Schulchronik Winkl

1892 - 1967

 

Letzte Änderung: 30.10.2015

Texte in Kursivschrift sind Originalzitate der jeweiligen Lehrer

 

In den Jahren 1670, 1771 und 1783 sind in den Pfarrmatriken Kirchberg am Wagram Lehrer in Winkl dokumentiert, die im Gemeindehaus, Nr. 2, unterrichtet haben dürften. Dies wird im Grundbuch des Bezirksgerichtes Kirchberg am Wagram mit folgendem Eintrag aus dem Jahr 1758 bestätigt: "Von der Richter-Wüsen hinter dem Schullhaus; so 2 Tagwerch seyn, Winkler Freyheit..."

Als 1796 die Schule in Neustift gebaut und die Schulpflicht eingeführt worden war, sind die Kinder nach Neustift eingeschult worden. 

 

Schulchronik I

Ende des 19. Jahrhunderts beschlossen die Winkler, selbst eine Schule zu errichten. Bericht vom ersten Schulleiter in Winkl, Jakob Jungbauer (gekürzt):

„Winkl war früher eingeschult in die Schule Neustift im Felde. Des schlechten Weges wegen waren die Kinder oft wochenlang verhindert,  die Schule zu besuchen,  und versäumten daher sehr viel. Oft führte Herr Josef Schocher sämmtliche Schulkinder in die Schule und holte sie von derselben wieder ab. Wegen der großen Schüleranzahl sollte nun laut Auftrages vom K.K. Bezirksschulrathe Krems in Neustift eine 2classige Schule gebaut werden und Winkl zu diesem Bau circa 4000 fx zahlen. Um den Schulbesuch regelmäßiger zu gestalten und die Hindernisse gegen denselben zu beseitigen, beschlossen die Winkler selbst eine einclassige Schule in Winkl zu bauen. Sie suchten um die Bewilligung an, wurden aber abgewiesen. Man suchte noch einmal an und diesmal wurde es bewilligt. Jetzt war die Frage wohin bauen? Es wurden 4 Plätze vorgeschlagen, einer bei der Kirche, der zweite auf Schocher’s Wiese, der dritte an der Stelle vom Haus No 47 und der vierte in Hummer’s Garten. Es kam eine Commission und es wurde der Platz in Hummer’s Garten als Bauplatz bestimmt und dort zu Bauen begonnen. Da trat das Wasser aus und überflutete den ganzen Bauplatz. Darüber machte Herr Schocher die Anzeige. Die Commission kam nochmals und maß die Bauplätze bezüglich ihrer Höhe ab und fand, daß der auf Schocher’s Wiese der höchste, bei der Kirche der zweite, bei No 47  der dritte und in Hummer’s Garten der niedrigste ist. Deshalb wurde dort der Bau aufgegeben und beschlossen, das Haus No 47 zu kaufen und dort die Schule hinzubauen, da dieser Platz gerade in der Mitte des Ortes liegt. Der Plan, welchen H. Baumeister Johann Österreicher verfaßte konnte auch hier gebraucht werden. Der Bau wurde verlicitiert und von Leopold Wittmann Baumeister in Fels um 20 % billiger als H. Österreicher erstanden. In das Baucomitè wurden gewählt die Herrn Franz Bösl-Lastinger, Johann Pfaller und Josef Schocher. Nachdem man Herrn Johann Pfaller 400 Quadrat Klafter abgelöst hatte begann der Bau im Juni 1890 und wurde im November 1892 beendet und kostete 5300 fx also um 1300 fx mehr als zum Schulbau in Neustift zu zahlen gewesen wäre. Gleich darauf war die Caulodierung angenommen vom k.k. Bezirkshauptmann u. k.k. Bezirksschulrath Krems. Als gut wurde das Gebäude befunden, welches von der Schulfreundlichkeit der Bewohner, da sie aus eigenem Antriebe zum Besten ihrer Jugend es herstellten, zeigt. Möge ihnen dieser Bau auch die gehofften Früchte bringen und ihre Schulfreundlichkeit noch erhöhen.

Besetzt wurde die Schule im 1. August 1892. Am 31. Juli 1982 fand die Einweihung des Schulhauses statt. Der hochw. Dechant von Kirchberg, Herr Ignaz Hohmann nahm unter Assistenz seiner 2 Cooperatoren, der Herren Leop. Metzger und Wenzel Schiel, die Weihe vor…..

Nun danke Herr Schocher als Bürgermeister im Namen der ganzen Gemeinde Winkl in ergreifen Worten dem anwesenden Schulleiter in Neustift, Herrn Ludwig Marzani, wohin bislang die Kinder von Winkl eingeschult waren, für dessen humanes und trotz der vielen Mißstände ersprießliches Wirken in und außer der Schule und überreichte ihm ein prachtvoll ausgeführtes Ehrendiplom der Gemeinde……

Mehrere Lehrer aus der Umgebung sangen hierauf unter Leitung des Herrn Ant. Berger, Oberlehrer in Kirchberg am Wagr. ein feierliches Lied und der Herr k.k. Bezirksschulinspektor schloß in würdiger Weise die schöne, erhebende Feier.

Im Haus der Herrn Schocher nahmen dann die Geistlichkeit von Kirchberg, der Herr Bezirksschulinspektor, die Vertreter der Gemeinde, Herr Bauer von Mallon als Bezirksschulrathsmitglied und die beiden Schulleiter ein gemeinsames Mahl ein.“ 

In der Pfarrchronik Kirchberg steht über die Gründung der Volksschule Winkl folgendes:
„Im September dieses Jahres vom 5. – 9. war eine große Überschwemmung, verursacht durch das Austreten der Donau. Neustift und Winkel litten besonders stark, da alle Grünfrüchte vernichtet waren. Auch der Platz, ganz im oberen Orte, wo in Winkel die Schule gebaut werden sollte, kam unter Wasser. Daher wurde, nachdem auch der Gemeinde viele tausend Patzen in Nichts zerronnen u die Grundaushebungen mit Wasser angefüllt waren, die Schule an jetziger Stelle gebaut; Auf den Wunsch des Herrn Dechanten, dieselbe näher bei der Kirche zu errichten, wurde nicht Rücksicht genommen. Im Juni 1892 war dieselbe noch nicht eröffnet, da (ou est la femme?) man bei Besetzung der Lehrerstelle auf des Försters Töchterlein von Altenwörth Rücksicht zu nehmen hatte, da Papa Haunold nur unter dieser Bedingung als Vertreter des Grafen Breuner zu allem zu haben war.“
Das Töchterl vom Förster Haunold war übrigens die Gattin vom Lehrer Jakob Jungbauer.

 

Schuljahr 1892/93

„Die Zahl der zu unterrichtenden Kinder ist 38, darunter 5 schwachsinnige, taubstumme und blind keins.“

Im ersten rein Winkler Ortsschulrat waren vertreten:
            Franz Bösl-Lastinger als Obmann,
            Johann Blauensteiner als Schulaufseher,
            Johann Pfaller, Johann Gruber und Franz Grausenburger. 

Als Lehrkräfte wirkten H. Jakob Jungbauer als Leiter mit 26 Stunden und einem Gehalt von 640 Gulden, Cooperator Leopold Metzger von Kirchberg als Katechet und Frau Rosa Jungbauer als Industrielehrerin (Handarbeitslehrerin) wöchentlich 3 Stunden für 45 Gulden.

Die Zahl der zu unterrichtenden Kinder war im ersten Jahr 38. 

 

Schuljahr 1893/94

„Es waren 13 Knaben und 22 Mädchen schulpflichtig, die auch alle die Schule besuchten. Blinde, taubstumme und wirklich kranke war keines. Kränkelnde Kinder 3. Schwachsinnige auch 3.“

Zur neu errichteten Schule wurden noch folgende Turngeräte für den Garten angeschafft: Ein Barren, eine senkrechte, eine waagrechte Leiter und 2 Kletterstangen. Neu angelegt wurde auch ein Versuchsgarten für die Schulkinder im Ausmaße von 63 m2.

Masern traten auf, sodass die Schule auf 5 Wochen, vom 13. April bis 16. Mai 1894 geschlossen wurde. Auch der Lehrer war erkrankt.

 

Schuljahr 1894/95

„Im Schuljahr 1894/5 war die Zahl der schulpflichtigen Kinder 16 Knaben 22 Mädchen; die Zahl der schulbesuchenden Kinder 18 Knaben 22 Mädchen. Die Zahl der Blinden, Taubstummen, Schwachsinnigen und Kranken 0. Der Schulbesuch im Verlaufe des Jahres war ein ziemlich guter. Der Gesundheitszustand war ein mittelmäßiger. Während des laufenden Schuljahres ist ein Sterbefall zu verzeichnen.“

Es waren 38 Kinder schulpflichtig, 40 Kinder besuchten die Schule, da zwei Kinder, die bereits das 14. Lebensjahr erreicht hatten, freiwillig weiter die Schule besuchten. Zu dieser Zeit konnte man an seinem 14. Geburtstag die Schule verlassen. Man musste den Lehrer um das Entlassungszeugnis bitten, das man daraufhin bekam.

