Spende von Rothschild

 

Mit einer Angelegenheit, die heute keine Meldung wert wäre, beschäftigten sind in der judenfeindlichen Zeit um 1900 gleich mehrere Zeitungen der Monarchie. 
 
Rothschild-Spende an einen daitschen Verein.
Dem Gesangsverein zu Kirchberg am Wagram hat über dessen Bittgesuch der Jude Rothschild den Betrag von 10 fl gespendet. (Kirchberg am Wagram liegt nicht in der Bukowina.) Das Grazer Wochenblatt Nr. 41 vom 9. October bringt hierüber folgende Notiz:
Aus Obersteiermark. Bisher genoß der Gesangverein von Oberzeiring (Steiermark) dank seines judenzenden Obmannes das unbestrittene Vorrecht, von dem „Baron“ Rothschild Gunst und Geld erbettelt und erhalten zu haben. Nun hat ihm der Gesangverein von Kirchberg am Wagram die Palme entrissen: auch dieser hat sich als Bettler an den Herrn „Baron“ gewandt und von ihm ein Almosen von 10, sage zehn Gulden erhalten – der Oberzeiringer hat sich doch 100 Gulden erbettelt. Das Merkwürdige an der Sache ist aber, daß die biederen Kirchberger den edler „Baron“ ob seiner großen Freigiebigkeit preisen, da er, obwohl so vielfach in Anspruch genommen (Gott über der Welt! Der Arme!) doch noch etwas gespendet habe (vom Christengeld, was er hat gewonnen auf der Börs! Haßt mer ä Stuß!) Sollen sich schämen die Kirchberger!
(Der Bote aus dem Waldviertel vom 1.11.1892)
 
Sogar in der Ostdeutschen Rundschau befand sich ein ähnlicher Artikel zu dem "Vorfall".
 
 
(Edle Thaten) … Der theoretische und praktische Grundsatz dieses „Erzmarthyrers“: „Ich halt’s mit dem, der mir was gibt“, scheint auch die Devise des Kirchberger Gesangsvereines zu sein; denn nur so läßt sich die merkwürdige, von mehreren Blättern veröffentlichte That erklären, daß derselbe mit demütiger Bittschrift um eine milde Gabe vor dem Throne des Judenkönigs Rothschild erschien. Welchem ehrlichen Christenmenschen greift das nicht an’s Herz?
O deutscher Sänger, deutscher Mann!
Ob denn kein Christ dir helfen kann?
Muß du wohl erst zum Juden geh’n
Vor ihm als armer Bettler fleh’n?
Die Bagatelle von 10 fl hätte doch gewiß jeder besser situirte Bauer hergegeben, wenn die Bedürfnisse des Vereines unbedingt eine Unterstützung erheischen. Muß da erst der Jude als großmüthiger Helfer und Retter auftreten, um dann von Christen als solcher gepriesen zu werden? Der Jude ist der Feind des Christen in materieller und geistiger Beziehung, vom Binkel- und Preßjuden angefangen bis zum Pariser Rothschild, der bekanntlich dem Philosophen Renan 1 Million Franken gab für die Herausgabe seines gottlosen Buches: „Das Leben Jesu“, wodurch Christenthum und christlicher Glaube möglichst beschädigt werden sollte. Und zu einem solchen Christenfeinde geht ein Verein, dessen Leiter und Grundstock Volksschullehrer sind, betteln! !“Lieb‘ Vaterland magst ruhig sein“, wenn solche gesinnungstüchtigen Geister deine Jugend leitet!
(Kremser Zeitung vom 13.11.1892)
 
 
Am 27. November ließ der Kirchberger Gesangsverein vom Vorstand Anton Berger (auch Schulleiter) in den Kremser Nachrichten verlauten, dass es sich bei den „Spendenaffaire“ nicht um diesen, sondern um den neu gegründeten Musikverein gehandelt habe, der mit dem Gesangsverein nicht zu tun hatte.
 
 
 
Mai 2021
Maria Knapp