Christoph von Trenbach

 

Pfarrherr in Kirchberg von 1538 von1552

Die schillerndste Persönlichkeit unter den hiesigen Pfarrherren war zweifellos Christoph von Trenbach (oder Trenbeck), der hier von 1538 – 1552 Pfarrer war. Er gehörte dem niederbayerischen Uradel mit dem Stammhaus Obertrennbach bei Eggenfelden an. 

Er war bereits mit 21 Jahren Ober-Kellner des Domkapitels und mit 25 Jahren Domherr und Weinlesemeister in Stein an der Donau. 27-jährig ist er Pfarrer zu Kirchberg und mit 31 Domprobst zu Passau.

Aus diesem Grunde war er nicht ständig in Kirchberg anwesend, sondern delegierte die Aufgaben in Kirchberg an diverse Priester (oder Vikare). 

Wie Visitatoren berichteten, hielt er einen Schulmeister und Organisten, Succentor (Musiker, Sänger o.ä.), sowie Sängerknaben, hatte fünf Priester, verrichtete den Sonntagsgottesdienst an hochzeitlichen Tagen mit Metten und Vesper und Verkündigung von Gottes Wort. Sein Lebenswandel war gut und ehrbar.

 

Bild: © Trenbeckchronik, NÖ Landesarchiv 


Der Pfarrhof in Oberstockstall

Nachdem seine Vorgänger im Pfarramt (ebenfalls Domherren zu Passau) kaum in Kirchberg anwesend waren, war der Pfarrhof in Oberstockstall ziemlich verfallen als er seinen Dienst hier antrat. Da er zur Überwachung der Gegenreformation seinen Hauptsitz hierher verlegte, ließ er den Pfarrhof von Grund auf neu erbauen, nur die Kapelle des Pfarrers Rudger blieb stehen.

Schriftband und Wappen der Trenbachs über einer Tür im Schloss Oberstockstall

   
Aufgang zum Haupttrakt - Dienstbotentrakt
Zeichnungen von Otto Fandl

 

Anschließend an den 2-stöckigen Haupttrakt befand sich in Richtung Norden der Gesindetrakt mit 4 vollständigen Bedienstetenwohnungen, wo Trenbachs zahlreiche Dienerschaft wohnte.

Er war wahrscheinlich auch der Urheber des Alchimistenlabors dort und die führende Kraft in der Gegenreformation in Österreich, die sein Stiefbruder Urban nach seinem Tod mit Kardinal Khlesl fortführte.

 

Die Trenbeck-Chronik

Major Eduard Wettendorfer (ein Heimatforscher aus Kirchberg, 1884 – 1954) spürte die prächtige „Chronik der Trenbecken von Trenbach“ im n.ö. Landesmuseum in St. Pölten auf und transkribierte die Eintragungen über Christoph von Trenbach. Die Chronik wurde um 1560 vom Schulmeister Anton Auer-Krems geschrieben und vom Maler Leonhard Abent-Passau mit farbigen Bildern ausgegeschmückt. Wir finden auf Seite 210 das farbige Porträt von Christoph von Trenbach zu St. Mörthen und Winkelberg, Domprosbst zu Passau.

 

Das Familienwappen gezeichnet von Dr. Delapina

  

Christoph, Sohn des Herrn Rudolf von Trenbach zu St. Martin, wurde am Karsamstag des Jahres 1511 in Riedenburg geboren. Von Jugend an hatte er große Lust zum priesterlichen Stande. Das war gegen den Willen seines Vaters, der ihn zu Herrn Cyriak von Polheim schickte, um ihn höfisch erziehen zu lassen. Auch wollte er, dass sein ältester Sohn heiraten solle, und gleichsam den anderen Geschwistern ein Vater sei. So wurde Christoph, gegen den Willen seines Vaters, mit Hilfe des Herrn Hans von Schönburg, der Domherr von Passau war, hernach Abt zu Melk und später Bischof von Gurk, am 7. Juli 1532 Domherr zu Passau. Danach war er vierzehn Jahre Oberkellner des Passauer Domkapitels in Österreich und Pfarrer von Kirchberg am Wagram. Christoph erbaute den Pfarrhof in Oberstockstall von Grund auf neu. Die Kosten beliefen sich auf mehr als neunzehnhundert Gulden. 1542 wurde er vom Herrn Erhard von Leonrad zum Koadjutor der Dompropstei angenommen, mit Bewilligung des Papstes. Darauf wurde Christoph Dompropst (die genaue Jahreszahl ist nicht bekannt), behielt aber daneben die Pfarre Kirchberg und kaufte die nahe gelegene Herrschaft Winklberg, welcher die Vogtei über den Pfarrhof hatte, von den Landherren von Puchheim.

Sein Leben und Handeln stellte Christoph unter den Leitspruch, der besagt, man solle nie auf Angaben der stets verleumderischen und lügnerischen Leute aus der Menge etwas geben, und immer eine feste Faust auf sie halten.

1546 kaufte er von seiner Stiefmutter und seinen Stiefbrüdern um viertausend Gulden den halben Teil von St. Martin. Seinen Stiefbruder Urban hatte er eine Zeitlang erzogen, brachte ihn an die Wiener Universität und verhalf ihm 1642 zu einem Kanonikat in Passau. Hernach schickte er ihn unter ziemlichen Kosten in das Welschland, wo er auf etlichen Universitäten fünf Jahre verweilte.

