Herrschaften in Winkl
 
 
Letzte Änderung: 29.7.2017
 
 
Nach dem Aussterben der Herren von Winkl, die bis dahin die Herrschaft über das Dorf inne gehabt hatten, gelangte der Ort durch die Heirat Cimburgs, einer Tochter Sigmunds, des letzten Winklers, mit dem Ritter Koloman Scheck von Wald an dessen Familie, die unter anderem im Besitz der Burg Aggstein war.
 
 
 
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Die Grabplatte Cimburgs aus rotem Marmor befindet sich heute in der Pfarrkirche Aggsbach Markt, links vom Eingang unter der Orgelempore. Sie besteht aus einer Umschrift und dem Eheallianz­wappen in einem Schild mit zwei Helmen. 
 
Umlaufender Text:
„Anno · d(omi)ni · mo · cccco · xlviij · jar / ist · gestorben · an · sand · kathrein · tag dy · edel · fraw · Cinburkch · / hern · Sigmu(n)ds · von · Winkel · / seligen · tachter · vnd · ist · gewesen · kolman · d͜es · Scheken · vo(n) · Wald / hausfrau · vnd · leit · hye / begraben · d͜er · got · gnat“
 
 
 
Als Parteigänger Albrechts VI. verlor Georg Scheck von Wald die Herrschaft bald nach dem Tod an den kaiserlichen Söldnerführer Ulrich von Grafenegg. Dieser trat 1477  gegen eine Entschädigung von 50.000 Dukaten alle seine Schlösser und Herrschaften, darunter Neu-Wolfenreuth (Grafenegg) samt allem, so etwan zum Schloss W., das Jörgen Scheck gewesen ist, gehört hat, an Kaiser Friedrich III. ab und verließ das Land. Dessen Sohn Maximilian I. übereignete 1495 dem im selben Jahr zum Reichsgrafen von Hardegg erhobenen Heinrich Prüschenk die Herrschaft Grafenegg mitsambt der abbrochen vestenn Wünckl.
1513  übernahmen seine Söhne Johann und Julius  Prüschenk die Herrschaft,
1534 Katharina von Schwetkowitz und ihr Sohn Adam.
1535 gelangte die Herrschaft schließlich an Bernhard I. Thurzo von Bethlenfalva.
1601 übernahm Martin von Starhemberg den Grafenegger Besitz. Dabei dürften einige Anwesen an das Vizedomamt (Kastenamt) Wien gekommen sein, das die Güter des Landesherrn verwaltete, denn bereits 1603 findet man in den vizedomischen Unterlagen Akten über sechs Winkler Häuser. Die Lehner wählten aus ihrer Mitte den kaiserlichen Kastenamtsrichter, der der Mittelsmann zur Verwaltung in Wien war.
Im Jahr 1607 gelangten die Grafenegger Lehenshäuser durch Heirat an die
Familie Saurau.
Karl Freiherr von Saurau verkaufte 1622 die Herrschaft an die Freiherren
Johann Baptist und Johann Peter von Verdenberg
. Johann Baptist war ab 1633 Alleinbesitzer.
 
Nach der Mitte des 17. Jahrhunderts gelangte der Besitz an die Grafen  Enkevoirt. Im Jahr 1769 stiftete Karl Josef Ignaz Graf Breuner-Enkevoirt das Fideikomiss Grafenegg-Neuaigen, d.h. das gesamte Familienvermögen geht seither jeweils geschlossen auf einen einzigen Erben über, der allerdings nur über den Ertrag dieses Vermögens frei verfügen kann.
 
Nach dem Tod seines Vaters übernahm August Graf Breuner-Enckevoirt um 1840 die Herrschaft Grafenegg und war damit der letzte Grundherr vor der Aufhebung der Untertänigkeit.
 
 
Herrschaft Winkelberg
Die Herrschaft Winkelberg, der einige Häuser im Ort untertan waren, war in diesen Zeiten Eigentum der adeligen Familien Hager, Puchheim, Oberheim, Moser und Stadel. 1620 verkaufte Graf Michael Adolf von Althann den Besitz an das Jesuitenkollegium Krems, 1773 ging dieser in die Verwaltung der Staatsgüteradministration über. Eigentümer zur Zeit der Bauernbefreiung war die Familie Fournier).
 
 
Vizedomamt
Sechs Güter gehörten dem Vizedomamt in Wien, d. h. sie waren dem Landesfürsten direkt unterstellt und hatten einen eigenen Richter, den Kastenamtsrichter, der sie vor diesem Amt zu vertreten hatte. 1745 wurde das Vizedomamt zwecks Sanierung der Staatsfinanzen aufgelöst und zahlreiche landesfürstliche Güter und Grundherrschaften verkauft. Die sechs Winkler Höfe erwarb Maria Francisca Gräfin Breunerin, geb. Gräfin Rothall, die damalige Besitzerin von Grafenegg. Die Lehner waren zu jener Zeit Johann Peter Schmalz, Johann Weidinger, Wilhelm Göstl, Mathias Hödl, Leopold Streller und Johann Kreylhofer.
 
 
Quellen:
Filsmaier, Josef: Schönberger Heimatbuch, 1966
Haus-, Hof- und Staatsarchiv, Wien: Grafenegger Handschriften
 
Juli 2017
Maria Knapp