Freiwillige Feuerwehr Winkl

 


Am 4. Juni 1898 wurde - so wie in vielen Dörfern vom Schulleiter - die Freiwillige Feuerwehr gegründet. Dieser war auch der erste Hauptmann, Anton Wimmer sein Stellvertreter. Im nächsten Jahr übergab Jungbauer wegen Überlastung sein Amt an Anton Weninger, der zu diesem Zweck erst in die Feuerwehr aufgenommen werden musste. Einige Jahre später, von 1905 bis 1919 übernahm der Schulleiter dann doch die Führung.
 

 
Gründungfoto der FF Winkl, 1898
Unterlagen der FF Winkl

 

Die Gründungsmitglieder:

Jakob Jungbauer, Hauptmann

Anton Wimmer, Stellvertreter

Josef Schaupp, 1. Zugsführer

Josef Fellner, 2. Zugsführer

Anton Schwanzer, Steiger

Johann Birochs, Steiger

Josef Beer, Steiger

Ludwig Pfaller, Steiger

Johann Wimmer, Hornist

Josef Zehetgruber, Hornist

Josef Nevosad-Armbruster

Anton Söllner

Johann Bösinger

Johann Danzer

Anton Fellner

Johann Riedl

Rudolf Danzer

Johann Beer

Ferdinand Schweiger

Franz Schneider

 
 Ausschnitt aus den Statuten, 1898

 
„Grundgesetz der freiwilligen Feuerwehr in Winkl Bez. Tulln
         §1. Sitz und Zweck des Vereines.
Die freiwillige Feuerwehr hat ihren Sitz in Winkl und verfolgt den Zweck, im Falle eines Brandes im Orte oder in den in der Feuerlöschordnung bestimmten Ortschaften den Lösch- und Rettungsdienst zu leisten.
Die Dienstleistung der freiwilligen Feuerwehr findet in Ausübung eines ihr von der Gemeinde übertragenen Befugnisses statt.
          § 2. Mittel.
Zur Erreichung dieses Zweckes sorgt die freiwillige Feuerwehr für stramme Disciplin in der Mannschaft, für theoretische und praktische Ausbildung der-selben im Feuerwehrdienste für tüchtige Geräthe und größtmögliche Schlag-fertigkeit.“

 

Das Inventar bestand aus 17 Posten: eine Feuerspritze zum Anschaffungswert von 1800 Kronen, 100 m Schlauch, 21 teils unterschiedliche Helme, vier Hupen,
vier Hörner, 21 Gurte, zwei Beile, 17 Pfeiferl, vier Laternen, Arbeitsmontur und Kappen.

  
Feuerwehrbeile und Horn

 

Die Mannschaft wurde in zwei Züge mit je zwei Steigern und zwei Hornisten eingeteilt und unter die Leitung der Zugsführer gestellt. Bereitschaftsdienst und Übungen mit der Spritze führte jeweils einen Monat lang ein Zug durch.

Während des ersten Weltkrieges sank der Stand der aktiven Feuerwehrleute
rapide. 1918 waren bei der Hauptversammlung von den sieben Mitgliedern nur fünf anwesend.

Anlässlich des 25-jährigen Bestehens fand 1923 erstmals ein Ball statt.


Eintrittskarte für den Feuerwehrball, 1927
 
(Herbert Eder, Kollersdorf) 

 

1929 wurden Richtlinien für das Verhalten bei Hochwässern ausgearbeitet.

Gemäß Verfügung des Landeshauptmannes von Niederdonau wurden 1939 sämtliche Freiwillige Feuerwehren in Niederösterreich aufgelöst.  1947 gründete sich die Winkler Feuerwehr offiziell neu. 

1950 hielt die Feuerwehr den ersten Ball nach dem Krieg ab, der sich schon bald zu einem der beliebtesten in der Umgebung entwickelte; bereits 1963 fand der letzte statt.

Die erste Motorspritze wurde 1952 angeschafft und gleichzeitig Feuerwehrbrunnen gegraben, um dem vermehrten Wasserverbrauch der neuen Pumpen Rechnung zu tragen - bis 1981 insgesamt fünf. Um die Leistungsfähigkeit beider zu testen, führte man jeden Monat Nassübungen durch. 

