Zimmermann Andreas Gurhofer und seine Gattin Anna Maria geb. Maierhofer, bekommen den Sohn Sebastian. Dieser stirbt mit einem Jahr.

 
Albert und Elisabeth Reiss 
1784 übernehmen Albert    Reyss und seine Gattin Elisabeth, geb. Hitzinger, den Besitz. In diesem Jahr wird auch Sohn Michael geboren. 1787 wird er in der Josephinischen Fassion als Besitzer genannt.
 
1786 heiratet der Bauer Christoph Joseph Klee, Sohn des Augustin und der Anna Maria, gebürtig aus „Markt Graischheim im Seehoff“, Elisabeth, die Tochter des Wagnermeisters Joseph Iral aus Kirchberg.

 
Michael und Maria Donschachner
Michael Donschachner (2.9.1755 – 27.4.1811) stammte aus Jettsdorf. 1777 heiratete er Anna Maria Schabmayr aus Sachsendorf 17 und zog zu ihr. Sie hatten drei Kinder, Laurentius, Anna Maria und Leopold.
1801erwarb das Ehepaar das Haus in Winkl um 3200 fl. Nach dem Tod seiner ersten Gattin im Jahr 1808 heiratete er Anna Maria. 1811 starb Michael Donschachner, der Hof hatte laut Grundbuch einen Wert von 15.250 fl.
 
1802: Der Inwohner Benedikt Karl heiratet Gertraud Haußner von Rossatzbach.

 
Joseph und Leopold Mayer
erwerben im selben Jahr das Anwesen als Erben der Anna Maria Donschachner um denselben Wert. Es dürfte sich um Verwandte der Witwe gehandelt haben.

 
Michael und Theresia Friedl
kaufen das Haus im selben Jahr um 18.800 fl.

 
Familie Maringer
Joseph und Barbara Maringer kaufen das Haus 1817 um 10.000 fl. Joseph Maringer stammte aus Mallon, seine Frau war die Tochter von Lorenz Mantler von Winkl 17. Die Töchter Barbara und Johanna wurden 1803 bzw. 1818 geboren.
 
1820 kaufen der Bruder von Josef, Karl Maringer und seine Frau Theresia, das Haus um 4000 fl. Barbara und Theresia waren Zwillingsschwestern. 1827 stirbt Theresia. Der Wert des Anwesens ist zu diesem Zeitpunkt 500 fl Conventionsmünze. Das Nachlassvermögen betrug 1827  490 fl 13 xr.
Bei der neuerlichen Heirat von Karl Maringer mit Theresia Haidvogel aus Theiss im Jahr 1828 wird der Wert des Hauses mit 500 fl CM angegeben. Im Franziszeischen Kataster wird er als Halblehner geführt. Er stirbt 1840.
 
 
Karte: Bundesamt für Eich- und Vermessungswesen, Katastralmappenarchiv, Wien
http://www.bev.gv.at/portal/page?_pageid=713,1604790&_dad=portal&_schema=PORTAL
 
In der Zeit zwischen der Erstellung der Josephinischen und der Franziszeischen Karte hat das Haus eine große Änderung erfahren. Nicht nur, dass die Bedeutung der Bewohner eine geringere geworden ist. Auch das Haus dürfte weggerissen worden und an seiner Stelle ein kleineres errichtet worden sein.

 
Anton Holzinger
erwirbt das Haus 1840 durch Lizitation um 2188 fl CM.
 
Das Patent der Regierung unter Kaiser Ferdinand I. vom 7. September 1848, die sogenannte Bauernbefreiung,  hob die Untertänigkeit der Bauern auf. Die Gründe, die die Bauern bisher gegen Robot- und Grunddienst von der Herrschaft innegehabt hatten, gehörten von nun an den Bauern selbst. Um einen finanziellen Ausgleich zu schaffen, hatten die Bauern ein Drittel des Wertes ihres Besitzes an die Herrschaften in kleinen Raten auf zwanzig Jahre zu zahlen, ein Drittel schoss der Staat aus Steuergeldern zu, den Verlust von einem Drittel hatte die Herrschaft zu tragen.

