Milchgenossenschaft Winkl

                       

Letzte Änderung: 17.3.2016

 

Um 1900 wurde die Milchgenossenschaft gegründet (das genaue Datum ist nicht bekannt). 

Die Milchgenossenschaft Winkl wurde am 1.8.1911 Eigentümerin der Liegenschaft, die zu dem Zeitpunkt als „Bauarea 166“ geführt wurde. Das Milchkasino dürfte aber schon vorher bestanden haben, da im März schon über die Anschaffung eines Gartengitters gesprochen worden war – siehe unten.

Ein Kühler wurde bestimmt und für seine Arbeit bezahlt.  Die Bauern fuhren abwechselnd mit der Milch nach Kirchberg, zeitweise wurde ein Fahrer dafür bezahlt.

 

Aus den Protokollen

Am Dachboden der Schule Winkl befinden sich Rechnungsbücher der Milchgenossenschaft sowie das Protokollbuch der Jahre 1911 – 1959, das hier auszugsweise wiedergegeben ist. Die Namen von „Missetätern“ werden aus Datenschutzgründen nicht genannt. Die Einträge sind teils original, teils gekürzt - Originalzitate sind kursiv geschrieben. Die Orthographie ist der besseren Verständlichkeit halber stellenweise korrigiert worden. 

März 1911
Beim Milchhaus wurde auf der Straßenseite ein eisernes Gartengitter, im Hofe nur ein Drahtgitter angekauft – siehe Bild oben.

März 1912
Ein neues Mitglied wurde aufgenommen:
Der Vorstand und Aufsichtsraht  beschlossen Franz Walzer zur Genossenschaft mit 200 Kronen Nachzahlung aufzunehmen, welcher sofort am obigen Tage die 200 Kronen sage zweihundert Kronen erlegt hat.
Außerdem hat dieser 6 Milchfuhren und 4 Eisfuhren Rückständig zu leisten.
Franz Walzer wurde mit 6 Antheilscheinen aufgenommen u pro Kuh 10 Kronen, zusammen 60 Kronen, wobei eingewilligt wurde, daß dieser die Antheilscheine mit Handarbeit und Milchfuhren abarbeiten kann.
2 Kronen Beitrittsgebühr mußte aber sofort erlegt werden.

Dezember 1913
Jede Partei muss bei Befüllen der Eisgrube unentgeltlich helfen. Obmann Heinrich Ihl fährt auf einen Milchkurs nach Oberhollabrunn.

April 1914
Nachdem Josef Fellner Aufsichtsrath Mitglied den Obmann Kurs machte, so wurde ihm vom Vorstand für eigene Verpflegung und Zeitversäumnis 56 Kronen bezahlt.
Dem Kühler Josef Riedl für Kühlerkurs und Zeitversäumnis 42 Kronen vergütet.

Dezember 1914
Es wurde vom Vorstand beschlossen, zu Weihnachtenden Verwundeten des Weltkrieges 2 Tage jeweils 40 Liter Milch zu spenden.

Februar 1915
Wegen des Eisführens wurde vom Ausschuss beschlossen: Wer keine Eisfuhren leistet, wird mit 5 Kronen Strafe belegt, Arbeiter die nicht ins Eishacken oder in die Arbeit zu Eisgrube kommen, werden mit 3 Kronen bestraft.

April 1915
Es wird festgestellt, dass die Milch pünktlich ins Milchhaus zu bringen ist. 

August 1915
Für eine Fuhre Milch nach Kirchberg wurden 260 Kronen bewilligt. Der Abkühler bekam 70 kr für seine Arbeit.

November 1915
Anlässlich seiner Wiederwahl zum Obmann beschloss Heinrich Ihl mit den Mitgliedern des Vorstandes: Arbeiter die nicht ins Eishacken oder in die Arbeit zu Eisgrube kommen, werden mit 3 Kronen bestraft.
Jedes Vorstands- und Aufsichtsratsmitglied muss wöchentlich zur Milchprüfung kommen. Wenn schlechte Milch vorgefunden wird, ist dies sofort dem Obmann zur Anzeige zu bringen, da jedes Mitglied ausnahmslos das erstemal mit 15 Kronen bestraft wird. 
 

1916
Laut Kostenvoranschlag ließ man  42 alten Kannen reparieren. Ein Wassertrog zum Milchkühlen wurde bewilligt.
Der Vorstand wird ausgetauscht, da der Geschäftsführer einrücken muss. 

