Ehrenbürgerschaft Hitlers

 

Wie in vielen anderen Orten wurde Hitler auch in Kirchberg die Ehrenbürgerschaft verliehen. 
Die Chronologie anhand von Zeitungsartikeln:
 
SP-Gemeinderat stimmt für Ehrenbürgerschaft Hitlers.
Nicht nur in Deutschland, sondern auch in Oesterreich
Die „Dötz“[1] vom Freitag berichtet.
„Der Gemeinderat von Kirchberg am Wagram hat mit einstimmigem Beschluß vom 9. d. über Antrag der Ortsgruppe Kirchberg am Wagram der NSDAP, Hitlerbewegung, Reichskanzler Adolf Hitler zum Ehrenbürger ernannt.
Bemerkenswert hiezu ist, daß die drei christlichsozialen Gemeinderäte dieser Gemeinderatssitzung fernblieben, dagegen aber der langjährige einzige sozialdemokratische Gemeinderat dafür stimmte.
Wir sind selbstverständlich weit entfernt davon, den täglichen Lugen der „Dötz“ Glauben zu schenken. Aber in diesem Fall handelt es sich um eine so konkrete und so leicht überprüfbare Behauptung, daß wir an die Sozialdemokratische Partei die dringliche anfrage richten müssen, wie es sich in diesem Falle tatsächlich verhält. Die Arbeiter sind begierig zu erfahren, ob tatsächlich auch in Oesterreich bereits sozialdemokratische Funktionäre den Weg  nicht nur zum schwazren, sondern auch schon zum braunen Hitler-Faschismus gefunden haben. Die Arbeiter warten auf eine rasche Antwort.
(Die Rote Fahne vom 14.5.1933)

 
Wo Adolf Hitler heute noch Ehrenbürger ist
Kommando zurück
………. Am 19. Juni 1933 wurde die Nazi-Partei verboten und Hitler die Ehrenbürgerschaft reihum aufgekündigt.
Nach dem 12. März 1938 war wieder alles anders. Aus sämtlichen Gauen langten packweise die Ersuchen um Annahme der Bürgerauszeichnung in der Berliner Privatkanzlei des Führers und Reichskanzlers ein. Im Wiener Verwaltungsarchiv liegen die untertänigsten Schreiben aus Haslach, Kobersdorf, Leutasch oder Mariazell, Kirchberg am Wagram, St. Lambrecht oder St. Oswald, Michaelerberg, Weppersdorf, Neudegg, Gleisdorf, Haidendorf, Kleinweikersdorf oder Niederfellabrunn, Graz oder St. Marein im Mürztal.
…Karl Zimmermann, Bürgermeister von Kirchberg am Wagram: „Das ist alles schon begraben. Ich war selber Soldat, da war es eben so, dass viele Leute Gauner waren. Es gab Unmenschen, aber die gab es auch bei Napoleon und Stalin.“
(Profil, 25. Mai 1987)

 
Überraschung zum 100er des „Führers“
Schock wegen Hitlers „Ehrenbürgerschaft“!
„Nein, widerrufen hat man die Ehrenbürgerschaft für Adolf Hitler meines Wissens nach nie!“, sagt Kirchbergs Bürgermeister Karl Zimmermann, dem der ganze Trubel rund um den Fund einer Marmortafel aus dem Jahr 1938 sichtlich peinlich ist. Zuerst hatte man den historischen Fund ohnedies geheim halten wollen, aber dann sickerte doch etwas durch….
Ausgerechnet wenige Tage nach dem magischen Datum „20. April“ (100. Geburtstag Hitlers, Anm. d. Red.), am 26.April, stießen die Bautrupps bei Auskofferungsarbeiten an der neuen Mehrzweckhalle neben der Volks- und Hauptschule auf Kriegsrelikte. Einige Stahlhelme und eine fast 50 kg schwere Marmortafel.
Bürgermeister Zimmermann ließ die nur leicht beschädigte Tafel sicherstellen und reinigen. Folgende Inschrift trat zutage: „Sieg Heil Schöpfer Gross-Deutschlands. Unserem Ehrenbürger Adolf Hitler. 1933 – 1938“.
Wie die Marmortafel ausgerechnet auf das Areal der heutigen Schule gekommen ist? Dort habe es früher eine Deponie gegeben, schon in der Zeit nach dem Weltkrieg, weiß Bürgermeister Zimmermann zu berichten. Neben anderen Kriegsrelikten verschwand auch diese Tafel im Erdreich. Für alle Zeiten, wie man sicherlich damals glaubte.
In der Zwischenzeit haben Bürgermeister Karl Zimmermann und sein Gemeindesekretär auch versucht, in alten Dokumenten Aufschluss über eine damalige Verleihung der Ehrenbürgerschaft an Adolf Hitler zu finden.
Allerdings vergeblich, Aufzeichnungen aus der damaligen Zeit gibt es so gut wie keine.
Und es wird auch sicherlich die politischen Verhältnisse in der Wagram-Gemeinde nicht verändern, dass man hier um eine – wenn auch fragwürdige – Ehrenbürgerschaft reicher ist!
(NÖN, Tullner Bezirksnachrichten, 10. Mai 1989, Günther Rapp)

