Straßenbau in Winkl

 

Letzte Änderung: 8.12.2014

 

Um 1900 wurden in unserem Gebiet viele, schon baufällige Straßen ausgebessert und erneuert. Auch Winkl suchte um die Neuerrichtung ihrer Anschlussstraße an das Bezirksstraßennetz in Richtung Neustift an. Im Zuge dessen fragte die Gemeinde Winkl beim Landesausschuss um eine Subventionierung für die Hebung und Beschotterung der Straße in Richtung Neustift an. Hier ist der diesbezügliche Schriftverkehr zwischen den Ämtern und dem ausführenden Betrieb nachzulesen:

___________________________

K.k. n.ö. Landes- Ausschuss Wien! 

Die gefertigte Gemeindevorstehung bittet um eine Subvention zur Hebung und Beschotterung der Ortsstraße und stützt diese Bitte auf folgende Gründe:

  1. Ist neben der Straße ein breiter Graben, in welchem das Wasser ein ganzes Jahr stehen bleibt und einen abscheulichen Geruch hat, wodurch leicht Krankheiten entstehen können. Am ärgsten ist es immer nach einem Hochwasser, da es früh und abends derart stinkt, daß man kein Fenster öffnen kann. Die Straße trocknet dadurch ebenfalls nicht aus und ist nach jedem Hochwasser immer gewiß einen Monat unfahrbar. Beinahe unfahrbar ist sie auch nach mehrtägigem Regenwetter. Um nun diese Übelstände zu beseitigen müßte die Straße sehr stark gehoben werden. Dadurch könnte man dem stehenbleibenden Wasser einen Abzug verschaffen und die Straße würde, da sie höher und auch das Wasser weg wäre, trockener und fahrbar sein.
  2. Wird diese Straße auch von vielen anderen im ganzen 10 Gemeinden sehr stark benützt. Dieselbe führt nämlich zur Herzog Ratibor’schen und Gräfl. Althan’schen Au und aus diesen wird das verkaufte Holz und Gras herausgeführt auf eben der genannten Straße.
  3. Ist die Straße 1800 m lang und braucht, um sie gründlich zu beschottern 540 Prismen Schhotter. Dazu käme dann noch das Erdausheben und -führen derselben. Es käme die Hebung und Beschotterung der Ortsstraße auf 1400 Kronen.
  4. Ist es der Gemeinde unmöglich, das aus eigenen Mitteln zu bestreiten, da sie ohnehin arg verschuldet ist.

Auf diese Gründe hin bittet die Gemeindevorstehung um eine Subvention, damit sie diese auch sanitärer Rücksicht sehr schädlichen Umstände beseitigen kann. 

Gemeindevorstehung
Winkl am 25. October 1899
Weninger

_______________________________

 

Hoher N.Ö. Landes-Ausschuss!

Mit Bezugnahme auf den hohen Auftrag vom 25. November 1899 Z. 57063. beehrt sich der gefertigte mitzutheilen, daß in der Straßen-Ausschuß Sitzung vom 28. Dezember 1899 das Gesuch der Gemeinde Winkl verlesen und einstimmig beschlossen wurde:

Dem hohen n.ö. Landes Ausschuß dem Act in der Weise befürwortend vorzulegen, daß die fragliche Ortsstrecke in das Straßennetz eingezogen wird und die Herrichtung und Beschotterung auf Kosten des Straßen-Ausschuß Kirchberg am Wagram erfolgen möge, nachdem die Gemeinde Winkl nicht in der Lage ist, auf ihre Kosten die Herrichtung und Beschotterung zu leisten.

Bezirksstraßen-Ausschuß Kirchberg am Wagram am 19. Jänner 1900.

Der Obmann:
F. Roskopf

___________________________

 

Offert

Der ergebenst gefertigte erklärt hiemit die Vergebung der Straße in Winkel verstanden zu haben. Demzufolge verpflichtet er sich den laufenden Meter um 80 Heller fix und fertig die Erdarbeiten herzustellen. 

Höbersdorf am 1. Oktober 1900
Sebastian Seidenader
Unternehmer

____________________________

 

Die Firma Seidenader aus Höbersdorf bei Sierndorf erhielt den Zuschlag für die Sanierung und hat diese ordnungsgemäß ausgeführt.