Oktober 1917
Pro Fuhre nach Kirchberg werden 3 Kronen bezahlt, der Kühler erhält 60 Kronen pro Monat.

April 1918
Nachdem jetzt in der Genossenschaft sehr wenig Milcharbeit ist, so wurde dem Abkühler für weiteres 50 Kronen pro Monat festgesetzt.

Juli 1918
Nachdem vom Bahnamt Kirchberg die Kannenmerkung mit Nummer und Zeichen angefordert wurde, wurde Josef Fellner dazu bestimmt, die Kannen mit rotem Ölstrich zu markieren. 

1919
Dienstag früh den 13 Mai 1919 ist jeder Liter Milch der im Haushalte nicht selbst gebraucht wird, um die Preise pro Liter 1 K 34 hl in der Genossenschaft zu überbringen.
Sollte diese Bedingungen nicht gehalten werden, und an sonstwen verkauft werden, so wird das Mitglied pro Liter mit 10 Kronen bestraft welches an die Genossenschaft entfällt.
Übertretungen des Beschlusses verfallen sämtliche Anteilscheine, und sofortige Ausscheidung nach § 7 der Statutenbücher, womit für neue Ansuchen in die Genossenschaft nicht bewilligt wird.
Bezahlung der Milchführer zur Bahn pro Fuhre 4 Kr. Kassier und Geschäftsführer Monatslohn 8 Kronen
 

1920
Jedes Mitglied welches ein Fuhrwerk besitzt, Pferde oder Ochsen muss das Milchfuhrwerk zur Bahn leisten, pro Fuhre zu 4 Kronen Anfang bis 10. März.
Es wird beschlossen, einen neuen Brunnen graben zu lassen.
Zur Bezahlung des Brunnens: Die Milch wird mit 6 Kronen pro Liter ausbezahlt – es bleiben 30 Heller pro Liter zurück, der Rest wird bei der Vollversammlung je nach Anteilscheinen verrechnet.

1921
Zur Deckung der Verluste von 1918 und 1919 sind 15 Kronen pro Anteilschein nachzuzahlen.

Dezember 1921
Die Inflation wirkt sich auch auf die Milchgenossenschaft Winkl aus:
Da heute eine Vorstandssitzung stattgefunden hatte wurde das Kassabuch per Monat November 45.306,30 Kronen kontrolliert und hernach bestättigt. Die Milchführer bleiben wie bisher und die Milch wird von jeder Partei umsonst zur Bahn geführt. Der Kühler beantragte vom 1. November 1921 an 1000 Kronen pro Monat und wurde dasselbe vom Vorstande genehmigt.

Juli 1922
Die Kühlerarbeit wurde vom 1. August bis 31. Dezember vergeben und mit 100 Kronen pro Tag gemacht.
Geschäftsführer und Kassier erhalten vom 1. August bis 31. Dezember pro Monat 1000 Kronen. Fuhrwerk bleibt bis 31. Dezember frei.

März 1923
Die Milch wird an die Parteien von 1. März angefangen pro Liter 4200 Kr. ab Stall bezahlt.
Sämtliche Parteien die nicht Mitglieder wird per Liter 4000 Kr. gezahlt.
Parteien welche kein Fuhrwerk leisten haben jede Runde 2.500 Kr. einzuzahlen.
Kühlerlohn wird vom 1. März bis auf weiteres täglich 8000 Kr. beschlossen.
Geschäftsführer und Kassier wurden vom 1. März bis auf weiteres pro Monat m. 10.000 Kr. beschlossen.
Das Kassabuch wurde für Monat Jänner und Februar kontrolliert und mit dem Kassarest von 1,028.015 Kr. für richtig bestätigt.

Mai 1923
Oft kam es vor, dass verwässerte oder verschmutzte Milch geliefert wurde:
Parteien welche minderwertige oder vertranschte Milch in die Kasino überbringen, werden bei zweiten mal in minderwertigen Zustande angetroffen auf drei Monate aus der Genossenschaft für Milchliefern als Strafe ausgeschlossen.
Sollte diese Partei nach der neuen Aufnahme wieder Anstand haben so wird sie auf weiteres ausgeschlossen.

