Pfarrer Franz Schindlauer 

Geboren am 20.9.1807 in Unterstockstall, verstorben am 11.12.1893 in Wien

 

Franz Xaver Schindlauer wurde im 20. September 1807 in Unterstockstall 23 als Sohn des Viehhirten Franz Schindlauer und seiner Gattin Theresia geb. Pizer, geboren. Priesterweihe 25.7.1833, verstorben ist er am 11.12.1893 in Wien  

Zeichnung: (Neuigkeits)WeltBlatt vom 1.1.1890, veröffentlicht in ANNO

Lebenslauf anlässlich seiner 50jährigen Priesterjubiläums

Der hochverdiente Pfarrer von St. Elisabeth auf der Wieden, Weltpriester Franz Schindlauer, ist geboren zu Kirchberg am Wagram im Jahre 1807. Derselbe absolvirte die Gymnasial-Klassen am hiesigen akademischen Gymnasium, die philosophischen und theologischen Kurse an der Universität in Wien und wurde am 25. Juli 1833 zum Weltpriester geweiht.
Der allgemein verehrte Jubilar wirkte als junger Priester durch vier Jahre in der Pfarre Reindorf bei Wien, wo er für die armen Knaben, die in den Druckfabriken verwendet wurden, und nie eine Schule besuchten, die Abendschulen einführte, dann durch elf Jahre als Kooperator und Katechet an der Hauptschule in der Pfarre St. Rochus und Sebastian auf der Landstraße. Im Jahre 1849 wurde er auf die Pfarre Grafenberg befördert, wo er durch acht Jahre in sehr ersprießlicher Weise wirkte und u. A. auch die Kirchenrestauration durchführte. Im Jahre 1857 erhielt er die l.f. Pfarre Wolfpassing, woselbst er als geistlicher Rath, Dechant und Schuldistrikts-Aufseher das Dekanat Pyrawarth mit 21 Pfarren und 23 Schulen verwaltete.

In dieser Stellung that sich der unermüdliche Priester namentlich zur Zeit der preußischen Invasion im Jahre 1866 und der damals grassierenden Epidemie rühmlichst hervor und gewann durch sein patriotisch-humanitäres Wirken alle Herzen. Im November 1866 wurde er auf die neuerrichtete Pfarre St. Elisabeth in Wien befördert, wo er somit seit 17 Jahren wirkt, geliebt von den Armen, geachtet von der ganzen Gemeinde, welche mit freudigem Herzen an dem Jubiläum ihres geliebten Pfarrherrn Theil nimmt.

Das siebzehnjährige Wirken des Pfarrers Schindlauer in seiner jetzigen Stellung ist eine fortgesetzte Kette von Mühen und Sorgen. War es doch keine geringe Aufgabe, eine neu errichtete Pfarre zu organisiren, und zwar eine Pfarre, die im Laufe der Jahre sich auf 60.000 Einwohner vermehrte, Kinderbewahranstalten und andere humanitäre Institute zu gründen und die große Seelsorge zu leiten. Im Jahre 1873 kam es vor, daß in der Pfarre, die bis an den Laaerberg sich erstreckt, mitunter 60 bis 80 kirchliche Funktionen täglich zu verrichten waren, so daß zwei Kooperatoren in kurzer Zeit den Strapazen erlagen.

Als fast 76jähriger Greis ertheilt der rastlos wirkende Pfarrherr noch immer den Bezirksgerichtsgefangenen auf der Wieden Unterricht in der Religion. Für seine anerkannten Dienste in Kirche und Schule wurde der geistliche Rath Schindlauer vom Oberhaupt der Kirche selbst durch die besondere Auszeichnung der Ernennung zum wirklichen geheimen Kämmerer Sr. Heiligkeit des Papstes belohnt.
((Neuigkeits) Welt Blatt vom 5.8.1883)
 

Auszeichnungen

1887 erhielt er aus den Händen des Wiener Bürgermeisters Eduard Ritter von Uhl die große goldene Salvator-Medaille in Anerkennung seines verdienstvollen Wirkens auf humanitärem Gebiet. (Wiener Allgemeine Zeitung vom 20.9.1887) 

1889 ist er als Ehrendomherr und Pfarrer bei St. Elisabeth in Wien in Pension gegangen. 

1890 schied er aus der Pfarre St. Elisabeth. Ein langer Zeitungsartikel dazu siehe hier.

1893 Im Oktober 1893 wurde er zum Ehrenbürger von Pernitz ernannt, da er für die Vergrößerung der dortigen Kirche einen größeren Geldbetrag gespendet hatte.
(Volksblatt für Stadt und Land vom 19.10.1893) 
 

Begräbnis

Unter zahlreicher Betheiligung namentlich der persönlichen Freunde aus dem geistlichen Laienstande des verstorbenen hochw. Ehrendomherrn Franz Schindlauer fand heute um 2 Uhr Nachmittags in der Dominicanerkirche dessen Leichenbegängniß statt. Auch Se. Eminenz der hochw. Herr Cardinal Fürsterzbischof Dr. Gruscha erwies dem verstorbenen verdienstvollen Priester die letzte Ehre und wohnte der feierlichen Einsegnung der Leiche in der Kirche bei. Unter den Trauergästen bemerkten wir noch den Canonicus Dr. Schneider, Propst Mena von Wiener Neustadt, den Reichsrathsabgeordneten Dobhamer, Vertreter verschiedener geistlicher Orden, der Dominicaner, Schulbrüder, viele Mitglieder katholischer Vereine ec. Nach der Einsegnung, welche der hochw. Herr Prälat Dr. Marschall vornahm, wurde die Leichnam nach Grafenberg in Niederösterreich überführt; dort erfolgt die Beisetzung auf dem Ortsfriedhofe.
(Das Vaterland vom 13.12.1893) 
 

Er vermachte dem katholischen Gesellenverein in der Gumpendorferstraße und den Congregation der Schwestern vom armen Kinde Jesu in Döbling je 2000 Gulden Notenrente, dem katholischen Waisenhilfsverein in Wien und dem Gersthofer Kirchenbauverein je 1000 Gulden Notenrente. Dem St. Vincenzverein für Hausarme wurde 2000 Gulden mit der Verfügung legirt, daß bei der Verabreichung von Unterstützungen besonders die Armen des Bezirkes Favoriten berücksichtigt werden sollen.
(Reichspost vom 13.2.1894)  

 

Oktober 2020
Maria Knapp