Vom 11. bis 25. Juli 1954 standen die Feuerwehren der Umgebung wegen des verheerenden Hochwassers im Dauereinsatz. In Winkl war sogar die russische Besatzungsmacht angefordert worden. Siehe hier.

1955 ist in den Protokollen erstmals die Teilnahme an Leistungsbewerben erwähnt. 1962 wurde das Spritzenhaus renoviert.  Der im Jahr 1963 angeschaffte  Rüstwagen war lange Jahre im Einsatz. Er steht noch heute im Feuerwehrhaus. 1967 kaufte die Feuerwehr eine VW-Tragkraftspritze.

   
Maibaumsetzen bei Feuerwehrhauptmann Alois Reiser-Deibl, 1959

 
Links: Vor dem Gasthaus Zehetner, um 1960, vorne:  Karl Birochs, Johann Riedl
Hinten: Josef Passecker, Werner Schlawak, Anton Beer, Johann Zehetner, Johann Schabl, Karl Schmidt
Rechts: Johann Schabl und Karl Schmidt an der Spritze

 


Nach dem Feuerwehrball 1961

 

   
Feier anlässlich des 50. Geburtstages von Bürgermeister Karl Schmidt sen., 1961

 

 
Hochzeit des Feuerwehrmannes Karl Birochs, 1964
Familie Birochs


 
Bei der Friedhofsallee, vor 1967
Vorne: Richard Biebl, Johann Riedl, Alois Reiser-Deibl, Karl Schmidt, Johann Engelmann
Hinten: Rudolf Biebl, Anton Beer, Franz Grausenburger, Karl Birochs, Johann Schabl, Josef Rauscher, Karl Schörgmayer, Leopold Engelberger

 
  
Die Feuerwehr im Gasthaus Zehetner, 1967
 
 

Da das Feuerwehrhaus nicht mehr den Anforderungen der Zeit entsprach, entschloss man sich 1974, das alte Gebäude gänzlich abzutragen und mit Unterstützung der Gemeinde ein neues zu errichten, in dem jetzt auch ein Mannschaftsraum untergebracht ist.


Abbrucharbeiten im Jahr 1974, rechts Johann Engelmann 


Links: Der Schlauchturm
Rechts: Im Vordergrund Karl Schörgmayer und Werner Schlawak
 
  
Rechts im Bild Karl Birochs - auch bei Schnee gingen die Arbeiten weiter.
 
 

Maibaumaufstellen durch die Feuerwehr bei Ortsvorsteher Johann Engelmann, um 1975
 
 

Die Feuerwehrmänner mit neuer Tragkraftpritze
 
 

Die Kirtage kamen langsam aus der Mode und machten den Feuerwehrfesten Platz. Die dabei erzielten Einnahmen konnten gut für die Anschaffung neuer Ausrüstungsgegenstände gebraucht werden. Als Veranstaltungsort zog man von Beginn an den Schulgarten heran, da man hier gleich eine Küche zur Verfügung hatte. Ab 1982 fand fast jedes Jahr ein zwei- bis dreitägiges Fest statt.

1984 wurde das Feuerwehrhaus neu gestrichen. Malermeister Jakob Kopp aus Kirchberg gestaltete an der Vorderseite ein Gemälde des Hl. Florian. Mit finanzieller Hilfe der Gemeinde konnte ein Kleinlöschfahrzeug angeschafft werden. Bei der feierlichen Segnung fungierte Frau Herta Heisler als Autopatin.

  
Segnung des neuen Feuerwehrautos, 1984

 

    


Landesfeuerwehrwettkämpfe in Horn, 1989

 

 


Feuerwehrübung im Oberort, 1992

 

 

Das 100-jährige Bestehen der Feuerwehr konnte 1998 bei der renovierten Schule gefeiert werden. Unter der Leitung von Franz Berthiller jun. verfassten die Kameraden eine Festschrift.