Lehrer Jungbauer gibt jedes Jahr die Zahl der zugezogenen und weggesiedelten Schüler an, die meist zwischen 1 und 5 Kindern lag - im Gegensatz zu heute eine große Einwohnerfluktuation!

Der Lehrer lobt den guten Schulbesuch der Kinder, der nicht selbstverständlich ist, da Kinder oft wegen Verrichtung von Arbeiten zu Haus bleiben mussten.

 

Schuljahr 1895/96

„Im Schuljahr 1895/6 war die Zahl der schulpflichtigen Kinder 17 Knaben 16 Mädchen, die Zahl der schulbesuchenden 17 Knaben 18 Mädchen. Blinde, taubstumme , schwachsinnige und kranke Kinder waren keine. Der Gesundheitszustand im obgenannten Schuljahr war ein guter und wurde auch durch keine  Epidemie gehemmt.“

Vom Landesausschuss bekommt die Schule 30 Gulden Ö.W. (österr. Währung) Bibliotheksunterstützung. Außerdem erhielt die Schule von dem verstorbenen Herrn Michael Weidinger 10 Gulden Ö.W. für arme Schulkinder gespendet.

Der Lehrer merkt an, daß die Bevölkerung der Schule mit wenigen Ausnahmen freundlich gesinnt ist.

Am 28. Juni 1896 findet ein Wandertag statt und zwar auf eine Wiese in Altenwörth, wo geturnt, gespielt und gesungen wurde: „… Da die Zeit schon ziemlich vorgerückt war, wurde aufgebrochen und unter Gesang zurückmarschiert bis zum vorgenannten Hegerhause. Dort bekamen die Kinder Brot, Würstl u. Wein, welche der Obmann H. Franz Bösl-Lastinger und der Obmannstellvertreter H. Josef Schocher für die Schulkinder spendeten. Auch dort wurde gesungen und abermals Turnspiele aufgeführt.“

 

Schuljahr 1896/97

„Im Schuljahr 1896/7 war die Zahl der schulpflichtigen Kinder 18 Knaben 19 Mädchen, die Zahl der schulbesuchenden 18 Knaben 22 Mädchen. Blinde, taubstumme und kranke Kinder waren keine. Schwachsinnige waren 1 Knabe 3 Mädchen. Der Schulbesuch im obgenannten Schuljahr war ein guter.“

 

Schuljahr 1897/98

„Schulpflichtige Kinder waren in diesem Jahre 16 Knaben 23 Mädchen. Die Zahl der schulbesuchenden Kinder war dieselbe. Taubstumm, blind war keines. Der Gesundheitszustand und Schulbesuch in diesem Jahre war ein guter.“

 

Schuljahr 1898/99

„Das Schuljahr 1898/9 begann am 16. 8. 1898. Die Zahl der schulpflichtigen Kinder waren 22 Knaben und 17 Mädchen, worunter keine taubstummen, blinden oder schwachsinnigen Kinder waren. Der Gesundheitszustand im ganzen genommen war ein guter. Auch der Schulbesuch war ein zufriedenstellender. Die vielen Versäumnisse stammen von den Krankheiten einzelner Kinder her.“

 

Schuljahr 1899/1900

„Schulpflichtige Kinder waren in diesem Schuljahre 17 Knaben 22 Mädchen. Unter sämmtlichen Schulkindern war kein taubstummes, blindes Kind. Auch waren keine Kinder, die wegen eines körperlichen oder geistigen Gebrechens die Schule nicht besuchen konnten dabei.“

 

Schuljahr 1900/01

„Das Schuljahr begann am 16. August 1900. Schulpflichtige Kinder 23 Knaben 21 Mädchen. Davon taubstumm oder blind 0 Knaben 0 Mädchen. Auch solche, die wegen eines körperlichen oder geistigen Gebrechens die Schule nicht besuchen konnten, waren 0.“

Im Herbst gab es eine Masern- und eine Keuchhusten-Epidemie.

    im Vordergrund das Gasthaus Pfaller/Zehetner, dahinter die Schule 

 

Schuljahr 1901/02

„Das Schuljahr begann am 16. August 1901. Schulpflichtige Kinder waren 26 Knaben 19 Mädchen. Dieselben erfreuten alle voller Gesundheit.

Der Gesundheitszustand während des  Schuljahres war ein guter und wurde nur durch kurze Zeit vom Mumps zerrüttet. Geschlossen wurde die Schule aber nicht. Der Schulbesuch war auch in diesem Jahre ein guter.“

 

Schuljahr 1903/04

„Die Schülerzahl war 30 Knaben 22 Mädchen. Vorhergenannte  Zahl besuchet auch tatsächlich die Schule, da alle gesund waren. Darunter waren weder blinde noch taube oder stumme. Schwerhörig war oder ist 1 Mädchen, kurzsichtig 3 Mädchen. Schwachsinnig 2 Knaben 3 Mädchen.“

Der Fußboden des Lehrmittelzimmers wurde aufgrund der immer wieder auftretenden Hochwässer um 46 cm gehoben und das ganze Gebäude wurde nun, 12 Jahre nach der Eröffnung, erstmals renoviert.

 

Schuljahr 1904/05

„Die Zahl der Schüler betrug bei Beginn 27 Knaben 24 Mädchen. Alle waren gesund und kräftig und konnten die Schule besuchen. 2 Mädchen waren noch nicht 6 Jahre alt. Von den genannten Kindern ist 2 schwerhörig, 3 kurzsichtig.“

„Turngeräte sollen erneuert werden, da dieselben schlecht sind und zwar werden dieselben von Plaschkowitz in Wien angekauft und das Gerät so hergerichtet, daß die Geräte nach dem Turnen weggenommen werden können, damit sie den Witterungsverhältnissen nicht so ausgesetzt sind.“ – Diese wurden im nächsten Schuljahr wirklich angeschafft.

Es kam wieder zu Keuchhustenfällen, die Schule wurde jedoch nicht geschlossen.

 

Schuljahr 1904/05

„Die Zahl der Schüler betrug bei Beginn 32 Knaben 32 Mädchen. Alle erfreuten sich guter Gesundheit und konnten ohne Unterschied die Schule besuchen. Das sechste Lebensjahr hatten noch nicht vollständig erreicht 1 Knabe und 1 Mädchen. Von den Kindern waren 1 Mädchen schwerhörig und 2 Mädchen kurzsichtig.“

 

Schuljahr 1905/06

„Zahl der Schüler betrug 33 Knaben 32 Mädchen, welche ohne Unterschied die Schule besuchen konnten. Von diesen hatte 1 Mädchen das sechste Lebensjahr noch nicht erreicht. 1 Mädchen war schwerhörig, 2 Mädchen kurzsichtig.“

Am Schulgebäude wurden die Eingangsstiegen, die aus Eichenholz waren durch  steinerne ersetzt.

 

Schuljahr 1906/07

„Die Schülerzahl betrug 35 Knaben, 31 Mädchen, die die Schule alle besuchen konnten. Alle waren katholischer Religion. Von diesen Schülern war einer schwerhörig und 2 kurzsichtig.“

Am Turnplatz wurde ein neues Gerüst aufgestellt.

 

Schuljahr 1907/08

„Die Zahl der Schüler betrug 37 Knaben 29 Mädchen, die sich alle guter Gesundheit erfreuten nur befanden sich darunter 2 kurzsichtige Mädchen.“

Die Schülerzahl ist wie schon im letzten Jahr 66 – das war der Höchststand in der Winkler Schule.

„Vom Ortsschulrathe wurde der Obmann, Herr Franz Bösl Lastinger, welcher ein großer Schulfreund war, durch den Tod hinweggerafft und statt seiner Herr Johann Gruber gewählt.“

 

Schuljahr 1908/09

„Schulpflichtige Kinder waren 35 Knaben 28 Mädchen, schulbesuchende 35 Kn. 29 Mädchen, da 1 M. unter 6 Jahren aufgenommen wurde.“ Ein Mädchen hatte ein körperliches Gebrechen, eines war geistig schwach.

„Dieses Schuljahr war die Schule der Masern wegen 8 Tage vom 7. XI. bis 15. XI. 1908 geschlossen.“

 

Schuljahr 1909/10

„Schulpflichtige Kinder 30 Knaben, 29 Mädchen, schulbesuchende 30 Knaben 32 Mädchen.“ Ein Mädchen hatte ein körperliches Gebrechen, eines war geistig schwach.

