Schiffmüller in Altenwörth

 

Die Altenwörther Schiffmühlen befanden sich unterhalb des Ortes im Mühlwasser, in der Nähe der Bergau, teilweise auch direkt im Fluss, wie einige Karten aus der Zeit um 1800 zeigen. Die Müller selbst wohnten im Ort.
  Zeichnungen einer Schiffmühle nach H.Ernst 1805
Linkes Bild: Links ist das Hausschiff rechts das Wellschiff; dazwischen das große Wasserrad.
Rechtes Bild: Im Hausschiff ist die Mühlentechnik untergebracht.
Anweisung zum Praktischen Mühlenbau von H. Ernst, Leipzig 1805
Buch im Bestand von molinologe; Wikipedia
 
 
Im Jahr 1650 ist erstmals ein Altenwörther Müller in den Pfarrmatriken genannt, und zwar  Hannß Khupfer als Mülner Zue Altenwert mit Gattin Sophia und Sohn Joannes.

1651 verkaufte der Müller Andreas Zeitlberger seine Behausung in Winkl.
(Archiv Vizedom 31, ab 1651, NÖ Landesarchiv, S.35f)
 
Die Mühlen gehörten zum Besitz der Herrschaft Grafenegg und wurden an Pächter vergeben. Im Mühlenbuch aus der Zeit um 1660 sind unter dem damaligen Herrschaftsinhaber Graf Ferdinand von Verdenberg drei Schiffmüller verzeichnet: Stephan Beckh, sowie Hans Wieser und Friederich Sembler in Winkl. Das deutet darauf hin, dass manche Schiffmühlen zeitweise in der Winkler Freiheit standen oder die Müller ihre Wohnhäuser in Winkl hatten.
(Mühlenbuch, HHStA 1005/2,  Bl.12)
 
Johann Jobst wurde von der Herrschaft Grafenegg 1705 eine der drei Mühlen in Bestand (Pacht) überlassen. Er sollte sie nach Handwerksbrauch zu seinem Nutzen führen, nichts verwahrlosen lassen, sich allzeit verständige Müllerjungen halten, damit an der Mühle und den Mühlzillen nichts verwüstet würde. Er und seine Leute sollten auf das feuer und Licht, bey tag und Nacht Embsig Obsicht tragen, auch Keinen verdächtig-bößen-leuthen aufenthalt geben, durch welche dergleichen, oder andrer Ungelegenheiten causirt werden möchte, wie den aller Schaaden von Ihme Bestandtnehmer gesucht werden würde. Der Pacht betrug zwei Mut Korn und fünfzehn Metzen Getreide, die an das Hofkastenamt der Herrschaft abzuführen waren. Im Jahr 1708 wurde der Vertrag verlängert, Zeugen hiebei waren Egidÿ Kÿnpöckh und Egiti Benedict.
(AT-OeStA/HHStA SB HA Grafenegg Akten 449, Mühlen, Wehre, Wasserbau)
 
1754 betrieb der St. Johanner Schiffmeister Anton Puchrucker zwei Schiffmühlen in Altenwörth. Das geht aus einer Aufforderung hervor, die von ihm verlangte, innerhalb von acht Tagen den bereits im Jahr davor von der Obrigkeit geforderten ordentlichen Steg zu den Mühlen anzulegen. Als weiterer Schiffmüller wird 1755 Mathias Würdt genannt.
(AT-OeStA/HHStA SB HA Grafenegg Akten 449, Mühlen, Wehre, Wasserbau)
 
Im Plan der Donauregulirungs-Commission für Niederösterreich,
Strecke Krems-Tulln, sind im Mühlwasser  zwei Schiffmühlen eingezeichnet. 
Karte: Herbert Eder, Kollersdorf
 
Die Schiffmühlen im Franziszeischen Kataster
Der Plan wurde nachträglich geändert und das Grundstück 245 hinzugefügt.
© Bundesamt für Eich- und Vermessungswesen, Katastralmappenarchiv, Wien
 