Februar 1924
Das Mitglied X brachte oft und oft sehr leichte Milch und auch kalt, wurde auch daher mit Gläser beobachtet, und wurde die Milch für entrahmt angetroffen, die Milch wurde neuerlich von Vorstand mit 60 Grad angetroffen und daher zurück gesendet, da aufs Neue schon wieder kalte Milch angekommen ist mit 15 – 16 Grad Wärme,  geriehtt es mit dem Aufsichtsraht Vorsitzenden Ant. Söllner in Streit und trug im Ohrfeigen an, in dem Genossenschaftshaus.
Weiters kam er mit dem Obmann Stellvertreter Anton Markl in Streit, und sagte, der Ausschuss sind Deppen, und verstehen daß Milchwegen nicht, da die Dümmeren das über haben, und immer nur diese im Milchhaus herausstieren, da der Ausschuss nämlich diese die Milchwegen thun, Ihre Milch mit 50 Grad herbringen können, folgedessen sieht sich der Ausschuss genöthigt, entweder sämtliche Geschäfte niederzulegen, oder daß Mitglied X, nach Vorstandsbeschluss vom  6 Mai 1923 aus der Genossenschaft auszuschließen, da weitere Gerichtliche Schritte nicht nothwendig sind.

Undatiert 1924
Der Vorstand hielt wegen dem X eine Sitzung ab, womit neuerlich besprochen wurde, wegen weiteren groben Vorgehen,  gegen alle Funktionäre in die Genossenschaft nicht mehr aufzunehmen, und ihm die Antheile zu übersenden. Sollte er gegen alle Funktionäre wieder sich fügen, so wird er wieder aufgenommen, aber nur gegen Neue Einzahlung.
Der Vorstand hatte somit auch alle Monatsrechnungen geprüft und dem Obmann bestätigen lassen.
 

November 1924
Zwei Mitglieder wurden wegen minderwertiger Milch mit 80.000 Kr. Strafe beigelegt. Sollten Sie ein zweitesmal schlechte oder mindere Milch bringen, so werden sie auf 3 Monat von der Milchlieferung ausgeschlossen.

März 1925
Das Genossenschaftshaus ist gegen Brandschaden in ausreichendem Maße versichert. Die Genossenschaftskassa ist gegen Einbruch und Beschädigung bei der Zentralkassa versichert.

Die Kassa und die Milchauszahlung besorgt der Obmann, die Kanzlei Geschäfte der Geschäftsführer unter Beisitz eines Vorstandsmitgliedes. Kassaschlüssel hat bis jetzt der Obmann seit dem jetzt fehlenden Geld in der Hand indem er auch alles verantworten muß.

Es hat einen gerichtsanhängigen Vorfall gegeben, dessen Inhalt nicht bekannt ist:
Wegen Rewisionskosten konnte nicht beschlossen werden da sich der Vorstand und sämtliche Mitglieder wegen Anzeige an das Kreisgericht unschuldig erklären und von diejenigen Parteien welche Schuld daran sind zahlen sollen welches noch im Streit ist.

Juli 1925
Bei der heutigen Sitzung wurde beschlossen das diejenigen Parteien welche minderwertige Milch lauf Anschlag im Milchhaus bringen werden
Beim ersten Mal mit 50 Schillinge
Beim zweiten Mal mit 100 Schillinge
Und beim dritten mal mit Ausschließung vom Kasino bestraft.
Ferner wurde vom Vorstand und Aufsichtsrat im Milchhause ein Inventar aufgenommen.

Oktober 1925
Bei der heutigen Vorstandssitzung wurde beschlossen das die Milch von 1. – 15. bis auf weiters mit 35 Groschen und von 15 – 30/31 mit 34 Groschen ausbezahlt wird.
Gleichzeitig wurden auch 10 Milchkannen bestellt. Einen Teil unseres Überschußes wird vorläufig in die Sparkassa gelegt.

März 1926
Bei der heutigen Vorstandssitzung wurde beschlossen daß der Kranich entweder neu angeschafft oder gebrauchsfähig umgeändert werden muß. Für Bachmaier und Herr Bierochs wurden bestimmt nach Utzenlaa zu gehen, um den dortigen Kranich zu besichtigen und wurden für den Gang zwei Schillinge festgesetzt.

