Johann Carl Delapina

(29.7.1671, Freistadt – 10.11.1727, Etsdorf am Kamp)
 
 
Johann Carl, der älteste Sohn von Andreas Delapina, erlernte das väterliche Gewerbe des Rauchfangkehrers, begab sich dann wahrscheinlich auf Wanderschaft und wurde schließlich in Purgstall an der Erlauf sesshaft. Dort heiratete er 1696 Sabina Justina Lakhner, Tochter des Georg Lakhner, Bürgers und Handelsmannes. Georg Lakhner verstarb 1689, seine Witwe Maria führte das Geschäft als erstes Ladengeschäft in Purgstall weiter. Sabine, die ältere von drei Geschwistern, bestimmte die Mutter 1696 als Geschäftserbin.
 
„Auf der Wyden“ war der Teil Purgstalls am rechten Ufer der Erlauf, wo sich auch die stattliche Pfarrkirche befindet. Auf dem Haus Nr. 90 bestand das Lakhner- bzw. Delapin’sche Kaufmannsgeschäft – später unter anderen Inhabern – bis 1907, wo es die anderen Kaufleute des Marktes aufkauften und stilllegten. Es wurde umgebaut und beherbergte um 1941 das Postamt.
Sein erlerntes Handwerk übte Johann Carl mindestens bis zum Jahre 1704 aus, da er mit seinem Gewerbe in den Ratsprotokollen mehrmals Erwähnung findet. Er dürfte die Arbeiten im Namen der Rauchfangkehrerbrüder Johann und Jakob Martin, St.Pölten und Ybbs, ausgeführt haben, die ihm laut Ratsprotokollen seine Zahlung schuldeten. Noch 1705 wurde er zur Teilnahme an der regelmäßigen Beschau der Feuerstätten als Fachmann herangezogen.
 
Wie ein roten Faden ziehen sich durch die Ratsprotokolle die Klagen Carl Delapinas gegen die immer mehr auftauchende Konkurrenz in seinem Kaufmannsgeschäft – 1704 gegen Strumpfstricker, die Ware feilboten und gegen den Gerber Scheiblauer, der mit Knoppern handelte; 1705 gegen unbefugten Verkauf von „Trinktobak“, wie damals Rauchtabak bezeichnet wurde, gegen einen Hutmacher wegen Wareneinkaufes und 1706 gegen Hausierer. 1710 zählt er an Konkurrenten auf: Hausierer, Materialisten, die so Spezerei nebenbei handeln, Pantlkhramer usw. Um 1719 begann ein im inneren Markt in Purgstall ansässiger Schneider namens Puchinger auf dem Haus Nr. 40 ein ähnliches Geschäft. Der Konkurrenzstreit zwischen beiden zog sich viele Jahre lang fort und beschäftigte nicht bloß den Marktort, sondern selbst die Landesbehörden in Wien; denn Dellapina behauptete, daß in Purgstall bloß ein Kaufmann sein dürfe, weil nur einer sein Drauskommen finde; doch musste er sich schließlich bequemen, auch dem Konkurrenten gewisse Artikel zuzubilligen.
 
Wie aus einem Ratsprotokoll von 1704 hervorgeht, hat Delapina auch am Salzhandel teilgenommen, u.a. auch in der Weise, dass er anderen Bürgern ihre zugewiesene Salzquote zum Weiterverkauf ablöste. Außerdem war er Mauteinnehmer.
 
Delapina war ein loyaler Bürger, wie u.a. aus einem Steuerrückstandsregister von 1706 - 1711 hervorgeht, wo sein Name zu den wenigen gehört, die keinen Rückstand hatten. Am öffentlichen Leben beteiligte er sich mit großem Eifer. Während des spanischen Erbfolgekrieges,  der seine Schatten bis ins Erlauftal warf, war er einer der beiden Wachtmeister, die den Wachdienst der Bürgerschaft organisierten. Ab dem Fasten-Pantheidung 1705 zählte der zum „Ausschuss der Bürgerschaft“. Als solcher fertigte er auch die Marktrichterrechnungen mit und drückte seiner Unterschrift sein Siegel bei. Dieses zeigt in einem dreigeteilten, herzförmigen, von zwei Blätterzweigen umschlossenen Schild die Initialen I.C.D. Dieses Herz ist von einem Handelszeichen überragt, das unten noch einen Querbalken trägt. 1707 wurde er zum Ratsbürger gewählt. 1718 ist er im Namen des Marktes in Steyr unterwegs.
 
Nach dem Tod seiner ersten Gattin  im Jahr 1721 heiratete er im selben Jahr Maria Theresia Dill aus Scheibbs.
Auf einer Reise ins „Weinland“ ist er im Jahr 1727 mit 56 Jahren unverhofft in Walkersdorf an einer Kolik verstorben und am Etsdorfer Friedhof, der sich damals um die Kirche befand, beerdigt worden. Der mittlerweile restaurierte Grabstein befindet sich noch immer an der Außenwand der Kirche.
Der Grund seines Aufenthaltes könnte ein Besuch der Pfarre Etsdorf gewesen sein, denn sein Sohn Franz sollte im Jahr 1728 die Nachfolge von Pfarrer Johann Gabler antreten, der am 10. Jänner 1728 verstarb.
 