 
Das Schiffmüllerhandwerk war mit viel Arbeit und auch materiellem Einsatz verbunden. Es kam daher oft zu Lizitationen, wenn die Betreiber ihre Schulden nicht mehr begleichen konnten. Im Jahr 1777 wurde eine Schiffmühle zur Versteigerung ausgeschrieben, die nach dem Abgang des Besitzers Anton Nußbaumer mitsamt dem vorhandenen Werkzeug bereits im Jahr davor erfolglos angeboten worden war:
Von der gräflich Breunerischen Herrschaft Gravenegger Amtskanzley wird hiemit zu wissen gemacht: es sey über die aus Abgang einiger Käufer fruchtlos verstrichenen Licitationstagsatzung zu der dem Anton Nußbaumer angehörigen seit Anfang 1776 verlassenen Schiffmühl zu Altenwörth, eine nochmalige Licitationstagsatzung auf den 26. März d. J. bestimmt worden; solchemnach werden all und jede, welche ermeldte Schiffmühl samt den vorhandenen Werkzeug käuflich an sich zu bringen gedenken, an bemeldten Tag früh um 8 Uhr in der Herrschaft Gravenegger Amtskanzley erscheinen, wo mit den Meistbietenden der Kauf geschlossen werden soll.
(Wiener Zeitung vom 22. 3. 1777, S. 18)
 
1785 verkauften Stephan Gruber und seine Ehefrau Magdalena ihre neu erbaute Behausung und die ihnen gehörige Schiffmühle mit allem Zubehör. Der Käufer sicherte ihnen noch ein Jahr Wohnrecht in einer Kammer des Hauses zu.
(ÖLA, Kreisgericht Krems, Herrschaft Grafenegg, 82/63 Kaufprotokoll VII 1785-1798)
 
Der Müller Joseph Bauer starb 1794 mit nur 35 Jahren. Seine Mühle wurde daraufhin versteigert:
Licit. Haus sammt Mühlwerk.
Von der Herrschaft Grafenegg im V.U.M.B. wird hiemit bekannt gemacht: daß, nach Absterben des Joseph Bauer, Schiffmüllers und behaust. Herrschaft Grafenegger Unterthan zu Altenwörth an der Donau, die hinterlassene Wittib die Behausung und Mühlwerk zu übernehmen nicht vermögend ist, von Seiten der Herrschaft zum Vortheil der Erben, mit Einverständnis der Wittib und des Gerhabers, die Veranstaltung getroffen, daß diese Behausung, sammt dem Mühlwerk, wie auch ein und andere …ten durch öffentliche Versteigerung an den Meistbietenden hindangegeben werden. Zu dem …de wird der 6. August d. J. bestimmt, und die diesfällige Licitation zu Altenwörth in gedachter Behausung früh um 9 Uhr vorgenommen werden, wozu die Kauflustigen erscheinen können.
(Wiener Zeitung vom 9. 7. 1794, S. 2038)
Sie dürfte aber doch in der Familie geblieben sein, denn die Witwe Franziska heiratete Leopold Gabler, gewester behaußter Müllermeister aus Walperstorf in Arbeit stehend. Doch auch dieser Ehe war keine lange Dauer beschieden, denn bereits 1797 ehelichte sie den Mühljungen Franz Lades. Jakob Bauer (geb.1788), Sohn des Joseph, heiratete 1814 Katharina Kleindienst aus Utzenlaa.
 
1795 wurden drei Schiffmühlen, die den Schiffzügen ganz besonders hinderlich waren, entfernt.
(C. SCHRAML, Salinenwesen 2 S. 292, in: NEWEKLOWSKY. Die Schiffahrt und Flößerei, Linz 1954, S.210)
 
1814 scheint in den Pfarrmatriken die Müllerswitwe Anna Maria Eder als Taufpatin auf.