Juni 1926
Das Abkühlen der Milch wird unter folgender Bedingung vergeben. Mit diesem Lohn mit dem der Kühler einverstanden ist, selbes zu übernehmen.  Kühlertermin ist vom 30. Juni 1926 bis 30. Juni 1927. Selber muß sich verpflichten, rein, ehrlich und vertrauenswürdig in der Genossenschaft zu arbeiten. Sollte die Genossenschaft einen Schaden durch den Kühler erleiden der durch ihn böswillig geschehen ist, so wird er nicht nur vom Kühleramt enthoben, sondern wird als Mitglied von der Genossenschaft ausgeschieden. Jedes Mitglied vom Vorstand und vom Aufsichtsrat kann den Kühler überwachen und Nachschau halten.

September 1926
Bei der heutigen Sitzung wurde beschlossen, daß das ausgeschiedene Mitglied X wieder aufgenommen wird, wenn bei der Vollversammlung die Mehrzahl für die Aufnahme stimmt. Auch hat sich das Mietglied wenn er aufgenommen wird, Statuten gemäß sowie auch den Beschlüssen des Vorstandes und Aufsichtsrates zu fügen. Als Aufnahmegebühr wurden 100 Schilling beantragt. Der Betrag kann bei der Vollversammlung umgeändert werden.

November 1926
Bei der heutigen Vorstandssitzung wurde beschlossen, daß jede Woche vom Vorstand und vom Aufsichtsrat kontolliert werden muß.

September 1927
Bei der heutigen Sitzung wurde beschlossen das K wegen schlechter Milchlieferung die Milch bis auf weiters nicht bringen darf und mit 5 Schillinge Strafe.
Die Mitglieder welche den Verpflichtungen nicht nachkommen können oder wollen, müssen als selbe wieder ausgeschlossen werden.

Oktober 1927
Bei der heutigen Sitzung wurde beschlossen daß  sieben neue Kannen 5 25ger und 2 20ger  angeschafft werden.

16.2.1928
Laut Untersuchungszeugnis vom 10. Februar in Wien eingelangte Milch ist mit 5 % Wasser beanstandet worden, und ist daher ein Betrag von 24 S. Untersuchungsgebühr zu entrichten. Obiger Betrag wird daher auf jene Partei, welche den 10. Februar im Fahren war, angerechnet.
Ferner wird der Aufenthalt in der Kasino, sobald  die Milch ausgeleert ist sowie das Rauchen nicht gestattet.

August 1928
Bei der heutigen Vorstandssitzung wurde beschlossen daß Herr Leopold Zehetner und Anton Söllner nach Wien fahren zwecks Ankauf eines Milchwagen. Der Ankauf des Wagens wird vom Reservefond gedeckt.

September 1928
Wird beschlossen daß das Milchhaus renoviert wird, der Brunnen muss geräumt werden. 

September 1928
Wurde beschlossen wenn ein neuer Milchkühler durch das Resultat aufgenommen wird sind folgende Bedingungen.
Der Kühler hat die Anlieferung der Milch von den Parteien genau in das Buch beim Kasino so bei der Partei einzutragen, damit sich kein Irrtum herausstellt. Bei mehrmaligen Differenzen ist der Kühler zur Verantwortung heranzuziehen.
Der Kühler muß sich verpflichten, stets größte Reinlichkeit der Kannen, auch im Kasino Gebäude, so wie alle Obliegenheiten zu besorgen.
Auch zur einer Sitzung die  Einladungskurenten jedem Vorstand oder Aufsichtsrat Mitglied in das Haus zu bringen. Sowie auch bei einer Vollversammlung alle Parteien zu verständigen sind, wenn es beantragt wird.
Wenn eine Partei im Fahren ist und keine Milch hat, ist der Kühler verpflichtet den selben es zu melden.
Ist die Milch bei jeder Partei extra hinaufzutragen.

Oktober 1928
Die Fuhren welche nicht geleistet werden, sind im Lizitationswege zu vergeben. 

Dezember 1928
Bei der am 14. Dezember stattgefundenen Vorstandssitzung wurde das Untersuchungsergebnis vom 7. Dezember 1928 verlesen und da wurde die Milch teilweise beanstandet und aus diesem Grund wurde eine Milchprobe vorgenommen.

Als M  am 14. Dezember 1928 abends die Milch brachte, wurde sie vom Kühler aufmerksam gemacht, daß sie die Milchkontrolle abwarten müsse. Hierüber machte sie die Äußerung, sie kann die Milch nicht übergeben, weil Ihre Milch mit Ziegenmilch vermengt ist und daher was geben könnte. Indem M  schon dreimal mit Geldstrafe belegt wurde, und zahlreiche Ermahnungen an sie ergingen, und trotzdem sie ihre Verpflichtungen statutengemäß nicht einhält so wird ihr das Milchabliefern ins Kasino verboten. 