Aus dem Sterbebuch der Pfarre Etsdorf,  1701-1784, Seite 636:
November 1727 den 10ten ist Cond. worden, Herr Carolus Delapina gewester Handelsmann in Purgstall alt 58 Anno         
 
Grabinschrift                                                          
[W]eylandt des wohledlen auch wohlfurnehmen                             
Herrn Johann Carl [D]ela[p]in Leben[d]ern Rath[e]                    
gewesten Bürger und Handelsmann zu Burggstall in                      
Oeste[re]iche. Alß derselbe de 9 November 172[7]            
Auf seiner das Weinland vorgenommenen [Rei]ß
d[u]rch eine Ihme ganz unverhofft zugestossene                 
Colic im 58 Jahr s[ein]es alters zu [W]alkerstorff   
[d]aß zeitliche gese[gnet] und alhier in dießem                  
   Freydt[h]off begraben worden                                         
Stehe. siche…………………….a[llhier]                                
Welcher vorhin …..ch mit d..
    [G]lebet und gew[a]ndlet
[D]en Mann [ein] [Ka]uffmann oh[n] betrug
Der ma[ß] und gwicht gab all[z]e[it] gnug
Dem somit Ihm geha[nd]tet
Von Fremdten oh..  [mü]elt gr.en Gwin
Nach Kauffm[an]..arth mit reifen Sinn
Stätts suechen und [ei]nho[ll]en
[Dr]umb nicht zu Hauß wohl in [dem] .andt
Dem Todt alhier ganz …..ant
Diese Hand hat Zahlen [s]ollen
Die Gottsforcht ihm … Segen bracht
Weil [E]r der a…………. gedacht
Mit .……. [Ba]mherzig[k]eit
Ha.. …iell[e]ic[ht] … guttes gnossen
.o ……….[hm]…..l[e]b[e]n bschlosen
.[ett] so gni[e]……….Hi[m]els Freud
(Abgeschrieben von Hermine Ploiner, Etsdorf)  


Der Grabstein an der Südseite der Etsdorfer Kirche                                    
    
 
1749, nach mehreren Querelen mit Handwerkern und dem Rat übergab die Witwe ihr Haus samt der darauf haftenden Gewölbhandlung und der dabei befindlichen Grundstücke dem Sohn Johann Ferdinand, der aus der ersten Ehe ihres Gatten mit Sabina Lakhner stammte.
 
 
Die Kinder von Johann Carl Delapina aus erster Ehe:
  1. Johann Franz (28.1.1697 - ? Wien), er wird Priester und nennt sich fortan Jonas Franz, u. a. war er in Kirchberg am Wagram tätig.
  2. Anton Bonifaz (5.6.1698 – vor 1721), er ist offenbar vor 1721 verstorben, da er in der Abhandlung seiner Mutter nicht erwähnt wird.
  3. Carl Joseph (geb. am 22.1.1700), er ist zwischen 1721 und 1728 verstorben und hat eine Tochter in Salzburg hinterlassen.
  4. Maria Rosalia (geb. 10.8.1703), sie heiratete 1724 Adam Glöckl.
  5. Jakob Ignaz (21.7.1707 - vor 1721)
  6. Johann Ferdinand (17.8.1708 – 10.5.1761), er besuchte das Linzer Gymnasium. 1733 heiratete er Eva Maria Thürr, Tochter des Eisen- und Provianthändlers Bernhard Thürr, legte das bürgerliche Gelöbnis ab und zahlte 15 fl für sein Bürgerrecht. Eva Maria starb noch 1733. Ferdinand hat mit dem Haus auch die Eisen- und Provianthandlung übernommen. Dies war ein privilegiertes Gewerbe, welches stets die ersten Familien Purgstalls innehatten. Der Markt hatte nämlich das Vorrecht, die Verproviantierung des kaiserlichen Kammergutes und Erzbergbaues am Erzberg zu besorgen und dafür Roheisen einzuhandeln und an die Eisen verarbeitenden Hauptgewerkschaften in Waidhofen und Scheibbs weiterzuverkaufen.
Von seiner zweiten Frau ist nur der Name Theresia bekannt. Sie schenkte ihrem Gatten von 1736 an 15 Kinder, die aber größtenteils früh verstarben.
  1. Jakob Anton (1.5.1712 – 4.4.1785), er begründete die Kirchberger Linie.
  2. Joseph Benedikt (7.3.1715 - vor 1721) 
Aus zweiter Ehe:
  1. Franz Karl Michael (5.9.1722 – 2.10.1786, Etsdorf am Kamp), er wurde Priester, näheres siehe hier.
  2. Maria Theresia Elisabeth (geb.10.11.1724), sie heiratete 1748 in Purgstall Johann Leopold Galle, hochfürstl. Passauischer Pfleger und Oberförster im Schloss Greiffenstein, 1758 ist er als Pfleger zu Königstetten bezeichnet.
  3. Johann Joseph (7.5.1727 – 13.5.1798), er nennt sich später Joseph Carl oder Carl allein. 1749 heiratete er 1749 Maria Catharina Wenger, Tochter des Carl Joseph Wenger, Bräumeister in Waidhofen an der Ybbs. Er dürfte nach seinem Halbbruder Johann Ferdinand das Vaterhaus übernommen haben. Seine Gattin starb am 16.6.1793.
Sohn Felix Carl Joseph, geb. am 2.4.1759 scheint das Handlungshaus übernommen zu haben, denn 1792 ist von der Delapinischen Hausübernahme die Rede. Nach 1798 scheint kein Vertreter der Familie mehr in Dokumenten in Purgstall auf. 
 
 
Quellen:
Unterlagen der Familie Delapina, Kirchberg am Wagram
Briefe des Hans Marckhgott, Linz, 1935, an Dr. Rudolf Delapina
Pfarrmatriken Purgstall, Etsdorf
 
 
November 2022
Maria Knapp