„Der Lattenzaun der beiden Vorgarteln mit einem Zaun, Drahtgitter vertauscht.“ 

 

Schuljahr 1910/11

„Schulpflichtige Kinder 26 Knaben 33 Mädchen, besuchende 26 Knaben 31 Mädchen. 1 Mädchen besuchte die Schule eines körperlichen Gebrechens wegen nicht, 1 M. besuchte die Schule Neustift, 1 M. ist geistesschwach.“

„Der Tierschutztag, eine neue Einführung wurde am 26. Mai 1911 abgehalten. Vormittag wurde in der Schule über Behandlung der Tiere und Pflanzen gesprochen. Nachmittag wurde ein gemeinsamer Spaziergang gemacht und bei demselben Pflanzen besprochen und auf den zahlreichen Nutzen der Vögel, überhaupt der Tiere aufmerksam gemacht. Auch einige Lieder wurden gesungen und nach einem zweistündigen Herumwandeln in Feld und Flur wurden die Kinder entlassen.“

 

Schuljahr 1911/12

„….und waren schulpflichtig 22 Knaben und 31 Mädchen, welche alle die Schule besuchten. Darunter war ein schwachsinniges, sonst alle gesund. 1 Mädchen besuchte eine Private Bürgerschule.“

 

Schuljahr 1912/13

„Schüler waren 22 Knaben und 30 Mädchen. Davon waren alle gesund bis auf 1 Mädchen, das ein körperliches Gebrechen hat und eines, das geistesschwach ist.“

Der Schulleiter Jungbauer wurde im Juni 1913 von der Gemeinde zum Ehrenbürger ernannt und ihm ein Ehrendiplom überreicht.

„In diesem Schuljahre wurde mit dem Zeichnen nach der Natur begonnen.“

 
Vor der Schule: In der Mitte mit Gewehr Lehrer Jakob Jungbauer, rechts daneben seine Gattin.
Foto: Familie Schneider, Königsbrunn

 

Schuljahr 1913/14

„Es waren 23 Knaben und 27 Mädchen. Von denselben sind 2 Mädchen schwachsinnig und eines hat ein körperliches Gebrechen, die andern waren gesund.“

„Die Religionsprüfung (die jedes Jahr stattfand) war in diesem Jahre am 27. Juni 1914 in Kirchberg a Wagram vor Sr. Eminenz, Fürsterzbischof, Kardinal Dr. Piffl, welcher den 28.VI. 1914 dann dort die Firmung spendete. Sr. Eminenz kam am 4. Juli 1914 auch nach Winkl und visitierte hier die Kirche.“

 

Schuljahr 1914/15

„Das Schuljahr begann am 1. September 1914. Kinder waren 23 Knaben, 27 Mädchen. Unter den Kindern waren 2 Mädchen schwachsinnig, die anderen gesund.“

 

Schuljahr 1915/16

„Kinderzahl 17 Knaben, 27 Mädchen. Unter den Kindern waren 3 schwachsinnige, 1 Knabe, 2  Mädchen, die anderen waren gesund.“

„Der Schulbesuch war trotz des fortdauernden Weltkrieges ein sehr guter, was um so erfreulicher ist, da es sehr an Arbeitskräften mangelte, denn viele mußten als Vaterlandsverteidiger die Heimat verlassen, da sie bei den Musterungen als geeignet befunden wurden. Auch der Schulleiter Hr. Jakob Jungbauer wurde bei der am 5. September 1915 als geeignet befunden, rückte aber nicht ein, weil er von der k.k. Bezirkshauptmannschaft Tulln die Befreiung erhielt das Weitere in seinem Wirkungsorte abzuwarten.“ 

 

Schuljahr 1916/17

„Schülerzahl 19 Knaben und 29 Mädchen. Dieselben waren gesund. Geistesschwach 1 Knabe, 2 Mädchen.“

„In diesem Schuljahre wurde die Religionsprüfung das erstemal seit dem Schulbestande in Winkl abgehalten und es mußten die Schulkinder von Neustift nach Winkl zur selben kommen.“

 

Schuljahr 1917/18

Am 1. September 1917 wurde das vierte Schuljahr während des Krieges begonnen mit 53 gesunden Kindern und zwar 21 Knaben und 32 Mädchen.

 

Schuljahr 1918/19

„ Zahl der Kinder 20 Knaben und 27 Mädchen, die alle gesund waren. Geistesschwach 2 Knaben 3 Mädchen.“

 

Erster Weltkrieg

„….Für die Schule war dieser Krieg auch nicht von Vorteil. Viele Lehrer mußten einrücken und von den meisten Familien die Väter ebenfalls. Die zurückbleibenden Lehrer wurden zu vielen anderen Arbeiten verwendet. Dadurch trat eine gewisse Gleichgültigkeit ein und die Erfolge nicht die vom Frieden. Der Schulbesuch war ein sehr guter und war die Schule trotz Mangel an Brennmaterialien und Teuerung derselben keinen einzigen Tag gesperrt. Der Unterricht in weiblicher Handarbeit litt durch die hohen Preise des nötigen Materials, welches überhaupt eine Zeit gar nicht zu haben war. Die Mädchen arbeiteten fleißig an Kälteschutzmitteln für die Soldaten, wozu sie die Wolle vom Bezirksschulrate erhielten. Es wurden gestrickt 12 Paar Stutzen, 19 Paar Kniewärmer, 8 Schneehauben, 3 Paar Fäustlinge, 6 Paar Pulswärmer, 4 Paar Socken, gespendet wurden 10 Hemden, 3 Unterhosen, 3000 Stück Papiersohleneinlagen, 31 ½ kg Wundfäden, gesammelt wurden von der Schule  auf Wolle 85,59 K, Spartage 258 K, fürs Rote Kreuz 206,26 K, für Tuberkuloseheim 117 K, für Blinde 98 K, Metallsammlung 85 kg, Wolle und Gummisammlung 78 kg, Brombeerblätter 52 kg, Brennessel 92 kg.

Die Schulen wurden auch zu Kriegsanleihesammelstellen verwendet. Als solche wurden in Winkl 70550 K Kriegsanleihe gezeichnet.“

Der Lehrer hatte viele Arbeiten für das Gemeindeamt zu erledigen.

 

Schuljahr 1919/20

„Die Schule besuchten 20 Knaben und 26 Mädchen. Gesund waren sie alle nur befanden sich darunter einige geisteskranke.“

 

Schuljahr 1920/21

„Schulpflichtige Kinder waren 22 Knaben 18 Mädchen, die sich alle voller körperlicher Gesundheit erfreuten.“

„Ein Stück Planke wurde neu gemacht. Gemacht wurde sie durch den Lehrer und einige Schulknaben, sie ist   m lang und stellte sich auf 1343 K, da das Holz sehr teuer war. Ein Laden kostete 57 K und 2 St. Raffen 374 K.“

Vom 1.II. bis 31.V. 1921 war Hr. Lehrer Orvay als Aushilfe für den Schulleiter hier, der am 8. Februar 1921 an Kopfgrippe erkrankte und erst am 1. Juni wieder unterrichten konnte.

Der Schulbesuch war ein guter und die Schulsachen wurden von den Kinder gebracht, trotzdem ein großer Teil der Bevölkerung mit Not zu kämpfen hatten, da im Juni 28ten durch Hagel die ganze Körnerfrucht vernichtet wurde und nur noch die Hoffnung auf Kukuruz, Kartoffeln und Kraut blieb. Aber auch das wurde vernichtet, denn es trat am 8. IX.1921 (am Katholikentag in Kirchberg am Wagr.) die Donau aus und das Gebiet wurde überschwemmt und alles vernichtet.“

 

Schuljahr 1921/22

„23 Knaben und 19 Mädchen besuchten, alle körperlich gesund die Schule.“

Die Teuerung wurde immer ärger: Hatte im Vorjahr die Schiefertafel noch 60 Kronen gekostet, so kostete sie in diesem Schuljahr 1500 Kronen. Der Preis eines Bleistiftes stieg von 10 auf 600 Kronen, der Preis eines Heftes von 2 auf 300 Kronen.

 

Schuljahr 1922/23

„Die Schule besuchten 18 Knaben und 18 Mädchen, die alle körperlich gesund waren.“

Lehrer Jungbauer unterrichtet das letzte Jahr an der Schule, bevor er in Pension geht. Er fällt, wie viele andere Lehrer, im Alter von nur 55 Jahren dem Lehrerabbaugesetz zum Opfer. Am 26.Juni findet die Verabschiedung mit einer großen Feier statt, zu der neben der Ortsbevölkerung auch die Lehrkräfte der Umgebung kommen. Die Festveranstaltung fand im Gasthaus Zehetner statt: „Hierauf folgte ein recht gemütliches  Beisammensein und Tanz, das nicht nur die Nacht hindurch, sondern noch beinahe den nächsten Vormittag dauerte. Es war eine Feier, die ihresgleichen sucht und in der trübe Stunden in Freude verwandelt wurden.“ 

"Am 6.6.1923 unternahmen die Schulen: Bierbaum, Utzenlaa,Winkl und Neustift einen gemeinsamen Ausflug nach Rosenburg." Quelle: Schulchronik Neutift Dieser war der erste erwähnte, der die Schüler weiter weg führte. 