_____________________________

 

Kosten-Berechnung

Für den Ausbau einer Theilstrecke der Bezirksstrasse III. Ordnung No. 20, von der Bezirksstrasse II. Ordnung No 92 Bierbaum – Grafenwörth, Klm. 6,876 durch die Ortschaft Winkl zur Au, im Gemeindegebiet Winkl, Bezirk Kirchberg am Wagram. 

Die ausgebaute Theilstrecke hat eine Gesammtlänge von 1690 Meter mit einer Fahrbahnbreite von 6 Meter. 

Erdarbeiten
Die Ausbeu dieser Theilstrecke erfolgte größtentheils durch Aufdämmung, wozu das Materile durch seitliche Abgrabung von Böschungen und Aushebung von Gräben gewonnen wurde; lang 1690 Meter pr. Lfd. Meter 80 h – 1352,- Kronen. 

Für Einlösung von 8 Obstbäumen und Entschädigung für 30 Meter abgetragene Brettereinfriedung vom Besitzer Franz Krausenburger No 14 in Winkl 40,- Kronen – Summe 1392 Kronen. 

Kirchberg am Wagram den 22ten Dezember 1900
Rudolf Koller
Bez.Wegmeister 

____________________________________

 

Collaudierungs-Protokoll

Aufgenommen von der n.ö. Landesbauamts-Abteilung 1 in Wien am 28. December 1900 über die Reconstruction der durch die Ortschaft Winkl führenden Strasse, im Bezirke Kirchberg am Wagram.

Gegenwärtig die Gefertigten.

Auf Grund des Erlasses Z. 5156 ex 1900 des hohen n.ö. Landes-Ausschusses wurde die Ausführung der Erdarbeiten für die 1800 Meter lange Ortsstrecke in Winkl, dem Teichgräber Sebastian Seidenader in Höbersdorf gegen den offerirten Einheitspreis von 80 Hellern per laufenden Meter der Strasse, sohin um die Erstehungssumme von K 1440,-- übertragen.

Bei der heutigen Collaudirung wurde an Ort und Stelle die beiliegende Kostenberechnung geprüft und die Verdienstsumme des Unternehmers für eine Strassenlänge von 1690 Metern mit K. 1352,- d. s. Tausendreihundertzweiundfünfzig Kronen ermittelt.

Die fraglichen Erdarbeiten wurden den Bedingnissen gemäss, in ordnungsgemäßer Weise zur Ausführung gebracht, und wird gegen die Befriedigung des Unternehmers, weder von Seite der n.ö. Landesbauamts-Abteilung 1, noch von Seite des Bezirksstrassen-Ausschusses Kirchberg am Wagram, ein Anstand erhoben.

Der Unternehmer Herr Sebastian Seidenader erklärt, mit der vorstehend ausgemittelten Verdienstsumme von 1352 Kronen vollkommen einverstanden und nach Auszahlung dieses Betrages keine wie immer Namen habende Forderung aus Anlass dieser Arbeiten, weder an den Landes- noch an den Bezirksstrassen-Fond, zu stellen berechtigt zu sein. –

Unterschrift des Unternehmers Seidenader:
Sebastian Seidenader

Ausser den im Vorstehenden berechneten Kosten pr 1352 Kronen sind aus Anlass des in Rede stehenden Baues noch die folgenden Auslagen erwachsen, und zwar:
Für Einlösung von 8 Obstbäumen und Entschädigung für 30 Meter abgetragener Bretter-einfriedung, behufs Verbreiterung der Strassenfahrbahn, an der Hausbesitzer Franz Krausenburger Nr. 14 in Winkl  40,- Kronen. So dass sich die Gesammtkosten der Strassenreconstruction auf 1392,- Kronen belaufen.

Sohin geschlossen und gefertigt:

n.ö. Landesbauamts-Abteilung 1:              Bezirksstrassen-Ausschuss
                                                                       Kirchberg am Wagram
……                                                               F. Roskopf, Obmann

______________________________

 

Quelle:
NÖ Landesarchiv, Faszikel D, 1900 – 1904 Strassenausschuss 

 

Oktober 2014
Maria Knapp