Direktor Leopold Engelberger

 

Letzte Änderung: 2.11.2014

 

Leopold Engelberger  wurde am 23. Juni 1911 in Engelmannsbrunn als Sohn  des Hauers Josef Engelberger und der Theresia, geb. Schober, geboren. 

Er besuchte die Lehrerbildungsanstalt in Krems. Eine Episode aus dieser Zeit von Otto Fandl (Geschichten aus Winkl): "Zu seinem Spitznamen kam Leopold Engelberger, weil ihn der Lateinprofessor einmal mit 'Angelo montano' anredete und am Gang immer seine Zeichnungen anerkannt die eigenartigsten waren, die er nun auch mit 'Angelo' signierte. Wenn der Fahrplan nach dem Unterricht  noch Zeit ließ, kam er oft in unsere Klasse. Wir lächelten immer schon erwartungsvoll, wenn er die Tafelkreide zur Hand nahm. Er konnte an der großen Schultafel ohne Entwurf von links oben nach rechts unten ein Bild durchschreiben, wobei ihm stets die Karikatur am besten lag." 

Gleich zu Beginn der NS-Ära kam Leopold Engelberger nach Deutschland, wo er am 1.10.1938 Anna Bauer heiratete. Sie wohnten in Trebgast bei Bayreuth.   

Er war von 1938 bis Sommer 1944 eingerückt, kam in Gefangenschaft, aus der er am 23. Oktober 1946 entlassen wurde. Da die Zustände in Bayern viel schlechter als bei uns waren, kam er 1947 mit seiner Familie – er hatte mittlerweile die drei älteren Kinder – wieder nach Österreich. Nach seinem Ansuchen um eine Lehrerstelle wurde er am 2. November 1947 der Volksschule in Winkl zugewiesen, 1951 wurde er in den definitiven Dienst übernommen und zum Schulleiter ernannt. Diesen Posten bekleidete  er bis zur Schließung der Schule im Jahr 1966.

 Als Lehrer in Winkl kurz nach dem Krieg


Am letzten Schulfoto in Winkl im Jahr 1966  

 

Mit seiner Frau Anna, die an den Folgen der Kinderlähmung litt,  hatte er vier Kinder – Rosemarie, Waltraud, Gudrun und Ingo.

     
Leopold Engelberger mit Kindern und Gattin bzw. mit Freunden
Fotos: Fam. Grausenburger 

 

Neben seinem großen Engagement für die Schüler und die Schule leistete er nach seinem Umzug nach Winkl enormes bei der Wiederherstellung von Schulgebäude und -garten, welche durch das Leerstehen und die Benützung durch Soldaten stark gelitten hatten. Aber auch aus dem Gemeindeleben war er bald nicht mehr wegzudenken. Er war Schriftführer im Gemeinderat und bei der Milchgenossenschaft und auch sonst überall zur Stelle, wo sein Rat gebraucht wurde. Auch in Punkto Geselligkeit nahm er am Dorfleben regen Anteil.

 Besuch von Kardinal König in Kirche und Schule, 1966  

 

 

 

 

Schule Winkl, 1961

 Erstkommunion in Altenwörth, 1964
 Schulleiter Ludwig Riediger aus Altenwörth und Schulleiterin Edith Brobretzky aus Kollersdorf
Foto: Erich Trezmüller 

 

Besonders hervorgetan hat er sich beim Hochwasser 1954. Er leitete die Rettungsmaßnahmen. Dafür erhielt er am 17.7.1955 vom Herrn Bezirkshauptmann Dr. Kermer, das ihm vom Bundespräsidenten Dr. Körner verliehene Silberne Verdienstkreuz für Verdienste um die Republik überreicht.

   
Hochwasserhilfe:  Leopold Engelberger beim Kartoffel-Abladen und
mit dem Kommandanten der russischen Besatzung, Schulchronik Winkl

 

Seine große Leidenschaft galt dem Theaterspiel. So wurden unter seiner Leitung in Gasthof Zehetner in Winkl Stücke aufgeführt. Er war auch im Theaterverein in Kirchberg am Wagram einer der Hauptdarsteller in verschiedenen Stücken.

Im November 1958 wurde in der Pfarrkirche von Kirchberg am Wagram anlässlich des Abschlusses der Renovierungsarbeiten das Stück „Jedermann“ von Hugo von Hofmannsthal aufgeführt, das großen Anklang fand. Ein Ausschnitt aus der Landzeitung vom 27.11.1958, Leopold Engelberger betreffend: "Direktor Leopold Engelberger in der gewaltigen Titelrolle, war hinsichtlich Erscheinung, Rhetorik und Pose wieder am Platze." 

Bei der Schließung der Schule in Winkl war er erst 55 Jahre alt. Er zog nach Krems, wo er noch einige Jahre an der  Sonderschule unterrichtete. Durch seine Sprachfertigkeit und seinen Humor  war er nach dem Bürgermeister die am besten bekannte Persönlichkeit in der Stadt. 

Er nahm auch nach seinem Weggang aus Winkl noch regen Anteil an den Geschehnissen im Dorf.

Er  starb am 10.12.1993 und wurde unter reger Anteilnahme der Bevölkerung in Krems bestattet.

Eine selbst gezeichnete Geburtstagskarte aus dem Jahr 1983, 
Familie Grausenburger
 

 

Quellen:
Schulchronik Winkl
Pfarrmatriken Kirchberg am Wagram
Sitzungsprotokolle Gemeinde Winkl
Sitzungsprotokolle Milchgenossenschaft Winkl

 

Maria Knapp
April 2013