Johann Haupt


(um 1838 - 19.6.1873, Kirchberg am Wagram)
Schriftsteller und Steueramtsassistent am Bezirksgericht 
 
 
1864 wird er in der Wiener Zeitung als Steueramtsassistent am Bezirksgericht Kirchberg am Wagram und Spender für die Truppen des k.k. 6 Armeekorps genannt. Als Ergebnis  einer musikalisch-declamatorischen Abendunterhaltung waren ein kaiserlicher Dukaten, einem Silberzwanziger und 46 Gulden in Banknoten zusammengekommen.
 
Um 1863 war geplant, dem Deutschen Schriftsteller und Freiheitskämpfer Theodor Körner, der in der Schlacht gegen Napoleon bei Lützow den Heldentod gefunden hatte, in Kirchberg ein Denkmal zu errichten. Ob das Denkmal errichtet wurde, ist nicht bekannt. Im Korneuburger Wochenblatt erschien jedenfalls ein Bericht darüber mit dem Bemerken, dass sich auf den Spendenlisten drei Gedichte vom Dichter Johann Haupt befänden, von welchen sie eines veröffentlichten:

 
Theodor Körner.
 
Acrostichon[1]  von Johann Haupt.

Theurer Todter, ewig wirst du leben,
Ehrenvoll genannt in Deutschland sein:
O wie wirst Du uns so hehr umschweben,
Dichter, Held im schönsten Glorienschein!
Oben hoch stehst Du als Held der Waffen,
Rein verklärt Dich stets Dein geist’ges Schaffen!
 
Kleinod Du am deutschen Ehrenhimmel,
Österreich gedenkt auch freundlich Dein!
Ruhe aus von tollen Weltgetümmel,
Nie stirbst Du, - Du wirst unsterblich sein!
Ewig wirst du in den Deutschen leben,
Ruhmvoll war Dein Wirken, Schaffen, Streben!
 
Bild: Theodor Körner
https://commons.wikimedia.org/wiki/File:
Theodor_K%C3%B6rner_by_Dora_Stock.jpg 
 
Johann Haupt ist mit 35 Jahren am 19. Juni 1873 in Kirchberg 15 an Abzehrung[2] verstorben, er war zu diesem Zeitpunkt, wahrscheinlich seiner Krankheit geschuldet, Privatier. Er dürfte zu seiner Zeit eine gewisse Bekanntheit gehabt haben, die über den Bezirk hinausging.
 
 
Ein Weihnachtsgedicht 
 
Das Christkind kommt, der Himmelsbote,
Von allen Kindern heißersehnt,
Das Kind, das nach dem Machtgebote
So viele heiße Wünsche krönt.
Es bring den Kleinen seine Gaben,
Daß laut die Lust zum Himmel dringt;
Und die Betrübten will es laben
Mit Trost und Frieden, den es bringt!
 
Und wie die Kleinen, so nicht minder
Beglück‘ das Christkind auch mit Gnad‘
Die großen, die erwachs’nen Kinder
Auf dem durchkreuzten Lebenspfad!
Kein Mensch ist, dem nicht Etwas fehlet,
Wohl auf dem ganzen Weltenkreis,
Und Niemand, den nicht Etwas quälet,
Vom Kinde an bis auf zum Greis!
 
Doch ach, was wird am Besten frommen?
Was wollen wir uns wünschen schnell?
Was möchte jeder wohl bekommen
Vom Christkind, aus dem Gnadenquell?
Die Wünsche sind ja so verschieden,
Doch dieses wünschen alle wohl:
Gesundheit, Frohsinn, Seelenfrieden,
Und physisches, wie geist’ges Wohl!
 
Den Einzelnen mög‘ dann verleihen
Das Christkind, was denselben frommt,
Wodurch dieselben wohl gedeihen,
Wodurch das Heil zu Jedem kommt!
Den Frommen werde starker Glaube,
Den Ketzern wahres Himmelslicht,
Verseß’nen Mädchen bald die Haube,
Die ihrem Herzenswunsch entspricht! 
 
Den Mädchen werden Bräutigame,
Den Frau’n ein freundliches Geschick,
Und jeder ehrenwerthen Dame
Ein echtes volles Lebensglück!
Den jungen Männern werden Engel
Als holder Bräute auserseh’n,
Voll Anmut, Güte, ohne Mängel,
Gebildet, geistvoll, reich und schön!
 
Den Ehemännern sei verliehen,
Was ihnen bestens convenirt;
Wer zum Pantoffelheld gediehen,
Der werde bald emancipirt!
In jedes Haus die Eintracht ziehe,
Nur überall lach‘ heit’rer Blick!
Den Wittwen und den Wittwern blühe
Ein anmuthreiches, tröstlich‘ Glück!
 
Das theure Vaterland gedeihe
In Kraft und Würde herrlich schön,
Daß immer es in erster Reihe
Der mächt’gen Staaten möge steh’n;
Die höchste Ehre sei erwiesen
Dem höchstverehrten Herrscherpaar.
Heil sei Franz Josef und Elisen,
Dem Herrscherhause immerdar!
 
Gott schütz‘ das erste Volk der Erde,
Der Denker und der Dichter Land,
Daß es doch endlich einig werde
Und imponir‘ durch starkes Band!
Es raffe sich empor zu Thaten,
Und nimmer bleibe todt das Wort;
Mehr sei gehandelt als berathen!
Heil Deutschland dir, das Rechtes Hort.
 
 
 
[1] Ein Akrostichon ist ein antikes Schreibspiel, bei dem die Buchstaben eines Worts in einer Spalte untereinander aufgeschrieben werden. Jeder dieser Buchstaben bildet dann den Anfang eines neuen Worts oder eines Satzes.
[2] Krankheitsbild mit Kräfteverfall und starkem Untergewicht, z.B. bei Krebs, Tuberkulose
 
 
 
April 2023
Maria Knapp