 

Schuljahr 1923/24

„Anfang des Schuljahres am 27.8.1923. Stand: 18 Knaben, 16 Mädchen. An Stelle des pens. Leiters wurde Lehrer Paul Zundel von Grafenwörth in aushilfsweise Verwendung genommen.  Am 1. November 1923 trat Ernst Pircher seinen Dienst als provisorischer Leiter in Winkl an, vom 11. Dezember desselben Jahres wurde er zum definitiven Leiter dortselbst ernannt. Die Handarbeitslehrerin Rosa Jungbauer hielt, nachdem sie sich hatte ablösen lassen, am 28. November die letzte Handarbeitsstunde an hiesiger Schule.“

Danach übernimmt Marie, die Gattin von Ernst Pircher den Handarbeitsunterricht in Neustift und Winkl.

Am 25. Juni wurde von den Schülern Winkl und Neustift gemeinsam ein Ausflug nach Melk unternommen.  

 

Schuljahr 1924/25

„Schülerstand am Anfange: 13 Knaben und 13 Mädchen.“

„Im Herbste 1924 wurden Rohre und Ventil des Schulbrunnens erneuert (885.000 K), außerdem wurde ein neuer Schulofen um 738.000 K angekauft. 

Im Frühjahre 1925 wurde um den Schulhof herum ein neuer Bretterzaun aufgestellt um den Betrag von 2.550.000 K, außerdem wurden der Drahtzaun vor der Schule, ferner die Fenster und die 2 Haustüren außen gestrichen um den Betrag von 2 Millionen Kronen. Veranlaßt wurden diese Erneuerungsarbeiten vom Ortsschulratsobmann Johann Wimmer Winkl No 7.

Am 23. Mai unternahmen die Schulen Winkl und Neustift gemeinsam einen Schulausflug nach der Ruine Aggstein, der einen ausgezeichneten Verlauf nahm. Der Schulbesuch im abgelaufenen Schuljahre war ausgezeichnet.“

 

Schuljahr 1925/26

„Gesamtschülerstand zu Anfang des Schuljahres 12 Knaben und 13 Mädchen.“

„Am 28. Mai unternahmen die Schüler Neustift und Winkl gemeinsam einen Ausflug nach Kreuzenstein. Die Besichtigung der Burg war sehr lehrreich.“

Foto: Klassenbücher der Gemeinde Winkl

 

Schuljahr 1926/27

„Der Schülerstand zu Anfang des Schuljahres betrug 10 Knaben und 16 Mädchen.“

 

Schuljahr 1927/28

Der Schülerstand beträgt in diesem Jahr nur 25 Kinder.

Wegen einiger Scharlachfälle war die Schule vom 21. Februar bis 12. März geschlossen.

 

Schuljahr 1928/29

„Der Gesamtschülerstand hat also einen Zuwachs von 1 Schüler zu verzeichnen.“

 

Schuljahr 1929/30

„Es sind 2 Knaben und 1 Mädchen eingetreten. Der Gesamtschülerstand beträgt nun 15 Knaben und 12 Mädchen.“

 

Schuljahr 1930/31

Neu eingetreten sind 3 Mädchen, während 1 Knabe kann den Unterricht nicht besuchen kann, weil er taubstumm ist. 

 

Schuljahre 1931 – 1938

Schulleiter Ernst Pircher beschreibt zwar die Lage der Landwirtschaft und die allgemeine politische Lage, geht aber auf Vorkommnisse in der Schule kaum ein.

 

Schuljahr 1935/36

„Es sind diesmal nur 2 Mädchen neu eingetreten. Der Schülerstand ist übrigens aus den betreffenden Katalogen genau zu ersehen.“ 

In Neustift findet eine Schülerausstellung gemeinsam mit der Schule Winkl statt.

 

Schuljahr 1938/39

„Schülerstand zu Beginn des Schuljahres: 17 Knaben und 12 Mädchen, zusammen 29 Kinder.“

Leiter der Schule Oberlehrer Peter Pircher, Handarbeitslehrerin Frau Maria Pircher.

Schülerstand zu Beginn des Schuljahres: 17 Knaben und 12 Mädchen, zusammen 29 Kinder.

„Im Monat Februar, im Hornung, sucht unsere Schuljugend die Grippe heim. Zumal böse Hals- und Mandelentzündungen treten auf.

Seit Anfang Ostermond kommen wiederholt Fälle von Feuchtblattern vor, die bei manchen Kindern lang andauernde Schwächezustände hinterlassen.

Am 28. Ostermond (April, Anm.d.Verf.) hört die 7. und 8. Schulstufe gemeinschaftlich unter Führung des Lehrers die große Rede des Führers an, der Gastwirtin Frau Zehetner sei hiermit auch hier der Dank gesagt, daß sie der Schule hierzu die Gelegenheit gab.

Am Dienstag den 6. Brachet besucht die gesamte Schuljugend die Vorführung des Films „Westfront 1918“ (Gaufilmstelle der NSDAP für N.D.), welche in Kollersdorf stattfindet.

Schließlich und doch nicht zuletzt muß noch hier fest gehalten werden, daß gegen Ende des Schuljahres begonnen und in den Ferien vollendet wurde die gründlichen Instandsetzung der Schule. Das wahrhaft großherzige Entgegenkommen des Bürgermeisters Josef Rauscher krönte meine diesbezüglichen Bemühungen mit Erfolg.“

"Die Gemeinde stellt den Schulgarten der Schule und allen Gliederungen der Partei als Turnplatz zur Verfügung."

In diesem Jahr wurden auch Einzelfotos der Schüler mit ihren Geschwistern angefertigt. Foto: Fam. Engelmann 

 

Schuljahr 1939/40

„Schülerstand am Beginn des Schuljahres 31.“

„Der Lehrkörper setzt sich wie folgt zusammen: Prov. Leiter der Schule Ludwig Riediger (früher Lehrer in Altenwörth) Handarbeitslehrerin Christine Strangfeld.

Da an manchen Schulen das  Brennmaterial ausging u. Kohlen nicht angeschafft werden konnten, waren in der Zeit vom 19.II. – 4.III 1940 Kälteferien.

An Stelle des „Verordnungsblatt für den Dienstbereich des Landesschulrates N.Öst.“ tritt das ‚Amtliche Schulblatt für den Reichsgau Niederdonau.‘ Die Bezeichnung für ‚Landesschulrat‘ bzw. ‚Bezirksschulrat‘ wird durch ‚der Landeshauptmann in Niederdonau Schulabteilung‘ und ‚Der Landrat‘ (Schulabteilung) ersetzt. Die Bezeichnung ‚Ortsschulrat‘ fällt weg, er besteht nicht mehr.“

 

„Am 21. Mai rückte der derzeitige Leiter der Schule, Kollege Ludwig Riediger nach Hollabrunn ein. Zur vertretungsweisen Dienstleistung wurde die planmäßige Volksschullehrerin Berta Wetscherek aus Engelmannsbrunn nach Winkl abgeordnet und übernahm am 22. Mai den Dienst an der hiesigen Schule.

Mit Erlaß der Schulabteilung wurden 4 Schüler der 8. Schulstufe für den Rest der Schulpflicht widerruflich vom weiteren Schulbesuche beurlaubt. Diese Ausnahme wurde im Hinblicke auf die Volksernährung im Kriege (Heranziehung der reiferen Schüler zu notwendigen landwirtschaftl. Arbeiten) getroffen.“ 

„6.Juli: Schulschluß Entlassungsfeier                

An diesem Tage fand eine offizielle Feier für die austretenden Schüler und Schülerinnen statt. Alle scheidenden Schüler haben sich eingefunden, auch die Eltern, die Vertreter der Partei und die Führer der Jugendverbände waren anwesend.

1.    Begrüßung
2.    Sprechchor der Schüler: „Ich bin ein schlichtes Bauernkind.
3.    Ansprache der Leiterin der Schule.
4.    Reifsprechung der Entlaßschüler durch die Leiterin.
5.    Aufnahme der Erstklaßschüler in das schaffende Volk durch die Vertreter der Gemeinde, der Partei u. der Jugendverbände.
6.    Spruch der Arbeit.
7.    Lied.
8.    Flaggeneinholung.

Nach der Erneuerung des Treuegelöbnisses an den Führer schloß die erhebende Feier mit den Liedern der Nation. Sichtlich ergriffen verabschiedeten sich die scheidenden Schüler mit Dankesworten von der Lehrerin.“

 

Schuljahr 1940/41

„Das neue Schuljahr begann am 9. Sept. d.J. in gewohnt feierlicher Form mit einem Gesamtschülerstand von 25 Schülern (13 Knaben, 12 Mädchen).“

Lehrpersonen: Löffler Robert, Oberlehrer: R. Schul- und Klassenleiter, Strangfeld Christine, Handarbeitslehrerin, Neumayer Josef, Kaplan, Konfessionslehrer – so wird der Religionslehrer jetzt genannt.

Wie schon im ersten Weltkrieg mussten Kinder und Erwachsene für die Soldaten an der Front verschiedene benötigte Materialen sammeln. Dafür gab es dann Urkunden. 

Weiteres siehe hier: http://www.hf-kirchberg.at/index.php/kriege-und-revolutionen/der-2-weltkrieg-titel/kriegssammlungen

 

Schuljahr 1941/42

In diesem Jahr besuchten nur 10 Knaben und 10 Mädchen die Schule.