Jänner 1929
Laut Satzungen das § 7 wird M von der Genossenschaft gänzlich ausgeschlossen. 

November 1929
Bei der heutigen Vorstandssitzung wurde beschlossen daß wegen Kannenmangel 10 St. neu angeschafft werden.
Ferner müssen alle 14 Tage zwei die Milch kontrollieren und darf daher unter 70° keine Milch angenommen werden.

Juli 1930
Bei der heutigen Vorstandssitzung wurde beschlossen daß von sämtlichen Funktionären wöchentlich zwei die Milch kontrollieren müssen. Diejenigen welche ihren Verpflichtungen nicht nachkommen, werden mit einen Schilling bestraft. 

Juni 1932
Wurde beschlossen daß Herr Z wegen nicht einwandfreier Milchlieferung mit 50 Schilling bestraft wird, welche binnen 3 Monaten d.i. bis 1. September 1932, zu erlegen ist.
Sollte bei dieser Partei nochmals der Fall vorkommen, so ist selbe laut heutigem Protokoll für gänzlich ausgeschlossen.
Wurde beschlossen, daß sämtliche Mitglieder vom Vorstand und Aufsichtsrat wöchentlich 2 zweimal Milchwiegen gehen müssen und unter 75 Grad keine Milch angenommen werden darf. 

Zwischen Juni 1932 und September 1935 sind keine Eintragungen vorhanden. 

September 1935
Die Rechnungen wurden geprüft und für richtig befunden.
Dem Obmann wurde monatlich 10 Sch. zugesprochen.
Dem Geschäftsführer 20 Sch. hat aber sämtliche Gänge zu besorgen.
Der Ankauf von 10 St. neuen Kannen wird bewilligt. Geschäftsordnung wurde erlassen.

November 1935
Die Partei Z lieferte eine so minderwertige Milch, daher wurde beschlossen weil es schon das dritte Fall ist, diese Partei gänzlich auszuschließen und hat außerdem eine Geldstrafe von 50 Schilling bis 1. März 1936 zu erlegen. Er kann auch die Hälfte bis 1. Jänner  1936 und den Rest bis 1. März zahlen. 

Jänner 1936
Wurde beschlossen im Kühlraum die Fenster zu vergittern. 

Jänner 1937
Ferner wurden auch dem Ansuchen v. Z  bewilligt zur Wiederlieferung der Milch insoferne der Betreffende statutengemäß vorgeht. In Wiederholungsfall er dem gänzlichen Ausschluß  entgegensehen muß.

April 1937
Indem der bisherige Kühler den vorgeschriebenen Verpflichtungen nicht  nachkam trotz wiederholten Mahnungen, so wird das Kühleramt ab 15. Mai vergeben. Bewerber welche Interesse daran haben, sollten sich beim Obmann melden. Entscheiden darüber wird die Vollversammlung. Als Entlohnung werden 50 Sch. ausgesprochen. 

Oktober 1937
Der Ankauf von neuen Kannen wird beantragt
Der Kühler wird neuerdings beauftragt, über die Reinlichkeit der Milch besondere Aufmerksamkeit zu schenken.

1937
Ein Kriminalfall: Der Knecht Anton B. wird aus Winkl ausgewiesen, da er 1934 das Bild von Bundeskanzler Dollfuß aus dem Milchkasino gestohlen und verbrannt hat. 

Februar 1938
Es wurde einstimmig beschlossen, einen neuen Milchwagen anzukaufen und zwar einen luftbereiften von Herrn Rudolf Hoffmann in Ziersdorf; der Preis beträgt nach den eingeholten Offerten 1600 Sch bei Barzahlung. Da die Genossenschaft über den Betrag derzeit nicht verfügt, beschließt der Vorstand und Aufsichtsrat den Betrag von Herrn Johann Wimmer, whf in Winkl  Nr. 7 aufzunehmen und zwar zu 4 % Zinsen.
Der Fuhrlohn wird von 4 S auf 3 Sch. herabgesetzt. Sollte ein Mitglied sich weigern, um diesen Preis zu fahren so  wurde die Bedingung gestellt daß der Betreffende falls wieder eine Erhöhung eintreten sollte auch nicht fahren darf, und zwar solange, als die Zeit, von früher an um 3 S gefahren wurde.