 
Josef und Theresia Weber
Das Ehepaar erwarb das Haus durch Kauf im Jahr 1850.  Josef  Weber war der uneheliche Sohn der aus Pischelsdorf stammenden Katharina Weber.  Er war mit Theresia Hof aus Langenlebarn verheiratet. Vier der fünf Kinder sind noch im Granitzhaus zur Welt gekommen, wo er mit seiner ersten Frau seit 1836 das Wirtshaus betrieb.
Nach ihrem Tod im Jahr 1853 heiratete er noch im selben Jahr Theresia Zillner, die Tochter eines behausten Weinhauers aus Grafenwörth. Das Haus hatte zu diesem Zeitpunkt einen Wert von  2.550 fl CM. Dieser Ehe entstammte die Tochter Johanna.
Mit dem Hauskauf dürfte er sich ein wenig übernommen haben, da dieses im Jahr 1865 zur Versteigerung ausgeschrieben wurde.
 
„Haus zu Winkl
Von dem k.k. Bezirksamte Kirchberg a. W. als Gericht wird mit Edict vom 30. März 1865 bekannt gemacht:
Es sei in der Rechtssache der Theresia Hainzl von Rohrbach durch k.k. Notar Raschendorfer wider Joseph Weber in Winkl pct. 178 fl 50 kr. in die gerichtliche Feilbietung; der dem Letzteren angehörigen Realitäten und zwar. 1. Das Haus Nr. 42 zu Winkl sammt Haus und Hausüberländgründen per 3740 fl; 2. 1 Joch Acker in Grießfeld per 260 fl gewilliget, und hiezu der 28. April als erster, der 26. Mai als zweiter und der 26. Juni 1865 als dritter Termin bestimmt worden. Kauflustige haben demnach an den obigen Tagen jedesmal um ½ 3 Uhr Nachmittags beim Gemeindevorstande in Winkl zu erscheinen, allwo nach vorläufiger Bekanntgabe der Bedingnisse die Licitation abghalten werden wird.“
Dies konnte jedoch abgewendet werden, das Haus blieb im Familienbesitz.
Josef Weber starb 1888, seine Gattin 1906. Ihre Urnen sind in der nördlichen Kirchenmauer beigesetzt.

 
Johann und Johanna Hummer
Johanna Weber (1855 - 1919) heiratete 1878 Johann Hummer (1854 - 1930) aus Jettsdorf.  Im Zuge dessen ließen ihnen die Eltern den Besitz überschreiben. Das Ehepaar hatte 11 Kinder.

 
Franz und Barbara Walzer
Tochter Barbara Hummer (1879 - 1969) und Franz Walzer (1880 - 1966) aus Altenwörth erhielten 1912 nach ihrer Heirat das Haus überschrieben. Die Eltern zogen mit Tochter Maria als Inwohner im Haus Nr. 35 (heute Grill).
Neben einem unehelichen Sohn, der im Alter von 20 Jahren verstarb, hatte das Ehepaar die Töchter Anna und Johanna.
Johanna (geb. 1919) heiratete Johann Korner aus Absdorf und hatte mit ihm drei Kinder.
 
 
um 1900, das zweite Haus links
Ansichtskarte: Herbert Eder, Kollersdorf

 
Familie Schabl
Anna Walzer (1915 - 1986) heiratete 1936 Johann Schabl (1907-1998) aus  Unterstockstall. Sie übernahmen im gleichen Jahr den Hof. Ihre Kinder: Anna und Johann
 
Sohn Johann (1937 - 1988) heiratet Maria Rauscher (geb. 1937) von Winkl 20. Sie bewirtschafteten den Hof, bis Johann im Alter von 50 Jahren an den Folgen eines Verkehrsunfalles starb.
 
   
Um 1960: Johann Schabl sen. mit Tochter Anna  und Frau Anna Beer
 

Das Haus um 1950
Fotos: Herbert Grill
 
 
2015
 
 
 
Hausbesitzer

 
 
 
Quellen:
NÖ Landesarchiv, Archiv Vizedom, div Akten
AT-OeStA/FHKA AHK NÖHA W 86
AT-OeStA/HHStA SB HA Grafenegg, Akten 238-1
Pfarrmatriken Kirchberg am Wagram
Pfarrmatriken Grafenwörth
ANNO, Historische Zeitschriften und Zeitungen, Österr. Nationalbibliothek
Pfarrchronik Kirchberg am Wagram
Ing. Franz Mann: Was sagen uns die Flurnamen im Bezirk Kirchberg am Wagram, 1959
Helmuth Feigl: Die niederösterreichische Grundherrschaft, St. Pölten 1998
 
 
 
Oktober 2015
Maria Knapp