„Außergewöhnliche Unterrichtserteilung.
Zufolge Verfügung des Landrates (Schulabtlg) vom 21. Mai 41 (101a – 36) wurde der damalige prov. Schulleiter Robert Löffler auch mit der Leitung bzw. Unterrichtserteilung in Neustift  betraut. – Unterricht in Winkl an jedem Dienstag, Donnerstag und Samstag, in Neustift am Montag, Mittwoch und Freitag. – Die außergewöhnliche Maßnahme wurde bedingt durch das freiwillige Ausscheiden der Lehrerin Adele Schumann in Neustift aus dem Schuldienst (Verehelichung) und dem empfindlichen Mangel an Lehrkräften durch die Kriegszeit.“  

„26.1.1942     Vorübergehende Einstellung des Schulbetriebes
Zufolge Verfügung des Reichsstatthalters wurde auch im Reichsgau Niederdonau wegen Kohlemangels die Sperre aller Schulen verfügt. Die Erzieher wurden verhalten, sich in den Dienst der Gemeinde, der Partei und des Wirtschaftslebens zu stellen. Geschlossen folgte die gesamte Lehrerschaft dem Rufe ihres Kreiswalters

Nach Beendigung der „Kohlenferien“ wurde am 15. März der Unterricht an der hiesigen Schule wieder aufgenommen. Der Stand des Unterrichts nach dem Lehrplan war, wie vorauszusehen, stark aus dem Geleise geraten. Der Ausfall so vieler Schultage zeigt seine schädigenden Folgen besonders bei den Schülern der 1. Schulstufe.“ 

Ein bedeutendes Ereignis in der Geschichte der hiesigen Schule  bedeutete der Erlaß des Landrates Tulln vom 2. April 1942, in dem es heißt:
„Die Verhältnisse zwingen mich, die vorübergehende Auflassung der Volksschule in Winkl vorzunehmen. Ich habe heute den  Bürgermeister in Altenwörth um einen geeigneten Vorschlag ersucht. In Betracht kämen als Aufnahmeschule Altenwörth und Neustift (Felde). Die erforderliche Weisung regelt nach Einlangen des Projektes der Bürgermeister in Altenwörth.

Nach Entgegennahme des Vorschlages des Bürgermeisters in Altenwörth wurde seitens des Landrates Tulln der Schulleiter in Neustift angewiesen die Zusammenlegung der beiden Schulen durchzuführen und die Schüler von Winkl zu verhalten in Neustift in die Schule zu gehen. Da, wie in diesem Gedenkbuche vorne ersichtlich, die hiesige Schule im Jahre 1892 eröffnet wurde, hätte man in diesem Jahre das 50jähr. Jubiläum des Bestehens gefeiert. Nun ist es wegen der Kriegslage anders gekommen. Ist die notwendig gewordene Sperre auch nur eine vorübergehende, so dürfte der dermalige prov. Leiter der Schule Oberlehrer i.R. Robert Löffler, hierher nicht mehr zurückkommen. In Wehmut gedenkt er der schönen Zeit seiner Dienstleistung an dem idyllischen Plätzchen, die ihm in der Unrast des Krieges angenehme Ablenkung und Erholung brachte. An dieser Stelle sei auch dem wackeren Schulfreunde Herrn Bürgermeister h. 1. .. der Gemeinde, Josef Rauscher für seine beispielgebende Unterstützung und Mitarbeit der herzlichste Dank ausgesprochen!                                      Robert Löffler.“

„5.1.1943: Benützung der Dienstwohnung durch eine bombengeschädigte Familie aus dem Altreich.
Im Rahmen  der notwendig gewordenen Umsiedlung von Familien aus Oberhausen – Rheinland in die Ostmark wurde die Wohnung im Schulhause von einer Familie Henkel (2 Frauen u. 2 Kinder ) bezogen. Die Familie, die mit dem größten Teil ihres Mobiliars hierher übersiedelt war, verließ den Ort am 5.10.1943, um wieder in die Heimat zurückzukehren, da der Mann an der Ostfront gefallen war.“

 

Schuljahr 1943/44

Am 22.5.1944 wird die Schule in Winkl wieder eröffnet. Als Lehrerin fungiert Paula Misof aus Wien: Aufgrund der Kriegsereignisse wurde versucht, so viele Frauen und Kinder als möglich von Wien wegzubringen. Lehrerinnen mit kleinen Kindern wird freigestellt, sich an eine Landschule versetzen zu lassen. Der Unterricht beginnt am 29.5.1944.

Sie schreibt in der Schulchronik einen eindrucksvollen Bericht über die Luftangriffe in der Umgebung von Winkl.

Die letzte Eintragung von Lehrerin Misof erfolgt am 22.2.1945. Nachdem sie in den Wirren der letzten Kriegszeit flüchtet, gingen die Kinder wieder einmal nach Neustift in die  Schule.

 

1945 
18.11.1945: "Sitzung des Gemeinderates von Winkl.... mit den Eltern der schulpflichtigen Kinder. Die Sitzung hatte die Anstellung des Lehramtsanwärters Karl Grünbach geb. 13.3.1919 zum Gegenstand. Selber wird von der Gemeinde Winkl mit einem Monatsgehalt von Rm 150,--  (hundertfünfzig) in der Gemeinde angestellt und erhält außerdem eine Zubuße an Lebensmitteln von den Angehörigen der Schulkinder.

Der Beginn des Schulbetriebes ist für den 1. Dezember laufenden Jahres geplant. Dieser Beschluss wird dem Kreisschulamt in Tulln zur Genehmigung unterbreitet.
Herrn Grünbach gegenüber besteht eine Kündigungsfrist von einem Monat. Die Kündigungsfrist ist auch für den Lehrer gültig."
Zu dieser Anstellung dürfte es aber nicht gekommen sein, da die Kinder bis auf Weiteres in Neustift blieben.
 

 

Schuljahr 1945/46

Am 15.2. 1946 wurde die Schule wieder eröffnet, es unterrichtete der Flüchtlingslehrer Stephan Rudorfer bis zum 24.4.1946. 

„Am 6. Mai 1946 übernahm der def. Volksschullehrer Othmar Repa die prov. Leitung der Volksschule Winkl. Handarbeitslehrerin ist Christine Strangfeld aus Gigging. Schülerstand, 10 Knaben, 10 Mädchen.

Bei Übernahme der Schule werden folgende Schäden am Schulgebäude festgestellt:
1.   Das Dach des Schulgebäudes ist besonders reparaturbedürftig, viele Dachziegel fehlen.
2.  Die Lehr- und Lernmittel fehlen zum größten Teil.

Wie die Ortsbewohner mitteilen, war das Schulhaus zur Kriegsende und noch in der ersten Übergangszeit oft von Soldaten und Flüchtlingen besetzt, die das Gebäude kaum schonten. Das Amtssiegel fehlt und muß ersetzt werden.“

Schülerstand am 15. Mai 1946: 20 

 

Schuljahr 1946/47

Schülerstand am 19. August 1946: 25

„Die Weinlese und Kartoffelferien werden vom 16. bis 28.9. gehalten. Ab 30. 9. wieder regelmäßiger Unterricht.

Während der Weinleseferien erkrankte der Leiter der Schule an Gelbsucht. Er trat erst wieder am 21.10.1946 den Dienst an der Schule an. Während dieser Zeit war unterrichtsfrei. Der Bezirksschulrat konnte keine Lehrkraft zur Verfügung stellen, da infolge des Abbaues, bzw. Außerdienststellung der ‚Nazilehrer‘ großer Lehrermangel im Bezirke herrscht.“ 

„Am 13. November 1946 übernahm der prov. Volksschullehrer Walter Klement die prov. Leitung der Volksschule Winkl.

Die in der 3. Dezemberwoche plötzlich eintretende Kältewelle ließ einen strengen Winter ahnen. Der Brennstoffmangel machte sich überall unangenehm bemerkbar. Auf Grund dieser Tatsache wurden daher vom 13.I.1947 – 18.I.1947 Kälteferien eingeschaltet.“ 

„Am 25.2. übernahm Oberlehrer Franz Meister aus Langenschönbichl den Dienst an der hiesigen Schule. Der Dienstantritt hätte schon am 25.1.1947 erfolgen sollen, doch konnte der Gefertigte wegen des starken Eistreibens und des späteren Eisstoßes auf der Donau nicht in den Ort gelangen. Erst am heutigen Tage war es möglich, über den vereisten Strom und durch den kniehohen Schnee hierher zu kommen. Die Schulleitung wird von dem Gefertigten im Auftrage des Schulleiters in Neustift geführt, da der Gefertigter als ehemaliges Mitglied der Nazipartei  zur selbständigen Leitung einer Schule bis 1950 nicht befugt ist. Der bisherige prov. Schulleiter Walter Klement wurde an die Volks- und Hauptschule Kirchberg a.W. versetzt.

Da der Gefertigte nicht jeden Tag nach Hause fahren kann – die Entfernung beträgt 10 km und die Überfuhrkosten 4,- S – muß er sich im Orte verköstigen. Durch das Entgegenkommen der Ortsbewohner ist dies auf diese Weise möglich, daß er jeden Tag in einem anderen Hause eine Tagesverpflegung erhält. Diese Einführung stammt noch aus der Zeit des prov. Leiter Klement.

