Die Winkler Frösche

 


Aus der „Heimatkundlichen Stoffsammlung von 1948“, vermutlich von Lehrer Leopold Engelberger

… Die Bewohner des Ortes haben auch ihren Spitznamen. Sie werden von den „Drauszigen“ die „Winkler Frösch“ genannt, während man hier von den „Neustifter Feldmäusen“ und den „Engelmannsbrunner Kästenklaubern“ (Kästen=Kastanien) spricht.

In den Dörfern am Wagram (Engelmannsbrunn usw.) erzählt man sich, dass die Winkler am Kirchweihsamstag zum Seekreuz (Kreuz ca. 100 m vor dem Ort an der Strasze, die von Norden in den Ort führt) ziehen, und in der dortigen „Krotnlocka“ den „grossen Frosch“ fangen, schlachten, im feierlichen Zug ins Dorf tragen und dort braten. Dann bekommt jeder ein Stück davon, damit er zur Kirchweih einen Braten hat. Wenn man jedoch hinauskommt (z.B. nach Engelmannsbrunn) wird man mindestens einmal gefragt, ob denn „der Frosch schon foast“ sei. Denn dieser sagenhaft grosse Frosch wird von den Winklern schon seit dem Frühling auch sorgfältig gemästet.

Diese Geschichte spielt auf die Armut der Audörfer an und zeigt, um wie viel reicher sich die Weindörfer fühlen. Sie schlachten ja jeder ein Schwein zur Kirchweih, die Winkler aber alle zusammen nur einen Frosch.

Zur Wahrung der Ehre der Winkler sei aber hier festgestellt, dass besagter Frosch trotz genauester Umschau nicht entdeckt werden konnte, und dass die Winkler zur Kirchweih keine Frösche und „Krotnoal“ essen, sondern das gebratene Fleisch der „Kiretogsau“, die nur in Ausnahmefällen und in abnormalen Zeiten „schwarz“ ist.

 

Februar 2012
Maria Knapp