 
Geschichtswissenschaftlerin thematisiert jetzt die noch immer bestehende Ehrenbürgerschaft Hitlers.
Wie in vielen anderen Gemeinden auch, wurde 1938 dem Diktator Adolf Hitler die Ehrenbürgerschaft der Marktgemeinde Kirchberg am Wagram verliehen. Das soll jetzt, wenn es nach den Vorstellungen der Geschichtswissenschaftlerin Ingrid Oberndorfer geht, per Gemeinderatsbeschluss rückgängig gemacht werden.
In einem Schreiben hat sich die in Grafenwörth beheimatete Wissenschaftlerin Anfang November an Bürgermeister Johann Benedikt und den Kirchberger Gemeinderat gewandt. „Ich regte an, Hitler posthum die Ehrenbürgerschaft zu entziehen, habe aber bis heute keine Reaktion erhalten“, so Ingrid Oberndorfer zur NÖN.
Gemeindechef Benedikt kennt das Schreiben und auch die Thematik um die Ehrenbürgerschaft. „Vor rund 25 Jahren ist das schon einmal auf Anregung des damaligen SPÖ-Vorsitzenden Josef Daniel diskutiert worden“, erinnert sich der Kirchberger Bürgermeister. „Damals war der Gemeinderat der Meinung, dass eine Ehrenbürgerschaft ohnedies mit dem Tod erlischt und deshalb keine Notwendigkeit für die Aberkennung besteht.“
Sollte sich herausstellen, dass eine Aberkennung der Ehrenbürgerschaft von Adolf Hitler notwendig sein sollte, so wird dies auch geschehen. Benedikt: „Dann beschließen wir eben“.
(NÖN, Tullner Bezirksnachrichten, 4. Dezember 2013, Günther Rapp)

 
Aberkennung der Ehrenbürgerschaft
Gemeinderatsitzung vom 17. Dezember 2013
Der Gemeinderat hat einstimmig beschlossen, Adolf Hitler posthum die Ehrenbürgerschaft zu entziehen.
(Der Bürgermeister informiert - Amtliche Mitteilung des Bürgermeisters der Marktgemeinde Kirchberg am Wagram vom 18. Dezember 2013) 
 
 
 
[1] Dötz: Deutschösterreichische Tages-Zeitung, war eine von 1921 bis 1933 erscheinende Tageszeitung. Sie stand am Ende einer Reihe stark nationaler, antisemitischer Blätter.
 
Dieser Beitrag wurde auch im Buch „Die NS-Zeit im Raum Kirchberg am Wagram, 2015, veröffentlicht.
 
Unsere Artikel, die NS-Zeit betreffend, die mit Emblemen des Dritten Reiches versehen sind, dienen nur dem Zweck der staatsbürgerlichen Aufklärung und der militär- und zeithistorischen Forschung über die Ereignisse und Vorkommnisse von vor über 70 Jahren. Wir wollen solche Darstellungen nicht als falsche Glorifizierung verstanden wissen und distanzieren uns dezidiert von nationalsozialistischem Gedankengut.
 
 
Jänner 2021, letzte Änderung Februar 2025
Maria Knapp