Zu Ostern 1947: Da die Verpflegung des jeweiligen Lehrers für die Ortsbewohner eine gewisse Last ist, trat der Obmann des O.S.R. an mich mit dem Vorschlag heran, mich jeden 2. Tag selbst zu verköstigen. Ich sehe die Schwierigkeiten ein und gehe jetzt nur mehr Dienstag, Donnerstag und Samstag in ein Haus essen. Die übrigen Tage verköstige ich mich selbst.

Mai 1947: Das Holz wurde geschnitten und im Schuppen aufgeschlichtet. Für den kommenden Winter ist also für die Beheizung vorgesorgt. An der Schuppentür wurde ein Schloß angebracht, um Holzdiebstählen, die im Winter vorkommen, vorzubeugen.

Kreide ist nirgends aufzutreiben. Nachdem die letzten Restchen aufgebraucht waren, erhielt ich von der Hauptschule in Zwentendorf einige Stücke, mit denen sehr sparsam umgegangen werden muß.

Anfang Juli wurde ein Ausflug zur Ruine Aggstein unternommen.“ 

 

Schuljahr 1947/48

Schülerstand: 21

„Über Anordnung des B.M. für Unterricht wurde wegen starken Auftretens der Kinderlähmung der Unterricht vom 25. August bis 29. September 1947 eingestellt. Durch die Änderung der Religionsstunden erwies sich die Einführung des ganztägigen Unterrichts für notwendig. 

Schild am Dachboden der Schule 


Da der Weg zur Schule für mich zu anstrengend ist, suchte ich um Versetzung an….. Ich wäre gerne in Winkl geblieben, aber die Donau ist in der schlechten Jahreszeit ein doch zu großes Hindernis.“ 

Am 6. November 1947 nahm der aus Engelmannsbrunn abstammende Leopold Engelberger die Leitung der Schule.

„Als ich die Leitung der Schule übernahm, wurde die Wohnung geputzt und instandgesetzt. Ende November kamen nach einer 3monatl. Reise die Möbel an und am 1. Dez. holte Herr Josef Rauscher Frau und Kinder in Engelmannsbrunn ab. Die Frau mußte vorerst auf einen gußeisernen Öferl kochen, da der Herd nichtmehr zu gebrauchen und abgerissen worden war.

Die Schule wurde, als ich die Leitung übernahm, von 21 Kindern besucht. Durch den often Lehrerwechsel und durch andere Umstände bedingt, waren die Verhältnisse ausgesprochen schlecht. Die Kinder wiesen große Wissenslücken auf. Durch eine tägliche, sorgfältige Vorbereitung und Gewöhnung der Kinder an systematische Arbeit gelang es im Laufe des Schuljahres, erhebliche Fortschritte zu erzielen.

Am 30.4.1948 besuchte der Herr B.S.I. Matyas die hiesige Schule Er hörte kurze Zeit dem Unterricht zu und besichtigte dann eingehend das Gebäude, das noch viele Schäden, die durch die lange Vernachlässigung entstanden sind, aufweist.

Am 28.6. 1948 führte uns ein Schülerausflug ins schöne Kamptal. Nach einer Besichtigung der interessanten Sammlungen auf der Rosenburg machten wir eine Wanderung durch das romantische Taffatal nach Horn.

Das ganze Schuljahr stand im Zeichen ernster und intensiver Arbeit. Sie litt noch durch den Mangel an Heften und Schreibmaterial. Neben der tägl. 5stündigen Schulzeit standen mindestens 3 Stunden tägl. Vorbereitungsarbeit für den nächsten Tag. Außerdem wurde der Schulgarten wieder hergerichtet. Über 100 große Körbe „Bei“ (Quecken) wurden ausgelesen und verbrannt. Das Dach des Hauses wurde neu gedeckt.“

 

Schuljahr 1948/49

„Es gingen im Schuljahr 48/49 insgesamt 17 Kinder zur Schule.“

In diesem Jahr besuchen nur 17 Kinder die Schule, da 3 Kinder in die Hauptschule nach Kirchberg gehen.

„Neben den vorbereitenden Arbeiten zum Beginn des neuen Schuljahres habe ich den Hof gereinigt. Über 100 große Körbe guter Erde trug ich in den Garten hinaus 150 Körbe Glasscherben, Blech, Stein usw. wurden abgefahren. Nun sieht es wieder menschl. aus in dem Hof. Seit mehr als 10 Jahren hat die Verwahrlosung niemand
mehr aufgehalten, da ja das Schulhaus unbewohnt war. Es werden noch ein paar Jahre vergehen, bis Haus, Hof und Garten so sind, wie ein Schulhaus auf dem Lande sein soll.

Am 5. November wurde meine Frau ins Krankenhaus Krems eingeliefert. Eine Woche später auch ich. Beide Kinderlähmung. Die Schule wurde auf behördl. Anordnung sofort geschlossen und der erste Unterricht fand am 4.I.49 wieder statt. Ich wurde am Tag vor dem hl. Abend aus dem Krankenhaus entlassen und nach 2 Monaten waren alle Lähmungsrückstände verschwunden und ich wieder gesund. Nach einem Krankenurlaub hielt ich am 14.4.1949 wieder Schule. Mein Vertreter in der Zeit war Herr Kollege Ludwig Riediger, der nach der Vertretung in Winkl die Schulleitung in Altenwörth übertragen bekam.“

Foto: Rechnungen der Gemeinde Winkl

 

 

Schulchronik II

1949 wurde in der Schule der elektrische Strom eingeleitet: „Was es für die Schule bedeutet, Licht zu haben, brauche ich wohl nicht zu erläutern.“

Die Firma Haslinger lieferte dazu u.a. die Deckenleuchten um S 270,- , Glühlampen (eine 100W-Birne kostete S 8,-, eine 40W-Birne S 3,80) und diverses Kleinmaterial. Eine Monteurstunde kostete S 6,20, die Fahrtvergütung betrug S 3,40.

„Im Schulhaus wurden keine baulichen Veränderungen vorgenommen, auch keine Reparaturen durchgeführt, obwohl solche dringend notwendig wären. Durch die Elektrifizierung war kein Geld dafür übrig. Für das nächste Jahr sind aber 17.000 S für die Erfordernisse der Schule im Voranschlag der Gemeinde ausgeworfen und es werden bestimmt alle notwendigen Arbeiten durchgeführt, um das Schulhaus in einen Stand zu setzen, der die Voraussetzung für eine gedeihliche und erfolgreiche Arbeit ist.“

 

Schuljahr 1949/50

„Insgesamt: 18 Kinder (10 Kn., 8 Mädch.) 

Während der Ferien wurde das Schulzimmer neu ausgemalt und die Außenfront des Hauses gestrichen.

Diese Arbeiten führte die Firma Klug aus Kirchberg aus und verlangte:  für das Ausmalen der Klasse S 135,-, für die Lehrerküche S 50,-,  für das Abbrennen und Streichen der zweifügeligen Eingangstüre S 128,- und für das Färbeln der Fassade S 170,-.

"Im September traten die Masern sehr stark auf. Es maserten alle Kinder."

"Die Arbeit in der Schule wurde in den ersten 5 Wochen durch die Masernepidemie sehr gehemmt, ging aber dann gut vorwärts. Die Anfänger konnten zu Weihnachten schon den normalen Druck fließend lesen.“

„Am 8. Juli machten wir zusammen mit der Unterklasse von Altenwörth einen Ausflug nach Wien. Nach einem Besuch der Stephanskirche, besichtigten wir das Schloß Schönbrunn. Auch die Kleinen wehte ein Hauch an jener Zeit, in der Glanz, Größe und Macht unser Vaterland überstrahlte. Nach einem Gang durch den Tiergarten machten wir noch einen kurzen Besuch im Prater und die schöne Heimfahrt schloß den erlebnisträchtigen Tag.“

 

Schuljahr 1950/51

„Insgesamt: 12 Knaben, 9 Mädchen = 21 Kinder“

„Die Arbeit in der Schule läuft wie in den Vorjahren ab. Bei viel Mühe geringer Erfolg. Wenn ich die alten Kataloge und Klassenbücher des Kollegen Jungbauer, der 30 lange Jahre hier wirkte, durchsehe, so finde ich, daß er mit den Eltern und Großeltern der Kinder, die heute die Schule besuchen, dieselben Sorgen hatte und die Notenskala dieselben Ziffern zeigt.“ 

Die Kinder rechneten mit Beispielen aus dem täglichen Leben. Einige Ausschnitte von Schularbeiten dieses Schuljahres: 

  

  

  

Schuljahr 1951/52

„Insgesamt: 12 Knaben, 10 Mädchen = 22 Kinder.“

„Für 2500 S wurden neue Lehrmittel angeschafft. Im letzten Schuljahr kam ein Kind zur Welt. Von den 22 Schulkindern sind nur 11 richtige Winkler. Die restlichen 11 sind durch Zuzug nur vorübergehend in Winkl wohnhaft. Vor 40 Jahren stellte das Dorf 65 Schulkinder.“

 

Schuljahr 1952/53.