August 1938
Der Beitritt zum Verband der Donauländischen landwirtschaftlichen Genossenschaften – Raiffeisen wurde beschlossen.
Es wurde beschlossen den Milchwagen samt Zinsen am 1. Dezember das sind 686,67 RM an Herrn Johann Wimmer zurückzuzahlen.

Jänner 1939
Es wurde der Vorschlag gemacht den Wasserbehälter aus Beton anfertigen zu lassen und vom Maurermeister darüber Auskunft einzuholen.
Es wurde beschlossen das Fuhrlohn auf 2 ½ Rm zu erhöhen, weil der Milchwagen bereits abgezahlt ist.

März 1939
Umrechnung der Geschäftsanteile und Beitrittsgebühren auf Reichsmark: Es wurde beschlossen den Fehlbetrag von Schilling auf Reichsmark aus der Genossenschaftskasse zu bestreiten.
Es wurde beschlossen den Ortsmilchverkauf ab 1. April von der Genossenschaft einzustellen.

Juni 1939
Es wurde beschlossen wegen der stichigen und sauren Milch, welche  uns von Fa. Partik immer abgerahmt wird bei der Donauländischen Genossenschaften – Raiffeisen Einspruch zu erheben.

September 1939
Es wurde beschlossen 20 Stück neue Kannen (20 l) anzuschaffen. 

November 1939
Es wurde beschlossen den Zuschuß (Reichsstützung)  nicht extra auszuzahlen sondern der Kasse zu übergeben und den möglichst höchsten Preis auszuzahlen.
Da die Genossenschaft von der Abnahmestelle schon mehrmals wegen schmutziger Milch beanstandet wurde, wurde beschlossen daß wöchentlich einmal ein Vorstand oder Aufsichtsratsmitglied die Milch kontrollieren muß.

Mai 1941
Die Kühlerarbeit wurde an Leopold Grill um den Preis von 70 (siebzig Reichsmark) vergeben und zwar vom 1. Juni 1940 – 30. Mai 1941.  

April 1941
Das Milchfuhrwerk wurde wieder an Herrn Engelmann zum Preise von 90  RM. pr Monat weitervergeben, und zwar bis 1. Mai 1942.
Bei der am 14.4. erfolgten Milchuntersuchung durch die Herren Obm. Nofirth Anton und Weninger Josef wurde Frau C beanstandet wegen sehr schmutziger Milch. Laut Protokoll vom 30.4.1941 festgesetzten Geschäftsordnung muß Frau C bis 1. Juni 50 R.M. zu Gunsten der Genossenschaft bezahlen. Wird der Termin nicht eingehalten, so müßten gerichtliche Schritte eingeleitet werden.

Juni 1941
Da Frau K.  den Zahlungstermin nicht eingehalten hat, so wurden gerichtliche Schritte eingeleitet. 

Juli 1946
Bei der am 23. März 1946 stattgefundenen Vollversammlung wurde beschlossen daß jedes Mitglied mit Ausnahme des Geschäftsführers Karl Wimmer und diejenigen, wo keine männliche Arbeitskraft vorhanden ist, unentgeltlich die Milch zur Bahn befördern müssen. Dieses Protokoll bleibt aufrecht, bis auf Widerruf. Es ist aber trotzdem der Fall eingetreten, daß ein Mitglied, das Fahren verweigert hat, deshalb wird dem Mitglied S. auferlegt, daß er erstens die Fuhre bezahlt, und 20 Sch. Strafe, und außerdem, wenn die Milch im schlechten Zustand in Wien ankam, den Schaden zu ersetzen. Außerdem wird ein Rundschreiben ergehen, wo ersichtlich ist, wer zum Fahren verpflichtet ist. Anschließend wird noch bemerkt, daß der Karl Wimmer infolge Krankheit nicht fahren braucht, dafür aber das Geschäftsführeramt bis auf weiteres umsonst macht. 

September 1946
Es mehren sich die Fälle, daß einige Parteien die Milch vom Ort beziehen sehr nachläßig im Zahlen sind, daher wurde beschlossen an säumige Zahler keine Milch zu verabfolgen.
Der Kühler erhält 10 S darauf insgesamt also 30 S p. Monat.