1824 ließ die Herrschaft die dem Georg Müller und seiner Frau Magdalena gehörige Mühle samt allem Inventar versteigern, ebenso ihr Haus Nr. 28 (heute Sigmarstraße 33):
Licit. Haus, Donau-Schiffmühle sammt Zugehör und Fahrnisse.
Von dem Justizamte der Herrschaft Grafenegg wird hiermit bekannt gemacht: Es sey in die executive Feilbiethung der dem Georg Müller und Magdalena dessen Ehewirthin gehörigen, und auf 600 fl C. M. gerichtlich geschätzten Hauses zu Altenwörth Nr. 28, dann der denselben ebenfalls eigenthümlichen, auf 887 fl. 30 kr. C. M. gerichtlich geschätzten Donau-Schiffmühle sammt Zugehör und sonstigen Fahrnisse, gewilliget, und zur Vornahme derselben der 27. Januar, 27. Februar, und 27. März d. J. mit dem Beysatze bestimmt worden, daß dieses Haus sowohl, als die Schiffmühle und übrigen Fahrnisse, wenn sie bey der ersten und zweyten Feilbiethung, um die Schätzung oder darüber nicht an den Mann gebracht werden sollten,  bey der dritten und letzten auch unter dem Schätzungwerthe hindangegeben werden würden. Kauflustige haben daher an den genannten Tagen Vormittags um 10 Uhr in dem Hause zu Altenwörth Nr. 28 zu erscheinen.
(Wiener Zeitung vom 19.1.1824, S.112, veröffentlicht in ANNO.)
 
Theresia Scheuch, Tochter des 1815 verstorbenen Müllermeisters Mathias Scheuch, heiratete 1824 Karl Haidvogel, Sohn des Ottendorfer Schiffmüllers.
 
1828 heiratete der Schiffmüller Michael Korner die Hauerstochter Katharina Hof aus Altenwörth. 1844 ist er noch als Müllermeister in Nr. 38 (heute Austraße 3) genannt, 1846 starb er als Armenhauspfründler in Nr. 29. Das Ehepaar dürfte keine Kinder gehabt haben.
 
Im Franziszeischen Kataster sind  1832 folgende Müller genannt:
Michl Bsteh, Nr. 37 (heute Donaustraße 4)
Michl Korner, Nr. 38 (heute Austraße 3)
Karl Haidvogl, Nr. 39 (heute Austraße 5) 
 
Die Statistische Commission führte 1865 unter den Schifffahrtshindernissen bei Altenwörth 8(!) für die Schifffahrt ungünstig situirte Schiffmühlen an.
(Mittheilungen aus dem Gebiete der Statistik. Herausgegeben von der k.k. Statistischen
Central-Commission.  IV. Heft. Wien, 1867. Schiffahrt und Verkehr auf der Donau und ihren Nebenflüssen im Jahre 1865, S.23)
 
Der Schiffmüller Anton Weiß, Hauerssohn aus Kollersdorf, wohnhaft in Nr. 10 (heute Sigmarstraße 12), heiratete 1845 Anna Maria Linninger. Er starb 1868. 1877 stand die Mühle zum Verkauf. 
((Neuigkeits) Welt Blatt vom 13.7.1877 S.6, veröffentlicht in ANNO)
 
Während des Preußisch-Österreichischen Krieges im Jahr 1866 ließ man alle Schiffmühlen, Schiffe, Plätten, Zillen sowie alles Lang- und Bauholz auf das jenseitige Ufer nach Zwentendorf oder nach Wien bringen, um dem Feind kein Material zum Brückenbau zu lassen.
(Pfarrchronik Altenwörth, Pfarrer Karl GRÖSSINGER (1859-1873), S.111)
 
In der Nacht vom 25. auf den 26. April 1875 brannten alle drei zu den Mühlen gehörigen Hütten am Ufer aus ungeklärter Ursache ab. 
(Pfarrchronik Altenwörth, Pfarrer Peter OTTEPP (1873-1889), S.135.)
 