Christoph stand auch in Verbindung mit König Ferdinand, der ihn oft in Kommissionen einsetzte, da er als sehr friedliebend bekannt war. Ferdinand wollte ihn auch zum Abt in Melk machen, als Christophs Gönner Johann von Schönburg Bischof in Gurk wurde. Allein das schlug er mit der Begründung aus, daß er niemals ein Mönch gewesen wäre, und die Kutte nur wegen der Ernennung anzulegen weder ehrbar noch rühmlich sei.

Seine treuesten Diener versorgte Christoph selbst. So hat er den Martin und den Jakob Wisenpurger zu priesterlichen Würden verholfen, den Georg Achleutner machte er zu einem vermögenden Wirt in Hadersdorf, dem Wolf Störer von Schwanenstadt verhalf er sogar zu einem Wappen und Adelsbrief und mit Christophs Hilfe wurde er Bürger von Ried und kam in den Inneren Rat. Dem Hilari Curolt, seinem Kellner schanzte er die vermögende Tochter des Kirchberger Fassbinders zu und machte ihn so zu einem Kirchberger Bürger.

Als Christoph 1552 von Seebarn heimritt, begegnete er unterwegs einem pestkranken Knaben auf einem Karren. Als er nach Hause kam, fühlte er sich nicht wohl und schickte am Samstag, den 3. Dezember eilends zum Doktor Andreas Plank nach Wien. Dieser verordnete im zwei Getränke. Der erste Trank befreite von Kopfweh, der zweite war ihm allerding zu stark. Christoph lag noch bis Mittwoch, 7. Dezember zu Bett, schickte sodann neuerdings nach dem Doktor, der aber erst nach seinem Tode eintraf. Als Christoph merkte, dass seine letzte Stunde gekommen war, ließ er das Gesinde zu sich rufen und ermahnte sie zu guten Taten, dann sprach er zu sich selbst: „ach du züchtig madensakh dies ist alles zu wenig auf dich, dir hat wohlgethan, das man dich genedigen herrn geheissen, das du all cästen mit getraidt, all kheller mit wein gefült, bist Got undankhbar gewest, der allmechtige Got sollte dich viel strenger strafen.“

Christoph verstarb am 8. Dezember 1552 im Oberstockstaller Pfarrhof. Er hatte gelebt 41 Jahre, 7 Monate und 20 Tage. Man überführte ihn nach Passau, wo er, durch acht seiner Diener begleitet, am 21. Dezember ankam. Er liegt in der Herrenkapelle auf der rechten Seite neben dem Altar begraben. Sein Bruder Urban spendete für ihn einen ewigen Jahrtag in der damals neuen Trenpeckischen Kapelle in Passau.

Da Christoph zu Lebzeiten als vermögender Mann galt, war man umso überraschter, als man sah, dass er Schulden in der Höhe von 22.000 Gulden hinterlassen hatte, und all sein Gut kaum zur Bezahlung reichte. Auch fehlte es nicht an übler Nachrede. Besonders hervor tat sich der Apotheker von Krems, dem Christoph 4.000 Gulden schuldete. Der Apotheker forderte öffentlich, dass man Christoph wieder ausgraben, und an einen Galgen hänge sollte. Der Schimpfer bekam sein Geld, musste allerdings auch bekennen, im Zorn und gegen die Wahrheit gesprochen zu haben. Sein Widerruf wurde eingetragen in das Stadtbuch der Stadt Krems und Stein, und fand statt am 29. Dezember 1554, im Hause des Wolf Störer des Jüngeren, eines Bürgers zu Stein und ehemaligen Dieners von Christoph.[1]

Bei der Visitation der Pfarre 1543/44 war Christoph bereits Dompropost von Passau. Das Einkommen der Pfarre setzte sich zusammen aus Pfennigdiensten von behausten Gütern (11 fl 7 ß 3 d) aus Überlanddiensten und dem halben Teil des Zolls vom Ochsenmarkt (10 fl 6 ß 4 d) weiters aus dem Getreidezehent (insges. 24 Muth und 20 Metzen), aus dem Weinzehent (6 Dreiling und 12 Eimer), sowie aus dem kleinen Zehent (7 Gänse, 28 Hühner, 29 Käse, 4 Joch Weingärten und 96 Joch Äcker). Von diesem Einkommen musste er der Pfarrer drei Priester, einen Schulmeister, Succentoren, Sängerknaben, das Gesinde, das zur Pfarre gebraucht wurde, samt Besoldung, Essen, Trinken und Kleidung unterhalten. Das Einkommen von 54 ¾ Joch Acker (2 Metzen Getreide vom Joch) verwendete Christoph zu Ausbesserungsarbeiten und zur Erhaltung der Kirchenbeleuchtung.[2]

 

[1] NÖLA, Trenpeck-Chronik, Handschrift 327.

[2] Staatsarchiv, Visitationsprotokolle, suppl.cod.415, fol 274 – 276. 

 

Quellen:
Major a. D. Eduard Wettendorfer
Dr. Franz Eiselt: Beiträge zur Geschichte des Marktes Kirchberg am Wagram, Dissertation, Wien, 1972
Trenbeck-Chronik, NÖ Landesarchiv St. Pölten
Dr. Rudolf Delapina
Otto Fandl

 

März 2013, Änderung: September 2022
Maria Knapp