 


Foto anlässlich des 100-Jahrjubiläums

Hinten: Franz Grausenburger jun., Franz Berthiller jun., Leopold Hartl, Leopold Grill, Alfred Rieder, Franz Grausenburger, Erwin Rauscher, Hermann Kohoutek, Thomas Riedl
Mitte: Robert Beer, Andreas Brodesser, Wolfgang Grausenburger, Gerhard Schörgmayer, Rudolf Hackl, Manfred Schmidt, Josef Schörgmayer, Günther Schabenböck,  Johann Riedl
Vorne: Franz Berthiller, Johann Engelmann, Josef Schörgmayer, Wilhelm Heisler, Andreas Birochs, Karl Schmidt, Werner Schlawak, Karl Birochs

 

 
Ehrung verdienter Kameraden, 1998
Karl Birochs, Helmut Cerwenka, Bürgermeister Johann Benedikt, Franz Grausenburger, Johann Preisinger, Johann Engelmann, Alfried Riedl, OBR Alois Mayer, Dr. Michael Widermann (BH Tulln), Franz Berthiller

Eine große Herausforderung für die Mitglieder war das Jahrhunderthochwasser im Jahr 2002, bei dem es zu großen Unstimmigkeiten mit der in Bierbaum stationierten Bezirksleitung kam. Die Winkler Feuerwehr trat geschlossen zurück, sie ließ das Feuerwehrauto in Bierbaum stehen, einige zogen sogar die Uniform aus und kamen in der Unterhose zurück. Nach dem Hochwasser versuchten diverse Funktionäre und Gemeindepolitiker, die Wogen wieder zu glätten. Es gab zwei Lager. Die einen sagten: „Wir wollen mit diesem Verein, der uns in der Not nicht geholfen hat, nichts mehr zu tun haben!“ Die anderen meinten aber: „Trotz der geschehenen Fehler ist es notwendig, eine eigene Feuerwehr im Dorf zu haben!“ Als nach langem Zögern die bereits von höherer Stelle eingeforderte Hauptversammlung im Frühjahr 2003 stattfand, war die Stimmung anfänglich sehr gereizt. Alle jene, die nicht mehr der Feuerwehr angehören wollten, taten ihre Meinung kund und verließen die Versammlung, bevor die Wahl begann. Thomas Riedl wurde zum neuen Kommandanten bestellt, er hat dieses Amt bis heute inne.

 


Andreas Arndorfer und Richard Knappin der Feuerwehrzille

Näheres zum Hochwasser 2002 siehe hier und hier.

Die verbliebenen Kameraden, die mit neuem Elan ans Werk gingen, bemühen sich, mit der Obrigkeit wieder problemlos zusammenzuarbeiten. 

   
 Helme von der Gründung bis heute

      
 Details der Helme
 


Zillenbewerb , 2005
Franz Berthiller, Karl Birochs, Maria Berthiller, Andreas Birochs, Richard Knapp

 


Feuerwehrübung 2016

 

Da das Haus schon in die Jahre gekommen war und vor allem WC-Anlagen fehlten, da seit einigen Jahren auch eine Frau bei der Mannschaft ist, errichteten die Kameraden mit viel Eigenleistung einen Zubau mit Dusche, WC's und einem Spindraum und renovierten den alten Gebäudeteil, auch das Dach wurde erneuert. Im Jahr 2020  war die Arbeiten beendet.


Das Feuerwehrhaus nach der Renovierung und Erweiterung mit dem Hl. Florian an der Frontseite, 2020

 

Kommandanten

1899 - 1905 Anton Weninger
1905 - 1919 Oberlehrer Jakob Jungbauer
1919 - 1921 Josef Fellner
1921 - 1923 Ferdinand Schweiger
1923 - 1933 Leopold Rauscher
1933 - 1936 Joseph Armbruster
1936             Josef Rauscher
1937 - 1939 Leopold Grill
1948 - 1951 Leopold Grill
1951 - 1958 Franz Grausenburger
1958 - 1959 Johann Schabl
1959 - 1976 Alois Reiser-Deibl
1976 - 1991 Karl  Schmidt
1991 - 1994 Franz Grausenburger
1995 - 2002 Wilhelm Heisler
seit 2003      Thomas Riedl

 

Der Dank für Fotos gilt  Karl Birochs, Herbert Grill, Monika Jöchl, Karl Schmidt und Monika Riedl.

 

Mai 2020
Maria Knapp