Juni 1947
Geschäftsordnung: Als Strafen werden festgesetzt: Für jede Art Schmutz und gewässerte Milch das erstemal mit 50 S. das zweitemal mit 80 S. das drittemal mit 160 S. Jede weiteren Fälle verdoppeln sich.
Ein Inventar wird nun angelegt.
Wegen den Milchfuhren zur Bahn wurde beschlossen bis auf Widerruf umsonst zu fahren.

Februar 1949
Der Kühler beantragt als Entschädigung den Wert von 1 ½ l Milch täglich, welches Quantum er bezieht. Der Antrag wurde angenommen und entspricht es einem Lohn von 62 S monatlich ab 1. Jänner 1949. 

März 1949
Es wurde beschlossen den Elektriker Kolar aus Kirchberg im Laufe der nächsten Woche mit der Elektrifizierung des Milchhauses zu beauftragen und wegen der Anschaffung der Wasserpumpe noch in den Nachbarortschaften Erkundigungen einzuholen. 

April 1949
Der der bisherige Kühler Zimmermann Georg beabsichtigt, das Abkühlen nur bis 30. April zu machen, wurde beschlossen, durch Anschlagen die Kühlerarbeit zur Vergebung zu bringen und sämtliche Bewerber beim Obmann melden. Da sich die alleinstehenden Frauen wegen dem Milchführen beschwert haben wurde beschlossen, diese vom Zwang des Milchführens zu befreien.
Es wurde beschlossen, die Milchkühlerarbeit an Zehetner Josef um den Peis von 60 S  auf die Dauer von einem halben Jahr zu vergeben und muß derselbe die Milch gut abkühlen. Weiters wurde beschlossen, daß monatlich ein Vorstand und ein Aufsichtsratsmitglied einmal milchwiegen müssen. Der nicht wiegen geht muß 5 S zahlen.  

November 1949
Weiters wurde beschlossen die Decke im Waschraum neu herrichten zu lassen. 

April 1950
Das Milchhaus wird renoviert und der Kühlraum auf Vorschlag des Baumeisters gepflastert. Der Liefervertrag mit dem Abnehmer wurde bis 31. Dezember 1952 abgeschlossen. Weiters wurde beschlossen, ein neues Notaggregat mit Schwimmer anzuschaffen. 

Mai 1953
Zu  Tagesordnung wird festgestellt, daß von Wien ein Kontrollorgan angefordert werden soll. Mitglieder des Vorstandes und Aufsichtsrates nehmen stichweise Proben vor.
Der Abkühler wird verpflichtet, den Vorgarten des Kasinos unkrautfrei zu halten.
Zu gegebener Zeit soll der Malermeister Klug von Kirchberg die Außenfront des Casinos mit Fenstern und Türen neu streichen. Außerdem müssen die Fenster neu verglast werden. 

1955
8 Milchkannen wurden ausgebeult, neu verzinnt und auf ihre Dichtheit überprüft. Kosten: 830,40 S. 

Weitere Modernisierungen wurden 1957 vorgenommen: Eine neue Tauchpumpe wurde angeschafft, 17 Kannen von der Firma Jurany & Wolfrum ausgebeult, neu verzinnt, auf ihre Dichtheit überprüft und mit neuen Deckeln versehen sowie fünf neue Kannen gekauft. Von der Firma Kitzler wurde ein Elektrospeicher montiert, die Firma Knofel führte Instandhaltungsarbeiten an der Elektroanlage durch. Die billigsten Reparaturen waren immer jene vom Spengler Rudolf Knapp aus Neustift. Er „richtete die Milchrinne vollkommen her“, hat sie ausgeklopft und gelötet, das Wasserabflussrohr „zusammengemacht“ - um nur 48,- S. 
 
Für die Mitglieder wurde das benötigte Betriebsmaterial en gros besorgt. So bezahlte man im Oktober 1958 für 30 kg Kannendichtungspapier und 20 Packungen Normalwattescheiben insgesamt 674,- S. Da es zeitweise den sogenannten „Butterberg“ gab, mussten die Mitglieder der Genossenschaft regelmäßig Butter und Käse als Teil ihrer Bezahlung abnehmen.  
 