1876 wurde eine Mühle vom Eigentümer im Haus Nr. 4 (heute Schwemmgasse 2) zum Kauf angeboten, die Karl Handbüchler erworben haben dürfte. Sein Vater Ignaz, geboren vor 1825, wird als Schiffmüller in Drösing bei Hohenau an der March, in Tulln und in Altenwörth genannt.
((Neuigkeits) Welt Blatt vom 23.4.1876, S.12, veröffentlicht in ANNO)
 
Am 24. Februar 1882, um 2 Uhr morgens, brannte die dem Paul Lindner gehörige Schiffmühle ab, ohne sonstigen Schaden anzurichten. Die Brandursache war wieder unbekannt.
(Pfarrchronik Altenwörth, Pfarrer Peter OTTEPP (1873-1889), S.139)
 
Der aus Niederrana (OÖ) stammende Anton Haslinger ist in den Pfarrmatriken erstmals 1889 bei der Geburt des Sohnes Franz auf Nr. 21 erwähnt.
Am 22. März 1896, um ½ 5 Uhr früh brannte das am Land beim Mühlwasser befindliche, dem Anton Haslinger gehörige Mühlhaus ab.
(Pfarrchronik Altenwörth, Pfarrer Karl SEDLMAYER (1890-1897), S.150)
 
Laut Aufzeichnungen in den Pfarrmatriken waren die letzten Mühlenbesitzer wahrscheinlich Paul Lindner, Karl Handbüchler und Anton Haslinger.
 
Die Donaukarte der DDSG aus dem Jahr 1918 zeigt nur mehr eine Schiffmühle am rechten Ufer oberhalb von Zwentendorf, eine Schiffmühle am linken Ufer zwischen Zwentendorf und Tulln und zwei Schiffmühlen unterhalb von Tulln.
(NEWEKLOWSKY. Die Schiffahrt und Flößerei, Linz 1954, S.210)
 
Bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges betrieb Anton Altmann neben dem Sägewerk eine Schrotmühle. Er legte das Gewerbe mit 1.1.1946 still.
(Unterlagen der Gemeinde Altenwörth, 6.11.1947)
 
 
Familie Bsteh
Joseph Bsteh wird 1779 bei der Heirat seines Sohnes Johann Michael in den Pfarrmatriken Kirchberg als Müller in Gigging 7 bezeichnet. Woher die Familie ursprünglich stammte, geht aus den Einträgen nicht hervor.

Johann Michael Bsteh  (geb. vor 1759 – 1829) wird als Schiffmüller genannt.

Dessen Sohn Michael Bsteh(1788 – 1849) übernahm die Mühle. Keiner der Nachfahren aus zwei Ehen führte den Betrieb weiter - einige der Kinder starben früh.
Nach seinem Tod ehelichte seine Witwe den um 20 Jahre jüngeren, aus Stetteldorf stammenden „Müllerjungen“ Ignaz Janisch (1829 – 1906). Aus dieser Ehe gingen keine Kinder hervor. Die Mühle dürfte dann verkauft worden sein.
 
Wie alle Müller hatte die Familie ein Haus im Ort. Johann Michael wird bei seiner Heirat in Gigging 7 genannt, bei seinem Tod in Altenwörth 9.
Michael ist in Altenwörth 5 geboren und auf Nr. 37 (später Gasthaus Hametner) gestorben, wo auch die meisten seiner zehn Kinder geboren sind. Er dürfte das Haus also um 1830 erworben haben.
Seine Witwe Barbara geb. Weiger hat mit ihrem Gatten Ignaz Janisch im Haus Nr. 39 gewohnt, wo beide auch verstorben sind. Er war auch Vizebürgermeister bzw. 1. Gemeinderat.
 
Anton Bsteh, ein Bruder von Johann Michael war Viktualienhändler in Altenwörth.
Johannes Bsteh war Obsthändler.
Eine Schwester heiratete einen Müller in Zwentendorf, Schwester Anna den Johann Scheuchenstuhl, dieser Name ist älteren Bewohner noch ein Begriff.
Carolina, eine Tochter von Michael, heiratete den Müller der Krottenmühle bei Bösendürnbach. (Die Müller dürften häufig untereinander geheiratet haben.) 
 
 

Weitere Quellen:
Pfarrmatriken Altenwörth und Kirchberg am Wagram

 

Juli 2021, letzte Änderung Jänner 2024
Maria Knapp