„Das Schuljahr begann mit einem Schülerstand von 21 Kindern. Durch den Abgang an die Hauptschule ist der allgemeine Leistungsdurchschnitt noch mäßiger als er bisher war u. die Arbeit an der Schule nicht nur mühevoll, sondern sehr mühsam.

Die im Frühjahr durchgeführte Kommissionierung (22.4.) der sanitären Anlagen der Schule hat die papiermäßigen Voraussetzungen, die zum Bau nötig sind, abgeschlossen. Gebaut wurde nicht, da die Gemeinde den auf sie fallenden Anteil (ca. 40.000 S) nicht aufbringen kann. Der allgemeine Bauzustand des Schulhauses ist sehr schlecht. Die Fenster sind vermorscht und halten kaum mehr das Glas, die Türen schließen sehr schlecht, die Schulbänke sind 60 Jahre alt und in einem Zustand, der jeder Beschreibung spottet, keinesfalls aber dem Zweck, dem sie dienen sollen, entsprechen.“

Der Gemeinderat beschließt darum schon am 30.8.1953, die durch den Schulumbau nötigen Arbeiten für Schlosser, Tischler, Glaser, Anstreicher u.s.w. öffentlich auszuschreiben. Quelle: Sitzungsprotokolle der Gemeinde Winkl

Foto: Jöchl Monika. Es zeigt die oben erwähnten Schulbänke.

 

Schuljahr 1953/54

„Insgesamt 7 Kn. + 9 Mädch. = 16 Kinder“

 

Schuljahr 1954/55

„Insgesamt: 6 Kn. 8 M. = 14 Kinder.

Heute begann die Arbeit am Schulzubau. Ich hoffe, daß sie bis Anfang Mai zu Ende ist.“

Herr Schneider Josef, der im Gemeindehaus (Nr. 2) wohnte und Mesner war, war auch für gröbere Arbeiten in und um die Schule zuständig, seine Frau für das Reinigen der Schule. Dafür erhielten sie regelmäßige Zahlungen bzw. Sonderzahlungen für größere Arbeiten wie das Großreinemachen in den Ferien.

Foto: Rechnungen der Gemeinde Winkl 

Ab 10.7.1954 stand Winkl etwa eine Woche unter Wasser. Schulleiter Engelberger war maßgeblich an der Bewältigung der Katastrophe beteiligt.

„20.12.1954   Heute machten sie in der Waschküche den Kessel. Seit März wurde an der Anlage gebaut. Die Arbeit ist nicht sorgfältig ausgeführt. Das ganze Jahr (seit März) bis Mitte Dezember mußten wir auf ein Not-Clo gehen. Dafür sind die Rechnungen höher geworden.

Die Planke im Schulhof wurde heuer erneuert. Der alte Brunnen neben dem Holzschuppen wurde zugeschüttet, da das Wasser für den menschl. Genuß nicht geeignet war. Der neue Brunnen wurde im Garten gegraben.“

 

Schuljahr 1955/56

16 Schüler,  7 Knaben, 9 Mädchen

„5.11.55:Am 5. Nov. kamen die neuen Schulmöbel. Tische und Sessel der Fa. Moßböck, Freistadt, O.-Ö. 6.12.55; Heute wurde die neue Schultafel von der Fa. Golbinek in Wien montiert.

Während der Ferien wurden im Schulhaus die Außenfenster erneuert, eine neue Außentüre, im Gang eine Pendeltüre, von der Küche ins Schlafzimmer ein Glastüre gemacht. Alle Fenster und Türen wurden gestrichen (hellgrau). 

Über der Eingangstüre wurden kunstschmiedene eiserne Buchstabe angebracht. Der Gang und die Speisekammer wurden mit Terrazzofliesen ausgelegt, das Badezimmer gebaut und eingerichtet. Vor dem Küchenfenster und beim Ausgang aus dem Knabenclo wurden die alten Gangfliesen terrassenförmig verlegt.

Es dürften ziemlich viele Fenster  und auch Türen neu verglast worden sein. Die Firma Schuhmeister aus Kirchberg lieferte und montierte etwa 90 verschieden große Scheiben und verrechnete dafür S 1.302,90

"12.1.1956: Heute war Schulbesichtigung. Herr Bez. Hptm. Stellvertr. Dr. Filz, Herr Bez.-Arzt Dr. Grusch, Herr Bez. Schulinsp. A. Matyas besichtigten das Schulhaus ‚vom Boden bis zum Keller‘. Es wurde für gut befunden."

6.3.1956: Der Gemeinderat genehmigt die vorgelegten Endabrechnungen der Schulrenovierung und beauftragt den Bürgermeister bei der Landesregierung wegen eines Zuschusses vorzusprechen. Ein zinsenloses Darlehen wird aufgenommen, falls es notwendig sein sollte.

21,4,1956: Der Gemeinderat beschließt, zur Abdeckung der bei der Schulrenovierung entstandenen Kosten ein Darlehen in der Höhe von 50.000,-- S bei der Landeshypothekenbank aufzunehmen. 

"Während der Ferien richtete ich den Hof und legte einen Ziegelpflasterweg zum Garten.“

 

Schuljahr 1956/57

17 Schüler, 8 Knaben, 9 Mädchen

Im November wird Schulleiter Engelberger in Wien an der Galle operiert und übernimmt den Unterricht erst wieder mit Beginn des 2. Halbjahres. Frau Isolde Karl von der Schule Kirchberg vertritt ihn.

„24.4.57: Heute wurde der Drahtzaun für die Neueinfriedung des Schulgartens geliefert.

Während der Ferien legte ich einen Ziegelpflasterweg im Garten zum Brunnen (Wasserleitung).

18.6.1957: Heute wurde der neue Zaun um den Schulgarten aufgestellt.“

 

Schuljahr 1957/58

„Kinder: 14, davon 8 Knaben und 6 Mädchen.

Im letzten Schuljahr habe ich im Garten vier und im Hof zwei Bäume gepflanzt.“ 

 

Schuljahr 1958/59

„Insgesamt: 13 Kinder (6 Kn, 7 M.)“

Für die Schule wird durch die Gemeinde eine Nähmaschine angeschafft. 

 

Schuljahr 1959/60

5 Knaben, 6 Mädchen, 11 Kinder, das war der niedrigste Schülerstand an der Volksschule in Winkl.

 

Schuljahr 1960/61

„Insgesamt: 13 Schüler (5 K, 8 M)

11.2.1961: Das erste Halbjahr schloß am heutigen Tag. Die Leistung der Klasse ist zufriedenstellend, die Arbeit in der Schule macht Freude.

Anläßlich des Besuches der Gemeinde Winkl besichtigte der Herr Bez. Hauptmann Ob.Reg.Rat. Dr. Forstner auch die Schule. (Siehe obigen Eintrag). Er war überrascht und erfreut, die Schule in so vorbildlichem Zustand vorzufinden.

23.6.1961: Am 22.6.1961 veranstaltete die Gemeinde, die Feuerwehr und die Schulkinder abends eine Feier anläßlich des 50. Geburtstages des VS.Dir. L. Engelberger.“

 

Das Schulhaus  im Jahr 1961 


Straßenfront 

   
  Eingang von der Straße -  Gang und Kleiderablage 

 
Ausgang in den Hof und Terrasse (Fenster der Küche)

 
Ausgang in den Hof (Fenster der Waschküche)     

 

Schuljahr 1961/62        

„Insgesamt 17 Kinder, 5 Knaben, 12 Mädchen"

"Der Ablauf des heurigen Schuljahres war zufriedenstellend. Alle Kinder erreichten das Lehrziel. Das Benehmen der Kinder ist sehr gut, die Unterstützung der Schule durch die Eltern beispielhaft.“ 