Die Mitglieder schafften eine neue Milchwanne an, die 1966 abbezahlt war. Der angekaufte Schmutzprüfer funktionierte einwandfrei, es gab keine Schmutzabzüge mehr von Seiten des Abnehmers. Es wurden beschlossen, den Ortsverkauf nur über die Genossenschaft abzuweickeln: „Der Ab-Hof-Verkauf ist verboten und wer es trotzdem tut, muss, wenn er angezeigt wird, mit Abgaben rechnen, die in keinem Verhältnis zum ev. Gewinn stehen.“
Im Jahr 1967 wurde das Milchhaus außen und innen renoviert und ein Gestell zur Trockenmilchablage selbst angefertigt.
Wenn die Genossenschaft einen zu hohen Kassasaldo hatte, kam es zu Nachzahlungen für die im Vorjahr gelieferte Milch, etwa in den Jahren 1970, 1971, 1976 und 1977. Der Milchpreis lag 1973 bei S 2,50/l.
Nach dem Tod einiger Mitglieder wurden im Jahr 1973 älteren Mitglieder, die schon länger keine Milch mehr geliefert hatten, nach Rücksprache ihre Geschäftsanteile ausbezahlt.
Im Jahr 1973 stellte man erstmals einen Rückgang der Milchlieferungen um 10.000 l fest, dieser Trend hielt auch in den nächsten Jahren an, da die Landwirte von der Rinderhaltung vermehrt zur Schweinezucht übergingen. Nachdem 1976 das Gebäude außen neuerlich renoviert und beide Aggregate neu angeschafft worden waren, lieferten 1978 nur mehr drei Bauern Milch.
Die Auflösung der Genossenschaft wurde in der Sitzung vom 14. Dezember 1978 beschlossen. Die Liegenschaft kaufte Johann Schabl, der das Mietverhältnis der im Nebengebäude untergebrachten Tiefkühlgemeinschaft zu gleichen Bedingungen übenehmen musste. Diese wiederum erklärte, bis Ende 1980 das Objekt zu räumen.

Jetzt wohnt hier die Familie Dwornikowitsch.    

 

 

Milchkühlung

Anfangs kühlte man die Milch in der Eisgrube. Diese befand sich hinter dem Milchkasino, dort wo später die Tiefkühlanlage errichtet wurde.  In eine tiefe Grube wurden im Winter Eisblöcke eingelagert. Diese wurden aus den zugefrorenen Lahnen in der Au geholt. Am sichersten ging dies in der Bergau, da dort am zuverlässigsten Wasser vorhanden war. An dieser Arbeit mussten sich alle Mitglieder unter Androhung von Strafen beteiligen. Auf diese Blöcke wurde die gelieferte Milch gestellt, um sie bis zum Abtransport kühl zu halten. 

Später grub man einen Brunnen, in den die Milch in einem Behälter mittels eines Kranes hineingehängt wurde. Einige Mitglieder fuhren nach Utzenlaa, um sich dort den „Kranich“ anzusehen. 

Als um 1950 im Dorf die Stromleitung errichtet wurde, kühlte man die Milch dann elektrisch.

Bild: Modell einer Milchkühlanlage im Museumsdorf Niedersulz: Da warme Milch schon nach kurzer Zeit sauer wird, versucht man sie auf eine möglichst niedrige Temperatur herunterzukühlen. Bei diesem Modell wird die frische Milch über die Oberfläche eines flachen Behälters geleitet, der mit durchfließendem Wasser gekühlt wird. (Leihgabe der Landwirtschaftlichen Fachschule Edelhof)

 

 

Die elektrische Milchkühlanlage in Neustift

 

 

 

 

 

 

 

Milchkühler

Die Milchkühler sind nicht durchgängig bekannt. Hier die aufgefundenen: 

Um 1914 Josef Riedl

Um 1920 Josef Fellner

Um 1940 Leopold Grill sen.

Um 1950  Josef/Theresia Zehetner

Ab 1959 Leopoldine Zehetner

Die letzte Kühlerin war Hedwig Magerl.                                         

 

Obmänner

Sie sind ebenfalls nicht vollständig bekannt:

1911/12 Anton Weninger

1915 – 1921 Heinrich Ihl

1926 – 1928 Leopold Zehetner

1929 - ?  Johann Engelmann

1935 – 1938 Josef Rauscher sen.

1938 – 1940 Josef Danzer

1941 – 1946? Anton Nofirth

Ab 1949 Johann Schabl sen,

Der letzte Obmann bis 1978 war Schmidt Karl sen.

 

Milchgeschirr

    
Prospekte mit Milchgeschirr

 
Milchkannen im Museumsdorf Niedersulz


    
Die Milch wurde durch Presswattescheiben gegossen, die Verunreinigungen aufnahmen. 

 

März 2013
Maria Knapp