Gräber der Namenlosen

 

Letzte Änderung: 29.12.2015 

 

Im Winkler Friedhof gab es bis vor einigen Jahrzehnten an der Südseite drei oder vier sogenannte „Kindergräber“, die von den Mädchen gejätet und geschmückt wurden, wenn sie mit Mutter oder Großmutter das Familiengrab besuchten. Tatsächlich handelte es sich laut Überlieferung aber um Gräber von Ertrunkenen, die in der Winkler Freiheit an der Donau gefunden worden waren.
 
1809: Philip Schulz, Gemeiner von Dragoner-Regiment Nr. 4, Obrist d. IIten Escadron, ist mit 32 Jahren am Donauarm ertrunken und wurde in Winkl begraben. 

1809:  Der Fischermeister Peter Hammerschmidt ertrinkt mit 68 Jahren. 

Am 16.4.1844 wurde laut Kirchberger Pfarrmatriken ein männlicher Leichnahm von der Donau ausgeworfen. Laut gerichtlichem Totenbuch ist der Mann am Stickfluss infolge des Ertrinkens verstorben.
 
Wiener Zeitung vom 29.4.1844
Ertrunkener in Winkl
Beschreibung des am 16. April 1844 im Bezirke des Dorfes Winkl am Donauufer vorgefundenen männlichen Leichnames.
Derselbe war bey 5 Schuh groß, von mittlerer Stärke, hatte braune Haare, vollzählige, abgenützte Zähne, und dürfte 35 bis 40 Jahre alt gewesen seyn.
Das Gesicht war wegen eingetretenen dritten Grad der Verwesung ganz unkenntlich, indem der Körper schon bey zwey Monate im Wasser gelegen seyn wird. Die Kleidung des Verunglückten war ganz zerrissen, und bestand aus einem mittelfeinen leinenen Hemde, einem zwilchenen Unterbeinkleide, einer blauzeugenen Pantalonhose, einem braunen Halstuche, einem schwarztüchenen Spenser mit Metallknöpfen in der Form eines Sternes, und aus ledernen Stiefeln, deren Absätze mit Eisen beschlagen waren. In einer Hosentasche lag ein kleiner lederner Beutel, in welchem sich 17 Stück Oesterreichische Silberzwanziger, ferners an Bayerischen und Sächsischen Landmünzen 6 Sück Silbersechser, Ein Silberfünferl und zwey Silberkreuzer vorfanden. Wer über diesen verunglückten Menschen der vermuthlich ein Schiffknecht war, Aufklärung zu geben vermag, wird aufgefordert, die Anzeige hierher zu machen.
Herrschaft Grafenegg den 20. April 1844. 
 

Im November 1848 wurde in der Winkler Au ein unbekanntes männliches Individuum zwischen 30 und 40 Jahren erhängt aufgefunden, alles weitere unbekannt. Der Leichnam wurde in Kirchberg beerdigt.

 
Ob der am 17. November 1849 beerdigte, in der Au erhängt aufgefundene Fremde, auch dort seine letzte Ruhe fand, ist nicht bekannt, aber anzunehmen:
Wiener Zeitung vom 5.7.1849
Erhängter in Winkl
Beschreibung
Des am 14. November 1848 im Bezirke des Dorfes Winkl erhängt gefundenen unbekannten Mannes.
Derselbe war von großer Statur, gut und stark gebaut, und in einem Alter von 35 bis 40 Jahren. Er hatte ein längliches Gesicht, braune Haare, graue Augen, braunen Bart, gute Zähne, gebogene Nase und gewöhnlichen Mund.
Bekleidet war derselbe mit einem schwarzseidenen Halstuche mit weißen und rothen Streifen, einem grüntüchenen Rocke mit beinenen und seidenen Knöpfen, einem zerrissenen Hemde, einer weißen Piquetweste, 1 Spenser, grün, roth und schwarz quadrilirt, einer Pelzhaube mit seidenem Futter, mit ledernen Pelzhandschuhen, kalbledernen Stiefeln, mit 2 zerrissenen Unterziehhosen, dann einer braun-weiß gestreiften Hose von Sommerzeug. Sämmtliche Kleidungsstücke befanden sich im sehr schlechten Zustande.
Wer über diese Mannsperson Auskunft zu geben im Stande ist, wird aufgefordert, hierorts die Anzeige zu machen.
Amtsverwaltung Grafenegg den 15. Juni 1849.
 
1853: In der Donauau wurde die Leiche der ertrunkenen Veronika Hacker aus Zellerndorf, etwa 20 bis 25 Jahre alt, gefunden. Sie wurde in Kirchberg beerdigt.
 
1859: "In der Bergau, Winkler Freiheit, wurde ein männlicher Leichnam, bei 50 Jahre alt, aufgefunden. Der Körper war in hohem Grade der Fäulnis und Mumification, er dürfte vor 6 Wochen verunglückt und ertrunken sein." Er wurde in Kirchberg begraben.
 
1872 wurde in der Au ein unbekannter, männlicher Leichnam erhängt aufgefunden.
 
1879 wurde eine anfänglich unbekannte Frauenleiche aufgefunden. Nachforschungen ergaben, dass es sich dabei um Theresia Weich, die Gattin eines Wegmachers aus St. Florian in Oberösterreich gehandelt hat. Sie war 44 Jahre alt, ob Unfall oder Selbstmord konnte nicht eruiert werden. Sie wurde am Winkler Friedhof beigesetzt.
 
1881 wurde in der Winkler Freiheit die 21jährige Emma Steinberger aus Kramstätten im Waldviertel aufgefunden, sie war in der Donau ertrunken.
 
Im November 1881  wurde am Donauufer innerhalb der Winkler Gemarkung eine unbekannte männliche Leiche, Alter unbekannt, aufgefunden und am Friedhof beigesetzt.
 
1882: Von der Donau bei der Überschwemmung in die Bergau getragen, folglich Winkl. Parzer Michael, verehelichter Hausbesitzer aus Höbenbach, Ger.Bez. Mautern, 38 Jahre. Stickfluss durch selbstmörderisches Ertränken in der Donau.
 
1889:   Michael Bachinger, verehelichter Schneidermeister, wurde am 22. Mai am Donauufer in der Winkler Gemarkung angeschwemmt. Er war 56 Jahre alt und starb an Stickfluß durch Ertrinken. Er wurde von seinen Söhnen identifiziert. 

1893:  Auf einer Sandbank der Donau in der Freiheit Winkl wird ein unbekannter ertrunkener Mann angeschwemmt. 

1894: Eine etwa 20 Jahre alte, unbekannte weibliche Leiche, wahrscheinlich Arbeiterin, wird am Donau-Ufer in der Winkler Freiheit ertrunken aufgefunden.

Im Juni 1919 wurde in der Winkler Freiheit ein unbekannter Knabe von etwa 6 Jahren gefunden, der bereits mehrere Monate vorher in der Donau ertrunken war. 

1928: An der Donau wurde ein unbekannter Ertrunkener mit etwa 48 Jahren gefunden, der schon einige Wochen tot war. 

1929: Franz Nofirth, geb. in Fels, Wirtschaftsbesitzer in Winkl, ertrinkt mit 70 Jahren in der Donau in Altenwörth.

 

 
Quellen:
Pfarrmatriken Kirchberg am Wagram
ANNO, Historische Zeitschriften und Zeitungen, Österreichische Nationalbibliothek
 
August 2015
Maria Knapp