19.7.1962
"Stilllegung der Volksschule in Winkl: Der Bürgermeister verliest das Schreiben des Bezirksschulrates Tulln in dem dem Schulerhalter mitgeteilt wird, dass der Landesschulrat mit Erlass vom 11.7.62, Zl: A.A. II – 2772/4 den Bezirksschulrat beauftragt hat, mit der Gemeinde Winkl die Stilllegung der Schule zu vereinbaren. Die Kinder wären nach Neustift einzuschulen.
Zu dem Schreiben stellt der Gemeinderat von Winkl fest: 

a)      Die Volksschule Winkl wird nicht von 17, sondern von 20 Kindern im Schuljahr 1962/63 besucht, ebenso 63/64.
b)      Der Schulweg würde für die Kinder vom Südausgang in Winkl bis zur Schule in Neustift 3 km betragen. Im Winter treten auf der Straße nach Neustift stets starke Schneeverwehungen auf, die den Schulbesuch in dieser Zeit unmöglich machen würden. Bei hohem Grundwasserstand ist ein Teil der Straße unter Wasser und von Kindern nicht passierbar. Die Straße von Winkl nach Neustift mündet in die Landesstraße Tulln-Krems, die sehr starken Verkehr aufweist und die Kinder erhöhten Gefahren aussetzt.
c)       Das Schulhaus in Neustift ist mehr als 200 Jahre alt. Die Klasse vermag kaum die 27 Kinder aus Neustift zu fassen. Durch die Zusammenlegung würde sich daher weder ein organisatorischer Vorteil ergeben, noch eine erhöhte Leistung, von den erzieherischen Nachteilen ganz abgesehen. Es würden im Gegenteil abfallende Schulerfolge die notwendige Folge sein. Der GR kann es nicht verantworten, in unserer Zeit die Kinder allen diesen Nachteilen auszusetzen.
d)      Das Schulhaus in Winkl wurde im Jahre 1892 erbaut. Es wurde in den Jahren 1954 und 1955 einer gründlichen Renovierung unterzogen. Das Klassenzimmer wurde vollkommen neu ausgestattet, ebenso wurde der päd. Apparat den Erfordernissen der Jetztzeit angepasst. Moderne hyg. Einrichtungen wurden geschaffen, die Schule mit Fließwasser versorgt.
Für die Gemeinde bedeutete die Aufbringung von 150.000,-- S die für die Renovierung der Schule notwendig waren, ein sehr großes Opfer. Genauso wie der Klassenraum wurde auch die Lehrerwohnung mit allen Einrichtungen versehen, die der Status der Gegenwart erfordert.
e)      Die Schule ist für unsere Gemeinde nicht nur der Ort, in dem die Kinder unterrichtet werden, sondern sie ist der kulturelle Mittelpunkt. Der Lehrer unterrichtet und erzieht nicht nur unser Kindern, sondern er hat in den 17 Jahren, seit er hier ist, durch seine außerschulische Tätigkeit in der Gemeinde und für die Allgemeinheit wesentlich mit dazu beigetragen, dass in unserer Gemeinde alle jene Einrichtungen geschaffen werden konnten, die anderswo schon lange selbstverständlich sind. 1947 brannten noch Petroleumlampen, heute ist in jedem Haus fließendes Wasser, eine Tiefkühlanlage, die Straßen mit einer festen, staubfreien Decke versehen, die Grundzusammenlegung durchgeführt und alle Einrichtungen, die der Allgemeinheit dienen, wie Feuerwehr und Milchgenossenschaft usw. auf einem vorbildlichen Stand. Sein Einsatz während der Hochwasserkatastrophe 1954 und seine Tätigkeit für die Gemeinde wurde vom Herrn Bundespräsidenten durch Verleihung des Silbernen Ehrenkreuzes für Verdienste um die Republik gewürdigt.
f)        Alle die angeführten Gründe veranlassen den GR, die beabsichtigte Stilllegung der Schule abzulehnen und die hohe Behörde zu ersuchen, von dieser Maßnahme Abstand zu nehmen."
Quelle: Sitzungsprotokolle der Gemeinde Winkl
 

 

Schuljahr 1962 /63

„Insgesamt: 20 Kinder, davon 6 Knaben u. 14 Mädchen.“

Aus dem Sitzungsprotokoll der Gemeinde Winkl vom 20.4.1963: „Die Frau Schneider Maria war 50 Jahre Schuldienerin. Der GR von Winkl spricht ihr für ihre langjährige treue Arbeit den herzlichsten Dank und die vollste Anerkennung aus. Er beschließt, ihr als Ehrengabe einen Betrag von 1.000,-- S zu überreichen.“

 

Schuljahr 1963/64                

„Insgesamt 20 Kinder, 6 Knaben, 14 Mädchen.

29.11.63: Die Anfänger können perfekt lesen. Ein so früher Erfolg stellte sich noch nie ein.

Durch das Schulgesetz 1962 wurde der äußere Unterrichtsbetreib nicht besonders berührt. Die Erstellung der neuen Stundenpläne machte erhebliche Schwierigkeiten.“ 

Es wird vom Gemeinderat einstimmig beschlossen, dass für die Schule 2 Tische mit 4 Sesseln, 2 Türmatten, Bälle in verschiedener Größe und sonstige Erfordernisse zur Förderung des Unterrichtes in Leibeserziehung angeschafft werden. 

 

Schuljahr 1964/65

„Es besuchten im Schuljahr 1964/65 6 Knaben und 15 Mädchen die Schule, insgesamt 21 Kinder.

26.6.65: Am heutigen Tag erhielt die Gemeinde ein Schreiben des Bezirksschulrates v. 25.6.65, Bezug. LSR f. N.Ö. Zl.: I/A531-1965 v. 22.6.65. Betreff: Stillegung von Volksschulen und deren Einschulung in eine andere Volksschule, in dem die Stillegung der VS Winkl mitgeteilt wurde.

28.6.65: Am 28.6.1965 wurde in einer Gemeinderatssitzung gegen den Bescheid Berufung eingelegt, die ausführlich begründet wurde.

Neben Winkl waren weitere 14 Schulen im Bezirk zur Stillegung  vorgesehen. Diese Maßnahme löste in der Bevölkerung eine sehr große Erregung aus.“ Deputationen aus allen betroffenen Gemeinden sprachen bei allen betroffenen Behörden vor. „Die Vorsprechen und Proteste hatten insofern Erfolg, als statt der vorgesehenen 15 Schulen nur 7 im Bezirk stillgelegt wurden, nämlich Neustift, Neudegg, Baumgarten, Hippersdorf und 3 Schulen südl. der Donau.

31.8.65: Heute wurde ich vom Herrn Bezirkshauptmann Hofrat Dr. Wiesinger angerufen. Er teilte mir mit, daß die Schule in Winkl nicht aufgelöst wird.     Durch die Ungewißheit, die durch die drohende Stillegung der Schule entstand, waren die Ferien überschattet. Es war eine ungute Zeit. Seit fast 18 Jahren Lehrer in einem Dorf sein und dann gehen müssen, wäre hart gewesen.“

 

Schuljahr 1965/66

Schüler: 5 Knaben, 15 Mädchen. 

Im Juni 1966 besuchte Kardinal König Kirche und Schule in Winkl. Von den Schülern wurde er mit einem Gedicht und mit Liedern begrüßt. 

Nach diesem Schuljahr wurde die Schule, so wie viele andere, endgültig geschlossen. Einige ältere Kinder besuchten bis zum Ende ihrer Schulzeit die Schule in Altenwörth, alle anderen fuhren ab dem Schuljahr 1966/67 mit dem Autobus in die Volks- oder Hauptschule nach Kirchberg am Wagram

 

  

 

16.7.1967

Auszug aus dem Sitzungsprotokoll der Gemeinde Winkl, betreffend Frau Maria Schneider, die 50 Jahre lang die Schule aufgeräumt hat:

„Der GR beschließt einstimmig, dass Frau Maria Schneider so lange sie lebt, im Haus Nr. 2 das unentgeltliche Wohnrecht hat. Dieser Beschluss wurde in Anbetracht der Verdienste, die sich die Familie Schneider durch ihre Arbeit im Dienste der Gemeinde seit fast 100 Jahren erworben hat, gefasst.“
Dies erfolgte im Zuge der Auflösung der Selbständigen Gemeinde Winkl.

 

Nachwort

Ich besuchte die Schule in Winkl nur ein Jahr (1965/66).  Der Unterricht in Winkl war viel abwechslungsreicher als jener in Kirchberg: Am Vormittag hatten wir Unterricht. Zum Mittagessen gingen wir nach Hause. Am Nachmittag fanden wir uns wieder ein. Wir Kleinen durften spielen, die größeren mussten im Garten helfen – was man als Naturkundeunterricht bezeichnen könnte. 

Unser Lehrer war Herr Leopold Engelberger. Er war eine Autorität im Dorf. Oft brachten wir seiner Frau, die an Kinderlähmung erkrankt war, Blumen, die wir auf der Wiese gepflückt hatten.

 

Heute 

Heute dient die Schule, die nach wie vor der Gemeinde gehört – jetzt der Marktgemeinde Kirchberg am Wagram – vielen Zwecken. Es werden darin offizielle Feste, wie Feuerwehrfest und Feste des Verschönerungsvereines abgehalten. Man kann sie für private Feiern mieten. Auf der linken Seite – der ehemaligen Lehrerwohnung ist ein Raum für die Schnapser am Sonntag und für Wahlen reserviert. Rechts im Anbau befinden sich der Ponton und andere Gegenstände der Feuerwehr. Der Hof wurde asphaltiert und dient als Festplatz bei FF-Festen.

  

Eine Liste der Lehrer und Handarbeitslehrerinnen finden Sie hier:

http://www.hf-kirchberg.at/index.php/winkl/die-schule-von-winkl/251-die-lehrer-von-winkl

Bisher gefundene Schulfotos von Winkl finden Sie hier: http://www.hf-kirchberg.at/index.php/winkl/die-schule-von-winkl/schulfotos-winkl

 

Quellen:
Schulchroniken Winkl I und II
Sitzungsprotokolle Gemeinde Winkl
Rechnungen der Gemeinde Winkl

 

November 2012
Maria Knapp